Illusion Steinzeiternährung?

Illusion SteinzeiternährungDie Paleo-Ernährung erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Das zeigt auch ihre ausgiebige Kommerzialisierung: Immer mehr Unternehmer drängen mit entsprechenden Produkten auf den Marktplatz unter dem sich ausdehnenden Paleo-Dach. Doch bei näherer Betrachtung stellen sich dessen wesentliche Stützpfeiler als optische Täuschung heraus: Getreide ist Paleo und Blumenkohl nicht. Und stellenweise ist die Steinzeiternährung gar kaum zu unterscheiden vom Veganismus. Mehr noch: Man könnte meinen, es gäbe gar keine Steinzeiternährung. Ist sie eine Illusion?

Begriffsdefinition

Als Steinzeiternährung oder Paleo-Diät verstehen wir heute in der Regel, was die Medien (Fernsehen, Bücher, Blogs) als solches präsentieren: Ein recht striktes Regelwerk zur Ernährung, eine feste Vorstellung des Speiseplans mit klarer Einteilung in gut und böse sowie eine Reihe von Argumentationen und Verweise auf Studien, die dies vermeintlich belegen. Es ist genau diese Definition, die zum Trend geworden ist und sich rasend verbreitet. Dabei beruht sie auf haarsträubenden Irrtümern.

Getreide ist Paleo

Gängig in Paleo-Kreisen ist die Behauptung, der Mensch verzehre Getreide erst seit Beginn der Landwirtschaft vor rund 12 000 Jahren. Das ist ungefähr der Zeitpunkt, an dem das Paläolithikum endete. Tatsächlich liegen uns Belege vor, dass Menschen in Eurasien Getreide schon vor 30 000 Jahren verarbeitet haben. In Afrika tun sie dies offenbar seit weit über 100 000 Jahren. Getreide ist demnach Paleo, um den verbreiteten Jargon zu verwenden.

Richtig ist, dass Menschen seit Beginn der Landwirtschaft und dem damit einhergehenden, signifikant erhöhten Getreidekonsum unter Mangelernährung litten. Zumindest die Knochenfunde deuten auf Wachstumsstörungen durch Nährstoffmängel hin. Proponenten der Paleo-Diät betrachten dies als Beweis, dass Getreide ungesund sei.

Es gibt allerdings eine andere Erklärung: Durch die Landwirtschaft hat sich die Bevölkerung explosionsartig vergrößert. Und zwar schneller, als diese Menschenmenge sich auch ausreichend hätte versorgen können. Die Folge war weniger zu Essen für alle und eine entsprechende Mangelernährung, unabhängig von der Art der zugeführten Lebensmittel. Später erfahren wir, dass das damalige Bevölkerungswachstum noch in anderer Hinsicht sehr relevant für die heutige Betrachtung der Steinzeiternährung ist.

Blumenkohl ist nicht Paleo

Genauso wie wir wissen, dass der Mensch in der Steinzeit Getreide (und gewiss alles andere essbare, was er finden konnte) gegessen hat, wissen wir mit Sicherheit, dass er keinen Blumenkohl gegessen hat. Blumenkohl ist eine recht moderne Zuchtsorte. Ob wir wirklich erst seit dem Mittelalter über sie verfügen, sei dahingestellt; doch in der Steinzeit gab es Blumenkohl nicht. Demnach ist er, um wieder im Jargon zu bleiben, entgegen der Angaben fast aller Paleo-Proponenten, nicht Paleo.

Wir waren keine großen Jäger

Romantiker stellen sich das Leben in der Steinzeit recht einfach, dabei unangenehm, brutal und kurz vor. Und glorios. Der Mensch habe ständig große Tiere wie Mammuts erlegt und sich von deren Fleisch en masse ernährt. Das Leben von Stämmen in Neuguinea – Menschen, die teils erst in den letzten 100 Jahren die Steinzeit hinter sich gelassen haben – zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Pulitzer-Preisträger Jared Diamond* berichtet über die dortigen Jagderfolge als eher sparsame Ausbeute. Abhängig ist dies ohne Zweifel von der verfügbaren Fauna. Doch die weltweite Betrachtung suggeriert größere Jagderfolge ebenfalls erst seit der Dominanz des Cro-Magnon-Menschen, welche vor rund 40 000 Jahren begann. Von üppigem Fleischverzehr in der Steinzeit zu sprechen, scheint daher vermessen. Doch auch das widerspricht dem Dogma vieler Paleo-Proponenten.

Getreide ist optimale Ernährung

Schauen wir uns noch einmal das Getreide und dessen Eignung für den Menschen an. Der Paleo-Orthodoxie zufolge sei die Evolution ein Grund dafür, dass der Mensch es heute nicht essen sollte. Denn für den Großteil seiner Existenz habe er es nicht gegessen und folglich sei sein Organismus auf dessen Verdauung nicht vorbereitet.

Dies beruht hingegen auf dem Missverständnis, Evolution belohne optimale Gesundheit oder ein glückliches Leben. Für die Evolution, die natürliche Auslese, ist jedoch allein relevant, ob Individuen sich fortpflanzen. Dies ist weitgehend unabhängig vom Gesundheitszustand. Solange sie es zur Geschlechtsreife schaffen, können Menschen nach Belieben oder Notwendigkeit ungesund leben. Wenn Männer also ernährungsbedingt schon mit Ende 20 ins (Süß-)Gras beißen, tut das der Evolution keinen Abbruch: Bis dahin lassen sich reichlich Kinder zeugen. Und auch für Mütter ist ein Lebensalter von etwa 40 Jahren völlig ausreichend, um Kinder bis zur Selbständigkeit zu betreuen.

Die bereits zuvor genannte Bevölkerungsexplosion nach Beginn der Landwirtschaft ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass Getreide ein für den Menschen und dessen Evolution hervorragend geeignetes Lebensmittel ist. Die gewonnenen Lebensmittel ermöglichten weit mehr Menschen als zuvor die Fortpflanzung und letztlich gar die Dominanz der Spezies über den gesamten Planeten. Der Blick auf die Menschheitsgeschichte verdeutlicht, dass dies ohne Landwirtschaft und Getreide wohl nie möglich gewesen wäre.

