Die Kalorienbilanz ist nutzlos

Die Kalorienbilanz ist nutzlosDie Kalorienbilanz stellt einen einfachen Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, Verbrauch und Körpergewicht her. Sie basiert auf den physikalischen Gesetzen der Thermodynamik und suggeriert, dass Gewichtsab- und -zunahme ganz einfach zu kontrollieren seien. Ärzte, Ernährungsberater und Abnehmwillige verlassen sich auf dieses auch Energiebilanz genannte Konzept – und erliegen einem Irrtum. Denn die Kalorienbilanz ist zur Steuerung des Körpergewichts praktisch nutzlos.

Was ist die Kalorienbilanz?

Die Kalorienbilanz wird auf unterschiedlichste Weise beschrieben und lautet etwa

Kalorienbedarf - Kalorienzufuhr = Änderung Körpergewicht

Oder: Wer abnehmen möchte, muss mehr Kalorien verbrauchen, als er sich zuführt.

Als Beispiel: Wer 3000kcal benötigt, jedoch nur 2500kcal isst, verliert 500kcal, welche als Fett etwa 56g wiegen.

Das klingt plausibel und einfach und es wird immerhin durch etablierte physikalische Gesetze gestützt. Doch auch der Umstand, dass das Kalorienzählen als Abnehmstrategie für einige Menschen funktioniert, ändert nichts daran, dass die Kalorienbilanz unrealistisch ist, von falschen Annahmen ausgeht und letztlich als sicheres Mittel zur Steuerung des Körpergewichts nutzlos ist.

Was stimmt nicht an der Kalorienbilanz?

Der Mensch ist keine Maschine. Oder sagen wir: Der Mensch ist keine einfache Maschine. Er steckt voller teils noch nicht erkannter und erforschter Variablen. Die einfache Formel der Kalorienbilanz lässt dies außer Acht.

Wir wissen nicht alles über den menschlichen Organismus. Aber wir wissen folgendes:

Der Energiebedarf oder -verbrauch ist variabel. Er ist abhängig von der Aktivität des Individuums und vom Stoffwechsel. Und er ist abhängig von der verfügbaren Energie. Wer nichts isst, hat keine Energie und bewegt sich nicht – und verbraucht in der Folge weniger.

Die Energiezufuhr ist variabel. Man kann viel essen und wenig. Die Zufuhr können wir recht gut steuern, dennoch ist der Mensch seinem Hungergefühl unterworfen. Und der Hunger ist nicht allein abhängig vom Energieverbrauch, sondern vornehmlich von Hormonen, die keinesfalls allein dem Verbrauch unterliegen. Die Energiegewinnung ist darüber hinaus variabel und abhängig von der Bakterienbesiedlung unseres Darms. Hinweise verdichten sich, dass spezifische Bakterien die zugeführte Nahrung unterschiedlich effizient verwerten und in für uns verfügbare Energie umsetzen.

Die Energiespeicherung ist variabel. Ihre Position am anderen Ende der Formel suggeriert, sie sei einzig eine einfache Folge, eine Differenz oder Summe der vorangegangenen Werte. Doch die Energiespeicherung ist von mehr abhängig: Sie richtet sich nach dem Niveau des Stoffwechsels, nach der Art der zugeführten Kalorien, nach Hormonspiegeln und mehr. Und sie hat direkten Einfluss auf Energiebedarf und -zufuhr.

Es handelt sich also um drei miteinander verbundene Variablen mit weiteren Verknüpfungen. Da nicht alle Faktoren bekannt sind, ist die Gleichung schlichtweg nicht lösbar.

Das ist der Grund, warum die Kalorienbilanz für die Gewichtskontrolle nutzlos ist.

Warum ist die Kalorienbilanz nutzlos?

