Die Kalorienbilanzfalle

Die Kalorienbilanz ist eine FalleKatja steht im Badezimmer und ist den Tränen nahe. Sechs Monate hat sie Kalorien gezählt. Ein tägliches Defizit von 300 Kalorien multipliziert mit 180 Tagen ergibt 54000 kcal, das entspricht sechs Kilogramm Fett. Doch die Waage lacht ihr ins Gesicht und zeigt lediglich ein Kilo weniger an als vor einem halben Jahr. Was hat sie falsch gemacht? Muss sie noch mehr hungern, noch weniger essen, noch härter trainieren?

Nichts dergleichen. Katja fehlen nur Informationen. Das Konzept der Kalorienbilanz zum Abnehmen ist mangelhaft. Die Vorstellung »Wer abnehmen möchte, muss weniger Kalorien essen, als er verbraucht« klingt plausibel, setzt jedoch eine sehr einfache und vollständig kontrollierte Maschine voraus. Diese Voraussetzungen erfüllt der Mensch nicht. Neben vielen noch immer unbekannten Faktoren im Körper machen eine Reihe bekannter Wechselwirkungen des Hormonsystems mit Nahrungsmitteln die genaue Bestimmung des Energieverbrauchs unmöglich. Dem gegenüber stehen Listen und Tabellen mit dem Nährwert unserer Lebensmittel, die uns deren Energiegehalt nur vorgaukeln. Dabei fallen wir auf einen der ältesten Tricks der Zivilisation herein: Es steht schwarz auf weiß geschrieben, also muss es stimmen. Doch diese Werte spiegeln nur scheinbar den Energiegehalt der Lebensmittel wider.

Den Energiewert von Lebensmittel messen wir überwiegend in der Einheit kcal, umgangssprachlich Kalorien. Zwei für uns greifbare Einheiten sind der Meter als Längeneinheit und das Kilogramm als Masse. Ein Stück Holz hat eine Größe und ein Gewicht (eine Masse). Beide Werte lassen sich relativ einfach messen. Die Kalorie hingegen können wir im Haushalt kaum nachvollziehen. Tatsächlich ist die Bestim­mung des genauen Energiewertes von Lebensmitteln ein schwieriges technisches Problem. Eine direkte, genaue Berechnung ist aufgrund der Komplexität in Zusam­mensetzung und Struktur und der Unterschiede unserer Verdauungssysteme nicht möglich. Deswegen nehmen Ernährungswissenschaftler Schätzungen vor. Diese basieren auf vereinbarten, nicht perfekten Regeln. Daraus entsteht eine Konvention: das Atwater-System.

Diese Konvention kam anfangs durch Messung und Berechnung pro Gramm Lebens­mittel auf Werte von 4 kcal für Protein, 4 kcal für Kohlenhydrate und 9 kcal für Fett. Im Atwater-System ignorierte man ursprünglich unter anderem die leichten Variati­onen des Energiegehalts zum Beispiel im Protein aus Eiern (4,36 kcal/g) oder brau­nem Reis (3,41 kcal/g), eine Differenz von immerhin über 25 Prozent. Dement­sprech­end hat man einige der Listen angepasst. Ähnliche Korrekturen nahm man in Hinblick auf den variierenden Stickstoffanteil der Proteine vor, durch den man deren Anteil am Lebensmittel misst. Unterm Strich wirken sich die Schwankungen dennoch so gering aus, dass viele Ernährungswissenschaftler sie ignorieren. Das Atwater-System ist somit eine flexible Konvention, die ständiger Modifikation unterliegt.

Das Kernproblem des weltweit verbreiteten und akzeptierten Atwater-Systems ist seine reduktionistische Perspektive. Getreu dem Nährstoffismus haben wir durch sie einen Faktor in Zahlen gefasst und dies ohne weiteres Hinterfragen zur Maßgabe erhoben. Dabei ist der Fehler offensichtlich. Die Kalorienzahl kennen wir auch als Brennwert. Grund dafür ist ihre Herkunft. Zum Bestimmen der Kalorienzahl eines Lebensmittels verbrennt man es in einem Kalorimeter. Die dabei gemessene Wärme­energie gilt als der Brennwert oder Energiewert. Dieser Messvorgang verdeutlicht einen essenziellen Mangel des Kalorienkonzepts: Der Mensch verbrennt keine Nahrung. Er verdaut sie.