Paleoismus: Der Zwillingsbruder des Veganismus

Paleo-Proponenten zeigen sich mit der gleichen Häufigkeit und Intensität geradezu religiös in ihren Thesen wie Hüter des Veganismus. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass diese Individuen jeweils in der Minderheit sind, jedoch durch die Lautstärke ihrer mit besten Absichten vorgetragenen Ansichten besonders auffallen.

Die Gruppenbildung in den Lagern der Paleo-Anhänger, Veganer (und Rohköstler und Frutarianer und...) funktioniert stets nach dem gleichen Prinzip. Gruppen dienen der Abgrenzung zu deren Kontrastierung die Feindbildpflege beiträgt. Wer sich nicht richtig ernährt, ist dumm, verhält sich unethisch oder unverantwortlich.

Die Untermauerung der Positionen geschieht auf Basis sorgfältig gewählter Studien. Cherrypicking, etwa das Herauspicken der Rosinen, ist dabei üblich: Man zieht nur die Studien heran, deren Ergebnis wirklich die eigene Position unterstützen, ganz gleich wie schwach die Aussagekraft ist. Alle anderen Studien hingegen seien schlecht durchgeführt, falsch ausgewertet oder aus anderen Gründen nicht relevant.

Dass etwa viele Veganer mit ihrer Ernährung absolut glücklich sind und durchweg gesund leben ist für einige Paleoisten ebenso Blasphemie wie für eifrige Veganisten die Vorstellung, dass ein Mensch auch mit Fleischverzehr kerngesund bleibt.

Die Paleo-Diät ist insofern genau wie der Veganismus ein Resultat des Nährstoffismus, seinerseits auch eine Art Religion. All diese Sub-Ideologien fundieren auf der Annahme, Nährstoffe seien lediglich die Summe ihrer Teile und der Mensch sei eine einfache Maschine, zu deren Betrieb eine handvoll vollständig identifizierter Treibstoffbestandteile nötig seien.

Aber Paleo funktioniert, dann muss es doch stimmen

Die Paleo-Diät klingt plausibel: "Iss' nur das, was wir in der Steinzeit auch gegessen hätten, denn es sind die Dinge, die wir für den überwältigen Großteil unserer Existenz gegessen haben und dafür ist unser Körper durch die Evolution optimiert."

Auch folgende These klingt plausibel: "Morgens sehen wir die Sonne im Osten, dann überquert sie den Himmel und abends steht sie im Westen, bis sie am nächsten Morgen wieder auf der anderen Seite erscheint. Folglich umkreist die Sonne die Erde."

Beides klingt plausibel. Doch Plausibilität ist kein Beweis. Unzähligen Menschen, Laien, ideologisch motivierten Vertretern und nüchternen Wissenschaftlern fallen die Fehlschlüsse, Irrtümer und Widersprüche in der Erklärung der Paleo-Diät auf. Und im Veganismus.

Dass die Paleo-Diät bei vielen Menschen die gewünschten Erfolge bringt, ist kein Beweis für die Korrektheit der Erklärungen. Es zeigt lediglich, dass die Ernährungsumstellung, die unmittelbare Auswirkung der verzehrten Lebensmittel, vorteilhaft war. Das können viele Ernährungskonzepte von sich behaupten. Wer sich ausschließlich von Pizza und Schokoriegeln ernährt, wird profitieren; ganz gleich ob er sich für Paleo, Veganismus oder Rohkost entscheidet.

Es gab keine Steinzeiternährung

Langsam setzt sich auch unter den eifrigsten Vertretern die Einsicht durch, dass es keine eine Steinzeiternährung gegeben haben kann. Der Mensch hat bei seiner Ausbreitung über den Erdball überall andere Nahrungsquellen gefunden. Afrika, Eurasien, Ozeanien und Amerika boten grundverschiedene Floren und Faunen. Mal überwog tierische, mal pflanzliche Kost, mal Fisch, mal Obst.

Da es keine eine Steinzeiternährung gab, könnte man argumentieren, dass es gar keine Steinzeiternährung gab. Denn wenn wir es nicht genau definieren können, ist eine Abgrenzung zwecklos. Selbst Begriffe wie Präindustrielle Diät oder Naturvolk-Diät sind recht diffus.

Ist Paleo sinnvoll?

Die Paleo-Diät oder Steinzeiternährung ist nützlich als sehr primitives Werkzeug. Etwa wie ein Hammer. Mit der gängigen, knappen Erklärung kann man jemandem im Vorbeigehen einen Leitfaden an die Hand geben. Das Resultat kann im Verbund gut und dauerhaft funktionieren. Ernährung und der Organismus sind allerdings viel zu komplex, um sie mit einem solchen Mittel vollständig erklären zu können. Insofern ist die Steinzeiternährung ähnlich dem Versuch, zwei Steine mit einem Hammer zu verbinden. Mit etwas Glück merkt niemand, dass die Einzelteile nicht zusammenhalten.

Was ist die Alternative?

Zum Essen gehört mehr als die Summe der Nährstoffe.

Zum Beispiel Nachhaltigkeit, damit wir auch morgen noch etwas zu essen bekommen.

Oder Genuss, um das Leben zu genießen und einen engen emotionalen Kontakt zur Quelle unseres Lebens, der Natur herzustellen.

Dogmen, "eindeutig richtige" Regeln, Gesetze und Gebote können dem nicht gerecht werden. Bestenfalls Empfehlungen, vielmehr jedoch erprobte Erfolgsmethoden (auch bekannt als Traditionen) scheinen hier der geeignete Ansatz zu sein.

Getreide kann tatsächlich ungesund sein. Das hat jedoch gar nichts mit der Steinzeit zu tun.

Was tun?

  • Akzeptieren, dass Menschen, Genetik und Lebensstile zu divers sind, um allein über die Ernährung eindeutige Schlüsse ziehen zu können. Es kann keine eine perfekte Ernährung für alle geben.
  • Paleo (und Vegan und Rohkost)  ad acta legen und Ernährung frei von Dogmen, stattdessen ganzheitlich betrachten.
  • Gemeinsamkeiten der erfolgreichen Ernährungstraditionen erkennen: Viel frisches Gemüse, selbst gekochtes, kein Fastfood, keine stark verarbeiteten Lebensmittel, keine Produkte aus industrieller Intensivtierhaltung.
  • Etwas Bewegung schadet selten (davon hatten wir in der Steinzeit eindeutig mehr).
  • Nicht zu viel essen. Wer zu viel isst, wird fett.

