Desertifikation durch Landwirtschaft

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Kein Leben könnte auf der Erde existieren ohne den Mutterboden, deswegen schrieb ich den Artikel über die Herkunft des Gemüses. Doch weltweit sind ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von Bodendegradation betroffen bis hin zur Desertifikation, also Wüstenbildung. In immer mehr Gegenden, in denen früher Landwirtschaft betrieben wurde, gibt es heute nur noch Wüsten. Und dies passiert bei weitem nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent sondern immer mehr auch in den westlichen Industrienationen. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Land- und Forstwirtschaftliche Produktivität. Die Artenvielfalt und Individuenzahlen verringern sich und Dienstleistungen des Ökosystems wie Hochwasserschutz oder Klimaregulierung gehen verloren. Es treten vermehrt Sandstürme auf und die menschliche Sicherheit wird auf vielerlei Weise gefährdet.

Doch wie kommt es zu dieser Verschlechterung der Böden?

Der empfindliche Boden ist normalerweise durch eine Pflanzendecke und Bäume geschützt. Sobald er offen liegt, ist er Wind und Wetter ausgesetzt. Die Landwirtschaft hat daher oft einen negativen Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Denn selbst ohne den starken Einsatz von Dünger werden durch die vorherrschenden jährlichen Monokulturen die natürlichen Kreisläufe des Ökosystems blockiert. Jeder Spatenstich, jeder Pflug, jede Zerstörung der schützenden Pflanzendecke führt zur Freilegung des Bodens. Bei Anbau einjähriger Pflanzen kann dies auch der ökologische Landbau nicht vermeiden. Sobald der Boden aufgerissen ist, trocknet er aus, die Bodenlebewesen ziehen sich zurück und die Erosion beginnt. Wind weht und Regen spült den Boden davon. Zurück bleibt unfruchtbares Land. Die Böden gehen also den Bach runter oder werden vom Winde verweht.

Schon die alten Römer…

Die Ursache liegt in der Art der Bewirtschaftung. Schon im Römischen Reich wurden riesige Waldflächen abgeholzt um einerseits Platz für die Landwirtschaft zu schaffen und andererseits Holz für den Bau von Kriegsschiffen zu gewinnen. Der Mittelmeerraum war ursprünglich, ebenso wie ganz Deutschland, stark bewaldet. Bäume sind mit ihrem großen Blätterdach und starken Wurzelwerk der beste Schutz für den Boden. Durch die Rodung der Wälder wurden die Böden Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Es kam zu starker Erosion, deren Folgen das heutige Landschaftsbild der mediterranen Regionen prägen.

Auch heute leiden durch die jährliche, stets neue Bodenbearbeitung die Böden immer weiter. Pflanzen wie Mais, Soja und Weizen laugen den Boden stark aus. Diese Getreidesorten und Hülsenfrüchte werden stets in Monokulturen angebaut, das bedeutet, dass nur diese eine Pflanze auf riesigen Flächen steht. Nach der Ernte liegen solche Felder brach, sind also ihrerseits ungeschützt Wind und Regen ausgesetzt.

Bodenschrumpfung

Ehemals teils meterdicke Böden sind so auf wenige Zentimeter geschrumpft. Selbst starke Düngung hilft heute nicht mehr, um die sinkende Produktivität dieser Flächen auszugleichen. Zugleich stirbt auch das übrige Ökosystem in der Landwirtschaft. Nur wenige Tierarten leben in den riesigen Getreidewüsten; gesunde Ökosysteme bauen auf Komplexität und Vielseitigkeit.

Der Anbau von Getreide bedarf einer Umwälzung des Bodens und in der Natur passiert dies durch natürliche Ereignisse eher selten. In dem offen liegenden Boden siedeln sich zunächst Gräser an und sorgen für eine erste Stabilisierung des Bodens durch ihr Wurzelwerk, bis sie von anderen, stärkeren Pflanzengesellschaften abgelöst werden. Diese Abfolge wird Sukzession genannt.

