Die 150km-Diät

Die 150km-DiätNoch eine Diät? Eher nicht. Auch in diesem Fall ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Diät, nämlich Lebensweise, gemeint. Im Vordergrund stehen ökologische Aspekte. Abnehmen kann man damit trotzdem sehr gut. Aber hat diese Ernährungsform das Potential, die Natur zu schützen und zu pflegen, gar Versorgungsprobleme in anderen Teilen der Welt zu beheben?

Was ist die 150km-Diät?

Die 150km im Namen beziehen sich auf den Radius, aus dem die verzehrten Lebensmittel stammen. Wer die 150km-Diät befolgt, der verzehrt nur, was in einem Radius von 150km um seinen Wohnort herum erzeugt wurde. Importware aus Übersee fällt damit ebenso vom Speiseplan wie viele stark verarbeitete Lebensmittel, denn diese reisen in der Regel eher weite Strecken. Ein erster Hinweis darauf, warum die 150km-Diät ganz nebenbei auch zu gesünderer Ernährung verhelfen kann.

Lebensmittel wie Bananen und Kokosnüsse werden oft um den halben Erdball bis nach Deutschland verfrachtet, da sie in unseren Breitengraden nicht wachsen. Aber auch Äpfel und Nüsse stammen oft aus Neuseeland oder Kalifornien. Auch solche stehen bei der 150km-Diät nicht zur Verfügung.

Warum sollte man das tun?

Nicht nur die Erzeugung von Lebensmitteln kostet Energie, sondern auch der Transport. Dieser erfolgt in der Regel mit Hilfe fossiler Brennstoffe, welche beim Verbrauch verbrannt werden und das Klima belasten. Kurze Wege beim Transport von Lebensmitteln schützen also das Klima und die Umwelt. Eine Ernährung, die dies erfüllt und mit wenig bis gar keinen fossilen Brennstoffen auskommt, ist nachhaltig. Und das ist die Hauptmotivation für die 150km-Diät. Ohja: Und abnehmen kann man damit auch.

Gibt es noch mehr Vorteile?

Für viele Menschen reicht der Schutz der Natur als Argument nicht aus. Aber die 150km-Diät bietet noch mehr inhärente Vorteile.

Geld: Jeder Cent, den der Verbraucher für Lebensmittel aus Übersee ausgibt, verschwindet auch dorthin. Er gibt das Geld dem neuseeländischen Großbauern, dem australischen Spediteur und dem niederländischen Transporteur. Er gibt es dem internationalen Großkonzern, der die Supermarkette betreibt, in der er seine Ware kauft. Das Geld verschwindet aus seiner Region und andere profitieren davon.

Natürlich haben Neuseeländer, Australier und Niederländer alle ein legitimes Recht darauf, für ihre Arbeit auch entlohnt zu werden. Doch wenn der Verbraucher seine Ware aus der Region, also seinem 150km-Radius kauft, dann bleibt das Geld auch dort. Er stärkt mit seinem Cent die regionale Wirtschaft, dadurch die Kommunen und am Ende die gesamte Gemeinde. Das Geld "bleibt zu Hause".

Transparenz: Beim Kauf von regionalen Produkten kann der Verbraucher sich selbst vor Ort über die Erzeugung seiner Lebensmittel informieren. Er kann ein Vertrauen aufbauen zu der Person, die sich um die für ihn lebenswichtigen Nahrungsmittel kümmert. Diese mögliche Kontrolle führt zu höherer Lebensmittelqualität, weil sich der Erzeuger nicht hinter einem Großhändler verstecken kann. Und es führt zu einer gesünderen Gesellschaft, weil der Kontakt zwischen Verbraucher und Erzeuger wieder erblüht.

