Wie wird man die hartnäckigen letzten Kilos los?

Bauch
Der flache Bauch. Möchte man ihn erreichen? Und wenn ja, wie geht das?

Es sind die letzten paar Kilos. Die kleine Beule am Bauch, die sonst niemand sieht. Das Polster auf den Hüften, das sich einfach nicht verabschieden mag. Hartes Training will einfach nicht helfen und auch die absolut konsequente Ernährungsumstellung kann das Problem nicht lösen. Wie wird man sie also los, diese selbstbetitelten letzten Makel an der eigenen Figur?

Muss man einen flachen Bauch haben?

Zunächst sollte man klären, ob dieses Fettpolster wirklich so überflüssig ist. Der Körper hat seine Gründe, an einer bestimmten Menge Fett festzuhalten –für Notzeiten zum Beispiel– und die Verteilung eben dieses Fettes ist nicht immer das, was wir als optimal empfinden. Bevor wir also der Magersucht verfallen, sollten wir ehrlich zu uns selbst sein. Leiden wir vielleicht einfach unter einer verzerrten Selbstwahrnehmung? Vielleicht lässt sich die gewünschte Figur nicht durch eine Abnahme von Fett, sondern eher durch einen Aufbau von Muskelmasse an anderer Stelle erreichen?

Nachdem diese Frage geklärt ist, geht es hier ans Eingemachte. Um abzunehmen, müssen wir die hormonellen Weichen im Körper stellen. Dies kann durch eine Justierung des Makronährstoffverhältnisses (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) passieren. Ganz am Ende ist jedoch die Kalorienbilanz relevant: Wer abnehmen möchte, muss mehr Energie verbrauchen als er seinem Körper zuführt. Allein die Umsetzung dieses Trivial klingenden Grundsatzes fällt schwer. Denn der Körper unterliegt der Biologie und nicht der Mathematik, weswegen Kalorienzählen allein selten funktioniert.

Es ist durchaus sinnvoll, sich vorher den Artikel “Einfach abnehmen mit Urgeschmack” und das Video “Wie kann man am besten abenehmen?” zu Gemüte zu führen, die folgenden Tipps sind eine Erweiterung des Materials.

6 Schritte, um die hartnäckigen letzten Kilos loszuwerden

1. Das Essen in Maßen genießen und vielfältige, nährstoffreiche und echte Lebensmittel in vernünftigen Mengen essen.

Das heißt: Essen Sie nur frisches Gemüse und nur hochwertiges Eiweiß. Trinken Sie Wasser. Kurz: Gestalten Sie eine vollwertige Mahlzeit, vielleicht mit einem Stück Obst als Dessert. Übertreiben Sie es jedoch nicht mit der Menge. Sich bis zur totalen Völle vollzuessen ist selten eine gute Idee. Das Sättigungsgefühl benötigt einige Zeit, um dsen Appetit zu zügeln. Essen, kauen und genießen Sie langsam, in Ruhe und bewusst. Nur natürliche, echte Lebensmittel bieten ihrem Körper ausreichend Nährstoffe, um langfristig satt zu bleiben. Meiden Sie zugesetzte Zucker.

2. Danach nichts essen.

Eine Mahlzeit ist eine Mahlzeit. Eine Nuss zwischendurch, vielleicht zwei, vielleicht drei sind unnötige Naschereien, oft motiviert durch Langeweile oder Unzufriedenheit. Sie alle sind kleine Sabotageaktionen bei dem Versuch, Körperfett abzubauen. Machen Sie es sich zur Angewohnheit, ausschließlich zu den Hauptmahlzeiten und am Esstisch zu essen. So vermeiden Sie eine unnötige Energiezufuhr. Trinken Sie Wasser.

3. Sich bewegen.

Der Mensch musste sich für den Großteil seiner Existenz bewegen, um an Nahrung zu kommen. Dem ist heute nicht mehr so und so fehlt eine Gelegenheit (und Motivation) Energie zu verbrauchen. Für einen gesunden Stoffwechsel ist Bewegung jedoch essenziell und hilfreich. Warum? Weil das System Mensch (als Säugetier, das es ist) genau darauf ausgelegt ist, sich zu bewegen. Denn Bewegung war immer ein wesentlicher Bestandteil des Überlebens (z.B. Nahrungssuche, Flucht) für unseren Organismus. Und das schon lange, lange vor unserer Spezies – Bewegung ist praktisch die Grundlage der gesamten Tierwelt.

