Was ist Weidefleisch? Und warum überhaupt? (2/2)

Was ist Weidefleisch?Was ist Weidefleisch? Und wie kann dieses Produkt gleichzeitig dafür sorgen, dass wir gesünder leben, unsere Ökosysteme schützen und stabilisieren, der Klimaproblematik entgegen wirken, den Schutz der Tierrechte verbessern sowie massive soziale und kulturelle Verbesserungen herbeiführen?

Dieser zweiteilige Artikel erläutert unter anderem folgende Konzepte

  • Was ist Weidefleisch?
  • Weidehaltung pflegt und schützt Ökosysteme
  • Weidehaltung wirkt der Klimaerwärmung durch Bindung von CO2 entgegen
  • Weidefleisch ist gesünder
  • Weidefleisch schmeckt besser
  • Weidehaltung verbessert soziale Bedingungen
  • Weidehaltung fördert die Esskultur
  • Weidehaltung ermöglicht die Genesung der Nahrungskette
  • Weidefleisch ist wahrscheinlich nicht teurer als Fleisch aus Intensivtierhaltung

Teil 1 dieses Artikels erläutert, was Weidefleisch überhaupt ist und welche biologischen Argumente für die Weidehaltung sprechen. Heute geht es weiter mit den qualitativen, sozialen und kulturellen Vorteilen dieses Konzepts sowie einem Überblick zur Umsetzbarkeit.

Qualitative Argumente für Weidefleisch

Schauen wir uns noch einmal genau an, was die Kraftfuttermast für Auswirkungen auf die Produktqualität (Fleisch und Milch) hat: Konjugierten Linolsäuren (CLA) sind Fettsäuren, die das Potential haben, beim Muskelauf- und Fettabbau zu helfen. Mit einsetzender Kraftfuttermast bilden sie sich im Fleisch jedoch zurück, ebenso wie der Anteil der für den Menschen wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Es kommt zur stärkeren Marmorierung, der Verteilung von Fettadern im Fleisch, welches die Industrie erfolgreich als Qualitätsmerkmal hervorhebt. Der Wasseranteil erhöht sich, solches Fleisch schrumpft unter Hitzeeinwirkung stark zusammen. Die Fütterung mit Getreide und Soja führt auch zu einem anderen, schwächeren Fleischgeschmack.

Rinder in Massentierhaltung führen ein stressiges Leben, dies wirkt sich hormonal auch auf ihr Fleisch aus. Aus der Jagd ist dies bekannt, es ist dort zum Beispiel ein wichtiges Argument für einen einwandfreien Schuss und einen kurzen, schmerzlosen Tod des Tieres, da die auf der Flucht oder im Todeskampf ausgestoßenen Stresshormone sich geschmacklich feststellen lassen. Hinzu kommt die Belastung ihres Fleischs durch Schadstoffe im Futter sowie durch etwaige verabreichte Medikamente.

Stress kann auch für Weiderinder nicht immer ganz vermeiden werden: Denn irgendwann haben sie nach einem schönen Leben einen schlechten Tag und werden zur Schlachterei gefahren. Dieser Transport, allein die Entfernung aus dem ihnen vertrauten Lebensraum, bedeutet Stress. Das Ausmaß dieses Stress ist allerdings abhängig vom Halter und dessen Umgang mit den Tieren sowie natürlich von der Dauer des Transports. Die meisten Weiderindhalter sind sich der Problematik bewusst und wählen eine Schlachterei in der Nähe, oftmals dauert der Transport so keine 10 Minuten.

Eine Schlachtung – oder Tötung – des Tieres auf der Weide wäre optimal und sie ist mittlerweile möglich. Erforderlich dafür ist eine sogenannte Mobile Schlachtbox und entsprechende Genehmigungen. Das Rind wird dann aus nächster Nähe unter optimalen Bedingungen erschossen, erfährt also keinen Stress. Selbstverständlich ist dies nicht nur hinsichtlich der Qualität, sondern auch aus moralischer Sicht die bessere Lösung.

