Milch: Pro und Kontra

Dieser Artikel ist auch als Podcast bzw. Netcast zum Anhören verfügbar: Urgeschmack-Podcast #2: Milch: Pro und Kontra

Der Konsum von Milch und Milchprodukten ist im Rahmen naturbasierter Ernährungsformen wie auch der Steinzeiternährung oder Paläo-Diät sehr umstritten. Doch auch außerhalb dieser Kreise wird die Sinnhaftigkeit des Milchverzehrs immer wieder in Frage gestellt. Tatsächlich ist kaum ein Lebensmittel so umstritten wie Milch und die daraus gewonnenen Produkte. In diesem Artikel stelle ich einige der vorherrschenden Argumente pro und kontra Milch vor.

Milch anderer Tiere konsumiert der Mensch dem aktuellen Wissensstand zufolge erst seit circa 9000 bis 10000 Jahrenals Nahrungsmittel. Erst die Domestizierung von Tieren habe den sicheren Zugang zu Milch ermöglicht, heißt es. Dies allein führen viele Anhänger der Steinzeiternährung als ausreichendes Argument gegen den Milchkonsum an. Denn damals war die Steinzeit bereits vorbei. Wenn es jedoch um die Eignung von Milch als Nahrungsmittel geht, ist dies ein schwaches Argument, da es lediglich eine (angenommene) geschichtliche Tatsache ausdrückt. Es sagt nichts aus über die gesundheitliche Auswirkung.

Wenden wir uns also den tatsächlich untersuchten Inhaltsstoffen der Milch zu, darunter besonders Lactose und Casein:

Lactose

Hierbei handelt es sich um den sogenannten Milchzucker. Lactoseintoleranten Menschen fehlt die Fähigkeit, Lactose ausreichend zu verdauen. Tatsächlich trifft dies weltweit betrachtet auf den Großteil der Menschen zu. Lediglich in (Nord-)Europa ist Lactoseintoleranz weniger verbreitet. Wenn ein Lactoseintoleranter Mensch Milch trinkt, kann dies zu einem “unruhigen” Magen führen, zu Durchfall, Krämpfen oder einem aufgeblähten Bauch. Mit anderen Worten: Wer Lactoseintolerant ist, trinkt besser keine Milch. Milchprodukte hingegen enthalten teilweise nur sehr wenig bis gar keine Lactose. So zum Beispiel Butter. Solche Produkte werden auch von Lactoseintoleranten Menschen teils gut vertragen.

Casein

Dies ist das vorherrschende Protein (Eiweiß) in Milch. Nach aktuellem Kenntnisstand ähnelt es in seiner Struktur dem Gluten und einige Forscher bringen es mit ähnlichen, darmschädigenden Wirkungen in Verbindung. Ausführlich untersucht wurde das allerdings noch nicht, die Erkenntnisse gelten also als nicht gesichert und es ist unklar, ob Casein wirklich (grundsätzlich) diese negativen Wirkungen hat.

Fest steht jedoch, dass Casein auch in der menschlichen Milch enthalten ist. Dies scheint Grund genug, Casein allein nicht für eine Nicht-Eignung von Milch für den menschlichen Verzehr verantwortlich zu machen. Jedoch ist eine Caseinintoleranz oder -Allergie natürlich Grund genug, solche Produkte zu meiden.

Milch verursacht Krebs?

Weiter geht es in der Diskussion mit dem Vorwurf, Milch würde zahlreiche Krankheiten bis hin zu diversen Krebsarten verursachen.

Die Studienlage scheint so erdrückend, dass der Überblick schwerfällt. Auffällig ist jedoch, dass in fast allen Studien lediglich Milch aus Industrieproduktion, oft gar die bereits stark verarbeitete fettarme Milch herangezogen wird. Solche Milch hat jedoch mit dem naturgerechten Produkt “Rohmilch von der Weidekuh” beinahe nur noch die Farbe gemeinsam. Wie kommt es dazu?

Pasteurisierung

Jede Milch, die im Supermarkt landet, wird zuvor pasteurisiert, das heißt erhitzt. So sollen unerwünschte Keime abgetötet werden und dies passiert durchaus. Jedoch werden weiterhin auch zahlreiche nützliche Enzyme und Bakterien zerstört, die gerade das Wachstum unerwünschter Keime verhindern und teils auch bei der Verdauung von Milch helfen können. Viele der enthaltenen Vitamine, einigen Angaben zufolge rund zwei Drittel, gehen bei diesem Prozess ebenfalls verloren. Noch wesentlich schlimmer äußert sich dies jedoch bei ultrahocherhitzter Milch.

Homogenisierung

Normalerweise würde sich in einer Kanne frisch gemolkener Milch recht schnell die Sahne an der Oberfläche absetzen. Um dies zu verhindern wird Milch homogenisiert. Denn der Konsument wurde dazu erzogen, dass jede Unregelmäßigkeit im Nahrungsmittel etwas Schlechtes sei.

Bei diesem Prozess wird der Fettanteil der Milch in möglichst kleine Partikel aufgebrochen, wodurch sich das Fett gleichmäßig in der Milch verteilt. Es gibt Forscher, die behaupten, dass durch diese Entstehung kleinster Partikel einige schadhafte Auswirkungen der Milch zustande kommen, da diese kleinen Partikel die Darmwände durchdringen könnten.

Ob nun Rohmilch oder erhitzte Milch verwendet wird, hat maßgeblichen Einfluss auch auf die daraus entstehenden Produkte. So bezeichnen viele Menschen Rohmilchkäse als wesentlich geschmackreicher. Halten wir also fest, dass Rohmilch von Weidekühen etwas völlig anderes ist, als Milch aus dem Supermarktregal.

Weidekühe?

Natürlich hat die reine Weidehaltung von Rindern abgesehen von ihrem Wohlbefinden nicht nur Einfluss auf ihr Fleisch, sondern auch auf die von ihnen erzeugte Milch. Rohmilch von Weidekühen enthält größere Mengen konjugierter Linolsäuren (engl. conjugated linoleic acids, kurz CLA). Dies ist eine Gruppe von Fettsäuren, die unter anderem beim Muskelaufbau hilft und den Abbau von Körperfett beschleunigt. Im Fleisch rein grasgefütterter Tiere ist die Menge der konjugierten Linolsäuren doppelt so hoch wie im Fleisch von Tieren, die mit Getreide gefüttert wurden, für die Milch gilt ähnliches. Auch der Anteil an Omega-3-Fettsäuren ist in der Milch von Weidekühen erheblich höher als bei den Tieren aus Stallhaltung.

Wachstum, Gewichtszunahme und Insulin

Milch stimuliert den Ausstoß von Insulin. Und zwar stark über das durch den Milchzucker zu erwartende Maß hinaus. Insulin als Speicherhormon sorgt für Wachstum. Das kann das Wachstum der Fettspeicher wie auch anderer Energiespeicher sein. Es ist noch umstritten, welcher Bestandteil der Milch dafür verantwortlich ist. Der Milchzucker allein kann es jedenfalls nicht sein und es ist wahrscheinlich, dass unter anderem das Molkeprotein einen großen Anteil an dieser Funktionsweise hat.

Das hat auch Sinn: Milch ist dazu da, kleine Säugetiere groß zu machen. Viele Kraftsportler wissen, dass sie durch den Konsum von Milchprodukten sehr schnell Masse zulegen können. Andersherum gilt jedoch auch: Wer Probleme beim Abnehmen hat, könnte die Ursache dafür in Milchprodukten finden. Und besonders Diabetiker und generell Menschen, die Probleme mit dem Blutzuckerspiegel haben, sollten an diese insulinotrope Wirkung der Milch denken.

Ziegenmilch verträglicher?

Ziegenmilch ist fetter als Kuhmilch und ähnelt in der Zusammensetzung eher der menschlichen Milch. Grundsätzlich gilt für diese Milch zwar das gleiche wir für Kuhmilch. Jedoch gibt es zahlreiche Fälle, in denen Menschen, die keine Kuhmilch vertragen, prima mit Ziegenmilch klarkommen. Gewiss gibt es noch andere Milchsorten, doch ist beispielsweise Schafsmilch nur selten zu bekommen, ganz zu schweigen von der sehr fetten Rentiermilch.

Fakten: Milch ist nicht gleich Milch.

Fassen wir die Fakten zusammen: Es ist offensichtlich, dass Rohmilch völlig andere Eigenschaften hat als das industriell verarbeitete Produkt.

Milch ist als Nahrungsmittel zurecht umstritten. Allerdings sind Aussagen wie “Milchkonsum erhöht das Krebsrisiko um 30%” völlig wertlos. Denn erstens fehlt die Definition von “Milchkonsum” (Ein Tropfen im Leben? Eine Tasse? Ein Liter am Tag?) und zweitens ist Milch nicht gleich Milch.

Und genau das dürfte die Ursache für den Zwiespalt sein: In den meisten Studien wird stark verarbeitete Milch, teilweise H-Milch oder fettarme Milch verwendet. Wird dort eine schädliche Wirkung nachgewiesen, lautet das Ergebnis jedoch meist auf “Milch ist schädlich” und nicht “die von uns untersuchte Milch ist schädlich”.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass gerade die Enzyme und Bakterien, die bei der Pasteurisierung zerstört werden, der karzinogenen, das heißt krebsfördernden Wirkung der Milch entgegen wirken.

Fazit

Für mich persönlich gilt: Anders als früher, wo ich durchaus zwei Liter und mehr Milch am Tag konsumiert habe, trinke ich heute praktisch keine Milch mehr. Und wenn, dann aus möglichst optimaler Produktion, das heißt aus reiner Weidehaltung.

Für Milchprodukte wie Käse gilt das gleiche. Ich verwende gelegentlich Weidebutter. So hält sich meine Aufnahme von Milcheiweiß in engen Grenzen. Ich denke, diese Art der Mäßigung ist ein guter Kompromiss aus Genuss und etwaigen gesundheitlichen Risiken (die, wie erwähnt, nicht als gesichert gelten).

Milch ist ein einmaliges Lebensmittel, um das sich eine faszinierende Kultur und Handwerkskunst gebildet hat. Unzählige kultivierte Käsesorten ermöglichen sehr vielfältigen Genuss und sind ebenso einzigartig wie einfach nur ein kühles Glas frischer Milch. Der Mensch kommt sicher ohne aus, doch Milchprodukte stellen eine immense kulinarische Bereicherung dar.

Eine Phase von mindestens 4-6 Wochen ohne jegliche Milch und Milchprodukte ist hilfreich, um zu prüfen, ob sich dadurch gesundheitliche Verbesserungen ergeben. Diese können praktisch den gesamten Organismus betreffen und von Darmbeschwerden bis hin zu Akne reichen.

Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Mit diesem Artikel und den folgenden Links zu weiterführender Literatur hoffe ich, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Mark Sisson hat ein paar schöne Zusammenfassungen zu diesem Thema geschrieben. Chris Masterjohn rückte dem Thema auf seine ihm eigene Weise auf den Leib. Auch die Weston A. Price Foundation hat ihren Beitrag geleistet. All diese Beiträge sollten Sie jedoch mit äußerster Vorsicht geniessen, denn oftmals verrennen sich die Forscher auch in ihren Argumentationen und unterliegen ihrer Voreingenommenheit.

Mehr zum Thema Milch bei Urgeschmack:

Weiterführende Informationen:

Milch: A1 oder A2?

Milch A1 A2Dieser Artikel ist auch als Podcast zum Anhören verfügbar: Urgeschmack-Podcast #5: Milch: A1 oder A2?

