La Fiorentina oder: die Fleischfrage

La Fiorentina, oder: Die Fleischfrage1,2kg T-Bone Steak vom Weiderind, über Holzkohle medium rare zur Perfektion gegrillt, geschwenkt in Olivenöl mit Knoblauch und Rosmarin. In Kapstadt, Südafrika, serviert Chef Giorgio Nava dieses Gericht in seinem Restaurant Carne als Teller für zwei Personen. Die dünne Fettschicht auf dem mehrere Wochen gereiften Fleisch ist gerade geschmolzen und das Steak erreicht die Gäste auf dem Höhepunkt seines Aromas.

Giorgio kann dieses Stück Fleisch zurückverfolgen bis zum neugeborenen Kalb auf seiner eigenen Farm in den Hochebenen der Karoo. Nichts anderes als die besten Zutaten aus der Umgebung und eine einfache, aber perfekte Zubereitung nebst einer leidenschaftlichen Liebe für das Essen sind für den Italiener die Grundvoraussetzung für gutes Essen.

Aber sind 1,2kg Fleisch nicht viel zu viel? Unter Umständen, ja. Aus einer Vielzahl von Gründen wäre es besser, wenn wir weniger Fleisch verbrauchen würden. Keiner dieser Gründe hat jedoch mit Vegetarismus oder Veganismus zu tun.

Essen wir zu viel Fleisch?

Ideologisch motivierte Veganer (nennen wir sie Veganisten und grenzen sie so ab von entspannten Veganern) mögen an dieser Stelle hysterisch kreischen, dies sei natürlich viel zu viel Fleisch. Es sei ungesund, Tierquälerei, verbrauche viel Futtermittel, trage zum Welthunger bei und ruiniere den Planeten. Die Rechnung sei einfach: 1,2kg geteilt durch zwei Personen mal 365 Tage mache 219kg Fleisch pro Kopf und Jahr. Ganz abgesehen davon, dass Fleisch ungeachtet der Menge immer schlecht sei.

Wenn man dieses Mantra oft genug wiederholt, dann glauben Menschen es irgendwann. Zuerst diejenigen, die es äußern; später auch Außenstehende. Es wird zum Mainstream. So funktioniert Propaganda unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Dabei ist es leicht, diese Behauptungen als irrig zu entlarven.

Wie viel Fleisch essen wir?

Die oben genannte Rechnung geht davon aus, dass von 1,2kg T-Bone beide Gäste 600g täglich Fleisch verzehren. Dies lässt das Gewicht des Knochens außer Acht und unterstellt zudem, sie würden diese Menge täglich essen. Für diese Annahme gibt es keine Basis. Die 219kg pro Kopf sind also ein Hirngespinst. Das nur am Rande.

Doch wie steht es um die seit einigen Jahren kursierenden rund 80kg pro Bundesbürger? Verschiedene Institute geben dies als den Fleischverbrauch des Durchschnittsdeutschen an. Quellen sind schwer zu finden, doch schnell wird klar, dass dies bestenfalls der Verbrauch ist und nicht der tatsächliche Verzehr. Über letzteren mögen selbst Marktverbände nur Schätzungen anstellen.

Der Verbrauch könnte sich berechnen aus der für den deutschen Markt bestimmten Produktion geteilt durch die Bevölkerungszahl. Oder gar auf die tatsächlich verkauften Produkte, also abzüglich des Anteils, der es nicht in die heimischen Küchen schafft und im Handel, also letztlich im Müll endet.

Bedenken wir weiterhin, dass in Industrienationen bis zu 50% auch der gekauften Lebensmittel im Abfall landen, könnten aus der Ausgangsmenge schnell lediglich 40kg verzehrtes Fleisch werden.

All diese rechnerisch vereinfachten Überlegungen sind letztlich nur wenig relevant, denn eines steht fest: Es gibt gar keinen Fleischbedarf. Was ideologische und teils militante Vereinigungen gerne abschätzig als "Fleischhunger" bezeichnen, existiert nicht. Es mag Präferenzen geben, eine Nachfrage, jedoch keinen echten Bedarf: Der Mensch kann auch ohne Fleisch überleben. Muss er das? Sollte er?

Wir sollten nicht täglich Fleisch essen

Abseits der Extreme versuchen viele Individuen und Verbände, zu einem wenigstens gemäßigten Fleischverzehr zu motivieren. Die Mantren lauten etwa "Wir sollten nicht jeden Tag Fleisch essen!" oder "Es ist nicht gut, täglich Fleisch zu essen!"