Es muss keine Tortur sein, es muss kein Ausdauersport, kein Kraftsport und kein Vereinssport sein. Jede Bewegung hilft, verbraucht Energie und stimuliert den Bewegungsapparat. Ein 30-minütiger Spaziergang passt in jeden Tag. Und wenn Sie klassische Übungen wie Liegestütz, Kniebeugen und Klimmzüge oder Spiele wie Batminton, Tischtennis, Fangen oder Wettläufe mit Freunden und Kollegen einbauen können, ist dies eine optimale Ergänzung des Alltags. Finden Sie Freude an Bewegung, entdecken Sie Wälder, spazieren Sie am Strand, klettern Sie auf Bäume, tragen Sie Zementsäcke – bewegen Sie sich viel und gerne und genießen sie es. Und trinken Sie Wasser.

4. Appetit und Hunger unterscheiden.

Immer kommt es wieder, das Gefühl doch noch etwas zu essen zu brauchen. Oft abends vor dem Fernseher. Oder nachmittags im Büro. Oder direkt nach dem Mittagessen. Was wir hier jedoch schnell verwechseln, sind Hunger und Appetit. Ein köstliches Essen lässt schwelgen und lässt wünschen, es hätte mehr gegeben. Ungeachtet der Tatsache, dass es völlig ausreichend war. Das ist Appetit, kein Hunger.

Ein guter Koch kann so schnell jeden guten Vorsatz zerstören. Denken Sie daran: Nach einer ordentlichen Mahlzeit (siehe Schritt #1) hat der Körper auf jeden Fall genügend Energie für 3-4 Stunden, meist darüber hinaus. Dem Appetit (“auf was Süßes”) widerstehen zu lernen kann schwierig sein, besonders dann, wenn man ständig von Essbarem umgeben ist. Daher…

5. Nahrungsmittel aus der Umgebung entfernen.

Wer permanent von Nahrungsmitteln umgeben ist, wird auch ständig verführt. Das mag seine Ursache in der Steinzeit haben, in der man sicherlich alles nahm, was man bekommen konnte. Kombiniert mit Bewegungsmangel ist dies jedoch ein recht sicheres Rezept für Gewichtszunahmen. Meiden Sie daher Umgebungen, in denen Sie ständig von Essen umgeben sind. Auch zu Hause sollten möglichst keine Knabbereien verfügbar sein und wenn der Bestand sich nicht vermeiden lässt, sollten Sie sie schwer zugänglich und nicht sichtbar unterbringen (und trinken Sie Wasser).

6. Sinnvolle und erfreuliche Beschäftigungen wählen und Stress vermeiden.

Wer ganz in seinem Element steckt, seine Arbeit oder sein Hobby liebt und darin aufgeht, der scheint häufig das Essen zu vergessen. Tatsächlich jedoch meldet sich der Körper durchaus rechtzeitig mit dem entsprechenden Hungergefühl. Wer also Freude an seiner Beschäftigung hat, der isst nicht aus Langeweile oder Routine oder weil eine Uhr es ihm diktiert, sondern erst dann, wenn sein Körper den Bedarf meldet. Eine optimale Voraussetzung.

Stress wiederum ist geeignet, den gesunden Stoffwechsel zu stören und auch auf psychologischem Wege kann er dazu führen, dass ein Mensch mehr isst, als er benötigt – gerne auch Stressbewältigung genannt. Das jedoch ist Lebensmittelmissbrauch.

Fazit

Die genannten Schritte klingen trivial. Und sie sind es. Es sind die Grundlagen einer sehr bodenständigen, naturnahen Ernährung: Ordentliche Mahlzeiten, kein Naschen, ausreichend Bewegung, kein Lebensmittelmissbrauch, als Getränk nur Wasser.

Es ist die Abkehr vom Überfluss und die Rückkehr zum eigenen Körper durch Bewegung. Es ist der Rückblick in eine Zeit nicht vor 10 000 Jahren, sondern vor 100 Jahren, in einfachere Zeiten, in denen (die meisten) Menschen für ihre Ernährung körperlich arbeiten mussten und Nahrungsmittel entsprechend wertvoller waren.

