Getreide und Hülsenfrüchte optimal einweichen

Wer gesunde Ernährung für sich entdeckt, erfährt irgendwann auch vom Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten. Dadurch sollen diese Lebensmittel besser bekömmlich und gesünder werden. Uneins ist man sich darüber, wie das Einweichen genau ablaufen soll und ob Getreide und Hülsenfrüchte ohne diesen Vorgang wirklich ungesund sind.

Was steckt hinter dem Einweichen? Getreide und Hülsenfrüchte enthalten neben kostbaren Nährstoffen auch sogenannte Antinährstoffe. Das sind beispielsweise Phytinsäure und Lektine; auch Gluten wird manchmal dazugezählt. Ihre Vorsilbe Anti bekommen sie, weil sie das Gegenteil der Nährstoffe leisten: Sie verhindern die Nährstoffaufnahme durch den Menschen. Einige sind einfach nur unzugänglich, andere könnten den Darm beschädigen und sogenannte Enzyminhibitoren hindern unseren Verdauungstrakt zeitweise an der Verdauung.

Warum machen die Körner und Samen das? Wir vermuten: Um sich zu schützen. Es sind schließlich Embryos und Pflanzen wollen auch leben. Also haben sie Schutzmechanismen entwickelt, um ihren Verzehr möglichst unattraktiv zu machen. Das hat ja prima geklappt.

Beim Einweichen sind diese Pflanzenembryos (Getreidekörner und Bohnen) längere Zeit in Kontakt mit Wasser. Als würden sie auf der Erde im Regen liegen. Das ist ihr grünes Licht fürs Wachstum. Sie bauen die Schutzmechanismen ab und bereiten sich aufs Keimen vor. Phytinsäure und ihre Kollegen packen ein und die Nährstoffe werden besser verfügbar. Deswegen ist es sinnvoll, Getreide und Hülsenfrüchte vor dem Essen einzuweichen. In den westlichen Zivilisationen macht das allerdings heute kaum noch jemand. Das trägt zu ernährungsbedingten Erkrankungen bei und die Verträglichkeit von Getreide steht im Zweifel. Es erklärt auch, warum Sauerteigbrot als so viel bekömmlicher als industriell produziertes Weißbrot gilt: Sein Teig wurde meist 24 Stunden oder länger fermentiert (und somit natürlich auch eingeweicht). Durch die Fermentation bilden sich vorteilhafte Bakterien, welche den Nährwert des Getreides weiter verbessern.

Wer seinen Wunsch nach gesunder Ernährung etwas zu ernst nimmt, wird vielleicht eine hysterische Angst vor Antinährstoffen entwickeln und nun den Weg suchen, Getreide und Hülsenfrüchte bestmöglich einzuweichen, um sie möglichst Nahrhaft zu machen und jeden Schadstoff zu meiden.

Setzen wir die Fakten in ein Verhältnis: Antinährstoffe wie die Gruppe der Lektine stecken nicht nur in Getreide, sondern in fast allen Pflanzen und sie haben teilweise für den Menschen nützliche Wirkungen1, wie auch Phytinsäure nicht immer nachteilig ist2. Panische Angst ist also nicht angebracht.

Es kursieren zahlreiche ultimative Anleitungen zum genau richtigen Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten für maximalen Nährstoffgehalt, dazu Tabellen mit Einweichzeiten für jede Getreidegattung. Das ist alles Unfug, nichts davon stimmt, nichts ist fundiert.

Dafür wissen wir viel zu wenig. So kann der Selengehalt durch Einweichen sinken während dieser lebenswichtige Nährstoff zugleich durch Erhitzen (etwa beim Backen) besser verfügbar wird3. Durch Einweichen kann man mehr Nährstoffe verlieren (zum Beispiel durch häufiges Spülen, wie viele Anleitungen es empfehlen) als man durch Reduktion der Phytinsäure gewinnt4, 5, 6, 7. Dabei muss man unterscheiden zwischen Nährstoffgehalt und Nährstoffverfügbarkeit (Zufuhr ungleich Absorption). Möglicherweise ist es sinnvoll, den wesentlich reduzierten Nährstoffgehalt in Kauf zu nehmen und dafür erheblich bessere Verdaulichkeit der übrigen Stoffe zu gewinnen. Möglicherweise aber auch nicht.