So gut die Intention auch sein mag, so hilft die Umsetzung niemandem. Wer statt sieben mal pro Woche täglich 250g Fleisch, künftig sechs Tage die Woche 300g am Tag verzehrt, erhöht seinen Verzehr und senkt ihn nicht. Es stehen 1750g gegen 1800g.

Die gebetsmühlenartig vorgetragene Mahnung bedarf also wenigstens einer Konkretisierung. Viel effektiver wäre jedoch eine Erläuterung. Besser als Gebote, Regeln und Gesetze funktioniert seit jeher Aufklärung. Warum sollten wir weniger Fleisch essen? Und wie viel weniger?

Unsere Gesundheit und die Umwelt

Es gibt keinen Nachweis, dass der Verzehr von Fleisch per se ungesund für den Menschen sei.

Wir können wühlen und recherchieren und studieren, so viel wir wollen: Keine Studie und keine Untersuchung konnte bislang nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung belegen, was so viele Gegner des Fleischverzehrs behaupten. Lediglich Statistiken gibt es. Und jede Statistik lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Statistiken zeigen Korrelationen. Ganz gleich wie stark diese scheinen, sie zeigen nur mögliche Zusammenhänge und sind keine Beweise.

Gibt es also keinen Grund, weniger Fleisch zu essen? Doch, durchaus.

Die Fleischproduktion in industrieller Intensivtierhaltung schadet nachweislich der Umwelt. Das so produzierte Fleisch ist von minderer Qualität und kann, je nach Herkunft, tatsächlich potenziell nachteilig für die Gesundheit des Konsumenten sein, etwa durch Antibiotikarückstände oder ein nachteiliges Fettsäurenverhältnis. Spätestens die Umweltschäden rächen sich über lange Sicht durch eine Abwertung der Landschaft und der gesamten Umgebung.

Das so gezeichnete Bild der Fleischproduktion dient häufig als Mindeststandard auf Seiten selbst der weniger extremen Anti-Fleisch-Proponenten. Damit stellen sie dem Durchschnittsverbraucher eine Falle, in die sie jedoch aus Unwissenheit selbst tappen. Denn es gibt eine Alternative.

Die Alternative zur Intensivtierhaltung

Statt das derzeit als konventionell bezeichnete, industrielle System anzuwenden, können wir Rinder in Weidehaltung züchten. Dadurch umgehen wir nicht nur sämtliche möglichen Nachteile hinsichtlich der Umwelt. Sondern wir können bei geeignetem Weidemanagement entstandene Schäden beheben, das Land heilen und so eine bessere Umgebung hinterlassen.

Dies ist keine Utopie, sondern längst Realität. Weidehaltung erfreut sich nicht nur heute wachsender Beliebtheit, sondern sie ist traditionell verankert. Wie sonst hätten wir uns vor Erfindung der Massentierhaltung mit Fleisch versorgt?

Wann immer die Weidehaltung Erwähnung findet, dauert es nicht lange, bis ein eifriger Ideologe behauptet, dass dies doch nur Theorie sei. Spätestens dann, wenn wir uns den "Fleischhunger" anschauten, den wir damit auf keinen Fall stillen könnten. Es ist im Übrigen nicht zu erwarten, dass dieser Kandidat die folgenden Zeilen liest.

Da es keinen Fleischhunger gibt und auch keinen Fleischbedarf, kann die Weidehaltung selbstverständlich den Markt ausreichend bedienen. Durch den Umstieg von Massentierhaltung auf Weidehaltung bei gleichbleibender Produktionsfläche sinken die Produktionskapazitäten. Das versteht sich von selbst. Das Angebot sinkt und wenn die Nachfrage gleich bleibt, steigt theoretisch auch der Preis (in der Praxis ist dieses System aus Angebot und Nachfrage komplexer, doch das Ergebnis lässt sich annähernd vorhersagen).

Das Produkt Weidefleisch ist derzeit tatsächlich teurer als die Billigware aus Massentierhaltung. Dass allerdings 1,99€/kg ohnehin kein realistischer Preis ist, leuchtet angesichts der externalisierten (und somit durch den Steuerzahler an anderer Stelle etwa durch Subventionen oder Umweltschutz gezahlten) Kosten in der Produktion schnell ein. Der Preis von Weidefleisch ist derzeit wettbewerbsfähig, andernfalls würde die Zahl der Erzeuger in diesem Bereich nicht wachsen.

