Der Urgeschmack von süß: Wie gesund ist Honig wirklich?

(Gastbeitrag) An Honig scheiden sich die Geister: Was die Einen als hochgesundes Nahrungsmittel loben, läuft bei den Anderen als reine Zuckerbombe. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Eines ist sicher: Honig ist allemal besser als Weißzucker – er hat einige Kalorien weniger, ist vielfältiger im Geschmack und Grundlage etlicher Hausmittel. Nur allzu viel sollte man von dem süßenden Tausendsassa nicht zu sich nehmen.

Süßer Geschmack – das war mal selten …

In der Natur beschränkt sich Süßes zumeist auf Spätsommer und Herbst, wenn die Früchte reifen und mit Fruchtzucker locken. Mensch und Tier empfinden diesen Geschmack als Sensation, denn er signalisiert schnelle Energie durch leicht verwertbare Kohlenhydrate. Daher ist es wenig verwunderlich, dass der Neandertaler in uns nach Süßem lechzt. Der Haken: Was früher eine seltene und begehrte Ausnahme in der Nahrungspalette war, steht uns heute in fast unbegrenzter Menge zur Verfügung. Das Angebot ist so groß, dass der Versuchung zu widerstehen schwerfällt.

… und Honig eine Rarität

Nirgendwo in der Natur kommt Zucker so konzentriert vor wie im Wintervorrat der Bienen. Wie der Mensch auf die aberwitzige Idee kam, sich trotz der wilden Gegenwehr an ihren Waben zu vergreifen wissen wir nicht. Dass das aber bereits in der Steinzeit so war, zeigen die Höhlenmalereien der spanischen Cueva de la Araña.1 Allzu oft werden sich unsere Vorfahren diese schmerzhaften Raubzüge nicht angetan haben. Auf die Idee, mit der Betreuung von Bienenvölkern leichteren Zugang zu der begehrten Spezialität zu erhalten kam man vor rund 7.000 Jahren in Anatolien. Ägypter, Griechen und Römer verfeinerten die Imkerei im Laufe der Jahrhunderte. Bis ins Mittelalter war Honig das einzige Süßungsmittel. Das änderte sich mit den ersten Zuckerrohrplantagen in der Karibik und der Verarbeitung der Zuckerrübe. Die daraus gewonnene Saccharose und andere Zuckerarten stehen heute in praktisch unbegrenzten Mengen zur Verfügung. Sie gelten als wichtigste Krankmacher unserer Zeit, denn Fettleibigkeit und Bewegungsmangel sind Hauptursachen für Bluthochdruck, Diabetes, Arteriosklerose und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.2 Wären wir doch bloß beim Honig geblieben!

Honig ist Zucker pur – und mehr

Ernährungsphysiologisch betrachtet bedeutet Honig vor allem Zucker. Der Gehalt an Traubenzucker und Fruchtzucker liegt jeweils zwischen dreißig und vierzig Prozent, wobei die Fruktose meist überwiegt. In dieser übersättigten Lösung sind weniger als zwanzig Prozent Wasser enthalten, sodass sie vor Bakterien und Pilzen geschützt ist.3, 4, 5 Hinzu kommen Vitamine wie Vitamin A, B-Vitamine und Vitamin C sowie Mineralstoffe wie Zink und Eisen. Als Quelle dafür ist Honig allerdings wenig geeignet – dafür müsste man täglich ganz erhebliche Mengen zu sich nehmen.6, 7 Für die medizinische Wirkung von Honig sind unter anderem Enzyme verantwortlich, vor allem Glukose-Oxidase und Katalase. Zusammen mit dem hohen Zuckergehalt wirken sie gegen Bakterien, Viren und Pilze, hemmen Entzündungen und fördern die Wundheilung.8, 9 Isst man den Honig, ist es mit der enzymatischen Wirkung vorbei, denn Eiweiße denaturieren durch die Magensäure und werden so wirkungslos. Nicht so bei äußerlicher Anwendung: Bekannt geworden durch extrem bakterizide Wirkung ist Manuka-Honig, einen ausführlichen Artikel gibt es bei Bienen.info. Enzyme spielen hier nur eine untergeordnete Rolle – er hat sie seinem hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO) zu verdanken.10

Wie viel Honig darf man essen?

Honig oder Zucker: Ernährungsphysiologen machen da keinen Unterschied. Eine offizielle Ernährungsempfehlung für Honig gibt es nicht, wohl aber für Zucker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation raten, maximal zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr mit Zuckern zu decken.11, 12 Viel ist das beim heutigen Überangebot nicht: 50 Gramm Zucker erledigen das bei einem durchschnittlichen Erwachsenen mit 2.000 kcal. Zum Vergleich: Die Honigportionen beim Hotelfrühstück enthalten meist 20 Gramm, ein Glas Cola rund 25 Gramm.

Honig oder Rohrzucker – Was ist besser?

Durch den hohen Gehalt an Fruktose ist Honig süßer als Haushaltszucker. Daher kann man ihn beim Backen nicht 1:1 als Ersatz einsetzen; stattdessen nimmt man nur drei Viertel der angegebenen Menge. Er ist nicht nur süßer als Zucker, er hat auch weniger Kalorien – immerhin ein gutes Viertel: 100 Gramm Rohrzucker schlagen mit 380 kcal zu Buche, Honig nur mit 300 kcal. Der größte Unterschied ist allerdings der Geschmack: Ist Weißzucker einfach nur süß, schmeckt jeder Honig anders. Daher mundet ein Tee mit Akazienhonig vollkommen anders als einer mit etwas Lavendelhonig, und Lebkuchen mit Invertzucker statt Honig ist kein Lebkuchen. Vollrohrzucker ist ebenfalls geschmacklich interessanter, hat aber ernährungsphysiologisch keinerlei Vorteile gegenüber der zusätzlich gebleichten Variante.13

Besser Imkerhonig statt Industriehonig

Hat man einen Imker um die Ecke wohnen, sollte man seinen Honig lieber dort kaufen als im Supermarkt. Abgesehen davon, dass sein Honig keine Weltreise hinter sich hat und daher einen besseren ökologischen Fußabdruck aufweist als Massenware aus Fernost, muss der Imker die strengen Verordnungen der Honigverordnung des Deutschen Imkerbundes einhalten.14 Das heißt, er darf den Honig nicht über 40 °C erwärmen, der Wassergehalt muss unter 18 Prozent liegen und andere Kriterien, die zu einer außergewöhnlich hohen Honigqualität beitragen.

Vorsicht vor Pestiziden

Der Gehalt an Pestiziden ist in deutscher Ware meist geringer als in Importhonig. Die Angabe Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern sollte man als Gefahrenhinweis betrachten: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat in jedem zweiten Honig aus dem Supermarkt Rückstände von Pestiziden gefunden.15 Der Gebrauch von Spritzmitteln macht vor Ackergrenzen nicht halt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Öko-Test in konventionell erzeugtem deutschem Honig ebenfalls Insektizide gefunden hat.16 Spitzenreiter waren Rapshonig und Blütenhonig mit hohem Rapsanteil. Mit Bio-Honig fährt man hier deutlich besser. Von Gesetzes wegen müsste das nicht so sein: Die Grenzwerte der deutschen Honigverordnung sind die gleichen sind wie bei Bio-Honig.17, 18

Welche Rolle spielt Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen?

