Der Cheat Day: eine Essstörung

Schummeln, täuschen, mogeln: Eine ganze Subkultur ernährungsbewusster Menschen erklärt regelmäßigen Betrug zum rechten Mittel ihrer Zwecke – und frisst sich damit Richtung Essstörung.

Der Cheat Day (deutsch: Betrugstag) ist ein Tag je Woche, an dem man die Beschrän­kun­gen seiner gewählten Diät aufgibt und isst, was man möchte. Meist genau die Dinge, welche die Diät verbietet. Ein Paleo-Anhänger entfesselt seine Fantasien von Schokoriegeln, Eiscreme, Croissants, Käsekuchen und Zuckerkram jeglicher Art. Wer sonst auf Kohlenhydrate verzichtet, startet vielleicht eine Brot- und Nudelorgie.

Sinnvoll sei das, weil es genüge, sich die meiste Zeit gesund zu ernähren. Dabei führt man das 80/20-Verhältnis an: Ernährt man sich 80 Prozent der Zeit gesund, könne man in der übrigen Zeit schadlos die Zügel loslassen. Das störe den Diäterfolg nicht; im Gegenteil: Es fördere sogar entsprechende hormonelle Vorgänge. Zudem müsse man schließlich das Leben auch mal genießen. Immer nur Verzichten, das untergrabe jeden Ernährungserfolg.

Weil man seiner gewählten, beschränkten Ernährung die meiste Zeit treu ist, könne man dann auch mal schummeln.

Man kann sich alles einreden. Eines bleibt: Man betrügt sich selbst.

Der Cheat Day: eine Essstörung.

Ich kenne persönlich nicht wenige Menschen, die sich mit religiösem Eifer an die Steinzeit­er­nährung halten: Kein Tropfen Milch, kein Getreidestaub darf im Essen stecken; beim Anblick von Pflanzenfett kreischen sie wie ein Teufel, der sich ins Weihwasserbecken gesetzt hat; und selbst Kartoffeln, Tomaten und Paprika haben sie vom Speiseplan verbannt, weil jeder weiß: Diese Lebensmittel sind Nachtschatten­gewächse und somit tödliches Gift. Tugendhaft schaufeln sie Fleisch und Gemüse und die sechs abgezählten Macadamianüsse ins grimmige Gesicht. Derweil zwingt sich ein LowCarber beim Knabbern am glutenfreien, staubtrockenen, gummiartigen LowCarb-Brot ein Lächeln aufs Gesicht. »Schmeckt viel besser als richtiges, knuspriges, saftiges Brot!« Das erinnert an religiöse Selbstgeißelung.

Dann kommt der Cheat Day und sie springen freudig aus dem Bett, rennen ins Café und frühstücken Croissants mit Nuss-Nougat-Creme und Marmelade, genießen den Milchkaffee mit Sahne. Mittags fahren sie zur Eisdiele und verschlingen feierlich drei Becher Eis mit eingestreuten Schokoriegeln. Einige von ihnen übergeben sich danach. Aber da muss man durch und es muss weitergehen; so einen Tag muss man schließlich nutzen.

Nicht jeder begeht seinen Cheat Day in so extremer Weise. Dennoch bleibt es eine Essstörung. Essen ist lebensnotwendig. Würde jemand einen Tag pro Woche nur noch laut schnaufend atmen, weil er seine Atemtechnik an den übrigen Tagen als Last empfindet: So jemandem würde man unbestreitbar eine Atemstörung bescheinigen.

Cheat Days weisen hin auf ein gestörtes Verhältnis zu Lebensmitteln. Sie bedeuten, es gebe eine klare Linie zwischen gutem und bösem Essen und erschaffen eine künstliche moralische Bewertung einzelner Nahrungsmittel. Wer so über sein Essen denkt, belegt es mit Schuldgefühlen und Gewissensfragen. Das sind psychologische Merkmale einer Essstörung.