Es folgen einige Probleme der Energiebilanz für Menschen:

Der genaue Energiebedarf ist unbekannt. Es gibt diverse Faustformeln zur Berechnung des Energiebedarfs. In der Regel gehen diese von einem Grundumsatz aus. Etwa das, was der Mensch für den Leerlauf und normale Tätigkeiten wie Atmung, Herzschlag etc. benötigt. Hinzu rechnet man den Aktivitätsbedarf. Etwa Bürotätigkeit oder gelegentlicher Sport. Diese Formeln gehen davon aus, dass alle Menschen einen gleichermaßen effizienten Stoffwechsel haben und jeden Tag genau gleich leben. Wir alle wissen, dass das nicht der Fall ist. Einigen Proponenten der Energiebilanztheorie ist das klar und sie weisen deutlich auf den Charakter der Faustregel hin: Die Kalorienbilanz sei nicht täglich zu verstehen, sondern funktioniere über längere Zeit. Wir werden im Folgenden sehen, warum selbst das nicht stimmen kann.

Die genaue Energiezufuhr ist unbekannt. Wir können noch so lange mitteln: Keine zwei Karotten haben den gleichen Energiegehalt. Natürliche Lebensmittel unterliegen Schwankungen, daher kann auch eine gewissenhaft zusammengestellte Tabelle keine genau Auskunft über den Kaloriengehalt individueller Lebensmittel geben. Haken wir also auch dies unter Mittelwert ab und gestehen eine langfristige Wirkung zu.

Der Aktivitätsgrad ist abhängig von Art und Menge der zugeführten Kalorien. Wer viel isst, bekommt mehr Energie und kann sich mehr bewegen. Dafür sorgt der Körper in der Regel von selbst. Wer bei einem Kindergeburtstag einen Korb Süßigkeiten aufstellt kann sich davon überzeugen: Der Körper bemerkt die verfügbare Energie und regt zur Bewegung an, die Kinder werden in der Regel unruhiger, lauter und rennen mehr umher – wenn man sie lässt.

Muskeln arbeiten unterschiedlich effizient. Die Umwandlung von Energie in Muskelarbeit unterscheidet sich bei gleichem Trainingsstand 20 bis 30 Prozent. Peter muss also zum Abarbeiten des Schweinebratens länger rudern als Ralf. Ja, so ungerecht kann das Leben sein.

Der Stoffwechsel arbeitet abhängig von der zur Verfügung stehenden Energie. Herrscht Energiemangel (=Hunger), fährt der Stoffwechsel seine Arbeit herunter und verbraucht entsprechend weniger Energie. Dem Hungernden wird kalt, er wird schlapp, leicht reizbar, womöglich depressiv. Jemand, der hingegen mehr isst als sein Körper gerade benötigt, fühlt sich eher voller Energie, fit, bekommt unter Umständen Hitzeschübe (Thermogenese) und ist ausgelassener. Hat er am Tag insgesamt viel gegessen, ist ihm möglicherweise auch nachts sehr warm, er lässt automatisch ein Bein unter der Decke hervorschauen. Auf diese Weise "verschwendet" sein Körper die überschüssige Energie.

Die Art der zugeführten Kalorien –Protein, Fett oder Kohlenhydrate– beeinflusst direkt Stoffwechsel, Hunger und Speicherung. Kohlenhydrate stimulieren über den Insulinausstoß eher eine Speicherwirkung, wohingegen Eiweißzufuhr eher eine Energiefreisetzung durch Glucagon verursachen. All diese Nährstoffe haben unterschiedlichen Einfluss auf Sättigungshormone wie Leptin und Ghrelin und somit auch auf die Energiezufuhr. Die Folge: Isst jemand 2000kcal in Form von Zucker, wird tendenziell mehr Energie gespeichert und es steht weniger Energie für Aktivität zur Vefügung als hätte der Proband 2000kcal in Form von Fett oder Eiweiß gegessen. Zugleich hat er danach im ersteren Fall potenziell mehr Hunger.