Verdauung ist ein Vorgang, eine Aktivität im Körper. Sie kostet Energie. Abhängig von Art und Beschaffenheit des Lebensmittels steigt der Stoffwechsel dabei um bis zu 25 Prozent. Je größer der Proteinanteil, desto höher die Energiekosten der Verdauung. Je größer der Fettanteil, desto geringer die Verdauungskosten. Tierexperimente zeigen: Je härter, zäher, größer die Lebensmittelpartikel, desto Energieaufwendiger die Verdauung. Je größer und kälter die Mahlzeiten, desto höher die Verdauungskosten und so weiter.

Für 100 Gramm Steak haben wir einen festen Brennwert gesetzt. Essen wir dieses Steak roh und am Stück, gewinnt unser Körper daraus jedoch erheblich weniger Energie, als wenn wir es vorher fein hacken und garen. Das ist die Erfolgsbasis jeder Ernährungsumstellung auf weniger stark verarbeitete Lebensmittel, wenn es um das Abnehmen von Körpergewicht geht: Wer sein Essen nicht mehr püriert, hackt, schnei­det und kocht, gewinnt aus der gleichen Nahrungsmenge weniger Kalorien, weil seine Verdauung mehr Energie benötigt.

Das Atwater-System geht außerdem davon aus, dass wir immer den gleichen Lebens­mittelanteil verdauen. Jedoch wissen wir, dass das nicht der Fall ist. Abhängig ist das vom Grad deren Behandlung. So verdauen wir volle Getreidekörner weniger vollstän­dig als Vollkornmehl, dies wiederum weniger vollständig als weißes Mehl. Auch der Kontext beeinflusst den Energiebedarf bei der Verdauung. Essen wir Protein zusam­men mit vielen Ballaststoffen, verdauen wir es weniger vollständig.

Das Atwater-System, welches wir weltweit zur Bestimmung des Energiewertes verwen­den und somit die Basis der verbreiteten Kalorienbilanz darstellt, ist demnach unrea­listisch. Es liefert ungenaue Werte, die nicht die Realität der Verdauung widerspiegeln.

Aus diesem Grund ist das Konzept der Kalorienbilanz zum Abnehmen für Menschen eine minderwertige und ineffektive Methode. Die Formel als solche ist laut den Geset­zen der Thermodynamik korrekt. Jedoch sind die Variablen (Energiezufuhr und Ener­gieverbrauch) in der Praxis überwiegend unbekannt. Die Kalorienbilanz kann besten­falls dann zum Abnehmen funktionieren, wenn man eine große Fehlertoleranz einbaut, sprich: Wenn man die Energiezufuhr stark über- und den Energieverbrauch stark unterschätzt. Oder dann, wenn die spezifische Ernährung, also der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel, und der individuelle Stoffwechsel, wie etwa der Zustand des Hormonsystems, dem Mittelwert durch Zufall entsprechen.

Die Anwendung der Kalorienbilanz basiert demnach auf Zufall und grober Schätzung. Für viele Abnehmwillige funktioniert sie deswegen nicht. Dass demgegenüber zahl­reiche Menschen damit Erfolg hatten und haben, mag dem scheinbar widersprechen. Sicher stärkt es die Plausibilität des Konzepts. Doch Plausibilität ist kein Beweis, wie wir spätestens seit der Erkenntnis wissen, dass die Sonne nicht um die Erde rotiert.

Katja hat sich informiert. Sie versteht nun, wie Nahrungsmittel auf ihren Körper wirken, wie wenig wir eigentlich über den Umgang unseres Körpers mit dem Essen wissen und dass sie mit Zahlenspielen nicht weiterkommt. Statt rohe Gewalt – ein starkes Kaloriendefizit – anzuwenden, isst sie sich wieder an viel Gemüse satt. Sie bleibt aufmerksam und vermeidet einfach, sich zu überfressen. Auch kündigt sie ihre Mitgliedschaft im Fitnesscenter und spart sich wöchentlich die drei zeitaufwendigen Trainingseinheiten in den sterilen, lauten Hallen. Dafür geht sie häufiger stramm spazieren und bewegt sich mehr zwischendurch. Sie findet wieder die Energie zum Treppenlaufen und zwischendurch einfach draußen zu spielen, zum Rennen, Hüpfen und Springen. Und sie hat endlich die Zeit, einen Tanzkurs zu belegen und sich körperlich auszudrücken. Dabei lernt sie ihren Körper kennen und lieben. Und sie begreift, dass ein paar Kilo Fett am Körper weder ein Weltuntergang, noch ein unüberwindbares Problem sind.