Zusammenfassung der qualitativen Argumente:

  • Weidefleisch hat größere Anteile der gesundheitlich vorteilhaften CLA und Omega-3-Fettsäuren
  • Weidefleisch enthält weniger Wasser, dafür anteilig mehr Nährstoffe und Geschmack
  • Weidefleisch enthält weniger (idR keine) Antibiotikarückstände
  • Weidefleisch leidet kaum bis gar nicht durch Stresshormone

Soziale Argumente für Weidefleisch

Der Einstieg in die Intensivtierhaltung ist teuer. Um wirtschaftlich arbeiten zu können und konkurrenzfähig zu sein ist die Massenproduktion nötig, an Tag 1 steht also die Anschaffung eines Stalls, entsprechender Geräte und vieler Tiere. Das ist eine große Investition mit entsprechendem Risiko, die sich nicht jeder leisten möchte. Das Modell ist nicht einfach skalierbar.

Die Weidehaltung ermöglicht jedoch den Einstieg in die Rinderhaltung mit nur wenigen Tieren und etwas Weide. Alle nötigen arbeiten sind manuell zu erledigen. Zugleich ist die Expansion stufenlos möglich durch Hinzunahme weiterer Flächen und Tiere.

Weidehaltung ermöglicht also den Einstieg in die Viehwirtschaft mit geringem Risiko. Da die Produktion nicht mit der Intensivtierhaltung konkurriert, ist der Druck geringer und die Arbeitsbedingungen angenehmer – für alle Beteiligten, den Schlachter eingeschlossen.

Bei Weidefleisch steht die Qualität im Vordergrund, nicht der Preis. Und es sind wenige Hände am Gesamtprozess von der Weide auf den Tisch beteiligt. Dies ermöglicht eine gesunde Pflege der gesamten Nahrungskette, kurze Wege und so eine hohe Transparenz.

Familienbetriebe haben so eine  Chance, zurückzukehren oder zu genesen und sich abseits der großindustriellen Modelle zu etablieren. Dies demokratisiert die Lebensmittelproduktion und befördert die Macht über die Nahrungskette aus der Hand weniger zurück in die Hände vieler.

Zusammenfassung der sozialen Argumente:

  • Weidehaltung ist ökonomisch einfach skalierbar
  • Weidehaltung lässt sich leicht anfangen, mit geringem Risiko
  • Weidehaltung fördert die Qualität, nicht den günstigsten Preis
  • Weidehaltung ermöglicht das Fortbestehen von Familienbetrieben
  • Weidehaltung entmachtet Großkonzerne und ermöglicht eine unabhängige Nahrungskette

Kulturelle Argumente für Weidefleisch

Für das Kilo Weidefleisch zahlen wir an der Kasse einen höheren Preis als für die gleiche Menge Fleisch aus Intensivtierhaltung. Einer der Gründe dafür ist die Externalisierung von Kosten: Intensivtierhaltung wird durch Subventionen gefördert, beschädigt die Umwelt und zerstört regionale Wirtschaftskreisläufe. All dies sind Dinge, für die der Verbraucher nicht an der Supermarktkasse, jedoch durch seine Steuergelder aufkommt.

Der höhere Preis des Weidefleischs ist hingegen der echte, der realistische Preis. Er signalisiert "ich bin wertvoll". Er hat das Potential, die Wertschätzung der Lebensmittel wieder zu erhöhen, der Wegwerfkultur ein Ende zu bereiten.

Und er gebietet vielleicht auch am Esstisch einen Moment andächtiger Ehrfurcht vor all denjenigen, die an der Produktion des Bratens beteiligt waren – allen voran das Tier.

Das wertvolle Produkt Weidefleisch fördert so die Esskultur.

Zusammenfassung der kulturellen Argumente:

  • Weidefleisch reflektiert die wahren Kosten der Lebensmittel
  • Weidefleisch erhöht die Wertschätzung des Fleischs und der gesamten Nahrungskette
  • Weidefleisch fördert die Esskultur

Die Umsetzbarkeit

Kaum eine Diskussion über Weidefleisch kommt ohne eine Thematisierung der Umsetzbarkeit aus. So könne man das Land nicht ernähren, den Bedarf nicht decken, heißt es. Und sowieso sei das alles viel zu teuer.

Zum Bedarf: Der Mensch hat keinen Fleischbedarf. Und die dann gerne in den Raum geworfene Zahl von 70kg Fleischverzehr pro Person und Jahr (in Deutschland) ist selbstredend grober Unfug. Denn über ihre Korrektheit wissen wir nichts und können wir nichts wissen: Denn wir wissen nicht, was jeder einzelne wirklich isst.

Vom Verzehr kann also keine Rede sein, eher vom Verbrauch. Der lässt sich messen. Zum Beispiel über das jährlich in Deutschland verkaufte Fleisch aufgeteilt auf die Bevölkerung. Aber wo verkauft? An Supermarktkassen oder vom Großhändler an die Einzelhändler? Eher letzteres.