Eine ähnlich traurige Trefferquote hatte Öko-Test bei Importhonig mit Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen: Fast die Hälfte der untersuchten Proben enthielt Blütenstaub von Gen-Mais und ähnlichem.19 Selbst innerhalb der EU ist man davor nicht mehr gefeit, seit man die Deklarationspflicht für Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen abgeschafft hat: Er gilt inzwischen nicht mehr als Zutat, sondern als natürlicher Bestandteil. Eine entsprechende Angabe ist daher nicht mehr notwendig. Wer keinen GVO-Pollen frühstücken möchte, sollte auf Honig aus Deutschland, Südosteuropa und fairem Handel zurückgreifen. Dort spielen Gen-Mais und -Raps keine Rolle, und der Einsatz von Pestiziden erfolgt sparsamer als etwa in den USA.

Was bedeuten bei Honig Bio und Fairtrade?

Bio-Imker müssen strenge Auflagen bei der naturnahen Haltung ihrer Völker einhalten und auf ausreichenden Abstand zu konventionell bestellten landwirtschaftlichen Flächen achten.20 Im Umkreis von drei Kilometern müssen vorwiegend Wildpflanzen wachsen. Dazu gehören ökologisch bestellte Äcker und Wiesen und Wälder. Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche zwei Pfundsgläser Honig. Mit inländischem Honig ist dieser Bedarf nicht zu decken. Will man trotz der schlechteren Ökobilanz auf ausländischen Honig zurückkommen, sollte man auf das Fairtrade-Siegel achten. Damit ist wenigstens sichergestellt, dass die einheimischen Imker einen gerechteren Lohn erhalten als von den großen Lebensmittelkonzernen.

Insektensterben: Imker fördern heißt Bienensterben verhindern

Mit dem Kauf von regionalem Honig beim Imker unterstützt man den Erhalt von Bienenvölkern, vor allem wenn dieser nach den Bio-Richtlinien agiert. Was trivial klingt, ist unheimlich wichtig: Bienen sind unsere fleißigsten Bestäuber – ohne sie gäbe es keine Äpfel, Birnen, und auf viele weitere Obstsorten sowie die meisten Gemüse müssten wir verzichten.21 Das vielzitierte Bienensterben ist nur die Spitze des Eisberges namens Insektensterben. Die Biomasse an Insekten hat in knapp dreißig Jahren um über 75 Prozent abgenommen – das sollte ein eindringliches Warnsignal sein.22 Denn für eine effektive Bestäubung sind auch Wildbienen notwendig, die nicht von Imkern umsorgt werden wie die Honigbienen.23 Ganz zu schweigen von den sonstigen Folgen für unsere Ökosysteme.

Tipps für den Gebrauch von Honig

Wie beim Zucker sollte man es auch mit Honig nicht übertreiben – im Übermaß sind beide ungesund. Gegen den Einsatz als Genussmittel spricht hingegen nichts. Zu seinen zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten gehören:

  • Honig in der Küche. Einfach die angegebene Zuckermenge durch dreiviertel des Gewichts an Honig ersetzen, etwa beim Backen.24 Welche Honigsorte schmeckt am besten? Ausprobieren!
  • Honig als Hausmittel. Berühmtestes Beispiel: Honig mit kleingeschnittenen Zwiebeln gegen Erkältungen. Der austretende Saft hilft bei hartnäckigem Husten und macht in den meisten Fällen ein Antibiotikum überflüssig. Davon profitieren vor allem Kinder.25
  • Honig gegen Pickel und Akne. Honig, insbesondere Manuka-Honig, wirkt bakterizid. Damit lassen sich Bakterien vertreiben, die Eiter bilden und hässliche Narben hinterlassen.26 Ab und zu eine Honigmaske pur oder mit Quark verrührt auftragen und nach einer halben Stunde mit Wasser abwaschen genügt. Zudem wird die Haut damit feucht und elastisch.
  • Honig gegen Hauterkrankungen. Honig hilft ebenso bei dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis.27 Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine ergänzende Behandlung.
  • Honig zur Lippenpflege. Die meisten Lippenpflegeprodukte enthalten Mineralöle, Paraffin und sind gesundheitlich fragwürdig. Öko-Test fand darin Stoffe, die im Verdacht stehen krebserregend zu sein.28 Viel gesünder, billiger und einfacher: Ab und zu die Lippen mit etwas Honig einreiben.29
  • Honig zur Wundheilung. Hier ist Manuka-Honig das Wundermittel. Er hilft nicht nur bei Druckgeschwüren, Unterschenkelgeschwüren und anderen chronischen Wunden, sondern auch bei normalen Schnittverletzungen oder Abschürfungen.30 Erstere sollte man den Experten überlassen, bei einfachen Verletzungen kann man eine Spur davon auf die Wunde auftragen, bevor man Pflaster oder Verband anlegt.

Bildquelle: Drawn of a painting from the caves of Cueva de la Araña by Achillea (Umzeichnung der mesolithischen Felszeichnung eines Honigjägers oder einer Honigjägerin, der auf einem Baum geklettert ein Bienenvolk ausbeutet. Aus den Cuevas de la Araña, bei Bicorp, Valencia, Spanien. (Datierung unsicher um 8000 bis 6000 vor Chr.)

Ernährung in der Schwangerschaft (Video)

Wie sollte man sich in der Schwangerschaft ernähren? Warum und auf welche Lebensmittelsollte man tatsächlich verzichten und welche Empfehlungen sind Unfug? Sollte die Ernährung während der Schwangerschaft überhaupt anders aussehen als für andere Menschen, die gesund leben wollen? Antworten auf diese Fragen und mehr finden sich im folgenden Video:

Weitere Hinweise und den Link zu einer Liste mit hilfreichen, also besonders nährstoffreichen Lebensmitteln, finden sich hier: Ernährung in der Schwangerschaft

Comandante oder Porlex? Was lehrt uns eine Kaffeemühle über gute Ernährung?

Der beste Kaffee ist wertlos, wenn man ihn falsch mahlt. Das ist kein Voodoo, sondern hat einfache Gründe, die jeder verstehen kann und als Weisheit kennt aus dem Sprichwort: Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Dabei geht es nicht um Extreme und Feinheiten – zumindest dann nicht, wenn man Kaffee nicht einfach nur als schwarzes, heißes Wasser versteht.

Die Sinneswahrnehmung der meisten heutigen Menschen ist leider verarmt. Kein Wunder: Wer nur eintönige Fertiggerichte, flacher Popmusik und oberflächliche Bilder konsumiert, trainiert seine Sinne nicht. Ein weiterer Grund für diese verkümmerten Sinne ist Mangel an Aufmerksamkeit.