Der Körper kämpft um sein Gleichgewicht

Die Regulation des Energiehaushalts ist ein durch Homöostase gesteuerter Gleichgewichtszustand. Der Körper strebt von selbst einen Ausgleich an. Er versucht, sein Gewicht zu halten. Genau dafür kann er Hormone wie Leptin, Ghrelin und Glucagon einsetzen, er kann Energie durch Thermogenese verbrauchen oder die Stoffwechselaktivität einschränken, um zu sparen. All das tut er ohne unser bewusstes Zutun. Wir können das nicht einfach kontrollieren. Jedoch können wir ihn stören – absichtlich oder unbeabsichtigt.

Wir können das praktizieren, was wir ungesunde Ernährung nennen. Zum Beispiel große Mengen Zucker essen und so den Insulinhaushalt durcheinander bringen. Oder wir können ständig hungern und so den Abbau von Muskelmasse und Knochensubstanz vorantreiben.

Wer hungert, verliert Muskeln

Fett ist die eiserne Reserve des Körpers. Er hält daran fest bis es nicht mehr anders geht. Das ist eine weitere, fatale Folge des naiven Glaubens an die Kalorienbilanz: Wer mit einer negativen Kalorienbilanz lebt, baut nicht einfach Körperfett ab. Er baut Körpersubstanz ab. Dazu gehören fast immer auch Muskeln. Und wer keine überschüssige Energie hat, bewegt sich weniger und stimuliert so kaum seine Muskeln. Ein weiteres Signal, dass diese weniger benötigt werden und zum Verbrauch zur Verfügung stehen.

Fazit: Die Kalorienbilanz ist nutzlos

Die Gesetze der Thermodynamik stimmen auch nach aktuellem Stand der Wissenschaft. Und auch die Kalorienbilanztheorie stimmt. Wer mehr Energie zu sich nimmt, als er verbraucht, wird zunehmen. Doch die Faktoren – Bedarf/Verbrauch, Zufuhr und Speicherung – liegen größtenteils nicht in unserer Hand und deswegen ist die Kalorienbilanz zur Steuerung des Körpergewichts nutzlos.

Zweifelsohne ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand, der seinen errechneten Energiebedarf langfristig nicht deckt, Gewicht verliert. Er wird Fett, Muskeln und Knochensubstanz verlieren, er wird weniger Energie haben, ihm wird kalt, er wird sehr wahrscheinlich auch psychologisch beeinträchtigt. Dafür sorgt der Körper durch Homöostase.

Und wer langfristig weit mehr Kalorien isst, als er verbraucht und seinem Bewegungsdrang nicht nachgibt, wird wahrscheinlich neben Muskelmasse auch Fettgewebe aufbauen. Er wird es in der Regel wärmer haben und er sollte recht glücklich sein. Auch das ist der Homöostase zu verdanken.

Wann genau diese Zustände in welchem Maß einsetzen, können wir jedoch nicht vorhersehen. Es ist unter anderem abhängig von der individuellen Stoffwechseleffizienz und von der Art der zugeführten Kalorien.

Wer die Homöostase seines Körpers unterstützen bzw. in ihrer Arbeit möglichst wenig beeinträchtigen möchte, sollte sich gesund ernähren.

Quellen und weiterführende Informationen:

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22 Kommentare zu “Die Kalorienbilanz ist nutzlos