Die Denkweise hinter dem Cheat Day kann die moralische Urteilsfähigkeit untergraben: Ist es in Ordnung, mein freiwilliges Versprechen regelmäßig zu brechen? Kann ich meinen Partner einfach einmal die Woche betrügen, wenn ich den Rest der Woche treu bin?

Die Anwender des Cheat Days betrachten die Welt naiv und reduktionistisch, meist genau wie ihre Ernährungskonzepte: Lebensmittel sind für sie höchstens die Summe ihrer Teile, selten mehr als Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate. Auch ihren Körper betrachten sie als simple Maschine. Sechs Tage regelkonform essen wie im Korsett, dann einen Tag Schrott hineinstopfen: Im Durchschnitt wird das schon passen. Doch unsere Biologie und Psychologie funktionieren nicht so linear: Ob wir uns zehnmal einen Zentimeter tief in die Brust stechen oder einmal zehn Zentimeter tief, das ist nicht das Gleiche.

Was ist das überhaupt für eine Ernährung, von der man eine Pause braucht? Wenn sie mich derart einengt, warum sollte ich so leben wollen?

Essen ist mehr als Energieaufnahme und Genuss. Eine gesunde Ernährung muss Körper, Geist und Seele nähren. Jeden Tag. Daher muss sie auch harmonieren mit meinen Mitmenschen, muss angepasst sein an die Gegebenheiten meiner Umwelt und der Wirtschaftskreisläufe meiner Heimat. Leistet sie das nicht, entzieht sie meiner Umwelt und mir Leben, statt es zu spenden.

Ein solch gesundes Verhältnis kann nicht darin bestehen, sechs Tage die Woche einen Zwang zu verspüren, von dem man sich erst am letzten Tag befreit.

Nichts spricht gegen Abwechslung in der Ernährung; und Belohnungsaufschub ist eine sinnvolle Übung. Nicht jedoch, wenn man sie formalisiert und mit einem naiv-reduktionistischen Blickwinkel betreibt. Durch einfache Dimensionen wie Abnehmen, Muskelaufbau oder Aussehen entsteht daraus gefährlicher Sprengstoff: Sie vergewaltigen Ernährung zu einem primitiven Werkzeug und reißen sie so aus ihrem Gesamtzusammenhang. »Heute darf ich endlich … essen« – solch ein Gedanke zeigt: Diese Ernährung ist nicht ins Leben integriert und verfehlt ihren natürlichen Zweck.

Eng verwandt mit diese Sichtweise ist die Belohnung durch Lebensmittel. Besonders dann, wenn die Belohnung in Form einer sonst als Sünde geächteten Speise erfolgt: Nach dem Training ein Stück Sahnetorte; nach sechs Tagen Diät eine Tafel Schokolade – schnell schwindet der wahre Genuss einer solchen Belohnung, denn sie gerät zum Selbstzweck. Das eigentliche Ziel verlieren wir aus den Augen, der Vorgang wird Gewohnheit – Abhängigkeit tritt an die Stelle der Belohnung.

Nahrung als Belohnung; als mechanischer Treibstoff; als Wahl zwischen Gut und Böse; als Mittel zum vermeintlich tugendhaften Entzug für 80 Prozent der Lebenszeit oder als selbst auferlegter Zwang: Das sind Wege in die Essstörung. Eine solche Ernährung ist nicht in das Leben eingeordnet, sie belastet die Gesundheit körperlich, geistig und seelisch.

Die Wahl unserer Lebensmittel betrifft niemals allein uns selbst, sondern berührt stets das Leben unserer Mitmenschen und Umwelt. Befinden wir uns mit denen nur gelegentlich im Einklang, läuft das Leben nicht rund.

Den Nachbarn sonntags anlächeln und ihn den Rest der Woche ignorieren, um keine Zeit mit Grüßen zu verschwenden: Das ist verlogene Heuchelei.