Wie viel Fleisch können wir in Weidehaltung produzieren?

Bedenken wir nun, dass in Deutschland 4,6 Millionen Hektar Fläche als Grünland genutzt und somit auch zur Weidehaltung zur Verfügung stehen könnten. Ein geschickter Landwirt könnte auf dieser Fläche bei extensiver Weidehaltung und Weidemanagement weit mehr als 40kg Fleisch pro Bundesbürger und Jahr produzieren. Der aktuelle Verbrauch lässt sich theoretisch also wenigstens annähernd, möglicherweise vollständig decken.

Noch einmal der deutliche Hinweis: Dazu sind keine zusätzlichen Futtermittel nötig, kein Soja, kein abgeholzter Regenwald. Die Tiere fressen ausschließlich Gräser und Kräuter, die wir Menschen nicht als Nahrung verwerten können.

Der positive Effekt einer Preiserhöhung liegt unter anderem in der erhöhten Wertschätzung und deren Folgen: Wer mehr bezahlt, kauft bewusster ein und wirft weniger weg. Nicht nur schrumpfen dadurch unsere Abfallberge, sondern wir verwerten unsere Lebensmittel effizienter. Wer zuvor 10 Euro für seine Ware bezahlte und davon die Hälfte wegwarf, der sollte mit 10 Euro für die Hälfte der (höherwertigen) Ware kein Problem haben, wenn davon nichts mehr im Müll landet. So wäre etwa eine Verdoppelung des Preises kein Problem.

Freilich ist die Umsetzbarkeit abhängig von saisonalen und regionalen Variablen. Es ist eine Theorie auf solider Datenlage, deren Validität wir einzig durch das vollständige Experiment prüfen können.

Auch erfordert eine Erhöhung der Lebensmittelpreise eine Einführung oder gegebebenfalls Anhebung des Mindestlohns. Beispielsweise für genau diejenigen Menschen, die in der Ernte und Verarbeitung von Lebensmitteln arbeiten. Ein solcher Schritt dürfte auch den Betrieb großer, industrieller Schlachthöfe weniger profitabel machen und so dem Ausstieg aus der Massenabfertigung entgegenkommen.

Sehr wahrscheinlich ist überdies, dass wir durch eine Umstellung auf Weidefleisch weniger Fleisch verbrauchen und vielleicht auch essen.

Wäre es besser, wenn wir weniger Fleisch äßen?

Spielt es eine Rolle? Relevant sind offenbar nicht Art und Menge unserer verzehrten Lebensmittel, sondern deren Herkunft und Produktionsmethoden. Hysterische Ideologen übersehen dies leider in der Regel.

Wenn wir, so wie hier beschrieben, weniger Fleisch verbrauchen, dann werden wir tatsächlich potenziell weniger klimarelevante Gase produzieren und die Umwelt weniger beeinträchtigen. Dies ist jedoch allein der Produktionsmethode geschuldet und nicht der tatsächlich verzehrten Menge.

Zugleich steigt der Wert der Tierprodukte. La Fiorentina landet nur selten und nur im Restaurant auf dem Teller. Es bleibt ein Erlebnis, eine Ode an die Tradition und Kultur, die wir um die Verarbeitung dieses Lebensmittels entwickelt haben. Es ähnelt eher dem in Deutschland bekannten Sonntagsbraten. La Fiorentina ist vielleicht auch ähnlich einem Rembrandt, indem wir die Kunstfertigkeit in der gesamten Verarbeitungskette bewundern und wertschätzen. So kann Fleisch sein.

Das funktioniert nur, wenn es kein Massenprodukt mehr ist.

Weniger Fleisch zu essen, wäre also genau deswegen ratsam und gut: Zugunsten der Wertschätzung. Es steht zu erwarten, dass bei einem Umstieg auf die Weidehaltung durch den höheren Grundpreis tatsächlich der Verzehr sinkt. Wir werden vermutlich weniger Fleisch essen und dies geht mit einer wesentlichen Verbesserung der ökologischen Auswirkung einher: Durch bessere Grünlandpflege auf der einen und einen Wachstumsstopp der industriellen Tierhaltung auf der anderen Seite. Es mag nur eine Korrelation sein, dennoch ist dies begrüßenswert.

Was passiert, wenn wir kein Fleisch mehr essen?

