Omega-6-Fettsäuren: Die andere Seite der Medaille

Unbedingt im direkten Zusammenhang mit den Omega-3-Fettsäuren sind die Omega-6-Fettsäuren zu betrachten. Genau dieser Zusammenhang ist jedoch leider auch etwas komplizierter als die einzelne Betrachtung.

Von den bekannten Omega-6-Fettsäuren ist ebenfalls eine essenziell, also für den Menschen lebenswichtig: Die Linolsäure (nicht zu verwechseln mit der Linolensäure!) So wichtig diese ist, so problematisch ist heute jedoch auch ihr Vorkommen in der Nahrung.

Die essenziellen Fettsäuren sowohl aus der Gruppe der Omega-3-, als auch der Omega-6-Fettsäuren dienen als Bausteine für andere Fettsäuren und Stoffe im Körper. Es ist nahezu unmöglich, diese Stoffe voneinander losgelöst zu betrachten, da sie stets miteinander interagieren. Unter anderem geht es dabei um die Bildung von entzündungsfördernden- und entzündungshemmenden Stoffen. Hier sollte, wie so oft im menschlichen Körper, ein Gleichgewicht bestehen.

Und so spricht man bei der Betrachtung dieser Fettsäuren oft auch vom "Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren Verhältnis" oder auch "n-6:n-3". Und genau dieses sei durch die westliche Ernährung heutzutage leider bei vielen Menschen sehr ungünstig, Zivilisations- und andere Krankheiten sind die Folge. Denn während man bei Eingeborenen bzw "Naturvölkern" oft ein Verhältnis von 1:1 bis 2:1 in der Ernährung beobachtet (was auch für den Menschen der Steinzeit vermutet wird), liegt es heutzutage bei rund 20:1. Dies liefert weitere Erklärungen für den schlechten Gesundheitszustand weiter Teile der Bevölkerung.

Ziel sollte also sein, das Verhältnis von n-6 zu n-3 in der Ernährung zu verbessern. In der Regel bedeutet dies, den Konsum von Omega-6-Fettsäuren zu reduzieren und zugleich mehr Omega-3 zu verzehren. Im Kurzüberblick über Omega-3-Fettsäuren erwähnte ich bereits, dass die beste Quellen dafür Tierprodukte sind. Zugleich gilt jedoch auch: Wenn Tiere mit Omega-6-reicher Nahrung gefüttert werden, enthalten ihre Produkte auch mehr Omega-6-Fettsäuren. Leuchtet ein, oder? Und wie kann man dies umgehen? Indem man beim Kauf von Tierprodukten darauf achtet, dass z.B. Rinder möglichst nur oder weitgehend mit Gras gefüttert werden.

Viele Öle wie Maisöl, Rapsöl, Diestelöl oder auch Sonnenblumenöl enthalten nicht nur große Mengen Omega-6-Fettsäuren, sondern werden bei der Herstellung auch stark erhitzt und verarbeitet, was ebenfalls gegen ihre Verwendung spricht. Beachten Sie, dass dies die besonders von der Industrie genutzten, billigen Öle sind und quasi sämtliche verarbeiteten Lebensmittel sowie Backwaren und Frittiertes damit hergestellt werden.

Nüsse und Nussöle aber auch Olivenöl enthalten ebenfalls in Maßen Omega-6-Fettsäuren, sind in der Regel allerdings in Maßen durchaus empfehlenswert, wenn sie also nicht regelmäßig in großen Mengen verzehrt werden.

Eine sehr gute Alternative als Fett zum Kochen, Backen und Braten stellt Kokosfett bzw Kokosöl dar. Es enthält praktisch keine mehrfach ungesättigten Fette, hat also auf den n-3- oder n-6-Verzehr kaum Einfluss.

Dies ist, wie die Überschrift schon sagt, nur ein Kurzüberblick.  Der Zusammenhang zwischen den einzelnen essenziellen Fettsäuren ist so komplex, dass eindimensionale Aussagen über viele Produkte wie z.B Eier oder Rindfleisch in diesem Kontext schlichtweg nicht möglich sind. Von allen Seiten betrachtet lässt sich zusammenfassend jedoch sagen, dass eine ausgewogene, natürliche Ernährung durch Lebensmittel, die natur- und artgerecht erzeugt wurden, in Bezug auf den n-6:n-3-Verzehr absolut dienlich ist.

Mehr über Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren: Ein Kurzüberblick

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11 Kommentare zu “Omega-6-Fettsäuren: Die andere Seite der Medaille

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  1. Jonas

    Hallo Felix,
    du schreibst, dass Rapsöl ein hohen Omega_6-Fettsäure-Anteil hätte. Er liegt aber laut Wikipedia und anderen Quellen bei ca. 20 (bzw. 15-30) % und somit nicht höher als bei Hanf- und Walnussöl (bzw. den meisten Nussölen) und nur etwas höher als bei Leinöl. Außerdem liegt das Omega_6 zu Omega_3-Verhältnis laut den mir vorliegenden Quellen ungefähr bei 2:1 (lt. Wikipedia zw. 1:1 und 6:1) und ist damit im Vergleich zu Sonnenblumen- und Distelöl deutlich ausgewogener. Ich weiß nicht, warum Rapsöl vglw. billig ist, und sicher wird Rapsöl auch oft erhitzt und raffiniert. Aber bei nativem Rapsöl gäbe es diese Nachteile ja nicht – sind dir aber noch andere Nachteile von nativem Rapsöl bekannt?

    PS: Was ist eigentlich mit den Omega_9-Fettsäuren? Spielen die im Vergleich zu Omega_3 und Omega_6 sogut wie keine Rolle?

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  3. Christoph

    Hallo Felix!

    Ich wollte in diesem Zusammenhang noch gerne fragen wie es mit Ölen aus Samen aussieht? Sind diese in geringen Mengen auch problematisch oder so wie jene aus Nüssen zu sehen?

    Danke im Voraus,
    MfG Christoph

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  5. chris

    woher kommt eigentlich die behauptete günstige 1:1 oder 2:1 zusammensetzung ? und ist bei einem abweichen wirklich krankheit die folge? ist das belegt?

    1. Felix

      Hi Chris,
      das Verhältnis (4:1 bis 1:1) wird bei vielen Naturvölkern beobachtet und es geht lt. Aussage der entsprechenden Forscher (u.a. Cordain) mit einer Absenz der genannten Krankheiten einher. Da die Theorien zur Wirkungsweise (Inflammation) schlüssig und größtenteils auch belegt sind (dazu gibt es beeindruckende Unterlagen von Dr. Sears), steht das gesamte Konzept auf sehr stabilen Beinen.

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