Urgeschmack ist frei von Werbung. Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Freuen Sie sich, etwas gelernt zu haben? Gründliche Recherche und Schreiben kosten Zeit. Ihre Unterstützung als einfache Zuwendung hilft, diese Arbeit fortzuführen.

(Auch per Überweisung möglich.)

24 Kommentare zu “Die Kalorienbilanzfalle

  1. Janina

    Was auch noch eine erhebliche Rolle spielt, sind die unterschiedlichen Darmbakterien der Menschen. Es kann also gut sein, dass zwei Menschen das Gleiche essen, der eine davon zunimmt und der andere nicht. Wie sich die Darmbakterien auf die Verwertung unserer Nahrung auswirken, wird allerdings erst seit ein paar Jahren erforscht. Ich bin der Meinung, dass es da noch viele spannende Erkenntnisse geben wird, die die Ansichten vieler Leute radikal über den Haufen werfen werden.

  2. Jens

    Ein sehr interessanter Artikel, wie immer klar formuliert und für alle (naja fast alle) verständlich. Schade, dass es Beleidigungen bedarf, um die eigene Meinung kund zu tun. Hier haben wir es ganz offensichtlich mit jemandem zu tun, der selten über den Tellerrand blickt und sein veraltetes Wissen aus der Sport Revue als das Dogma ansieht.
    Felix, ich kann Ihnen sagen, ich bin ebenfalls lange im Sport (23 Jahre) und ebenso lange im Bereich Ernährung. Ich habe sehr (!) viel Ernährungsformen kennengelernt und stimme Ihnen voll und ganz zu, was das behandelte Thema betrifft. Ich wollte eben nur loswerden, dass ich ebenso damit leben muss, dass es immer einen gibt, der es ´besser´ weiss und glaubt alles andere madig machen zu müssen. Machen Sie weiter so, bin gerne auf Ihrer Seite, habe die Bücher und verfolge jeden Blog.
    Vielleicht interessiert Sie mal das Thema Paleo im Leistungssport, dann bin ich gerne bereit, meine persönlichen und professionellen Erfahrungen mit Ihnen zu teilen.
    In diesem Sinne

  3. Sophie

    So etwas Ähnliches ist mir tatsächlich auch passiert. 3 Monate bewusste Ernährung (täglich ein leichtes Kaloriendefizit) und mehr Sport als üblich. Hosen und Röcke sitzen locker, die Blusen passen wieder, Hurra! Das Gewicht aber blieb wie es vorher war.

    Vor allem sehr sportliche Menschen sollten nicht aufs Gewicht gehen, sondern lieber Kleidung, Spiegelbild und Messband zu Rate ziehen. Gut trainierte Menschen wiegen oft mehr als Untrainierte. Ich habe schon oft gesehen, dass sportliche Frauen deutlich schwerer sind als gleich große Unsportliche. Trotzdem hatte die Schwerere die bessere Figur, ist deutlich schlanker und trägt eine Konfektionsgröße kleiner. Die Waage hat also herzlich wenig Aussagekraft.

    Da ich sportbegeistert bin und mehrmals die Woche intensiv trainiere, habe ich mich für immer von der Waage verabschiedet. Sie flog hochkantig raus! Ich vertraue meinen Hosen.

  4. René

    Felix am 8. June 2016 um 14:05: ” … kann ich bestätigen, dass 5kg Muskelzuwachs in 6 Monaten absolut nicht ungewöhnlich sind, unabhängig vom Geschlecht. Ohne unmenschlich wirkende Ganztagstrainingspläne, jedoch mit Bekenntnis und Konsequenz.”