*Mehr lesen

Wer mehr über die Menschheitsgeschichte erfahren möchte, dem lege ich Jared Diamonds "Guns, Germs, and Steel" (ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis) ans Herz (in Deutschland erschienen als "Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften", jedoch weniger unterhaltsam übersetzt). Hätten Sie Gedacht, dass schon vor Kultivierung des Getreides Ernten von nahezu einer Tonne pro Hektar möglich gewesen wären?

Diamonds Werk "Der dritte Schimpanse: Evolution und Zukunft des Menschen" ist ebenso lesenswert (im Original "The Third Chimpanzee: The Evolution and Future of the Human Animal".)

Weitere spannende Gedanken zu diesem Thema gibt es bei Ruppert und bei Sascha.

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33 Kommentare zu “Illusion Steinzeiternährung?

Bitte seien Sie nett zueinander.
  1. Norman Plattek

    Ich finde den Beitrag sehr interessant, obwohl ich mich selber nach der Paleo-Diät ernähre. Um genauer zu sein eine Mischung von Low-Carb + Paleo + Intermittent Fasting. Fühlen tue ich mich sehr gut und das Konzept past mir sehr, weil ich viel unterwegs bin und ich auf einfache Ernährngsmaßnahmen angewiesen bin.
    Aber die Kritik kann ich schon verstehen.

    Gruß.

  2. Tim

    Hi Felix,
    mir war gar nicht aufgefallen, dass Paleolismus religiöse Züge anzunehmen droht…. aber das liegt vermutlich daran, dass ich nicht in irgendwelchen Foren Zeit verschwende die sich zur Aufgabe machen den wahren Glauben zu verbreiten 🙂
    Mir hat Deine Seite (und ein paar andere englische) sehr geholfen. Ich habe vorher als Sportler irrsinnige Mengen Getreide zu mir genommen (ohne “Nudelparty” läuft mein diabetischer Vater noch heute keinen Marathon…) Die zu streichen und es zu testen wie es läuft – im wahrsten Sinne – brauchte ich diesen Anstoss. Und siehe da: perfekt! Gewicht reguliert sich wie von selbst – sportliche Leistung verbessert sich! Milch weglassen war nicht so leicht – aber nach Wiederaufnahme in den Speiseplan waren auch keine negativen Begleiterscheinungen festzustellen! (Im Gegensatz zu Weizen – das Sodbrennen und Gef**ze tue ich mir -fast- nur noch an wenn meine Liebste Schnitzel selbst paniert 🙂
    Aber selbst wer es verträgt: warum soll man es essen (Notsituationen außen vor)?
    Es schmeckt nach nichts und enthält praktisch keine Nährstoffe… meinetwegen kann jeder essen was er will … auch Pappe mit Buchenrinde und Zuckerguss! Das Problem ist nur dass uns (immer noch!!!) überall erzählt wird Getreide sei unersetzlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung (s.o.)!

  3. Leevi

    Hallo Felix,
    natürlich ist Blumenkohl eine Zuchtform, welche es in der Steinzeit so nicht gab. Das gilt aber doch für so gut wie jedes Lebensmittel (Auch für die Zuchtformen des heutigen Weizen, welcher nur noch wenig mit Urweizen z.B. Kamut zu tun hat).
    Das Ziel dieser Ernährungsform sollte doch auch nicht sein, sich genauso zu ernähren, wie unsere Steinzeitvorfahren. Vielmehr ist der Sinn doch, von den Vorfahren zu lernen und die damalige Ernährung mit heute zur Verfügung stehenden Lebensmitteln nach Möglichkeit zu imitieren (z.B. Blumenkohl).
    Auch zweifel ich an deiner Aussage, ob die Fortpflanzung unabhängig vom Gesundheitszustand ist. In der Tierwelt kann man doch beobachten, das gesunde und kräftige Individuen fruchtbarer sind, deutlich mehr Nachkommen haben und eher als Geschlechtspartner ausgewählt werden als kranke Tiere.
    Vielleicht ist der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung aufgrund der schlechten Ernährung mit Industrieprodukten ja auch eine Ursache für die extrem geringe Geburtenrate in den Industrieländern?
    Leevi

    1. Felix

      Hallo Leevi,
      einen wesentlich stärkeren Zusammenhang zur Geburtenrate hat der Entwicklungs- bzw. Bildungsstand. Das kann man recht gut in Indien beobachten. Die Gebiete mit der besten Ausbidlugn (besonders für Mädchen/Frauen) haben, auch im Verlauf über die letzten Jahrzehnte, zusehends geringere Geburtenraten. Diese hätten demnach idR mehr mit der freien Wahl und dem sozialen Stand zu tun als mit der Gesundheit oder Ernährung.

  4. Axel

    Sehr schön dass das Thema mal aufgegriffen und auseinander gefranzt wird. Mir fiel auch oft auf das viele Dinge keinen Sinn ergeben. Vor allem dass Hülsenfrüchte kein Paleo gewesen sein sollen. Eine logische Erklärung dafür fand ich nie. Man kam immer nur mit den Antinährstoffen und Studien. Das reichte mir aber nicht weil oft die Zusammenhänge mit dem praktischen Leben fehlten. Also warum sollten unsere Vorfahren keinen Mais gegessen haben können? Die wissenschaftliche und philosophische Seite von Paleo widersprechen sich in dem Punkt viel zu sehr. Genau wie in dem von dir angeführten Brokkoli und andere Sachen.

    Ich bin für mich zu den Schluss gekommen dass ich Zucker, Milch und Getreide stark reduziere, dabei viel mehr auf die Qualität achte und immer ausreichend Gemüse, Obst, Pilze, Nüsse und reines Wasser zu mir nehme. Fleisch und Fisch reduziere ich auch. Hat aber eher finanzielle und moralische Gründe. Damit fühle ich mich sehr gut.