Letztlich sind die Einflüsse selbst für Forscher und Labors zu vielfältig und variabel, als dass sie genaue Aussagen treffen könnten8. Art, Sorte, Bodenqualität, Bakterienbesatz, Herkunft, Saison, Klima, Temperatur, Wasserqualität beim Einweichen: Das alles beeinflusst den Nährstoffgehalt. Wer will das in der heimischen Küche kontrollieren können?

Also: Das Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten (und Nüssen) ist keine Zauberei, aber auch keine genaue Wissenschaft. Es gibt keine einzige genau richtige Methode, man kann nichts falsch oder richtig machen.

Wer seine Lebensmittel einweichen möchte, um den maximalen Nährstoffgehalt zu erreichen, rennt in die Arme der essgestörten Jünger des Nährstoffismus: Gerade Hülsenfrüchte verlieren durch Einweichen Nährstoffe.

Richtig ist: Das Einweichen dieser Lebensmittel hat Tradition. In vielen Kulturen ist es noch heute weltweit üblich, Getreide vor der weiteren Verarbeitung einzuweichen. Seit Tausenden von Jahren machen Menschen das. Der Grund war jedoch nie die Maximierung des Nährstoffgehalts. Niemand stand damals mit Messgerät und Kugelschreiber daneben und hat die Ergebnisse notiert. Es gab nämlich noch keine Kugelschreiber. Das Ziel war stattdessen immer Bekömmlichkeit, Geschmack, Arbeitserleichterung (auch durch verkürzte Kochzeit) und gute Nährstoffversorgung. Gute Nährstoffversorgung unterscheidet sich von maximalem Nährstoffgehalt: Sie ist hinreichend, um Menschen das Überleben (erfolgreiche Fortpflanzung) zu sichern.

Maximaler Nährstoffgehalt ist nutzlos, wenn das Essen nicht schmeckt. Dann isst man es nämlich nicht und dann bekommt man gar keine Nährstoffe. Maximaler Nährstoffgehalt ist auch unnütz, wenn man den nötigen Aufwand aufgrund seiner Größe scheut. Auch dann hat man nichts davon. Einweichen (wie auch Ankeimen und Fermentieren) verbessert auch nie den Geschmack. Es verändert ihn nur.

Wer Getreide stattdessen optimal einweichen möchte, berücksichtigt wahrscheinlich neben verbessertem Nährstoffgehalt auch den Geschmack und die praktische Umsetzung im Alltag.

Praktische Anleitung zum Einweichen von Getreide und Hülsenfrüchten

Generell funktioniert das Einweichen bei Getreide, Hülsenfrüchten und Nüssen gleich: Wasser hinzugeben und zwölf bis vierundzwanzig Stunden warten. Die übrigen Fragen sollen folgende Anleitungen klären.

Hülsenfrüchte einweichen:

  1. Bohnen oder Linsen in eine Schüssel aus Glas, Porzellan oder Keramik9 füllen.
  2. Ungefähr die dreifache Masse lauwarmen Wassers hinzugeben (also 1,5 Liter Wasser auf 500 Gramm Bohnen).
  3. Zwölf bis vierundzwanzig Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.
  4. Das Einweichwasser abgießen.
  5. Jetzt die Hülsenfrüchte in frischem Wasser kochen. Die Kochzeit verringert sich oft durch das Einweichen. Man kann dabei also auch Energie (und Geld) sparen.
  6. Fertig. Das handhabe ich bei allen Hülsenfrüchten gleichermaßen: Erbsen, Bohnen, Linsen. Keine Liste mit Werten und Stoppuhr.