    Schade, dass ausgerechnet Sie solchen Geschichten Glauben schenken, ohne den Hintergrund genauer zu durchleuchten. Sie sind nicht mehr wert als als die vielen Geschichten und Inserate von Wunderdiäten. Ich zitiere deshalb auch noch den Bodybuilding-Experten Dr. Dieter Zitlau (siehe http://www.bigbodybuilding.de/training-masseaufbau.html): “In der Regel kann man bei intensivem Training mit etwa 2 bis 3 kg Muskelzuwachs pro Jahr rechnen.”.

    Selbst viele Jahre aktiver Kampfsportler und noch mehr Jahre Trainer von Wettkämpfern, weiss ich, was der Experte unter “intensivem Training” versteht. Zitlaus Worte kann ich aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung bestätigen, vorausgesetzt, dass keine Hormone und Anabolika verwendet werden. Mit dem Zeugs, das in vielen Mukibuden illegal schon an Schüler und Jugendliche verkauft wird, sind Muskelzuwächse von 10 und mehr Kilos in wenigen Monaten bei Männern und wohl auch einige Kilos bei Frauen möglich (so Frauen sowas überhaupt anstreben).

    1. Felix

      Tut mir leid, dass Sie so enttäuscht sind. Wenn ich die Ergebnisse vor mir sehr und ihren Weg teils mitbegleite, sind das für mich allerdings keine Geschichten, sondern Fakten. Sie können das Gegenteil nicht beweisen und beschränken sich darauf, andere hier beteiligte Kommentatoren der Lüge oder des Betrugs zu beschuldigen.

      Ist ihnen schon in den Sinn gekommen, dass die von ihnen zitierten Quellen möglicherweise keine entsprechend optimierten Trainingspläne bzw. Methoden verwenden? Oder dass die Subjekte einfach schlechte Voraussetzungen hatten? Ist Lyle Mcdonald inkompetent?

      Es gibt viele mögliche Erklärungen. Wenn Sie aber unbedingt die einzige Wahrheit pachten und somit alle anderen Perspektiven als unzutreffend disqualifizieren wollen, steht Ihnen das zwar frei, ermöglicht Ihnen allerdings weder eine konstruktive Diskussion, noch das Hinzulernen neuer Informationen.

      Weitere Angriffe auf Personen (“Sie sind auch nicht besser”), das Mittel derer, die sich mit Fakten nicht zu helfen wissen, verbitte ich mir.

    2. Jonsered

      Ihr beide redet aneinander vorbei

      Ein aktiver, bereits gestählter BB schafft das kaum, aber jemand, der kaum Muskeln hat, kann schon 5kg Muskelmasse in 6 Monaten aufbauen. Auch Frauen, gerade, wenn sie einen kleinen Testosteron Überschuss haben.

      Vergleicht bitte nicht Untrainiert mit einem BB.

      Ist wie vieles im Leben… die Basis kann man schnell erweitern, aber dir Optimierung dauert viel länger

      1. Roland

        Danke für diesen guten und natürlich völlig korrekten Hinweis, Jonsered.
        Sieht man dann ja in umgekehrter Form auch beim Abnehmen, v.a. von extrem übergewichtigen Menschen. Da können bei entsprechendem Salzverhalt schon mal 15-20kg in einer einzigen Woche purzeln….

    3. Sophie

      Hallo René
      Ich habe das an meinem eigenen Körper selbst erlebt. Ja, 5 kg Muskelzuwachs ist durchaus möglich auch als Frau, wenn man über den entsprechenden Körperbau verfügt. Als mesomorpher, athletischer Typ sind 5 kg Muskelaufbau absolut im Rahmen des Möglichen. Übrigens wiege ich genau diese 4-5 kg mehr als meine Freundin, die plus minus gleich groß ist wie ich. Während sie zu Konfektionsgröße 38-40 greift, passe ich locker in Größe 36. Die Waage zeigt bei mir aber 4-5 kg mehr an, obwohl ich deutlich schlanker bin. Wie würden Sie das erklären?