  5. Jürgen

    Hallo Felix,
    erst einmal vielen Dank für diese interessanten Seiten, auf die ich (53) vor 3 Tagen gestoßen bin, weil ich mit Low-Carb abnehmen will. Heute nun bin ich auf diesen Beitrag gestoßen und war zunächst sehr angetan von deinen Anmerkungen und Einschätzungen. Insbesondere die Kritik an Dogmatismus spricht mir aus der Seele. Unter „Was tun?“ finde ich zunächst viel Sinnvolles, aber nur eine Zeile später lese ich dann Ausführungen, die man durchaus auch dogmatisch auffassen kann.
    Erst:
    „Paleo (und Vegan und Rohkost) ad acta legen und Ernährung frei von Dogmen, stattdessen ganzheitlich betrachten.“
    Dann:
    „… kein Fastfood, keine stark verarbeiteten Lebensmittel, keine Produkte aus industrieller Intensivtierhaltung.“
    Dabei gebe ich dir Recht, dass man das tatsächlich vermeiden sollte – wenn’s geht! Aber es geht doch gar nicht. Wer soll sich noch Fleisch leisten können, wenn es artgerecht gehalten wird? Dann wird ein kg Schweineschnitzel nicht 5 sondern vermutlich 50 Euro kosten (allein durch Angebot und Nachfrage). D. h. leisten können es sich dann nur noch die Reichen. Vor gut 10.000 Jahren lebten ca. 5 – 10 Mio. Menschen, heute sind es über 7 Mrd. Wie sollen die ohne industriell (stark) verarbeitete Lebensmittel ernährt werden? Warum ist industriell verarbeitet gleich schlecht? Natürlich gibt es (leider nicht wenige) Hersteller von Nahrungsmitteln, die skrupellos Gewinnmaximierung anstreben, statt gesunde Waren herzustellen. Aber das heißt nicht, dass automatisch alle (stark) verarbeiteten Lebensmittel ungesund sind.
    Deine Empfehlungen sind doch nur deshalb für einen (kleinen) Teil der Menschen möglich, weil sich der Großteil eben nicht so ernährt.
    Und was Fastfood angeht (was zählt überhaupt dazu?), es gibt schon sehr leckere Burger, die bis auf das Brötchen drum rum sogar nahe an Paleo sind.
    Bis ich mein Zielgewicht erreicht habe, werde ich mich an viele deiner Tipps halten, weil ich denke, dass sie mir helfen. Danach werde ich (im Rahmen) sicherlich wieder „sündigen“, weil ich jetzt nicht ewig auf auf leckeres Eis, einen Cuba-Libre oder Spagetti Bolognese verzichten will. Die Vielfalt der Nahrungsmittel macht doch gerade einen bedeutenden Teil unserer Lebensqualität aus.
    LG Jürgen

    1. Felix

      Wer soll sich noch Fleisch leisten können, wenn es artgerecht gehalten wird? Dann wird ein kg Schweineschnitzel nicht 5 sondern vermutlich 50 Euro kosten (allein durch Angebot und Nachfrage).

      Das ist nicht ganz richtig. Der Markt zeigt, dass der Preis eher auf rund 10-20€/kg steigt, je nach Schnitt/Stück. Und wem das zu teuer ist, der könnte einfach etwas weniger davon essen. Oder nicht?

  6. Tina

    Hallo,
    an den ganzen ausufernden Diskussionen über “gesunde” Ernährung sieht man doch nur, wie gut es uns momentan in den Industrieländern geht. Wer auf der Welt kann es sich denn schon leisten eine Ernährungsideologie, egal welcher Richtung, auszuleben außer den Ländern, die Nahrung in bester Qualität zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Überfluss haben? Die Menschheit hat nicht zuletzt durch ihre enorme Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Bedingungen so erfolgreich überlebt. Man denke z.B. an die Inuit (wo nehmen die denn ihr Gemüse her?) oder ganz strenge Vegetarier z.B. in Indien. Durch unsere in hiesigen Breiten durchweg außergewöhnlich hohe Möglichkeit der Ernährungsqualität (nicht alle nutzen die…) und dem medizinischen Fortschritt haben wir außerdem eine sehr hohe Lebenserwartung gewonnen. Vielleicht ist der Preis für die sehr industriell verarbeiteten Lebensmittel die Häufung an Allergien usw. Allerdings gibt es auch hier noch keine wirklich geklärte Ursache, warum diese so stark im Kommen sind.
    Zur Tier Nutzung:
    Die Menschheit hat in ihrer Geschichte immer von und mit den Tieren gelebt. Warum sollten wir das heute nicht mehr tun? Liegt es daran, dass immer mehr moderne Menschen so fernab der Herkunft ihrer Nahrungsmittel leben, dass sie jeglichen Bezug verloren haben und vegetarischen chemisch hergestellten Fleischersatz (warum heißt das so und warum muss es so ähnlich aussehen?) als besser bewerten als ein natürlich gewachsenes Produkt? Unsere Nutztiere gäbe es gar nicht, wenn wir sie nicht nutzen würden und ihre wilden Verwandten wahrscheinlich auch nicht mehr, da sie ja Nahrungskonkurrenten wären und vielleicht nicht getötet aber vertrieben würden….
    Wir essen fast nur selbst erlegtes Wild, kaufen aber auch mal was anderes beim Metzger. Wir sind aber auch mit einigen konventionellen Landwirten befreundet, die durchweg gute Arbeit leisten und deren Ställe tiergerecht und sauber sind. Massentierhaltung ist übrigens kein definierter Begriff: ab wie vielen Tieren kann man denn von Massentierhaltung sprechen? Letztlich kommt es auf den Landwirt an, wie die Tiere gehalten werden. Dem Schwein ist es wohl übrigens egal, wie viele 12erGruppen sich noch im Stall befinden… Klein ist auch nicht immer gut. Die schlimmen Bilder aus der Presse sind i.d.R. Meinungsmache (Bad news are good news) die auf tierschutzrelevanten Straftaten einiger schwarzer Schafe beruhen und verunglimpfen einen ganzen Berufsstand.

  7. marco tullney

    Danke für diesen Beitrag. Es ist faktisch so, dass Steinzeit-Ernährung ein Etikett mit äußerst schwacher Basis ist. Jeder, der sich ein wenig mit Geschichte beschäftigt weiß, dass das Wissen äußerst lückenhaft ist. Es hängt letzten Endes vom Zufall ab, dass einige Überreste die Jahrtausende überlebt haben und daraus werden äußerst weitreichende Schlüsse gezogen. Wir wissen zum Beispiel äußerst wenig über den Gesundheitszustand der Menschen. Wenn es ihnen aber mit ihrer Ernährung so gut gegangen wäre, hätte es ja keinen Grund gegeben, warum sie landwirtschaftliche Kulturen hätten aufbauen sollen. Man muss die Menschen auch für äußerst dumm halten, wenn man davon ausgeht, dass sie Milch und Getreide zu sich genommen haben, ohne zu merken, dass es ihnen schadet.