Aus Erfahrung mit Testgruppen weiß ich: Fast jeder kann Unterschiede zum Beispiel zwischen verschiedenen Steaks vom gleichen Rind schmecken – wenn man sich darauf vorbereitet, die Hintergründe erklärt und Vergleichbarkeit herstellt.

Und schon ist die Brücke geschlagen zwischen Kaffee und guter Ernährung: Wir essen, was uns schmeckt. Wenn es nicht schmeckt, kann es noch so gesund sein: Wir neigen zum Verzicht. Wer gesund leben möchte, muss also seine Nahrung köstlich zubereiten können. Im folgenden Video erkläre ich den Einfluss des Mahlgrads auf den Geschmack des gebrühten Kaffees als Beispiel zur Geschmacksverbesserung auch im Essen. Die beiden gezeigten Mühlen, die Comandante C40 MK3 und die Porlex Mini, kann man bei Amazon kaufen. Empfehlen kann ich nur die Comandante.

Diese Analogie zwischen Kaffee und Möhren gilt freilich für jede andere Zutat. Wie fein und in welche Form wir Zwiebeln, Möhren, Sellerie oder Lauch schneiden, beeinflusst direkt ihren Geschmack im fertigen Gericht. Das gleiche gilt für die Temperatur beim Garen und die Gardauer. Diese Unterschiede beim Kochen entscheiden darüber, ob das Essen gut schmeckt oder uns geschmacklich vom Hocker haut. Das hat viel zu tun mit Sorgfalt und es ist der Grund, warum das Klischee der italienischen Oma besteht, bei der es immer am besten schmeckt: Sie stammt aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, in der man sich noch Zeit nahm fürs Kochen. Womöglich den ganzen Tag, ohne Ablenkung durch Fernsehprogramm und Smartphone.

Mit einfachen Mitteln fantastisches Essen kochen: Das kann jeder von uns auch heute und hier leisten. Wie das geht, beschreibe ich in meinem Buch Einfach kochen.

Herzlicher Dank gilt Yvonne Benck, Jonas Burri, Judith Henzler, Konstantin Niese, Jessica Kolinger, Marius Schütte und allen anderen Stiftern dieses Beitrags mittels Patreon, PayPal und Überweisung.

Mein Lebenswandel: Der Weg zur Perfektion

Du möchtest abnehmen? Das Klavierspielen erlernen? Mit dem Rauchen aufhören? Veränderungen wie diese schaffen wir auf dem Fundament unseres Lebenswandels. Lebenswandel fasst unsere Gewohnheiten und Verhalten im Leben zusammen. Weil die Fragen des Lebenswandels zwar bunt sind wie ein Süßigkeitenregal, die Antworten jedoch wenigen Grundlagen folgen, kann unsere Entscheidung für das Zubereiten eines Gemüseschmortopfs und gegen eine Tiefkühlpizza uns beim Lernen einer Fremdsprache helfen.

Ernährung ist ein Teil unserer Antworten, mit denen wir den Herausforderungen des Lebens jeden Tag begegnen. Was unternehme ich, wenn sich der Hunger meldet? Greife ich einfach zu irgendetwas Essbarem? Wähle ich nur bestimmte Lebensmittel? Oder sorge ich vor und plane mein Essen, damit ich solche Entscheidungen nicht ständig erneut treffen muss? Unser Lebenswandel entscheidet in hohem Maß darüber, wie wir unseren Alltag empfinden, welchen Erfolg wir haben; ob wir uns macht- und kraftlos fühlen oder das Gefühl der Kontrolle über unser Leben spüren. Diese Gefühle beeinflussen ihrerseits die Gesundheit unseres Körpers und unser Lebensgefühl.

Lebenswandel ist übergreifend, seine einzelnen Bereiche wie Ernährung, Bewegung, Arbeit oder Freizeit lassen sich nicht trennen. Treffen wir im Bereich Ernährung eine Entscheidung, beeinflusst das auch unser Verhalten in der Bewegung oder Freizeit.1 Das vereinfacht die Arbeit am Lebenswandel.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viele Entscheidungen sie jeden Tag treffen, die sich nachteilig auf ihr Leben auswirken. Um euch zu zeigen, auf welche Details man achten kann, werde ich werde euch als Beispiel meinen Lebenswandel anhand meines Alltags vorstellen. An der Verbesserung meines Lebenswandels arbeite ich seit elf Jahren bewusst und aktiv. Auf diesem Weg habe ich mich oft verlaufen, bin gestürzt, musste querfeldein laufen und klettern. Diese Reiseerfahrungen aus der Praxis möchte ich weitergeben als eine Liste von Beispielen. Zwar muss jeder den eigenen Weg gehen, doch ich helfe gerne beim Lesen der Wegweiser. An das Ende dieses Beitrags schreibe ich meine Rangliste der Gewohnheiten mit der größten Wirkung.

Manche Menschen halten meinen Alltag für asketisch. Ich kann euch allerdings versichern: Das Leben genieße ich in vollen Zügen – gerade wegen dieses Lebenswandels. Ich halte Belohnungsaufschub für sinnvoll auch zur Erhöhung des Genusses.

Lebenswandel: Beispiele

Ich erwache zwischen sechs und sieben Uhr. Im Sommer etwas früher. Ich bleibe nicht liegen, sondern stehe sofort auf. Liegenbleiben in der Gemütlichkeit des Bettes wäre (auch im Wortsinn) die erste Niederlage des Tages, den ich nutzen könnte und sollte, um die Welt zu erhellen. In der grauen Dunkelheit des Winters kostet mich das mehr Kraft als im Sommer. Der Zugewinn an Zeit am Morgen zahlt sich jedoch aus. So schaffe ich am Tag mehr.

Nach dem Aufstehen putze ich mir die Zähne. Diese für die meisten Menschen selbstverständliche Entscheidung des Lebenswandels betone ich nicht ohne Grund: Ich pflege mich. Dazu gehören für mich nämlich auch die nächsten, weniger selbstverständlichen Schritte:

Ich gehe nach draußen und laufe rund drei Kilometer. Jeden Tag, 365 Tage im Jahr auch bei Regen, Eis und Schnee, auch auf Reisen. Das ist für mich auch eine Form von Meditation, somit pflege ich meinen Körper und Geist, Stoffwechsel und Kreislauf. In der Folge ist mir den Rest des Vormittags erheblich wärmer als ohne diesen Lauf. Das ist keine Entscheidung, sondern eine Gewohnheit. Ein Teil von mir.

Begonnen habe ich damit, weil das tägliche Schwimmen aufgrund Platzmangels im Hallenbad keine Option mehr war. Laufen ist wahrlich nicht mein Lieblingssport. Allerdings habe ich es nach drei Wochen gar nicht mehr als Anstrengung wahrgenommen sondern eben als Routine wie das Zähneputzen.

