Die Gefahr der YouTube-Kanäle

YouTube ist ohne Frage ein Werkzeug mit großem Nutzen. Es ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Man findet dort alles Erdenkliche und auch solche Dinge, die man sich niemals hätte ausdenken können.

Wer YouTube als Hilfsmittel benutzt, um beispielsweise eine Fähigkeit zu erlernen oder weiterzuentwickeln, sollte sich jedoch einer großen Gefahr bewusst sein.

Nehmen wir an, du bist ein Anfänder des Gitarrespiels und du möchtest lernen, wie man AC/DCs For those about to rock richtig spielt. Du gibst also in die Suchmaschine ein: for thoes abut to rock tutorial. YouTube zeigt dir eine ganze Liste von Suchergebnissen an, überwiegend mit passenden Titeln und recht attraktiven Miniaturbildern, sogenannter Thumbnails.

Ein oder zwei dieser Thumbnails sind optisch besonders ansprechend und treten dadurch hervor. Der Username lautet MikeConnelly-GuitarTutoarials. Aber das siehst du vielleicht gar nicht und es spielt keine Rolle. Du klickst drauf, das Video läuft und du findest genau, was du suchtest, lernst etwas und bist dankbar. Der Typ in dem Video ist sympathisch und bittet um ein Abonnement seines Kanals, weil er dir noch viele andere Dinge beibringen kann. Super, denkst du dir – und abonnierst.

In den kommenden Wochen siehst du immer mehr Videos von diesem Mike Connelly und alles ist wahnsinnig interessant und du möchtest alles lernen, was er anbietet. Du sitzt schon lange in der Falle.

Mike macht das wahrscheinlich gar nicht mit böser Absicht. Doch er verändert deinen gesamten Lebensweg, beeinflusst deine Perspektive und manipuliert deinen Musikgeschmack.

Er zeigt dir Dinge, von denen du gar nicht wusstest, dass es sie gibt oder dass du sie können möchtest. Erinnere dich: Eigentlich wolltest du damals nur diesen Song von AC/DC lernen. Wäre es dabei geblieben, hättest du dein Leben weitergelebt und wärest irgendwann auf den nächsten Song gestoßen, an dem du dir die Zähne ausbeißt, bis du ihn im Schlaf spielen kannst. Du hättest hättest auf Deinem Weg Schritt für Schritt Dein Repertoire aufgebaut, Deine Fehler gemacht, Deine musikalische Identität entwickelt.

Stattdessen verbringst du nun viel Zeit mit Mike und spielst alles, was er spielt. Und was Millionen seiner anderen Abonnenten spielen. Du hast ein Stück deiner Identität verloren, die dich einzigartig macht.

Zufällig spricht Mike auch viel über seine Gitarren und seinen anderen Spielkram und erklärt, wie ihm diese glänzenden Gerätschaften das Leben erleichtern. Und du denkst dir: Mensch, das hätte ich auch gern. Und dann kaufst du es. Oder du wirst unglücklich oder unzufrieden, weil du es nicht hast und es dir nicht leisten kannst.

Überhaupt: Alle paar Wochen spricht Mike über die fünf Songs, die jeder Gitarrist spielen können muss oder die fünf Techniken, die ein echter Pro beherrschen muss. Und du glaubst ihm das, weil er echt was auf dem Kasten hat und du schon viel von ihm gelernt hast. Überhaupt hast du viel Zeit mit Mike verbracht und dadurch, das ist eine ganz einfache psychologische Funktion und hat mit Investition zu tun, hat alles, was Mike sagt und tut, einen hohen Stellenwert bei dir.

Jede Woche verbringst du nun Stunden mit Mikes Videos. Hörst ihm zu. Und spielst in der Zeit nicht Gitarre. Lernst vielleicht etwas, aber bist auch irgendwie immer ein wenig unzufrieden, fühlst dich unvollständig. Weil du etwas nicht kannst oder hast, was Mike wichtig findet.

Da geht sie hin, deine Lebenszeit. Nicht auf deinem Weg mit deinem Kopf. Sondern auf einem fremden, vorgelebten Weg, dem Millionen anderer schon folgen und gefolgt sind.

Da geht sie hin, deine Zeit. Und gewiss auch dein Geld. Dein Leben.

Das ist die Gefahr, die YouTube mit sich bringt. Bei allem Nutzen. Bei aller Bereicherung.

Wäge gut ab und überlege ganz genau, ob du einen Kanal wirklich abonnieren möchtest.

Interessant und Wichtig sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Die Welt wird immer Milliarden Größenordnungen mehr interessante Dinge enthalten, als deine Lebenszeit zulässt. Interessant ist völlig unwichtig.

Wähle, was Dir wirklich wichtig ist. Sei dir klar, was Du willst. Mach Dein Ding.

Was jeder wissen sollte: Wofür das Internet mich belohnt

Dieses Titelformat ist ausgenudelt. Aber: Für so etwas küssen die asozialen Medien mir die Füße. Inhaltlich muss das gar nicht korrekt sein, die 90er sind schließlich vorbei. Schließlich kann ich direkt differenzieren: Eigentlich meine ich nicht das Internet, sondern die asozialen Medien. Doch erstens sind diese Dinge für die meisten Menschen das Gleiche und zweitens beherrschen (auch deswegen) die asozialen Medien das Internet und somit schreiben sie die Regeln.

Selbst wenn du keinen Account bei Facebook oder Instagram hast, musst du mit dem Mist leben, den diese Plattformen im Internet angerichten.

Und schon erfülle ich Voraussetzung Nummer zwei für einen erfolgreichen Artikel: Du ärgerst dich. Zumindest mild, oder? Sieh es mir nach – ich bin in dieser Sache nicht besonders gut, bin mit Sachlichkeit, Wissenschaftlichkeit und Tatsachen aufgewachsen. Da hat man in diesem Internet eigentlich nichts mehr verloren.

Kommen wir zum Punkt: Das Internet ist ein Schlachtfeld. Der Kampf ist gnadenlos und schrecklich. Das Objekt: Deine Aufmerksamkeit. Schließlich gibt es hier für dich alles gratis und irgendwie muss sich das System finanzieren. Das bezahlst du mit deiner Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit für Werbung, direkt oder indirekt, maßgeschneidert oder allgemein. Oder Aufmerksamkeit für politische Bewegungen, Fehlinformationen. Anregungen zum Verändern deiner Weltanschauung, Änderung deiner Verhaltens, Manipulation deiner Gewohnheiten.

Und wenn dich das ärgert und dich aufregst, dann bleibst du dran. Es spielt auch fast keine Rolle, was ich dir hier an Quellen und Nachweisen liefere: Entweder, du weißt das alles schon und dann liest du es gerne, weil es dich bestätigt. Dann brauchst du keine Quellen und Nachweise. Du glaubst es ohnehin und liest bis zum Ende, weil die Bestätigung sich gut anfühlt.

Oder du siehst es genau andersherum und wirst all meine Quellen diffamieren, diskreditieren oder gar nicht erst anschauen. Auch du wirst wahrscheinlich bis zum Ende lesen und mir dann in den Kommentaren so richtig die Meinung geigen.

Die Aufmerksamkeit dieser beiden Gruppen habe ich schonmal. Und ich kann hier nebenher plump ein paar Anzeigen laufen lassen oder durch meine Wortwahl ein paar Assoziationen herstellen. Wie die Nummer mit dem Schlachtfeld.

Dann lesen noch diejenigen mit, für die das alles neu ist. Die haben sich damit noch nicht befasst und wussten nicht, wie diese noch immer relativ neue und sich ständig wandelnde Internetwelt funktioniert. Von diesen Lesern bekomme ich nicht so viele, weil ich einen kapitalen Fehler begangen habe: Kein Beitragsfoto, kein Bild, keine Karikatur. Nix Klickibunti, sondern nur Text. Wie unappetitlich.

Im Internet spiele ich die Rolle eines content creator: Ich erschaffe Inhalte. Das kostet Zeit und Mühe. Zwar könnte ich das als Hobby verbuchen. Aber für viele Inhalte ist das dauerhaft kaum zu leisten. Diese Arbeit kostet viel Zeit und viel Mühe. Das wird schnell zum Vollzeitjob. Und der will bezahlt werden.

Damit ich bezahlt werde, muss jemand etwas kaufen. Dieser Jemand bist du, auch wenn du erstmal keinen Cent bezahlst, um dies zu lesen. Aber hier könnte Werbung stehen, entweder verwaltet durch Google oder einfach direkt für meine Bücher oder irgendwelche Seminare zum defäkatieren im Wald oder Online-Kongresse, weil das Wort so wichtig klingt.

Damit du auf diese Anzeigen hin handelst, musst du aber erstmal hier auf meiner Website landen. Wie geht das? Du findest den Link bei den asozialen Medien. Denn dort halten sich die meisten Menschen im Internet auf und dort werben wir also für unsere Inhalte. Und da kommt der Titel dieses Artikels ins Spiel.

Jeden Tag erscheinen Millionen neuer Beiträge als Inhalte, die gesehen werden wollen. Deine Zeit ist aber begrenzt. Also kämpfen wir um deine Zeit, deine Aufmerksamkeit.