    1. Felix

      Wenn es ihnen aber mit ihrer Ernährung so gut gegangen wäre, hätte es ja keinen Grund gegeben, warum sie landwirtschaftliche Kulturen hätten aufbauen sollen.

      Man wacht ja auch in der Steinzeit nicht morgens auf und sagt sich “Ich habe keine Lust mehr auf das Jagen und baue eine landwirtschaftliche Kultur auf!” Das ist (s.a. Jared Diamond) mit größter Wahrscheinlichkeit ein fließender Prozess gewesen, der in einigen Regionen (bis heute) gar nicht, anderswo nur teilweise und wieder andernorts vollständig stattfand. Einen Rückweg gab es praktisch nicht, denn einerseits wäre die durch Landwirtschaft gewachsene Bevölkerung wohl durch Jagd nicht mehr zu versorgen gewesen, andererseits stellt es sich eben in anderen Teilen des Lebens als Vorteil heraus, sich niederzulassen, auch etwa in Bezug auf das Überleben und den Kampf gegen andere Stämme.

      Jeder Jäger und Sammler selektiert seine Beute und ist somit auch ein wenig Landwirt, nur eben oft unbewusst.

  8. Eva

    Hallo Felix,
    Veganismus,Paleoismus,Nährstoffismus….
    Deine Artikel werden in letzer Zeit immer besser. Wenn dann in 30 Jahren nicht kontrovers über den Urgeschmack-ismus
    diskutiert wird, dann hast du wohl alles richtig gemacht. Weiter so. Macht Spaß deine Artikel zu lesen, der gesunde Menschenverstand scheint dir erhalten geblieben zu sein, dank der verf(e)lixten Zucchinischeiben.
    LG Eva

  9. Nick

    Hallo Felix,
    hab heute mal wieder die Paleo-Blogs durchgestöbert. Was ich früher viel öfter getan habe, weil viele sehr gute Artikel dabei waren.
    Mittlerweile frage ich mich warum man aus allem ein Ding machen muss was einem Identität gibt. Man kann sich profilieren und bildet eine Gruppe alle anderen sind doof.
    Lustigerweise sind all die Hardcore Paleoaner immer ganz vorne dabei,wenn es irgendwelche tollen, neuen Nahrungsmittel (Süßlupinenmehl, Chiasamen,…) gibt. Diese sind dann ach so gesund. Steinzeitmäßig müsste ja eigentlich saisonale, regionale Kost ganz oben stehen, soweit ich weiß gab es keine Flugzeuge oder Frachtschiffe, die uns tonnenweise ausländische Premiumware bringen konnten. Dennoch wird überall munter steinzeitmäßig Tropenfrucht und literweise Bulletproof Kaffee konsumiert. Gesund kann das sein aber niemals “Paleo”.

    Deinen Artikel fand ich sehr erfrischend und inspirierend. Sowas vermisst man mehr und mehr im Netz Keine Dogmen, es geht um Essen, Wohlbefinden und Gesundheit.
    Für was brauch man einen Namen dafür?

  10. pingpong

    Zu dem Abschnitt “Wir waren keine großen Jäger” wollte ich kurz anmerken, dass Menschen sicherlich nicht ständig Mammuts erlegt haben, aber das ist nicht gleichzusetzen mit einem geringen Verzehr tierischer Nahrung. Auch die Jagderfolge von einigen Stämmen aus Neuginea sagen darüber erst einmal wenig aus.

    Interessant wird es dann, wenn man Jäger- und Sammlergesellschaften miteinander vergleicht: So schon geschehen im Ethnografischen Atlas, einer Sammlung von Statistiken aus 862 verschiedenen Kulturen.
    Zwar hat R.B. Lee ja behauptet, dass Jäger und Sammler circa 65% ihrer Kalorien aus Pflanzen bezogen und nur 35% von Tieren, wenn man aber genauer hinsieht, stimmt das einfach nicht. So hat er nur 58 von 181 Jäger- und Sammlerkulturen berücksichtigt, sowie Fisch nicht bei tierischer Nahrung aufgeführt. Auch ordnete er Schalentiere und viele kleine Landtiere (Raupen, kleine Säuger, Insekten usw) ebenfalls der Sammelspalte zu, anstatt sie korrekterweise zur tierischen Nahrung zu zählen.

    Dr. Cordain jedenfalls nahm aus diesem Grunde neue Berechnungen vor und schrieb, dass das wahre Verhältnis näher an 65% Tierischem und 35% Pflanzlichem liegen würde. Wenn nämlich das behauptete von R.B. Lee wirklich wahr wäre, dann hätten laut einer Modellrechnung am Computer über alle verfügbaren Pflanzen (der Jäger und Sammler) täglich im Durchschnitt 5,5 Kilo Pflanzennahrung vertilgt werden müssen, um damit den Tagesbedarf decken zu können.

    Was aber auch im Kontext dieser Erkenntnisse richtig ist: Mit Paleo hat die Ernährungsform heutzutage nur sehr wenig zu tun. Allein unsere tierischen Bezugsquellen sind ja beiweitem nicht mehr so vielfältig, wie das beispielsweise bei Jäger- und Sammlerkulturen der Fall war oder stellenweise heute noch ist.

    Also trotzdem vielen Dank für den Artikel Felix.

    LG

  11. nicolette unterstaller

    Hallo Felix,
    ich finde diesen Artikel wunderbar entspannend. Ich bin nach einer kompletten auf- Getreide- und- Zucker- Verzichtphase auf genau diese Ansicht gekommen.
    Ich persönlich brauche mehr Kohlenhydrate und da ist auch mal ein Stück Brot dazwischen.
    Ich bin auch der Meinung, daß die frühen Menschen Getreide gegessen haben, allerdings niemals in der Menge, wie das heute geschieht. Man muss sich nur mal die Gräser anschauen, dann weiss man, wie mühsam das Sammeln der Samen gewesen sein muss. Getreide kam meiner Meinung nach also höchstens als Beimischung ” auf den Teller”.
    Ebenso Obst. Es war ausschliesslich saisonal verfügbar und wenn man sich die Urformen von z.B. Äpfeln anschaut, dann war das wohl eher kein Genuss….:-))
    Aber das nur nebenbei.
    Die wichtigste Aussage Deines Artikels für mich ist die, daß es nicht die eine perfekte Ernährung für Alle geben kann.
    Man muss sich schon selbst bemühen, nachdenken, ausprobieren und für sich das Richtige herausfinden.