Nach dem Studium planen, erstmal 40 Jahre hart durchzuarbeiten und danach ein Wohnmobil zu kaufen, um fünf Jahre durch die Welt zu reisen: Das ist eine Wahnvorstellung.

Das Konzept Cheat Day ist doppelter Missbrauch. Es pervertiert Verzicht, indem es ihn mechanisiert und künstlich moralisiert. Und es verdirbt den Charakter durch die Art, wie es diesen Missbrauch behandelt:

Verzicht erhöht den Genuss. Eine besonders leckere Mahlzeit ist gerade deswegen so lecker, weil sie besonders ist. Äßen wir sie ständig, wäre sie gewöhnlich. Jedoch stehen uns tausende Geschmäcke und Kombinationen zur Verfügung. Deswegen kann jede Mahlzeit besonders und lecker sein. Verzicht auf einen bestimmten guten Geschmack können wir auch durch den Genuss eines anderen guten Geschmacks erreichen. Selbst der Verzicht auf jeglichen guten Geschmack (Extremfall: eine Woche trockenes Brot) sollte nur der Erhöhung des Genusses selbst dienen, niemals der Belohnung.

Einmal die Woche Schmausen; manchmal zweimal; aber nicht zu oft, weil es sich sonst abnutzt: Das ist etwas anderes, als ein regelmäßiger Entzug mit anschließendem Fressgelage, um die Diät auszutricksen für dicke Arme und dünne Haut.

Gedanken werden Worte. Worte werden Handlungen. Handlungen werden Gewohnheiten. Gewohnheiten werden Charakter – und umgekehrt. Wer Schummeln im Leben für akzeptabel hält, wird darüber auch so denken, es ausüben und durch die Wortwahl verallgemeinern. Wer betrügt, ist ein Betrüger. Daran ist nichts genial oder tugendhaft.

Siehe auch: Essverhalten – Der Weg zu gesunder Ernährung

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23 Kommentare zu “Der Cheat Day: eine Essstörung

  1. Peter

    Ich denke das grundlegende Ding mit dem Cheatday ist ein zweischneidiges Schwert.
    Von 0 auf 100 ist oft keine gute Ide vor allem auch wenn es um Umstellungen geht.
    Um seine Ernährung umzustellen muss man ja auch erstmal einen Grund haben.
    Entweder möchte man abnehmen oder einfach nur gesünder Leben.
    Da kann ein Cheatday sicherlich ein Werkzeug sein um zum Ziel zu kommen aber meiner Meinung nach kein dauerhafter eingeplanter Bestandteil einer ausgewogenen Lebensweise.
    Wo ich mich persönlicham Anfang noch auf Tage gefreut habe wo ich nicht “das Richtige” essen “musste” sind Tage an denen nichts gesundes/leckeres möglich ist für mich ärgerlich geworden. Vor allem auch weil ich die 0815 Salmonellenpeitsche nicht nur geschmacklich sondern auch körperlich nicht mehr ausstehen kann.
    Ich finde man merkt wenn man etwas bewusster isst schon selber was einem persönlich physisch und psychisch gut tut und was nicht.
    Schlemmen geht auch ohne schlechtes Gewissen. Es macht auch glaub ich (zumindest mir) keinen Spaß das zu übertreiben.

  2. Alexander

    Hallo Felix,

    vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel. Ich beschäftige mich seit ca. 5 Jahren sehr intensiv mit dem Thema Ernährung. Am Anfang habe ich Paleo im Selbstversuch ein Jahr ausprobiert. Danach viele weitere Methoden und habe dabei viel gelernt. Nicht weil ich abnehmen wollte, sondern weil ich gesund leben möchte und auch für meine Familie eine gesunde Ernährung anstrebe.