Anmerkungen:

  • Ich spüle die Hülsenfrüchte zwischendurch nicht und tausche das Wasser nicht aus, denn die Nährstoffe möchte ich essen, und nicht in den Abfluss schütten. Aus diesem Grund könnte man sich gegebenenfalls auch Punkt 4 sparen und die Hülsenfrüchte im Einweichwasser kochen, denn das Kochwasser gießt man ohnehin ab. Das wäre ein zusätzlicher Spülschritt weniger.
  • Wenn es wärmer ist (das ist in Deutschland die eine Woche im Juli zwischen den ununterbrochenen Regenfällen), bleibe ich bei zwölf Stunden Einweichzeit.
  • Jenseits der vierundzwanzig Stunden beginnen Keimen und Fermentation; beides ist mir hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit bei Hülsenfrüchten einfach zu viel Kasper (Sprossen können gefährliche Bakterien beherbergen). Zumal sich der Geschmack dann stark ändert.

Getreide einweichen

  1. Getreide als ganze Körner oder gemahlen in eine Schüssel aus Glas, Porzellan oder Keramik10 füllen.
  2. Die Wassermenge richtet sich nach dem Verwendungszweck: Für Haferbrei gebe ich die fünffache Menge Wasser auf den geschroteten Hafer, also 300 Milliliter lauwarmes Wasser auf 60 Gramm Haferschrot. Den Hafer koche ich hinterher in genau diesem Wasser. Ganze Körner kommen mit weniger Wasser aus, die dreifache Menge genügt.
  3. Zwölf bis vierundzwanzig Stunden bei Zimmertemperatur einweichen lassen.
  4. Je nach Verwendung das Einweichwasser abgießen oder behalten.
  5. Durch das Einweichen verringert sich die Kochzeit. Man kann also auch hier Energie und Geld sparen.
  6. Fertig. Das handhabe ich bei allen Getreidegattungen gleichermaßen. Keine Liste mit Werten und Stoppuhr.

Anmerkungen:

  • Ich spüle das Getreide zwischendurch nicht und tausche das Wasser nicht aus, denn die Nährstoffe möchte ich essen, und nicht in den Abfluss schütten.
  • Generell weiche ich das Getreide eher länger ein (bis zu drei Tage) und bewege mich in den Bereich der Fermentation, gewinne dabei noch mehr Nährstoffe und komplexeren Geschmack.
  • Intakte Getreidekörner keimen irgendwann auch und das ist mir hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit einfach zu viel Kasper, siehe oben.
  • Wer mit Getreidemehl Kuchen backen möchte, muss sich darauf einstellen, dass sich durch das Einweichen die Backeigenschaften stark (und kuchenuntypisch) verändern, zumal die genaue Wassermenge dann durch das Rezept bestimmt ist. Zum Backen würde ich Mehl nicht einweichen – oder einfach keinen Kuchen backen.

Zusammenfassender Hinweis: Diese Methode basiert auf tausendfacher Erfahrung gestützt durch das aktuelle (Stand: 2017) Studienmaterial. Ziel ist ein möglichst einfacher, alltagstauglicher Vorgang zur Verbesserung von Nährstoffgehalt, Bekömmlichkeit und Geschmack. Siehe oben: Unser Wissen und die Kontrolle der Umweltfaktoren genügt nicht für absolute Aussagen.

Natürlich kann man durch Zufügen von Säuren (z. B. Molke, Joghurt, Zitronensaft) und Basen (z. B. Natron) den Effekt des Einweichens beeinflussen. Dabei verändert man jedoch immer auch den Geschmack und der spielt beim Essen eine zentrale Rolle, muss sich also nicht den Spekulationen über den vermeintlich besten Nährwert unterordnen. Zudem ist die absolute Auswirkung völlig offen und abhängig von der Qualität der Säure, den Bakterien im Joghurt, der jeweiligen Temperatur und so fort.