Früher, in diesem ominösen Früher, in dem ich aufgewachsen bin und das ich bis heute für eine gute Welt halte, hat eine bestmögliche Zusammenfassung des Inhalts genügt. Vielleicht mit ein wenig Wortgewandheit, um es appetitlich zu machen. Wirklich neu ist an diesen Internetregeln auch nichts. Das sind die Techniken der Werbetexter. Dort geht es nicht um Qualität oder Notwendigkeit, Hilfe oder Gefallen. Sondern es geht um Verkauf. Und durch die Algorithmen der asozialen Medien potenziert sich die Macht dieser Techniken.

Diese neue Waffe, die Kombination der gut erprobten Werbetexte mit der Verarbeitung deiner Daten und Verhaltensweisen durch einen Computer, eine Superwaffe im heutigen Jargon, hat meine Arbeit innerhalb der letzten zehn Jahre auf den Kopf gestellt.

Vor zehn Jahren konnte ich einfach echt gute Artikel schreiben, die ins Internet stellen und die wurden gelesen. Und dann hat der eine oder andere mein Kochbuch gekauft. Dann wuchsen die asozialen Medien und ich habe ganz unschuldig dort auf meine Artikel verlinkt. So wie tausend andere Autoren auch. Wir haben gemeinsam gute Inhalte geschaffen, geteilt und verbessert und ab und zu hat jemand ein Kochbuch oder ein T-Shirt gekauft und man konnte von dieser Arbeit vielleicht leben: Die meiste Zeit Artikel schreiben, ein wenig im Netz posten.

Heute ist das umgekehrt. Wollte ich von dieser Arbeit heute noch leben, dürfte ich mit dem Schreiben gar nicht anfangen, bevor ich eine Suchbegriffsanlyse durchführe. Dann muss ich mir erstmal das Thema ausdenken und dann nach einem festen Schema schreiben. Das Wichtigste ist dabei die Überschrift, das Zweitwichtigste das Foto oder Bild. Der Text ist Nebensache. Und dann muss ich den Beitrag unter die Leute bringen. Alle Portale abklappern. Verschachern.

Tragisch ist, dass ich heute um ein Vielfaches besser schreibe als damals, es aber nur noch ein Bruchteil der Menschen liest.

Das Vermarkten kostet heute neunzig Prozent meiner Zeit für dieses Projekt – oder würde es, wenn ich es noch machte. Finde ich aber kacke, deswegen mache ich’s nicht mehr. Ich bin kein Verkäufer, kein Klinkenputzer. Ich bin Pazifist, deswegen nutze ich die Superwaffe nicht.

Ich bin Bastler. Ich mache. Ich erschaffe Dinge. Für den Kehricht ist mir das Leben zu kurz.

Und wie schließe ich diesen Artikel ab, der nicht zu meinen Glanzleistungen zählt, jedoch voller Aufrichtigkeit steckt?

Klar: Mit dem Call-to-action. Das Leserengagement wecken. Eine Frage stellen wie: Wie seht ihr das? Habt ihr diese Veränderung in der Internetkultur auch erlebt? Wie geht es euch damit? Gefällt euch diese Welt oder wünscht ihr euch etwas anderes?

Nährstoffmangel durch Social Media

Die sozialen Medien rauben uns einen Nährstoff. Die Folge: Unzufriedenheit und Erkrankungen, Heißhungerattacken und Übergewicht.

Protein, Fett und Kohlenhydrate, Vitamine, Mineral- und Pflanzenstoffe: Wir haben eine Vielzahl von Nährstoffen eindeutig identifiziert. Unser Körper braucht das Zeug teils zum Überleben. Weniger geschickt gehen wir mit Nährstoffen um, die wir nicht greifen können. Meditation zum Beispiel. Oder Zufriedenheit.

In unserer westlichen Kultur neigen wir dazu, gemäß des wissenschaftlichen Reduktionismus nur jene Dinge mit Wert oder Glaubwürdigkeit zu belegen, die wir eindeutig – eben wissenschaftlich – messen können. Was soll das sein, diese Zufriedenheit? Zeig her, leg sie hier auf den Tisch oder hör auf mit dem Gefasel.

Aber wir alle wissen: Es gibt Zufriedenheit. Wir alle streben danach. Wir wissen auch: Sie ist Mangelware. Das liegt auch daran, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, was Zufriedenheit ist.

Wer unzufrieden ist, findet nicht selten Trost im Essen. Und futtert sich einen Wanst an. Der Biss in die Tafel Schokolade mag befriedigen.

Doch Zufriedenheit ist nicht Befriedigung. Befriedigung kann man einfach herstellen. Mit einem Schokoriegel, ‘nem Hundert-Euro-Schein oder einem Zug aus ‘nem Joint.

Doch was hat das mit sozialen Medien zu tun und wie können sie uns diesen Nährstoff rauben? Woher kommt der Heißhunger?

Knabbern, Kiffen, Kaufen: All das sind Ersatzbefriedigungen. Mit Geld kann man viele davon kaufen und deswegen laufen so viele Menschen dem Mammon hinterher und darüber finden sie eine Gemeinsamkeit und eine Vergleichbarkeit. Schon das stürzt jedoch viele in noch tiefere Unzufriedenheit, weil sie dann sehen: Andere haben mehr Geld.

Andere haben mehr Geld. In dem Satz steckt der Schlüssel für die Tür aus dem Gefängnis der Unzufriedenheit. Es ist nicht das Geld. Es ist auch nicht »haben mehr«. Es ist: Andere.

Nein, nicht die anderen Menschen sind Schuld an deiner Unzufriedenheit. Sondern dein Blick auf sie. Deine Beschäftigung mit anderen anstelle deiner selbst. Deine Erwartungshaltung, dass dein Leben, dein Besitz, deine Fähigkeiten deren entsprechen müssten. Deine Unkenntnis deiner eigenen Person, deines Charakters, deiner Träume.

Der Mensch ist ein Gemeinschaftstier und in unserem sozialen Gefüge beeinflussen wir uns gegenseitig. Das war schon immer so und das ist lebenswichtig: Wir schaffen Werte und Normen und halten uns daran, damit wir uns nicht dauernd gegenseitig den Schädel einschlagen. Hinweise auf solche sinnvollen Regeln des Zusammenlebens finden wir in Bibel und Koran, in Überlieferungen des Buddhismus und so fort. Praktisch läuft das alles auf einerlei hinaus. Der Punkt ist: Wir leben nicht in Isolation, sondern gemeinsam und da muss man auch auf andere Menschen achten, sei es nur zur Rücksichtnahme.

Jedoch haben wir noch nie in der Geschichte der Menschheit auf alle Menschen der Welt geschaut und uns auf jene mit ähnlichen Interessen konzentriert. Bis vor rund 15 Jahren.

Fernsehwerbung sollte in uns Bedürfnisse wecken, Unzufriedenheit auslösen die wir dann auflösen durch den Kauf von Gütern. Das hat mäßig funktioniert, denn für mich als Mann ist das entspannte Lächeln einer Frau durch das Finden der perfekten Damenbinde eben nicht von Bedeutung. Werbung für dickere Autos, Fernseher oder Getränke ist stets nur von Interesse für einen Teil der Zuschauer. Die Werbepause im Fernsehen nutzten man für den Gang zur Toilette oder zum Holen von Knabberkram oder für ein Gespräch oder einfach mal zum Nachdenken.

Bis dann vor rund 15 Jahren Smartphones einzogen und zur gleichen Zeit die sogenannten soziale Medien in Begleitung massiver Datensammlungen. Nicht nur ist Werbung seitdem viel zielgerichteter: Das Netz kennt deine Interessen und Gewohnheiten. Werbung wird auf dich zugeschnitten und du findest sie stets interessant. Obendrein steckt dieses Gerät stets in deiner Tasche und über die asozialen Medien siehst du ständig, was deine Mitmenschen treiben, wo sie ihren Urlaub verbringen, was sie sich kaufen und was sie überhaupt tun.

Von dem folgenden Sozialneid hast du vielleicht schon gehört: Die meisten Menschen posten nur die Höhepunkte ihres Alltags, nie die Banalitäten oder Tiefpunkte. Die Folge ist ein verzerrtes Bild. Du siehst ständig vermeintlich glückliche Menschen und bei Betrachtung deines langweiligen Alltags fühlst du, dir würde etwas entgehen. Zack. Unzufriedenheit durch falsche Erwartungen.

Viel perfider sind die scheinbar nützlichen Aspekte des Internet. Nehmen wir YouTube: Es gibt dort ohne Zweifel ausgesprochen hilfreiche Videos, die genau dein Problem lösen. Zum Beispiel: Wie spiele ich Für Elise auf dem Klavier. Wenn du es mit traditionellen Mitteln nicht hinbekommst, findest du bestimmt ein passendes Video im Internet, das genau deinem Lerntempo entspricht. Du lernst das Stück schnell und freust dich. Und dann abonnierst du den Videokanal, weil der so hilfreich war.

Und von nun an torpediert dieser Kanal dein Leben. Egal ob täglich oder wöchentlich oder monatlich: Er veröffentlicht Videos, die du interessant findest und du schaust sie dir an. Du investierst Zeit in diese Videos. Statt dein eigenes Leben zu verfolgen, verfolgst du den Kanal. Vielleicht erzählt er dir etwas von den 5 Stücken, die jeder Pianist spielen können muss!!!!!! und du denkst dir: Oh, ich will zwar kein Pianist werden, aber ich möchte gut spielen können. Es ist wohl besser, wenn ich das lerne. Und schon bist zu unzufriedener, weil du noch unvollständig bist, bis du diese Sachen kannst.