  5. Roland

    Danke, Felix – ich möchte hier vielleicht auf einen Satz im obigen Kommentar von Herrn Waranowski Bezug nehmen, der mir hier sehr gut zu passen scheint:
     
    »Letztendlich ist der Körper eine Blackbox….«
     
    Man kann noch so viel mit Formeln hantieren – was unser Körper letztendlich mit uns anstellt, entzieht sich oft jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und Handhabe. Das war mit ein Grund, warum ich mich nach dem 1. Examen aus der Medizin zurück gezogen und mich dem wertneutralen Consulting in der IT-Branche zugewandt habe 😉

  6. Wiktor Baranowski

    Sehr guter Beitrag, der die Stärken und Schwächen des Kalorienzählens gut auf den Punkt bringt. Letztendlich ist der Körper eine Blackbox. Wir können zwar grob den “Brennwert” der Nahrung erfassen, den wir in den Ofen schmeißen, wie effektiv der Wirkungrad unserer Machine ist, ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Gründe wurden zuhauf im Blog oben genannt.

    Wir nutzen die Methode des Kalorienzählens dennoch sehr erfolgreich in unseren Coachings. Dabei gehen wir aber nicht von irgendwelchen theoretisch ermittelten Sollwerten aus, sondern schauen bei jeder Person individuell was angemessen wäre. Die Formeln dienen uns lediglich der groben Annäherung für den Anfang. In einem zweiten Schritt nehmen wir dann die parallel erfassten Körpergewichtsdaten hinzu, um zu bewerten, ob das zu viel oder zu wenig gegessen wurde. Nachdem die Ernährungsgewohnheiten in den ersten Wochen des Coachings angepasst wurden, darf die Nahrungsmittelwahl als relativ konstant betrachtet werden, wodurch sich viele der oben genannten Fehlerquellen gut kontrollieren.

  7. Sophie

    Einen Aspekt möchte ich den Gedanken von Felix noch hinzufügen (oder habe ich ihn überlesen?).

    Die Beobachtungen an meinem Körper haben mich zu der Erkenntnis gebracht, dass ich im Sommer nicht abnehme. Im Winter fällt es mir gleich viel leichter. Mein Eindruck: Ich benötige weniger Nahrung, wenn es draußen warm ist und mein Körper sich nicht so stark selbst wärmen muss.

    1. Dr. Dirk Wagener

      Absolut richtig, Sophie! Der Energieaufwand für die so genannte Thermogenese (Wärmeproduktion in den Mitochondrien) ist eines der größten “Hebel”, um seine Körperzusammensetzung Fett >> Muskeln nachhaltig zu verändern. Der Energieaufwand für die Wärmeproduktion findet ja 24h pro Tag statt und geht in den Grundumsatz mit ein. Klaro: Im Sommer weniger als im Winter. Übrigens: In den Schlafzimmern der Deutschen ist es heutzutage ca. 2°C wärmer als noch vor 50 Jahren. Klingt wenig, aber macht viel aus. Denn dadurch müssen wir nachts weniger Nahrung verbrennen, um den Körper auf Temperatur zu halten … da kommt übers Jahr schon so einiges zusammen. Fazit: Kneipp hatte schon damals recht … regelmässig kalt duschen, baden oder schwimmen … bewirkt wahre Wunder. BergDoc 🙂

  8. sonja Vaupel

    Wie sieht es denn mit den wissenschaftlichen Datenerhebungen aus, auf denen dieser Artikel (hoffentlich) beruht? Speziell Studien zum differenzierten kalorienverbrauch des individuellen Stoffwechsels? Nachweise zu den genannten schwankungen und vor allem ihrer Höhe?

    1. Felix

      Hallo Sonja,
      da ich kein Freund von Redundanz bin und Fakten mag, beruht dieser Artikel selbstverständlich nicht auf “wissenschaftlichen Datenerhebungen”, sondern auf anerkannten Naturgesetzen, aufwändigen Recherchen, langjähriger Erfahrung, Verstand und Kombination. Du findest zu Details (“wissenschaftliche”) Studien im Text als Hyperlink referenziert, allerdings setze ich den Fleiß und die Fähigkeit voraus, Begriffe wie Atwater-System oder Thermodynamik selbst zu recherchieren.
      Ich hege entgegen dem Trend keine Obsession mit “wissenschaftlichen Studien” und erhebe diese nicht zur Religion, einige der Gründe dafür findest du auch in Sascha Fasts aktuellem, exzellenten Artikel hier: http://me-improved.de/replikationskrise/

      Wenn darüber hinaus noch Fragen bestehen, versuche ich gerne, sie dir zu beantworten. Zitiere dazu bitte die jeweilige Stelle aus meinem Artikel, das macht mir die Suche in meinem Ablagesystem leichter. Allerdings bin ich derzeit neben der Beschäftigung mit einem großen Arbeitspensum langfristig im Ausland unterwegs und habe dabei keinen vollen Zugriff auf alle meine Unterlagen, unter Umständen kann ich daher nicht umgehend alle Fragen beantworten.