Sozial: Um mit Preisen regionaler Anbieter konkurrieren zu können, sind Anbieter aus Übersee auf geringere Löhne und Externalisierung von Kosten angewiesen. Zweifelsohne sind die Lohnnebenkosten in einigen anderen Ländern geringer, ohne dass sich dies auf die Lebensqualität auswirkt. Dies ermöglicht eine kostengünstigere Produktion. Doch in vielen Fällen sind die Kosteneinsparungen nur durch den Einsatz von Niedriglöhnen und den Einsatz umweltschädlicher Hilfsmittel umsetzbar. Durch die Reduktion des globalen Lebensmittelhandels können darüber hinaus regionale Wirtschafts- und Versorgungssysteme besonders in der dritten Welt wieder gestärkt werden.

Höhere Qualität/geringerer Preis: Weil geringere Transportkosten anfallen, sind die Produkte günstiger. Bei gleichem Preis sind sie meist von höherer Qualität, da anteilig mehr Geld für die Produktion übrig bleibt.

Gesundheit: Die Hersteller von Fertiggerichten beziehen ihre Ware in der Regel von mehreren Zulieferern aus einem weiten Umkreis. Diese werden bei der Produktion vermischt, somit kann kein Verbraucher wissen, woher die Ware tatsächlich stammt. Dementsprechend sind Fertiggerichte nicht Teil der 150km-Diät. Auch Süßigkeiten werden meist aus weit transportierten Waren aus allen Himmelsrichtungen konstruiert und auch sie fallen durch das Raster dieser Ernährungsform.

Es bleiben lediglich die direkt in der Region produzierenden Gärtner, Landwirte und Kleinverbände übrig. Diese verkaufen in der Regel weder Süßkram, noch chemisch belastetes Fastfood. Die Folge ist eine gesündere Ernährung für den Verbraucher.

Warum 150km?

Woher diese Streckenangabe urspünglich stammt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise basiert sie auf der Angabe "100 Meilen" (ca 160km). Und da der Mensch eine Vorliebe für runde, griffige Zahlen hat, ist es dabei geblieben. Wichtig ist das Prinzip, nicht die präzise Ausführung. Joel Salatin hat als Regel einen Radius von drei oder vier Stunden angegeben. Je nach Fahrzeug kann eine solcherart definierte Strecke sehr unterschiedlich ausfallen und abhängig von den geographischen Gegebenheiten ist dies durchaus sinnvoll.

Wichtig ist der Gedanke: Für die Ernährung keine größeren Strecken zurückzulegen, als nötig. Wenn Sie in 152km Entfernung einen großartigen Zwetschgenbaum finden, spricht natürlich nichts dagegen, diesen auch zu nutzen.

Sollte man also nichts mehr aus dem Ausland essen?

Landesgrenzen sind reine Politik. Sie sind imaginäre Linien, die die Welt unnötig teilen und Völker trennen. Wer an der niederländischen Grenze wohnt, für den gibt es keinen Grund, seine Lebensmittel nicht dort zu kaufen oder Hersteller aus dieser Region mit in seine Überlegungen einzubeziehen.

Auch besteht zwischen "Ausland" und "Übersee" ein großer Unterschied: Weintrauben aus Italien legen nach Deutschland einen wesentlich kürzeren Weg zurück als solche aus Südafrika. Wenn Sie auf bestimmte Lebensmittel partout nicht verzichten möchten, die Sie aber aus Ihrer Region nicht bekommen können, ist meist der kürzeste Weg die bessere Wahl.

Wie kann ich die 150km-Diät umsetzen?

Der einfachste Weg führt auf den Wochenmarkt oder in den Hofladen. Denn prinzipbedingt bieten nur wenige Supermärkte regionale Ware an, selten ist für die Herkunft genaueres als das Land spezifiziert. Auf dem Wochenmarkt hingegen tummeln sich in der Regel die Anbieter der Region.