Die Zeiten haben sich geändert und damit unser Lebensstil. Die Industrialisierung brachte viele Annehmlichkeiten, ist jedoch auch zu einer ernsthaften Bedrohung unserer Gesundheit geworden. Es ist nun an uns, unser Leben wieder in die Hand zu nehmen. Wir müssen uns nicht verstecken, der modernen Welt nicht entfliehen. Aber wir sollten uns klarmachen, ob und inwieweit unser Körper (von dem wir jeweils nur einen haben) uns wichtig ist und dann die entsprechenden Schritte gehen.

Ohne Gewähr

Ihnen wird schnell auffallen, dass das alles keine Zauberei ist. Natürlich ist es das nicht. Es sind allerdings Schritte, welche erfahrungsgemäß wirksam sind. Wichtig für eine hohe Erfolgschance dabei ist die Beachtung aller Schritte. Garantien gibt es keine.

Weiterführende Informationen:

Multiple Sklerose und Ernährung (Urgeschmack-Podcast #25)

Multiple SkleroseWie hängt Multiple Sklerose mit Ernährung zusammen? Dieser Podcast ist eine Audio-Version des Artikels “Multiple Sklerose und Ernährung”. Sie können den Podcast direkt hier bei Urgeschmack hören oder auch kostenlos über iTunes abonnieren. Eine weitere Möglichkeit ist der Urgeschmack-Podcast Feed.

Gesund essen unterwegs …in Neuseeland

Die natürliche Ernährung von frischen Lebensmitteln (wie auch die Steinzeiternährung oder Paleo-Diät) zu Hause konsequent durchzuführen ist in der Regel nicht besonders schwierig. Aber wie sieht es außer Haus aus? Kann man sich auch auf Reisen konsequent gesund ernähren? Was sind die Besonderheiten, was die Herausforderungen in verschiedenen Situationen? Und wie lassen sich etwaige Probleme am einfachsten umgehen? Diesen Fragen gehe ich unterwegs im Ausland nach. In diesem Beitrag: Neuseeland.

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Die wilde Westküste der Südinsel Neuseelands.

Die meisten Probleme der heutigen Zeit lassen sich lösen, indem man sie mit ausreichend Geld bewirft. Allerdings bin ich kreativer Problemlösung und dem Einsatz meiner eigenen Hände Arbeit wesentlich zugeneigter, als beispielsweise einen Gourmetkoch mit auf Reisen zu nehmen. Immerhin geht es bei Urgeschmack darum, seine Ernährung selbst in die Hand zu nehmen und unter diesem Gesichtspunkt ist auch dieser Beitrag zu verstehen.

Nahrungsaufnahme ist biologischer Imperativ. Wir müssen essen um zu überleben. Spätestens also wenn sich der Magen meldet und die Hormone den Körper auf Krawall bürsten, stellt sich die erste Frage:

Wo bekomme ich hochwertige Lebensmittel?

Denn vor dem Essen steht die Nahrungsbeschaffung. Mit hochwertig sind frische, nährstoffreiche und schmackhafte Nahrungsmittel gemeint. In Neuseeland gibt es derer reichlich und zwar aus lokaler Produktion. Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Kürbis, Süßkartoffeln, Fleisch von Rind, Schwein und –natürlich– Schaf, Fisch, diverses Obst von Zitrusfrüchten über Äpfel bis zu Kiwis, Avocados* und diverse Salate – dank seines Klimas ist Neuseelands Ernte vielseitig und reichlich. Das Angebot lokaler Produkte ist größer als beispielsweise in Deutschland. Und lokale Produktion bedeutet höhere Qualität, denn die Nahrungsmittel erreichen die Geschäfte frischer und sie legen weniger Transportschritte zurück, werden also schonend behandelt.

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Ein neuseeländischer Supermarkt. Rund 80% der Frischware stammt aus dem eigenen Land.

* Zurück zu den Avocados: In Neuseeland sind diese in der Regel bereits im Supermarkt reif und weich. Zumindest auf der Nordinsel. Auf der Südinsel hingegen findet man in den Auslagen nur harte und unreife Avocados. Der Grund? “Die da unten verstehen Avocados noch nicht. Die bauen die selbst nicht an“, so die Aussage eines Nordinsel-Bewohners. Das leuchtet ein, denn im Süden Neuseelands ist es kälter.