Diese Zahl umfasst also nicht wirklich den Verbrauch der Endkunden. Sonden sie umfasst zusätzlich die rund 50% der täglich in deutschen Geschäften weggeworfenen Lebensmittel.

So sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch, sollte oben genannte Zahl wirklich stimmen, schnell auf 35kg. Und dies umfasst noch immer nicht das, was der Endkunde selbst vielleicht wegwirft. Und so sinkt der Verzehr weiter.

Doch all diese Rechnerei ist müßig, denn es bleibt dabei: Der Mensch hat keinen Fleischbedarf. Der Ist-Zustand ist daher überhaupt nicht relevant. Und dies bringt uns zum zweiten Punkt des Anstoßes: Dem Preis.

Die gleichen Argumente, die in der Verbrauchsdiskussion angesprochen werden, sind auch hier relevant. Wenn über die Hälfte des derzeit gekauften Fleischs auf dem Müll landet, ist dann nicht jedes Kilo Fleisch auf dem Teller in Wahrheit doppelt so teuer?

Sollten wir die externalisierten Kosten, die Subventionen, Umweltschutzmaßnahmen und Wirtschaftsfördergelder, die aus Steuergeldern finanziert werden, wirklich weiter ignorieren?

Und bestimmt sich der Preis nicht durch Angebot und Nachfrage oder vielmehr: Hängen Preis, Angebot und Nachfrage nicht so eng zusammen, dass durch die Änderung eines einzelnen Faktors sich nicht auch die anderen ändern? Ist vorstellbar, dass bei steigendem Fleisch die Fleischnachfrage sinkt, dementsprechend auch das Angebot nicht so groß sein muss und dadurch die Versorgung durch extensive Weidehaltung möglich wird?

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass das Kilo Weidefleisch oft für weniger als 8-12 Euro den Besitzer wechselt, einen vergleichsweise geringen Preis, wirkt der Vorwurf der Nicht-Umsetzbarkeit aus Kostengründen realitätsfern.

Besonders dann, wenn wir die weiter oben genannten biologischen, qualitativen, sozialen und kulturellen Argumente mit einbeziehen. Denn dann ist gut möglich, dass Fleisch aus Weidehaltung nicht teurer ist als solches aus Intensivtierhaltung.

Weidefleisch, im krassen Gegensatz zur Intensivtierhaltung, ist ein einfach umsetzbares, nachhaltiges Konzept zur Nahrungsmittelversorgung.

Zusammenfassung zur Umsetzbarkeit:

  • Verbrauch ist nicht gleich Verzehr
  • Bei der Diskussion der Preise müssen die externalisierten Kosten Beachtung finden.
  • Weidehaltung führt zu einer Verbesserung sozialer und kultureller Bedingungen, zu einer Qualitätssteigerung, zur Genesung von Ökosystemen und nicht zuletzt zur Reduktion der Klimaproblematik durch Bindung von CO2.

Und jetzt?

Es liegt an Ihnen, eine Entscheidung zu treffen. Argumente gibt es reichlich. Entscheiden Sie selbst, was Ihnen wichtig ist. Und keine Bange, falls Sie die Ungewissheit scheuen oder nicht wissen, wie sie anfangen sollen. Genau dafür finden Sie hier den passenden Artikel mit Links und Hinweisen zu allem weiteren, was sie für die Praxis gebrauchen können:

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19 Kommentare zu “Was ist Weidefleisch? Und warum überhaupt? (2/2)