Kaum ein Erlebnis kommt dem Gefühl gleich, ein Glas frischer, kühler Milch zu trinken. Zugleich ist kaum ein Lebensmittel so umstritten wie die Milch. Wie komplex das Thema ist, beleuchtet der Artikel “Milch: Pro und Kontra“. Eine wichtige Schlussfolgerung daraus: Milch ist nicht gleich Milch. Es gibt abhängig von der Art der Milch fundierte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und koronarer Herzkrankheit sowie Diabetes Typ-1. Grund genug, sich das Thema noch einmal genau anzuschauen.

Milch ist nicht gleich Milch?

Wir wissen, dass pasteurisierte und homogenisierte Milch etwas völlig anderes ist als Rohmilch. Und fettarme oder gar H-Milch hat mit dem ursprünglichen Produkt höchstens noch die Farbe gemeinsam. Doch darüber hinaus kann Milch auch in zwei Gruppen eingeordnet werden: A1 und A2.

Was ist A1- bzw A2-Milch?

Um diesen Unterschied genauer verstehen zu können, müssen wir in die Zusammensetzung der Milch eintauchen. Milch enthält neben einer Menge Wasser und Fett auch Proteine. Bei diesen Proteinen handelt es sich größtenteils um Casein.

Es gibt verschiedene Casein-Sorten, darunter auch Beta-Casein, welches seinerseits aus 209 Aminosäuren zusammengesetzt ist. Der Unterschied zwischen A1- und A2-Milch liegt allein an Position 67 dieser Kette von Aminosäuren. Bei A2-Beta-Casein sitzt an dieser Stelle die Aminosäure Prolin, während die A1-Milch hier Histidin enthält.

Protein-Kette mit den Aminosäuren in A1- und A2-Beta-Kasein

Die Folge dieses feinen Unterschieds: A1-Milch und A2-Milch verhalten sich bei der Verdauung unterschiedlich. Anders als die A2-Milch wird in der A1-Milch die Kette der Aminosäuren aufgespalten, so dass das Opiat Beta-Casomorphin-7 (BCM7) entsteht. Soweit die nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gesicherten Fakten.

BCM7 hat eine Reihe von Einflüssen auf den Menschen. Zunächst wirkt es potentiell auf die Opioidrezeptoren des Verdauungstrakts und des neurologischen wie auch des Immunsystems.

Es kann die Verdauung verlangsamen und Verstopfung verursachen.

Weiterhin wurden negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Neugeborenen und Kleinkindern nachgewiesen und bei einigen Kindern hat sich BCM7 als Risikofaktor für Apnoes (Atemstillstand) herausgestellt.

Darüber hinaus gibt es überzeugende epidemiologische Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen BCM7 und dem Auftreten koronarer Herzerkrankungen und Diabetes Typ-1.

Freisetzung von BCM7 aus A1-Beta-Kasein

Die meisten dieser Ergebnisse gelten derzeit allerdings als noch nicht ausreichend gesichert und weitere Untersuchungen sind nötig. Die Hinweise verdichten sich allerdings zusehends, dass BCM7 wirklich die genannten Auswirkungen hat. Bis auf weiteres schadet es also nicht, auf Nummer sicher zu gehen und A1-Milch zu meiden.

Wie kann ich zwischen A1- und A2-Milch unterscheiden?

Der Großteil der europäischen und amerikanischen Rinderrassen gehört der Subspezies Bos primigenius taurus an. Diese Tiere produzieren weitestgehend A1-Milch. Ausnahmen bilden die Rassen Jersey, welche teils A1- und teils A2-Milch produziert, sowie die Rasse Guernsey, welche vornehmlich A2-Milch liefert. Handelsübliche Milch stammt in der Regel von Rassen wie Holstein, welche überwiegend A1-Milch produziert.

Wer seinen Konsum auf A2-Milch beschränken möchte, sollte daher gezielt Landwirte aufsuchen, die Guernsey-Rinder zur Milchproduktion halten. Kene triviale Aufgabe, doch es gibt weitere Alternativen:

Die Subspezies Bos primigenius indicus ist ein auf dem indischen Subkontinent domestiziertes Hausrind, das auch in Afrika verbreitet ist. Die Tiere dieser Unterart geben überwiegend A2-Milch, sind aber in unseren Breitengraden nur minimal verbreitet. Wesentlich mehr Erfolg verspricht daher die Suche nach Ziegen, Schafen, Yaks oder Büffeln – denn auch diese Tiere geben vornehmlich A2-Milch.

Noch mehr zu A1- und A2-Milch

In diesem Zusammenhang werden auch oft die Massai genannt, die sehr viel Milch konsumieren und unter den genannten Problemen nicht leiden. Auch sie halten A2-Rinder.

Ursprünglich gaben alle Rinder A2-Milch. Durch eine Mutation hat sich in den europäischen Rassen mit der Zeit jedoch das A1-Beta-Casein verbreitet. Es gibt noch weitere Mutationen des Beta-Caseins, nämlich A3, B, C, D, E… Im Zusammenhang mit den oben genannten Problemen spielt dies jedoch eine untergeordnete Rolle.

Pasteurisierung hat einen eher nachteiligen Effekt auf A1-Milch, denn sie sorgt tendenziell für eine noch einfachere Bildung von BCM7.

Warum ist das nicht weithin bekannt?

Dieser Themenkomplex wird noch nicht besonders lange erforscht: Erst in den letzten 10-15 Jahren wurden die Forschungen intensiviert. Zwar zeichnet sich der genannte Trend ab (d.h. A1-Milch scheint wirklich eher nachteilig für die menschliche Gesundheit zu sein), doch es ist noch einiges an Forschungsarbeit nötig, um wirklich eindeutige Aussagen treffen zu können.

Natürlich hat die Milchindustrie kein großes Interesse an einem sinkenden Milchkonsum. Eine Umstellung der Herden wäre scheinbar mit großen Kosten verbunden. Doch in Neuseeland, einem wichtigen Forschungsstandort in diesem Bereich, sind die Landwirte bereits dazu übergegangen, ihre Milchviehherden vollständig auf A2 umzustellen. Innerhalb von 10 Jahren werden sie ausschließlich A2-Milch produzieren – mit geringem Aufwand, wie sich zeigt.

Fazit

Vorsicht kann nicht schaden. Solange die Situation nicht eindeutig geklärt ist, ist der Verzicht auf A1-Milch auch für Menschen ohne bereits bestehende Darmprobleme (z.B. Leckdarm/Sickerdarm) ratsam. Auch bei der Ernährung von Kindern sollte genau auf die verwendete Milch geachtet werden.

Es scheint durchaus plausibel, dass die im Artikel “Milch: Pro und Kontra” genannten Probleme der Milch vollständig auf BCM7 zurückzuführen sind. Das würde bedeuten, dass A2-Milch –beispielsweise von Ziegen– eine langfristig sichere Alternative und wertvolle Nahrungsergänzung darstellt. Es bleibt dennoch die Frage: Sollten wir Milch trinken?

Mehr über Milch bei Urgeschmack:

Quellen und weiterführende Informationen:

Ist Milch gesund?

Ist Milch gesund?Ist Milch gesund oder ungesund? Kaum ein Lebensmittel wird so heiß diskutiert wie die Milch. Bei der scheinbar ewig währenden Diskussionen regnet es von beiden Seiten Studien und die meisten Verbraucher haben die Hoffnung auf eine eindeutige Antwort längst aufgegeben. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Argumente – und eine Antwort.

Die Nachteile der Milch

Es folgen die häufigsten Vorwürfe gegen die Milch. Dabei verlinke ich auf jeweils detaillierte Informationen.

Laktoseintoleranz: Viele Menschen vertragen keine Laktose, den Milchzucker.1

Caseinallergie: Einige Menschen sind allergisch gegen Casein, ein Milcheiweiß.2

Beta-Casomorphin-7 (BCM7): Morphin-artige Stoffe in der Milch können betäubende Wirkung haben (siehe auch A1- und A2-Milch, Verstopfung, Müdigkeit, Schlappheit).3

Milch wirkt wachstumsfördernd: Das kann ein Problem sein, weil es auch Tumorwachstum begünstigen kann. Vorteilhaft ist es, wenn Wachstum erwünscht ist, was viele Bodybuilder gerne bestätigen.

Das klingt recht bedrohlich. Allerdings: Laktose und Casein sind auch wesentliche Bestandteile der menschlichen Muttermilch.4 Und die genannten Probleme treffen nicht immer zu: Die Gefahren sind lediglich potenziell und somit kaum schwerer zu bewerten als die Möglichkeit, sich zum Beispiel durch frische, rohe Lebensmittel ungünstige Bakterien einzufangen.

Totschlagargumente

Hier einige gern genannte Totschlagargumente mit entsprechenden Antworten

»Der Mensch ist das einzige Tier, das die Milch anderer Tiere verzehrt.«

Der Mensch ist auch das einzige Tier, das Computer baut und den Mond besucht hat. Der Mensch ist das einzige Tier, das Kultur entwickelt hat. Unsere Vergangenheit und besonders die Erfindung der Landwirtschaft und Viehhaltung hat uns den Aufbau unserer Zivilisation erst ermöglicht. Der Mensch ist übrigens nicht das einzige Tier, das andere Tiere melkt: Ameisen halten und melken Blattläuse.

»Kuhmilch ist für Kälber gedacht, nicht für Menschen.«

Und Salatblätter sind dafür gedacht, Sonnenergie einzufangen – nicht zum Essen. Und Kirschen sind dafür gemacht, dass Tiere sie essen und den Kern an einem anderen Ort ausscheiden, um den Samen zu verbreiten; nicht, um ihn in den Müll zu werfen. Der Mensch ist ein Opportunist und die Verbreitung von Menschen, die auch im Erwachsenenalter Milch verdauen können (Laktasepersistenz) ist ein Indiz dafür: Das Trinken artfremder Milch könnte eine gute Idee sein.

»In der Steinzeit haben wir keine fremde Tiermilch getrunken.«

In der Steinzeit haben wir auch keinen Blumenkohl gegessen. Nur weil ein Lebensmittel für die Spezies Mensch neu ist, bedeutet das nicht, dass er es nicht verzehren sollte oder könnte.

Entzieht Milch dem Körper Kalzium?

Werbung für Milch findet oftmals mit dem Hinweis auf ihren hohen Kalziumgehalt und dessen Wert für die Knochen statt. Ob das enthaltene Kalzium tatsächlich in den Knochen ankommt, ist umstritten.

Vertreter der umstrittenen Säuren-Basen-Theorie behaupten, Milch wirke säuernd auf den Körper und entziehe ihm dadurch Kalzium. Beweisen sollen das Studien, die zeigten, dass in Ländern mit hoher Verbreitung von Osteoporose auch viele Milchprodukte konsumiert würden.

Doch haben diese Menschen Osteoporose, weil sie Milchprodukte konsumieren? Oder konsumieren sie mehr Milchprodukte, weil sie sich davon eine Heilung von der Osteoporose versprechen? Das ist ungeklärt. Der Kalziumentzug bleibt eine Theorie. Zumal der Vorwurf offenbar meist nur der Milch gilt und nicht den anderen als säuernd geltenden Lebensmitteln wie Getreide oder Tierprodukten. Hinzu kommt: Viele Menschen, die regelmäßig größere Mengen Milchprodukte verzehren, erfreuen sich bester Knochengesundheit.