Jeden zweiten Tag schließe ich an den Lauf ein Krafttraining draußen von rund einer halben Stunde an. Mir genügen dafür einfachste Mittel, da ich mit dem eigenen Körpergewicht arbeite. Mein Ziel: Jeden Tag ein wenig stärker werden und mich pflegen. Es zählt nur der Vergleich mit meinem gestrigen Selbst, niemals der mit anderen Menschen. Diese Aktivität dient mir über Kurz und Lang. Unter anderem weiß ich dadurch: Ich kann mir selbst gegenüber hart sein, ich kann Schmerzen ertragen und ich bin tatsächlich in der Lage das durchzuziehen: Auch dann, wenn die Klimmzugstange -9°C hat.

Mit dem richtigen Kraftsportpensum habe ich viele Jahre gerungen und ich glaube, den meisten Menschen fällt nicht die körperliche Anstrengung selbst schwer, sondern das Einordnen in den Alltag. Nach täglichen Einheiten vor dem Abendessen hat sich der zweitätige Takt frühmorgens für mich als der Schlüssel zum Durchhalten erwiesen. Noch dazu sind die Ergebnisse besser. Kraftsport ist Kopfsache. Die Gewichte sind unwichtig.

Die Leibesertüchtigung erhöht meine Leistungsfähigkeit und mein Wohlbefinden. Starke und gesunde Menschen sind nützlich und können anderen Menschen besser helfen.

Danach dusche ich kalt. Denn eine heiße Dusche lullt meinen Körper ein und anschließend fröre ich. Das kühle Wasser erfrischt mich. Danach beginnt mein Arbeitstag.

Ich koche mir einen Jasmintee und setze mich an die Arbeit. Dazu trinke ich keinen Kaffee. Kaffee ist eine Droge und ein Suchtmittel, zugleich für mich auch ein Genussmittel. Wenn ich (einen hell gerösteten, äthiopischen) Kaffee trinke, dann trinke ich in dem Moment nur (rund 100 ml) Kaffee und erkunde aktiv seine Aromavielfalt. Ich strebe an, das nur am Wochenende mit Freunden zu tun. Dass mir das nicht immer gelingt, beweist nur die Arglistigkeit dieser Droge. Hier stolpere ich also noch immer:2 Ich spüre die Wirkung des Koffeins praktisch nicht, was gewiss auch an den jeweils geringen Mengen liegt, die ich trinke. Umso mehr verblüfft mich, warum gerade Kaffee so eine Anziehung ausübt und Tee nicht, dessen Geschmack ich in der Regel vorziehe. Diese Abweichung zwischen Bewusstsein und Handlung erforsche ich mit Faszination. Der Jasmintee ist gemischt mit grünem Tee. Das unterstützt meine Stimmung zum Arbeiten.

Bei der Arbeit bemühe ich mich um die Vermeidung des sogenannten Multitasking. Multitasking ist Zeitverschwendung denn das Umschalten zwischen zwei Aufgaben kostet Zeit, in der man nicht produziert. Also arbeite ich möglichst konzentriert meine Aufgaben ab und beginne mit jenen, welche die meiste Zeit und Konzentration erfordern.

Alle Reize, mal eben schnell was im Internet nachzuschauen, sind Versuche—und übrigens wie wird denn das Wetter morgen—meines Gehirns, einen einfachen Ausweg aus dieser Konzentration—habe ich vielleicht eine Email bekommen?—zu finden. Denn Konzentration ist schwierig und der Mensch—du musst unbedingt nachschauen, ob die A3 wieder frei ist—meidet Schwieriges. Das Gegenmittel ist Achtsamkeit, damit man diese Impulse frühzeitig erkennt und ihnen nicht nachgibt. Der Vorgang ist der gleiche wie beim Verzicht auf den Griff ins Süßigkeitenregal an der Supermarktkasse.

Ich besitze zwar ein Smartphone, doch alle Signaltöne bis auf das Telefonklingeln sind ausgeschaltet. Ich möchte nicht der Hund in Pawlows Experiment sein und bei jedem Pling zum Telefon greifen, um Mitteilungen zu lesen. Ja, der Hund in Pawlows Experiment: Genau so funktioniert der gemeine Smartphonebenutzer. Die Geräte nutzen das Belohnungssystem des Menschen und führen ihn in die Abhängigkeit. Das Ergebnis (Entzugserscheinungen bei Handy- oder Netzverlust) können wir jeden Tag um uns herum beobachten. Es ist ein Spiel mit zwei Eigenschaften des Menschen: Neugier und der Hunger nach Aufmerksamkeit.

Für mein Smartphone habe ich keinen Datentarif. Dadurch muss ich nicht ständig der Versuchung widerstehen, mich durch unnötige3 Internetnutzung abzulenken. Ich habe auch keine Telefonflatrate und quatsche daher nicht stundenlang am Telefon sondern pflege meine sozialen Kontakte lieber in der Realität. Dieses Gefühl echter Verbundenheit anstelle der oberflächlichen Kontakte durch soziale Netzwerke im Internet stärkt die Psyche. Für mich persönlich ist das eine Schiffsladung an Zugewinn im Leben, da aufgrund meiner Biografie bis vor wenigen Jahren andere Dinge Vorrang hatten.

Das Meiden dieser Ablenkungen durch Smartphone und Internet dient der Gesundheit meines Geistes und damit meines Körpers sowie meiner Produktivität. Die Produktivität wirkt ihrerseits positiv auf mein Gemüt. Produktivität verstehe ich in diesem Sinn allerdings nicht streng als Erzeugung von Gütern oder Geld. Mehr dazu weiter unten.

Zwischendurch koche ich mir noch zwei Tassen heißes Wasser. Keinen Tee, damit sich der Geschmack nicht abnutzt und weil Wasser gut schmeckt.4 Wie wichtig die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit ist, muss ich hier nicht darlegen. Das dient der Gesundheit meines Körpers.

Gegen elf Uhr frühstücke ich. Ich praktiziere Kurzzeitfasten, esse also jeden Tag rund 16 Stunden nichts. Das nutzt meinem Stoffwechsel, meiner Konzentration und meinem Genuss: Ich genieße den Appetit und den langsam aufsteigenden Hunger, nehme mir dann Zeit für das Zubereiten meines Frühstücks. Das verleiht mir wieder den Kontakt zur physischen Welt, nachdem ich den Vormittag im Kopf verbracht habe. Die Gewöhnung an das Kurzzeitfasten hat nur wenige Tage gedauert. Das steht in keinem Verhältnis zu dem Feuerwerk der Vorteile durch diese Gewohnheit.

Mein Frühstück besteht überwiegend aus Protein: Omelette, kalt- oder heißgeräucherte Makrele, Matjes, eine Möhre oder Rote Bete, vielleicht ein Salat oder ein paar Löffel Haferbrei mit einem Hauch Obst. Warum? Weil Protein ein wichtiger Baustoff für den Körper ist. Es sättigt und verleiht Energie. Und es schmeckt mir. Dies ist die erste Mahlzeit meines Tages und durch den geringen Kohlenhydratanteil schaltet der Körper eher auf Fettstoffwechsel. Dieses Frühstück hält mich mühelos satt bis zum Abendessen.