  1. Tobin

    Danke für diesen Artikel. Ich bin beim Surfen zufällig auf den Text mit den
    blutrünstigen Vegetariern (Spass!) gestossen und dann zu diesem verlinkten. Ich
    verstehe die Aufregung wirklich nicht und finde die Denkanstöße, die der Text
    gibt, sehr gut, da ich mir selber schon oft Fragen dieser Art gestellt habe.
    Ich war eine Zeit lang Vegetarier aus ethischen Gründen, aber mir schmeckt nun
    einmal Fleisch…Ich finde aber, dass man irgendwie auch moralische Probleme
    bekommt, wenn man z.B. Kaffee oder Orangensaft trinkt. Ich tue dies
    übrigens…Ich denke jedoch, dass es schon einmal überhaupt was ist, wenn man
    sich seine Gedanken macht. Ich schmeisse grundsätzlich kein Essen weg. Mit
    guter Lagerung, Planung und Resteverwertung kommt man echt sehr weit und es
    spart Geld, obwohl ich meines Erachtens nach “gute” Ware kaufe. Ich esse
    Fleisch, Eier etc. nicht allzu oft und achte beim Einkauf darauf, woher das
    Produkt kommt. Oft bekomme ich auch etwas von einem Freund, der Jäger und
    Landwirt (mit Weideland!) ist, und das Tier dann aber auch komplett verwertet.
    Irgendwie finde ich es schon nervig, wenn man von Bekannten dumm wegen dem
    Gebrauch von tierischen Produkten (Leder, Eier, Milch) angemacht wird (der
    Jäger auch), vor allen Dingen, wenn man mitbekommt, welche pflanzlichen
    Produkte sie kaufen und was dann alles in der Tonne landet. Ich bin doch kein
    Mörder, ein Tiger ist es auch nicht. Ich finde, dass Tierleben sehr wertvoll
    ist und dass man wertschätzen sollte, was es in der Natur gibt. Also suuuper
    Webseite 🙂 Weiter so!

  2. Marco Tullney

    Schöne Idee, aber wenn Fleisch dadurch teurer wird, finde ich das unakzeptabel. Oder findet der Autor, dass Fleisch den Reichen vorbehalten bleiben soll?

  3. uwe

    Wo soll denn all die Weidefläche herkommen, für die Fleischproduktion für 7 200 000 000 Menschen?
    Wäre das nicht ein interessanter Punkt?
    Oder hat nur die westliche Elite ein Recht auf Fleischverzehr?

    1. Felix

      Uwe,
      deine Frage zielt auf eine globale Lösung. Die kann und sollte es meiner Meinung nach nicht geben. Vielmehr sollte jede Region sich selbst ernähren und diese Ernährung wird überall anders aussehen. Da es kein gesundes Ökosystem ohne Tiere gibt, wird aber immer auch tierisches Eiweiß verfügbar sein.
      Davon abgesehen haben wir in Deutschland derzeit rund 4 mio ha Grünland – zumindest laut statistischem Bundesamt. Würde man das vollständig für Viehwirtschaft nutzen, könnte man darauf jährlich rund 55kg Fleisch (Rind, Schwein, Pute, Hähnchen, Kaninchen) und 420 Eier pro Bundesbürger produzieren. Das sind überschlagene Zahlen anhand von Joel Salatins Produktivitätsangaben. Ich würde sagen: Das ist eine ganze Menge.

  4. Andreas

    Dein Artikel ist unter ökonomischen Betrachtungsweisen gut und interessant. Wirklich geschockt hat mich aber dieser Auszug:

    “Das Rind wird dann aus nächster Nähe unter optimalen Bedingungen erschossen, erfährt also keinen Stress. Selbstverständlich ist dies nicht nur hinsichtlich der Qualität, sondern auch aus moralischer Sicht die bessere Lösung.”

    Eigentlich wollte ich hier gar nicht mehr weiter lesen. Ich weiß nicht warum Du und so viele (zu viele) andere Menschen glauben, dass es überhaupt irgendwie moralisch vertretbar sei, ein Tier bzw. ein anderes Lebewesen aus reiner persönlicher Präferenz und Bequemlichkeit zu töten. Ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion anzetteln, nur finde ich es sehr bedenklich wenn man “Moral” oder noch schlimmer “humanes töten” in diesem Kontext fallen lässt.

    1. Felix

      Andreas, ich finde die genannte Methode vertretbare als eine vorherige Quälerei. Ich finde sie auch besser als das Anlegen eines Ackers, was mit der Zerstörung eines ganzen Ökosystems einhergeht. Und letztlich auch vertretbarer als die Herstellung (und natürlich auch Benutzung) von elektronischen Geräten wie Smartphones oder billigen Computern, für deren Rohstoffgewinnung nicht nur Tiere, sondern auch Menschen leiden. Auch dann, wenn ersteres viel brutaler klingt und für uns besser sichtbar ist. Und eigentlich auch vertretbarer als den Kauf von billigem Kaffee und Bananen, für die Bauern bestenfalls einen Hungerlohn bekommen.
      Aber deine Moralvorstellungen sind deine Sache.