Die Vorteile der Milch

Konjugierte Liniolsäuren (CLA): Diese Fettsäuren können vor Krebs schützen und die förderliche Wirkung der Milch auf das Tumorwachstum aufheben.5

Hohe Nährstoffdichte: Milch ist Säuglingsnahrung und enthält entsprechend wertvolle Nährstoffe.

Insulinsensitivität: Einigen Untersuchungen zufolge kann Milch sich vorteilhaft auf Insulinresistenz und Diabetes auswirken.6

Übergewicht: Studien zeigen eine vorteilhafte Wirkung der Milch auf Übergewicht.7

Milch wirkt wachstumsfördernd: Dies sollten wir der Fairness halber auch als Vorteil nennen, denn es ist unter anderem für Bodybuilder hilfreich.

Milch hat demnach auch ein stark gesundheitsförderliches Potenzial. Es kommt allein auf die Perspektive an, auch hier gibt es wieder viel Kann und wenig Muss. Das Spiel lässt sich so lange fortführen, wie die Ausdauer ausreicht, einzelne Studien Pro oder Kontra auszugraben und zu interpretieren.

Ist Milch gesund oder ungesund?

Warum ist die Studienlage nach Jahrzenten der Untersuchung noch immer nicht eindeutig? Die Frage ist falsch gestellt. Denn was ist mit Milch gemeint? Rindermilch? Yakmilch? Ziegenmilch? Von welcher Art Haltungsbedingungen sprechen wir? Von was für einer Fütterung? Und was ist der Zusammenhang? Untersuchen wir einzelne Milchbestandteile, Milch allein oder Milch im Kontext einer vollständigen Ernährung? Und von welchen Mengen sprechen wir? Wie wurde die Milch verarbeitet?

Milch: Die Wenns und Abers

Milch ist nicht gleich Milch. Wir sollten keine Diskussion über den gesundheitlichen Wert von Milch führen, ohne zuvor genau den Gegenstand der Debatte zu definieren. Unbestreitbar gibt es hier wesentliche Unterschiede.

Tierart: Milche verschiedener Tiere sind unterschiedlich zusammengesetzt. Das Nährstoffverhältnis variiert und genetische Unterschiede führen zur Gabe von unter anderem A1- oder A2-Milch.8

Haltungsmethoden und Fütterung: Die Qualität der Milch hängt direkt ab von den Lebensbedingungen des Tieres und auch von dessen Fütterung. Eine Kuh, die frei und stressarm auf einer Weide lebt und ausschließlich Gras frisst, gibt andere Milch als eine solche, die unter Stress eingepfercht mit Getreide gefüttert wird. Das wirkt sich unter anderem aus auf den CLA-Gehalt.9

Verarbeitung: Pasteurisierung zerstört Enzyme und Bakterien, die Vorteilhaft für die Verdauung sein können. Homogenisierung zerkleinert Milchbestandteile so stark, dass sie zum Problem werden können. Rohmilch enthält mehr Nährstoffe.10

Vollfett oder Fettarm: Es häufen sich Hinweise, dass fettarme Milch tendenziell nachteilige Wirkung im Vergleich zur Vollfett-Milch hat. Das Fett habe demnach entscheidenden Einfluss auf die Wirkung der übrigen Milchbestandteile.11

Milch oder Milchprodukt: Weiterhin zeigt sich: Milchprodukte wie Käse oder Joghurt wirken je nach Verarbeitung anders auf den Menschen haben als frische Milch. Fermentierte Milchprodukte können vorteilhaft wirken, der hohe Fettgehalt einiger Käsesorten ebenfalls.

All diese Variablen zeigen: Die Frage Ist Milch gesund? können wir nicht mit Ja oder Nein beantworten. Stattdessen muss die Frage lauten: Wann ist Milch eher gesund und wann ist sie eher ungesund? Und das kann man offenbar mit einer Tendenz beantworten, wenn man höchst vorsichtig auch die A1-A2-Diskussion berücksichtigt:

Am gesündesten sind fette, fermentierte Milchprodukte aus roher Vollfettmilch von Ziegen, Büffeln, Schafen, Yaks oder Guernsey-Kühen.

Sauerrahmbutter, Joghurt, Kefir, Käse – in traditionellen Verfahren hergestellte Produkte erhöhen nicht nur die Haltbarkeit, sondern auch die Bekömmlichkeit der Milch. Die Fermentation baut einen Großteil des Milchzuckers (Laktose) ab.

Danach folgen einfache Produkte aus der Rohmilch von Ziegen, Büffeln, Schafen, Yaks oder Guernsey-Kühen.

Rohmilchbutter und -sahne enthalten kaum Laktose und Casein, stecken voller Nährstoffe und Enzyme und können fantastisch schmecken.

Dann Rohmilch von Ziegen, Büffeln, Schafen, Yaks oder Guernsey-Kühen.

Reine, frische Rohmilch mit natürlichem Fettgehalt ist gesünder als die stark verarbeitete, weiße Flüssigkeit aus dem Supermarkt, jedoch nicht als ständiger Durstlöscher zu empfehlen.

Fazit: Ist Milch gesund?

Der Mensch braucht zum Überleben keine fremde Milch. Wer absolut sicher sein möchte und mit der Ungewissheit nicht leben kann, sollte auch Milch verzichten.

Zugleich zeigen die vielen Variablen: Ein pauschaler Verzicht führt nicht nicht unbedingt ans Ziel.

Menschen sind verschieden und somit auch ihre individuellen Verträglichkeiten und Vorlieben. Jeder sollte selbst ausprobieren, welche Probleme auf ihn zutreffen, sich jedoch auch über das allgemeine Schadpotential der Milch informieren.

  • Wer Milch nicht verträgt, der verzichtet am besten. Oder er sucht sich eine Alternative: einen Milchersatz.12
  • Wer unsicher ist, verzichtet am besten auch; und sei es nur, um den Verzicht auszuprobieren. Es schadet nicht.
  • Wer Milch gut verträgt, der greift hin und wieder zu einem hochwertigen Milchprodukt: Handwerklich gefertigt aus Rohmilch von Weidekühen. So etwas gibt es nur selten im Supermarkt, sondern eher beim Landwirt oder in der Käserei um die Ecke. Rohmilch bekommt man mittlerweile auch flächendeckend.13

Das sind drei klare Möglichkeiten, der Frage zu begegnen. Denn essen ist einfach.

Heumilch – die bessere Milch?

Heumilch aus ÖsterreichSiebeneinhalb Prozent Fett enthält die Milch von Jerseykühen in Ausnahmefällen. Mit Ausblick auf den kleinen Göll genieße ich heute ein Glas Rohmilch mit den rasse­üblichen sechs Prozent Fett – noch immer erheblich mehr als handelsübliche Milch. Die sahnige, frische Flüssigkeit trägt Kräuter­aromen und markiert einen Meilen­stein auf meiner langen Suche nach einem Glas voll echter Milch.

Echte Milch. Rohmilch von Kühen, die ausschließlich Gräser und Kräuter fressen und ihr Leben auf der Weide verbringen. Nicht pasteurisiert oder homogenisiert, kein Kraftfutter, kein Betonboden. Ein krasser Gegensatz zur industriellen Produktions­methode und somit ein völlig anderes Produkt. Wo findet man solche Milch?

Zumindest nicht in den Millionen Litern weißen Wassers, in denen im Jahr 2016 Wertschätzung und Preis der Milch den Bach herunter fließen. Doch während Industrie, Handel und Politik noch über die Lösung diskutieren, finden Alternativen ihren Weg in die Regale. Heumilch ist eines der Konzepte, das neben dem Preisverfall auch ökologische Probleme zu lösen verspricht.

Was ist Heumilch?

Heumilch ist seit Anfang 2016 ein geschützter Begriff. Er bezeichnet die Milch von Kühen, die überwiegend Gras und Heu fressen. Geregelt ist auch der Erhalt von Grünlandflächen und die Bewirtschaftung von Biodiversitätsflächen zugunsten der Artenvielfalt auf den Weiden. Gentechnik, jegliche Gärfuttermittel wie Silage oder Brauerei­neben­produkte sind untersagt. Heumilch ist eine sogenannte garantiert traditionelle Spezialität (g.T.S.) mit dem gleichen Schutz, den auch Produkte mit D.O.P.-Siegel genießen. Der Begriff bezieht sich auf die traditionelle Form der Heumilchwirtschaft mit ressourcen­schonender Milchkuhhaltung auf Almen und Pflege der Weiden.

Die Methode dient demnach dem Tierwohl und dem Ökosystem, welches durch entsprechende Pflege wiederum Dienstleistungen wie Lawinenschutz erbringen kann. Die resultierende Milch bewirbt die Arbeitsgemeinschaft Heumilch als höherwertig gegenüber Standardmilch.

Das kann ich an anhand meines Glases Rohmilch allerdings nicht beurteilen, denn es ist keine Heumilch. Die Dame, die es mir serviert, erklärt dazu »Unsere Kühe bekom­men zur Zeit feuchtes Heu. Aufgrund der häufigen Regen­fälle haben wir keine Alter­native.« Damit verstößt der Betrieb gegen das Heumilchregulativ. Die Weiden seien zu nass und würden in diesem Zustand durch die Kühe eher beschädigt. Das Problem dauere nur wenige Tage. Inwiefern sich feuchtes Heu nachteilig auf die Kühe oder die Milch auswirke, beantwortet die Dame mit »Gar nicht. Das ist Marketing.«

Die Fütterungsdetails für Heumilch sind in der Durchführungsverordnung (EU) 2016/3041 genau definiert. Der Raufutteranteil (im Wesentlichen Gras und Heu, jedoch auch Grünmehl-, Mais-, Luzernepellets, unverarbeitete Futterrübe oder Grünmais) muss mindestens 75 % betragen. Ergänzend stehen Getreide, Ackerbohnen, Futtererbsen, Ölfrüchte oder auch Extraktionsschrote zur Auswahl.

Das mag auf dem Papier weitaus weniger romantisch klingen als die Kuh auf der Weide. Gehen wir im Normalfall jedoch von traditioneller Weidewirtschaft aus, denn kaum jemand wird große Mengen Futterzusätze auf seine Alm verfrachten, zumal die Futtermittel nicht das einzige Kriterium der Heumilch sind. Wer sich jedoch entschei­det, aus praktischen Gründen gele­gent­lich Feuchtheu zu füttern, ist ausge­schlossen von diesem Label und profitiert somit nicht von den umfang­reichen Werbe­aktionen der Arbeitsgemeinschaft.

Und von den recht hohen Preisen. Denn in Zeiten historisch niedriger Milchpreise bekommt der Landwirt mit 50 Cent pro Kilogramm Heumilch fast den doppelten Betrag2. Für viele Landwirte ist das Premiumprodukt daher trotz höherer Produk­tions­kosten eine Chance. Doch nicht jeder kann die Vorgaben umsetzen. Mancher installiert teure Belüftungsanlagen, um das Heu trocken zu bekommen3, führt so mit hohem Energieeinsatz die Idee der Nachhaltigkeit ad absurdum und begibt sich erneut in finanzielle Abhängigkeit. Bei aller Liebe zu Qualität und Tradition bleibt die Milchwirtschaft ein Geschäft, auf dessen neue Wiesen natürlich auch schwarze Schafe drängen.