Das Frühstück esse ich in aller Ruhe am Esstisch mit meiner Frau. Wäre sie nicht da, würde ich anstreben, mit einem anderen mir nahestehenden Menschen zu essen, der seinerseits die Lebensmittel wertschätzt. Dies ist ein gemeinsames Ritual, bei dem wir uns austauschen und anschließend einen Tee genießen. Der soziale Kontakt erhellt meinen Tag nach der langen Zurückgezogenheit am Vormittag. Gemeinsames Pflegen des Essens verbessert die Qualität der Ernährung.

Der Weg zum Lebenswandel

Das sind schon bis zum Mittag eine Menge Aspekte des Lebenswandels und ich bin sicher, dass ich bereits die Hälfte vergessen oder übersehen habe. Wichtig ist: Die meisten dieser Handlungen beruhen nicht (mehr) auf Entscheidungen, sondern auf Gewohnheiten. Entscheidungen kosten Kraft. Müsste ich mich jeden Tag zum Laufen entscheiden (und überreden), fehlte mir diese Kraft später. Zum Laufen entscheiden musste ich mich allerdings nur ganz am Anfang und dann noch das eine oder andere Mal als es dann das erste Mal regnete oder Schnee lag. Damals ist die Entscheidung das letzte Mal gefallen. Danach war es Gewohnheit. Selbstverständnis.

Viele andere Bauteile meines Alltags, wie das Kaltduschen, sind dauernde Beweise der Fähigkeit zur Härte mir selbst gegenüber. Nicht etwa, weil Härte um der Härte willen grundsätzlich erstrebenswert wäre. Das ist Quatsch. Sondern weil ich dadurch weiß: Ich habe mich und mein Leben unter Kontrolle. Ich bin nicht beherrscht von der warmen Bettdecke, der heißen Dusche, der Ablenkung durch Kätzchenvideos, dem warmen Milchreis mit Zimt und Zucker, Kaffee mit Milch, Milchbrötchen mit Zuckermarmelade. Nicht diese vermeintlichen Behaglichkeiten kontrollieren mich, sondern ich selbst.5

Weil ich mein Leben in weiten Teilen steuere und kein Opfer bin, kann ich Dinge erschaffen, anderen Menschen helfen und ihr Leben bereichern. Das füllt mein Leben mit Bedeutung, dem wichtigsten Nährstoff für ein Leben in Zufriedenheit. Menschen sind das Wichtigste. Weil ich mich um mich selbst sorge, kann ich mich um andere Menschen kümmern.

Warum meditiere ich mittags, arbeite später im Garten oder in der Werkstatt, koche noch später mit meiner Frau und genieße in der Ruhe des Abends das Essen? Diese Tätigkeiten sind zugleich nützlich und sie pflegen Geist und Körper. Nur deswegen kann ich stundenlang lesen und recherchieren, schreiben und anderen Menschen helfen.

Eine Möglichkeit der Zusammenfassung meines Lebenswandels ist: Produktion über Konsum. Wann immer die Möglichkeit besteht, wähle ich Erzeugung anstelle des Verbrauchs. Am Abend sehe ich nicht fern,6 sondern übe lieber stundenlang auf Klavier und Gitarre, komponiere, tüftele, lerne und lese. Zum Teil gewinne ich dabei Kraft zurück, die ich über den Tag ausgebe.

Lebenswandel als Investition

Zu einem großen Teil sind dies Investitionen in meine Zukunft, etwa die Schulung von Fähigkeiten und Erkenntnis. Das gilt für mich als Produktivität. Dieses Konzept der Investition gilt genauso in der Ernährung: Ich entscheide mich heute für einen etwas größeren Aufwand und weniger Bequemlichkeit. Dafür genieße ich morgen größeres Wohlbefinden, in einem Jahr eine bessere Gesundheit, im Alter eine höhere Lebensqualität und durchweg Bedeutung im Leben.

Wenn man sich diese Sichtweise der Investition in sein eigenes Leben und seine Zukunft angewöhnt, fällt es leicht, auch in der Ernährung die richtige Entscheidung zu treffen. Dann gibt es keinen Verzicht, kein Schummeln und kein Zusammenreißen. Es gibt nur gute und schlechte Investitionen. Wer möchte schon schlecht investieren, wer möchte Verlust machen, wer möchte seinen eigenen Weg durch die Zukunft verbauen?

Der Gedanke der Investition in sich selbst vereinfacht auch den Blick auf das Thema Belohnungsaufschub. Man muss diese Dinge nicht mit den Augen des Akademikers betrachten. Stattdessen genügt Intuition: Nicht jeder muss alle Details über Kohlenhydrate und Karies wissen; den meisten Menschen ist klar: Zwei Stück Kuchen täglich sind keine gute Ernährungsentscheidung. Jedes Kleinkind arbeitet mit Belohnungsaufschub, indem es sich die größte Leckerei bis zum Schluss aufhebt.7

Sind Investitionen nicht riskant? Zahlt sich das aus? Nun – was ist die Alternative? Süßigkeiten fressen und Pizza, jeden Tag fünf Stunden glotzen und Videospiele spielen, stundenlang shoppen und Mist kaufen, permanent Milchkaffee mit Zucker schlürfen und am Wochenende saufen und bis elf Uhr im Bett bleiben? Und das dann als »das Leben richtig genießen« bezeichnen, aber im gleichen Atemzug beschwören »nur vom Heroin sollte man die Finger lassen!«? Aber das ist doch das Gleiche. Heroin knallt in die gleiche Stelle im Gehirn wie Schokolade, Einkaufen und Videospiele: Das Belohnungszentrum. All diese Dinge liegen in der gleichen Schublade mit der Aufschrift:

Ersatzbefriedigung für ein hohles Leben.

In diese Schublade liegen all die Lügen, mit denen wir uns jeden Tag hundertfach selbst betrügen. Das ist Konsum. Das ist aber zugleich auch ein anderes Thema.

Die drei wichtigsten Eigenschaften guten Lebenswandels

Im Titel schrieb ich von Perfektion. Bevor ich darauf eingehe, kommt noch die versprochene Rangliste der wichtigsten Gewohnheiten.

Die Wahrheit ist: Ich habe keine Rangliste. Das schrieb ich doch oben schon: Man kann Bauteile des Lebenswandels nicht isolieren. Jeder gelangt auf einem anderen Weg zu seinem Lebenswandel und deswegen führen die unterschiedlichsten Vorgeschichten und -entscheidungen etwa zu täglicher Leibesertüchtigung. Allerdings kann ich nennen, welche Gewohnheiten mir am schnellsten oder den am besten sichtbaren Nutzen gebracht haben:

  1. Meine Ernährungsumstellung.8
  2. Täglich laufen. Plus Kraftsport.
  3. Meditation.

Kommt uns das bekannt vor? Klar, diese Elemente findet man an jeder Klotür und in jedem Frauenmagazin als Empfehlungen für einen guten Lebenswandel. Als solche sind sie allerdings wertlos.