Der industrielle Apparat zur Produktion von Fleisch ist gewaltig und teuer. Selbst wenn sofort alle Menschen aufhörten, Fleisch zu essen, wäre dies nicht das Ende der Massentierhaltung. Schnell lassen sich andere Wege zur Verwertung der entsprechenden Produkte finden. Fell, Knochen, Fett und Muskelfleisch sind in der industriellen Betrachtung lediglich Rohstoffquellen, die längst auch einer anderen Wertschöpfungskette als der Lebensmittelindustrie folgen können. Wozu also Stallanlagen und Schlachthäuser abreißen?

Ist die Diskussion oder ein Revolutionsversuch zwecklos? Keinesfalls. Doch für den ethisch motivierten Fleischfeind mag interessant sein, dass durch den Verzicht auf Fleisch auf dem Teller wenig für seinen Kampf gewonnen ist. Das mag pessimistisch klingen, doch es wirft den angemessen dunklen Schatten auf den bestehenden Produktionsapparat, für den wir alle verantwortlich sind.

Darf ich mein Fleisch noch genießen? Darf ich ein dickes Steak essen?

Abschließend bedürfen die Antworten darauf eines Kontextes. Scheinbar dürfen wir Fleisch nicht nur genießen, sondern wir müssen es. Andernfalls verkommt es zu einer Nebensache mit entsprechend insignifikantem Stellenwert.

Dass die Größe des Steaks zunächst keine Rolle spielt, zeigt der Blick auf den Kontext und die Produktionsmethoden. Theorien wie "Was soll denn passieren, wenn das jemand jeden Tag isst?" sind Zeitverschwendung, solange niemand ernsthaft erwägt, wirklich täglich ein Steak dieser Größe zu essen – weil er es sich nicht leisten kann, weil er es nicht mag oder weil es nicht verfügbar ist.

Diese Fragen kann sich daher jeder einzelne selbst am besten beantworten. Indem er über sein Essen nachdenkt, indem er sich über dessen Produktion informiert, sich seiner Optionen bewusst wird und beginnt, jeden Bissen bewusst zu essen und zu schmecken.

Wie realistisch ist ein Umstieg?

In der Welt des Kaffees erleben wir seit vielen Jahren eine aufblühende Kultur um fair gehandelte Kaffees und Weiterbildung der Konsumenten über die Herkunft, spezifische Regionen, Terroir, Brühmethoden und Saisonalität. Ähnlich wie etwa beim Wein. Was für viele Jahrzehnte seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein schwarz geröstetes Billigprodukt war, gewinnt nun wieder an Wertschätzung.

Der Weg führt auch hier über das Wissen, die Neugier und die Faszination. Erfährt der Verbraucher, dass Kaffee weit mehr sein kann als bitteres, schwarzes Wasser, dann steigt auch seine Zahlungsbereitschaft und sein Wille, mehr zu erfahren. Daran hängen auch Themen wie fairer Handel und ökologisches Bewusstsein.

Genau so kann dies mit Tierprodukten passieren. Tierprodukte schmecken unterschiedlich abhängig von ihrer Fütterung, ihrer Rasse, ihrer geographischen Herkunft, ihrer Vergangenheit und ihrer Verarbeitung. Es gibt viel zu entdecken. Die Auswirkung einer solchen Kultur der Wertschätzung wäre gewaltig. Der Fokus bewegt sich weg von der Quantität, hin zur Qualität.

Es ist viel zu tun. Aber es ist machbar.

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14 Kommentare zu “La Fiorentina oder: die Fleischfrage

  1. diwa

    Ich bin begeisterter Fleischesser und wahrlich kein Vegetarier, aber es ist schon merkwürdig wenn hier die Weidewirtschaft der industriellen Landwirtschaft gegenüber gestellt wird.
    Bei bald 9 Milliarden Menschen dürfte die Frage lauten: können wir die alle mit Weidewirtschaft und ohne intensive Tier/Landwirtschaft oder noch schlimmeren Sachen (siehe Analogkäse) überhaupt ernähren?
    Das Problem ist eben dieses unkontrollierte Bevölkerungswachstum. Hätte die Welt noch 2 Milliarden Bewohner, wäre es egal wie sich wer ernährt, die Resourcen würden immer reichen. Für Heute und morgen sowieso, bezweifele ich das noch eine nachhaltige Tier/Landwirtschaft (für alle!) überhaupt möglich ist – übrigens EGAL wie alles verteilt wird!