Im Zuge der Landwirtschaft kommt es jedoch Jahr für Jahr wieder zu einer solchen Umwälzung: Durch das Pflügen wird der Boden ständig wieder aufgerissen um Platz zu schaffen für das Getreide und einjährige Gemüse. Die landwirtschaftliche Nutzung ist eine übernatürliche Beanspruchung des Bodens.

‘Bio’ allein ist keine Lösung

Durch den Verzicht auf Mineraldünger und die Anwendung bestimmter, schonender Fruchtfolgen begegnet der ökologische Landbau diesem Problem mit einer bodenfreundlicheren Methode. Doch es bleibt bei der starken Beanspruchung des Bodens und der teils mehrfach jährlichen Umwälzung.

Auch Tierhaltung kann zur Desertifikation führen. Wenn zu viele Rinder oder Schafe für zu lange Zeit auf der gleichen Weide bleiben, so fressen sie die Gräser oft zu stark ab und zerstören sie dabei. Die Pflanzen sterben ab, ihr Wurzelwerk löst sich auf und der Halt des Bodens geht verloren. Zugleich kann auch der Vertritt durch diese Tiere einen negativen Einfluss auf die Bodenstabilität haben. Tatsächlich sind nicht die Tiere per se Schuld an dieser Art der Bodendegradation, sondern der falsche Umgang mit ihnen durch den Menschen.

Um Gefährdungen wie Erdrutsche besonders in bergigen Regionen zu beheben werden und wurden in der Vergangenheit Flächen wiederaufgeforstet, um die Bodenerosion zu stoppen. Doch vielerorts werden dafür ausschließlich Fichten eingesetzt, auch um diese forstwirtschaftlich zu nutzen. Diese Nadelbaum-Monokulturen, besonders wenn sie, wie so häufig, in Reihen gepflanzt werden, sind jedoch kein so guter Schutz wie ein natürlich gewachsener Wald mit Laubbäumen. Die Folge ist ein oft nur unbefriedigender Erosionsschutz und auch die Tierwelt kann sich in einer solchen Umgebung nicht vollständig entfalten. Auch hier ist also das Vorbild der Natur zu beachten.

Wie soll es weitergehen?

Auf diese Weise kann also die Landwirtschaft, die Produktion von unschuldig erscheinendem Gemüse, zur Zerstörung von Ökosystemen beitragen. Wir wissen, wie Gemüse entsteht und wie sehr wir von unseren Böden abhängig sind. Was also sind die Alternativen? Darum wird es in einem weiteren Beitrag gehen.

Wenn Ihnen meine Arbeit gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

14 Kommentare zu “Desertifikation durch Landwirtschaft

  1. HoppHopp

    Danke für den Artikel. :-) Der Verlust des Bodens ist ein wichtiges Thema und auch im Bio-Bereich ein Thema. Darüber sollten wir uns nicht hinwegtäuschen lassen. Eine Änderung ist unumgänglich.

    [...] Jährlich verlieren wir ungefähr geschätzte 24 Billionen Tonnen an Oberflächenboden, was etwa der Fläche der Schweiz entspricht. Trockengebiete, die ungefähr 40 % unserer Landflächen ausmachen, sind bereits zu 70 % von Bodendegradation betroffen. Da die Degradation ein schleichender Prozess ist, wird sie von den Bauern erst in einem sehr späten Stadium wahrgenommen. Ein Landwirt kann dabei in einer einzigen stark verregneten Nacht ungefähr 0,1 cm Boden verlieren, was 1,2 Tonnen verlorenem Boden auf 1000 m² entspricht. Nach 20 Jahren sind dann schon über 20 cm des Bodens unwiederbringlich verloren gegangen. Um diese Menge an Erdboden neu bilden zu können, würde es fast annähernd 4000 Jahre benötigen – eine überaus kostbare Ressource also. [...] http://www.derkaninchenbau.blogspot.de/2013/06/veganismus-reloaded.html