    Aus der dargestellten Sicht ist der “Cheat day” tatsächlich als Essstörung zu betrachten. Denn wer sich einmal auf eine gesunde Ernährung eingestellt hat, sollte derlei fehlgeleitetes Verhalten nicht mehr nötig haben und auch gar nicht wollen. Das entspricht nebenbei auch meiner persönlichen Erfahrung.

    Meine Sicht und Erfahrung dazu:
    Betrachtet man die Sache allerdings aus der Perspektive einer Person, die aus dem Teufelkreis falscher Ernährung ausbrechen möchte, dann kann ein solcher “Sündentag” in der ersten Zeit hilfreich sein. Dieses “kann” bezieht sich darauf, dass es auch zu einem Rückfall führen und daher sehr schädlich sein “kann”.
    Hilfreich kann dieser Tag als Verschnaufpause sein (passt auch zum Marathonläufer: Eben nicht umkehren, sondern kurz pausieren, bevor es mit neuem Elan weitergeht). Und dann nicht als Fressorgie bis zum Erbrechen, sondern mit einigen wenigen Bestandteilen der “alten” und “falschen” Ernährung. Was auch immer das sein mag. Eine Tafel Schokolade oder ein Stück Torte zum Beispiel.

    Denn was man bei all den Ernährungsratgebern und Diättipps nicht vergessen darf: Für Leute, die zuckerhaltige Nahrung gewohnt sind und dadurch fettleibig wurden, hat gesunde Ernährung oftmals tatsächlich etwas von Selbstkasteiung. Sie schmeckt im ersten Moment nicht und befriedigt auch nicht. Der Körper muss sich erst an die geänderte Ernährung gewöhnen. Für diese Situation soll der “Cheat day” ein Ansporn sein, nicht gleich nach drei Tagen aufzugeben. Mit der Zeit und im Laufe der Umstellung wird dieser Tag dann immer uninteressanter, weil der Körper den Schrott irgendwann nicht mehr braucht und am Ende sogar ablehnt. Damit ist das Ziel dann erreicht.

    Beste Grüße,
    Alexander

    1. Felix

      Moin Alexander,
      danke für deinen Beitrag. Ich habe den Cheat Day früher auch mal in meine Ernährung eingebaut, auch in meinem Fall in einem Paleo-Rahmen. Mir fiel es ohne Cheat Day leichter, mich durchgehend an Paleo zu halten. Allerdings fand (und finde) ich auch insgesamt die Religiösität, mit der Paleo oft empfohlen und praktiziert wird, gefährlich. Konzepte wie sauber und gut (im moralischen Sinn) sollte man nicht in Zusammenhang mit Ernährung bringen. »No food is ever clean. Food is always messy« meint Bee Wilson dazu und ich stimme zu.

    2. Eichkater

      Hallo Alexander, dein Post spricht den Kern des Problems aus. Die Industrie möchte ihre Ware los werden, also tut sie so, als sei es wichtig, sich was zu “gönnen”. Viele denken gar nicht mehr darüber nach, was sie so insich schaufeln, denn die Werbung oder was auch immer, suggeriert doch, man bräuchte dies oder jenes. Lässt man all diesen ungesunden Kram weg entsteht erst einmal eine “Leere” und die will gefüllt werden. Ich habe mir angewöhnt, sich nicht essbares zu gönnen z.B. ein Spaziergang um Gedanken zu ordnen etc., es ist einfach besser. Der cheat Day, man kann ihn ganz weg lassen und es ist besser so, einfach weil man sich dauerhaft vernünftig ernähren sollte. Essen soll unseren Körper fit und leistungsstark halten, essen sollte nicht als zeitvertreib missbraucht werden.