  1. Dennis

    Ich habe Dank der Ernährungsumstellung nach Paleo in 1,5 Jahren nun 40 Kg abgenommen und treibe 6x die Woche Sport.
    Da ich sowohl Kraft als auch Ausdauersportler bin musste ich auch erst viel mit den Verhältnissen der Makronährstoffen testen, und habe festgestellt das ich mit ca 3000kcal mit dem Verhältnis 40-40-20 besser fahre als vorher mit 55-35-10 und ca 2500kcal am Tag, da mein Körper durch den höheren Fett und Eiweißkonsum länger Energie hat und der Körper nicht in den Sparmodus umschaltet und nehme genau so schnell ab wie vorher. Ich gönne mir auch 1x die Woche einen Refood Tag mit 4500 kcal als Lade Tag vor dem langen Lauf ca 27-30 km.
    Und mein Körper Dankt es mir.
    Wo ich es nicht so gemacht habe und ca 2500kcal gegessen habe bin ich 3 Tage am “Stock” gegangen und abgenommen habe ich auch nicht schneller da der Körper komplett auf Sparmodus gestellt hat.
    Was ich damit sagen möchte Kalorienzählen ist gut aber sehr abhängig von der körperlichen Tätigkeiten und welchen Umfang sie haben und manchmal ist mehr besser 🙂 aber das richtige mehr!!!

  2. Gabi

    Dass eine erhöhte Energiezufuhr den Aktivitätsgrad steigert, kann ich und viele andre Menschen auch, nicht bestätigen! Zum Einen sind die meisten Menschen nach einem üppigen Essen eher müde und nicht sehr aktiv. Wenn man dauerhaft zu viel isst, wird man eher träge und zu dick und sicher nicht aktiver. Ich kenne genügend solcher Couchpotatoes.
    Zum Anderen mache ich 2x im Jahr zusammen mit mehreren Leuten eine Heilfastenwoche und wir alle fühlen uns dabei sehr gut gelaunt und energiegeladen. Beim Sport habe ich dann regelrechte Energieschübe, zum Erstaunen der Leute, die wissen, dass ich gerade faste. Die denken immer, man würde im Nullkommanix vor Schwäche umfallen, wenn man nichts isst, das ist echter Quatsch und das Gegenteil ist der Fall.
    Durch solche dubiosen Falschinformationen (mehr essen=mehr gefühlte Energie) werden Menschen dazu angeregt, depressive Phasen oder Energielosigkeit mit Essen zu kompensieren, das ist ganz sicher die falsche Herangehensweise!

    1. Felix

      Hallo Gabi,
      die gefühlte Energieverfügbarkeit ist abhängig von der Qualität der zugeführten Nahrung. Wie nun schon oft genug dargestellt, spielt es eine signifikante Rolle, ob sich jemand mit Kohlenhydraten (z.B. Nudeln oder Kartoffeln) vollstopft oder mit einer ausgewogenen Ernährung, z.B. mit moderaten Mengen Kohlenhydraten, Proteinen und Fett sowie ausreichend Mikronährstoffen.
      Wenn du durch deine Fastenwoche so viel Energie hast, kannst du ja mal ausprobieren, wie das nach einem Monat aussieht. Viel Erfolg!

    2. Christine

      Hallo Gabi,

      <>

      Seit ich Paleo esse, habe ich keine Fressnarkosen mehr. Die Kollegen hängen durch, ich hab gleichbleibende Energie.
      Datis Kharrazian schreibt in seinem Buch über Schilddrüsenunterfunktion (sinngemäß, ich hab das Buch grade verliehen): Wer nach einer Mahlzeit müde wird, hat schlicht zu viele Kohlenhydrate gegessen. Wie groß die zuträgliche KH-Menge ist, ist individuell, an der Müdigkeit kann man’s aber sehr schnell ohne großen Aufwand feststellen.

      Heilfasten hab ich früher auch gemacht, kenne also die Auswirkung, die Du beschreibst. Jetzt brauche ich das nicht mehr.