      1. Andreas

        Felix, wenn Du so argumentierst, könntest Du am Ende natürlich auch sagen, dass das “nicht geborene Tier” (aus welchem Grund auch immer) ebenfalls unter “Mord” bzw. “töten” einzuordnen wäre. Die Äcker von denen Du sprichst werden zu einem Großteil wie Du sicherlich weißt, für die Massentierhaltung und Ernährung angelegt. Auch wenn Du darauf hier kritisch eingehst, sollte man diese lose-lose Situation nicht übersehen.
        Bei den anderen Punkten gebe ich Dir sogar recht. Das in unserem bestehenden Wirtschafts- und Geldsystem unfassbare Verwerfungen vorliegen, da sind wir da core. Nur finde ich es wiederum zweifelhaft, andere “moralische Unsitten” bzw. Ungerechtigkeiten ranzuziehen, um diesen Tatbestand zu rechtfertigen (töten von Lebewesen aus puren Genuss- und Bequemlichkeitsgründen).

        Aber ganz so hart will ich gar nicht argumentieren. Ich wäre froh, wenn sämtliche Tiere die aus diesen Gründen getötet werden, auf Weiden aufwachsen würden. Leider ist das, wie wir wohl auch beide wissen, eine Illusion und wird es immer bleiben. Die unglaublichen Flächen und Resourcen die man bereit stellen müsste, wären jenseits von Gut und Böse um es mal mit Nietzsche zu sagen.
        Noch ehrlicher richtiger wäre es, wenn dann jeder selbst zu dem Tier auf die Weide marschieren und es töten würde, face to face.

        Selbstverständlich, um noch mal auf Deinen Querverweis zu kommen, sollte man auch versuchen Produkte zu fördern die aus “fair trade” Quellen stammen. Regionaler Konsum und nicht bei Großkonzernen sein “Geld lassen”, die für die Ausbeutung bekannt sind.

        1. Felix

          Die Äcker von denen Du sprichst werden zu einem Großteil wie Du sicherlich weißt, für die Massentierhaltung und Ernährung angelegt.

          Moooment, eben waren wir noch bei der Weidehaltung und jetzt schiebst du die Futterproduktion für Intensivtierhaltung rein und willst im gleichen Atemzug vorgeben, dein Gemüse wüchse nicht auf einem Acker?

          Nur finde ich es wiederum zweifelhaft, andere “moralische Unsitten” bzw. Ungerechtigkeiten ranzuziehen, um diesen Tatbestand zu rechtfertigen

          Das tue ich nicht. Ich rechtfertige nicht, aber ich frage nach echten Alternativen. Ich sehe in letzter Konsequenz keine.

          Ich wäre froh, wenn sämtliche Tiere die aus diesen Gründen getötet werden, auf Weiden aufwachsen würden. Leider ist das, wie wir wohl auch beide wissen, eine Illusion und wird es immer bleiben.

          Da irrst du dich. Du magst das denken. Aber es wird nur so lange eine Illusion bleiben, wie es niemand ausprobiert, unterstützt und für möglich hält. Derzeit wächst dieser Bereich. Ich denke nicht nur, dass es eine Möglichkeit für die Zukunft ist, sondern die einzige Alternative. Bedeutet das höhere Preise und geringeren Konsum? Natürlich.

          Was das selbst Töten oder Schlachten angeht, so sind wir mit der Arbeitsteilung so weit, dass das nicht mehr nötig ist und ich denke es reicht die regionale/lokale Ernährung, wo den Prozess wenigstens noch jeder mitverfolgen kann. Allein das reicht und sollte dafür sorgen, dass Menschen nicht mehr denken, Fleisch wüchse im Supermakt auf weißen Plastikschalen.