  12. Franziska

    Guter Artikel!
    Genau genommen kann man sich heute gar nicht wie ein Steinzeitmensch ernähren, denn ich glaube alle Obst- , Gemüse-, Getreide und Tiersorten sind inzwischen zu mehr Süße und größeren Erträgen hingezüchtet worden. Selbst das Weideland-Rind hat so bestimmt nicht auf der Steinzeitwiese gestanden.
    Aber das ist ja auch kein Problem, denn wir Menschen haben uns ja auch weiterentwickelt und verändert. Ein Beispiel: Sehr viele Menschen vertragen inzwischen Lactose und können bedenkenlos Kuhmilch trinken weil das entsprechende Enzym bei ihnen auch nach dem Säuglingsalter noch aktiv ist.
    Ich denke, das wichtigste ist, auf seinen Körper zu hören und abwechslungsreich zu Essen. Meine Ernährung war früher viel zu getreidelastig, ich habe sehr viel Nudeln und Brot gegessen. Durch diesen Paleo-Hype kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass Getreide halt vielleicht doch nicht so das allerbeste ist. Seit ich das reduziert habe und auch darauf achte, beim Getreide abzuwechseln geht es mir viel besser. Ganz darauf zu verzichten kommt für mich nicht in Frage, dafür esse ich viel zu gerne mal ein leckeres Croissant 🙂
    -Franzi

  13. wolf

    @felix
    Ich verstehe nicht was du mit sowas aussagen willst.

    Rehabilitiert sich deiner Meinung nach das Getreide jetzt?
    Habe ich dich falsch oder mißverstanden dass Getreide ungesund seien?

    Ernährung als Religion anzusehen halte ich auch für falsch.
    Ich halte mich an die 80 zu 20 regel (kann auch 70/30 sein 😉
    Jedoch finde ich Regeln nicht immer als Gesetz, sondern als Leitfaden um mich in Fehlern nicht zu verlaufen..

    Und so wie ich Paleo verstanden habe, war immer die unumstösslichste Tatsache der Ernährung, dass Getreide nicht gut für die Gesundheit ist..

    Wie gesagt, für mich verwirrend..

    Ich finde die Distanzierungen sowieso lächerlich, anstatt Gemeinsamkeiten zu suchen..

    Wenn man auf den Teller schaut den ich füher am Tisch stehen hatte (und wahrscheinlich der meisten), dann fand man meistens Fleisch aus dem Diskounter mit Kartoffeln als Beilage und wenn man Glück hatte ein bischen Gemüse..
    Jetzt grenzt man einen Teil aus..

    Egal ob das Fleisch oder die Kartoffeln, wird meines erachtens der Gemüseanteil am Teller mehr..
    Das ist für mich die grösste Gemeinsamkeit zwischen Vegetariern und Paleoanern..

    Und man kann aus Transfetten frittierten Pommes essen, oder Biokartoffeln mit Gemüse.

    Ebenso kann man Diskounterfleisch essen, oder man isst Weidefleisch mit Gemüse.

    Der eine verträgt besser Getreide und der andere schlechter (eingeschlossen mir)..
    Genauso siehts beim Fleisch aus..
    Und ein dritter will aus Mitleid keine Tiere essen..

    Ich respektiere alle, finde es nur sehr kritisch. Ausgerechnet Paleoaner anzuprangern weil sie Fleich essen.
    Gerade diejenigen, die eben das Billigfleisch ablehnen und das Leben der Tiere respektieren und sich um Fleisch bemühen wo es den Tieren zu Lebzeiten gut ging..

    1. Felix

      Ich verstehe nicht was du mit sowas aussagen willst.

      Das tut mir leid. Ich halte jeden Satz und jeden Absatz sowie auch den Artikelabschluss für klar verständlich.

      Zum Getreide: Ich sehe keine Grund zur Rehabilitierung. Was ich kritisch bis belustigt sehe ist das Aufschreien über jedes Mehl-Staubkorn im Essen, als sei es Arsen oder ein stärkeres Gift. Es ist nur Getreide.

      Das “die Paleoaner […] das Billigfleisch ablehnen und das Leben der Tiere respektieren und sich um Fleisch bemühen wo es den Tieren zu Lebzeiten gut ging” ist eine nette Idee und eine schöne Vorstellung. Oft ist das so. Aber es ist leider nicht die Regel. Viel schlimmer: Es ist genau die Art Pauschalisierung, die die Gruppenbildung um die Ersatzreligionen Paleo/Vegan/Rohkost/Fast Food fördert.

  14. Kirsten

    Hallo Felix,
    Mit deinem mutigen Artikel hast du mir aus der Seele gesprochen. Mach weiter so.
    Ich mag es nicht, wenn eine Sache zum Dogma wird – auch dann nicht, wenn sie vom Inhalt her gut ist.
    Ich ernähre mich seit Weihnachten frei von Getreide, Hülsenfrüchten und logischerweise auch ohne Fertigprodukte. Mich hat die Paleoernährung gelehrt gewohnte Speisen anders herzustellen und zu kombinieren (Maronenpfannkuchen, Schokocreme…). Dabei ging es mir nie darum, zu leben wie in der Steinzeit, sondern ‘lebendige’ Lebensmittel und nicht zu Tode verarbeitete Nahrungsbestandteile zu mir zu nehmen und mich dabei möglichst gesund zu ernähren.