Und wo bekommt man diese wertvollen Güter? In Neuseeland gibt es in den meisten größeren Siedlungen wenigstens eine Filiale einer der vier großen nationalen Supermarktketten. Diese führen in der Regel das volle Programm neuseeländischer Produkte. Die Neuseeländer sind recht stolz und versuchen, möglichst viele ihrer benötigten Güter selbst herzustellen, was sicherlich auch geographisch-ökonomische Ursachen hat. Daraus resultiert gewiss auch eine Art höhere Wertschätzung und entsprechend der Stellenwert des Essens: Internationale Fast Food-Ketten sind hier zwar weit verbreitet, dennoch bereiten viele Familien ihr Essen grundsätzlich nur selbst zu und verzichten dabei auf Fertigprodukte.

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Reichlich Lebensmittel am Wegesrand.

Vereinzelt gibt es auch Bauernmärkte, die die Gelegenheit bieten, entsprechende Produkte noch frischer, direkt aus der Hand des Erzeugers zu kaufen. Jedoch findet dies in der Regel nicht täglich statt und so ist es für Reisende nur selten eine Option.

Viel interessanter sind da die unzähligen Hütten und Karren, die die Ränder der neuseeländischen Hauptverkehrsstraßen zieren. Auf einer Strecke von nur 20km findet man je nach Region bis zu einem Dutzend solcher Gelegenheiten, um Obst, Gemüse, Eier oder Honig für schmales Geld zu erwerben. Gezahlt wird in der Regel nach dem Ehrlichkeitsprinzip, denn aufgrund der geringen Kundenfrequenz ersetzt eine Spardose hier das Personal.

Grasgefüttert?

“Wie denn sonst?” ist die Antwort der Kiwis (wie sich die Einwohner Neuseelands auch nennen) auf die Frage, ob die Tiere auf der Weide gehalten werden. Gestaltet sich die Suche nach Fleisch aus reiner Weidehaltung hierzulande äußerst mühsam, kann man sich davor in Neuseeland nicht retten.

Rinder und Schafe (immerhin 50 Millionen in diesem Land) leben ausschließlich auf Weiden und dementsprechend ist die Qualität der Tierprodukte hoch. Doch nicht nur das: Auch die angebotene Produktpalette ist größer. Statt nur Steaks, Koteletts und Filets anzubieten, finden sich in neuseeländischen Supermärkten regulär auch Herz, Leber und Niere in der Kühltheke. Und das zu ausgesprochen günstigen Preisen.

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Gras, Gras, grasgefütterte Tiere.

Wie bereite ich mein essen auf Reisen zu?

Der Einkauf ist erledigt. Was nun? Der Verzehr als Rohkost ist nicht nach jedermanns Geschmack und durch die Kunst des Kochens lässt sich oft so viel mehr aus Lebensmitteln zaubern. Wichtigste Zutat dafür ist Hitze. Und die ist praktisch überall verfügbar: Backpacker Hostels, die Herbergen für Rucksackreisende, bieten gemeinschaftlich genutzte, voll ausgestattete Küchen. Motelzimmer verfügen in der Regel wenigstens über eine Doppelkochplatte nebst Geschirr und selbst in der Wildnis beim Zelten ist meistens Platz für einen kleinen Gaskocher. Zum Kochglück fehlen so nur noch ein paar leicht erhältliche Gewürze und es kann losgehen.

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Eine typische Küche in einem Backpackers Hostel.

Wie lagere ich die Lebensmittel unterwegs?

Im Sommer (besonders etwa von Weihnachten bis Ostern) kann es sehr warm werden in Neuseeland. Wer nicht täglich einkaufen mag, benötigt daher eine Möglichkeit, seine Lebensmittel –besonders Fleisch– angemessen zu lagern. In den Backpackers Hostels stehen Kühlschränke zur Verfügung, ebenso in den Hotels und Motels.

Wer jedoch tagsüber von Herberge zu Herberge oder in der Wildnis unterwegs ist, kann von diesem Luxus kaum Gebrauch machen. In einem solchen Fall empfiehlt sich die Nutzung einer Kühltasche nebst Kühlakku – auch diese gibt es in praktisch jedem Supermarkt zu kaufen. So lassen sich die Lebensmittel wenigstens für 12 Stunden und teils darüber hinaus ausreichend kühlen.

Was esse ich zwischendurch?

