Weihnachtszeit: Weniger Stress und mehr Genuss

Weihnachtszeit: Weniger Stress und mehr GenussWie kann man die Weihnachtszeit mit möglichst wenig Stress durchleben? Lässt sich der Genuss in der Weihnachtszeit erhöhen? Wo gibt es da beste Weihnachtserlebnis? Und warum war das letzte Weihnachtsfest nicht unvergesslich? Mit einer einfachen Zutat, über die wir alle im gleichen Maß verfügen, lassen sich diese Fragen beantworten und die Lebensqualität nachhaltig erhöhen.

Im Weihnachtsbeitrag 2013 ging es um "Paleo Weihnachten" mit glutenfreien Plätzchenrezepten (u.a. Spekulatius und Vanillekipferln) und Tipps und Tricks, mit denen man die Zeit des vielen Essens möglichst unbeschadet überstehen kann.

In diesem Jahr möchte ich einen Schritt zurücktreten und den Blick vom Teller auf den ganzen Tisch richten. Mit wem sitzen wir am Tisch? Wer sind die Menschen, mit denen wir unsere Zeit verbringen? Warum essen wir mit diesen Menschen? Wie beeinflussen sie unsere Gefühle, unser Erlebnis des Essens und unser Leben?

Der Tisch als Zentrum der Kultur

Der Esstisch ist viele Jahrhunderte ein zentraler Angelpunkt unserer Gesellschaft gewesen. Die Familie versammelte sich um diesen dreimal täglich, um zu essen. Gemeinsam. Neben dem geteilten Mahl regierten Gespräche diese Zeit, man tauschte sich über Erlebnisse und Vorfälle aus. Der Tisch war so ein wichtiger Teil des sozialen Lebens. In fast jeder Kultur werden oder wurden Mahlzeiten traditionell gemeinsam eingenommen und hatten so einen hohen sozialen Stellenwert.

Entsprechend ist relevant, mit wem wir an diesem Tisch sitzen. Immerhin verbringen wir einen wesentlichen Teil unserer begrenzten Lebenszeit mit der Nahrungsaufnahme. Hier können wir nachhaltige, tiefgreifende Entscheidungen für unser Leben treffen, wenn wir uns dessen Bewusst sind: Zum gemeinsamen Mahl gehört mehr, als im gleichen Raum am gleichen Tisch die gleichen Dinge zu essen.

Die richtigen Menschen – oder Zeitverschwendung

Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste, die häufigen Veranstaltungen arten nicht selten in Stress aus: Die Weihnachtsfeier vom Arbeitgeber, die vom Kegelclub, vom Sportverein und dann noch die vom jeweiligen Partner. Doch wie befriedigend sind diese Ereignisse?

Mit was für Individuen verbringen wir dort unsere Zeit? Liegen uns die Kollegen wirklich so sehr am Herzen oder nehmen wir an der Feier nur Teil, weil es kostenloses Essen gibt? Oder weil wir eingeladen sind? Oder weil wir befürchten, etwas zu verpassen, womöglich den neuesten Tratsch? Warum sollten wir zu einer Feier mit Menschen gehen, die wir nicht kennen oder nicht mögen? Lassen wir uns in einem solchen Fall wirklich auf die Wesen ein, die da neben uns sitzen oder schaufeln wir nur gemeinsam Nahrungsmittel in uns hinein, spülen sie runter, quatschen ein wenig herum und sind froh, hinterher endlich wieder in Ruhe zu Hause zu sein?

Welchen Wert mag eine Feier haben, die so verläuft? Es scheint, als seien bei einer solchen Veranstaltung alle Menschen gemeinsam allein. Jeder lebt in seiner Blase, es findet Interaktion zwischen Blasen statt, aber kein echter Kontakt. Der Esstisch ist Mittel zum Zweck: Auf ihm stehen Essen und Trinken. Aber er verbindet keine Menschen. Gegen Ende der Feier haben sich die meisten Teilnehmer mit der Droge Alkohol den letzten Rest des Bewusstseins weggeballert. Außer der Kasse des Gastwirts gewinnt niemand bei dieser Veranstaltung.

