Heumilch – die bessere Milch?

Heumilch aus ÖsterreichSiebeneinhalb Prozent Fett enthält die Milch von Jerseykühen in Ausnahmefällen. Mit Ausblick auf den kleinen Göll genieße ich heute ein Glas Rohmilch mit den rasse­üblichen sechs Prozent Fett – noch immer erheblich mehr als handelsübliche Milch. Die sahnige, frische Flüssigkeit trägt Kräuter­aromen und markiert einen Meilen­stein auf meiner langen Suche nach einem Glas voll echter Milch.

Echte Milch. Rohmilch von Kühen, die ausschließlich Gräser und Kräuter fressen und ihr Leben auf der Weide verbringen. Nicht pasteurisiert oder homogenisiert, kein Kraftfutter, kein Betonboden. Ein krasser Gegensatz zur industriellen Produktions­methode und somit ein völlig anderes Produkt. Wo findet man solche Milch?

Zumindest nicht in den Millionen Litern weißen Wassers, in denen im Jahr 2016 Wertschätzung und Preis der Milch den Bach herunter fließen. Doch während Industrie, Handel und Politik noch über die Lösung diskutieren, finden Alternativen ihren Weg in die Regale. Heumilch ist eines der Konzepte, das neben dem Preisverfall auch ökologische Probleme zu lösen verspricht.

Was ist Heumilch?

Heumilch ist seit Anfang 2016 ein geschützter Begriff. Er bezeichnet die Milch von Kühen, die überwiegend Gras und Heu fressen. Geregelt ist auch der Erhalt von Grünlandflächen und die Bewirtschaftung von Biodiversitätsflächen zugunsten der Artenvielfalt auf den Weiden. Gentechnik, jegliche Gärfuttermittel wie Silage oder Brauerei­neben­produkte sind untersagt. Heumilch ist eine sogenannte garantiert traditionelle Spezialität (g.T.S.) mit dem gleichen Schutz, den auch Produkte mit D.O.P.-Siegel genießen. Der Begriff bezieht sich auf die traditionelle Form der Heumilchwirtschaft mit ressourcen­schonender Milchkuhhaltung auf Almen und Pflege der Weiden.

Die Methode dient demnach dem Tierwohl und dem Ökosystem, welches durch entsprechende Pflege wiederum Dienstleistungen wie Lawinenschutz erbringen kann. Die resultierende Milch bewirbt die Arbeitsgemeinschaft Heumilch als höherwertig gegenüber Standardmilch.

Das kann ich an anhand meines Glases Rohmilch allerdings nicht beurteilen, denn es ist keine Heumilch. Die Dame, die es mir serviert, erklärt dazu »Unsere Kühe bekom­men zur Zeit feuchtes Heu. Aufgrund der häufigen Regen­fälle haben wir keine Alter­native.« Damit verstößt der Betrieb gegen das Heumilchregulativ. Die Weiden seien zu nass und würden in diesem Zustand durch die Kühe eher beschädigt. Das Problem dauere nur wenige Tage. Inwiefern sich feuchtes Heu nachteilig auf die Kühe oder die Milch auswirke, beantwortet die Dame mit »Gar nicht. Das ist Marketing.«

Die Fütterungsdetails für Heumilch sind in der Durchführungsverordnung (EU) 2016/3041 genau definiert. Der Raufutteranteil (im Wesentlichen Gras und Heu, jedoch auch Grünmehl-, Mais-, Luzernepellets, unverarbeitete Futterrübe oder Grünmais) muss mindestens 75 % betragen. Ergänzend stehen Getreide, Ackerbohnen, Futtererbsen, Ölfrüchte oder auch Extraktionsschrote zur Auswahl.

Das mag auf dem Papier weitaus weniger romantisch klingen als die Kuh auf der Weide. Gehen wir im Normalfall jedoch von traditioneller Weidewirtschaft aus, denn kaum jemand wird große Mengen Futterzusätze auf seine Alm verfrachten, zumal die Futtermittel nicht das einzige Kriterium der Heumilch sind. Wer sich jedoch entschei­det, aus praktischen Gründen gele­gent­lich Feuchtheu zu füttern, ist ausge­schlossen von diesem Label und profitiert somit nicht von den umfang­reichen Werbe­aktionen der Arbeitsgemeinschaft.