Wer tagsüber wandert und sich viel bewegt, wird zwischendurch wenigstens einen Snack einwerfen wollen. Um den Aufwand dafür möglichst gering zu halten, empfiehlt sich als einfachste Lösung etwas Rohkost: Zum Beispiel Karotten oder Äpfel, die halten sich gut und sind unempfindlich. Mit ein paar Minuten Vorbereitung am Morgen sind auch gekochte Eier (gleich für mehrere Tage) eine prima Option und wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, der bereitet den Klassiker vor: Frikadellen.

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Frikadellen für mehrere Tage – kühlbar mit einem Eispack.

Eine weitere Option wären die zahlreichen Fischkonserven, denn die sind in Neuseeland sehr oft in Wasser eingelegt und kommen ohne zusätzliche Pflanzenöle aus. Zur Verfügung stehen zahlreiche Sorten wie Lachs, Thunfisch, Makrele, Hering, Sardine und weitere.

Was kostet mich das Essen unterwegs?

Die Preise neuseeländischer Lebensmittel weichen im Detail ab, ähneln jedoch im Durschnitt deutschen Preisen: Lebensmittel haben hier im Allgemeinen den gleichen Preis. Einige Ausnahmen gibt es: Eier und Milchprodukte fallen als teurer auf, mit Preisen für Bio-Eier bis zu 0,60€/Stück. Beides lässt sich jedoch durch die in Deutschland subventionsbedingt verzerrten Preise erklären. Das heißt: Eier und Milch sind in Neuseeland nicht teuer, sondern haben schlichtweg einen angemessenen Preis.

Das Steak von der Lammkeule kostet rund 13€/kg, Hackfleisch liegt um 6,50€/kg und schmackhafte Schafsherzen gibt es für lächerliche 3,25€/kg. Je nach Vorliebe und Experimentierfreude lässt sich in Neuseeland sehr, sehr günstig essen. Geschmortes Schafsherz mit geröstetem Kürbis unter Knoblauchkruste lässt sich beispielsweise für 2,70€ zubereiten – für zwei Portionen!

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Geschmortes Schafsherz mit geröstetem Kürbis unter Knoblauchkruste nebst Guacamole – 100% frische Ware aus Neuseeland. 1,35€/Portion.

Glutenfreies Essen, weltbester Kaffee, Meeresfrüchte, Gastfreundlichkeit

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Glutenfreie Pizza.

Glutenfreie Produkte sucht man in Neuseeland nicht lange. Nicht nur widmen die Supermärkte ganze Regale entsprechenden Artikeln, darunter diverse Brote und Müslis, sondern auch die meisten Cafés und Restaurants bieten entsprechende Wahlmöglichkeiten. Nicht selten ist die Hälfte der angebotenen Kuchen glutenfrei.

Der Kaffee in Neuseeland ist eine Erwähnung wert. Unzählige Sorten habe ich in Europa probiert und für mein Empfinden reichen sie von ungenießbar bis akzeptabel. Grund ist für mich die Adstringenz und Bitterkeit – Resultat einer (meiner Meinung nach) minderwertigen Röstung. Die Geschmäcker sind verschieden und ich habe Kaffee in Deutschland aufgegeben. In Neuseeland siegte die Neugier und ich wurde äusserst angenehm überrascht von dem, was ich als eine Offenbarung bezeichnen würde: Kräftiger und dennoch sanfter Kaffee schmeichelt dort dem Gaumen. Kaffee, der dort übrigens stets aus einer hochwertigen und fachmännische bedienten Espressomaschine stammt.

“Wir haben glücklicherweise eine sehr starke Kaffee-Kultur entwickelt,” bekomme ich als Antwort auf meine erfreute Nachfrage, “wir kaufen rohe Bohnen aus der ganzen Welt, mischen sie und rösten sie selbst. Und jetzt fangen wir an, zu exportieren.” Und auch dies geschieht nicht etwa zentralisiert: Viele Gegenden verfügen über ihre eigenen Kaffee-Röstereien – betrieben und beworben mit dem sympathischen neuseeländischen Stolz und der entsprechenden Sorgfalt.