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  6. espero

    Einiges im Artikel stimmt m.E. so nicht. Getreide bedarf nicht unbedingt einer “Bodenumwälzung”. Es gibt durchaus Betriebe, die nur Minimalbodenbearbeitung durchführen oder sogar gar keine (no-tillage). Allerdings ist dann neben speziellen Maschinen auch ein höherer Herbizideinsatz erforderlich, auch nicht so toll. Bodenbearbeitung dient auch der Unkraut- und Schneckenbekämpfung. Durch den zunehmenden Anbau von Zwischenfrüchten zwischen den Anbauperioden der Nutzpflanzen liegt der Boden auch bei uns oft nicht mehr über den Winter nackt da, sondern ist besser vor Erosion geschützt.
    Eine ungeeignete Landnutzung kann den Boden zweifellos stark und irreversibel schädigen, eine regelrechte Wüstenbildung kann daraus aber nicht entstehen. Dazu sind schon gravierende meteorologische Änderungen nötig.

    1. Felix

      “Umwälzung” ist gewiss auch Definitionssache. Aber denjenigen, der seinen Weizen jährlich anbaut ohne den Boden umzurühren will ich sehen. Getreide ist nunmal ein Gras und wird in der Sukzession von anderen Pflanzen verdrängt.

      Das mit den Zwischenfrüchten ist völlig richtig, aber auch das sind leider meist Monokulturen, die auf Dauer den Boden belasten.

      Was die Wüstenbildung angeht: Die Flora hat direkten Einfluss auf das Mikroklima. Und eben das kann genau so weit kippen, dass es eben doch zur Desertifikation kommt. Auch da ist es vielleicht eine Frage der Definition: Du verstehst unter Wüste sicherlich eine große gelbe Masse wie die Sahara? Klar, bis es dazu kommt, dauert es länger. Wüste sehe ich da aber eher im weiteren Sinne: Eine große, tote Fläche auf der nichts (oder kaum etwas) leben kann. Gibt ja auch Eiswüsten.

      Dazu gibt’s aber im Folgebeitrag noch was, ist bereits veröffentlicht: http://www.urgeschmack.de/mittel-gegen-die-desertifikation/

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    1. Felix

      Ich finde das spannend. Alledings auch schade, dass so wenige im Bereich Paläo wirklich an die Nachhaltigkeit denken.

      1. faywray

        Absolut. Besonders die englischsprachige Blogszene erinnert mich leider immer ein wenig an das alte “Zurück zur Natur – aber bloß nicht zu Fuß” (cf. Robb Wolfs häufige abfällige Kommentare über Hippies oder Mark Sissons Werbung für Luxussafaris).

        Deshalb weiß ich Deinen Blog um so mehr zu schätzen, seit ich ihn vor Kurzem gefunden habe. Ganz großes Lob an dieser Stelle!

        faywray

        PS: Vorhin hätte ich beinah die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich den Titel Deines letzten Videos sah, “Tipps zu Vakuumiergeräten”. Aus irgend einem Grund dachte ich an das in letzter Zeit so in Mode gekommene Sous vide-Kochen, wo für jedes Gericht ein Plastikbeutel verbraucht und dann weggeworfen wird. Das wollte mir so gar nicht zu Deinen bisherigen Themen passen… Video angeschaut und die Welt war wieder in Ordnung.

        1. Felix

          Kann ich verstehen, ich kann auch nicht verstehen, warum so viele Bio-Marktstände noch immer Plastiktüten rausgeben.
          Die Vakuumbeutel sind so ziemlich die einzigen Wegwerf-Kunstoffteile, die ich benutzte – zum Fleisch-lagern geht es leider nicht anders.

  8. forst_mann

    Guter Artikel.

    Kleine Anregung:

    Sepp Holzer, “Wüste oder Paradies”, gibt die Lösung.
    Ebenso beachtenswert ist in diesem Bezug die “Waldgarten” oder “Forest Garden” Idee (Martin Crawford).

    Beides in Kombination ergibt die perfekte Problemlösung und das Erntegut wäre sogar paläotauglich.

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