Was ist so schlimm an Fertiggerichten und Fast Food?

Was ist an Fast Food schlecht?Fast Food und Fertiggerichte werden von leidenschaftlichen Köchen kritisiert und von vielen sorgenvollen Müttern gefürchtet. Sie gelten als Ursache für Übergewicht und Krankheiten und tragen zur Zerstörung der Umwelt und der Verschlechterung des Klimas bei. Überzeugte Slow Food-Anhänger sind ihre erklärten Feinde. Aber warum eigentlich?

1) Minderwertige Zutaten

Fertiggerichte stehen wie Fast Food in hartem Konkurrenzkampf zu einer Vielzahl von Mitbewerbern. Ein wesentliches Kaufargument ist dabei stets auch der Preis. Wichtig sind ebenfalls der erste geschmackliche Eindruck und die Präsentation. Alles andere ist dem untergeordnet, so auch die Qualität der Inhaltsstoffe. Um den Preis zu minimieren, sparen Hersteller daher zwangsläufig an den Zutaten: Nicht selten ist die Verpackung teurer als der Inhalt.

Wenn überhaupt welches enthalten ist, findet stets das billigste Gemüse Verwendung, ebenso wie das billigste Fleisch. Das bedeutet meist konventionelle Erzeugungsmethoden und somit Pestizid-, Insektizid- und Herbizidbelastung, geringen Nährstoffgehalt sowie alle negativen Nebenwirkungen der Massentierhaltung und eine starke Umwelbelastung.

Dabei bleibt es jedoch nicht. Die drei größten Waffen der Lebensmittelindustrie bei ihrem Angriff auf den Geschmackssinn des Verbrauchers sind: Zucker, Fett und Salz. Diese drei Zutaten verwenden Lebensmittelchemiker reichlich bei ihrer Konstruktion neuer Produkte. Dass hierbei in der Regel von den billigsten Pflanzenfetten die Rede ist, hat nicht nur finanzielle, sondern auch praktische Gründe.

Durch Verwendung eben dieser drei Zutaten, Zucker, Salz und Fett, bemerkt der Verbraucher die mindere Qualität der übrigen Zuaten praktisch nicht: Der Geschmack ist immer gleichermaßen synthetisch. Sollten überhaupt erkennbare Gemüse oder Fleischanteile enthalten sein, verstecken diese ihre Qualität hinter mehreren Verarbeitungsschritten.

Nicht zu vergessen sind auch die unzähligen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker, die diesen Produkten zu höherer Lebensdauer und größerer Durchsetzungskraft verhelfen.

Das heißt: Fertiggerichte und Fast Food enthalten in der Regel viele Schadstoffe, wenig Nährstoffe und viel Zucker, Salz und Pflanzenfett.

2) Geringe Wertschätzung

Durch ihren geringen Preis und ihre Massenproduktion, haben Fast Food und Fertiggerichte den Charakter von Wegwerfware. Und dies sowohl für die Hersteller und die Händler als auch für viele Verbraucher. Das zeigt schon die Tatsache, dass in den westlichen Industrienationen teils über die Hälfte aller Nahrungsprodukte unbenutzt im Müll landet.

Mit dieser Wegwerfkultur einher geht eine geringe Wertschätzung des Essens. Das Bewusstsein für den Wert und den Aufwand, den eine Mahlzeit aus echten Lebensmittel bedeutet, geht verloren und damit auch auch das Wissen um deren psychologischen, kulturellen und nicht zuletzt auch ernährungsphysiologischen Wert.

3) Schnelles Essen macht fett

So könnte man diejenigen Forschungsergebnisse betiteln, die zeigen, dass schnelles Essen zum Verzehr größerer Energiemengen und zu geringerer Sättigung führt. Wer langsam kaut und isst, verzehrt in der Regel weniger Energie und bleibt länger satt und zufrieden. Das hängt auch mit der Fähigkeit des Gehirns zusammen, das verspeiste zu analysieren. Eng damit verknüpft ist der Umstand, dass das menschliche Gehirn Kalorien in flüssiger Form (zum Beispiel Limonade oder Softdrinks) schlechter wahrnimmt als in fester Form. Die Wahrnehmung des Gegessenen durch das Gehirn ist jedoch kritisch für das Einsetzen der Sättigung.

Mit Blick auf die Evolution des Menschen ist dies plausibel, denn traditionell war selbst das Essen einer Mahlzeit auch nach Erfindung des Feuers mit Arbeit verbunden: Steinzeitliches Gemüse war in der Regel wesentlich faseriger und zäher als das, was wir heute in der Gemüseauslage finden.