Und von den recht hohen Preisen. Denn in Zeiten historisch niedriger Milchpreise bekommt der Landwirt mit 50 Cent pro Kilogramm Heumilch fast den doppelten Betrag2. Für viele Landwirte ist das Premiumprodukt daher trotz höherer Produk­tions­kosten eine Chance. Doch nicht jeder kann die Vorgaben umsetzen. Mancher installiert teure Belüftungsanlagen, um das Heu trocken zu bekommen3, führt so mit hohem Energieeinsatz die Idee der Nachhaltigkeit ad absurdum und begibt sich erneut in finanzielle Abhängigkeit. Bei aller Liebe zu Qualität und Tradition bleibt die Milchwirtschaft ein Geschäft, auf dessen neue Wiesen natürlich auch schwarze Schafe drängen.

Derweil kann ich auch beim letzten Schluck Milch aus meinem Glas keinen geschmacklichen Fehler feststellen – trotz Feuchtheufütterung. Die höhere Qualität der Heumilch scheint anhand der Keimbelastung unbestreitbar. Durch den Verzicht auf Silage sei die Clostridienbelastung erheblich geringer4 und geschmackliche Mängel träten seltener auf. Das erklären Heumilchbefürworter auf drei Wegen5: Geschmacks­stoffe aus der Silage könnten während des Melkens direkt über die Stallluft in die Milch übergehen. Sie könnten durch die Atemluft der Kühe in deren Blut und auf diesem Wege in die Milch geraten. Und sie könnten sich auf dem Weg der Verdauung in die Milch über­tragen. Auch seien doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren enthalten wie in Standardmilch6. Welche Bedeu­tung es beim insgesamt verschwin­dend geringen Anteil (ein Hundertstel des Fettanteils) überhaupt hat, sei dahin­gestellt. (Eine Walnuss enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als ein ganzes Glas Milch.) Dennoch dient es dem Marketing ebenso wie der höhere Anteil konjugierter Linolsäuren (CLA).

Heumilch und Weidemilch als Marken

Heumilch ist keine Weltneuheit. Schon lange diente sie zur Herstellung von Emmentaler oder auch Parmesan (Parmigiano Reggiano). Was die ARGE Heumlich geschafft hat, ist die erfolgreiche Vermarktung. Während ich im Salzburgerland zu Terminen umherfahre, stechen mir die gewaltigen Heumilch-Plakatwände immer wieder ins Auge und selbst an der Tankstelle sind Milchprodukte dieser Marke zu finden. Der Marktanteil in Österreich hat laut telefonischer Auskunft der ARGE rund 20 % erreicht, während das europäische Mittel bei drei Prozent liege. Das ist beispielhaftes Marketing.

Nun streiten Vermarkter über die Bezeichnung. Da der Begriff Heumilch schon länger kursiert, verursacht die neue Registrierung und Definition der Futter­vorgaben Unruhe. Überhaupt schafft das Marketing kaum mehr Klarheit. Der separat umlaufende Begriff Weidemilch beschreibt die Milch von Tieren, die überwiegend auf der Weide stehen. Und lässt vermuten, dass Heumilch auch von Tieren stammen könnte, die zwar aus­schließ­lich Gras und Heu bekommen, jedoch im Stall bleiben. Das Heumilchregulativ schreibt jedenfalls augen­schein­lich keine ausdrückliche Weidehaltung vor. Das sind allerdings theore­tische Über­le­gungen, welche die Realität kaum widerspiegeln. Jedoch verdeutlichen sie das Problem mangelnder Transparenz solcher Siegel und Regularien. Heumilch ist zudem nicht gleich Biomilch, obwohl rund ein Viertel der österreichi­schen Lieferanten zusätzlich Bio-zertifiziert ist und einen Spitzenpreis von 55 Cent pro Kilogramm Milch erzielt3.