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Mit Liebe fachgerecht zubereitet: Kaffee (mit ‘Silver Fern’ Motiv)

Und wie sollte es auf einer Insel anders sein? Natürlich gibt es auf Neuseeland reichlich Meeresfrüchte. Aus den verschiedenen regionalen Spezialitäten waren für mich die New Zealand green-lipped mussel, die Grünschalmuscheln der Favorit, wobei die Wahl bei Mitbewerbern wie dem Red Snapper (Roter Schnapper) und Krebsen schwer fällt. Und nicht nur die Muscheln lassen sich vielerorts mühelos am Strand sammeln (mit einer Begrenzung von 25 Stück pro Sammler), sondern mit etwas Glück kommt man auch nicht umhin, einen lebenden Fisch mit bloßen Händen zu fangen – und in voller Konsequenz zu verspeisen. Abgesehen davon stehen an vielen Stränden praktisch ganztägig eifrige Angler, die gerne Auskunft über die lokale Spezialität geben.

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“Mussel fritters – It’s a Kiwi thing!”

Es mag das Wetter sein oder die dünnere Besiedlung, die Kultur oder einfach die Lebenseinstellung: Der durschnittliche Neuseeländer scheint wesentlich glücklicher zu sein als der Mitteleuropäer – und entsprechend freundlicher. Auf Reisen kann man sich so unversehens in den Händen einer einheimischen Familie wiederfinden, die einem aus Freude am Kochen und dem Austausch allerlei Köstlichkeiten zubereitet. Es mag in diesem Land keine echte traditionelle Küche geben, doch der kulinarische Horizont der Neuseeländer endet absolut nicht bei Fish & Chips.

Was mache ich im Restaurant?

Wer sich die Zeit zum Kochen nicht nehmen möchte und lieber ein Restaurant aufsucht findet, wie bereits erwähnt, reichlich Optionen mit Rücksicht auf etwaige Vorlieben wie glutenfreies Essen. Darüber hinaus ist die Bandbreite des Essens sehr groß, die Preise sind moderat (auch hier keine Auffälligkeiten im Vergleich zu Deutschland). Auch weitere Sonderwünsche werden verständnisvoll und freundlich umgesetzt.

Crayfish (Krebs), frisch aus dem Meer.
Crayfish (Krebs), frisch aus dem Meer.

Und es gibt absolut keinen Grund, sich (womöglich aufgrund eines genervten Blicks des Kellners) eine Verlegenheits-Cola zu bestellen: In jeder Gaststätte steht kostenfreies Wasser nebst Gläsern zur Verfügung. Das Wasser kostet hier nichts –das Leitungswasser ist überall von bester Qualität– und auch eine lachhafte Servicegebühr für das Spülen des Glases (wie sie vielerorts in Deutschland verbreitet ist) kennt man hier nicht. Vielmehr steht zentral zugänglich stets frisches, oft auch gekühltes Wasser zur Selbstbedienung.

Besonders erfreulich ist dies, weil Wasser somit immer das günstigste Getränk ist. Wäre es (wie in Deutschland üblich) so teuer wie Softdrinks, wäre besonders für Jugendliche die Motivation wohl wesentlich geringer, nicht gleich zum zuckrigen Getränk zu greifen. Ernährungsphysiologisch setzt dies ein sehr wichtiges Zeichen.

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Wasser, kalt und klar.
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Ein warmer Hefeteigmuffin mit leicht gesalzener Butter. Sehr, sehr gefährlich.

Fazit

Kann man sich auch auf Reisen, im Urlaub, unterwegs gesund ernähren? Frisches, lokal produziertes Obst und Gemüse gibt es reichlich, ebenso wie entsprechende Tierprodukte aus Weidehaltung. Für Reisende gibt es zahlreiche Kochgelegenheiten.

Konsequent gesunde Ernährung auf Reisen ist zumindest in Neuseeland mühelos möglich und bedarf keines besonderen Aufwands. Dass das Thema glutenfreies Essen in Neuseeland so weit verbreitet ist, erleichtert die Wahl der Speisen auch im Restaurant.