    1. Felix

      Katja heißt sonst auch Anna, Marie, Ellie oder Susi81 – als Katja ist sie mir persönlich noch nicht untergekommen, weswegen ich den Namen verwendet habe. Was ich garantieren kann: Der Fall ist alles andere als fiktiv.

  9. Bella

    5 kg Muskeln in 6 Monaten? Das wäre mal ne Ansage ???? nein ich denke nicht.

    1. Sascha

      Kommt darauf an, wie die Lebensumstände sind, aber auch für eine Frau ist das realistisch, nur eben nicht für jeden. 🙂

  10. Roland

    Aha, Katja war im Fitness-Studio in der Zwischenzeit?
    Dann hat sie ja vielleicht tatsächlich 6kg Fett abgenommen, aber auch 5kg Muskelmasse zugelegt….
    Das wäre keine unrealistische Annahme bei 6 Monaten Dauer, oder? 😉
     

    1. René

      Ihre Aussage zeugt von eher wenig Sachkenntnis … oder kennen Sie eine Frau, die ohne Hormone, anabole Steroide und dergleichen mehr in 6 Monaten 5 kg Muskelmasse zugelegt und gleichzeitig auch noch 6 kg Fett abgebaut hat? Die Formel lautet: Erst Fett loswerden mit möglichst geringem Muskelverlust (der in dieser Phase nur schwer zu vermeiden ist, siehe dazu weiter unten) und und dann erst wieder gezielt mit Hilfe der richtigen Ernährung (viel, viel Protein) und knochenhartem (!) Krafttraining Muskelmasse aufbauen.

      Mit dem Abnehmen habe ich selbst gerade diese aktuelle Erfahrung gemacht:
      Ich habe in den letzten 8 Wochen 8 Kg abgenommen, indem ich auf der einen Seite 5x pro Woche je rund 30 – 45 Minuten hart trainiere (Krafttraining gegen den Muskelverlust und HIIT-Kardiotraining zur Erhöhung des Energieverbrauchs). Ganz wichtig ist jedoch die Ernährung. Ich für mich habe meine Ernährung nach einem einleitenden 3wöchigen und gesundheitlich induzierten Fettleber-Fasten weitgehend auf die kohlenhydratarme, dafür proteinreiche und auf viel Gemüse basierenden LOGI-Methode umgestellt. Das ging selbst für mich, der ich bisherig ein waschechter Carbo-Junkie war, unerwartet problemlos. Andere Methoden werden genau so funktionieren, so die Kalorienbilanz eben negativ ist.

      B.a.w. ernähre ich mich noch weiterhin unterkalorisch, dies aber ohne Erbsen … ich meine natürlich ohne Kalorien zu zählen. Mit viel Gemüse und Eiweiss in jeder Form (also nicht nur Fleisch, sondern auch Milchprodukte) ist es ohnehin schwierig, mehr Kalorien zu sich zu nehmen als man braucht.

      Was im obigen Artikel noch nicht angesprochen wurde, ist der Umstand, dass unser Körper in einem heute bei uns schon längst nicht mehr nötigen Steinzeitmodus verharrt. Das heisst, dass er bei jedem anhaltenden Kaloriendefizit versucht, Kalorien zu sparen, indem er einerseits den Stoffwechsel selbst herunterfährt und andererseits ganz gezielt Muskeln abbaut, um damit die wichtigsten Energieverbraucher zurückzubinden. Und er versucht, die Fettpölsterchen als Reserve für noch schlechtere Zeiten zu erhalten … Das ist der Anfang vom berüchtigten Jojo-Effekt.

      Die LOGI-Methode, wie auch andere ähnliche Ernährungsweisen, erhält den Stoffwechsel weitestgehend aktiv und der Körper wird, da er nur wenige von den schnell Energie liefernden Kohlenhydraten zugeführt bekommt, einfach gezwungen, die Fettreserven anzugreifen.