Niederländischer Weidemelk attestiert Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer derweil ohne Angabe von Quellen einen Frischmilch-Marktanteil von 80 Prozent und fordert die zügige Umsetzung eines niedersächsischen Weidemilch-Labels7 – mit der gleichen, lockeren Definition von Weidegang für Kühe: 120 Tage pro Jahr, sechs Stunden pro Tag8. Nur vier Monate des Jahres täglich ein paar Stunden auf der Weide klingt kaum, als würde es die Bezeichnung Weidemilch ganzjährig rechtfertigen. Allerdings ist bereits dieser Umfang in einigen Gegenden eine praktische Heraus­for­derung und mangels Fläche oft unmöglich. Das verdeutlicht nur, dass allein die Reduktion der Milchproduktion in vielen Fällen die einzig nachhaltige Lösung sein kann.

Mit Weidemilch, Heumilch und Biomilch hat Vorzugsmilch, also Rohmilch, nichts zu tun und kann weiterhin von kraftfutterschluckenden und dauerhaft aufgestallten Kühen stammen.

Dort, im Stall, stehen heute auch die Erzeuger meines Glases Milch, denn den Tieren ist es bei 28 °C zu heiß in der Sonne. Das feuchte Heu fressen sie dennoch und das Abschlecken des zerzausten Hofkaters bereitet beiden Parteien offenbar ebenso viel Freude. Szenen wie diese sind real und scheinen wertvoller als Papiere mit Regularien.

Denn was hilft das zwölfte Label, wenn schon die Regeln des ersten auf den Verbrau­cher überwältigend wirken? Wem nutzt der Markenschutz, wenn das Marketing Produkt­merk­male wie den Fettsäurengehalt unverhältnismäßig betont oder nur die halbe Wahrheit vermittelt? Der Verbraucherwunsch nach verantwortlich erzeugten Lebens­mitteln mag steigen, doch das Vertrauen in Siegel wankt, wenn die Transparenz fehlt.

Solange hinter dem Zertifikat primär wirtschaftliche Interessen stehen, kann die Motivation der Beteiligten nicht Umweltschutz und Tierwohl gelten. Wer die Suche nach einem besseren System bei Margen, Absatz- und Umsatzchancen beginnt, wird ein nachhaltiges Landwirtschaftskonzept bestenfalls zufällig finden.

Heumilch und Weidemilch sind Fortschritte, da sie tendenziell eine Verbesserung der ökologischen Verträglichkeit und des Tierwohls in der Milchproduktion bewirken. Diese kleinen Schritte sind im Sinne der Nachhaltigkeit gut. Das Optimum sieht zweifelsohne anders aus und es sollte zu mehr Anstrengung motivieren, jedoch nicht der Feind des Guten sein. Natürlich müssen wir uns mit weiteren Fragen beschäftigen. Sollten wir Milchkühe überhaupt in Gegenden halten, deren Ökosysteme sie gar nicht tragen können? Sollten wir sie enthornen? Oder auf noch höhere Leistung züchten? Wollen wir diese Schritte angehen, müssen wir zunächst aus dem bequemen Sofa aufstehen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagt der Volksmund. Kontrolle versprechen die Labels allesamt und fordern dafür Vertrauen. Doch angesichts verwirrender und teils schwammiger Vorgaben fällt das schwer. Vollständige Ehrlichkeit und umfassende Transparenz statt halber Wahrheiten erleichtern Vertrauen. Erarbeitet man das gemeinsam als fortwährenden Prozess, braucht es keine Kontrollen mehr. Es hilft, seinen Landwirt selbst zu besuchen und kennenzulernen, ob mit Siegel oder ohne. Vertrauen kann der Erzeuger umsetzen in höhere Margen, denn ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis ermöglicht faire Preise. Wünscht er sich das, kann er seinerseits die Transparenz erhöhen. Optimalerweise trifft er sich mit dem Verbraucher in der Mitte – und nicht im Supermarkt.