  5. Dietmar

    Ja, wenn es so wäre, dass “der Mensch” ökologisch denken und fühlen würde, bräuchten wir uns als Spezies Mensch keine Sorgen über die Zukunft machen. Nur so einfach läuft der Hase eben nicht. Ich bin total Ihrer Meinung, dass Weiderinderhaltung gut für “unser” ökologisches System wäre. Unter “unser” meine ich das menschlich gedachte ökologische System. Bedenken Sie aber, dass überwiegend Schweine von Menschen gegessen werden. Da ist es mit der “Weidehaltung” dann nicht mehr weit her. Da wird umgegraben, gesuhlt und vernichtet. Aber “der Mensch” im Allgemeinen isst eben gerne Schweinefleisch. Das hat auch mit der diesbezüglich Werbe- und Vermarktungsstrategie zu tun. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Betriebe, die auf tierfreundliche Haltung achten. Wenige, aber es gibt sie. Genau wie bei Rindern. Es gibt wenige davon. Überwiegend sind es industrialisierte Betriebe. Da steht der Preis über der Ethik.
    Ich finde es auch schade, dass Ihr Artikel über das “Blutvergießen der Vegetarier?” so endete. Aber im Wesentlichen nehme ich an, war das von vorneherein klar. War ja aufgelegt. Dazu fällt mir Arno Grün ein: “Die Erfüllung sozialer Normen kann dazu dienen, einer Neigung zur Gewalt zu frönen und dies zugleich zu verleugnen.” (Der Wahnsinn der Normalität, Seite 83) Indem Sie einerseits die gute Art der Tierhaltung in der Weidetierhaltung darstellen, sie auch fördern wollen, sie sogar gut heißen blenden sie andererseits aus, dass “der Konsument” nach dem Billigeren greifen wird. Sie verkennen, dass der überwiegende Teil der Menschen durch die Werbung darauf fixiert ist, das Fleisch ein essentieller Bestandteil des Essens sein “muss”. Und es ist Gewalt, die Lebewesen angetan wird um als unser täglich Fleisch auf dem Teller zu landen. Das ist nicht zu leugnen. Es kommt darauf an, wie hoch diese Gewalt von uns Menschen eingeschätzt wird. Das Lebewesen wird dazu nicht befragt. Anders würde es sich verhalten, wäre dieses Lebewesen ein Mensch.
    Genau deshalb finde ich persönlich ihren Artikel über das Blut an den Händen von VegetarierInnenn/VeganInnen polemisch und dem Leben an sich herabwürdigend. Wäre es so, dass “der Mensch” ökologisch, emphatisch denken würde, wäre das Leben wunderbar. Die Praxis zeigt leider ein anderes Bild.

    1. Felix

      Auch Schweine kann man nachhaltig halten (s.a. abermals Joel Salatin). Zumal bei der Phrase “Ökosystem zerstören” ohnehin Vorsicht geboten ist, denn Schweine in der Wildnis (und auch Elefanten und und und) tragen durchaus zur Umwälzung oder “Zerstörung” von Ökosystemen bei, aber da die Folge ist dann meist ein anderes natürliches Ökosystem. Wenn der Mensch seine Acker anlegt, ist danach (bei dauerhaftem Ackerbau) nichts anderes mehr. “Zerstört” müsste man also wohl so umformulieren, dass es meint “für den Erhalt der Lebensgrundlage des Menschen verloren”. Denn den Planeten kümmert es unterm Strich nicht, was wir machen. Wenn wir irgendwann alles in Wüsten verwandelt haben und kein Mensch mehr hier lebt, wird das Leben trotzdem weitergehen. Nur eben ohne uns.

      Darüber hinaus blende ich “die Suche nach dem billigsten” keineswegs aus. Im Gegenteil. Ich nehme sie zur Kenntnis und versuche, etwas daran zu ändern, statt mit den Schultern zu zucken und zu resginieren. Wie die Praxis IST interessiert mich nur am Rande. Ich weiß, wie sie sein KANN und dass wir da hin KÖNNEN. Das ist relevant.

  6. Thomas

    Eher als Rinder findet man hierzulande vielleicht Schafe, die in ziemlich umfassender Weidehaltung aufgezogen werden, u.a. in Landschaftspflegeprojekten. Falls sie im Winter überhaupt aufgestallt werden, werden sie im Stall oft (fast) ausschließlich mit Heu ernährt. Aber auch da gibt es Unterschiede zwischen den ursprünglicheren Landschafrassen und den “modernen” Fleischrassen. Letztere sind mit einer reinen Gras- und Heudiät nicht gesund zu halten und brauchen wie die “modernen” Hochleistungsrinder allerlei Kraftfutter.

    Eine andere relativ saubere Fleischquelle wäre der Einkauf von Wildfleisch beim örtlichen Jäger. Auch nicht 100% weiße Weste, aber möglicherweise die “artgerechteste” “Tierhaltung”, die man bei uns findet, oder?

    Beste Grüße — Thomas

  7. Leot

    „Weil es im Internet steht, muss es stimmen…“
    Daher meine Frage: Woher stammen folgende Fakten und wurden diese Fakten durch weitere unabhängige Quellen bestätigt?
    • Wälder sind statisch bezüglich der CO2-Speicherung.
    • Die Humusschicht einer XY Jahre alten Wiese ist CO2-technisch einem XY Jahre alten Wald überlegen?
    Antwort bitte mit den betreffenden Links oder Buchreferenzen.