      1. Roland

        Mit Verlaub…. (abgesehen davon, dass ich mit dem ” 😉 ” deutlich gemacht haben sollte, dass ich das auch eher für eine weniger plausible Erklärung halte):
         
        Ich habe bis zum 1. Examen Medizin studiert, bin Dipl.-Ernährungstherapeut, hatte in meinen 20ern die B-Lizenz des Deutschen Leichtathletikverbands inne und habe zusammen mit Kollegen das erste Fitness-Studio innerhalb eines Sportvereins in NRW aufgebaut. Daher kann ich Ihnen mit aller nötigen Sachkenntnis versichern:
        Es ist ÜBERHAUPT kein Problem, in dieser Zeit diese Muskelmasse aufzubauen!
        Ein Mitstreiter aus einer meiner zahllosen Fortbildungen damals hat das sogar mit veganer Rohkost-Ernährung geschafft (aufgrund einer Wette nahm er in einem Jahr 15kg Gewicht zu, ohne seinen Körperfettanteil zu erhöhen)!
         
        Über eine exakte Zahl brauchen wir uns hier gar nicht weiter unterhalten, da wir viel zu wenig über Katja wissen. Vielleicht ist sie ja 1,90 groß – dann sind 5kg Aufbau noch viel weniger ein Problem 😉
         

        1. René

          Nun, ebenso mit Verlaub: Bringen Sie mir doch einfach eine Dame (also definitiv nicht einen Mann [sic!]), die in ein paar wenigen Monaten 6 kg Fett abbaut und 5 kg Muskeln aufbaut – das natürlich alles explizit ohne Hormone, Anabolika, Steroide etc. Sie darf sich dafür getrost auch nichtvegan ernähren.

          Nach Alan Aragon von der National Academy of Sports Medicine können männliche Natural Bodybuilder im ersten Trainingsjahr mit einem Muskelwachstum von ca. 1 – 1.5% des Körpergewichtes pro Monat rechnen, bei Frauen liegt die Erwartung bei max. der Hälfte (d.h. bei einer 1.90 grossen und 70kg “leichten” Dame wären das dann im besten Fall rund 500 g Muskelwachstum pro Monat oder 3 kg in 6 Monaten – und das alles ohne gleichzeitig noch 6 kg Kilo Fettpölsterchen abzubauen.

          Die Ihnen bekannt sein müssende Genetik der Frau und die steinzeitliche Funktionsweise unseres Körpers sprechen also keinesfalls dafür, dass das Experiment unter Alltagsvoraussetzungen (wie bei dieser fiktiven Katja höchstwahrscheinlich gegeben) und ohne chemische Hilfsmittel gelingen könnte – ausser die fiktive Dame Katja hätte vor kurzem noch viel mehr Muskelmasse besessen, dann sähe die Kalkulation für sie etwas besser aus.

          1. Felix

            Um die Situation zu schlichten: Als jemand, der berufsbedingt im Dunstkreis auch von persönlichen Trainern und Fitnesseinrichtungen steht, kann ich bestätigen, dass 5kg Muskelzuwachs in 6 Monaten absolut nicht ungewöhnlich sind, unabhängig vom Geschlecht. Ohne unmenschlich wirkende Ganztagstrainingspläne, jedoch mit Bekenntnis und Konsequenz. Von signifikanter Relevanz war dabei vor allem stets der Ausgangspunkt.
            Nein, ich bringe dafür keine Beispielperson und keine amtlich zertifizierten Dokumente vor, einfach Beobachtungen und Gespräche mit entsprechenden Personen in den letzten acht Jahren. Anekdoten also.
            Das nur als Perspektive aus der Praxis. Was theoretisch in Prozentsätzen mit Nachkommastellen möglich sein soll(te), ist weder mein Interesse, noch mein Fachgebiet.

            Und um diese rein theoretische Diskussion vielleicht zu beenden oder im Kontext zielführende, also artikelrelevante Bahnen zu lenken: Nein, Katja hat keine 5 kg Muskelmasse aufgebaut.

Kommentare geschlossen.

Vielen Dank für Ihren Kommentar, leider kann ich nicht immer auf alle reagieren. Zugunsten der Mitleser lösche ich Kommentare ohne Themenbezug und Kontext. Einige Kommentare muss ich manuell freischalten; in der Regel binnen 48 Stunden, selten binnen zwei Wochen.