Allerdings ist hier zu unterscheiden zwischen Erzeugern und Händlern. Denn reine Händler beziehen ihre Ware in der Regel ohne Rücksicht auf die oben genannten Aspekte aus aller Welt. Wenn Sie Interesse an den genannten Vorteilen haben, sollten Sie daher die Marktstände ihrer regionalen Erzeuger aufsuchen. Auch diese ergänzen ihr Angebot häufig durch Ware von anderen Anbietern. Und manchmal finden sich dort auch Äpfel aus Neuseeland. Auch an Bio-Marktständen.

Als Verbraucher haben Sie die Wahl, auf solche Waren zu verzichten und stattdessen dem Erzeuger durch ihren Einkauf zu signalisieren, dass Sie seine eigene Ware bevorzugen.

Was landet dann auf dem Tisch? Was koche ich im Rahmen der 150km-Diät?

Hier bei Urgeschmack finden Sie hunderte Rezepte, darunter auch Desserts und Snacks oder Vegetarisches. Die meisten dieser Rezepte lassen sich auch bei stenger Einhaltung der 150km-Diät mühelos in praktisch jeder deutschen Küche umsetzen.

Fazit

Bei der 150km-Diät geht es nicht vorrangig um das Abnehmen oder um die Gesundheit, auch wenn dies meist logische Folgen sind. Die Aspekte dieser Ernährung klingen sehr nach dem, was Urgeschmack oder Steinzeiternährung (Paleo-Diät) vorschlagen. Offenkundig sind diese Ernährungsformen miteinander vereinbar; es gibt zahlreiche Schnittpunkte, lediglich Details können je nach Ausführung abweichen.

Am Ende handelt es sich auch hierbei um ein loses Rahmenkonzept, das viele individuelle Freiheiten lässt um für sich selbst den Weg zu einem ausgewogenen Leben zu finden und dabei Genuss, Gesundheit und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.

Weiterführende Informationen:

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8 Kommentare zu “Die 150km-Diät

  1. ratwoman

    Betrügt man sich dabei nicht selber?

    Hier auf dem Markt läuft es eigentlich so, dass die Händler auch großen Ketten angehören oder ihre Ware im Großhandel kaufen – man hat wenig bis nichts davon, ausser mehr geld für weniger frische Ware zu bezahlen. Richtig ausgezeichnet ist sie auch nicht, also wenn ich dort einen Kopf Salat kaufe, muss cih mich aufs Wort des Händlers verlassen, im Supermarkt habe ich eine verfolgbare Kontrollnummer.

    Bleibt nur der Gang zum örtlichen Bauernladen, dann wird die Ernährung allerdings sehr einseitig… Butter von Weiderindern ist dort zB nicht zu bekommen.
    Also ich bezweifle, dass das so aufgeht. Den Gedankengang finde ich nicht schlecht, aber nicht wirklich umsetzbar oder die Ernährung zum Fulltimejob. – fände ich vom Gedanken auch nciht schlecht, aber ich führe leider kein Aussteigerleben

    1. Felix

      In den meisten Regionen (sogar im Emsland) kann das tatsächlich hinhauen. Natürlich schränkt es die Auswahl ein – eben auf die Lebensmittel, die gerade Saison haben. Aber selbst, wenn man es nicht 100% konsequent umsetzen kann, sollte man es meiner Meinung nach nicht vollständig aufgeben. Jeder einzelne Kauf spielt eine Rolle.

  2. Alex

    Allerdings gibt es aber auch Studien, die zweifelsohne belegen, dass der ökologische Fußabdruck eines Neuseeland-Bio-Apfels kleiner/besser ist, als der eines reginal, lange gelagerten.

    Ich wohne in der Nähe des Bodensees und hier wird ja auch recht viel Apfelanbau betrieben. Fakt ist, dass durch die (vom Kunden im Endeffekt geforderte) Kühlung von Herbst bis Frühjahr (es muss auf ~2 Grad gekühlt werden) einen großeren Ausstoß an CO2 verursacht, als der lange Transport eines frisch geernteten Neuseelandapfels.