Derweil kann ich auch beim letzten Schluck Milch aus meinem Glas keinen geschmacklichen Fehler feststellen – trotz Feuchtheufütterung. Die höhere Qualität der Heumilch scheint anhand der Keimbelastung unbestreitbar. Durch den Verzicht auf Silage sei die Clostridienbelastung erheblich geringer4 und geschmackliche Mängel träten seltener auf. Das erklären Heumilchbefürworter auf drei Wegen5: Geschmacks­stoffe aus der Silage könnten während des Melkens direkt über die Stallluft in die Milch übergehen. Sie könnten durch die Atemluft der Kühe in deren Blut und auf diesem Wege in die Milch geraten. Und sie könnten sich auf dem Weg der Verdauung in die Milch über­tragen. Auch seien doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren enthalten wie in Standardmilch6. Welche Bedeu­tung es beim insgesamt verschwin­dend geringen Anteil (ein Hundertstel des Fettanteils) überhaupt hat, sei dahin­gestellt. (Eine Walnuss enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als ein ganzes Glas Milch.) Dennoch dient es dem Marketing ebenso wie der höhere Anteil konjugierter Linolsäuren (CLA).

Heumilch und Weidemilch als Marken

Heumilch ist keine Weltneuheit. Schon lange diente sie zur Herstellung von Emmentaler oder auch Parmesan (Parmigiano Reggiano). Was die ARGE Heumlich geschafft hat, ist die erfolgreiche Vermarktung. Während ich im Salzburgerland zu Terminen umherfahre, stechen mir die gewaltigen Heumilch-Plakatwände immer wieder ins Auge und selbst an der Tankstelle sind Milchprodukte dieser Marke zu finden. Der Marktanteil in Österreich hat laut telefonischer Auskunft der ARGE rund 20 % erreicht, während das europäische Mittel bei drei Prozent liege. Das ist beispielhaftes Marketing.

Nun streiten Vermarkter über die Bezeichnung. Da der Begriff Heumilch schon länger kursiert, verursacht die neue Registrierung und Definition der Futter­vorgaben Unruhe. Überhaupt schafft das Marketing kaum mehr Klarheit. Der separat umlaufende Begriff Weidemilch beschreibt die Milch von Tieren, die überwiegend auf der Weide stehen. Und lässt vermuten, dass Heumilch auch von Tieren stammen könnte, die zwar aus­schließ­lich Gras und Heu bekommen, jedoch im Stall bleiben. Das Heumilchregulativ schreibt jedenfalls augen­schein­lich keine ausdrückliche Weidehaltung vor. Das sind allerdings theore­tische Über­le­gungen, welche die Realität kaum widerspiegeln. Jedoch verdeutlichen sie das Problem mangelnder Transparenz solcher Siegel und Regularien. Heumilch ist zudem nicht gleich Biomilch, obwohl rund ein Viertel der österreichi­schen Lieferanten zusätzlich Bio-zertifiziert ist und einen Spitzenpreis von 55 Cent pro Kilogramm Milch erzielt3.

Niederländischer Weidemelk attestiert Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer derweil ohne Angabe von Quellen einen Frischmilch-Marktanteil von 80 Prozent und fordert die zügige Umsetzung eines niedersächsischen Weidemilch-Labels7 – mit der gleichen, lockeren Definition von Weidegang für Kühe: 120 Tage pro Jahr, sechs Stunden pro Tag8. Nur vier Monate des Jahres täglich ein paar Stunden auf der Weide klingt kaum, als würde es die Bezeichnung Weidemilch ganzjährig rechtfertigen. Allerdings ist bereits dieser Umfang in einigen Gegenden eine praktische Heraus­for­derung und mangels Fläche oft unmöglich. Das verdeutlicht nur, dass allein die Reduktion der Milchproduktion in vielen Fällen die einzig nachhaltige Lösung sein kann.

Mit Weidemilch, Heumilch und Biomilch hat Vorzugsmilch, also Rohmilch, nichts zu tun und kann weiterhin von kraftfutterschluckenden und dauerhaft aufgestallten Kühen stammen.

Dort, im Stall, stehen heute auch die Erzeuger meines Glases Milch, denn den Tieren ist es bei 28 °C zu heiß in der Sonne. Das feuchte Heu fressen sie dennoch und das Abschlecken des zerzausten Hofkaters bereitet beiden Parteien offenbar ebenso viel Freude. Szenen wie diese sind real und scheinen wertvoller als Papiere mit Regularien.

Denn was hilft das zwölfte Label, wenn schon die Regeln des ersten auf den Verbrau­cher überwältigend wirken? Wem nutzt der Markenschutz, wenn das Marketing Produkt­merk­male wie den Fettsäurengehalt unverhältnismäßig betont oder nur die halbe Wahrheit vermittelt? Der Verbraucherwunsch nach verantwortlich erzeugten Lebens­mitteln mag steigen, doch das Vertrauen in Siegel wankt, wenn die Transparenz fehlt.

Solange hinter dem Zertifikat primär wirtschaftliche Interessen stehen, kann die Motivation der Beteiligten nicht Umweltschutz und Tierwohl gelten. Wer die Suche nach einem besseren System bei Margen, Absatz- und Umsatzchancen beginnt, wird ein nachhaltiges Landwirtschaftskonzept bestenfalls zufällig finden.

Heumilch und Weidemilch sind Fortschritte, da sie tendenziell eine Verbesserung der ökologischen Verträglichkeit und des Tierwohls in der Milchproduktion bewirken. Diese kleinen Schritte sind im Sinne der Nachhaltigkeit gut. Das Optimum sieht zweifelsohne anders aus und es sollte zu mehr Anstrengung motivieren, jedoch nicht der Feind des Guten sein. Natürlich müssen wir uns mit weiteren Fragen beschäftigen. Sollten wir Milchkühe überhaupt in Gegenden halten, deren Ökosysteme sie gar nicht tragen können? Sollten wir sie enthornen? Oder auf noch höhere Leistung züchten? Wollen wir diese Schritte angehen, müssen wir zunächst aus dem bequemen Sofa aufstehen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagt der Volksmund. Kontrolle versprechen die Labels allesamt und fordern dafür Vertrauen. Doch angesichts verwirrender und teils schwammiger Vorgaben fällt das schwer. Vollständige Ehrlichkeit und umfassende Transparenz statt halber Wahrheiten erleichtern Vertrauen. Erarbeitet man das gemeinsam als fortwährenden Prozess, braucht es keine Kontrollen mehr. Es hilft, seinen Landwirt selbst zu besuchen und kennenzulernen, ob mit Siegel oder ohne. Vertrauen kann der Erzeuger umsetzen in höhere Margen, denn ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis ermöglicht faire Preise. Wünscht er sich das, kann er seinerseits die Transparenz erhöhen. Optimalerweise trifft er sich mit dem Verbraucher in der Mitte – und nicht im Supermarkt.

Wir können unser Vertrauen in Die Politik stecken und darauf hoffen, dass sie eine Lösung herbeiführt. Die Politik hat den Markt in der Vergangenheit manipuliert durch Subventionen, Regulierungen, Beschränkungen und Exportpolitik. Eingriffe, deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft wir heute ablesen können. Wir können immer mehr Tiere zur Milchproduktion anschaffen9, den Markt weiter mit weißem Wasser überschwemmen und zugleich entgegen den Gesetzen der Marktwirtschaft stabile Preise einfordern.

Oder wir können selbstverantwortlich handeln und unsere Umwelt ganzheitlich begreifen, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen und umfas­send nachhaltig reagieren. Es gibt offenkundig Wege, Milch ökologisch nicht nur weniger destruktiv, sondern konstruktiv zu erzeugen, dabei messbare bessere Qualität zu gewinnen und dies ökonomisch sinnvoll umzusetzen. Dazu gehört mittelfristig wahrscheinlich auch die Reduktion des Produktionsvolumens auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß. Nutznießer sind die Umwelt durch bessere Pflege, Landwirte durch bessere Preise und Verbraucher durch bessere Qualität gleichermaßen.

Heumilch: Alles nur Marketing oder das bessere Produkt?

Beides. Heumilch (wie auch Weidemilch) steht für etwas höhere Produktqualität und sorgsameren Umgang mit Tier und Natur. Zugleich sind diese Konzepte Ideen der Vermarktung, motiviert durch höhere Absatzzahlen. Das ist ihre Achillesferse. Heumilch folgt dem alten Paradigma: Jemand wird die Milch schon für diesen Preis vermarkten. Die teilnehmenden Landwirte sitzen zusammen im Beiboot, gezogen vom Kreuzer des Marketings. Erleidet dieser Schiffbruch, attackiert von anderen Labels oder verwüstet durch einen Skandal oder Qualitätsprobleme, leiden die Erzeuger daran ebenso kollektiv, wie schon jetzt am niedrigen Milchpreis. Wirklich zukunfts­weisend und robust wäre ein Siegel wie Heumlich, würde es statt einmaliger Zertifizie­rung eine stetige Verbesserung anstreben. Etwa durch jährliche Erhöhung des Gras- und Heuanteils im Futter, zunehmende Umweltverträglichkeit oder ein Enthornungsverbot10. Das wäre ein klares Bekenntnis zu ökologischer Nachhaltigkeit noch vor dem Umsatz.

Kann ich die Produktionsbedingungen der Milch verbessern?

Wünschen wir uns als Verbraucher diese Schritte, müssen wir sie fordern, zugleich jedoch auch unterstützen. Durch den Kauf ihrer Milch erteilen wir den Erzeugern (ganz gleich ob mit oder ohne Siegel) das Mandat, in unserem Namen das Land zu bewirtschaften. Der Griff zu Heumilch statt Standardmilch sendet ein Signal. Die Macht steckt somit im Portemonnaie des Verbrauchers und wenn dieser sich informiert, konsequent sanktioniert und oft genug den Wunsch nach beispielsweise höherem Gras- und Heuanteil oder behörnten Kühen äußert (schriftlich oder mündlich), werden Erzeuger (oder ein Verband) irgendwann reagieren und sich den Mehraufwand für die Qualität auch bezahlen lassen.

Agieren Verbraucher hingegen inkonsequent und belohnen die Billigproduktion auf Kosten aller, wird sich wenig ändern. Milch ist hierzulande verzichtbar. Kein Kauf ist auch ein Signal.

Die Umsetzung kann auch ein einzelner Landwirt ganz ohne Siegel leisten. Nicht derjenige, dessen Vision primär ein landwirtschaftliches Imperium mit millionen­schwerem Konto ist. Sondern jener, dem Ökologie und Tierwohl aufrichtig am Herzen liegen. Beispiele für erfolg­reiche Direktvermarkter, die Ökologie und Ökonomie vereinen, gibt es genug. »Man kann beides haben« meint und beweist der US-amerikanische Landwirt und Autor Joel Salatin11. Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet Gründe.

Wenn mir in einigen Monaten wieder der Sinn nach einem Glas Milch steht, suche ich kein Label für Bio-Heu-Weide-Horn-A2-Rohmilch. Stattdessen beginnt die Suche bei örtlichen Landwirten oder Käsereien. Sie folgt der Spur von Kühen auf einer saftigen Weide, auf deren Heimathof, zu deren Landwirt. Vielleicht werde ich fündig und höre die richtigen Antworten auf meine Fragen. Vielleicht nicht. Es gibt noch viele andere Getränke und Lebensmittel.

Dazu auch: Ist Milch gesund?

