Sollten wir Milch trinken?

Sollten wir Milch trinken?Dieser Artikel ist auch als Podcast bzw. Netcast zum Anhören verfügbar: Sollten wir Milch trinken? (Urgeschmack-Podcast #21)

Milch in der Ernährung des Menschen bleibt ein umstrittenes Thema. Gesundheitlich zeigen sich sowohl mögliche Vorteile als auch potentielle Probleme. Die Diskussion um die A1/A2-Problematik zeigt, wie dringend nötig eine Differenzierung ist. Eine pauschale Abwertung von Milch und Milchprodukten wird der Realität offensichtlich nicht gerecht. In diesem Artikel geht es um zwei weitere, häufige Argumente gegen den Verzehr von Milch. Sollten wir Milch trinken?

Argument #1: Die normalerweise übliche Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter bedeutet, dass wir keine Milch trinken sollten

Laktose ist der Milchzucker. Um ihn verdauen zu können, ist das Enzym Laktase nötig. Alle neugeborenen Säugetiere verfügen über Laktase, deren Aktivität allerdings im Laufe der Entwöhnung stark sinkt. Erwachsene verfügen nur noch über wenig Laktase und entwickeln somit eine natürliche Laktoseintoleranz. Unvollständig verdauter Milchzucker kann dann zu Blähungen und Durchfall führen.

Außerhalb Europas ist die Laktoseintoleranz so weit verbreitet, dass sie oft nicht als Nahrungsmittelunverträglichkeit gilt. Stattdessen ist dort die Laktasepersistenz, also das Fortbestehen einer hohen Laktaseaktivität eher die Seltenheit.

Denn in der Regel sind nur Bevölkerungen, die schon sehr lange Milchwirtschaft betreiben, durch eine genetische Mutation in der Lage, Milchzucker auch im Erwachsenenalter zu verdauen. Das bedeutet: Der Mensch hat die Fähigkeit, Milch anderer Tiere zu nutzen, erst in den letzten rund 10 000 Jahren erworben – darauf deuten auch archäologische Befunde hin.

Ist das ein Argument für den Milchverzicht? Kaum. Gerade die Tatsache, dass sich die Laktasepersistenz durchsetzt, zeugt von ihrer Vorteilhaftigkeit. Das ist das Prinzip der Evolution. Milch und Milchprodukte sind reich an Nährstoffen. Es ist alles andere als abwegig, dass ihr Verzehr einen Vorteil bietet.

Und warum entwickelt sich dann überhaupt nach dem Säuglingsalter eine Laktoseintoleranz?

So vorteilhaft das Stillen auch ist, irgendwann muss das Jungtier entwöhnt werden. Denn die Mutter kann nur eine begrenzte Milchmenge produzieren und optimalerweise setzt sie mehr als nur ein Kind in die Welt. Nur so kann der Fortbestand der Spezies gesichert werden.

Das Jungtier bekommt also ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Milch mehr, dementsprechend auch keine Laktose. Wer keine Laktose isst, benötigt auch das Enzym Laktase nicht. Ein weiteres Prinzip der Evolution zeigt, dass sich unnötige oder dem Überleben nicht hilfreiche Eigenschaften zurückbilden. Und so lässt sich auch der Ursprung der Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter erklären. Sie ist demnach die Folge einer veränderten Ernährung – nicht die Ursache.

Argument #2: Kuhmilch ist für Kühe da. Sie ist nicht für den Menschen gemacht.

Richtig ist, dass biologisch gesehen Kühe Milch für ihre Kälber produzieren. Haben sie kein Kalb, produzieren sie auch keine Milch. Evolutionsbiologisch scheint es ein guter Weg zu sein, dass Mütter ihre Kinder in den ersten Lebensjahren oder -monaten säugen. Die Natur hat also die Kuh nicht so entwickelt, dass sie Milch für den Menschen produziert. Einige Gegner des Milchverzehrs argumentieren deshalb, die Milch sei allein deswegen nicht für den Menschen geeignet. Dies wirft jedoch die Frage auf, was der Mensch sonst essen sollte, denn:

Welches Nahrungsmittel ist "für den Menschen gemacht"?

Sicherlich hat die Natur auch Rinder, Vögel und Fische nicht entwickelt, nur damit der Mensch sie essen kann. Sie sind also auch "nicht für ihn gemacht". Folgte man der Logik der oben genannten Milchgegner, dürfte der Mensch generell keine Tierprodukte essen.

Und auch die Pflanzenwelt produziert ihre Früchte nicht speziell für den Menschen. Genauso wächst Gras nicht nur, um Kühe zu ernähren und Ameisen leben nicht nur als Futter für den Ameisenbären. Auch ist der Mensch nicht das einzige Tier, das andere Tiere melkt: Ameisen halten und melken Blattläuse.

Der Mensch ist jedoch ein Opportunist und ein Omnivore. Das sind zwei Eigenschaften, die zu seinem Erfolg als Spezies beitragen. Hinzu kommt seine Intelligenz und in der Folge die Fähigkeit, seine Umgebung so zu gestalten, dass er das jeweils beste für sein Überleben daraus machen kann (dass es ihm dabei stellenweise an Weitsicht mangelt, sei ihm verziehen).

Die Tatsache, dass die gemeine Kuh ihre Milch also ursprünglich nicht spezifisch für den Menschen produziert, kann daher kein Argument sein, sie als Mensch nicht zu trinken.