      1. Gabi

        Hallo Christine, Hallo Felix,
        vielen Dank für eure Stellungnahmen, es war auch nicht meine Absicht, jemandem auf den Schlips zu treten.
        Ich habe mich auf diesen Abschnitt in dem Artikel bezogen:
        “Jemand, der hingegen mehr isst als sein Körper gerade benötigt, fühlt sich eher voller Energie, fit, bekommt unter Umständen Hitzeschübe (Thermogenese) und ist ausgelassener.”
        Das ist so einfach nicht richtig und auch wissenschaftlich nicht haltbar. Die Wissenschaft kommt immer mehr zu dem Schluss, dass Nahrungsverknappung gesund und fit macht und das Leben verlängert. Das lässt sich immerhin beweisen. Uraltes Wissen ist das ohnehin, schon die Römische Armee profitierte davon. Auch sehr interessant zu diesem Thema ist das Buch “wir fressen uns zu Tode” von Galina Schatalova.
        Die “Fressnarkose” mag vielleicht auch (reine Spekulation) individuell sein. Ich persönlich esse schon sehr lange kohlenhydratarm, da ich Zöliakie habe und werde SEHR müde, wenn ich eine große Portion Fleisch gegessen habe (kein Schwein, keine Massentierhaltung).
        Beim Fasten werden im Körper Regenerationsprozesse gestartet, die unter ständiger Nahrungszufuhr nicht stattfinden. Einige nahrungsbedingte Krankheiten (z.B. Divertikel) lassen sich überhaupt nur durch fasten lindern, das gibt sogar in diesem Fall mal die Schulmedizin zu.
        Schöne Grüße und gute Gesundheit
        Gabi

  3. maria

    Ich finde Kalorien zu zählen bei weitem die beste Methode abzunehmen, wenn eine grundsätzliche Umstellung der Ernährung nicht nötig ist. Es führt einem vergleichsweise genau vor Augen, was man täglich energiemäßig konsumiert und man kann weiterhin essen, was man möchte. Dass bei jeder Drosselung der Energiezufuhr mehr Bewegung her muss, um den Körper auf Trab zu halten, ist klar. Außerdem will man in der Regel ja nicht nur schlanker werden, sondern den Körper auch beleben und straffen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass irgendwer denkt, ein Arzt, die Wissenschaft (oder wer auch immer) könne einem den genauen persönlichen Energiebedarf nennen, noch den exakten Energiewert von Lebensmitteln. Das ist ja auch nicht nötig. Wenn man nach einem Vergleich der ermittelten Durchschnittswerte gewissenhaft zählt(, was am Anfang scheißnervig ist aber sich bald so verinnerlicht, dass es wie von alleine geht), kann man doch sehr gut sehen, was man bisher täglich aufgenommen hat und dann reicht es, das so weit zu unterschreiten, dass es der Körper nicht ignorieren kann. Ist selbiger drauf wie meiner, gibt er sich eine Weile unbeeindruckt aber dann gehts los. Was ich dann abnehme, hält mein Körper danach von selbst über viele Monate, bis zu einem Jahr. Also re-set-te ich ihn auf diese Weise immer wieder mal.

    1. Felix

      Dass bei jeder Drosselung der Energiezufuhr mehr Bewegung her muss, um den Körper auf Trab zu halten, ist klar.

      Inwiefern ist das klar? Wenn das Auto zu viel verbraucht, muss man weniger tanken und mehr fahren?

      Was ich dann abnehme, hält mein Körper danach von selbst über viele Monate, bis zu einem Jahr

      Also doch ein Jojo-Effekt.

      1. maria

        Warum zu viel verbraucht?
        Dass genug “getankt” werden muss, damit der Motor immer noch problemlos laufen kann, versteht sich von selbst, doch bei einer Reduktion der Kalorienzufuhr reagiert der Körper nun mal gerne mit Paranoiahunger und Sparmaßnahmen, er kann ja nicht wissen, was auf ihn zukommt. Wenn man dieser Verunsicherungsphase mit Sport entgegentritt, passiert kein Muskelabbau und der Körper verwertet normal. Sobald mein System die Lage als unbedrohlichen Zustand erkennt, ist Sport optional.