Einige weitere Informationen und bewegte Bilder finden Sie auch im Videobericht: Neuseeland – Gesund und lecker essen unterwegs (“Paleo on the road”) (Ep. 146)

Guacamole

Guacamole

Nach der Kurzvorstellung im Video folgt hier nun ein ausführlicheres Rezept für Guacamole – dem Avocado-Dip aus der mexikanischen Küche. Diese Creme ist ausgesprochen vielseitig und schmeckt nicht nur pur und als Dip, sondern auch zu einfach dampfgegartem Gemüse, Fleisch, Fisch und Salaten. Voraussetzung für die Zubereitung sind reife Avocados. Wie Sie die bekommen (und mehr über die Avocado), erfahren Sie hier: Wie bekommt man reife Avocados? Avocados und gesunde Ernährung (Urgeschmack-TV Ep. 148)

  • 2 reife Avocados
  • 1 Zwiebel
  • 3 Knoblauchzehen
  • 4-5 kleine Tomaten (Cherry, Cocktail, Wilde)
  • 1 Zitrone
  • Gewürze: Salz, Pfeffer, Koriander

Guacamole Zutaten

Die Avocados der Länge nach aufschneiden, den Kern entfernen und das Fruchtfleisch auslöffeln und in eine Schüssel geben.

Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten in kleine Würfel schneiden und die Zitrone halbieren.

Guacamole Zutaten

Die Zitrone auspressen und den Saft über das Avocado-Fruchtfleisch geben. Alle Zutaten miteinander verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nach Geschmack mit Koriander würzen.

Guacamole Zubereitung

Anschließend bei Zimmertemperatur servieren.

Guacamole

 

Sind Kartoffeln gesund?

Sind Kartoffeln gesund?
Sie versorgt den Menschen seit Jahrhunderten mit reichlich Nährstoffen, lässt sich einfach anbauen, gut lagern und ist kulinarisch vielseitig. Ein echter Volksliebling, wie man auch am Verzehr besonders in Deutschland ablesen kann. Die Kartoffel. Sie schmeckt vielen Menschen. Allerdings selten so außerordentlich, dass sie ihr nicht widerstehen könnten. Sie erregt dadurch kein Aufsehen, denn was so mittelmäßig daherkommt, kann doch nicht schlimm sein, oder?

Tatsächlich gehört die Kartoffel (Solanum tuberosum) zu jenen Lebensmitteln, die zum Beispiel im Rahmen der Steinzeiternährung viele Fragen aufwirft. Nach den strengeren Definitionen (z.B. nach Dr. Cordain) sollte auf Kartoffeln verzichtet werden. Andere Proponenten halten sie für relativ harmlos. Und wissbegierige Einsteiger fragen sich, warum die Kartoffel als einfache Knolle so problematisch sein sollte.

Was spricht gegen die Kartoffel?

Die Kartoffel ist, wie z.B. auch die Tomate, ein Nachtschattengewächs. Dieser Gruppe von Pflanzen unterstellt Dr. Cordain eine schädliche Auswirkung, die unter Umständen bis hin zur Verursachung Multipler Sklerose reiche. Seine Argumentation klingt plausibel, jedoch ist eine pauschale Angst vor Kartoffeln nicht angebracht, da dies offenkundig nicht jeden betrifft. Gefährdet sind eher jene Menschen, die bereits unter den entsprechenden Krankheiten oder einer Darmerkrankung leiden.

In der Kartoffel befinden sich sogenannte Glykoalkaloide (nämlich das Saponin mit Namen alpha-Solanin). Diese dienen den Knollen als eine Art Pestizid, denn da Pflanzen nicht laufen oder beißen können, müssen sie sich anderweitig wehren. Glykoalkaloide sind in hohen Dosen toxisch, auch für den Menschen. Durch Kochen lassen sie sich nicht zerstören. Ein kräftiges Argument gegen die Kartoffeln. Jedoch sitzen die meisten Glykoalkaloide in der Schale und da Kartoffeln vor dem Verzehr in der Regel geschält werden, ist dadurch ein Großteil der Gefahr gebannt. Hinzu kommt, dass durch fortwährende Züchtung der Glykoalkaloid-Anteil der Kartoffeln immer weiter gesenkt wurde.

Auch Lektine befinden sich in der Kartoffel. Diese haben das Potential, die Darmwände zu beschädigen. Lektine sind allerdings nicht immer schädlich und durch Erhitzen lassen sie sich deaktivieren.

Kartoffeln enthalten relativ viel Stärke und einen Kohlenhydratanteil von etwa 20%. Das ist nichts Schlimmes und die Kartoffel ist damit in der Pflanzenwelt nicht allein. Da jedoch ein übermäßiger Konsum von Kohlenhydraten als Ursache von Übergewicht gilt, häufen sich die Empfehlungen, Kartoffeln zu meiden. Korrekt wäre in jenem Fall allerdings ein Hinweis auf sämtliche stärkehaltigen Gemüse. Wie dem auch sei eignet sich die Kartoffel daher in der Regel weniger für Menschen, deren Stoffwechsel entgleist ist oder die Körperfett abbauen möchten.