Fußnoten

  1. Michael D. Swanson et al.. A Lectin Isolated from Bananas Is a Potent Inhibitor of HIV Replication. American Society for Biochemistry and Molecular Biology, 19 Mar. 2010.
  2. Anticancer effects of phytic acid. Phytochemicals.info. Web. 31 Jan. 2017.
  3. Khanam A And Platel K. Influence of domestic processing on the bioaccessibility of selenium from selected food grains and composite meals. J Food Sci Technol. 2016 Mar;53(3):1634-9.
  4. Kruger J , Et Al.. Effects of aqueous soaking on the phytate and mineral contents and phytate:mineral ratios of wholegrain normal sorghum and maize and low phytate sorghum. Int J Food Sci Nutr. 2014 Aug;65(5):539-46.
  5. Prodanov, Marin et al.. Influence of soaking and cooking on the thiamin, riboflavin and niacin contents of legumes. Food Chemistry. Volume 84, Issue 2, February 2004, Pages 271–277
  6. Albarracína, Micaela et al.. Effect of soaking process on nutrient bio-accessibility and phytic acid content of brown rice cultivar. Food Science and Technology. Volume 53, Issue 1, September 2013, Pages 76–80
  7. Abd El-Moneim MR Afifya et al.. Biochemical changes in phenols, flavonoids, tannins, vitamin E, ?–carotene and antioxidant activity during soaking of three white sorghum varieties. Asian Pacific Journal of Tropical Biomedicine. Volume 2, Issue 3, March 2012, Pages 203–209
  8. Goufo P And Trindade H. Factors influencing antioxidant compounds in rice. Crit Rev Food Sci Nutr. 2017 Mar 24;57(5):893-922.
  9. Diese Stoffe nennt man chemisch inert, auf Deutsch: Sie reagieren nicht mit dem Lebensmittel darin. Von Plastik oder Metall rate ich daher ab.
  10. Diese Stoffe nennt man chemisch inert, auf Deutsch: Sie reagieren nicht mit dem Lebensmittel darin. Von Plastik oder Metall rate ich daher ab.
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32 Kommentare zu “Getreide und Hülsenfrüchte optimal einweichen

  1. Andreas

    Ich finde das einweichen von Nüssen, und Hülsenfrüchten sehr wichtig – ich merke es bei mir direkt, dass ich die Nüsse nur so wirklich gut vertrage. Beim Getreide mache ich es so, dass ich es entweder keime fürs Müsli oder eben wunderbares Sauerteigbrot backe – das tut mir sehr gut.
    Früher habe ich auch alles mögliche ausprobiert von Frischkornbrei mit eingeweichten Haferflocken, was ich aber nie vertragen habe – mir ist es dann immer schlecht gegangen. Ich denke, dass hier auch einfach zu leicht schlechte Keime dazukommen.
    Was ich nicht verstehe an deinem Post Felix ist, welche Nährstoffe man bitte durchs abspülen oder Wasser wegschütten vernichten könnte – das sind doch eher nur schlechte Antinährstoffe, Keime, Gifte…

    1. Felix

      Andreas, welche Nährstoffe verlorengehen steht in den Quellen, die habe ich direkt im Artikel verlinkt. Wasser ist kein Zaubermittel, das sich einfach die ungewünschten Stoffe heraussucht und den Rest im Lebensmittel belässt. Es wird alles lösliche gerlöst. Dazu gehören nun einmal auch Mineralstoffe, Vitamine und andere Pflanzenstoffe.

      1. Andreas

        Letzten Endes braucht man ja nur logisch zu denken: Wenn das Samenkorn in die Erde kommt, dann werden doch ja auch nur die Keimhemmer… abgebaut, aber die Nährstofe braucht doch das Samenkorn selber um eine Pflanze zu werden…. das wäre ja sonst keine perfekte Schöpfung!

        1. Felix

          Andreas, Keimen und Spülen sind nicht das Gleiche. Du hattest nach dem Spülen gefragt.
          Im Übrigen ist das, was du ‘logisch’ nennst, höchstens plausibel. Das ist allerdings auch die These, die Sonne umkreise die Erde.
          Und letztlich: von perfekter Schöpfung habe ich nicht geschrieben. Evolution ist ein schmutziger Vorgang. Das macht sie so spannend.

