Weidefleisch, Weidetiere und wir

Weidehaltung erzeugt WeidefleischDiese Kuh tanzt über die Weide. Gerade bereitet sie noch einem Vogel das Mittagessen und gleich repariert sie das Haus der benachbarten Froschfamilie. Dann räumt sie die Parkanlage auf, filtert noch etwas Kohlenstoffdioxid aus der Luft und setzt sich für ein paar soziale Projekte ein. Sie ist ein Tausendsassa, die Weidekuh.

Ob Gnu, Gazelle und Gemsbock in der Serengeti oder Rind und Schaf auf der Weide: Natürlicher Lebensraum dieser Tiere ist das Grasland. Wenn sie ihr ganzes Leben Gras fressen und auf Grünland spielen und balzen, fressen, düngen und laufen, bleiben sie gesund – und der Boden unter ihnen auch. Kraftfutter und Stallanlagen hingegen machen sie krank, denn ihre Mägen sind nicht für die Verdauung von Getreide gebaut. Füttert man sie mit Soja und Körnern, übersäuert ihr Magensystem und sie werden anfällig für Durchfall, Geschwüre und Leberschäden.1 Die Luft im Stall belastet durch den Staub von Fäkalien und Futtermitteln die Atemwege.2 Häufig erfordern diese Leiden die Gabe von Antibiotika. All das vermeidet die Weidehaltung und das verbessert die Qualität des Fleischs dieser Tiere: Weidefleisch liefert dem Menschen ein erheblich gesünderes Fettsäurenverhältnis, mehr Mikronährstoffe, weniger Keime und keine Antibiotikarückstände.3

Auch wenn man die Tiere nicht isst, nutzt die Haltung auf der Weide uns allen: Weidetiere pflegen und erhalten das Grasland. Ohne sie würden Büsche und Bäume diese Flächen einnehmen und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verlören ihren Lebensraum.4 Rind und Schaf retten Vögeln und Fröschen so das Leben,5 pflegen die Landschaft und dienen dem Ökosystem. Dazu gehört auch der Abbau von klimawirksamen Gasen: Indem die Tiere das Graswachstum anregen, helfen sie beim Binden von Kohlenstoff.6 Zugleich verteilen ihren Dung als Wertanlage auf der Fläche und erhöhen so die Bodenfruchtbarkeit – im Umfeld der Stallhaltung belasten die Fäkalien eher die Gewässer. Der Schutz vor Lawinen und Hochwasser gehört wie die Filterung des Wassers zu den Dienstleistungen unserer Ökosysteme.7 Um deren Gesundheit kümmern sich Weidetiere und sie begnügen sich mit Flächen, auf denen wir nichts anderes zu Essen anbauen könnten. Dabei erzeugen die Tiere Fleisch mit starker Struktur, vielen Nährstoffen und überlegenem Geschmack – sofern man den Tieren Transporte, Stress und Qual auch im Tod erspart.8

Weidefleisch schmeckt sogar all jenen, die es gar nicht essen: Weidehaltung ist richtig ausgeführt kein Geschäft der Industrie, sondern die Arbeit von Landwirten, die in ihrer Region wirtschaften. Damit schaffen oder erhalten sie eine Wertschöpfungskette und mit ihr Arbeitsplätze mit fairen Löhnen. Indes gewinnt die Region touristische Anziehungskraft durch grüne Landschaften und außergewöhnliche Erzeugnisse.9

Selbst in fernen Ländern schmecken die Wirkungen des Weidefleischs noch: Nämlich dann, wenn der Export billigen Fleischs aus Deutschland endet und damit zugleich der Angriff auf Märkte und Existenzen in Entwicklungsländern. Das erspart Menschen dort elend und verursacht hier weniger Kosten für Hilfsleistungen – was man nicht kaputt macht, muss man später nicht reparieren.10

Wie und in was für einer Welt wollen wir miteinander leben? Soll die Landschaft nachts erleuchtet sein von den gelben Ms der Fast Food Filialen während wir uns über die unterbezahlte Aushilfe an der Discounterkasse beklagen und den Landwirt, der unser täglich Brot erzeugt, keines Blickes würdigen und uns derweil den billigsten Mist ins Gesicht werfen und fett und krank werden, geizig, gierig und missgünstig auf dem Rücken der sozial Schwachen?

Oder soll die Landschaft blühen und mit ihr die lokale Wirtschaft, sollen Tiere auf Weiden und Menschen auf Marktplätzen verkehren, wollen wir mit dem Landwirt schnacken über die tolle Bolognese, die uns sein Hackfleisch beschert hat, während wir weniger fressen und mehr gesunde Nahrung finden in den kostbaren Erzeugnissen unserer Nachbarschaft und in ihrer persönlichen Wärme und in dem Wissen, mit unserer Wahl beim Einkauf den Schwächsten nicht noch ins Gesicht zu treten?

Das können wir jeden Tag wählen. Beim Einkauf. Weidefleisch ist so eine Wahl. Es ist eine einfache Wahl.

Siehe auch:


Herzlicher Dank gilt Judith Henzler, Konstantin Niese, Kolinger Jessica, Jonas Burri und allen anderen Stiftern dieses Beitrags mittels Patreon, PayPal und Überweisung.

Fußnoten

  1. Details siehe weidefleisch.org (2016) Tierwohl. http://weidefleisch.org/tierwohl/
  2. ebd.
  3. ebd.
  4. Details siehe weidefleisch.org (2016) Umwelt und Klima. http://weidefleisch.org/umwelt-klima/
  5. Details siehe weidefleisch.org (2016) Artenvielfalt durch Beweidung. http://weidefleisch.org/artenvielfalt/
  6. Details siehe weidefleisch.org (2016) Klimabilanz der Weidehaltung. http://weidefleisch.org/klimabilanz/
  7. Details siehe weidefleisch.org (2016) Landschaftspflege durch Beweidung. http://weidefleisch.org/landschaftspflege/
  8. Details siehe weidefleisch.org (2016) Was ist Weideschlachtung? Kugelschuss auf der Weide. http://weidefleisch.org/weideschlachtung/
  9. Details siehe weidefleisch.org (2016) Sozioökonomie. http://weidefleisch.org/soziooekonomie/
  10. ebd.

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3 Kommentare zu “Weidefleisch, Weidetiere und wir

  1. Madeleine Nass

    Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen. Diese Tiere würden ohne uns gar nicht überleben koennen. Deswegen lehne ich den Vegetraismus auch ab. Guter Artikel.

  2. Helmut Kupilas

    Guten Abend Felix,
    Es gibt prominente Mitstreiter! Vielleicht hast du es inzwischen gelesen: das Buch von Franz Keller! (Mach ich jetzt Werbung? Eher nein – Spiegel Bestseller – diesmal berechtigt!) … Ein flammendes Plädoyer für artgerechte Tierhaltung und
    schonender Schlachtung . Verwertung des GANZEN Tieres!
    Im Vorwort zum Buch erklärt Eckhardt Witzigmann dass er schon vor zehn Jahren erklärt habe:…“….
    der größte Luxus der Zukunft sein wird, den Produzenten seiner Lebensmittel persönlich zu kennen…“
    Also, viel Erfolg auf deine, Weg!

Kommentare geschlossen.

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