Fast Food (und dessen übliche Umgebung) ist per Definition zum schnellen Essen gedacht und die meisten Verbraucher verwenden Fertiggerichte auf die gleiche Weise: Schnell, hastig, nebenher.

4) Fertiggerichte und Fast Food machen hungrig

Es versteht sich von selbst, dass die Lebensmittelkonzerne möglichst viel ihrer Ware verkaufen möchten. In der Regel handelt es sich um Aktiengesellschaften, deren einzige Aufgabe das wirtschaftliche Wachstum ist. Dieses soll nach dem Wunsch der Aktionäre mit einer Mindestgeschwindigkeit vonstatten gehen. Leider liegt diese oberhalb des Bevölkerungswachstums.

Lebensmittelkonzerne stehen also vor dem Problem, dass ihre Kunden ein begrenztes Magenvolumen haben. Oft sprechen sie daher nicht von Marktanteil, sondern vom Magenanteil. Ihre größte Herausforderung ist, den Verbraucher zu bewegen, immer noch mehr zu essen. Dies meistern sie recht erfolgreich durch die Verwendung von reichlich Zucker, Fett und Salz (siehe oben), um die Appetitlichkeit ihrer Produkte zu maximieren.

Fast Food und Fertiggerichte sind also nicht dazu da, satt zu machen. Vielmehr sollen sie hungrig machen. Hungrig auf mehr. Sie erreichen das Gegenteil von dem, wofür der Mensch Nahrungsmittel eigentlich benötigt.

5) Hoher Preis für geringen Wert

Für all diese Nachteile, Giftstoffe, geringen Nährwert, eine lieblose, maschinelle Herstellung und größeren Hunger ruft die Lebensmittelindustrie relativ hohe Preise auf. Ihr Argument ist der Mehrwert, den sie und ihre Abnehmer in all diesen Verarbeitungsschritten sehen. Wertschöpfung nennt sich der Vorgang und selbstverständlich ist diese pinzipiell mit einer Erhöhung des Geldwertes verbunden.

Nicht nur angesichts der Nachteile ist jedoch zweifelhaft, ob diese Wertschöpfung den Preis wirklich wert ist: Die Zubereitung einer Mahlzeit ist keine Quantentheorie — zum Glück. Denn sich zu ernähren ist lebenswichtig und jeder Mensch hat grundsätzlich die Fähigkeit dazu. Selbst wenn es um die grundlegende Verarbeitung geht (wir nennen es "kochen"), ist dies noch immer keine Tätigkeit, die besondere Qualifikation erfordert.

Ist es also sinnvoll, vor dem Hintergrund eines großen ernährungsphysiologischen Nachteils (weniger Nährstoffe, mehr Giftstoffe, weniger Sättigung, mehr Hunger) den Mehrpreis für Fast Food und Fertiggerichte überhaupt zu bezahlen?

6) Jeder kann kochen!

Was die Nahrungsmittelindustrie den Verbrauchern vorsetzt ist Einheitsbrei und Standardkost. Es ist eine Massenware mit mangelnder Vielfalt. Sie fördert die Angewöhnung von Routinen im Alltag und untergräbt die kulinarische Kreativität. Und nicht zuletzt fördert sie die Einsamkeit: Fast Food und Fertigprodukte sind auf den Individualismus zugeschnitten. Das klingt fortschrittlich, bedeutet jedoch auch, dass jedes Familienmitgleid sich jederzeit sein eigenes Essen in der Mikrowelle aufwärmt; oder es aus dem Fast Food-Geschäft holt und es nicht mehr am Tisch mit der Familie, sondern irgendwo, oft vor dem Fenseher, dem Computer oder im Büro, womöglich stehend, verschlingt.

Zweifelsohne ist dies einfach nur eine Veränderung der Esskultur. Ich persönlich halte sie nicht für erstrebenswert.

Gibt es keine Ausnahmen?

Sind Bio-Fertiggerichte besser? Sie mögen weniger Giftstoffe enthalten und vielleicht einen höheren Nährwert haben. Doch es bleibt beim zugrundeliegenden Prinzip: Gewinnmaximierung durch Reduktion des Preises und Erhöhung des Absatzes mit allen oben genannten Nebenwirkungen. Auch bedeutet Bio nicht, dass kein Zucker, Salz oder Fett enthalten wäre.