Wir können unser Vertrauen in Die Politik stecken und darauf hoffen, dass sie eine Lösung herbeiführt. Die Politik hat den Markt in der Vergangenheit manipuliert durch Subventionen, Regulierungen, Beschränkungen und Exportpolitik. Eingriffe, deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft wir heute ablesen können. Wir können immer mehr Tiere zur Milchproduktion anschaffen9, den Markt weiter mit weißem Wasser überschwemmen und zugleich entgegen den Gesetzen der Marktwirtschaft stabile Preise einfordern.

Oder wir können selbstverantwortlich handeln und unsere Umwelt ganzheitlich begreifen, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen und umfas­send nachhaltig reagieren. Es gibt offenkundig Wege, Milch ökologisch nicht nur weniger destruktiv, sondern konstruktiv zu erzeugen, dabei messbare bessere Qualität zu gewinnen und dies ökonomisch sinnvoll umzusetzen. Dazu gehört mittelfristig wahrscheinlich auch die Reduktion des Produktionsvolumens auf ein wirtschaftlich verträgliches Maß. Nutznießer sind die Umwelt durch bessere Pflege, Landwirte durch bessere Preise und Verbraucher durch bessere Qualität gleichermaßen.

Heumilch: Alles nur Marketing oder das bessere Produkt?

Beides. Heumilch (wie auch Weidemilch) steht für etwas höhere Produktqualität und sorgsameren Umgang mit Tier und Natur. Zugleich sind diese Konzepte Ideen der Vermarktung, motiviert durch höhere Absatzzahlen. Das ist ihre Achillesferse. Heumilch folgt dem alten Paradigma: Jemand wird die Milch schon für diesen Preis vermarkten. Die teilnehmenden Landwirte sitzen zusammen im Beiboot, gezogen vom Kreuzer des Marketings. Erleidet dieser Schiffbruch, attackiert von anderen Labels oder verwüstet durch einen Skandal oder Qualitätsprobleme, leiden die Erzeuger daran ebenso kollektiv, wie schon jetzt am niedrigen Milchpreis. Wirklich zukunfts­weisend und robust wäre ein Siegel wie Heumlich, würde es statt einmaliger Zertifizie­rung eine stetige Verbesserung anstreben. Etwa durch jährliche Erhöhung des Gras- und Heuanteils im Futter, zunehmende Umweltverträglichkeit oder ein Enthornungsverbot10. Das wäre ein klares Bekenntnis zu ökologischer Nachhaltigkeit noch vor dem Umsatz.

Kann ich die Produktionsbedingungen der Milch verbessern?

Wünschen wir uns als Verbraucher diese Schritte, müssen wir sie fordern, zugleich jedoch auch unterstützen. Durch den Kauf ihrer Milch erteilen wir den Erzeugern (ganz gleich ob mit oder ohne Siegel) das Mandat, in unserem Namen das Land zu bewirtschaften. Der Griff zu Heumilch statt Standardmilch sendet ein Signal. Die Macht steckt somit im Portemonnaie des Verbrauchers und wenn dieser sich informiert, konsequent sanktioniert und oft genug den Wunsch nach beispielsweise höherem Gras- und Heuanteil oder behörnten Kühen äußert (schriftlich oder mündlich), werden Erzeuger (oder ein Verband) irgendwann reagieren und sich den Mehraufwand für die Qualität auch bezahlen lassen.

Agieren Verbraucher hingegen inkonsequent und belohnen die Billigproduktion auf Kosten aller, wird sich wenig ändern. Milch ist hierzulande verzichtbar. Kein Kauf ist auch ein Signal.

Die Umsetzung kann auch ein einzelner Landwirt ganz ohne Siegel leisten. Nicht derjenige, dessen Vision primär ein landwirtschaftliches Imperium mit millionen­schwerem Konto ist. Sondern jener, dem Ökologie und Tierwohl aufrichtig am Herzen liegen. Beispiele für erfolg­reiche Direktvermarkter, die Ökologie und Ökonomie vereinen, gibt es genug. »Man kann beides haben« meint und beweist der US-amerikanische Landwirt und Autor Joel Salatin11. Wer will, findet einen Weg. Wer nicht will, findet Gründe.