    Somit ist es ökologisch immer ein wenig kritisch zu betrachten (zumindest bei Äpfeln/Birnen usw.). Bei Bananen und ähnlichem fällt dies natürlich weg, da diese hier eh nicht wachsen.
    Gruß, Alex

    1. Felix

      Hallo Alex – das ist ein Missverständnis der genannten Studie. Der ökol. Fußabdruck eines regional lange (was ist lang?) gelagerten Apfels KANN größer sein als der eines Neuseeland-Apfels. Ja. Der Endkunde fordert allerdings nicht wirklich eine lange Lagerung – aber er bekommt sie angeboten. Und ich würde nicht nur die Ökologie, sondern auch die sozialen und ökonomischen Faktoren (wie die Stärkung der regionalen Wirtschaft etc) beachten.

      1. Christine

        Ich mach es so, dass ich (seit Paleo nicht mehr täglich) Äpfel von unserer Streuobstwiese esse, bis die gegen März langsam ausgehen, da sind die dann auch schon recht verschrumpelt, aber das macht mir nichts.

        Seit Paleo esse ich allerdings etwas mehr Bananen als früher. Die finde ich – für mich ganz persönlich – als Importartikel dennoch vertretbar, da sie nicht mit dem Flugzeug eingeflogen werden und dann noch so empfindlich wären, dass die Hälfte von ihnen verdirbt, bis sie beim Kunden ist.

        Die Auswirkung meiner Wahl beim Kleiderkauf, beim Autofahren, bei der Urlaubsreise auf Klima, Wasserverbrauch, Pestizidbelastung ist nach meiner Meinung stärker als drei Bananen in der Woche in meinem Einkaufskorb.

        1. Felix

          Das sehe ich ähnlich: Wenn es sich auf die rein exklusiven Güter bezieht, also Bananen, Kokonüsse etc ist es -zumal Transporter per Containerschiff sehr effizient sind- halb so wild.

          Es sind wirklich auch die alltäglichen Dinge wie Wasser- und Stromverbrauch und genereller Konsum, die einen großen Einfluss auf die Natur haben.

          1. Marcus

            Ja und für die Ökobilanz der Nahrung gilt wohl:

            1) Verarbeitungstiefe vermeiden
            2) Verarbeitungstiefe vermeiden
            3) Verarbeitungstiefe vermeiden

            saisonal und regional sind dann schon Kür nach der Pflicht. Wobei Saisonal je nach Zeitpunkt überwiegt. Ich mag z.B. kein Schrumpelobst essen und auch nicht auf (viele) Äpfel verzichten.
            Wahrscheinlich ist es auch gar nicht so falsch, im Discounter zu kaufen. Die haben schließlich in erster Linie Günstiges im Programm und das ist nicht selten das, was irgendwo auf der Welt gerade im Überfluss vorhanden ist.

  3. Marko.H

    Das ist ein sehr guter Beitrag!
    Ich versuche das ganze ja schon einige Zeit umzusetzen (das ist nach der Umstellung auf “Paleo” praktisch das Optimum was ich erreichen möchte) und das klappt schon so über 90% würde ich sagen.

    Ich hatte ja immer noch ein paar Dinge auf die ich nicht verzichten wollte wie z.B. Thunfisch, aber auch den habe ich mitlerweile vom Speiseplan gestrichen und ich kaufe eigentlich bis auf ein paar Kleinigkeiten wie Butter, die ich aus Weidemilch bisher noch nicht bei mir in der Nähe bekommen habe, eigentlich kaum noch im Supermarkt ein. Für Fleisch, Eier, Gemüse und Obst habe ich hier überall nette Leute, bei denen ich mein Geld lieber lasse als bei irgendwelchen Großkonzernen!

    Ich denke das diese “regionale Methode” das ist womit die Menschheit auf lange Sicht am besten fahren wird!

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