Es ist verschwendete Lebenszeit.

Zeit ist Liebe. Liebe ist Leben.

Gemeinsam zu essen ist mehr als am Tisch zu sitzen und die gleichen Dinge zu essen. Es bedeutet, sich Zeit zu nehmen. Zeit füreinander und auch Zeit für das Essen. Sich auf die Präsenz der Teilnehmer, der Familie oder Freunde einzulassen, sie wahrzunehmen. Gemeinsam das Essen zu genießen. Herunterkommen von der Hektik der eigenen Gedanken, ganz gleich ob Waschküche, Labor oder Meeting.

Es mag sein, dass das Tischgebet einiger Religionen dies einleitete oder gar genau daraus entstanden ist: Um die Teilnehmer vor dem ersten Bissen auch mental an den Tisch und zueinander zu holen. Der Sohn kommt gerade aus seinem Zimmer vom Videospielen, der Vater schneit frisch von der Arbeit herein und die Mutter kommt aus dem Büro während die Tochter eine Stunde in der Küche gewerkelt hat, um das Essen auf den Tisch zu bringen. Alle waren mit den Gedanken woanders, haben einen erhöhten Puls. Das Tischgebet, bewusst ausgesprochen und wahrgenommen, könnte all diesen Menschen ein tiefes Durchatmen verschaffen, sie beruhigen und auf das freudige, anstehende Mahl einstimmen.

Als gedankenlos heruntergeplapperter Spruch vor dem Essen, dessen Bedeutung kaum jemandem Bewusst ist, funktioniert dies freilich nicht. Und Religionen haben kein Monopol auf ein solches Ritual. Ein "Guten Appetit!", bewusst und Auge in Auge ausgesprochen, kann ebenso wirken. Wichtig ist nicht der Inhalt, sondern die Bedeutung. Der Gedanke zählt.

Diese Gedanken kosten Zeit. Zeit, die wir nicht gedanklich bei der Arbeit oder beim Hobby verbringen, sondern miteinander. Zeit ist ein kostbares Gut, deswegen widmen wir sie in der Regel nur den Menschen, die wir lieben. Zeit ist Liebe.

Es ist genau diese aufmerksame Zeit, an die wir uns erinnern können. Nur Momente, in denen wir im Jetzt sind, bei vollem Bewusstsein, bleiben uns im Gedächtnis. Kumuliert machen sie unser Leben aus.

Jedes Mahl zu einem Erlebnis machen: Den Genuss steigern

Indem wir uns auf unser gemeinsames Essen am Tisch wirklich einlassen, verankern wir es in unserem Leben und messen dem Moment einen großen Wert bei. Dies geht weit über das Gespräch als sozialer Austausch hinaus. Alle Menschen am Tisch werden Teil des Moments und so Teil unseres Lebens. In dieser Ruhe lassen sich auch mögliche Konflikte einfacher lösen. Die Feier, das Essen und die Menschen werden unvergesslich. Und wir sind vollständig bei Sinnen und nehmen alles intensiver wahr – so auch das Essen und dessen Geschmack.

Diese gemeinsam verbrachte Zeit ist das größte Geschenk, das wir einander machen können. Und das geht auch ohne Essen und ohne Weihnachtszeit. Doch durch die häufigen Mahlzeiten und die allgemeine Stimmung ist das Potenzial im Dezember nun mal größer als sonst.

In meiner Kindheit waren die Überraschungen der Geschenke an Weihnachten nicht unwichtig. Aber wirklich gefreut haben wir alle uns am meisten auf das Weihnachtsessen, ein oft über anderthalbstündiges Ritual mit reichlich Köstlichkeiten, Genuss und Freude. Ich bin sehr dankbar für diese Erinnerungen. Sie sind für mich der Inbegriff der Familie.

Fazit: Was zählt am Ende?