Fußnoten

  1. Durchführungsverordnung (EU) 2016/304 der Kommission vom 2. März 2016 zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der garantiert traditionellen Spezialitäten [^]
  2. kurier.at: 50 Cent für Bio-Heumilch, nur 27 Cent für konventionelle (31. März 2016) [^]
  3. topagrar.com: Heumilch: Vom Ladenhüter zum Trendsetter (Rind – Ausgabe 06/2012) [^]
  4. Ginzinger, W.: Vorteile der silofreien Heumilch [^]
  5. Leider ohne jegliche Nachweise: Ginzinger, W., Tschager, E.: Einfluss der Fütterung auf die Qualität von Milch und Milchprodukten (Dr. Wolfgang Ginzinger ist früherer Direktor der Bundesanstalt für Alpenländische Milchwirtschaft in Rotholz) [^]
  6. Die von der ARGE dafür vorgebrachte Studie ist nicht aufzutreiben und die Zusammenfassung (Projekt: Fettsäurespektrum von Heumilch und Heumilchprodukten mit Schwerpunkt CLA und Omega-3 Fettsäuren) deutet eine unsachgemäße Datengrundlage an, jedoch decken sich die Angaben tendenziell mit üblichen Messwerten biodynamisch erzeugter Milch: Max Rubner Institut Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen Bericht für das Kompetenzzentrum für Ernährung, Bayern (November 2014) [^]
  7. Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Agrarminister Meyer: Milchbauern brauchen Hilfe wegen existenzbedrohender Tiefpreise (15. Juni 2015) [^]
  8. Charta Weideland Norddeutschland: Rahmenbedingungen und Kriterien für die Erzeugung und Vermarktung von Weidemilchprodukten im Rahmen des Projektes Weideland Niedersachsen (24. Mai 2016) [^]
  9. AMA: Jahresbericht Milch und Milchprodukte (2014) [^]
  10. Demeter MilchBauern Süd w.V.: Tierwohl [^]
  11. USA Today: Polyface Farm (21. April 2009) [^]

Sollten wir Milch trinken?

Sollten wir Milch trinken?Dieser Artikel ist auch als Podcast bzw. Netcast zum Anhören verfügbar: Sollten wir Milch trinken? (Urgeschmack-Podcast #21)

Milch in der Ernährung des Menschen bleibt ein umstrittenes Thema. Gesundheitlich zeigen sich sowohl mögliche Vorteile als auch potentielle Probleme. Die Diskussion um die A1/A2-Problematik zeigt, wie dringend nötig eine Differenzierung ist. Eine pauschale Abwertung von Milch und Milchprodukten wird der Realität offensichtlich nicht gerecht. In diesem Artikel geht es um zwei weitere, häufige Argumente gegen den Verzehr von Milch. Sollten wir Milch trinken?

Argument #1: Die normalerweise übliche Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter bedeutet, dass wir keine Milch trinken sollten

Laktose ist der Milchzucker. Um ihn verdauen zu können, ist das Enzym Laktase nötig. Alle neugeborenen Säugetiere verfügen über Laktase, deren Aktivität allerdings im Laufe der Entwöhnung stark sinkt. Erwachsene verfügen nur noch über wenig Laktase und entwickeln somit eine natürliche Laktoseintoleranz. Unvollständig verdauter Milchzucker kann dann zu Blähungen und Durchfall führen.

Außerhalb Europas ist die Laktoseintoleranz so weit verbreitet, dass sie oft nicht als Nahrungsmittelunverträglichkeit gilt. Stattdessen ist dort die Laktasepersistenz, also das Fortbestehen einer hohen Laktaseaktivität eher die Seltenheit.

Denn in der Regel sind nur Bevölkerungen, die schon sehr lange Milchwirtschaft betreiben, durch eine genetische Mutation in der Lage, Milchzucker auch im Erwachsenenalter zu verdauen. Das bedeutet: Der Mensch hat die Fähigkeit, Milch anderer Tiere zu nutzen, erst in den letzten rund 10 000 Jahren erworben – darauf deuten auch archäologische Befunde hin.

Ist das ein Argument für den Milchverzicht? Kaum. Gerade die Tatsache, dass sich die Laktasepersistenz durchsetzt, zeugt von ihrer Vorteilhaftigkeit. Das ist das Prinzip der Evolution. Milch und Milchprodukte sind reich an Nährstoffen. Es ist alles andere als abwegig, dass ihr Verzehr einen Vorteil bietet.

Und warum entwickelt sich dann überhaupt nach dem Säuglingsalter eine Laktoseintoleranz?

So vorteilhaft das Stillen auch ist, irgendwann muss das Jungtier entwöhnt werden. Denn die Mutter kann nur eine begrenzte Milchmenge produzieren und optimalerweise setzt sie mehr als nur ein Kind in die Welt. Nur so kann der Fortbestand der Spezies gesichert werden.

Das Jungtier bekommt also ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Milch mehr, dementsprechend auch keine Laktose. Wer keine Laktose isst, benötigt auch das Enzym Laktase nicht. Ein weiteres Prinzip der Evolution zeigt, dass sich unnötige oder dem Überleben nicht hilfreiche Eigenschaften zurückbilden. Und so lässt sich auch der Ursprung der Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter erklären. Sie ist demnach die Folge einer veränderten Ernährung – nicht die Ursache.

Argument #2: Kuhmilch ist für Kühe da. Sie ist nicht für den Menschen gemacht.

Richtig ist, dass biologisch gesehen Kühe Milch für ihre Kälber produzieren. Haben sie kein Kalb, produzieren sie auch keine Milch. Evolutionsbiologisch scheint es ein guter Weg zu sein, dass Mütter ihre Kinder in den ersten Lebensjahren oder -monaten säugen. Die Natur hat also die Kuh nicht so entwickelt, dass sie Milch für den Menschen produziert. Einige Gegner des Milchverzehrs argumentieren deshalb, die Milch sei allein deswegen nicht für den Menschen geeignet. Dies wirft jedoch die Frage auf, was der Mensch sonst essen sollte, denn:

Welches Nahrungsmittel ist “für den Menschen gemacht”?

Sicherlich hat die Natur auch Rinder, Vögel und Fische nicht entwickelt, nur damit der Mensch sie essen kann. Sie sind also auch “nicht für ihn gemacht”. Folgte man der Logik der oben genannten Milchgegner, dürfte der Mensch generell keine Tierprodukte essen.

Und auch die Pflanzenwelt produziert ihre Früchte nicht speziell für den Menschen. Genauso wächst Gras nicht nur, um Kühe zu ernähren und Ameisen leben nicht nur als Futter für den Ameisenbären. Auch ist der Mensch nicht das einzige Tier, das andere Tiere melkt: Ameisen halten und melken Blattläuse.

Der Mensch ist jedoch ein Opportunist und ein Omnivore. Das sind zwei Eigenschaften, die zu seinem Erfolg als Spezies beitragen. Hinzu kommt seine Intelligenz und in der Folge die Fähigkeit, seine Umgebung so zu gestalten, dass er das jeweils beste für sein Überleben daraus machen kann (dass es ihm dabei stellenweise an Weitsicht mangelt, sei ihm verziehen).

Die Tatsache, dass die gemeine Kuh ihre Milch also ursprünglich nicht spezifisch für den Menschen produziert, kann daher kein Argument sein, sie als Mensch nicht zu trinken.

Moralisch ist dieses Argument sicherlich wesentlich gewichtiger: Denn Kuhmilch wird eben für Kälber produziert und wenn der Mensch sie trinkt, dann bekommen die Jungtiere weniger oder nichts mehr.

In der industriellen Produktion bekommen die Kälber stattdessen einen Futtermittelersatz. Einige kleine, handwerklich arbeitende Betriebe melken nur einen Teil der Milch zur Weiterverarbeitung und sorgen dafür, dass die Jungtiere noch genügend Muttermilch abbekommen. Auch ethisch besteht daher in diesem Punkt zumindest grundsätzlich kein Problem mit dem Verzehr artfremder Milch.

Fazit: Sollten wir Milch trinken?

Die Evolution scheint dem Menschen sagen zu wollen, dass er mit dem Verzehr von Milch gar nicht so verkehrt liegt: Ein Massensterben nordeuropäischer Bevölkerungen durch Milchkonsum ist kaum abzusehen. Solange die zuvor diskutierten Probleme hinsichtlich der Milchqualität Beachtung finden, spricht offenbar nichts gegen die Fortsetzung dieses Verhaltens.

Als eine der derzeit einflussreichsten Spezies des Planeten ist es allerdings vermutlich ratsam für den Menschen, bei der Produktion seiner Lebensmittel nachhaltige Praktiken anzuwenden, um sich auch in Zukunft noch ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen zu können.

Quellen und weiterführende Informationen:

Ist Milchersatz gesund?

Ist Milchersatz gesund?Wer sich zum Verzicht auf Milch entschließt oder erfährt, sie sei ungesund, der kann sich möglicherweise ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Das satte Gefühl, ein Glas frischer Milch zu trinken, ist einmalig. Gibt es also Alternativen? Schnell finden sich entsprechende Produkte, doch worum handelt es sich und wie steht es um die Gesundheit? Was ist Getreidemilch? Was ist Mandelmilch? Was ist Milchersatz? Und ist Milchersatz gesund?

Was ist Milchersatz?

Ein Milchersatz ist eine Flüssigkeit, die Milch ersetzen soll. Ganz einfach. Es ist keine echte Milch, also kein Drüsensekret eines Säugetiers, sondern ein Ersatz. Um das zu verdeutlichen, ist die Verwendung des Begriffs Milch in einigen Ländern nur für eben dieses Drüsensekret gestattet. Dort gibt es beispielsweise keine Reismilch, sondern nur einen Reisdrink.

Warum Milchersatz?

Mögliche Gründe für den Verzicht auf echte Milch gibt es viele. Sie können religiösen oder ethischen Ursprungs sein. Veganer gehören sicherlich anteilig zu den größten Milchersatz-Konsumenten. Auch geschmackliche oder kulturelle Gründe gibt es, manche Menschen ekeln sich einfach vor echter Milch. Und dann gibt es physiologische und gesundheitliche Gründe. Einige Menschen vertragen Milch nicht (Laktoseintoleranz ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten), andere sind allergisch gegen spezifische Inhaltsstoffe. Dann gibt es noch die A1-A2-Problematik, epidemiologische Hinweise und diverse Vorwürfe, Milch sei praktisch ein Gift.

Ob und inwieweit dies im Detail gerechtfertig oder sinnvoll ist, ist nicht Thema dieses Artikels. Es genügt der Hinweis, dass es viele mögliche Gründe für den Griff zu Milchersatz gibt.

Was ist Getreidemilch?

Weicht man Getreide in Wasser ein, kocht, püriert und siebt es hinterher, entsteht eine helle Flüssigkeit, die geschmacklich zumindest in Hinblick auf die Textur entfernt an Milch erinnert. Zur Emulgation und geschmacklicken Verfeinerung kommt noch Sonnenblumen- oder Distelöl hinzu.

Es handelt sich praktisch um gefärbtes, angedicktes Wasser mit ein paar Nährstoffen aus Getreide und Pflanzenöl. Einige Zubereitungsmethoden sehen zwischendurch noch die Fermentation vor, die Prozesse sind verschieden. Auch Verdickungsmittel wie Guarkernmehl und Carrageen finden häufig ihren Weg in diese Produkte.

Hafermilch, Reismilch, Weizenmilch fallen in diese Kategorie, ebenso natürlich Dinkelmilch, Roggenmilch und Einkornmilch. In der Regel enthalten diese Produkte noch einige Konservierungsstoffe, teils auch Farbstoffe und fast immer Süßungsmittel (oft Zucker oder Agavensirup). Selbst bei der heimischen Herstellung scheinen die meisten Fans dieser Getränke das Bedürfnis zu verspüren, die Flüssigkeit mit Zucker genießbar zu machen.