Es ist nicht von Bedeutung, ob du jeden Tag läufst, viel Gemüse isst und meditierst, wenn du diese Handlungen nicht in dein Leben integrierst. Wenn du nur deswegen täglich läufst, damit du am Wochenende ungestraft eine Pizza einwerfen kannst, dann hast du rein gar nichts an deinem Lebenswandel geändert. Niemand baut ein stabiles Haus, indem er sechs Tage lang Steine aufeinander legt und am siebten Tag mit der Abrissbirne dagegen haut. Von Belang sind die Gedanken, Gründe und Entscheidungen hinter den Handlungen. Es sind die Muskelkater und Zerrungen und Narben, die du dir auf deinem Weg einfängst.

Bin ich perfekt?

Mein Lebenswandel ist der Weg zur Perfektion mit dem Bewusstsein: Niemand kann Perfektion erreichen. In der Mathematik sagt man »x strebt gegen unendlich«. Man kann sich dieser Unendlichkeit nur nähern, sie jedoch nie berühren. Es ist der höchstmögliche Wert. Genau so arbeite ich mit meinem Lebenswandel nicht auf einen Punkt hin, an dem ich mich zurücklehne und mir nur noch selbst gefalle. Ich möchte jeden Tag eine bessere Version meines gestrigen Selbst sein. Ich möchte jeden Tag besser leben. Um das zu erreichen, eignet sich nur das Streben nach Perfektion.

Bist du perfekt?

Wie sieht dein Lebenswandel aus? Findest du in meinen Beispielen Anstöße für Bereiche deines Lebens, die du verbessern möchtest? Welche Dinge hast du bereits verbessert? Mit welchen Gewohnheiten oder Verhaltensmustern hast du Schwierigkeiten?

Wer sich ein Buch wünscht als Hilfsmittel für die Arbeit am eigenen Lebenswandel, dem lege ich ans Herz: Lebenswandel – Reflexion und Analyse von Sascha Fast.9

Für die Arbeit an der Ernährung und vielmehr an der gesamten Sicht auf den Bereich der Nahrung für Körper und Geist empfehle ich mein eigenes Buch: Einfach kochen.

Herzlicher Dank gilt Yvonne Benck, Jonas Burri, Judith Henzler, Jan-Marten Kolle, Konstantin Niese, Jessica Kolinger, Marius Schütte und allen anderen Stiftern dieses Beitrags mittels Patreon, PayPal und Überweisung.

Diabetes an die kurze Leine zwingen

Karottenkuchen - bei Diabetes keine gute Idee.

Karottenkuchen - bei Diabetes keine gute Idee.Ungefähr jeder zehnte Deutsche leidet an Diabetes.1 Diese Krankheit lässt sich nicht so einfach heilen wie ein Schnupfen. Doch so mancher Diabetes-Patient konnte bereits Abschied nehmen von Spritzen, Medikamenten und Übergewicht. Die Erkrankung bleibt bestehen; doch wer sich von ihrem Joch befreien möchte, muss oft nur seinen Lebenswandel ändern, kann dafür den Spieß umdrehen und den Diabetes an die kurze Leine zwingen.

Seit 2009 veröffentliche ich bei Urgeschmack Hinweise auf einen solchen Lebenswandel. Geplant war das nie. Mein Anliegen war stets die Verknüpfung gesunder Ernährung mit Nachhaltigkeit und Genuss. Allerdings deckt sich meine Herangehensweise mit einer Ernährung, die Diabetikern hilft. Der beste Beweis sind dutzende Dankes-Emails, die ich über die Jahre von Diabetikern erhalten habe. Diabetiker, die mit Hilfe meiner Hinweise und Rezepte ihren Blutzucker nun ohne Insulinspritzen unter Kontrolle haben und Übergewicht abbauen konnten. Diabetiker, denen die Empfehlungen der DGE, ihrer Diabetesberater und ihrer Ärzte jahrelang nicht geholfen haben.

Ich trage keinen weißen Kittel, verspreche keine Heilung, empfehle und verordne nichts und behaupte nicht, ich hätte ein Wundermittel gefunden. Ich erteile keinen ärztlichen Rat. Du bist selbst verantwortlich für deine Gesundheit. Was ich beschreibe, fußt auf Recherche, auf Erfahrungen und gesundem Menschenverstand. Es ist ein Lebenswandel, der meine eigene Gesundheit tiefgreifend verbessert hat. Auf diesem Weg habe ich Fett ab- und Muskeln aufgebaut, ich leide nicht mehr unter Kälte, bin ausgeglichen und habe die Kraft, vielen Widrigkeiten zu trotzen.

Mein Vorschlag wird nicht jedem im gleichen Umfang helfen können. Menschen sind zu vielfältig, als dass es eine einzelne Lösung geben könnte, die bei allen die gleiche Wirkung zeigt. Allerdings ist mir auch kein Fall bekannt, in dem meine Hinweise geschadet hätten. Das wäre auch nicht plausibel. Das heißt: Einen Versuch ist es Wert.

Im Folgenden beziehe ich mich besonders auf Diabetes Typ 2, denn wer das Los des Typ 1 gezogen hat, dessen Handlungsspielraum ist erheblich geringer. Vor meinen Hinweisen zur Ernährung kommt jedoch ein anderer Vorschlag:

Bewegung, Bewegung!

Der Mensch ist zur Bewegung gemacht. Wer sich nicht bewegt, beschädigt die Wundermaschine, die wir Körper nennen. Jede Starre, jeder 8-Stunden-Arbeitstag auf dem Bürostuhl ist Raubbau am Körper und schadet den unzähligen Getrieben unserer Maschine. Oft ist es gerade Bewegungsmangel, der zu Diabetes führt oder sein Entstehen begünstigt. Bevor wir zum Warum kommen, bleiben wir kurz beim Thema: Einmal die Woche zwei Stunden Fußball spielen ist besser als nichts. Trotzdem ist es völlig unzureichend. Man hat kein Bewegungskonto, das man im Voraus aufladen und dann absitzen kann. Wir brauchen ständig Bewegung. Mindestens so oft, wie wir essen. Das ist mein Vorschlag an Diabetiker: Mach nach jeder Mahlzeit einen Spaziergang für wenigstens zehn Minuten. Ganz gleich, wie viel Bewegung du schon hast. Wenn dir das unmöglich scheint, weil Bewegung dir schwerfällt: Nimm dir genau einen Spaziergang vor. Jetzt sofort. So weit du kannst. Wenn es regnet, dann werde nass und trockne danach wieder. Wenn es friert, dann freue dich auf das Aufwärmen danach.

Wenn du gesund werden willst, musst du dich bewegen. Und wenn du ganz unten anfängst, machst du anfangs kleine Schritte, die auch mal schmerzen können. Den Schweiß wäschst du ab, der Schmerz vergeht schnell. Den Nutzen genießt du schon nach kurzer Zeit. Wenn deine Spaziergänge an die 20 Minuten reichen, könntest du das Tempo anziehen. Mehr Anstrengung; höherer Stoffwechsel ist gut für dich. Nebenbei bist du an der frischen Luft, die wie die Bewegung gut für deine Psyche ist. Das Ziel ist nicht einfach möglichst viel, sondern häufige Bewegung. Warum?