        Also unter Jojoeffekt verstehe ich, dass sich der Körper nach einer Gewichtsabnahme (meist inklusive Einbuße an Muskelgewebe) gezwungen sieht, sobald es ihm möglich ist, zu kompensieren bzw. überzukompensieren.
        Ich überschreite, wenn ich esse, wie mir der Schlund gewachsen ist, bei weitem jede angeratene Kalorienzufuhr, weil ich ein Fresssack bin. Somit nehme ich die 3 bis 4 Kilo, die ich gern weniger habe nach monatelangem Vollstopfen halt irgendwann langsam wieder zu. So lange ich den normalen (gezählten) Kalorienschnitt halte, nicht. Und danach bleibt wie erwähnt auch noch eine großzügige Galgenfrist.

  4. Thomas

    Hi Felix,

    total erschrocken habe ich deinen Artikel gelesen.

    Deine Absicht damit kann man leicht missverstehen. Ich denke du wolltest ausdrücken: “Kalorienzühlen allein ist nicht die beste Wahl beim Abnehmen…”

    Da magst du Recht haben (jetzt kommt das große ABER), aber Kalorienzühlen ist die mit Abstand zuverlässigste Art und Weise das Körpergewicht zu beeinflussen!!!

    Ich hoffe deine Leser verstehen das nicht falsch!

    Woher ich das weiß? Ganz einfach: Ich bin habe mehrmals mein Körpergewicht genau mit der “Kalorienzählen”-Methode beeinflusst. Ich wollte bewusst zunehmen, also habe ich die Kalorien erhöht. Bei 177cm wog ich dann 110kg. Da ich Bodybuilder bin, war das ein selbst gewähltes Gewicht. Dann habe ich bewusst durch Kalrienzählen wieder abgenommen (30kg).

    Durch Kalorienzählen habe ich MEHRNALS mein Körpergeiwcht UND meine Körperzusammensetzung bewusst beeinflusst.

    Ergänzend muss man dabei hinzufügen, dass dieser Prozess durch eine gezielte Änderung der Nährstoffe sehr schnell erzielt werden kann und diese den Körper so beeinflussen, dass dieser die Fettverbrennung enorm ankurbelt. Das machen alle Bodybuilder so und funktioniert hervorragend und sehr sehr Zielgenau. So kann man den eigenen Körper nach Belieben formen.

    Ich bin vom Kalorienzählen zur Gewichtskontrolle absolut überzeugt 😉 Sie funktioniert so sicher wie ein Urwerk.

    Dein Argument, dass Eneriegerechner ungenau sind, kann ich zustimmen, aber entkräften. Nutzen einen Energierechner als Startwert. Ziehe davon 200 KCAL ab. Nimmst du in einer Woche ab, bist du im Energiedefizit. Falls nicht, dann feduzierst du deine Kalorien wieder um 200 Kcal. Das Spiel geht so lange, bis du abnimmst. So näherst du dich sehr langsam deinem Kaloriendefizit und verlierst keine Muskeln. Ich habe in jeder meiner Diäten sogar noch Muskeln aufbauen können und das rein natürlich, allein mit der bewussten Steuerung der Kalorien und Nährstoffe 🙂

    Meine Kunden und ich nehmen so sehr zuverlässig ab.

    Beste Grüsse

    Thomas

  5. aku

    Ich kann dem nicht zustimmen. Es macht doch sehr wohl einen Unterschied ob ich 4000kcal an Kohlenhydraten oder an Fetten esse. Somit kann der Satz Kalorienbedarf – Kalorienzufuhr = Änderung Körpergewicht nicht stimmen.

  6. Frau Rennt

    Diese Ansicht vertrete ich schon seit längeren. Leider wird man mit dieser Ansicht noch allzu oft belächelt. Allerdings macht sich immer mehr ein Umdenken bemerkbar. Anstell von Kalorien, sollten die Menschen viel mehr auf ihre Intuition hören. Sofern sie noch vorhanden ist. 😉 Aber alles kann man (wieder) lernen.