Was ist Sojamilch?

Sojamilch wird prinzipiell genauso hergestellt wie Getreidemilch inklusive aller Zusatzstoffe. Da die Sojabohne jedoch eine Hülsenfrucht ist, fällt sie in eine eigene Kategorie.

Mandelmilch und Kokosmilch

Die Herstellung von Nussmilch funktioniert ähnlich, wobei die Fermentation hier in der Regel entfällt. Kokosnüsse sind botanisch betrachtet zwar keine Nüsse, aber das spielt hierfür keine Rolle: Das Fruchtfleisch/die Nüsse werden gemahlen, eingeweicht, gekocht und gefiltert (bzw. in der heimischen Küche durchgeseiht).

Der wohl größte Unterschied zur Getreidemilch ist der wesentlich höhere Fettgehalt, daher entfällt hier die Zugabe von Pflanzenölen. Eine zusätzliche Süßung ist ebenfalls unüblich. Insofern enthalten die Nussmilche kaum Zusatzstoffe.

Die kommerziell erhältlichen Produkte kommen gelegentlich mit Verdickungsmitteln, die die Trennung der Phasen verhindern sollen, jedoch sind auch reichlich solcher Milche ohne jegliche Zusatzstoffe erhältlich. Besonders Kokosmilch ist reichlich mit lediglich zwei Zutaten verfügbar: Kokosfleisch und Wasser. Sie enthält in der Regel rund 18% Fett.

Ist Milchersatz gesund?

Ob etwas gesund ist, lässt sich immer nur im Kontext beantworten. Ernähre ich mich nur von einem einzigen Lebensmittel, ist das fast immer ungesund. Hinweise auf Nährstoffdefizite durch Milchersatz basieren auf der Annahme, dass man seine gesamten Nährstoffbedarf sonst durch herkömmliche Milch deckt – was kaum ratsam ist.

Ist Getreidemilch gesund?

Angesichts der verbreiteten Inhaltsstoffe wie Verdickungsmitteln, Konservierungsstoffen, Zucker und Pflanzenölen lässt sich dies eher mit ‘nein’ beantworten, vor allem wenn die Grundzutat Weizen ist, welcher mit Gluten, Lektinen und Phytinsäure potenzielle Probleme mit sich bringt. Getreidemilch ist insofern nicht gesund, als dass sie die Gesundheit nicht fördert und durch die Inhaltsstoffe (Pflanzenöle, Zucker) möglicherweise eher belastet.

Ist Sojamilch gesund?

Es gilt hier praktisch das gleiche wie bei der Getreidemilch. Hinzu kommt, dass hier die Grundzutat, Soja, offenbar noch in höherem Maße problembehaftet ist als Weizen. Die Frage “Ist Sojamilch gesund?” scheint daher stets Nein zu lauten.

Ist Mandelmilch gesund?

Ist Nussmilch gesund? Offenbar ist ihr Schadpotential minimal. Man könnte sich im Falle der Mandeln ein paar Gedanken um die oxidationsanfälligen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren machen. Aber wer dieses Getränk frisch und nicht in großen Mengen genießt, ist eher weniger betroffen.

Ist Kokosmilch gesund?

Was die Kokosmilch angeht, so scheint sie frei von jeglichen Problemfaktoren. Stattdessen steckt sie voller Geschmack, Energie und teils auch wertvoller Nährstoffe. Einzig über den Energiegehalt sollte man sich ein paar Gedanken machen: Ein 250ml Glas dieser Milch liefert rund 400kcal. Das ist nichts Schlimmes und macht satt, kann jedoch bei gedankenlosem Verzehr zu einem Energieüberschuss führen.

Fazit: Ist Milchersatz gesund?

Offensichtlich gibt es beim Milchersatz große Unterschiede. Fest steht in jedem Fall, dass Milchersatz nie echte Milch ersetzen kann. Das Nährstoffprofil des Säugetier-Drüsensekrets ist einmalig und in seinem Wert kaum zu imitieren. Muttermilch ist unersetzlich, deswegen ist das Stillen von Babys so enorm wichtig.

Ist Milchersatz also gesund? In keinem Fall ist er essenziell. Ob der Verzehr gesundheitlich förderlich oder nachteilig ist, lässt sich oft an der Verpackung erkennen: Die Liste der Inhaltsstoffe verrät schnell, welche Probleme sich ergeben können. Im Falle der Kokosmilch zeigt sich: Es braucht nur zwei Zutaten; Kokosfleisch/Kokostrakt und Wasser. Ein Produkt, das hingegen zum Verzehr erst angedickt, gesüßt und konserviert werden muss, scheint für den Verzehr wenig geeignet.

Bezugsquellen für Kokosmilch:

Der Hersteller Aroy-D bietet eine Kokosmilch ganz ohne Zusatzstoffe an, erhältlich ist dieses Produkt im Tetrapack von diversen Händlern, darunter auch Amazon:

Die Milch ist bis zu 12 Monten haltbar. In einigen Fällen kommt es jedoch dazu, dass Händler die Milch falsch (u.a. zu warm) lagern und sie sauer wird. Frische Kokosmilch riecht nach Kokos und nicht sauer. Wenn Sie eine Lieferung mit saurer Milch erhalten, lassen Sie sie ersetzen.

*Dies ist ein Affiliate-Link: Wer das Produkt darüber kauft, unterstützt Urgeschmack durch eine kleine, von Amazon bezahlte Provision. Vielen Dank!

Die Paleo Diät im Detail

In den vorangegangenen Artikeln zur Paleo Diät wurden die Grundlagen und die sieben einfachen Schritte zur ganzheitlich gesunden Ernährung  angesprochen. Auf dieser Seite beschreibe ich die sieben Schritte im Detail, damit Sie die einzelnen Zusammenhänge dieser Steinzeiternährung besser verstehen.

Die Grundsätze der Paleo Diät im Detail

#1 Zucker

Zucker ist ein Kohlenhydrat, das im Körper sehr schnell verdaut wird und den Blutzuckerspiegel entsprechend schnell und stark ansteigen lässt. Das führt zu einer ebenso heftigen Erhöhung des Insulinspiegels.

Insulin ist ein Hormon, ein sogenanntes Speicherhormon. Es sorgt dafür, dass Energie –in diesem Fall Blutzucker– gespeichert wird und gleichzeitig dafür, dass keine bereits gespeicherte Energie freigesetzt wird.

Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel ist die Ursache vieler Krankheiten, angefangen mit Hyperinsulinismus, Insulinresistenz und Diabetes über Bluthochdruck bis hin zu Herzkrankheiten, Demenz und Alzheimer.

Wer also große Mengen schnell verfügbarer Kohlenhydrate wie Zucker oder auch weißes Mehl zu sich nimmt, der sorgt einerseits dafür, dass sein Körper weiter Energie (auch in Form von Körperfett) speichert statt die Fettspeicher abzubauen. Zugleich steigt die Anfälligkeit für die zahlreichen, sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Diabetes usw.

Daher sollten Sie auf Zucker gänzlich verzichten. Dazu gehören auch jegliche süßen Getränke wie Fruchtsäfte, Eistee, Vitamindrinks, Softdrinks, gesüßter Kaffee und Tee. Und natürlich sollten Sie auch jegliche Süßigkeiten meiden.

Mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen des Zuckers erfahren Sie auch in diesen Artikeln:

#2 Getreideprodukte und Hülsenfrüchte

Der Mythos vom “gesunden, vollen Korn” könnte fataler nicht sein. Getreide ist sehr reich an Kohlenhydraten (teilweise bis zu 80%) und es ist daher geeignet, starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels hervorzurufen – mehr dazu unter Schritt #1 – Zucker.

Darüberhinaus enthält Getreide sogenannte Anti-Nährstoffe: Gluten, Lektine und Phytinsäure. Hierbei handelt es sich um Stoffe, die die Fähigkeit haben, sich an die Darmwände besonders des Dünndarms zu binden und diese zu beschädigen. Dadurch wird auch die Absorptionsfähigkeit für andere Nährstoffe beeinträchtigt wird, die dem Körper dadurch nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie treten über diesen Weg auch in den Blutkreislauf und in weiter entfernte Organe ein.

Auf diese Weise entstehen auch einige Autoimmunkrankheiten (diverse Allergien und z.B. auch Multiple Sklerose, s.a. diesen Beitrag über Dr. Loren Cordain). Der Darm könne, einfach ausgedrückt, “undicht” werden, das sogenannte “Leaky-Gut-Syndrome” entsteht (zu deutsch Leckdarm- oder Sickerdarm-Syndrom). Die Lektine, die nun durch den gesamten Körper strömen, heften sich an weitere Organe und der Körper wehrt sich entsprechend dagegen. Er greift die Lektine an – und mit ihnen auch gesundes Gewebe und Organe. Ein Entzündungsproblem entsteht und äußert sich in Beschwerden wie Arthritis, Morbus Crohn, Fibromyalgie, Reizmagen oder auch Schilddrüsenproblemen. Unter den betroffenen Organen befindet sich auch die Bauchspeicheldrüse, die teilweise so stark zu leiden hat, dass sie ausfällt, was zu Diabetes Typ-1 führen kann.

Verbreitet sind einige dieser Beschwerden unter den Menschen, die unter der sogenannten Zöliakie leiden, oder auch Gluten-Unverträglichkeit. Tatsächlich tritt diese Problematik jedoch bei den meisten Menschen auch ohne dieses diagnostizierte Krankheitsbild auf (die Dunkelziffer ist hoch, nur 1 von 8 wird diagnostiziert). Es sind also viel mehr Menschen betroffen als bekannt ist, nur äußern sich die Symptome unterschiedlich stark.

Getreide wird von den Menschen erst seit Beginn der Landwirtschaft vor ca 10.000 Jahren in größeren Mengen verzehrt. Laut Proponenten der Paleo-Diät reichte für die Evolution dieser verhältnismäßig kurze Zeitraum offenbar nicht aus, um den Verdauungstrakt aller Menschen für den Getreideverzehr zu optimieren (aktuelle Untersuchungen zeigen hingegen massive Veränderungen unserer DNS in den letzten 10000 Jahren). Nicht jeder Mensch leidet gleich stark unter der Antinährstoff-Belastung, was man derzeit auf die Epigenetik zurückführt. Mais und Reis sind ebenfalls Getreide mit hohem Kohlenhydratgehalt. Besonders weißer Reis enthält jedoch nur wenige Anti-Nährstoffe und ist damit in geringen Maßen weniger bedenklich.

Natürlich enthalten auch andere Lebensmittel Antinährstoffe und es können Unverträglichkeiten für verschiedenste Bestandteile vorliegen. Doch im Getreide finden sich besonders viele Problemquellen in hoher Dosis vereint.

Es ist daher ratsam möglichst vollständig auf Getreide und Getreideprodukte zu verzichten. Diese Empfehlungen gelten durchweg auch für Hülsenfrüchte (Bohnen), allerdings in etwas (!) geringerem Maß.

Mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen des Getreides erfahren Sie auch in diesen Artikeln:

#3 Pflanzenfett

Pflanzenfette und Margarinen enthalten in der Regel große Mengen mehrfach ungesättigter Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren und oft auch Transfettsäuren (“gehärtetes Fett”). Durch die weite Verbreitung von Pflanzenölen und Margarine in der heutigen Ernährung des Menschen liegt ein starker Überschuss an diesen Fettsäuren vor.

