In den Köpfen der meisten Menschen ist die im Volksmund verbreitete Vorstellung verankert, Fast Food sei ungesund. Manche sind konsequent und verzichten auf solche Produkte, andere essen sie nur mit schlechtem Gewissen. Wieder anderen sind die Folgen egal. Doch die wenigsten stellen in Frage, ob die zugrundeliegende Annahme der Wahrheit entspricht. Was wäre, wenn das manchmal doch köstliche Zeug der Gesundheit gar nicht schadet? Wäre es nicht schön, wenn man sich den Lieblingshamburger ganz ohne schlechtes Gewissen einverleiben könnte?

Ist Fast Food wirklich ungesund?

Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Allerdings benötigen wir einen Ausgangspunkt. Warum sollte Fast Food ungesund sein? Als Begründung folgt in der Regel, die auch als Junkfood bezeichneten Produkte seien ballaststoffarm, machten fett, enthielten kaum wertvolle Nährstoffe und zu viele Kalorien und man esse sie zu schnell.1 Rechtfertigen diese Eigenschaften, so sie denn allgemein bestehen sollten, das Urteil? Eine klare Antwort erfordert zunächst Definitionen:

Definieren wir Fast Food auf dem einfachsten Weg als wenigstens alles, was aus sogenannten Fast-Food-Restaurants kommt. Zum Beispiel die Hamburger und Pizzen von den berühmten Marken.

Die zweite nötige Definition ist weniger verbreitet: ungesund. Definieren wir: Ungesund ist das, was der Gesundheit schadet, also auch der natürlichen Funktionsweise des Körpers.

Untersucht man einen Hamburger nun auf das Kriterium ungesund, ist der einfachste Weg ein Blick auf seine Inhaltsstoffe. Das müssen wir nicht selbst tun, denn für so etwas gibt es Labors. Recht einfach ist ein Blick auf die Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette. Keiner dieser Makronähstoffe schadet der Gesundheit. Die Tabelle mit den Mikronährstoffen (darunter Vitamine und Mineralstoffe) glänzt bei Fast Food prinzipbedingt mit Kürze und niedrigen Werten. Wenn das ausnahmsweise nicht die meist minderwertigen, weil billigeren Zutaten verantworten, liegt es an den regelmäßig intensiven Verarbeitungsschritten. Das heißt: Um die Makro- und Mikronährstoffe müssen wir uns gar keine Gedanken machen. Was fehlt? Die Zusätze wie Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren. Keine Sorge: Es klingt als würde es nun kompliziert, aber auch hier ist die Lösung einfach.

Alle derartigen Stoffe werden vor ihrer Marktzulassung ausgiebigen Tests unterzogen und die allermeisten dieser Substanzen sind so lange auf dem Markt, dass ihre Einnahme in realistischen Mengen auch nach Jahrzehnten nicht durch ein inhärentes Potenzial zur Gesundheitsgefährdung aufgefallen ist. Um Stoffe wie Glutamat ranken sich hartnäckige Schauergeschichten, die jedoch allesamt ins Reich der Märchen gehören.2 Zwar gibt es hier und da immer wieder leichte Zweifel an einigen Zusatzstoffen, aber leichte Zweifel genügen nicht für ein fundiertes Argument (spätestens seit Corona wissen wir zudem, dass schon leichte Zweifel am Staat, seinen Institutionen und der Industrie grundsätzlich demokratiefeindlich und zu ächten sind).

Fast Food ist kein Gift

Fast Food hat hinsichtlich etwaiger gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe in der überwältigenden Mehrheit eine weiße – wenn vielleicht auch fettige – Weste. Was soll daran ungesund sein? Ein Blick auf die Vorwürfe könnte weiterhelfen: Ballaststoffarm? Das gilt auch für ein dampfgegartes Fischfilet. Macht fett? Jedes Lebensmittel macht fett, wenn man zu viel davon isst. Auch Bananen. Enthält kaum wertvolle Nährstoffe? Richtig. Geringer Nährstoffgehalt ist nicht per se ungesund – sonst müssten wir auch auf Eisbergsalat verzichten – doch es ist eine gute Fährte, die uns zugleich auf einen Weg zu mehr Zufriedenheit mit dem Essen führt.