  2. Judith

    Hallo Felix,
    vielen Dank für diesen informativen Artikel!
    Könntest du noch ein paar Richtwerte zur Kochzeit des Haferbreis und der verschiedenen, eingeweichten Hülsenfrüchte geben? Welche Wassermenge nimmst du zum Kochen? Kannst du eine gute Quelle oder Marke für Hülsenfrüchte empfehlen?
    Viele Grüße,
    Judith

    1. Felix

      Hallo Judith,
      die Kochzeit ist Geschmacksache. Hier habe ich ein wenig darüber und über die Wassermenge geschrieben: http://www.urgeschmack.de/getreidebrei/
      Und hier spreche ich darüber: http://www.urgeschmack.de/ist-hafer-gut-video/

      Bei den Marken kann man sich offenbar auf wenig verlassen: Ich hatte eine gute Quelle für Nackthafer, der Lieferant hat allerdings später seine Qualität geändert und reagiert nicht auf Anfragen. Meist ist man mit den üblichen Bio-Anbietern ganz gut beraten.

  3. David

    Hi Felix

    Wie wäre es denn in einem Material mit hohem Wasserretentionsvermoegen wie z.B. Vlies oder einfach Erde zu keimen? Die könnte man befeuchten und dabei eventuell nichts ausschwemmen? Phytase zugeben? B12-produzierende Bakterien hinzugeben? Danach das Korn oder die Hülsenfrucht weichdünsten? Am liebsten würde ich das mit Lupinenkernen machen. Eine paläotaugliche, vegane, wahlweise rohe Eiweißquelle mit B12 ! Wie g…ut wär das denn 🙂 Jaja man müsste dazu noch eine alkaloidarme Sorte nehmen aber das krieg ich hin :)q

    1. Felix

      David, das kann man gewiss alles machen. Es liest sich aber recht aufwändig, besonders dann, wenn man das Vlies regelmäßig wechseln muss wegen etwaiger Keimbelastung. Den Verlust jedes Milligramms Nährstoffe sehe ich nicht grundsätzlich kritisch, das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen behalte ich dabei im Auge.

  4. Nini

    Wunderbar, Felix! DANKE!

    Genauso funkt es bei mir auch: keine Angst vor Selbst-Tests, die fördern den Reichtum der persönlichen Erfahrungs-Schatztruhe und mit der Zeit auch eine gelassen-gesunde Intuition, mit der individuell-sinnliche Geschmacks-Ergeb- und Erlebnisse & ein wirklich gutes Genuss-Gefühl und maximale Freude beim und mit dem Essen einhergehen (können)… 😉

    Merci für all deine tollen Inspirationen, deine gründlichen Recherchen und dein Talent diese Informationen geerdet weiterzugeben… 🙂

    Herzlichst
    Nini

  5. Sascha

    Moin Felix,

    was glaubst du, sollte man dabei beachten, wenn man Getreide (zum Beispiel Hafer in Milch) über Nacht einweichen lässt? Verlängert sich lediglich die Dauer, wegen der geringeren enzymatischen Aktivität? Oder verhindere ich die positiven Effekte sogar ganz?