  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren neigen dazu, schnell zu oxidieren, also ranzig zu werden. Dies passiert umso schneller bei unsachgemäßer Lagerung (Licht und Wärme), wie dies im Handel oft der Fall ist.
  • Omega-6-Fettsäuren führen im Übermaß zu Entzündungskrankheiten (mehr über Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren und deren Zusammenhänge erfahren Sie hier (Schritt #6 – Omega6:Omega3)
  • Transfettsäuren verursachen im Körper Entzündungen, erhöhen das Risiko von Herzerkrankungen und fördern die Speicherung von Körperfett. (Mehr lesen)

Diese pflanzlichen Fette sind also potenziell sehr ungesund und haben weitreichende, negative Folgen für die Gesundheit.

Indem Sie kein Pflanzenfett mehr verwenden und stattdessen gesättigte, tierische Fette wie Schweineschmalz oder Butter verwenden, können Sie ihre Aufnahme von Transfett- und Omega-6-Fettsäuren senken. Einzige Ausnahme: Kokosfett ist das einzige weithin erhältliche pflanzliche Fett, das gesättigte Fettsäuren enthält, es ist daher ebenfalls sehr empfehlenswert. Gemäßigte Mengen Olivenöl, das vornehmlich aus einfach ungesättigten Fettsäuren besteht, sind ebenfalls unproblematisch.

Verzichten Sie möglichst immer auf Pflanzenfett und Margarine und beschränken Sie sich auf tierische Fette wie Butter oder Schmalz. Kokosöl, Avocadoöl, Macadamiaöl und Olivenöl bilden bezüglich der Pflanzenfette Ausnahmen, da sie vornehmlich aus gesättigten bzw. einfach ungesättigten Fettsäuren bestehen. Diese sind eher unproblematisch.

Mehr zu diesem Thema:

#4 Verarbeitete Lebensmittel

Stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Fast Food oder Tütensuppen enthalten häurig mehr oder weniger versteckt viel Zucker, pflanzliche Fette und künstliche Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Stabilisatoren und Aromen. Diese Stoffe sind oft gesundheitlich bedenklich. Zwar werden die gesetzlichen Vorgaben in der Regel eingehalten, doch ist über die Langzeitwirkung dieser meist noch jungen Stoffe nichts bekannt.

Verzichten Sie auf stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte und Fast Food und sie entfernen viele künstliche Zusatzstoffe, Zucker und trans-Fette aus ihrer Ernährung.

#5 Obst

Obst enthält durchaus viele Vitamine. Dies ist jedoch kein Grund, seine gesamte Ernährung auf Obst umzustellen. Denn Obst enthält ebenfalls Zucker, unter anderem in Form von Fructose. Zwar wird durch die im unbehandelten Obst enthaltenen Fasern die Aufnahme des Zuckers in das Blut (s.a. Schritt #1 – Zucker) verlangsamt, dennoch sollten Sie sich des Zuckergehalts bewusst sein. Ein halber Apfel entspricht dabei bereits etwa einem gehäuften Teelöffel Zucker.

Historisch betrachtet stand Obst dem Menschen eher in wesentlich geringeren Mengen als heute zur Verfügung. In den westlich geprägten Industrienationen haben wir hingegen das ganze Jahr über Zugriff auf fast alle Obstsorten. Dadurch steigt auch die Menge des verzehrten Zuckers. Zusätzlicher Zucker auf frischem Obst und in Konserven verschärft das Problem.

Es ist daher wichtig, ein Auge auf den Obstverzehr zu haben. Obst ist gesund und lecker, kann im Übermaß jedoch zu viel Zucker und besonders Fructose in den Körper bringen. Konzentrieren Sie sich im Zweifelsfall eher auf Beeren wie Heidelbeeren oder Erdbeeren, diese enthalten weniger Zucker.

Mehr zu diesem Thema:

#6 Milch

Ähnlich wie Getreide wird auch Milch anderer Tiere von den Menschen erst seit relativ kurzer Zeit verzehrt, nämlich seit höchstens rund 10.000 Jahren. Milch von Kühen enthält verschiedenste Stoffe, für deren Verdauung der menschliche Organismus bis heute nicht optimal ausgelegt ist. Am bekanntesten ist die Laktoseunverträglichkeit, die besonders außerhalb Europas recht verbreitet ist. Unter den weiteren Stoffen in der Milch befinden sich tierische Hormone (ganz unabhängig von der Ernährung und Behandlung der Tiere), die den Anbau von Körperfett begünstigen. Werden die Tiere mit Getreide gefüttert (was in der konventionellen Tierhaltung üblich ist), gelangen unter Umständen auch Lektine (s.a. Schritt # 2- Getreide) in die Milch.

In der Paleo Diät ist der Verzicht auf Milch der wohl umstrittenste Punkt. Während viele Menschen Milch ganz ohne Nebenwirkungen vertragen, kann der Verzicht darauf oft Probleme wie Akne, Übergewicht, Magen-Darm-Problemen und viele Allergien und Autoimmunerkrankungen beseitigen.

Wenn Sie gesundheitliche Probleme haben oder Schwierigkeiten mit dem Abnehmen, ist es gut möglich, dass der Verzicht auf Milch und Milchprodukte ihnen weiterhilft!

Mehr zum Thema Milch:

#7 Omega3:Omega6

Durch die weite Verbreitung von Pflanzenölen und Margarine in der heutigen Ernährung des Menschen liegen oft zugleich ein starkes Übergewicht an Omega-6- und ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren vor. Dies ist ungesund und kann weitreichende, negative Folgen für die Gesundheit haben. Dadurch, dass viel weniger Omega-3-Fettsäuren aus zum Beispiel Fisch verzehrt werden, kommt es zu einer größeren Anfälligkeit für Entzündungen und Insulinresistenz (s.a. Schritt #1 – Zucker).

Indem Sie kein Pflanzenfett mehr verwenden und stattdessen gesättigte oder einfach ungesättigte Fette (s.a. Schritt #3) verwenden, können Sie ihre Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren senken. Eine Ausnahme stellt Kokosfett dar: Es ist das einzige erhältliche pflanzliche Fett, das größtenteils gesättigte Fettsäuren enthält. Es ist sehr empfehlenswert. Geringe Mengen Olivenöl, das vornehmlich aus einfach ungesättigten Fettsäuren besteht, sind ebenfalls unproblematisch.

Mehr über Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren und deren Zusammenhänge erfahren Sie hier und hier.

Indem Sie mehr Fisch essen, nur Rindfleisch aus Weidehaltung und biologisch hochwertig erzeugte Tierprodukte, können Sie darüber hinaus ihre Omega-3-Fettzufuhr erhöhen. Denn nur durch artgerechte Tierhaltung können diese Tiere auch Omega-3-Fettsäuren produzieren (s.a. Fleisch als Medizin. Zusätzlich kann die Einnahme hochwertiger Fischölpräparate sinnvoll sein.

Links zu diesem Thema:

Lesen Sie hier weiter:

  1. Die Paleo Diät
  2. Grundsätze der Paleo Diät (7 einfache Schritte zu einer ganzheitlich gesunden Ernährung)
  3. Die Paleo Diät im Detail
  4. Gründe, Zucker zu meiden
  5. Gründe, Getreideprodukte zu meiden
  6. Gründe, Pflanzenfett und Margarine zu meiden
  7. Gründe, stark verarbeitete Lebensmittel zu meiden
  8. Gründe, den Obstverzehr zu mäßigen
  9. Gründe, auf Milch zu verzichten
  10. Gründe, auf Ihr Omega3:Omega6 Verhältnis zu achten
  11. Eine typische Woche mit der Paleo Diät
  12. Paleo Diätplan
  13. Paleo-Einkaufsliste
  14. Das 30-Tage-Programm
  15. Häufige Fragen zur Paleo Diät

Ist Kaffee gesund oder ungesund?

Ist Kaffee gesund?Der durchschnittliche Deutsche trinkt täglich 2,6 Tassen Kaffee oder 6,9kg pro Jahr. Man mag sich fragen, ob das überhaupt gesund ist. Eine eindeutige Antwort findet sich nur bedingt. Ist Kaffee gesund? Ist Kaffee ungesund? Ist es schlimm, Kaffee zu trinken? Drei Fragen, die sich mit Ja und Nein beantworten lassen.

Ist Kaffee gesund oder ungesund?

Anmerkung: In diesem Artikel geht es um die Massenware Supermarktkaffee. Diese steht in vielerlei Hinsicht im Gegensatz zu Kaffee als Spezialität, etwa aus der Third Wave Coffee Bewegung.

Warum gibt es so viele widersprüchliche Aussagen über die Wirkung des Kaffees? Es gibt es mehrere Erklärungen:

1) Die Rosinen herauspicken: Praktisch jedes Lebensmittel enthält gesundheitsförderliche und gesundheitsschädigende Stoffe. Daher ist es möglich, jedes Lebensmittel als gesund darzustellen, indem man schlichtweg die ungesunden Aspekte verschweigt. Dass dabei sowohl die Menge (die Dosis macht das Gift) als auch der Kontext unter die Räder gerät, ist üblich und oft Intention.

2) Kaffee ist nicht Koffein: Kaffee mag unsere am weitesten verbreitete Koffeinquelle sein, doch er enthält mehr als nur Koffein. Stellt sich nun in einer Studie heraus, dass Koffein negative Nebenwirkungen hat, beziehen viele Leser und Medien dies direkt auf den Kaffee. Dabei kommt jedoch wieder Punkt 1 zum Tragen: Kaffee enthält möglicherweise Stoffe, die dem Koffein oder dessen Nebenwirkungen entgegen wirken. Kontext eben.

3) Qualität und Verabeitung: Kaffee wächst nicht in Tassen an Bäumen, sondern als rohe Bohne. Bis zum Getränk durchlaufen diese Bohnen viele Verarbeitungsschritte, die sehr verschieden aussehen können. Darunter ist als besonders signifikant das Rösten zu nennen. Dies geschieht mit unterschiedlichen Temperaturen und Zeiten und hat immensen Einfluss nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf die Zusammensetzung und Inhaltsstoffe der Bohne. Neue Stoffkombinationen entstehen, andere werden abgebaut oder verändert. Darüber hinaus hat auch die Methode des Aufbrühens Einfluss auf die Zusammensetzung. Keine Studie zieht all diese Variablen in Betracht und so können die Ergebnisse für zwei verschiedene Kaffeesorten grundverschieden ausfallen.

4) Unbekannte Stoffe: Kaffee, Kakao, Wein und viele andere Lebens- und Genussmittel haben einen sehr komplexen Geschmack gemein. Gebildet wird dieser durch eine Vielzahl von Stoffen und einen Großteil dieser Stoffe haben wir noch nicht identifiziert. Wir wissen also noch gar nicht, womit wir es genau zu tun haben.

5) Disziplin: Die meisten Studien zu diesem Thema sind epidemiologisch, basieren also auf Statistiken. Deren Aussagekraft ist jedoch selten besonders groß und lässt sich je nach Perspektive auch unterschiedlich beurteilen.

Wissen wir also gar nichts über Kaffee?

Wir wissen durchaus einiges über Kaffee. Wir wissen, dass er Koffeein enthält und dass in ihm Antioxidantien stecken. Und wir wissen, dass er für den einen oder anderen eine Sucht und für viele eine Gewohnheit ist. Wir wissen auch, dass Koffein ein Gesundheitsrisiko sein kann und dass genau darauf die meisten gesundheitlichen Probleme oder Vorwürfe gegenüber dem Kaffee beruhen.