  3. Jackhammer

    Also ich habe zum Cheatday sehr Positives im Buch „Der 4-Stunden-Körper: Fitter – gesünder – attraktiver – Mit minimalem Aufwand ein Maximum erreichen“ von Timothy Ferriss gelesen. Hier ein Auszug:

    „Ich empfehle den Samstag als den Tag, an dem Sie Ihre Diät völlig über den Haufen werfen dürfen. Ich darf an Samstagen alles essen, worauf ich Lust habe. Und ich nutze das weidlich aus und verschlinge Eis, Snickers, Take 5 und all die anderen süßen Sünden im Übermaß. Wenn ich Biertrinker wäre, würde ich mir ein paar Gläser Paulaner-Hefeweizen gönnen. Jeden Samstag esse ich, bis mir fast schlecht wird, und kann dann das Junkfood den Rest der Woche nicht mehr sehen. Erstaunlicherweise verstärkt die drastisch erhöhte Kalorienzufuhr einmal die Woche sogar den Fettabbau, indem sie dafür sorgt, dass der Grundumsatz (die Schilddrüsenfunktion und Umwandlung von T4 zu T3 und so weiter) nicht aufgrund der ansonsten reduzierten Kalorienmenge heruntergefahren wird. Richtig: Müll zu essen kann Ihnen helfen, Fett abzubauen. Willkommen in Utopia. An Ihrem Fress- oder Schummeltag gibt es keine Beschränkungen. Auch gibt es bei dieser Diät überhaupt kein Kalorienzählen, weder am Fresstag noch an den anderen Tagen. Beginnen Sie die Diät mindestens fünf Tage vor dem Fresstag. Wenn Sie sich beispielsweise für den Samstag als Mogeltag entschieden haben, sollten Sie am Montag vorher anfangen.“

    1. Felix

      Hallo Jackhammer,
      das habe ich an dieser Stelle bereits beschrieben: https://www.urgeschmack.de/was-ist-die-slow-carb-diat/
      Weder sehe ich da einen Widerspruch, noch etwas Positives, das allein über das eindimensionale Vorhaben “Abnehmen” hinausgeht. Wie ich schon schrieb: Es mag von Fall zu Fall ein hilfreiches Mittel zum Abnehmen sein – das könnte man jedoch auch über das sich-den-Finger-in-den-Hals-stecken sagen.

  4. Anke

    Der Cheat Day als Essstörung, gehts noch eine Nummer größer?

    “Ist es in Ordnung, mein freiwilliges Versprechen regelmäßig zu brechen?”

    Da ich die einzige Person bin, der gegenüber ich mich rechtfertigen und die die Konsequenzen dieses Tuns tragen muss: Ja (obwohl ich da weniger theatralisch eher von Vorhaben sprechen würde).

    “Lebensmittel sind für sie höchstens die Summe ihrer Teile, selten mehr als Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate.”

    Beim Cheat Day geht es doch genau darum nicht. Beim klassischen Ziel der Gewichtsreduktion schränkt man sich natürlich ein. Man verabschiedet sich von miesen Angewohnheiten und verzichtet auf eine Menge Kalorien (sonst funktioniert es ja schließlich nicht), da kann eine kleine Auszeit davon durchaus gut tun.

    Ein Cheat Day muss jeder selbst für sich verantworten. Wer sein komplettes Defizit verfrisst oder bis er sich krank fühlt, bekommt dafür die Quittung. Und wie du selbst andeutest, muss so ein Tag nicht im absoluten Kontrollverlust enden. Ein zeitlicher Versatz zur möglicherweise ersehnten Belohnung kann auch den positiven Effekt haben, dass man dieser dann mit mehr Verstand entgegen tritt. Ein “das habe ich mir verdient” weicht einem “muss das sein, willst du das wirklich?”. Es besteht die Chance, dass man dem “Schrott” nicht nostalgisch hinterher seufzt, sondern beim nächsten Konsum möglicherweise als diesen ansieht.

    Deine Annahme Cheat Day = Fressgelage, bis zum Kotzen, ist IMHO in seiner Generalisierung einfach falsch. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich niemanden kenne, der das so handhabt.