Stell dir vor, du abonnierst nur fünf solcher Kanäle. Dein ganzes Leben wird sich verändern allein aufgrund der Suggestionen dieser Kanäle – ganz gleich, ob du ihnen nachgehst oder nicht.

Das alles ist nicht neu. Neu hingegen sind die Algorithmen, die diese Vorschläge steuern. YouTube empfiehlt dir nicht larifari irgendwelche Videos, sondern ein extrem ausgefeiltes Programm analysiert deine sämtlichen angeschauten Videos und sucht dann etwas heraus, das dir wahrscheinlich gefällt. Alles wird immer interessant aussehen. Interessant sollte jedoch kein Kriterium sein, um dir etwas anzuschauen. Interessant ist viel. Die Physik eines Maschinengewehrs, das Wachstum einer Haselnuss, oder die Mechanik eines Klaviers: All das ist interessant. Aber das allerwenigste davon ist für dich von Belang.

Aber du sitzt nun da und schaust diese Videos und Fotos an und bist unterhalten. Und du denkst nicht mehr nach und verfolgst deine Träume nicht mehr und lebst nicht mehr vor dich hin, sondern stehst ständig unter dem Einfluss anderer Menschen und Organisationen.

Vor 15 Jahren hättest du einfach Freude am Klavierspielen gehabt, egal wie mäßig dein Talent oder deine Entwicklung. Alles war einfach. Du hast deine Stücke gespielt und draußen ging die Welt weiter und das war völlig in Ordnung. Du wusstest genau, wer du bist: Ein junges Mädchen, das einfach lebt und bald eine Lehre als Mechanikerin anfängt. Mit ganz viel Zeit zum Draußenrumlaufen, in der Badewanne liegen, und einfach mal ins Nichts schauen und nachdenken. Träumen. Reflektieren. Und sich freuen, wie schön das Leben ist.

An dieser Stelle wollte ich den Artikel beenden. Aber was ist dann das Fazit? Ich kann die Zeit nicht anhalten, nur meinen Umgang mit der Situation darlegen. Dazu ein paar Erkenntnisse.

  1. Man muss nicht immer erreichbar sein. Ich bin freiberuflich tätig und nach wie vor telefoniere ich praktisch nur übers Festnetz.
  2. Emails sind nicht mein Chef. Emails rufe ich höchstens einmal am Tag ab und ich lasse sie auch mal ‘ne Woche liegen.
  3. Die asozialen Medien bringen auch ein paar Vorteile, aber unterm Strich sind sie ein großer Nachteil (es sei denn, du willst Menschen etwas verkaufen).

Die Konsequenz aus diesen Punkten: Ich habe mein Smartphone fast nie bei mir und es befindet sich fast den ganzen Tag im Flugzeugmodus. Eine Datenrate habe ich nicht und ich kann unterwegs nicht ins Internet.

Für YouTube habe ich mir eine Erweiterung installiert, die jegliche Empfehlungen ausblendet. Was für ein wundervolles Leben: Ich sehe nur noch die Videos, die ich gesucht habe.

Aber das sind nur die ersten Schutzmaßnahmen. Viel wichtiger ist das Nachdenken und Reflektieren. Wer bin ich? Wer will ich sein? Was ist für mich wichtig? Wie kann ich Zufriedenheit erlangen, damit ich zu meiner Gemeinschaft1 beitragen kann? Sascha Fast hat ein tolles Buch darüber geschrieben.

Respektiere jede Mahlzeit

Die Reisevorbereitungen sind abgeschlossen und es herrscht Klarheit über das Ziel. Es ist Zeit für die …

Abreise

Respektiere jede Mahlzeit – nasche nicht zwischendurch

Jede Mahlzeit ist ein Schritt auf deinem Weg. Da wir uns über unbefestigten und oft rutschigen Boden bewegen, müssen wir jeden Tritt mit Sorgfalt vornehmen und unnötige Schritte vermeiden. Wir heben also die Füße und schlurfen nicht, denn das verlangsamt uns nur und es erhöht das Risiko des Stolperns. Am besten wandert man mit einem Rhythmus. Zum Beispiel die traditionelle Struktur aus drei Mahlzeiten pro Tag, Frühstück, Mittagessen und Abendessen, eignet sich dafür bestens. Das sind unsere Mahlzeiten zu festen Zeiten. Sie haben einen Anfang und ein Ende. Das Frühstück geht also nicht fließend in das Mittagessen über: Wir essen dazwischen nichts. Gar nichts.

Naschen ist wie Schlurfen: Es bremst dich. Und da viele Getränke wie Eistee, Saft und Apfelschorle reichlich Kalorien in Form von Zucker enthalten, verzichten wir auch darauf. Respektiere jede Mahlzeit und trinke dazwischen reichlich Wasser oder ungesüßten Tee. Oder Kaffee in Maßen, jedoch ohne Zucker und Milch. Du magst Kaffee nicht schwarz? Dann ist das eine exzellente Gelegenheit, ihn entweder aufzugeben oder dich mit der wunderbaren Welt wirklich guten Kaffees auseinanderzusetzen. Vertrau mir: Jeder kann Kaffee schwarz genießen, wenn er erst einmal einen guten bekommt.

Deine Aufgabe: Setze dir einen festen Termin für jede Mahlzeit. Du musst nicht die genaue Uhrzeit in Stein meißeln. Das geht im Alltag oft nicht und würde nur zu Stress führen. Aber verdeutliche dir das Zeitfenster. Du könntest dein Frühstück auf ungefähr 7:30 Uhr legen und dir vornehmen, es innerhalb von dreißig Minuten abzuschließen. Danach ist das Frühstück vorbei und du isst nichts mehr bis zum Mittagessen. Noch einmal: Die genaue Uhrzeit ist egal. Wichtig ist die Struktur mit Anfang und Ende jeder Mahlzeit.

Was J.R.R. Tolkien als Charakterzug der Hobbits mit täglich einem halben Dutzend Mahlzeiten und Snacks zwischendurch beschreibt, mag sympathisch klingen – wer genießt nicht gern? In unserer Welt ist das jedoch kein gesundes Essverhalten.

Notiere nun die Tagesstruktur deiner Mahlzeiten. Schreibe auf, wann du ungefähr essen wirst. Schreibe auch die Zeiträume auf, in denen du nichts isst. Das ist wichtig.

Aus meinem neuen Buch Einfach abnehmen – mit Lebensfreude zum Ziel:

Die Reise beginnt

Nach dem ersten Teil dieser Reihe geht es weiter mit den…

Reisevorbereitungen

Setze Prioritäten

Wenn du von München nach Hamburg reist, wirst du nicht in Lissabon ankommen. Wer ein Ziel erreichen möchte, muss sich von einem Ort wegbewegen. Das heißt: Um eine Sache zu gewinnen, muss man eine andere aufgeben. Wenn du abnehmen und danach dein Gewicht halten möchtest, wirst du nicht jeden Tag ein Blech Kuchen essen können.

Je nach Reisegeschwindigkeit wirst du Zeit und Kraft investieren müssen, um dein Ziel zu erreichen. Du musst einige Bequemlichkeiten aufgeben. Das wird allerdings ein Kinderspiel für dich sein, wenn du dein Ziel gut gewählt hast. Was du aufgeben musst, wirst du mit Freude loslassen. Du musst die Strecke nach Hamburg nicht im ICE fahren, sondern kannst dich auch in die Regionalbahn setzen und dir in Ruhe die Landschaft anschauen und dich mit den Menschen unterhalten, die zusteigen. Du kannst sogar an einzelnen Orten selbst aussteigen, die Gegend erkunden und später weiterfahren. Dann dauert die Reise eben länger. Solange du dein Ziel und deinen Fahrplan im Auge behältst, ist alles in Ordnung.

Doch Moskau, Mailand und Madrid liegen nicht auf der Strecke München – Hamburg. Wenn du nach Hamburg möchtest, kannst du nicht gleichzeitig Mailand erreichen. Wenn Hamburg dein Ziel ist, musst du Mailand aufgeben. Wenn Abnehmen dein Ziel ist, wird eine Tafel Schokolade nicht auf deinem Speiseplan fürs Frühstück stehen. Schaue dir die Ziele an, die du auf der vorigen Seite notiert hast: Bist du bereit, dafür etwas aufzugeben?

Weil ich mein Ziel und meine Prioritäten damals klar gesetzt hatte, fiel es mir leicht, die drei bis vier Schokoriegel und literweise Kakao jeden Tag aufzugeben, wie auch mehrfach die Woche Fast Food und Kaffee mit drei Stück Zucker. Damals fand ich das zwar lecker, aber meine Gesundheit und meine Figur waren mir erheblich wichtiger. Was ist dir wichtig? Notiere es genau jetzt.

Die Siebensachen packen

Nutze die Macht der Gewohnheit

Wahrscheinlich putzt du dir jeden Tag die Zähne. Du freust dich nicht darauf und verfällst dabei auch nicht in freudige Extase, dennoch fällt es dir leicht. Du denkst nicht darüber nach, sondern du machst es einfach: Es ist eine Gewohnheit. Du machst das, damit du deine Zähne nicht frühzeitig verlierst.