Und was spricht für die Kartoffel?

Kartoffeln sind kulinarisch vielseitig und Bestandteil vieler beliebter Speisen. Das liegt unter anderem an den Eigenschaften der enthaltenen Stärke, die für gute Bindung sorgt und daran, dass Kartoffeln keinen dominanten Eigengeschmack haben und dankbar andere Aromen annehmen.

Davon abgesehen enthalten Kartoffeln reichlich wertvolle Nährstoffe, besonders das vollständige Aminosäurenprofil sei angeführt. Dies ist auch der Grund dafür, dass sie ein (lebens-) wichtiges Grundnahrungsmittel für einige Bevölkerungen darstellen: Kartoffeln und andere Knollengewächse sind eng mit der Evolution des Menschen verknüpft und ermöglichten wahrscheinlich in vielen Regionen erst sein Überleben.

Und eben jener zuvor angeführte Stärkegehalt gereicht der Kartoffel auch zum Vorteil, denn sie bildet dadurch eine wertvolle Kohlenhydratquelle besonders zum Beispiel für Sportler oder körperlich hart arbeitende Menschen.

Da Kartoffeln sich einfach anbauen und ernten lassen, sind sie günstig im Einkauf und ermöglichen eine kostenarme Ernährung.

Was ist mit Süßkartoffeln?

SüßkartoffelSüßkartoffeln haben mit Kartoffeln nur den Namen gemeinsam, den sie vermutlich durch ihre äußere Ähnlichkeit teilen. Denn botanisch ist die Süßkartoffel eine ganz andere Pflanze: Sie ist kein Nachtschatten-, sondern ein Windengewächs der Spezies Ipomoea batatas. Diese Knollen enthalten keine Saponine, bezüglich einer etwaigen Toxizität sind sie also über jeden Zweifel erhaben. Noch dazu sind die verschiedenen Varianten der Süßkartoffel geschmacklich vielseitiger und –meiner Meinung nach– wesentlich leckerer als weiße Kartoffeln. Leider wachsen sie jedoch in unseren Breitengraden kaum, was ihren Import (meist aus Südamerika) bedingt.

Fazit

Wer abnehmen oder sich generell kohlenhydratarm ernähren möchte, für den sind Kartoffeln eine eher schlechte Wahl. Denn die enthaltene Stärke wird im Darm in Zucker (Glucose) umgewandelt und der kann dick machen. Und auch wer unter Darm- oder Verdauungsproblemen leidet sollte zumindest testweise auf Kartoffeln verzichten, um sie als (durchaus mögliche) Ursache für die Probleme auszuschließen.

Wer seine Kartoffeln allerdings angemessen schält und kocht, minimiert ihr toxisches Potential. Für Menschen mit einem gut funktionierenden Stoffwechsel sollte Kartoffeln in Maßen kein Problem sein, sofern ihre Darmgesundheit damit einverstanden ist. Dann finden sie in der Kartoffel eine günstige, nährstoffreiche und kulinarisch vielseitige Ergänzung des Speiseplans.

Wer sich am Import exklusiver Lebensmittel nicht stört und bezüglich der Nachhaltigkeit keine Bedenken hat, sollte auch der Süßkartoffel eine Chance geben. Zur Zubereitung empfehle ich: Die Kartoffel der Länge nach halbieren, mit Butter oder Olivenöl einreiben, mit Salz, Pfeffer und Knoblauch würzen und sie rund 30 Minuten bei 160°C backen.

Es sei angemerkt, dass es in diesem Artikel um echte Lebensmittel, also frische Kartoffeln geht und nicht um frittierte Pommes Frittes oder Kartoffelchips – beides Zubereitungsmethoden, für die die Kartoffel nichts kann.

Quellen und weiterführende Informationen

Wie viel Fett soll ich essen? (Urgeschmack-Podcast #24)

Wie viel Fett soll ich essen? Dieser Podcast ist eine Audio-Version des Artikels “Wie viel Fett soll ich essen?” Sie können den Podcast direkt hier bei Urgeschmack hören oder auch kostenlos über iTunes abonnieren. Eine weitere Möglichkeit ist der Urgeschmack-Podcast Feed.