Doch ob Kaffee nun leistungssteigernd oder leistungsmindernd wirkt, selbst darüber streiten sich die Gelehrten. Offenbar kommt es auf die Dosis an: Einige recht fundierte Theorien zeigen auf, dass ein ständiger Kaffeekonsum zu einer Art Gewöhnungseffekt des Körpers führt und der Mensch dann den Kaffee benötigt, um überhaupt seine normale Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Aber Kaffee enthält doch gesunde Antioxidantien!

Oh ja, das tut er. Und er enthält Koffein und oft auch Toxine und Schimmel. Dass Kaffee vor Krebs schütze, führen einige Wissenschaftler auf die Antioxidantien zurück. Natürlich feiern manche Kaffeefans dies gerne mit dem Motto “Kaffee gegen Krebs!

Doch Antioxidantien gibt es auch in anderen, weit weniger umstrittenen und verarbeiteten Lebensmitteln, zum Beispiel in Heidelbeeren. Dort auch ohne Koffein, und viel häufiger ohne Toxine und Schimmel.

Ebensowenig wie Mineralstoffe ein zwingender Grund sind, Getreide zu essen, sind also Antioxidantien ein Grund dafür, Kaffee zu trinken.

Kaffee und Sucht

Für viele Menschen gehört der Kaffee am Morgen einfach dazu. Und der Kaffee danach und der danach und der vor dem Mittagessen und danach und natürlich zum Kaffeetrinken. Wir trinken unglaublich viel Kaffee und man könnte den Eindruck gewinnen, er mache süchtig. Und auf gewisse Weise tut er das sicherlich.

Ohne meinen Kaffee kann ich nicht!” ist allerdings eine Illusion, eine Lüge. Kaffee ist für viele nichts anderes als eine Gewohnheit, von der sie nur schwer lassen können. Eine psychologische Abhängigkeit. Eine Krücke. Niemand stirbt dadurch, dass er keinen Kaffee trinkt.

Wer Kaffee jedoch so gerne trinkt und ihn gar für wichtig für den Alltag hält, der ist auch meist versucht, sich genau die Aussagen und Studien herauszupicken, die den Kaffee in positivem Licht darstellen. Er oder sie klammert sich an jeden Grund, Kaffee zu trinken.

Ist Kaffeetrinken ungesund?

Nehmen wir für einen Moment an, Kaffee sei nicht ungesund; ist Kaffeetrinken dann so schlimm? Ist es schlimm, süchtig nach Kaffee zu sein? Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Einen Stoff nur aus Gewohnheit oder aufgrund einer psychologischen Abhängigkeit zu konsumieren, halte ich für problematisch. Besonders, wenn seine gesundheitliche Wirkung so umstritten ist, wie die des Kaffees. Nachweislich problematischer als der Kaffee selbst ist das, was oft mit seinem Konsum einhergeht: Milch und Zucker. Milch kann gesundheitlich problematisch sein, Zucker hat in größeren Mengen negative Wirkungen auf die Gesundheit (ein Würfel/Teelöffel/10g pro Tasse sind bei 6 Tassen pro Tag durchaus eine signifikante Menge).

Meine Empfehlung ist daher, es mal eine Zeit lang ganz ohne Kaffee zu versuchen, um zu schauen, wie gut das Leben auch ohne funktioniert. Wer sich dennoch Kaffee im Leben wünscht, sollte vielleicht versuchen, ihn pur zu trinken: Ohne Zucker, ohne Milch.

Nach all diesen Überlegungen lohnt sich zur Frage der Gesundheit ein Blick auf eine aktuelle Studie der Harvard School of Public Health: Sie zeigt einen engen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Langlebigkeit. Ein höherer Kaffeekonsum geht mit geringerer Sterblichkeit besonders durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen und Suizid einher. Das ist wohlgemerkt lediglich ein statistischer Zusammenhang: Es ist nicht nachgewiesen, ob Kaffee die Ursache dieser Veränderungen ist.

Kaffee ohne Milch? Schmeckt doch gar nicht!

Wenn der Kaffee ohne Milch und Zucker nicht schmeckt, sollten Sie darüber nachdenken, warum Sie ihn überhaupt trinken. Mögen Sie wirklich den Geschmack des Kaffees oder eher den der Milch? Wenn es der Kaffee ist: Was halten Sie davon, mal eine andere, durchaus auch teurere Sorte zu kaufen, die anders schmeckt, vielleicht weniger bitter oder sauer?

Haben Sie überhaupt die Brühmethode optimiert und damit experimentiert? Es gibt keine Regeln, die man nicht brechen könnte. Schon nach einer halben Stunde des Warmhaltens sinkt der pH-Wert des Kaffees um rund 10%, er wird mit fortschreitender Zeit immer saurer.

Wie ein optimal Kaffee gebrauter Kaffee ist, ist Anssichtssache, doch die meisten Kaffeeliebhaber (und Sie sind einer, sonst würden Sie doch keinen Kaffee trinken, oder?) sind sich einig, dass die billigen Plastik-Filterkaffee-Maschinen zu den geschmacklich weniger vorteilhaften Methoden gehören.

Ist alles optimiert und der Kaffee schmeckt ohne Milch und Zucker noch immer zu bitter? Warum bereiten Sie ihn nicht mal etwas weniger stark zu? Wenn auch das nicht hilft: Rühren Sie eine kleine Prise Salz ein. Salz reduziert die Bitterkeit und lässt sich in geringen Mengen nicht herausschmecken.

Butterkaffee, Bulletproof, Kokosmilch und noch mehr Probleme

Eine Alternative zur herkömmlichen Milch wäre Kokosmilch. Diese ist jedoch recht fetthaltig. Wer größere Mengen Kaffee trinkt, nimmt auf diesem Wege viele Kalorien in flüssiger Form zu sich und kann unbemerkt einen Dickmacher zur Gewohnheit machen. Ein Grund mehr, in diesem Fall nur noch wenig Kaffee zu trinken.

Das gilt auch für den sogenannten Butterkaffee, also Kaffee, der mit mehr oder weniger großzügigen Menge Butter verrührt wird. Dadurch umgeht der Genießer die problematischen Inhaltsstoffe der Milch weitestgehend, konsumiert allerdings noch viel mehr Fett als durch Kokosmilch.

Als besonders gesund, geradezu als Wundermittel wird der kugelsichere Kaffee, der Bulletproof Coffee angepriesen: Kaffee mit Butter und MCT (meist Kokosfett). Geradezu wundervolle Wirkungen soll dieser Kaffee haben und das ist natürlich eine gute Ausrede, nicht auf Kaffee zu verzichten. Der Mann, der diesen Kaffee so anpreist, hat sich den Namen Schützen lassen und verkauft, wer hätte das gedacht, ganz speziellen, optimierten Kaffee. Denn natürlich ist dieser Kaffee nur dann optimal, wenn die Bohnen optimiert sind. Zweifelsohne können Kokosöl und Butter durchaus positive Wirkungen haben, doch dafür braucht es keinen Kaffee und es bleibt dabei, dass diese Fette einen hohen Energiegehalt haben. Mehr Bedenken äußert Sascha Fast in seinem ausführlichen Artikel.

Alternativen zum Kaffee: Tee oder Kakao oder… Wasser!

Auch Tee und Kakao sind nicht völlig unumstritten, jedoch offenbar weitaus weniger problematisch als Kaffee. Auch an sie kann man sich gewöhnen, fairerweise ist also auch hier Vorsicht geboten. Doch auch geschmacklich scheinen sie in der Regel weit weniger problematisch zu sein. Tee pur zu trinken bereitet weitaus weniger Menschen unbehagen und an den vielleicht zunächst fremden Geschmack des Urgeschmack-Kakaos gewöhnt man sich schnell.

Der kleinste gemeinsame Nenner, eine universelle Lösung ist jedoch Wasser. Oder heißes Wasser. Sich mit Wasser zu vergiften erfordert schon einige Anstrengung und so ist es das optimale Gertränk für den Normalzustand. Um sich mit Flüssigkeit zu versorgen, sich ein wenig aufzuwärmen, einen Grund zu haben, mal aufzustehen und nachzufüllen, ist Wasser hervorragend geeignet. Das schließt den gelegentlichen Genuss (!) von Kaffee, Tee oder Kakao nicht aus, verweist diese Getränke aber zurück auf den Platz, von dem sie eigentlich stammen: Es sind ursprünglich Genussmittel für den gelegentlichen, bewussten Verzehr.

Fazit

Kaffee ist nicht lebenswichtig. Kaffee enthält nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitsförderlichen Stoffe, die wir nicht anderswo bekommen. Kaffee kann potentiell gesundheitsschädigende Stoffe (Schimmel, Toxine) enthalten.

Eine Abhängigkeit von Kaffee scheint kaum erstrebenswert, ebensowenig der gedankenlose Konsum eines umstrittenen Getränks.

Es scheint sinnvoll, den Kaffeekonsum kritisch zu betrachten, vielleicht ganz zu verzichten oder ihn zu ritualisieren: Bohnen selbst mahlen, kleine Portionen selbst aufgießen und Kaffee vor allem nicht nebenher und beiläufig trinken, sondern aktiv und bewusst genießen. Dies schult zudem die Geschmacksnerven. Ein bis zwei Tassen guten Kaffees pro Woche sind gewiss unproblematisch. Die Rarität erhöht den Reiz. Dann leistet man sich vielleicht auch mal teurere, nachhaltig und sozial verantwortlich produzierte Bohnen.

Ob nun Kaffee, Tee, Kakao oder Wasser: Heiß soll es in der Regel sein. Wer noch einen Wasserkocher sucht, dem empfehle ich aus gesundheitlichen und geschmacklichen Gründen – Plastik beeinflusst den Geschmack und stellt ein Gesundheitsrisiko dar – ein Gerät mit Glas oder Edelstahlbehältnis. Die Suche danach gestaltet sich schwieriger als man meinen würde, denn viele Glas- oder Edelstahlmodelle enthalten dann doch noch Plastikteile im Inneren. Ein entsprechendes Modell ist der Ottoni Fabrica 1,7L 2400W Wasserkocher* aus italienischer Produktion mit europäischen Bauteilen. Das Gerät hat ein gutes Fassungsbevermögen, schaltet früh bei Erreichen der Siedetemperatur ab, lässt sich gut handhaben, ist elegant designt und wird mit einem Edelstahlfilter geliefert. Das Teil ist nicht billig, hat allerdings meiner Ansicht nach einen angemessenen Preis.

Und ein kleines Kaffee-Besteck für’s Ritual:

*Dies ist ein Affiliate-Link: Wer das Produkt darüber kauft, unterstützt Urgeschmack durch eine kleine, von Amazon bezahlte Provision. Vielen Dank!

Milchreis ohne Milch: Kokosnussmilchreis (Video)

Kann man Milchreis ohne Milch herstellen? Paleo-Milchreis, sozusagen? Ja, man kann! Dies ist ein Rezept für Milchreis ohne Milch, ohne Laktose, ohne Zucker und ohne Gluten. Ein tolles Dessert mit leckeren Früchten ohne Nebenwirkungen.

So einfach kann es also sein, Milchreis ohne Milch und ohne Zucker herzustellen. Wer eine glutenfreie, laktosefreie, zuckerfreie Lösung sucht, findet sie in diesem Rezept für Kokosnussmilchreis. Hier noch einmal in Textform: Kokos-Milchreis-Obst-Auflauf