Ein Grund lautet: Weil Bewegung Energie erfordert und die muss der Körper gewinnen, transportieren, bereitstellen. Schon das schmiert das Getriebe. Energie ist der Zucker im Blut und wenn wir den umsetzen dann leuchtet doch ein, dass wir dabei auch die Kontrolle des Blutzuckerspiegels – das Kernproblem des Diabetes – treffen. Bewegung verbessert die Insulinsensitivität, sie bringt in Fluss, was zuvor beinahe zur Starre verlangsamt war: Die Reaktion der Zellen auf Insulin. Wer sich viel bewegt, dessen Körper reagiert besser auf Insulin. Dann muss man weniger spritzen fürs gleiche Ergebnis. Unser Ziel: Ganz wegkommen von den Spritzen. Dazu gibt es noch einen zusätzlichen Weg.

Kein Stress!

Ich schrieb anfangs von einem Lebenswandel, nicht von einem magischen Rezept. Lebenswandel umfasst dein ganzes Leben und ich kann unmöglich alle Bestandteile hier niederschreiben. Bevor wir endlich zur Ernährung kommen, ist noch Platz für eine dritte Säule guter Gesundheit neben Bewegung und Ernährung: Psychosoziale Ausgeglichenheit. Mit anderen Worten: Kein Stress. Allerdings müssen wir einschränken: Kraftsport ist auch Stress. Aber ein guter, körperlicher und zeitlich begrenzter Stress. Der Rat zur Stressfreiheit bezieht sich auf chronischen und vorwiegend psychologischen Stress. Denn auch der ist von Nachteil für die Gesundheit und wirkt nachteilig auf den Blutzuckerspiegel.

Die Lösung ist nicht, dem Stress aus dem Weg zu gehen. Stressoren kommen immer. Das ist keine Verschwörung deiner Umwelt gegen dich. Sinnvoll umgehen kannst du damit nur, indem du dich dem Stress stellst und seine Quelle findest. Sie liegt in dir selbst. Stress macht dir nicht der Chef mit seinen Arbeitsaufträgen. Sondern deine innere Erwartung, du könntest und müsstest dem Gerecht werden. Stress machen auch nicht die plärrenden Kinder, sondern deine Erwartung, sie wären immer still und würden brav sitzenbleiben. Stress bereitet dir die Vorstellung, im Leben liefe immer alles glatt und fair und es wäre überhaupt alles wichtig, was um dich herum passiert. Und Stress bereitet dir das dumme Geschwätz, mit dem du dich in Form von Tageszeitungen, Talkshows und Tagesschau durch Smartphone, Computer und Fernseher umgibst. Wichtig ist für dich nicht, ob in England ein Haus explodiert ist (auch und besonders für die Hausbesitzer ist nicht wichtig, ob du das weißt). Wichtig ist nicht einmal, was unsere Fachministerin für Gesundheit, Familie, Frauen, Arbeit, Verteidigung und das Friseurhandwerk gerade verbockt.

Wichtig ist indes, was deine Familie macht und wie es deinen Nachbarn geht, wie sich deine Gemeinde entwickelt und wie es um dein Verhältnis zu den Menschen steht, mit denen du dich täglich umgibst. Genau die beeinflussen dein Leben. Ob sie deinen Alltag zur Hölle machen oder dich heilen ist abhängig davon, wie du dein Leben mit ihnen einrichtest.

Vielleicht wird dir allein deine innere Einstellung beim Umgang mit Stress nicht helfen. Meditation ist ein weiteres Hilfsmittel, besonders in Verbindung mit persönlichem Wachstum. Wenn du dich schon immer gefragt hast, wozu man eigentlich Philosophen braucht: Einige von denen können dir genau jetzt weiterhelfen – wenn du dafür bereit bist. Was Seneca vor zweitausend Jahren schrieb, ist heute unglaublich aktuell und hilfreich. Ich lege dir die Lektüre ans Herz.2

Wenn dir doch Stress entsteht, und das wird passieren, dann ist Bewegung eine gute Möglichkeit zum Abbau. Auch deswegen steht sie hier an erster Stelle.

Ernährung anpassen

Woher kommt der Blutzucker? Durch Gluconeogenese kann unser Körper selbst die nötigste Zuckermenge herstellen. Doch die Hauptquelle für Zucker ist unsere Nahrung. Also muss das Essen eine weitere Stellschraube zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels sein. Es gibt reichlich Belege für Diabetiker, die ihren Blutzucker kontrollieren, indem sie jeglichen Zucker meiden. Das beinhaltet sämtliche Kohlenhydrate und nennt sich heute LowCarb oder NoCarb. Kein Brot, keine Nudeln, keine Kartoffeln, keinerlei Getreide, kein Eistee oder andere Süßgetränke. Warum funktioniert das? Weil die Kontrolle der Zuckermenge im Blut einfach ist, wenn man keinen Zucker zuführt.3 So extrem muss man das allerdings nicht betreiben, zumal vielen Menschen der Abschied von ihren gewohnten Lebensmitteln schwerfällt. Dazu habe ich zwei Hinweise. Erstens: Reiß dich zusammen. Du bist krank. Willst du genesen, musst du etwas dafür tun. Wenn du dich möglichst weit von den Folgekrankheiten des Diabetes entfernen möchtest, musst du dafür einen Preis zahlen. Zweitens: Du musst nicht auf alles verzichten. Häufig genügt es, wenn du dich einschränkst: Iss weniger Kohlenhydrate. Weniger Brot, Nudeln, Kartoffeln. Und viel weniger Süßkram. Am besten gar keinen. Und keine Süßgetränke. Was bleibt dann noch zum Essen? Zum Beispiel fast alles, was in den Urgeschmack-Rezepten und Urgeschmack-Kochbüchern steht. Ernährung mit begrenzter Zuckerzufuhr ist nämlich nicht nur gesund für Diabetiker, sondern für alle Menschen.4

Die Kontrolle des Blutzuckers ist einfacher, wenn die Zuckerzufuhr in der Ernährung begrenzt ist und nicht stark schwankt. Das ist klar: Ein plätschernder Bach ist leichter zu steuern als ein tosender Fluss. Eine Art zusätzliche Verstärkung des Ufers ist dabei Eiweiß. Eiweiß (aus Fleisch, Fisch, Eiern etc.) sättigt und bremst dich folglich beim Essen zu großer Zuckermengen. Wenn du Eiweiß isst, setzt dein Körper Glucagon frei – ein Hormon, das sich am Blutzuckerhaushalt beteiligt. Ganz davon abgesehen ist Eiweiß lebensnotwenig. Und jetzt, wo du so viel Sport treibst, benötigst du diesen Baustoff, damit deine Muskeln wachsen können.