    “Einmal die Woche Schmausen […]”

    Achso, das ist etwas völlig anderes…keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

    1. Felix

      Anke, das geht doch aus dem Text hervor: Entweder du fühlst dich mit deiner Handhabe des Tages davon angesprochen oder eben nicht.

      ““Einmal die Woche Schmausen […]”

      Achso, das ist etwas völlig anderes…keine weiteren Fragen, Euer Ehren.”

      Siehe Kontext.

  5. Julia

    Ja, schöner Artikel. Ernährung soll nach Möglichkeit auch noch Spaß machen! 🙂
    Nun, nachdem ich meine Zuckerabhängigkeit seit ein paar Wochen besiegt/ in den Griff bekommen habe, ist es mir auch schleierhaft, warum ich mich mit etwas “belohnen” soll, was meinem Körper doch offensichtlich nicht gut tut. Warum sich an seinem Cheatday nicht sein allerliebstes Lieblingsgemüse kaufen? Oder schmeckt gesunde Ernährung insgeheim gar nicht?

    1. Silvy

      Ganz deiner Meinung Julia!! Auch für mich war die Lösung vom Zucker unglaublich schwer, wochenlang damit gekämpft und nun fühle ich eine Freiheit wie nie. Der Cheatday ist für mich überhaupt keine Option.

  6. Jonas

    Also wenn ein Kommentar 1000, max. 1200 Zeichen übersteigt, na ja, dann lese ich ihn halt nicht und ich denke, es geht vielen anderen ähnlich.
    (@David)

    1. David

      Hi Jonas

      Das ist Dein gutes Recht 🙂
      Allerdings weiß ich nicht, worauf Du Dich bei deinem Kommentar beziehst. Ist das lediglich ein genereller Hinweis, dass Du keine ausführlicheren Kommentare liest, oder habe ich etwas übersehen?

      Schöne Grüße,
      David

  7. Sabine Reußner

    Jahrelang habe ich mich betrogen. Wenn ich mal wieder, weil ich es übertrieben hatte, und ich beschloss die „Notbremse“ zu ziehen, mich auf den Weg in eine Diät begab, habe ich am Tag vor Begin der Diät „Abschied vom Essen“ gefeiert. Krank, kann ich heute rückblickend sagen. Es bedeutet enorme Anstrengungen und Zeit, um für sich individuell den Königsweg zu finden. Ernährung ist soviel mehr, als nur Essenaufnahme. Sich mit neuen, unbekannten Lebensmitteln auseinanderzusetzen bedeutet zusätzlichen Zeitaufwand, Experimentierfreudigkeit und Mut. Nicht immer zieht die Familie mit, trotzdem, oder gerade deshalb weiter machen, um tolle neue Gerichte zu zaubern, die dann eventuell auch allen schmecken. Es ist ein riesiger Prozess den gesunden, schmackhaften, befriedigenden Weg zu finden. Sich selbst betrügen, ist so derart unbefriedigend, dass ich für mich entschieden habe, manchmal mit sich gnädig zu sein und sonst nach Alternativen zur herkömmlichen Ernährung zu suchen und diese auch umzusetzen. Dauerhaft!
    Dein Artikel, Felix, spricht mir aus der Seele. Danke
    Sabine

  8. Eva

    Hallo lieber Felix,
    Ich kann dir nur zustimmen,denn aus einem Cheatday wurde eine Cheatwoche, ein Cheatmonat, und letztendlich ein Cheatjahr. Wenn um dich rum alle “normal” essen, dann muss man schon sehr eingeübt in seiner neuen Ernährung sein, damit man sich nicht vom Essen verführen läßt, das man für sich selber als ungeeignet erachtet und durch Ausnahmen zurück in alte Essmuster verfällt.
    Liebe Grüße Eva

    1. Eichkater

      Bei mir gibt es auch keinen Cheat Day, grundsätzlich nicht. Allerdings ist es durchaus so, wenn ich eingeladen werde und es gibt z. B. Buffet, dann achte ich darauf, nur die nährstoffreichen Dinge zu konsumieren. Ich bin inzwischen soweit, dass mir das vor fett triefende Essen (frittiertes) oder sehr zuckerhaltige einfach nicht mehr schmeckt und da können die Leute noch so sehr behaupten, wie gut es doch schmecken würde. Fazit: Kein Cheat Day, aber wenn es sich nicht umgehen lässt, kann man ja eine kleine Abweichung von der Regel machen.