    Gegenzitat: „Aus diesem Grund […] stellen Wälder den effektivsten Landnutzungstyp im Zusammenhang mit Kohlenstoffspeicherung dar.“
    Entnommen aus: http://www.prima-klima-weltweit.de/prima-klima/faq.php?faq=frage_3
    Wer jetzt recht hat, lasse ich dahingestellt.

    Off Topic:
    Ich find’s schade, dass im Artikel “Verursachen Vegetarier mehr Blutvergießen als Fleischesser?” die Diskussion so aus dem Ruder gelaufen ist. Ein Untertitel “Diese Frage wird nicht beantwortet.”, hätte die Gemüter vielleicht beruhigt. Der Titel verleitet dazu, einfach mal drauf los zu fuchteln ohne den Artikel zu lesen. Das kann man nicht abstreiten.
    Der Artikel wirft leider mehr Fragen auf, als er Antworten gibt. Schade.
    Außerdem wird ein unzulässiger Vergleich gewählt. Zulässige Vergleiche wären gewesen:
    Industrielle Fleischproduktion – Industrielle Monokultur
    Naturnahe Fleischproduktion – Naturnaher Pflanzenanbau

    ABER: Naturnahe Fleischproduktion mit industrieller Monokultur oder halbherzigem Bioanbau zu vergleichen führt zwangsläufig zu nichts. Ist wie die Sache mit den Äpfel – Birnen. Sieht lustig aus, bringt aber nichts.

    Wer würde den zulässigen Verleich “Naturnahe Fleischproduktion – Naturnaher Pflanzenanbau” gewinnen? Das wäre mal ein interessanter Artikel!

    Beste Grüße
    Leot

    1. Felix

      Leo, es ist interssant, dass du meinst, derjenige zu sein, der das Monopol auf die “Zulassung” von Vergleichen hat. Aber gut, das sei dir überlassen. Da der Vergleich Industrielle Fleischproduktion – Industrielle Monokultur – Naturnaher Pflanzenanbau schon überall im Internet stattfindet, wenn vegan lebende Menschen mit rosa Brilla argumentieren, finde ich das langweilig und redundant. Warum nochmal auf dem Pferd der industriellen Fleischproduktion herumreiten?

      Die Quellen findest du jeweils unter den Artikeln, deine beiden konkreten Fragen werden unter anderem in Anita Idels Buch “Die Kuh ist kein Klima-Killer” beantwortet. Das Buch, da warne ich dich gleich, liest sich sehr zäh und ist mMn sehr sperrig formuliert. Gehaltvoll ist es allerdings und die genannten Angaben sind mit reichlich Quellen belegt.
      Andernfalls könntest du dir die Videos von Joel Salatin anschauen bzw. generell in das Weidemanagement eintauchen.

      1. Leot

        Ja, ich habe das Monopol auf Vergleiche. Dachte nicht, dass du mir dahinter kommst. 😉

        Aber jetzt lassen wir mal gut sein. Die Idee mit dem Weidefleisch bzw. extensive Weidetierhaltung find ich gut. Wenn das weltweit die einzige Art der Fleischproduktion/-beschaffung wäre… Schöne Sache.

        Bist du der Meinung, dass Menschen, die ihr Geld mit Weidefleisch verdienen
        A: Ihr Weiderevier nicht abstecken und dadurch anderen Carni- und Herbivoren die Möglichkeit geben zu gedeihen und zu sprießen (=kleinstmögliche Einmischung ins Ökosystem Wiese/Weide/etc.) oder
        B: Es nicht doch so sein wird, dass Zäune errichtet werden und somit anderen größeren Herbivoren Revier weggenommen wird oder/und etwaiger Weideviehverlusst durch Wölfe/Bären/Tiger/etc. durch Tötung der entsprechenden Raubtiere vergolten wird. Wodurch das Weidefleisch dann doch wieder nicht gar so unblutig da steht.

        Dabei geht’s nicht darum, was man gerne hätte. Sondern wie die Menschen ticken. Es wird wohl Antwort B sein, da es weitläufig um “mein Weidevieh”, “mein Land”, “mein Besitz” geht. Und diesen Besitz trachtet man im Regelfall zu schützen.