  2. Marco Tullney

    Die Lösung ist wesentlich einfacher. Der Verbraucher muss den realen Preis für Fleisch bezahlen: inklusive aller externalisierten Kosten. Nicht nur für Fleisch, sondern für alle Lebensmittel. Dann wird sich ganz schnell herausstellen, dass Billig-Fleisch eigentlich sehr teuer ist. Die Fleischesser sollen bitte die Kosten für ihr Vergnügen selber tragen, statt es allen Anderen aufzubürden.

  3. Roland

    Der Artikel ist so gut, dass ich fast schon in Versuchung bin, nach fast 25 Jahren Veggie-Dasein wieder Fleischesser zu werden 😉
     

  4. Jahn

    Hi Felix,

    ein toller Artikel, der genau das wiedergibt, was ich meinen Freunden schon seit Jahren zu erklären versuche. Es ist viel entscheidender, wo das Fleisch herkommt, als die Menge die wir zu uns nehmen.
    Ich esse oft und gerne Fleisch und das mit gutem Gewissen, da ich zu 90% Fleisch aus biologischer Haltung konsumiere, oft weiß ich sogar genau, wo und wie die Hühner und Rinder gehalten wurden.
    Ich denke einen bewussten Konsum zu fördern ist viel sinnvoller, als den Leuten den Konsum einzuschränken zu versuchen.
    Ein Nachteil oder eine logische Konsequenz ist natürlich der höhere Preis. Jedoch ist das fast immer so, dass man für höhere Qualität einen höheren Preis bezahlen muss. Gerade was meine Nahrung angeht, so sollte mir doch daran liegen, einen möglichst hohen Qualitätsstandard zu halten. Wenn ich damit dann auch noch unserem Ökosystem und damit auch meinen Mitmenschen etwas gutes tun kann, dann ist das für mich eine ganz klare Win-Win Situation.

    Viele Grüße
    Jahn

    1. Axel

      Den höheren Preis sehe ich sogar noch als Vorteil. Denn dadurch fängt man eben an es wieder mehr wertzuschätzen wie im Artikel beschrieben. Ich esse aufgrund des Preises Fleisch&Fisch nur noch selten. Aber wenn ich es esse, ist es immer ein kleines Highlight.

  5. Gabi

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Ich handhabe das schon seit Jahren so. Hier im Havelland gibt es sehr viel Weiderind und Lamm. Oft kann man das Fleisch direkt beim Erzeuger kaufen, was dem Preis zugute kommt und man kann sich Hof, Weiden und Tiere ansehen. Tierquälerische Haltung möchte ich auf keinen Fall unterstützen. Mir reicht es, wenn ich am Wochenende Fleisch esse und dann soll es was Gutes sein.
    Schöne Grüße
    Gabi

  6. Emmy

    Hmm, eigentlich ein guter Ansatz, aber so ganz unkommentiert möchte ich ihn doch nicht stehen lassen.

    Was ich nicht ganz verstehe, wenn ein Vegetarier oder Veganer auf Fleisch verzichtet (aus welchen Gründen auch immer), damit gesund lebt bzw. gesund ist und sich wohlfühlt (ja, davon kenne ich tatsächlich einige ;)) – warum soll er dann Fleisch essen?

    Den Gedanken, Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen und dafür mehr zu zahlen finde ich vollkommen korrekt. Fakt ist aber, das tun die Wenigsten (und garantiert kaufen auch viele Supermarkt Fleisch, die eben dieErnährungsformen wie Steinzeit, Paleo, Urgeschmack oder ähnliches leben).

    Fakt ist auch, dass die artgerechte Tierhaltung oftmals ein Märchen ist. Ich höre so oft “ich kaufe beim Metzger vor Ort”. Fakt ist, der Metzger vor Ort schlachtet kaum mehr selber (es lebe die EU). Sprich: Kühe und Schweine von x-beliebigen Bauern kommen zu einem Schlachthof, mit viel Glück noch in der Nähe. Und – da spreche ich aus Erfahrung, da ich beim Schlachten im Rahmen meines Studiums dabei war – da gibt es Tiere, die sehen gesund aus, aber auch Tiere (bspw. Schweine) mit kaputtigen Beinen vom Spaltboden. Es gibt Rinder, die werden nicht sachgerecht betäubt, und ja es gibt auch ländliche Bauern, die ein Tierhaltungsverbot bekommen haben.

    Also wenn mir einer sagt, er esse “artgerechtes, wertvolles Fleisch” dann soll er mir doch mindestens den Bauern nennen können und dort mal vor Ort gewesen sein 😉 Oder besser: auch mal selber geschlachtet haben.