Links und rechts schauen, bevor man die Straße überquert, beim Klettern gut festhalten – Gewohnheiten nehmen uns Entscheidungen und das Nachdenken ab und geben unserem Gehirn mehr Freiraum für andere Dinge. So kannst du beim abendlichen Spaziergang über deinen Tag reflektieren und musst dich nicht auf den Weg konzentrieren oder darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Gewohnheiten sind klasse.

Gewohnheiten können aber auch fett machen. So habe ich in einem Jahr 10 Kilo zugenommen: Nach dem Frühstück und Mittagessen ein Schokoriegel, mittags Nudeln mit Sahnesoße vom Lieferdienst, jeden Tag vier oder fünf Tassen Kaffee mit drei Stück Zucker, abends ein Liter Kakao, dazu Tortellini mit Käse-Sahnesoße.

Du nimmst nicht über Nacht drei Pfund zu. Sondern du trinkst deinen Kaffee drei mal am Tag mit einem Würfel Zucker. Allein das sind nach einem Jahr rund 1,5 kg Körperfett.

Du kannst dir das Leben gewaltig erleichtern, indem du möglichst viele gute Angewohnheiten bildest und schlechte Angewohnheiten ablegst. Das gilt besonders für das Abnehmen. Gute Ernährung ist ein gemütlicher Spaziergang an einem lauen Sommerabend, wenn du dir die richtigen Verhaltensweisen angewöhnst und nicht ständig darüber nachdenkst. Zugleich kannst du schlechte Angewohnheiten wie das ständige Naschen von Süßkram ablegen und dich so weiter deinem Ziel nähern.

Am besten funktioniert das Ablegen solcher schlechten Gewohnheiten, indem man sie durch gute ersetzt. Das ist ein doppelter Gewinn. Vielleicht gehörst du zu den vielen Menschen, die dem Süßkram nie widerstehen können und immer eine Tüte Gummibärchen offen auf dem Tisch vor sich liegen haben. Dann könntest du diese Angewohnheit ersetzen indem du zunächst einmal keine Tüte mit Süßkram mehr hinlegst (und kaufst) und stattdessen jedesmal, wenn du den Impuls zum Zugreifen verspürst, von deinem Stuhl aufstehst und eine Kniebeuge machst. Oder einen Liegestütz. Das wäre eine gute Gewohnheit.

Dieses Buch steckt voller Vorschläge für gute Gewohnheiten. Ich beschreibe Schritte, die für jeden Tag gedacht sind. Jeder Schritt in diesem Buch kann so selbstverständlich werden wie das tägliche Zähneputzen.

Analysiere jetzt deine Essgewohnheiten. Welche Leichen hast du im Keller? Bist du so ein Zuckervernichter wie ich damals? Trinkst du jeden Abend mehr Kakao als damals durch meinen Halbliter-Humpen geflossen ist? Oder bestellst du jeden Mittag im Büro eine Portion Nudeln mit Sahnesoße? Notiere es genau jetzt.

Aus meinem neuen Buch Einfach abnehmen – mit Lebensfreude zum Ziel:

Eine Geschichte aus der Wildnis

Wie kann ich abnehmen und gesund bleiben, dabei das Essen genießen und möglichst wenig Schaden anrichten?

Zehn Jahre habe ich mich auf der Suche nach einer Antwort durch den Diät-Dschungel geschlagen. Um mich herum nur Low-Carb-Schlingpflanzen, Reiskeks-Dornen und Margarinen-Treibsand. Ich bin im Kreis gelaufen und Zickzack gesprungen, gestürzt, abgerutscht und mehr als einmal auf der falschen Fährte gelandet.

Doch der Weg hat sich gelohnt. Heute esse ich besser als je zuvor und genieße jede Mahlzeit, erfreue mich bester Gesundheit und bleibe schlank. Es hat mir nur ein Schlüssel, ein Puzzleteil gefehlt. Wenn du magst erzähle ich dir die Geschichte von Anfang an und zeige dir den kürzesten Weg.

Komm. Wenn ich das geschafft habe, packst du das auch. Mein Startpunkt lag bei einem täglichen Sortiment aus Schokoriegeln, gekrönt von Pizza, Kakao und Tortellini in Käsesahnesoße. Aus der Tüte. Viel weiter unten kann man kaum anfangen.

Reisevorbereitungen

Wo kein Wille, da kein Weg

Wer sich kein Ziel setzt, kann auch kein Ziel erreichen. Daher musst du dir zunächst verdeutlichen, welches Ziel du überhaupt erreichen möchtest. Abnehmen ist eine Tätigkeit und kein Zustand. Wenn du dir nur Abnehmen zum Ziel setzt, wie kannst du dann feststellen, wann du es erreicht hast? Soll es ein Kilo sein oder zehn oder fünfzig? Man kann sich ein Körpergewicht als Ziel setzen. Das ist sehr konkret. Oder eine Hosengröße. Dann bewegt man sich auf einen definierten Punkt zu und kann sich stets darüber freuen, wenn man sich ihm nähert.

Welches Zielgewicht für dich sinnvoll ist, kann niemand pauschal sagen. Viele peilen allerdings ein Normalgewicht an, das sich berechnet als die Körpergröße in Zentimetern minus 100. Diese Zahl in Kilogramm ist das Normalgewicht. Ein 188 cm großer Mann subtrahiert 100 von seiner Größe, ersetzt cm durch kg und landet bei einem Normalgewicht von 88 kg. Das ist nur eine Faustregel und das Gesamtkörpergewicht setzt sich aus komplexen Faktoren zusammen, doch für die meisten Fälle genügt diese Herangehensweise.

Das ist allerdings nur ein Bestandteil des Ziels. Denn bis wann möchtest du dieses Körpergewicht erreichen? Wahrscheinlich lautet deine Antwort: So schnell wie möglich. Du musst keinen Endtermin festlegen, denn niemand außer dir selbst hat das Recht, dir hier ein Ultimatum zu setzen. Als Orientierungshilfe kannst du von rund zwei Kilo pro Monat ausgehen. 20 kg kannst du in zehn Monaten loswerden. Es kann länger dauern oder auch viel schneller gehen. Das kommt darauf an, wo deine Reise losgeht. Doch rund zwei Kilo pro Monat sind realistisch. Es ist kein Wettrennen, habe Geduld mit dir und übe Nachsicht. Behandele dich selbst so wie jemanden, den du wirklich gern hast.

Neben dieser Definition deines Ziels hilft es auch, wenn du dir klarmachst, wo du auf gar keinen Fall landen möchtest. Wer zugleich auf etwas zu und vor etwas wegläuft, hat in der Regel noch größeren Erfolg. Stell dir also auch vor, wie du aussehen wirst und wie dein Leben aussehen wird, wenn du deinen bisherigen Weg schlechter Ernährung weiter verfolgst.

Schreibe dir diese Dinge genau hier auf. Du musst sie aufschreiben. Die Vorstellung allein genügt nicht. Beim Aufschreiben bist du zur Formulierung in ganzen Sätzen gezwungen. Das regt dein Gehirn zum Nachdenken an und zur genauen Wortwahl. Dadurch gewinnst du mehr Klarheit über dein Ziel.

Als Beispiel hier mein Ziel von vor über zehn Jahren: »Ich möchte wieder in meine alten Hosen hineinpassen und der kleine Bauch soll verschwinden. Ich habe mindestens 10 kg zugenommen. Die möchte ich wieder loswerden. So schnell wie möglich.« (Tatsächlich habe ich später 20 kg abgenommen. Es hat neun Monate gedauert. Seitdem halte ich mein Gewicht.)

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Pollen und Propolis aus dem Bienenstock

(Gastbeitrag) Für Bienen ist Pollen der wahre Urgeschmack. Entgegen der landläufigen Meinung ernähren sie sich nicht vorwiegend von Nektar und daraus hergestelltem Honig, sondern vor allem von Blütenstaub. Er wird im Bienenstock durch Fermentierung haltbar gemacht und dient den Tieren in Form von Bienenbrot als Hauptnahrungsquelle. Besonders gut haltbar wird dieser durch den Zusatz eines weiteren Bienenprodukts, der Propolis, welche die Tiere als universelles Dicht- und Desinfektionsmittel verwenden. Ebenso wie Pollen und andere Bienenprodukte erfreut sich das weiterverarbeitete Baumharz wachsender Beliebtheit in Kosmetik und Naturheilkunde.

Biene Majas Urgeschmack

Summt und brummt es allenthalben in der Natur, sind Insekten auf der Suche nach Nektar. Die Samenpflanzen haben ihre Fortpflanzungsstrategie sehr effektiv umgestaltet, indem sie den Transfer ihrer männlichen Fortpflanzungseinheiten fliegenden Postboten statt windigen Gesellen überlassen. Tragen Insekten anstelle des Windes den Pollen von Blüte zu Blüte, braucht die Pflanze wesentlich weniger davon – das spart Material und Energie. Bunte Blüten, Gerüche und süßer Nektar locken die Helfer an.