    Wenn man die unterschiedlichen Ernährungsratgeber liest, stößt man auf widersprüchliche Ratschläge: bei Arthrose kein tierisches Eiweiß, dann wird wieder zu Fisch geraten, dann liegt das Übel im Getreide. Roher Frischkornbrei ist gesund, Getreide nie roh verzehren, oder am besten gleich gar nicht. Grüne Smoothies sind extrem gesund, oder nach Ansicht anderer Ernährungsberater übelster Unfug u.s.w.
    Und jeder Ratgeber hat mindestens eine fachliche Studie, auf die er sich beruft.
    Mein Leben hat mich gelehrt, dass Extreme selten gut sind und dass ich meinen Verstand einschalten sollte. Also höre ich auf meinen Körper, entscheide, welcher der Ansätze mir logisch erscheint und versuche nicht päpstlicher als der Papst zu sein, also mit weniger Verbissenheit an die Sache heranzugehen. Denn irgendetwas muss ich ja essen, also natürliche Lebensmittel, am besten in ihrer Vielfalt, alles in Maßen und nichts in Massen.

  15. Thomas Papst

    Sry … aber der Tenor ist dran vorbei (meine Meinung).
    In meiner Gruppe sind die Meinungen dazu auch eher negativ. Der Beitrag verwässert die Grundaussage von Paleo als Artgerechte Ernährung.
    Klar – alle Argumente sind gut und treffend, doch ihr Zusammenhang ist bei näherer betrachtung nur oberflächlich und fadenscheinig.
    Ja, Paleo ist eine “offene” Ernährungsform und sollte nicht dogmatisch betrieben werden, doch “Regeln” sind für jeden Einsteiger unbedint wichtig.
    Ich sehe doch in den verschiedenen Foren, wenn da nicht “belibt bei Paleo” geregelt wird ist es bald ein LowCarb-Nachbauten, Gewissensberugen-Süßigkeiten Gequatsche was mit der funktionierenden (gesunden) Paleo-Ernährung nichts mehr zu tun hat.
    Paleo ist “EINFACH” und leider gottes für die Industrie schlecht. Für Gesundheit, Umwelt und Landwirtschaft aber ein Segen.

    1. Felix

      Klar – alle Argumente sind gut und treffend, doch ihr Zusammenhang ist bei näherer betrachtung nur oberflächlich und fadenscheinig.

      Was genau ist deiner Meinung nach fadenscheinig und oberflächlich?

      Paleo ist “EINFACH” und leider gottes für die Industrie schlecht.

      Wieso? Paleo-Nudeln, Paleo-Cookies und Paleo-Jerky verkaufen sich doch blendend.

      1. Thomas Papst

        Z.B: Wo ist der Zusammenhang zwischen Paleo und Veganismus?
        Das eine ist eine artgerechte Ernährung und das andere eine – zugegeben sehr gute – Ideologie.
        Der Ansatz zu Gesundheit ist komplett unterschiedlich und nicht zu vergleichen.

        Paleo-Nudeln sind nicht wirklich paleo-konform. Was daran ist “frisch”, “unverarbeitet” oder Inhaltlich ausgewogen?
        Die Industrie verkauft das gerne als paleokonform, doch weder die Kombination der Inhaltsstoffe noch die Grundregeln der Paleo-Ernährung werden dabei eingehalten.

        Leider wird Paleo durch solche Industrieprodukte immer weiter verwässert und dadurch kommt das feste Gerüst der Paleo-Ernährung auch immer mehr ins Wanken.
        Ganz im Gegenteil zur Aussage im Artikel sin die Stützpfeiler der Paleoernährung klar, stark einfach und fest.
        Wer etwas anderes aus Paleo mache will, will den Interessezuwachs und Kaufwille ausnutzen, hält sich aber leider nicht an Paleo und zerstört es druch Verwässerung.

        Aber mal “ein” blöder Artikel bei Urgeschmack ist doch ok.
        Urgeschmack bleibt immer noch eine gute Infoquelle. Das wil ich gerne unterstützen mit meiner Kritik.
        Und das mal “mal” auch Paleokonform teuer cheaten will, dafür sind dann die Nachbauten wie Paleonudeln da.

        1. Felix

          Wo ist der Zusammenhang zwischen Paleo und Veganismus?

          Beides wird in weiten Teilen als Ersatzreligion gehandhabt. Als Ideologie. Wie extrem, das kannst du an diversen Forenreaktionen auf diesen Artikel ablesen.

  16. Torsten Fleischer | Personal Trainer Berlin

    Hallo Felix,

    hab vielen Dank für Deinen durchaus mutigen Artikel. Ich hab in diversen Online-Foren die Reaktionen darauf verfolgt und bin erschrocken, wie wenig “wir” uns dabei von den Hardcore-Veganern etc. unterscheiden.

    Wie Du in Deinem Fazit schreibst “Es kann keine eine perfekte Ernährung für alle geben.” Und wenn der Mensch wieder mehr das Ganz betrachtet, und dabei in der Lage ist auf sein Wohlbefinden zu achten, dann ist vielen geholfen.

    Beste Grüße, Torsten

  17. sant0s

    großartig ueber meine lebenseinstellung reden tu ich auch kaum noch, es sei denn jemand interessiert sich dafuer! und dann probier ich auch nur relativ kurz zu erklaeren, dass es sinn macht sich einfach mal zu fragen, wie wir leben wuerde, wenn es keine supermaerkte oder vergleichbares gaebe.

    welcher typ mensch bin ich? bin ich der community typ? oder genieße ich das leben off-the-grid?
    welche moeglichkeiten bietet mir die gegend in der ich lebe. gab es in dieser gegend damals gefahren, die wir menschen ausgerottet haben? war alles zugaenglich? hatte ich zugang zu jagdgebieten? oder war ich temporaer/dauerhaft sesshaft um zumindest teilweise anzubauen?

    wie kann ich gesund leben, ohne abhaengig zu sein von aerzten. musste ich mir schon immer mit zahnbuersten das klebrige zeug von den zaehnen putzen? oder hats gereicht, dinge zu essen/kauen, um meine zaehne zu reinigen?

    ich denke, die begriffe “paleo, primal, steinzeiternaehrung” sind viel zu schwammig.
    daher, auch wenn urgeschmack bei mir immer haeufiger ein seltsames bis negatives empfinden ausloest wenn ich die artikel lese, triffts mit “natuerlich essen” und zusaetzlich “natuerlich leben” eigentlich ziemlich genau.
    viele seiten bringen halt recht viel zeugs zusammen und es wir wieder unnatuerlich. das muss nicht immer negativ sein – wir sind halt menschen und haben die moeglichkeit dinge zu tun, die die meisten anderen lebewesen nicht koennen.