Eine Warnung zur LowCarb-Ernährung: Anhänger dieser Ernährung essen nicht nur weniger Kohlenhydrate, sondern meist zugleich mehr Fett (irgendwoher muss die Energie ja kommen). Einigen Diabetikern bereitet fettreiches Essen Probleme. Das ist noch ein Argument für mehr Eiweiß auch als Energiequelle.

Auf auf!

Mehr Bewegung, weniger Stress, gemäßigter Zuckerverbrauch: Das sind drei lange Hebel für bessere Gesundheit für Jedermann – nicht nur für Diabetiker. Das beste daran: Ein Jeder kann diese Hebel selbst bedienen, sich mehr bewegen, klüger mit Stress umgehen und seine Ernährung umstellen. Es sind einfache Schritte, trotzdem fallen sie nicht immer leicht. Ich bin diese Schritte selbst gegangen und habe viele Menschen auf dem gleichen Weg begleitet. Manche humpeln, andere spazieren stramm und wieder andere sprinten diesen Pfad. Es ist kein Wettbewerb. Begreife: Ein guter Arzt kann dich warnen, dich beraten und dir Medikamente verschreiben. Aber die Verantwortung für dich selbst bleibt bei dir. Lass sie nicht liegen, die Verantwortung. Sondern pack sie, ergreife die Gelegenheit und lege deine Krankheit in Ketten.

Herzlicher Dank gilt Yvonne Benck, Jonas Burri, Daggggi, Judith Henzler, Jan-Marten Kolle, Konstantin Niese, Jessica Kolinger, Marius Schütte und allen anderen Stiftern dieses Beitrags mittels Patreon, PayPal und Überweisung.

Getreide – gesund oder ungesund?

Getreide – gesund oder ungesund?

Getreide – gesund oder ungesund?Das Fundament unserer Zivilisation besteht aus Treibsand. Getreide mag dem Menschen als Spezies zum weltweiten Erfolg verholfen haben, doch nun rammt es uns in Zeitlupe einen vergifteten Dolch in den Rücken und bringt uns den Niedergang. So liest sich zumindest das Werbematerial vieler Ernährungsgurus und Mitspieler der Industrie mit dem Stempel: Glutenfrei. Sollte das erste Lebensmittel, das wir kontrolliert anbauen und lagern können und das uns Croissants, Apfeltorte und geschnitten Brot gebracht, wirklich ungesund sein?

Getreide dient der Zivilisation seit über zehntausend Jahren als Treibstoff.1 Für die meisten Menschen sind Brot, Müsli und Getreidebrei als Grundnahrungsmittel fester Teil des Alltags und die folgenden Argumente gegen Getreide klingen unglaublich:

Getreide enthalte Schadstoffe, die den Darm verletzen, uns Nährstoffe rauben und schwere Krankheiten verursachen. Gemeint sind die sogenannten Anti-Nährstoffe Phytinsäure, Lektine und Gluten. Vervollständigen wir das Quartett durch ungünstige Fettsäuren und stellen uns die vier Reiter der Apokalypse vor, dann erreichen wir ungefähr das Bild vom Getreide, das einige Missionare vermitteln möchten. Aber das ist noch nicht alles.

Getreide enthält verhältnismäßig viele Kohlenhydrate und wer davon zu viel isst, wird fett und krank.2 Und wem das nicht genügt, der kann Nachschlag bekommen:

Der Anbau von Getreide zerstört die Umwelt, laugt Böden aus und kostet unzählige Tiere das Leben.

Mir schmeckt eine gute Scheibe handgemachten Sauerteigbrotes trotzdem noch.

Negative Auswirkungen auf die Natur kann schließlich jede Art Ackerbau haben. Zudem kann man Getreide auch so anbauen, dass die Bodenfruchtbakeit erhalten bleibt oder sich gar erhöht. Entsprechende Fruchtfolgen und Methoden ermöglichen den nachhaltigen Anbau und verbessern zudem den Nährstoffgehalt des Erzeugnisses.

Was die Kohlenhydrate angeht: Die stecken auch in Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Möhren und Beeren. Auch die machen fett und krank, wenn man zu viel isst.3 Das passiert meistens, wenn man zu viel von etwas isst.

Es bleiben die Anti-Nährstoffe. Auch ihr Belagerungsturm gegen die Gesundheit wankt, wenn wir ihn mit der Lupe untersuchen:

Phytinsäure beschießt unsere Gesundheit nicht nur mit Pfeilen: Sie ist kein reiner Schadstoff, sondern bietet auch Vorteile.4 Zudem kann man sie mit einfachen Mitteln entschärfen.

Für Lektine gilt das gleiche: Sie haben auch nützliche Wirkungen; sie stecken ohnehin in viel mehr Lebensmitteln als nur Getreide; und auch bei den Lanzen der Lektine kann man die Spitzen recht einfach abbrechen.5

Selbst Gluten ist keine scharfe Handgranate: Verantwortlich für gesundheitliche Probleme ist zudem nicht Gluten selbst, sondern bestimmte Folgen von Aminosäuren, also ganz besondere Bestandteile einiger Glutensorten.6 Ob ein Mensch mit Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie auf Gluten mit Beschwerden reagiert, hängt demnach ab von der Art und Sorte des Getreides. Das erklärt, warum viele betroffene Patienten zwar modernen Weizen nicht vertragen, jedoch teils die ebenfalls glutenhaltigen Kamut oder Dinkel ohne Beschwerden genießen können. Wer sein Getreide einweicht oder fermentiert, kann die mögliche Sprengkraft des Glutens ebenfalls abfangen. Letztlich kann auch der Zustand der Darmflora7 darüber entscheiden, ob Gluten im Darm eine feindliche Invasion oder ein harmloser Besucher ist.8

Getreide ist zum Leben nicht notwendig. Angesichts der Risiken könnte man Argumentieren, ein Jeder würde besser darauf verzichten.

Getreide steht zugleich im Zentrum unserer Esskultur, unserer Traditionen und damit unserer Identitäten. Brot und Gebäck sind auf der ganzen Welt Kulturerbe und häufig Lebensretter.

Zahlreiche andere Lebensmittel schaden uns, wenn wir zu viel davon essen oder sie nicht sorgfältig zubereiten: Spinat und Rhabarber vergällen uns die Freude durch Oxalsäure, Nüsse erhöhen das Oxidationspotenzial und Fleisch kann tödliche Keime beherbergen. Es gibt kein perfektes Lebensmittel und Essen ist immer eine schmutzige Angelegenheit. Getreide als Besonderheit herauszuheben aus der trüben Suppe unserer Lebensmittel, wirkt willkürlich.

Was also tun? Einfach weiter jeden Morgen das Brot aus dem Supermarkt futtern? Oder ganz auf Getreide verzichten? Die Antwort ist einfach: Wer sich gesund ernähren möchte, muss sorgfältig einkaufen, kochen und essen.

Damit kann ich gut leben:

Wer das billigste Mehl oder Fertigbrot kauft und kiloweise isst, lebt entsprechend.

Einfach kochen Einfach essen

Siehe auch:

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