  9. David

    Hallo Felix

    Prinzipiell kann ich verstehen, was Du sagen willst. Im Speziellen ist alles dann weder schwarz noch weiß. Persönlich bin ich ein Fürsprecher des Cheat Day, weil ich selber weiß wie gut er tun kann.

    Wer erst einmal abnehmen will, der muss halt auf das eine oder andere verzichten was gut schmeckt oder beliebt ist (weil einfach in der Zubereitung oder weil günstig in der Kantine zu haben) aber leider dick macht – und das sind ja bei Weitem nicht nur die natürlichen Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln etc. Auch wenn ich weiß, dass Du es nicht magst, wenn man der Ernährung einen Namen gibt: Selbst wenn ich mich nach ‘Slow Carb, High Fat, High Protein’ ernähre, was ich nicht als Diät sondern als Ernährung bezeichne, muss ich zwar alles andere als einen Mangel leiden, aber als sitzende Spezie muss man halt aufpassen, dass man nicht wieder zunimmt, wenn man zu viele der per se nicht schadhaften aber halt potentiell dick machenden Nahrungsmittel wie Nudel, Kartoffeln und Co isst. Wenn ich mich also unter der Woche am Riemen reiße, ist in meinen Augen ein Cheat Day aus den von Dir genannten aber letztlich als unsinnig dargestellten Gründen durchaus sinnvoll, wie ich finde. Das sage ich aus persönlicher Erfahrung und auch weil ich über meine Webseite und meinen Kurs positives Feedback von meinen Lesern und Teilnehmern erhalte.

    Es geht mir persönlich auch nicht darum, dass man das ein Leben lang macht, sondern es geht um die Zeit, in der man versucht, wieder auf sein Wunsch- oder gar Normalgewicht zurückzukommen. Da sind die Abstriche nunmal etwas größer, also freut man sich umso mehr über den CheatDay. Es kann gut für den Abnehmerfolg und die Psychologie sein. Dass das nicht auf jeden zutrifft und es bei manchen auch nach hinten losgehen kann, ist klar. Den CheatDay deswegen komplett abzukanzeln… hmm, das ist mir ein wenig zu rabiat, genauso, es generell als Essenstörung zu bezeichnen. Es gibt ja auch Menschen, die sich in anderen Bereichen des Lebens mit Etappenzielen belohnen. Da müsste man streng genommen auch von einer XY-Störung sprechen.

    Aber ich kann Deine Einstellung prinzipiell nachvollziehen. Vor allem dann, wenn es um (Crash-) Diäten geht, bei denen vorab schon klar ist, dass diese nicht nachhaltig sind. Die von mir oben angesprochene Form der Ernährung ist ja alles andere als fad und unnatürlich, zumal wenn man sein Wunschgewicht dann erreicht hat. Denn sobald das Wunschgewicht erreicht ist, wird das Ganze ja aufgelockert, und auch Nudeln etc. werden wieder öfter gegessen, sodass es mir zumindest wirklich ausgewogen erscheint, und der CheatDay eigentlich peu a peu in den Hintergrund rückt.

    Schöne Grüße,
    David

    1. Felix

      Moin David,
      ich würde nicht sagen, der Cheat Day könne nicht beim Abnehmen helfen. Mit gesundem Essverhalten hat er für mich allerdings nichts zu tun.