  7. Peter

    Dem Artikel kann ich so nicht ganz zustimmen. Auch wenn an dem ganzen etwas dran ist, so stimmt das System
    Kalorienbedarf – Kalorienzufuhr = Änderung Körpergewicht dennoch. Alle Rechner liefern natürlich nur Näherungswerte und man muss seine benötigte Energiezufuhr durch trial&error selbst finden und dem entsprechend anpassen. Wie oben geschrieben funktioniert jeder Körper leicht anders. Ich fühle mich mit lowcarb super, ein Freund auch nach Wochen schlapp. Zum Muskelaufbau und Verhinderung von Abbau beim Abnehmen ist eine ausreichende Eiweißzufuhr sowie Sport von äußerster Wichtigkeit.

    Ich selbst habe etliche Kg an Muskeln aufgebaut und bin dabei stets definiert geblieben. Die oben genannten Hitzeschübe kenne ich nur zu gut. Letztens habe ich versucht mit getreidefrei-lowcarb wieder etwas aufzubauen. Eigentlich ist lowcarb zum Aufbauen nicht gerade optimal, aber ich wollte es versuchen und mein Körper war nach wie vor Leistungsfähig, wenn nicht sogar fähiger. Trotz über einmonatigem theoretisch im plus essen hat sich am Gewicht selbst jedoch nichts getan. Ob nun Fett durch Muskeln ersetzt, oder weniger Wasser eingelagert oder oder oder kann ich nicht so recht sagen. Subjektiv habe ich das Gefühl etwas mehr Kraft gewonnen und noch etwas breiteren Rücken bekommen zu haben.
    Ich bin relativ klein und leicht, dennoch esse ich Portionen da schauen andere mich nur doof an. So z.B. 5 L-Eier mit 100gr Speck, halben Liter Bolognese mit 300gr Hackfleisch, oder mal 3 Bananen zwischendurch.

    Ein Freund hat viele viele Kg abgenommen, und hält das Gewicht seitdem, indem er weniger isst und einfach alle Strecken immer zu Fuß geht.
    Ein weiterer Freund hat ebenfalls durch permanent weniger essen über 20kg abgenommen.

    Dieten a la Brigitte selbst sind schwachsinnig wenn man hinterher wieder wie zuvor isst. Außerdem bringt man nur alles durcheinander. Wer ZU wenig isst bringt den Körper in den “Ich verhungere” Zustand und macht es nur schlimmer.
    Einfach gesund ernähren und zwar an seine Aktivitäten angepasst und so wie es einem gut tut, daneben Sport machen. Der Körper ist im Prinzip das Abbild des eigenen Lebenstils.

    1. Felix

      so stimmt das System Kalorienbedarf – Kalorienzufuhr = Änderung Körpergewicht dennoch.

      So steht es doch auch im Artikel: Grundsätzlich stimmt es, dennoch ist es nutzlos.

      man muss seine benötigte Energiezufuhr durch trial&error selbst finden

      Muss man? Kann man überhaupt? Die Faktenlage spricht in der Praxis dagegen, weil viel zu viele Variablen im Spiel sind. Zumal es effektivere Wege gibt, von denen du ja auch einige beschreibst.

    2. sfast

      Das gilt nur, wenn Masse als einzige Möglichkeit Energie zu speichert bleibt. Wenn Energie z.B. als chemische Bindung gespeichert wird, kann man Energie aufnehmen (oder abgeben, wenn die Bindungen exotherm aufgelöst werden) ohne dass sich das Gewicht verändert.