Bienen sind an Pollen und Nektar interessiert. Den Nektar sammeln sie in ihrem Honigmagen, den beim Herumkriechen in den Blüten im Pelz haftenbleibenden Pollen kehren sie mit den Hinterbeinen zusammen und stecken ihn in die Pollenhöschen ihrer Hinterbeine. Im Bienenstock angekommen wird die Fracht an die Kolleginnen weitergegeben, die daraus Honig und Bienenbrot herstellen.1

Im Bienenstock herrschen um die 36 Grad Celsius und an die hundert Prozent Luftfeuchte – ideale Bedingungen für Bakterien und Schimmel. Denen entgeht der Nektar, indem ihn die Bienen zu Honig mit weniger als 20 Prozent Wasseranteil eintrocknen. Der eiweißreiche Pollen hingegen fermentiert ganz ähnlich wie unser Sauerkraut. Natürlich vorhandene Bakterien und Hefen werden mit einer kleinen Menge Honig zu einer Milchsäuregärung angeregt, die den Pollen konserviert und leichter verwertbar macht. Dieses Bienenbrot überziehen die Tiere mit konservierender Propolis und pressen die bunte Masse in ihre Waben.2

Propolis besteht aus gesammeltem Baumharz, das die Bienen mit Speichel, Bienenwachs und Pollenbalsam mischen und überall in ihrer Behausung als desinfizierendes Kittharz verwenden. Jede Ritze, jede Unregelmäßigkeit wird sogleich mit Propolis überzogen, sodass keine Feuchtigkeit von außen eindringt und sich keine Mikroorganismen ansiedeln. Sogar in den Stock eingedrungene Mäuse erhalten zum Schutz vor Verwesung einen Überzug aus Propolis. Griechisch bedeutet der Name vor der Stadt – denn die Bienen staffieren das Flugloch mit einer höchst effektiven Desinfektionsstation aus dem Harz aus.3
Nektar verwenden die Sammelbienen als Flugbenzin, Stockbienen und Larven ernähren sich vorwiegend von Bienenbrot. Der Inhalt einer einzelnen Wabe reicht zum Großziehen von ein bis zwei Bienenlarven. Im Winter kommt der Honig zum Einsatz, mit dem die Winterbienen die entkoppelte Flugmuskulatur antreiben und dafür sorgen, dass die Temperatur nicht unter die lebenserhaltenden zehn Grad Celsius fällt.4

Der Urgeschmack Seiner Majestät höchstselbst soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden: Gelée royale ist ein Spezialfuttersaft, den die Ammenbienen in ihren Futterdrüsen bilden. Den bekommen in den ersten drei Tagen nach dem Schlüpfen alle Larven, danach nur noch die Königinnenlarven und die fertige Königin für den Rest ihres Lebens. Damit lebt sie bis zu fünf Jahre, wird doppelt so groß wie ihre Schwestern und legt täglich um die 2.000 Eier.5

Wie gewinnt man Pollen, Bienenbrot und Propolis?

Pollen erntet der Imker mit speziellen Pollenfallen, die er am Eingang des Bienenstocks aufstellt. Dabei handelt es sich um eine Engstelle, bei deren Passage die Tiere einen Teil ihrer Fracht verlieren. Die bunten Bällchen fallen in einen Sammelbehälter, der täglich geleert werden muss. Frischer Pollen verdirbt, wenn der Imker ihn nicht sofort nach der Ernte gründlich trocknet.6

Bienenbrot ist schwieriger aus den Waben zu holen als Honig. Dazu schneidet der Imker die betreffenden Waben heraus, kühlt und schreddert sie. Das trennt das spröde gewordene Wachs von den braungelben, sechskantigen Bröckchen, die er mit Sieben oder im Luftstrom von den Wachsrückständen separiert.7

Bei der Propolis macht er sich den Drang der Bienen zunutze, alle Ritzen und Lücken sofort mit dem Harz zu verschließen. Legt der Imker ein Kunststoffgitter ein, überziehen es die Tiere sofort mit einer dünnen Schicht. Herausgenommen lässt sich die spröde Propolis leicht durch Verbiegen des Gitters absplittern. Sie wird getrocknet oder zu einem alkoholischen Extrakt verarbeitet.8

Was ist drin?

Naturgemäß schwankt der Anteil der verschiedenen Inhaltsstoffe bei solchen Naturprodukten abhängig von den verwendeten Quellen, also den besuchten Blüten und gesammelten Baumharzen.
Pollen (eine interessante Info Grafik bezüglich den Blütenpollen Inhaltsstoffen gibt es hier) und Bienenbrot enthalten in wechselnden Anteilen

  • Enzyme wie Glukoseoxidase und andere Eiweiße,
  • freie Aminosäuren (Leucin, Isoleucin, Valin)
  • Kohlenhydrate (Glukose, Fruktose, Saccharose)
  • Lipide, darunter
    • langkettige Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren, Linolensäure, Palmitinsäure) und
    • Phytosterole (vor allem ß-Sitosterin)
  • freie organische Säuren (Zitronensäure, Oxalsäure, Gluconsäure)
  • sekundäre Pflanzenstoffe (Carotinoide, Flavonoide, Polyphenole)
  • Vitamine (Vitamin B, Vitamin C, Vitamin E)
  • Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Natrium)
  • Spurenelemente (Mangan, Eisen, Zink).9

Die Milchsäuregärung macht das Bienenbrot leicht säuerlich, und der Gehalt an Vitamin B5 und ß-Sitosterin nimmt geringfügig ab. Dafür steigt der Gehalt an Eiweißen aus den Sekreten der Bienen, vor allem Enzymen wie Saccharase, Amylase und Phosphatase.10
Bei Propolis sind die Schwankungsbreiten geringer. Hier finden sich

  • 45 – 55 % Flavonoide, Phenolsäuren und ihre Ester
  • 25 – 35 % Wachse und Fettsäuren
  • 10 % flüchtige Öle
  • 5 % Pollen
  • 5 % sonstige organische und mineralische Substanzen wie
    • Zucker
    • Ketone
    • Lactone
    • Chinone
    • Steroide
    • Vitamin B3.11

Biologische Wirkungen von Pollen, Bienenbrot und Propolis

Pollen und Bienenbrot als Hausmitteln sagt man in der Naturheilkunde nach, dass sie

  • das körperliche und geistige Leistungsvermögen steigern,
  • das Immunsystem stärken und,
  • Alterungserscheinungen vorbeugen.12

Einiges muss an den empirischen Erfahrungen solcher traditionellen Anwendungen dran sein, denn klinische Studien liefern Hinweise dafür, dass sie

  • antimikrobiell und
  • antioxidativ wirken,
  • Entzündungen vorbeugen,
  • Osteoporose verhindern,
  • Arteriosklerose bekämpfen und
  • Diabetes entgegenwirken.13

Propolis erweist sich in wissenschaftlichen Untersuchungen als

  • antibakteriell und antifungal,
  • antioxidativ,
  • antiinflammatorisch
  • antiarteriosklerotisch und herzschützend,
  • neuroprotektiv und
  • wundheilend.14

Pollen als Kraftfutter

Honig ist das ideale Flugbenzin für Sammelbienen und Heizöl im Winter, da er fast ausschließlich aus schnell verwertbaren Kohlenhydraten besteht. Pollen und Bienenbrot sind da wesentlich abwechslungsreicher und bieten den Larven und Stockbienen alles, was sie für Wachstum und Entwicklung benötigen: neben energiereichen Zuckern auch viele Eiweiße und Fette, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe.15

Das macht sie nicht nur für Bienen zur idealen Nahrungsquelle – mit ihren Inhaltsstoffen gelten sie als ausgezeichnete Sportlernahrung. Der Nährwert ist mit 400 kcal pro 100 Gramm extrem hoch und entspricht etwa dem von getrocknetem Gemüse. Das wussten bereits die Indianer Nordamerikas und die Wikinger, die Bienenbrot bei längeren Reisen als Proviant mitnahmen.16

Wo werden Pollen, Perga und Propolis verwendet?

Altbewährte Hausmittel und moderne medizinische Untersuchungen, vor allem aber die Beliebtheit von Bienenprodukten beim Verbraucher haben dafür gesorgt, dass man die drei Substanzen in Pflegeprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln einsetzt – oft in Verbindung mit Honig, Bienenwachs, Gelée royale und anderen Naturprodukten.17

Die entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften von Propolis machen sich Shampoos, Badeöle, Salben und Tinkturen zunutze. In Mund und Rachen kommen Zahnpasta, Bonbons und Lutschpastillen zum Einsatz.18 Alkoholischer Propolis-Extrakt lässt sich zuhause als Hausmittel gegen Herpesbläschen, Pickel und kleinere Wunden einsetzen. Dazu trägt man eine kleine Menge davon mit einem Wattestäbchen auf die zu behandelnde Stelle auf. In einer Mundspüllösung vertreiben einige Tropfen davon Bakterien aus Zahnbelag und Halsentzündungen.19

Pollen und Perga sind bei den Anhängern der Naturheilkunde sehr beliebt. Man sagt ihnen Wunderdinge nach, wenn man sie morgens ins Müsli rührt, auf Salat streut oder täglich einen Löffel davon einnimmt.20 Für kosmetische Zwecke setzt man vor allem wässrige und alkoholische Pollenextrakte ein, die wesentlich seltener zu allergischen Reaktionen führen als reiner Pollen. Man findet sie in Hautcremes, Gesichtsmasken, Augenpflegeprodukten und Shampoos. Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass sie die Haut vor freien Radikalen schützen und so der Hautalterung vorbeugen.21 Bienenbrot spielt hier keine Rolle, wird aber ebenso wie naturreiner Pollen gerne als Hausmittel in der Küche benutzt.