Was zählt in Ihrem Leben? Wie verbringen Sie ihre täglichen 24 Stunden? Sind sie bei den Weihnachtsfeiern wirklich anwesend und sind die anderen Menschen Ihnen diese Zeit wert? Wären sie möglicherweise glücklicher, wenn Sie diese Zeit mit ihrer Familie oder ihren Freunden verbringen würden? Schmeckt das Essen wirklich? Können Sie es überhaupt schmecken oder stecken Sie in Gedanken woanders?

Würden Sie am Ende Ihres Lebens bereuen, nicht mehr Zeit mit ihren Lieben verbracht zu haben?

Wäre es nicht toll, wenn Sie mehr Zeit bewusst, aufmerksam, bei Sinnen mit ihren Lieben verbringen, das gemeinsame Mahl mehr genießen und ihre begrenzte Zeit unvergesslich machen könnten?

Was kann man tun, um dies umzusetzen?

  • Überlegen Sie, mit wem Sie wirklich Zeit verbringen möchten.
  • Atmen Sie vor dem Essen durch und kommen Sie zu Bewusstsein, nehmen Sie ihre unmittelbare Umgebung, Tischnachbarn und das Essen wahr.
  • Feiern Sie jeden Bissen ohne Gedanken an Morgen, Gestern oder die Arbeit.

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10 Kommentare zu “Weihnachtszeit: Weniger Stress und mehr Genuss

  1. Phaidros Krugmann

    Wenn wir in jedem Augenblick unseres Lebens bereit sind, uns auf das einzulassen, was ist… dann stellt sich nie die Frage, mit wem wir am Tisch sitzen. Dann gibt es weder Stress im Äußeren noch im Inneren. Wer mit sich selbst im Frieden ist, ist für jeden Tischnachbar ein Gewinn. Auch wenn dies ein Schweigen ist 😉

    Ich wünsche allen sinnreiche und stressfreie Feiertage

  2. DEDE

    Wer sich mit Leuten an einen Tisch setzt auf die er keine Lust hat ist selber Schuld! Wer würde euch zwingen?

    Mich nervt eher das unpassende Bild. Aber typisch für Weihnachten. Totes Tier auf Teller….

    1. Micha

      Nun, es gibt in Familien immer Menschen die man mehr mag als andere, das bleibt nicht aus. Soll ich deswegen nicht teilnehmen?
      Zum “toten Tier auf Teller” werde ich mich nicht äußern…

  3. nicolette unterstaller

    Das ist mir auch schon oft so passiert – ein Pflichttermin, den man dem Partner zuliebe absolviert.
    Und dann hab ich mich ganz bewusst mit meinem Tischnachbarn beschäftigt und über die Allgemeinplätze hinaus Interesse an dessen Leben gezeigt.
    Siehe da, es wurde ein sehr interessanter und unterhaltsamer Abend.
    Das ist zumindest Anfangs etwas anstrengend, weil man seine eigene “Blase” verlassen und sich auf sein fremdes Gegenüber einlassen muss, aber es lohnt sich allemal.
    Sollte das Gegenüber wider Erwarten ein einsilbiger, ungeselliger Mensch sein, dann kann man sich ja immer noch wieder in seine “Blase” zurückziehen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, daß dies eher selten der Fall ist.

    1. Simone Unger

      Du hast sicher recht, dass man auch mit Menschen an einem Tisch sitzen und gute Gespräche führen kann, wenn man sie nicht kennt/sie nicht zu “seinen Lieben” gehören; finde ich genauso wichtig wie Zeit für “seine Lieben” zu haben.
      Wünsche allen eine schöne Zeit, egal ob sie Weihnachtszeit oder Arbeitszeit oder Freizeit heißt.

  4. Sonja

    Dein Artikel macht nachdenklich. Viel zu oft sitzt man mit Menschen an einem Tisch, obwohl man viel lieber an einem anderen Ort wäre. Ist mir selber auch schon viel zu oft passiert.

    Liebe Grüße
    Sonja

Kommentare geschlossen.

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