Was ist der Ausweg?

All dies kann sich schlagartig ändern mit dem Verzicht auf Fast Food und Fertigprodukte. Wer Lebensmittel im möglichst rohen Zustand kauft, kann deren Qualität besser beurteilen. Wer sie selbst verarbeitet, kontrolliert den Gehalt an Zucker, Fett und Salz.

Wer die Arbeit selbst investiert, wird vermutlich auch eine höhere Wertschätzung pflegen. Er wird entsprechend langsamer und bewusster essen und erlebt so nicht nur durch den höheren Nährstoffgehalt ein bessere Sättigung. Und wer selbst kocht, spart Geld. Und lernt mit jeder einzelnen Mahlzeit, noch besser zu kochen.

Und so jemand kocht dann vielleicht auch vor und erstellt Mahlzeiten zum Mitnehmen für die Woche im Voraus. Die eigenen Fertiggerichte mit voller Kontrolle und der wichtigen Extraportion Liebe...

Weiterführende Informationen:

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7 Kommentare zu “Was ist so schlimm an Fertiggerichten und Fast Food?

  1. Lissilein

    Hallo.Ich finde diesen Beitrag äußerst wertvoll. Am meisten hat mir irgendwie das mit der Wertschätzung gefallen. Es ist wirklich wie beschrieben. Diese Esskultur mit Drive-In (Damit man nicht mal einen Schritt gehen muss um an sein Essen zu kommen) hat wirklich Schaden angerichtet. Eigentlich traurig…die Industrie interessiert sich nicht für das Wohlergehen und die Entwicklung der Gesellschaft…hauptsache man verdient daran Geld….

  2. Andi

    Übung macht den Meister, das gilt auch beim Kochen. Danke für die Denkanstöße auf Fastfood zu verzichten wobei das bei einer halben Stunde Mittagspause ganz schön schwer wird

  3. Torsten Fleischer | Personal Trainer Berlin

    Hallo,

    danke für den tollen Artikel. Ich wünschte mir oftmals auch mer Verständnis dafür, dass die uns zugeführten Lebensmittel und rekonstruieren – und ein Haus kann eben nur so stark und stabil sein, wie die Materialien aus denen es besteht. Hinzu kommt, innerhalb des Herstellungsprozesses, der wenig wertschätzende Umgang mit jedweder Form von Ressourcen.

    Grüße, Torsten

  4. Petra

    Besonders schlimm finde ich Fast Food in der Kinderernährung, und zwar das Kantinenessen in Kindergärten und Schulen.
    Natürlich will und kann kaum jemand 5-6 Euro/Tag nur für ein Schul-Mittagessen seines Kindes zahlen, aber leider hat das auch zur Folge, dass die Kinder meistens billigen Chemiepamp von einem “Caterer” vorgesetzt bekommen.

    Als meine Tochter noch zur Schule ging, hat sie sich geweigert, dort mitzuessen, weil es einfach zu grässlich schmeckte. Ich habe also abends gekocht und ihr eine Portion am nächsten Tag zur Schule mitgegeben.

    Jetzt arbeitet sie selbst im Kindergarten und dort haben sie den Luxus, eine eigene Köchin vor Ort zu haben, die jeden Tag frisch kocht. Den Unterschied hat man gemerkt, als die Dame krank war und in der Zeit eine lokale Großküche die Versorgung übernahm. Fast alle Kinder haben in der Woche nichts essen wollen und auch meine Tochter hat sich jeden Tag etwas von zuhause mitgenommen.

    1. balabushka

      Danke für den Hinweis… Frosta scheint ja eine löbliche Ausnahme zu sein… keine Geschmacksverstärker usw..

      Wenn sie jetzt nur noch ein paar Paleo-konforme Essen machen würden… ich koche ja sehr gerne, aber ab und an hätte ich nix dagegen, wenn man sich abends gemütlich ne Fertigpfanne warm machen könnte.

      Apropos Frosta und paleo…
      http://www.frostablog.de/historisches/praehistorisches-essen

      Da sollte mal etwas Interesse gezeigt werden…

      Und naja… was bezeichnet man als Fertiggericht? Felix berichtet ja selbst über einen Paleo-Catering-Service ( http://www.urgeschmack.de/rezept-fur-bobotie-video/ ) .

  5. nicolette unterstaller

    Du hast recht!
    Essen sollte nicht etwas sein, das man mal eben nebenher erledigt.

Kommentare geschlossen.

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