Eine interessante Anwendung für Pollenallergiker: Sehr kleine Mengen Pollen, etwa in regionalem Honig, sollen zu einer Hyposensibilisierung führen und den nächsten Heuschnupfen milder verlaufen lassen. Allerdings sind die bisherigen Studienergebnisse dazu widersprüchlich und bedürfen weiterer Aufklärung.22

Menge und Bioverfügbarkeit

Auch wenn Pollen und Bienenbrot im Prinzip alle wichtigen Nährstoffe enthalten sollte man immer bedenken, dass in den üblichen Verzehrmengen – etwa einem oder zwei Esslöffeln täglich – letztendlich nur wenig Vitamine oder Mineralstoffe enthalten sind.23 Beispiel Vitamine: Ein Vitamin B6-Mangel ließe sich kaum damit ausgleichen, denn für die Deckung des Tagesbedarfes müsste man über ein Pfund davon zu sich nehmen. Zudem unterscheidet sich der Stoffwechsel eines Insekts trotz vieler Gemeinsamkeiten deutlich von dem eines Menschen.

Des Weiteren muss man im Hinterkopf behalten, dass sich im naturreinen Pollen die einzelnen Pollenkörner mit einer harten Außenhülle schützen. Im Darm wird daher nur ein kleiner Teil der Inhaltsstoffe aufgenommen. Besser ist die Bioverfügbarkeit, wenn man ihn vor dem Verzehr zerkleinert, etwa indem man ihn im Mixer aufschließt. Oder indem man stattdessen zu Bienenbrot greift – hier hat die milchsaure Gärung die widerstandsfähige Hülle bereits aufgebrochen.24

Helfen Pollen, Bienenbrot und Propolis tatsächlich?

Viele der Verwendungsmöglichkeiten aus der Volks- und Naturheilkunde haben einen rein empirischen Charakter. Die Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen steigt rapide an und liefert viele neue Hinweise, aber endgültige Beweise stehen allenthalben aus. Trotzdem stimmen die bisherigen Befunde optimistisch, denn an einigen der nachgesagten Effekte scheint tatsächlich etwas dran zu sein.

Dementsprechend gilt die Heilkraft von Bienenprodukten in der Medizin nichts als ausreichend belegt. Daher sollte man vollmundigen Werbeversprechen immer kritisch gegenüberstehen, zumal Werbeaussagen über die gesundheitliche Wirksamkeit laut Health Claims-Verordnung nicht zulässig sind.

Gegen eine komplementäre, also ergänzende Behandlung mit Pollen oder Propolis spricht hingegen wenig. Vor einer Behandlung manifester Erkrankungen in Eigenregie sollte man sich aber generell hüten. Wollen Sie sich beispielsweise mit Pollen gegen Ihren Heuschnupfen hyposensibilisieren, ist das nur in Absprache mit einem Arzt zu empfehlen. Denken Sie immer daran, dass eine leichtfertige Überexposition bei empfindlichen Personen zu schweren gesundheitlichen Auswirkungen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen kann.

Risiken und Nebenwirkungen

Pollenallergiker wissen ein Lied davon zu singen, dass auch die natürlichsten Substanzen gesundheitliche Probleme verursachen können. Wer an Heuschnupfen leidet, sollte lieber gar nicht erst den Versuch machen, Pollen oder Bienenbrot ins Müsli zu mischen oder damit selber Kosmetik herzustellen. Selbst beim meist gut verträglichen Pollenextrakt in Shampoos oder Hautcremes sollten diese Patienten erst einmal eine kleine Menge testen, um schwere Hautreaktionen zu vermeiden.25

Diabetiker müssen beachten, dass die Kohlenhydrate in Pollen und Bienenbrot den Blutzucker in die Höhe treiben. Ebenso sollte man bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente bedenken, dass ihre Inhaltsstoffe deren Wirksamkeit beeinflussen.26

So manches Übel macht vor nichts halt: Auch bei Bienenprodukten ist man nicht vor Rückständen wie Antibiotika und Pestiziden aus der Landwirtschaft, Schwermetallen und Ähnlichem gefeit. Im Pollen von Greiskräutern und einigen anderen Pflanzen finden sich Pyrrolizidin-Alkaloide, die bei regelmäßiger Anwendung Krebs auslösen können.27 Billig-Pollen wie auch Honig aus nicht-EU-Ländern können Pollen aus gentechnisch verändertem Pflanzen enthalten und sind oft mit Zucker, Hefe, preiswertem Pollen von Windbestäubern wie Mais und Getreide oder anderen Zusatzstoffen gestreckt.28 Am besten fährt man mit Produkten, die ein Öko-Zertifikat haben und sich durch entsprechende Analysen als unbedenklich ausweisen.

Bienenbrot und vor allem frischer Pollen verderben leicht, sobald sie feucht werden. Der darin enthaltene Zucker zieht Feuchtigkeit aus der Luft. Bei unsachgemäßer feuchter Lagerung bilden Schimmelpilze leberschädigende Gifte wie Aflatoxine und Ochratoxine.29 Daher muss man die Verpackungen grundsätzlich gründlich verschließen. Zudem sollte man sie vor Sonne geschützt und nicht über Raumtemperatur lagern. Riechen sie muffig, darf man sie auf keinen Fall weiterverwenden.

Kochen, Dampfgaren, Schmoren, Braten, Backen und Grillen begreifen

Fortsetzung der Liste der wichtigsten Werkzeuge (siehe dazu Wie beginnt man mit dem Kochen?)

2. Kochen, Dampfgaren, Schmoren, Braten, Backen und Grillen begreifen: Diese Begriffe sind nicht einfach verschiedene Worte für den Vorgang des Erhitzens. Sondern sie unterscheiden sich physikalisch, in der Temperatur und in den Ergebnissen.

Kochen ist das Garen in heißem Wasser, die Hitze wird per Konvektion übertragen. Das Gargut erreicht nie mehr als 100 °C und kann in der Regel nicht anhängen. Die beschränkte Temperatur und der Wasseranteil verhindern die Bildung von Röstaromen: Die Maillard-Reaktion (siehe Seite ) bleibt aus.

Pochieren ähnelt dem Kochen, geschieht allerdings meist bei höchstens 80 °C und dient zum Beispiel dem Garziehen von Knödeln oder Eiern. Das Wasser blubbert dabei nicht wild.

Für das Dampfgaren gilt Ähnliches – im Gegensatz zum Kochen in Wasser gehen hierbei allerdings kaum Nährstoffe und Aromen in die Flüssigkeit über, daher ist Dampfgaren als Methode mit intensiverem Geschmack beliebt. Ein teures Gerät benötigt man dafür nicht: Ein einfacher Dampfgareinsatz (Vaporette) genügt. Wie das Kochen erreicht es nur im Schnellkochtopf Temperaturen über 100 bis rund 115 °C. Die höhere Temperatur beschleunigt den Garvorgang vieler Lebensmittel.

Braten überträgt die Hitze durch Konduktion: Direkter Kontakt zwischen Metall und Gargut, häufig mit Fett zur besseren Übertragung. Die Temperaturen können weit über 100 °C steigen und solange du kein Wasser hinzufügst, wird es zur Maillard-Reaktion mit vielen neuen Aromen kommen.

Fügt man nach dem Anbraten Flüssigkeit hinzu, kombiniert man die Methoden des Bratens und Kochens. Das nennt man Schmoren. So nutzt man die Bildung der Röstaromen des Bratvorgangs und dann die niedrige Temperatur und das sanftere Garen in Flüssigkeit. Dabei können die Aromen sich besser verteilen. Schmoren ist vielseitig und weltweit verbreitet.

Backen ist die trockene Garung durch Strahlungshitze, meist kombiniert mit Konvektionshitze durch heiße Luft. Hier liegt die Temperatur meist um 150 bis 250 °C, es kommt auch zur Maillard-Reaktion, zum Beispiel auf der Kruste beim Brotbacken. Im Vergleich zum Braten lässt sich die Temperatur in der Regel einfacher konstant regeln.

Eine besonders hohe Temperatur (bis über 1.000 °C) zeichnet das Grillen aus und ist zugleich seine größte Herausforderung: Ein Stück Fleisch ist schnell außen verkohlt und trotzdem innen noch roh. Mit zunehmender Entfernung zur Hitzequelle geschieht die Wärmeübertragung überwiegend durch Infrarotstrahlung.

Weiterlesen in: Einfach kochen – Methoden und Rezepte

Einfach kochen

Wie beginnt man mit dem Kochen?

»Jeder kann kochen.«

–Auguste Gusteau

»Fülle einen Topf mit Wasser und stell ihn bei mittlerer Hitze auf den Herd«, empfiehlt Köchin und Autorin Tamar Adler. Schon hast du mit dem Kochen begonnen. Sind Zwiebeln, Möhren und Sellerie im Haus, kannst du die kleinschneiden und hinzugeben: der Anfang einer Gemüsesuppe. Ein paar Gewürze, etwas Olivenöl und eine Handvoll Reiskörner später erfüllt der Duft einer köstlichen Mahlzeit die Küche.