    Viele Grüße
    Sascha

    1. Felix

      Sascha, entweder ich stehe gerade fürchterlich auf dem Schlauch oder du willst mich verhohnepipeln oder die Frage ist wirklich so gemeint, wie ich sie verstehe: Ich habe keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass Getreidekörner beim Fermentieren noch nennsnwert (und im Sinne dieses Artikels) vom Tageslicht beeinflusst würden. Tatsächlich weiche ich meinen Hafer immer über Nacht ein. Manchmal beginnend am Mittag des Vortages manchmal am Vorabend. Nach meinen Beobachtungen verläuft der Vorgang bei etwa gleicher Temperatur immer gleich schnell. Soweit ich es recherchiert habe, ist jedes Einweichen gut zum Getreideaufschluss. Vier Stunden bringen mehr als zwei, acht mehr als vier und fünfzehn mehr als zehn.
      Ganz zufällig bin ich genau jetzt in Rom und hier um die Ecke ist eine 08/15-Straßenpizzeria, die ihren Teig grundsätzlich ganze 48 Stunden fermentieren lässt. Angesichts der Preise, Vielfalt und der, ich nenne es beim Namen: weitgehenden Verkommenheit der Esskultur weiter Teile in dieser Ecke Roms hat mich das zutiefst verblüfft. Die Begründung der Pizzabäcker: Das ist bekömmlicher.

        1. Felix

          Ja, das geht auf jeden Fall im Kühlschrank und ist so auch fester Bestandteil einiger Rezepte als sog. retarded fermentation. Wie schnell das im Kühlschrank geht, hängt natürlich vom Volumen ab, also davon, wie schnell es abkühlt. Die Zeit vor dem Verladen in den Kühlschrank ist ebenso kritisch: Hat es bereits einige Stunden fermentiert, passiert im Kühlschrank einiges mehr, als wenn du die Masse gleich ins kalte Wasser schubst.
          In den letzten Monaten habe ich mehrere wilde Hefen herangezüchtet (Dinkelmehl mit Wasser). Die gingen selbst im Kühlschrank so stark ab, dass ich sie spätestens nach zwei Tagen wieder füttern musste, um ihre Balance zu erhalten.

          Die kurze Antwort: Ja, beim Einweichen im Kühlschrank verlängert sich die Dauer.

  6. Jasmina

    Hallo Felix, wie immer ein perfekt schlüssiger, vernünftiger Beitrag!
    Nur würde ich gerne noch wissen, warum eine Bakterienbelastung der zu keimen beginnenden Körner problematisch sei, man kocht sie doch – macht man sie dadurch nicht unschädlich?
    Wie handhabst du das mit diversen Nüssen, weichst du die auch ein?
    Danke!

    1. Felix

      Hallo Jasmina,
      vorweg: Wenn mir in der Küche ein Lebensmittel auf den Boden fällt, dann esse ich das trotzdem. Ich bin hinsichtlich Bakterien nicht zimperlich und heiße sie eher als Herausforderung und Stärkung meines Immunsystems willkommen.
      Bakterien – und eigentlich meine ich vielmehr auch: Pilze – sind aber teils sehr robust und durch einfaches Kochen (bei 99-100°C) nicht zu entschärfen. Das sind einige wenige, aber gerade die können unter Umständen sehr hässliche Folgen haben. Und wenn du dich an diese EHEC-Epidemie vor ein paar Jahren erinnerst: Da sollen Sprossen die Ursache gewesen sein.
      Bei solchen Zeiträumen und Temperaturbereichen bin ich deswegen etwas vorsichtiger.
      Nüsse weiche ich nicht ein, die schmecken mir nur knusprig und frisch.

  7. Alex

    Hallo Felix, eine Frage hätte ich noch zum einweichen von Getreide. Ich weiche erstmal ca. 12 Stunden ein – und schütte dann das Wasser weg. Nachdem ich das erste Einweichwasser weggeschüttet habe, trinke ich das Folgende ( also dann am nächsten und übernächsten Tag ) – es schmeckt leicht säuerlich, ist “anfermentiert”. Mir schmeckt es – habe versucht zu ergoogeln ob das jetzt gesund ist oder nicht – finde aber nichts brauchbares. Kannst du mir da weiterhelfen? würdest du das Einweichwasser trinken?
    LG!
    Alex

    1. Felix

      Alex, die Antwort ob es gesund oder ungesund ist, wirst du nicht finden. Oder doch: Du wirst wahrscheinlich beide Antworten finden. Wenn es dir schmeckt und gut bekommt – also sich bei langfristigen Tests nichts negatives herausstellt – dann steht dem Verzehr aus meiner Sicht nichts im Weg.
      Ich würde es nicht trinken, weil mir, wie schon im Text angedeutet, das Thema schädlicher Bakterien durch ungünstige Temperaturen bei diesen Zeträumen ein wenig zu haarig ist. Ich lehne das nicht grundsätzlich ab, hatte aber noch keine Muße, mich damit angemessen zu befassen.