Der Mensch benötigt einige Nährstoffe, damit seine Maschine einwandfrei läuft. Nimmt er sie nicht über die Nahrung zu sich, wird er krank. Das gelingt vielen Menschen allerdings auch ganz ohne den Konsum von Fast Food. Solange man sich von nährstoffreichen Lebensmitteln ernährt, sollte alles funktionieren. Der Nährstoffbedarf ist nicht unendlich hoch; sobald wir also das nötige Maß erreicht haben, kann man sich im Prinzip auch leere Kalorien (ein anderer Name für Fast Food) einverleiben. Im Rahmen der vernünftigen verliert man dadurch keine zuvor mühselig eingenommenen Nährstoffe. (Zu beachten sind dabei etwaige Anti-Nährstoffe, die durchaus Nährstoffe binden können und somit der Verfügbarkeit für den Körper entziehen. Die halten sich jedoch in Grenzen. Die Lösung dieser Herausforderung folgt.)

Eine Bereicherung für den Alltag

Was können wir mit diesen Informationen anfangen? Ist Fast Food nun ungesund oder nicht? Die Frage kann man vergleichen mit der Frage nach der Gefahr, die von einem scharfen Messer ausgeht. Man kann es als tödliche Waffe einsetzen, indem man Menschen damit ersticht. Oder man rettet Leben, indem man es als Werkzeug zum Kochen benutzt und mit dem Essen hungernde Menschen ernährt. Diese Analogie verfügt über die passende Bandbreite.

Fast Food ist etwas zum Essen. Es ist für viele Menschen auch ein Genussmittel. Wenn man zu viel davon isst, sich zum Beispiel überwiegend davon ernährt, dann schadet es der Gesundheit.

Isst man jedoch viel buntes Gemüse, pflegt allgemein eine gesunde Esskultur und ernährt sich überwiegend (sagen wir mal zu 80 Prozent) von nährstoffreichen Lebensmitteln, dann richten 20 Prozent Fast Food keinen Schaden an. Es sei denn, man isst zu viel. Das gilt jedoch auch für gesunde Lebensmittel.

Viel wichtiger: Was für Fast Food gilt, findet auch für hausgemachtes Comfort Food Anwendung. Eine Lasagne ist nicht Sinnbild bester Ernährungsgewohnheit. Teilt man jedoch bei den meisten anderen Mahlzeiten Fleisch und Pasta Nebenrollen zugunsten von Gemüse zu, nimmt man an dieser Speise keinen Schaden.

Wer also gerne einmal die Woche ein Stück Kuchen essen geht oder alle zwei Wochen dem Gang zum Fast-Food-Tempel nicht widerstehen kann, der kann diesem Drang ohne schlechtes Gewissen nachgeben, solange er sich die übrige Zeit gesund ernährt. Denn: Fast Food mag wenig mit Esskultur, gutem Essen und gesunder Ernährung zu tun haben. Aber Fast Food ist nicht ungesund.

Fußnoten

  1. s.a. Wikipedia, Fast Food (Gesundheitsrisiken), abgerufen am 6. Oktober 2021)
  2. Siehe auch Olschewski, Felix (2015) Umami: Glutamat in der Muttermilch, urgeschmack.de und Olschewski, Felix (2017) Umami: Gesünder essen mit Glutamat, urgeschmack.de

One thought on “Ist Fast Food ungesund?

  1. Sehr richtig. Die generelle Hatz gegen so einiges ist Fehl am Platz. Die Dosis macht das Gift. Ich habe 10 Kilo weg – auch mit gelegentlichem Bier und ab und an eine halbe Pizza. 🙂

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