    ich denke, dass es fuer viele “unnatuerliche” ernaehrungsformen auch gute gruende gibt. z.b. die raumfahrt. es koennte sinn machen, eher auf pflanzliche kost zu setzen wenn man intastellar reisen moechte, anstatt tiere mitzunehmen.
    und der mensch hat von je her den absoluten drang, sich auszubreiten, das ist natuerlich. sei es von afrika gen norden oder von der erde zum mars. das ist gesund und natuerlich.
    ich lebe seit einiger zeit an der portugiesischen kueste und mir ist aufgefallen, dass hier sehr viele gesunde und schoene menschen rumlaufen. vorher habe ich lange im landesinneren gelebt und dort hat es in meinen augen mehr “nicht so schoene” menschen gegeben. das ist jetzt recht oberflaechlich, aber ist mir aufgefallen.

    alles hat immer zwei seiten. und wenn wir es schaffen, beide seite im lot zu halten, sind wir auf dem richtigen weg denke ich. und dann ist es auch natuerlich, auch wenns unnatuerlich scheint.

    um nochmal back zum topic zu kommen: ich erklaere nicht was ich bin, sondern ich erklaere wie ich das leben fuer mich verstehe. und dazu gehoert sicher auch eine phase wo ich mich hier oder auf vergleichbaren seiten durchgelesen habe um dann das rauszuziehen, was ich fuer richtig halte. und ich fuehle mich wie ein nomade. reisen, die welt entdecken und die kulturen abseits der metropolen erfahren.

    peace 🙂

  18. Nadine

    *Ernährung frei von Dogmen* – das unterschreibe ich gerne. Diese Streitereien, was nun wie eingeordnet werden kann und ob es nun gut für die Ernährung ist oder nicht gehen einen doch gehörig auf den Keks. Problematisch finde ich, dass es vor allem immer wieder die gleichen Leute sind, die einen dann versuchen auf “ihre Seite zu ziehen” – zumindest seh ich das immer wieder in meinem Bekanntenkreis. Die Leute machen sich damit kaputt, verfolgen irgendwelche Trends als wäre es eine Religion und nerven damit ihre ganze Umgebung -.-

    Ich probiere lieber aus was gut für mich funktioniert. Paleo hat dabei meiner Meinung nach vor allem einige tolle Ansätze, die einen zum Umdenken bringen. Aber der ganze Medienhype und die Vermarktung schreckt mich wirklich ab!

    1. Nadine

      Heute kam bei mir das Buch Guns, Germs And Steel an; hab schon die ersten 20 Seiten gelesen und möchte mich nur noch mal für den Tipp bedanken!

  19. Carmen

    Endlich jemand der mir aus der Seele spricht!
    Paleo nimmt im Moment immer mehr religiöse und fanatische Züge an. Über Vegetarier und Veganer wird sich aufgeregt weil sie einem das Fleisch schlecht reden. Paleo geht schon in die gleiche Richtung.
    Sehr schade.
    Ich persönlich nenne meine Ernährung schon gar nicht mehr Paleo.
    Ich lasse Getreide und Zucker weg, weil mir beides nicht gut tut. Fertig. Einen Namen, der mittlerweile immer mehr negative Züge bekommt, brauche ich dafür nicht.

  20. Roland

    Danke für diese mir aus der Seele sprechenden Worte!
    Ich bin immer noch froh, damals (90er) nicht mein Hobby (Ernährung & Medizin) zum Beruf gemacht zu haben.
    Es gibt so viel Ignoranz, Verbohrt- und Verbissenheit, sobald es um den Kochtopf und/oder Kühlschrank geht, da macht es wirklich keinen Spaß, den Leuten da etwas beibringen zu wollen, was sie am Ende dann doch nicht umsetzen, weil der Griff zum Fertiggericht und der Gang zum McD dann eben doch bequemer ist. Und weil man sich halt dran gewöhnt hat. Ich habe in meinen wenigen Monaten als Ernährungstherapeut immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Menschen -so aufgeschlossen sie einem anfangs erscheinen mögen- sehr schnell dicht machen, sobald du ihnen an den Magen gehst… ganz nach dem Motto: Sollen doch die anderen verzichten…
    In diesem Bereich des täglichen Lebens besteht auch eine ganz starke selektive Wahrnehmung und/oder ein unheimlich schwach ausgeprägtes Gedächtnis: Keiner will Massentierhaltung, Umweltschäden, Gesundheitsrisiken usw., wenn man ihnen die einschlägigen Bilder aus Magazinen und Reportagen vorsetzt. Während die Sendung läuft, schwört so mancher sicher: Nie wieder Billig-Fleisch, nie wieder Eier aus Käfighaltung usw. … Um dann am nächsten Tag im Supermarkt dann doch wieder zum abgepackten Putenbrust-Schnitzel für 5,99€ das Kilo zu greifen. Dabei hatte man doch am Tag vorher gelesen, dass es eigentlich kein ethisch korrektes Fleisch für unter 30€/Kilo geben kann… aber wen juckt schon das Geschwätz von gestern, erst recht, wenn’s von anderen kam….
    In diesem Zusammenhang habe ich neulich den Food-Aktivisten Hendrik Haase entdeckt. Hier zwei interessante Artikel, deren Lektüre ich unbedingt empfehlen kann:

    http://www.linkab.de/hh1
    http://www.linkab.de/hh2

  21. Anne

    Danke für diesen Artikel!
    Das Steinzeit-Gequatsche ging mir vom ersten Moment an, seit ich auf “Paleo” aufmerksam wurde und meine Ernährung entsprechend umgestellt habe, auf die Nerven. Eben aus den oben erwähnten Gründen.
    Deshalb habe ich immer wenn ich bisher mit jemandem über “Paleo” geredet habe, dazu gesagt: wenn man die ganze Steinzeit-Story ignoriert, ist diese Art der Ernährung richtig gut! Denn all diese Dinge die im Artikel unter “Was tun?” aufgeführt sind, finde ich im “Paleo-Lifestyle” wieder.
    ABER wie heißt es so schön – jeder ist seines eigenen Glückes Schmied; insofern erkläre ich gern, wenn ich gefragt werde, wie ich zu “Paleo” gekommen bin und warum ich auch vorhabe dabei zu bleiben. Aber das war es dann auch. Fände es zu schade, mich nur noch über Ernährung unterhalten zu können wo es doch zahlreiche andere spannende Themen gibt…

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