Wenn mir in einigen Monaten wieder der Sinn nach einem Glas Milch steht, suche ich kein Label für Bio-Heu-Weide-Horn-A2-Rohmilch. Stattdessen beginnt die Suche bei örtlichen Landwirten oder Käsereien. Sie folgt der Spur von Kühen auf einer saftigen Weide, auf deren Heimathof, zu deren Landwirt. Vielleicht werde ich fündig und höre die richtigen Antworten auf meine Fragen. Vielleicht nicht. Es gibt noch viele andere Getränke und Lebensmittel.

Dazu auch: Ist Milch gesund?

Fußnoten

  1. Durchführungsverordnung (EU) 2016/304 der Kommission vom 2. März 2016 zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der garantiert traditionellen Spezialitäten [^]
  2. kurier.at: 50 Cent für Bio-Heumilch, nur 27 Cent für konventionelle (31. März 2016) [^]
  3. topagrar.com: Heumilch: Vom Ladenhüter zum Trendsetter (Rind - Ausgabe 06/2012) [^]
  4. Ginzinger, W.: Vorteile der silofreien Heumilch [^]
  5. Leider ohne jegliche Nachweise: Ginzinger, W., Tschager, E.: Einfluss der Fütterung auf die Qualität von Milch und Milchprodukten (Dr. Wolfgang Ginzinger ist früherer Direktor der Bundesanstalt für Alpenländische Milchwirtschaft in Rotholz) [^]
  6. Die von der ARGE dafür vorgebrachte Studie ist nicht aufzutreiben und die Zusammenfassung (Projekt: Fettsäurespektrum von Heumilch und Heumilchprodukten mit Schwerpunkt CLA und Omega-3 Fettsäuren) deutet eine unsachgemäße Datengrundlage an, jedoch decken sich die Angaben tendenziell mit üblichen Messwerten biodynamisch erzeugter Milch: Max Rubner Institut Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen Bericht für das Kompetenzzentrum für Ernährung, Bayern (November 2014) [^]
  7. Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Agrarminister Meyer: Milchbauern brauchen Hilfe wegen existenzbedrohender Tiefpreise (15. Juni 2015) [^]
  8. Charta Weideland Norddeutschland: Rahmenbedingungen und Kriterien für die Erzeugung und Vermarktung von Weidemilchprodukten im Rahmen des Projektes Weideland Niedersachsen (24. Mai 2016) [^]
  9. AMA: Jahresbericht Milch und Milchprodukte (2014) [^]
  10. Demeter MilchBauern Süd w.V.: Tierwohl [^]
  11. USA Today: Polyface Farm (21. April 2009) [^]

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18 Kommentare zu “Heumilch – die bessere Milch?

  1. Martin

    Hallöle!
    Wie lange dauert es denn eigentlich, bis die Kuhmilch nach der Weidehaltung wieder so ist, wie die “normale” Milch? Also… wenn eine glückliche Kuh auf der Weide rumlief, ihr frisches Gras gefressen hat und nun wieder im Stall steht und abnormales Futter bekommt.
    Auf der Weidemilch vom Discounter steht ja auch irgendwas drauf, daß die Kühe mindestens soundsolange auf der Weide stehen (wenn ich mich nicht irre, aber ich kann gerade nicht den genauen Wortlaut nachschauen), aber ist die Milch dann schon nicht mehr so gut, wenn die Tiere eine Woche im Stall standen?
    Ich hoffe, daß die Frage noch einigermaßen verständlich formuliert ist. Montag morgen halt… 😉
    Lieben Gruß
    Martin

    1. Felix

      Hallo Martin,
      ich finde deine Frage leicht verständlich. Die Antwort wird nicht eindeutig sein, weil zu viele Faktoren involviert sind. Allerdings wird es in der Regel kaum länger als eine Woche dauern, bis es vorbei ist mit der Weidemilch. Ich denke, es wird eher schneller gehen, denn die Kuh produziert nun einmal täglich auf Basis ihrer Nahrung und die ist ausschlaggebend. Hinzu kommt der Einfluss der Silage durch die Stallluft direkt in die Milch, was unmittelbar stattfindet.
      Im Bereich Weidefleisch spricht man auch oft von wenigen Tagen bis einer Woche, bis sich eine Veränderung der Fettsäuren im Fleisch bemerkbar macht. Auch das aber natürlich abhängig von den Variablen. Es kann jedenfalls sehr schnell gehen.