Das ist keine Empfehlung, künftig alles zu kochen. Es gibt schließlich andere und oft spannendere Methoden des Garens. Und das Abendessen gänzlich aus dem Nichts zu improvisieren ist gewiss nicht jedem Anfänger gegeben. Das Beispiel verdeutlich jedoch, wie einfach Kochen eigentlich ist. Zermartere dir nicht den Kopf mit der Frage nach dem Was. Fang einfach an. Es ist kein Wettbewerb und kein Leben hängt davon ab. Wirklich ungenießbares Essen produziert kaum jemand, wenn er aufrichtig und mit Achtsamkeit kocht. Kochen ist einfach. Es gibt keine Regeln.

Aus meinem aktuellsten Buch: Einfach kochen – Methoden und Rezepte

Kochen heißt lernen

Ein wahrer Koch, auch der größte Meister, lernt nie aus. Diese Gemeinsamkeit mit dem Meister sollte den Anfänger ermutigen: Beide lernen stetig. Sie kochen beide nur mit Wasser, wie der Volksmund betont (das gilt unter Vorbehalt, dazu später mehr); voraus hat der Meister dem Anfänger sein inneres Gespür für den optimalen Garpunkt – geschult durch hunderte Versuche.

Der wahre Koch ist ein Naturforscher auf der Jagd nach immer neuen und besseren Zutaten. Er ist ein Künstler indem er Aromen und Texturen kombiniert zu einem Werk, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Zum Großteil jedoch ist er ein Handwerker, dessen Messgeräte seine Sinne sind. Sinne, über die wir alle verfügen. Was für manche wie Magie wirkt, ist der sichere Handgriff des Meisters. Die Sicherheit seines Könnens beruht auf Erfahrung. Erfahrung, gesammelt Mahlzeit für Mahlzeit, Stunde um Stunde in der Küche. Erfahrung mit der wahren Werkzeugkiste: dem Handwerkszeug des Kochs.

So gehts

  • Fang an. Hol einen Topf heraus, stelle ihn auf den Herd und hol deine Zutaten raus.
  • Lerne durch Tun.
  • Sei mutig, sei ein Abenteurer, tanze im Regen, werde ein Meister.

Ab in die Küche

Die wahre Werkzeugkiste: Methoden und Techniken

»Es gibt keine Regeln, nur Werkzeuge.«

– GLENN VILPPU

Wer etwas erschaffen möchte, benötigt Werkzeuge. Die wichtigsten Werkzeuge sind keine Geräte, die man kaufen kann. Selbst die Hände als unser vorrangiges Manipulationsmittel helfen uns nicht, wenn die Sachkenntnis fehlt. Die wichtigsten Werkzeuge beim Kochen sind Methoden und deren ganzheitliches Begreifen. Das Schmoren eines Stückes Fleisch ist ein einfacher Vorgang. Erst zusammen mit dem Verständnis, was beim Schmoren passiert, zu welchem Ergebnis es führt und wozu man es einsetzt, wird es zu einem nützlichen Werkzeug. Den Gebrauch dieser Werkzeuge erlernt man stückweise und oft meistert man sie erst nach vielen Jahren. Das Lernen hingegen endet nie.

Ohne diese Werkzeuge beschränkt sich die Küchenarbeit auf das strikte Befolgen von Anweisungen in Rezepten. Solch eine Arbeitsweise engt deine Freiheit ein und führt nicht zu den besten Ergebnissen. Erst wenn du die Methoden verinnerlichst, kannst du improvisieren und damit reagieren auf natürliche Schwankungen bei Zutaten, zickige Küchengeräte und unvorhersehbare Probleme. Dann kannst du schlechte Rezepte retten und gute verbessern.

Deine wichtigsten Werkzeuge

Grundlagen

0. Spass: Das wichtigste Werkzeug beim Kochen ist Leichtigkeit, oder nenne es Spaß, Freude oder Heiterkeit. Ein Koch ist kein Flugzeugpilot; es stehen keine Leben auf dem Spiel. Diese Freiheit solltest du nutzen, um mit Leichtigkeit etwas zu erschaffen, das die Sinne erfreut. Freies Kochen ist ein kreativer Akt: Selbst wer ein Rezept strikt befolgt und lediglich am Ende nach eigenem Ermessen abschmeckt, erbringt eine kleine kreative Leistung. Mit einer vom Ernst verspannten Zunge kann kein Koch den Geschmack beurteilen.

1. Die Auswirkung von Hitze begreifen: Die Bestandteile von Lebensmitteln reagieren unterschiedlich auf Hitze. Oft bewirken wenige Grad Celsius Unterschied große Veränderungen. Fleisch, Fisch und Eier bestehen überwiegend aus Proteinen (Eiweißen), die sich durch Hitze tendenziell verfestigen. Ein Ei enthält über ein Dutzend unterschiedliche Eiweiße mit verschiedenen Garpunkten: Wenn ein Protein schon fest ist, bleibt ein anderes noch flüssig. Zum Kochen eines Frühstückseies sind daher Temperaturen zwischen 60 und 70 °C ideal. Höhere Temperaturen verfestigen Eier stärker und können zu einer ledrigen Konsistenz besonders nahe der Schale führen.

Dem Gegenüber reagiert das Proteingemisch Gelatine genau umgekehrt: Bei Hitze verflüssigt es sich; erst beim Abkühlen bildet es ein festes Gelee.

Mit geringer Hitze lassen sich die meisten Lebensmittel hervorragend zubereiten, solange man ihnen genügend Zeit gibt. Doch auch Temperaturen oberhalb 100 °C sind beim Kochen von Bedeutung: Je nach Zutat beginnt um 120 °C die Maillard-Reaktion (siehe Seite 184); knapp darüber, ab 150 °C, karamellisieren die in allen Lebensmitteln enthaltenen Zucker. Beide Reaktionen erzeugen einzigartige neue Aromen, sie verantworten das typische Grillaroma, den Geruch von Kaffee, den Geschmack von so verschiedenen Lebensmittel wie Schokolade, Brot und Bier.

Weiterlesen in: Einfach kochen – Methoden und Rezepte

Einfach kochen

Der Urgeschmack von süß: Wie gesund ist Honig wirklich?

(Gastbeitrag) An Honig scheiden sich die Geister: Was die Einen als hochgesundes Nahrungsmittel loben, läuft bei den Anderen als reine Zuckerbombe. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Eines ist sicher: Honig ist allemal besser als Weißzucker – er hat einige Kalorien weniger, ist vielfältiger im Geschmack und Grundlage etlicher Hausmittel. Nur allzu viel sollte man von dem süßenden Tausendsassa nicht zu sich nehmen.

Süßer Geschmack – das war mal selten …

In der Natur beschränkt sich Süßes zumeist auf Spätsommer und Herbst, wenn die Früchte reifen und mit Fruchtzucker locken. Mensch und Tier empfinden diesen Geschmack als Sensation, denn er signalisiert schnelle Energie durch leicht verwertbare Kohlenhydrate. Daher ist es wenig verwunderlich, dass der Neandertaler in uns nach Süßem lechzt. Der Haken: Was früher eine seltene und begehrte Ausnahme in der Nahrungspalette war, steht uns heute in fast unbegrenzter Menge zur Verfügung. Das Angebot ist so groß, dass der Versuchung zu widerstehen schwerfällt.

… und Honig eine Rarität

Nirgendwo in der Natur kommt Zucker so konzentriert vor wie im Wintervorrat der Bienen. Wie der Mensch auf die aberwitzige Idee kam, sich trotz der wilden Gegenwehr an ihren Waben zu vergreifen wissen wir nicht. Dass das aber bereits in der Steinzeit so war, zeigen die Höhlenmalereien der spanischen Cueva de la Araña.1 Allzu oft werden sich unsere Vorfahren diese schmerzhaften Raubzüge nicht angetan haben. Auf die Idee, mit der Betreuung von Bienenvölkern leichteren Zugang zu der begehrten Spezialität zu erhalten kam man vor rund 7.000 Jahren in Anatolien. Ägypter, Griechen und Römer verfeinerten die Imkerei im Laufe der Jahrhunderte. Bis ins Mittelalter war Honig das einzige Süßungsmittel. Das änderte sich mit den ersten Zuckerrohrplantagen in der Karibik und der Verarbeitung der Zuckerrübe. Die daraus gewonnene Saccharose und andere Zuckerarten stehen heute in praktisch unbegrenzten Mengen zur Verfügung. Sie gelten als wichtigste Krankmacher unserer Zeit, denn Fettleibigkeit und Bewegungsmangel sind Hauptursachen für Bluthochdruck, Diabetes, Arteriosklerose und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.2 Wären wir doch bloß beim Honig geblieben!