  8. Carolin

    Toller Artikel, ich wollte nur noch einen Punkt ergänzen:

    -je nach Zusammensetzung der Darmflora können unterschiedlich viele Kalorien aus ein und demselben (nicht dem gleichen!) Lebensmittel gezogen werden, so dass selbst wenn der Verbrauch des Körpers genau feststünde (was er nicht tut) sich für unterschiedliche Menschen, deren Energieverbrauch genau gleich ist, bei z.B. derselben Zucchini unterschiedliche Kalorienbilanzen allein schon dadurch ergeben würden.
    Es gibt z.B. sehr viele Japaner, die Algen verdauen können, während andere Menschen diese Algen unverdaut ausscheiden
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gute-algenverwerter-japaner-haben-darmbakterien-mit-sushi-genen-a-688027.html

    P.S. Ein recht anschauliches Beispiel dafür, dass es schwierig ist, den Stoffwechsel des Körpers von außen zu beeinflussen ist der Wasserhaushalt des Körpers: Trinkt man wenig oder nur Flüssigkeiten, die hochkonzentriert sind (z.B. Limo), dann scheidet der Körper einfach weniger Urin aus, was man an seiner Farbe sehen kann.

    P.P.S. Robert Lustig hat seinen Vortrag etwas geändert und mit aktuelleren Studien versehen. Man findet den
    neuen Clip, der sich eigentlich nicht mehr mit Übergewicht, sondern mit den Folgen (Diabetes, Leberfett, Herz, …) beschäftigt, hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=UEA6ow1icDc

  9. Guardee

    Richtig, richtig, richtig!

    Bei mir haben alle Abspeckaktionen, ob Fettarm, Brigitte-Diät, Weight Watchers immer nur dazu geführt, dass nach einiger Zeit mehr Gewicht da war als vorher.
    Erst mit LCHF und dann Paleo/Primal ist es mir gelungen, 25 kg Gewicht zu verlieren und nun bei einem BMI von etwa 26 sicher zu halten.
    Wenn ich nun mehr esse, als ich verbrauche ( und das ist oft der Fall), macht der Körper einfach “die Heizung an”. Spart nebenbei Heizkosten, sehr praktisch.
    Im Übrigen ist für mich neben dem Gewichtsverlust die wiedergewonnene Gesundheit (Rheuma – zur Zeit keine Entzündungen mehr) ein unschätzbarer Gewinn dieser Ernährung.

  10. Jürgen

    Zu diesem Thema ebenfalls weiterführende Lektüre:
    Jonathan Bailor: The Calorie Myth

    Hat mir die Augen geöffnet und verdeutlicht, warum ich nach 17 kg Gewichtsverlust durch eine hypokalorische, DGE-konforme Hungerdiät trotz anschließendem Umstieg auf zuerst LOGI, dann Primal und Paleo ( und das Ganze teils sogar ketogen) wieder 15 kg zugenommen habe. Der Bodyweight-Setpoint wird nach meiner eigenen leiblichen Erfahrung derart konsequent durch den Körper verteidigt (Global Player hier: Hypothalamus!), dass man schlicht Passagier auf dem Jojo-Dampfer ist. So sehr man auch versucht, richtig zu essen, wenn Leptin, Grehlin und die Schilddrüse noch dazu quer schießen, hat man schlechte Karten.

    Ich bin jetzt nach 3 Jahren wieder fast dort, wo ich angefangen habe, wenn auch durch die Ernährung deutlich gesünder und fitter als damals. Keine Palpitationen mehr, keine Panikattacken, kein Bluthochdruck und keine Betablocker .

    Meine Hoffnung: Jetzt, wo mein Hypothalamus so langsam wieder sein gewohntes Leptin-Level bekommt, passiert vielleicht ja doch noch über die nächsten Jahre das, was die magische Paleo/Primal/Urgeschmack/LOGI/Keto/”enter name here”-Ernährung verspricht: das Einpendeln auf ein gesundes Korperfettniveau.

    Ich kann nun zumindest mal alle Studien bestätigen, die sagen, dass langfristig ein Gewichtsverlust nach einer Reduktionsdiät (=hypokalorisch) entweder gar nicht oder nur durch immense Anstrengungen zubhalten ist.

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