      “Es gibt ja auch Menschen, die sich in anderen Bereichen des Lebens mit Etappenzielen belohnen. Da müsste man streng genommen auch von einer XY-Störung sprechen.”

      Nenn mal bitte ein Beispiel. Ich weiß, worauf du anspielst. Allerdings scheint mir das nicht vergleichbar. Nehmen wir einen Marathonläufer: Der würde sich niemals für eine Etappe belohnen, indem er in die entgegengesetzte Richtung läuft oder indem er sich ein Stück aus dem Beinmuskel schneidet. Oder wenn man sein Zimmer aufräumt und die Hälfte geschafft hat: Dann würde man sich auch nicht belohnen, indem man die Federdecke aufschneidet und durchs Zimmer schüttelt. Oder wie handhabst du das?

      1. David

        Moin auch, Felix

        Das Problem hier ist das, dass wir eine gegensätzliche Einstellung zum Thema haben: Du stark negativ, ich stark positiv. Da ist es für beide Seiten schwer, ein Beispiel anzubringen, das der Andere dann mit seiner eigenen Auffassung vereinbaren kann.

        Denn Du machst aus dem Marathonläufer jemanden, der nach einer Etappe (z.B. dem 1. Marathon) in die entgegengesetzte Richtung läuft, ich mache aus ihm jemanden, der sich danach belohnt. Denn für sein Ziel gibt er/sie das eine oder andere auf (aber ohne sich selbst zu kasteien, wie Du das beschreibst, sondern freiwilliger Verzicht um ein bestimmtes, noch höherrangiges Ziel zu erreichen), und nach der ersten Etappe belohnt er/sie sich bei mir eben, anstatt in die entgegengesetzte Richtung zu laufen… 🙂

        Aber das ist auch OK, man muss nicht immer gleicher Meinung sein, bzw. nicht selten hat keiner komplett Recht oder Unrecht 🙂 Es erinnert mich an das 6/9 Prinzip, siehe dazu dieses aussagekräftige Foto hier (keine Sorge, kein Scam): https://media.licdn.com/mpr/mpr/shrinknp_400_400/AAEAAQAAAAAAAAkQAAAAJDIyYjlkYjkzLTQ4OTgtNGYwMC1iOGM2LTM5YmU4OGUwNTQ1ZQ.jpg

        Du weißt ja, dass ich Deine Meinung sehr respektiere (man denke an Deinen Beitrag zu meinem ‘First Principle’-Beitrag vor einiger Zeit, siehe https://www.kohlenhydrate-tabellen.com/bahnbrechendes-gedankenexperiment-zur-richtigen-ernaehrung/), insofern sehe ich es auch nicht als Problem an, dass wir hier verschiedene Ansichten haben – zumal ich ja schon erwähnt habe, dass ich nicht der Meinung bin, dass der Cheat Day für alle Menschen geeignet ist.

        Schöne Grüße aus Hellas
        David

        1. Felix

          Hallo David,
          da hast du mich missverstanden. Erstmal habe ich kene stark negative Einstellung zu dem Thema. Und dann hast du meinen Vergleich nicht gesehen: In meinem Beispiel belohnt sich der Marathonläufer mit dem Lauf in die entgegengesetzte Richtung. Das ist aus meiner Sicht vergleichbar mit deinem Cheat Day: Sechs Tage verzichten um abzunehmen, dann fressen wie ein irrer (=die entgegengesetzte Richtung). Die Form der Belohnung ist die gleiche: Sie steht im Gegensatz zum eigentlichen Ziel. Das wollte ich in Bezug auf deinen Kommentar verdeutlichen.

          1. David

            ‘Fressen wie ein Irrer’ ist hier vermutlich das Stichwort. Das empfehle ich ebenfalls nicht, also Fressorgien zu veranstalten. So ein Cheat Day kann aber auch zivilisiert und kontrolliert erfolgen 🙂

Kommentare geschlossen.

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