      1. josef

        Als Landwirt habe ich gelernt dass eine Kuh eine regelmäßige Fütterung benötigt. Also sie wird im Frühling an die Weide “herangeführt” mit zuerst Fütterung durch “eingrasen”. Danach langsame Steigerung der Weidefütterung, z.B. einen halben Tag auf die Weide, danach länger. Wichtig ist dass die Kühe eine gute Ausscheidung haben. Keinen “Dünnschiss” sonst verlieren sie ja zuviel der gefressenen guten Nährstoffe. Dieses Weidemanagement kann jetzt nicht bei schlechtem Wetter völlig verändert werden. Das heisst, dann geht der Bauer und holt das Gras von der Weide (eingrasen) und hofft dass die Tiere am nächsten Tag wieder auf die Weide gehen können. Die Tiere werden im begehbaren Auslauf gehalten und kommen nur zum fressen in den Stall, wie im Winter.

      2. Sascha

        Vieleicht ist es auch denkbar dass die Kühe in einem Rotationssystem weiden? Das Endprodukt wäre dann ein Verschnitt, was auch einen gleichbleibenden Geschmack garantiert.

        1. Felix

          Hi Sascha. Klar, Weiderotation geht für Milchkühe auch. Wobei mich gerade selbst überrascht, dass ich davon relativ wenige Berichte lese. Ein Problem ist dabei sicherlich die Mobilität; wenn täglich gemolken werden soll, kann man sich nicht besonders viel rotieren, weil man sich zu weit von der Melkanlage entfernt – es sei denn, man hat eine mobile Anlage. Und die sind noch nicht besonders weit verbreitet (und ich kann mir gut vorstellen, dass sie in Deutschland nicht zugelassen sind).

          1. Christine

            Sie sind in Deutschland schon zugelassen, ich schaue gerne entsprechende Dokus im Fernsehen. Habe sie z. B. bei Büffelhaltern gesehen.

            Das Problem mit der Weiderotation ist vermutlich eher die Grundstückssituation. Hier in meiner Gegend (Süddeutschland) gab es die Realteilung, die Grundstücke waren sehr klein und lagen sehr, sehr weit auseinander. Da gab es praktisch keine Weidehaltung. Wer heute eine anfängt, müsste täglich die Kühe/Büffel umtreiben, das geht beim heutigen Verkehr und der Situation innerorts nicht mehr. Frag mal Weideschäfer, wie die schwitzen, wenn sie über eine Bundesstraße ziehen müssen … Und die müssen keine Zäune setzen.

  2. Bastian

    “Agieren Verbraucher hingegen inkonsequent und belohnen die Billigproduktion auf Kosten aller, wird sich wenig ändern.”
    – Genau so ist es! Das spricht mir sowas von aus der Seele. Jeder trägt selbst die Verantwortung hier etwas zur Lösung beizutragen, und diese nicht auf andere abzuwälzen! 🙂

  3. Nicolai

    Hallo Felix,

    hat zwar nicht direkt was mit deinem Post zu tun aber es geht immerhin um Milchprodukte. Ich habe jetzt schon öfter gehört, dass Milch bzw. Milchprodukte von anderen Tieren wie z.B. Ziegen für den Menschen durchschnittlich gesehen wesentlich besser verträglich sein sollen. Mein Hausarzt meinte mal, dass es schon in der Vergangenheit (Mittelalter?) Schriften gab, die besagten man solle sich nicht an Kuhmilch halten. Gemerkt habe ich das bei mir selbst auch, allerdings handelt es sich nur um ein Gefühl, was trügerisch sein kann und außerdem habe ich da auch nur Weidemilch und Kerrygold Käsescheiben von Kühen mit laktosefreien Ziegenkäsesorten verglichen.

    Falls dir mal die Ideen ausgehen würde ich mich sehr über einen Artikel von dir, welcher sich mit dem Thema beschäftigt, freuen.