Honig ist Zucker pur – und mehr

Ernährungsphysiologisch betrachtet bedeutet Honig vor allem Zucker. Der Gehalt an Traubenzucker und Fruchtzucker liegt jeweils zwischen dreißig und vierzig Prozent, wobei die Fruktose meist überwiegt. In dieser übersättigten Lösung sind weniger als zwanzig Prozent Wasser enthalten, sodass sie vor Bakterien und Pilzen geschützt ist.3, 4, 5 Hinzu kommen Vitamine wie Vitamin A, B-Vitamine und Vitamin C sowie Mineralstoffe wie Zink und Eisen. Als Quelle dafür ist Honig allerdings wenig geeignet – dafür müsste man täglich ganz erhebliche Mengen zu sich nehmen.6, 7 Für die medizinische Wirkung von Honig sind unter anderem Enzyme verantwortlich, vor allem Glukose-Oxidase und Katalase. Zusammen mit dem hohen Zuckergehalt wirken sie gegen Bakterien, Viren und Pilze, hemmen Entzündungen und fördern die Wundheilung.8, 9 Isst man den Honig, ist es mit der enzymatischen Wirkung vorbei, denn Eiweiße denaturieren durch die Magensäure und werden so wirkungslos. Nicht so bei äußerlicher Anwendung: Bekannt geworden durch extrem bakterizide Wirkung ist Manuka-Honig, einen ausführlichen Artikel gibt es bei Bienen.info. Enzyme spielen hier nur eine untergeordnete Rolle – er hat sie seinem hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO) zu verdanken.10

Wie viel Honig darf man essen?

Honig oder Zucker: Ernährungsphysiologen machen da keinen Unterschied. Eine offizielle Ernährungsempfehlung für Honig gibt es nicht, wohl aber für Zucker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation raten, maximal zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr mit Zuckern zu decken.11, 12 Viel ist das beim heutigen Überangebot nicht: 50 Gramm Zucker erledigen das bei einem durchschnittlichen Erwachsenen mit 2.000 kcal. Zum Vergleich: Die Honigportionen beim Hotelfrühstück enthalten meist 20 Gramm, ein Glas Cola rund 25 Gramm.

Honig oder Rohrzucker – Was ist besser?

Durch den hohen Gehalt an Fruktose ist Honig süßer als Haushaltszucker. Daher kann man ihn beim Backen nicht 1:1 als Ersatz einsetzen; stattdessen nimmt man nur drei Viertel der angegebenen Menge. Er ist nicht nur süßer als Zucker, er hat auch weniger Kalorien – immerhin ein gutes Viertel: 100 Gramm Rohrzucker schlagen mit 380 kcal zu Buche, Honig nur mit 300 kcal. Der größte Unterschied ist allerdings der Geschmack: Ist Weißzucker einfach nur süß, schmeckt jeder Honig anders. Daher mundet ein Tee mit Akazienhonig vollkommen anders als einer mit etwas Lavendelhonig, und Lebkuchen mit Invertzucker statt Honig ist kein Lebkuchen. Vollrohrzucker ist ebenfalls geschmacklich interessanter, hat aber ernährungsphysiologisch keinerlei Vorteile gegenüber der zusätzlich gebleichten Variante.13

Besser Imkerhonig statt Industriehonig

Hat man einen Imker um die Ecke wohnen, sollte man seinen Honig lieber dort kaufen als im Supermarkt. Abgesehen davon, dass sein Honig keine Weltreise hinter sich hat und daher einen besseren ökologischen Fußabdruck aufweist als Massenware aus Fernost, muss der Imker die strengen Verordnungen der Honigverordnung des Deutschen Imkerbundes einhalten.14 Das heißt, er darf den Honig nicht über 40 °C erwärmen, der Wassergehalt muss unter 18 Prozent liegen und andere Kriterien, die zu einer außergewöhnlich hohen Honigqualität beitragen.

Vorsicht vor Pestiziden

Der Gehalt an Pestiziden ist in deutscher Ware meist geringer als in Importhonig. Die Angabe Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern sollte man als Gefahrenhinweis betrachten: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat in jedem zweiten Honig aus dem Supermarkt Rückstände von Pestiziden gefunden.15 Der Gebrauch von Spritzmitteln macht vor Ackergrenzen nicht halt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Öko-Test in konventionell erzeugtem deutschem Honig ebenfalls Insektizide gefunden hat.16 Spitzenreiter waren Rapshonig und Blütenhonig mit hohem Rapsanteil. Mit Bio-Honig fährt man hier deutlich besser. Von Gesetzes wegen müsste das nicht so sein: Die Grenzwerte der deutschen Honigverordnung sind die gleichen sind wie bei Bio-Honig.17, 18

Welche Rolle spielt Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen?

Eine ähnlich traurige Trefferquote hatte Öko-Test bei Importhonig mit Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen: Fast die Hälfte der untersuchten Proben enthielt Blütenstaub von Gen-Mais und ähnlichem.19 Selbst innerhalb der EU ist man davor nicht mehr gefeit, seit man die Deklarationspflicht für Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen abgeschafft hat: Er gilt inzwischen nicht mehr als Zutat, sondern als natürlicher Bestandteil. Eine entsprechende Angabe ist daher nicht mehr notwendig. Wer keinen GVO-Pollen frühstücken möchte, sollte auf Honig aus Deutschland, Südosteuropa und fairem Handel zurückgreifen. Dort spielen Gen-Mais und -Raps keine Rolle, und der Einsatz von Pestiziden erfolgt sparsamer als etwa in den USA.

Was bedeuten bei Honig Bio und Fairtrade?

Bio-Imker müssen strenge Auflagen bei der naturnahen Haltung ihrer Völker einhalten und auf ausreichenden Abstand zu konventionell bestellten landwirtschaftlichen Flächen achten.20 Im Umkreis von drei Kilometern müssen vorwiegend Wildpflanzen wachsen. Dazu gehören ökologisch bestellte Äcker und Wiesen und Wälder. Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche zwei Pfundsgläser Honig. Mit inländischem Honig ist dieser Bedarf nicht zu decken. Will man trotz der schlechteren Ökobilanz auf ausländischen Honig zurückkommen, sollte man auf das Fairtrade-Siegel achten. Damit ist wenigstens sichergestellt, dass die einheimischen Imker einen gerechteren Lohn erhalten als von den großen Lebensmittelkonzernen.

Insektensterben: Imker fördern heißt Bienensterben verhindern

Mit dem Kauf von regionalem Honig beim Imker unterstützt man den Erhalt von Bienenvölkern, vor allem wenn dieser nach den Bio-Richtlinien agiert. Was trivial klingt, ist unheimlich wichtig: Bienen sind unsere fleißigsten Bestäuber – ohne sie gäbe es keine Äpfel, Birnen, und auf viele weitere Obstsorten sowie die meisten Gemüse müssten wir verzichten.21 Das vielzitierte Bienensterben ist nur die Spitze des Eisberges namens Insektensterben. Die Biomasse an Insekten hat in knapp dreißig Jahren um über 75 Prozent abgenommen – das sollte ein eindringliches Warnsignal sein.22 Denn für eine effektive Bestäubung sind auch Wildbienen notwendig, die nicht von Imkern umsorgt werden wie die Honigbienen.23 Ganz zu schweigen von den sonstigen Folgen für unsere Ökosysteme.

Tipps für den Gebrauch von Honig

Wie beim Zucker sollte man es auch mit Honig nicht übertreiben – im Übermaß sind beide ungesund. Gegen den Einsatz als Genussmittel spricht hingegen nichts. Zu seinen zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten gehören:

  • Honig in der Küche. Einfach die angegebene Zuckermenge durch dreiviertel des Gewichts an Honig ersetzen, etwa beim Backen.24 Welche Honigsorte schmeckt am besten? Ausprobieren!
  • Honig als Hausmittel. Berühmtestes Beispiel: Honig mit kleingeschnittenen Zwiebeln gegen Erkältungen. Der austretende Saft hilft bei hartnäckigem Husten und macht in den meisten Fällen ein Antibiotikum überflüssig. Davon profitieren vor allem Kinder.25
  • Honig gegen Pickel und Akne. Honig, insbesondere Manuka-Honig, wirkt bakterizid. Damit lassen sich Bakterien vertreiben, die Eiter bilden und hässliche Narben hinterlassen.26 Ab und zu eine Honigmaske pur oder mit Quark verrührt auftragen und nach einer halben Stunde mit Wasser abwaschen genügt. Zudem wird die Haut damit feucht und elastisch.
  • Honig gegen Hauterkrankungen. Honig hilft ebenso bei dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis.27 Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine ergänzende Behandlung.
  • Honig zur Lippenpflege. Die meisten Lippenpflegeprodukte enthalten Mineralöle, Paraffin und sind gesundheitlich fragwürdig. Öko-Test fand darin Stoffe, die im Verdacht stehen krebserregend zu sein.28 Viel gesünder, billiger und einfacher: Ab und zu die Lippen mit etwas Honig einreiben.29
  • Honig zur Wundheilung. Hier ist Manuka-Honig das Wundermittel. Er hilft nicht nur bei Druckgeschwüren, Unterschenkelgeschwüren und anderen chronischen Wunden, sondern auch bei normalen Schnittverletzungen oder Abschürfungen.30 Erstere sollte man den Experten überlassen, bei einfachen Verletzungen kann man eine Spur davon auf die Wunde auftragen, bevor man Pflaster oder Verband anlegt.

Bildquelle: Drawn of a painting from the caves of Cueva de la Araña by Achillea (Umzeichnung der mesolithischen Felszeichnung eines Honigjägers oder einer Honigjägerin, der auf einem Baum geklettert ein Bienenvolk ausbeutet. Aus den Cuevas de la Araña, bei Bicorp, Valencia, Spanien. (Datierung unsicher um 8000 bis 6000 vor Chr.)