        Das würde dann wieder zu zwei Kategorien von Weidefleisch führen:
        A) Weidefleisch mit “Natürlichkeitssiegel”. Wenig bis keine Einmischung des Menschen (Weidemanagement wäre wahrscheinlich ok). Sicherlich möglich. Wie viele werden diesen Weg wählen und Verlusste durch Raubtiere hinnehmen bzw. die Wiederansiedlung solcher Raubtiere begünstigen?
        B) Weidefleisch für das andere Spezies leiden/sterben/zurückstecken müssen.

        Und bei beiden Varianten ist die blütenweiße Weste dahin. Warum?
        Bei A: Die unbeabsichtigte Wiederansiedlung von Bären, Wölfen und anderen Raubtieren, die durch den Menschen verdrängt wurden, ist in vielen Ländern nicht gerade populär. Egal wie fein es dem Weidevieh dabei geht.
        Bei B: Aus genannten Gründen.

        Bin ich jetzt gegen Weidefleisch? Nein. Ist insgesamt auf jeden Fall besser als jede Form der industriellen Fleischproduktion.

        Beste Grüße
        Leot

        1. Felix

          Leot – es bleibt natürlich dabei: Wenn einer isst, hat ein anderer das Nachsehen. Wenn der Löwe das Zebra reißt, ist es für den Geparden nicht mehr vefügbar.

          Dennoch ist die “friedliche” Nutzung von Grünland die weniger belastende Methode als der Umbruch zum Ackerbau.

          Dass der Mensch sein Revier bestmöglich verteidigt, versteht sich von selbst. Das macht der Bär auch. Nur ist der Mensch eben erfolgreicher. Nicht immer, aber meistens.

        2. Ulf

          In Nordontario findet die meiste Viehzucht in Form von Weidezucht statt. Die Rinder/Kühe/Kälber stehen einfach das ganze Jahr auf der Weide, im Winter wird der ein oder andere Heuballen den Tieren gegeben, wenn das Gras unter dem Schnee verschwunden ist.
          Zäune, ja es gibt Zäune, die die Rinder meist innerhalb des Geländes halten.
          Tiere wie Bären, Wölfe, Elche etc. lassen sich von den Zäunen nicht aufhalten und teilen das Gebiet mit den Rindern. Nur sehr selten kommt es auch dazu daß Wölfe mal ein Kalb reißen, als Herdentier sind die Rinder und Kälber nicht so interessant für die Wölfe wie andere Wildtiere. Insgesamt stellen also Wölfe und Bären (die lieber kleinere Tiere essen) KEINE Bedrohung für die Rinderherden dar.

          Die Befürchtungen kommen immer nur von den Städtern, die keine Erfahrung haben.

          Es gibt auch noch genügend Gelände, daß die Weidezucht problemlos vergrößert werden kann, wenn der Bedarf an diesem hochqualitativem Fleisch steigen sollte.
          Aktuell, u.a. durch die Konkurrenz des billigen “Industriefleischs”, liegen viele Flächen einfach nur brach und verwildern zu Waldgebieten. Eine Reaktivierung wäre einfach und preiswert, aber wird leider erst passieren, wenn der Kunde hochwertiges Fleisch an der Theke verlangt und nicht wegen 5ct Unterschied das schlechte Fleisch nimmt.

  8. Michael

    Hi Felix,

    mal wieder ein super Artikel, vielen Dank.
    Planst Du noch einen dritten Teil?
    Es würde ja noch sehr viel zum Thema Weiderinderhaltung zusammen mit anderen Tieren, wie z.B. Hühnern (Stichwort Poly Farm) , zum sagen geben. Auch das Thema der Integration von Weidetierhaltung und Permakultur finde ich interessant.

    Viele Grüße
    Michael

    1. Felix

      Hi Michael,
      Pläne gibt es immer, aber dieser Artikel ist erstmal abgeschlossen. Die genannten Themen haben mit der Frage “Was ist Weidefleisch?” nur am Rande zu tun, auch wenn sie sehr wichtig sind. Aber das wollte ich trennen. Der Rest….kommt irgendwann. Es gibt noch so viel zu tun.

Kommentare geschlossen.

Vielen Dank für Ihren Kommentar, leider kann ich nicht immer auf alle reagieren. Zugunsten der Mitleser lösche ich Kommentare ohne Themenbezug und Kontext. Einige Kommentare muss ich manuell freischalten; in der Regel binnen 48 Stunden.