  4. andy

    Hi Felix,

    ich meine die deutsche Heumilch von der gläsernen Molkerei. Soll regional( Meck.Pomm/ Schleswig Holstein/Hamburg) sein, nicht homogenisiert und trägt neuerdings das Biolandsiegel. Im letzten Jahr war es Demeter.

    Ich möchte damit meinen Protein aufstocken um auf mindestens 1 Gramm per kG Körpergewicht zu kommen.

    Grund: ich mag sehr gern Joghurt, Käse und Milch.
    Ich schaffe geschmacklich max. 2-3 Eier am Tag.
    Ich kann mir nicht täglich ein Steak vom Weiderind für etwa 6-8 Euro leisten derzeit.

    Ich möchte eine wohlschmeckende Milch, eine Milch der gesunden Form und eine Milch von möglichst artgerecht gehaltenen Tieren.

    Ich kaufe sie derzeit im Biomarkt in Schleswig Holsten für ca. 1, 50

    lg andy

    1. Felix

      Hallo Andy,
      ja, genau die meine ich auch. Als Eiweißquelle kämen auch Pflanzen in Frage, zum Beispiel Pilze oder auch Linsen. So besonders ist der Eiweißanteil in Milch nun nicht, das scheint mir keine effiziente Lösung zu sein.

    2. Christine

      Fetter Kaltwasserfisch, andy! Der bringt nicht nur Protein, sondern auch gute Omega-3-Fettsäuren.

  5. nicolette unterstaller

    Einen guten Satz finde ich “Milch ist hierzulande verzichtbar”.
    Als Nahrungsmittel brauchen wir sie nicht.
    Als Genussmittel vielleicht.
    Es gibt bei uns auf dem wöchentlichen Bauernmarkt den kleinen Stand eines Milchbauern, dessen Kühe fast ganzjährig weidegängig sind und Hörner tragen dürfen.
    Leider darf dieser Bauer auf dem Wochenmarkt keine Rohmilch verkaufen, ihm würde die Konzession entzogen.
    Also muss ich, wenn ich so etwas haben will, einige Kilometer auf seinen Hof fahren, dort gibt es eine Zapfanlage mit Rohmilch.
    Geschmacklich ist diese Milch nicht vergleichbar mit “normaler” Supermarktmilch.
    Natürlich ist die Milch und die verarbeiteten Produkte deutlich teurer als im Supermarkt,
    aber für ein Genussmittel, das ich hin und wieder verzehre, kann ich auch mal etwas mehr ausgeben.

  6. andy

    Lieber Felix,

    was hälst du von der Heumilch der Gläsernen Molkerei? sie hat das Bioland Siegel und ist nicht homogenisiert.

    Ich ersetze damit oft den Proteinshake nach dem Sport oder gege sie in Kaffe

    lg Andy

    1. Felix

      Hallo Andy, überzeugt hat sie mich geschmacklich nicht. Sie unterliegt nicht dem österreichischen Heumilch-Regulativ. Laut telefonischer Auskunft wir dort “selbstverständlich” auch Kraftfutter gefüttert. Im Supermarkt ists sicher dennoch mit die beste Wahl.

  7. Renate

    Hallo Felix,

    ich trinke nur Rohmilch. Neulich hatte ich Rohmilch direkt vom Bauern, die ganz anders schmeckte als die Rohmilch von demeter, die ich normalerweise trinke. Da schmeckte man richtig “die Kuh durch”. Die Kühe standen ganzjährig auf der Weide. Sahnig wie Rohmilch von demeter schmeckte sie aber nicht.
    Wird die Rohmilch von demeter denn noch verarbeitet? Kann diese von “kraftfutterschluckenden und dauerhaft aufgestallten Kühen” stammen? Oder wie kommt der andere Geschmack zustande?

    1. Felix

      Hallo Renate, der Geschmack ist auch von der Rasse und der Fütterung abhängig. Möglicherweise war die eine Milch von Jersey-Kühen, die andere von Holsteinern. Bei Demeter wir nur ein kleiner Teil Kraftfutter zugegeben. Ich würde einfach mal beide Landwirte fragen, was die Hintergründe sind.

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