  8. Sonja Stendera

    Das Einweichen und das dann sogenannte Frischkornmüsli haben wir schon in den 1980ern während der ‘Biowelle’ durch. War ja gesund! Naja, heute würde ich das Zeug nicht mehr anrühren…

  9. markus

    Danke Felix, und noch ein Tipp:
    Ich lasse die eingeweichten Getreidekörner und Hülsenfrüchte vor dem Verzehr nochmal durchs Huhn durchgehen. 😉
    Da macht es dann auch nix aus, wenn sie durch Nachlässigkeit inzwischen angekeimt sind.

    1. Felix

      Dass den Hühnern das nichts ausmacht, darauf würde ich mich nicht verlassen. Die Mädels hier beim Nachbarn suchen sich sehr genau aus, welches Getreide in welcher Form sie essen. Vielleicht bietest du ihnen einfach mal ein paar Varianten an.

    2. markus

      Das ist in Hühnerkreisen allgemeine Haltung, daß angekeimtes Getreide sogar noch besser ist, als trockene Körner und zwar wegen dem Eiweiß. Genauer habe ich mich jetzt aber auch nicht informiert, kann nur aus der Praxis berichten, daß die Hühner das sehr gerne Fressen.
      Nebenbei: Hühnern machen auch die Leichengifte in total verdorbenem Fleisch nichts aus. Alles, wirklich alles verwerten die und machen daraus prächtig Eier. Also wenn du mal ne Leiche verschwinden lassen willst: ab in den Hühnerstall damit, die ziehen alles ab bis auf die Knochen und am besten im Zusammenspiel mit Maden/Fliegen. Was an Fleisch in der Küche versehentlich faul wird also entweder klein schneiden, oder wenn das zu ekelhaft ist, dann einfach nochmal in die Sonne stellen und die Maden arbeiten lassen…

      1. Felix

        Hi Markus. Hühner fressen fast alles, ja. Wir hatten früher welche und bei unserem jetzigen Nachbarn gibt die Nachbarschaft auch gern ihre Reste ab. Die Tiere sind allerdings trotzdem wählerisch: Fressen lieber frischen Grasschnitt als Körner – und legen dann zum Verdruss des Halters weniger Eier …

  10. Annette

    Hallo Felix,
    danke für den Beitrag. Du beziehst Dich hierbei ja auf getrocknete Hülsenfrüchte. Sind frische denn besser verdaulich, oder anders gefragt….sind sie den getrockneten vorzuziehen?

  11. Grit

    Danke Felix, ein toller Artikel. Ich reagiere auf Getreide auch sehr unterschiedlich. Gern liebe ich jedoch Haferflocken. Meinst du es reicht wenn man die ganz klassisch nur einweicht und so isst oder sollte man die auch immer am besten kochen und dann abgekühlt genießen?

    1. Felix

      Danke Grit. Ich denke, man sollte immer das tun, was möglichst viele Vorteile vereint. Wenn es dir erhitzt (und abgekühlt) nicht schmeckt, scheint es unklug das so zu machen. Was “reicht”, kann ich dir nicht sagen, weil es individuell zu verschieden ist. Für die Bekömmlichkeit scheint das Kochen generell vorteilhaft zu sein, eben wegen leichteren Verdaulichkeit und der ggfs reduzierten Antinährstoffe. Wie sich das auswirkt? Bei dir? Musst du selbst ausprobieren. Wenn du keinen Unterschied spürst, könnte trotzdem einer da sein. Das kann dich jucken, muss es aber nicht. Lange einweichen, das ist schon sehr ordentlich. Das Allerbeste sollte nicht der Feind des Guten sein.

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