    1. Felix

      Was ich nicht ganz verstehe, wenn ein Vegetarier oder Veganer auf Fleisch verzichtet (aus welchen Gründen auch immer), damit gesund lebt bzw. gesund ist und sich wohlfühlt (ja, davon kenne ich tatsächlich einige ;)) – warum soll er dann Fleisch essen?

      Weiß ich nicht. Warum sollte er?

    2. Axel

      Es gibt so etwas wie Naturverbunde wo man sich informieren kann. Die können einen Adressen geben von welchen Bauern/Metzger man kaufen sollte und da kann man sich dann umsehen. Da ich im Rheinland lebe kaufe ich zb. bei Wefers oder bei den Bauern selbst. Die bieten ihre Sachen auch aufm Wochenmarkt an.

      Verbesserungsmöglichkeiten gibt es sicher immer irgendwelche. Aber es ist alle male besser als das Fleisch ausm Supermarkt. Und dabei garnicht mal viel teurer wie man manchmal annehmen mag. Der Rest liegt dann einfach in der Verantwortung des Einzelnen. Einfach Wohnort und “Naturfleischerei” bei Google eingeben. Sich die Seiten ansehen und Stichworte wie “Naturverbund Thönes” weiterrecherchieren. Und sich dann mal einen Nachmittag ne Stunde Zeit nehmen und vorbei fahren. So schwer ist das nicht.

  7. Giuseppe

    Danke Felix für einen sehr informativen Beitrag zum Thema Fleisch. Ich hoffe er wird nicht von Veganer bombardiert. Heutzutage muss der Konsum von Fleisch fast immer gerechtfertigt werden, vor allem wenn man das ungesunde rote Fleisch konsumiert.
    Mittlerweile kommt Weidefleisch immer mehr auch in kleineren Orten an,so hat bsp mein örtlicher Metzger Weidefleisch für einen akzeptablem Kilopreis von 25 €. Ich unterstütze die kleinen Bauern und meinen Metzger. Das Fleisch ist zart und geschmackvoll und stecken voller Nährstoffe.
    An den Fleischfreien Tagen gibt es Fisch. Meistens den fetten Wildlachs. Ganz ohne Proteine geht es aufgrund des Sportpensum einfach nicht.
    Und bistecca fiorentina habe ich schon in der Toskana gegessene, ein Traum!

    Weiter so, ich lese gerne mit und merke immer mehr das Paleo immer schwammiger wird. Jede Form der Ernährung muss auf die jeweilige Person abgestimmt sein. Wer weiß, wo ich in 5 Jahren stehe?

    LG
    Giuseppe

  8. Jana

    Ein Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht – wie die beiden letzten übrigens auch.

    Industrielle Massentierhaltung ist zweifellos ein Verbrechen, das obendrein noch miese Qualität erzeugt. Aber als Reaktion darauf kein Fleisch mehr zu essen, halte ich für komplett falsch. In Diskussionen über dieses Thema argumentiere ich dann auch gerne mit anständig erzeugtem Fleisch und bekomme immer wieder zu hören: Das ist was für Besserverdienende und reicht ohnehin nicht für alle. Da sind deine Zahlen hier sehr hilfreich. Und was das Kostenthema betrifft, stimme ich dir auch völlig zu: Sofern man über ein halbwegs durchschnittliches Einkommen verfügt und seine Prioritäten mal überdenkt, ist es nur eine Frage der Wertschätzung. Das betrifft übrigens alle Lebensmittel, die diese Bezeichnung verdienen.

    … und der Beitrag passt perfekt zu meinen letzten Mountainbiketouren im Westerwald: Da habe ich mich gefreut wie Bolle über all die glücklichen, zufriedenen Kühe samt Kälbchen, die dort auf herrlichen Weiden herumstehen. Mit zunehmender Entfernung von Stadt und (zuviel) Geld scheinen die Leute bodenständiger zu werden und die Natur sinnvoller zu nutzen. Bei uns im Siebengebirge tummeln sich auf den Wiesen nur Pferde. Nix gegen das Pferd als solches, aber ich finde es reichlich dekadent, fruchtbares Weideland nur für solche Luxusgeschöpfe zu nutzen, die dann einmal die Woche geritten werden. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich das mal wieder ändert und freue mich bis dahin einfach über jede Weidekuh 🙂

    Schöne Grüße und weiter so
    Jana

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