Moralisch ist dieses Argument sicherlich wesentlich gewichtiger: Denn Kuhmilch wird eben für Kälber produziert und wenn der Mensch sie trinkt, dann bekommen die Jungtiere weniger oder nichts mehr.

In der industriellen Produktion bekommen die Kälber stattdessen einen Futtermittelersatz. Einige kleine, handwerklich arbeitende Betriebe melken nur einen Teil der Milch zur Weiterverarbeitung und sorgen dafür, dass die Jungtiere noch genügend Muttermilch abbekommen. Auch ethisch besteht daher in diesem Punkt zumindest grundsätzlich kein Problem mit dem Verzehr artfremder Milch.

Fazit: Sollten wir Milch trinken?

Die Evolution scheint dem Menschen sagen zu wollen, dass er mit dem Verzehr von Milch gar nicht so verkehrt liegt: Ein Massensterben nordeuropäischer Bevölkerungen durch Milchkonsum ist kaum abzusehen. Solange die zuvor diskutierten Probleme hinsichtlich der Milchqualität Beachtung finden, spricht offenbar nichts gegen die Fortsetzung dieses Verhaltens.

Als eine der derzeit einflussreichsten Spezies des Planeten ist es allerdings vermutlich ratsam für den Menschen, bei der Produktion seiner Lebensmittel nachhaltige Praktiken anzuwenden, um sich auch in Zukunft noch ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen zu können.

Quellen und weiterführende Informationen:

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33 Kommentare zu “Sollten wir Milch trinken?

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  1. Stefan

    Hey Felix… Habe gerade neu angefangen mich nach “urgeschmack” zu ernähren. In der Hinsicht auf den Milchkonsum bin ich ehrlich gesagt hin und her gerissen. Wäre diese Milch z.B. Ok in Hinsicht auf deine Argumente der Rohmlich:
    http://www.landkorb-shop.de/Frischwaren/Milchprodukte/Milch-%26-Milchmischgetraenke/Dennree-Demeter-Vollmilch-102278.html

    Und noch etwas. Gibt es vielleicht eine app oder listen auf denen ich die Nährwerte zuverlässig finden kann in Hinsicht auf Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett?

    Ich fühle mich leider sehr schlapp und werde schnell unruhig. Frage mich, ob ich vielleicht zu wenig Kohlenhydrate (23-85g am Tag ) und zu viel Fett (manchmal bis zu 160g am tag) zu mir nehme. Ich wiege zur Zeit 108kg bei einer Größe von 1,72. Mache eigentlich alles so wie es in urgeschmack beschrieben ist. Auch die Fett sorten habe ich komplett geändert. Eine Frage hätte ich da doch noch 🙂 Wieviel sollte man eigentlich in einer Woche abnehmen, damit es gesund bleibt?

    Wäre super, wenn du ein paar Antworten darauf hättest… 🙂

    LIEBE GRÜßE STEFAN 😉

    1. Felix

      Hallo Stefan,
      auch diese Demeter-Milch ist pasteurisiert, also keine Rohmilch mehr. Da über die Rasse nichts bekannt ist, gelten auch die Bedenken hinsichtlich A1/A2-Milch.
      Nährwerte: Die einzige mit bekannte Datenbank, die umfangreich und recht zuverlässig ist, ist nutritiondata.com
      Kohlenhydrate: Wenn du gerade erst angefangen hast, dann halte durch. Es dauert 1-2 Wochen, sich daran zu gewöhnen. Wenn es langfristig nicht hinhaut, dann musst du es anpassen.
      Abnehmen: Lt. Dr. Sears kann man pro Woche nicht mehr als 500g Fett (!) abnehmen. Der Rest wäre Wasser. Es gibt kein echtes Maß dafür, wie viel Gewichtsabnahme “gesund” oder “ungesund” ist. Wichtig ist eine gute Ernährung, und zwar langfristig – dauerhaft.

      1. Stefan

        Vielen lieben Dank für deine schnellen Antworten!
        Kennst du denn eine Milch die ich kaufen könnte?
        Ich finde da leider nichts.
        Ist mein Fett pro Tag denn ok oder zu viel?

        Sry das ich dich so überhäufe mit fragen, aber ich will es diesmal echt ernst nehmen, weil ich mich total ungesund fühle und denke, dass es hauptsächlich an meiner Ernährung liegt.

        Ich versuche meine Ernährung auch selbst zusammen zustellen und stoße auf Probleme bei den Nährwerten, weil ich entweder zu wenig Eiweiß zu viel Kohlenhydrate oder zu viel fett(?) habe. Ich möchte halt viel weniger Fleisch essen, weil ich mir das kontrollierte nachhaltige Fleisch leider nicht leisten kann, aber deswegen stoße ich leider auf die Eiweiß Probleme und mit quinoa grünes Gemüse oder Fisch kann ich es nicht so richtig ausgleichen. Ja und wie gesagt Milchprodukte möchte ich “weitestgehend” aus dem weg gehen….. Ahhhhh alles so kompliziert 😀 aber es macht Spaß sich endlich damit auseinander zu setzen 😉

        Ich muss dir an dieser stelle auch echt mal ein ganz großes Kompliment und Dankeschön aussprechen oder schreiben 😉 ich habe noch nie so gut detaillierte und kompetente hilfreiche Tipps im Bezug auf Ernährung und Lebenseinstellung gelesen. Das ist echt wahnsinnig hilfreich. Sehr vielen Dank dafür!

        1. Felix

          Was meinst du mit “eine Milch”? Eine Marke aus dem Supermarkt? Vergiss es. Besser als die Demeter wird es da kaum werden. Du musst in der Nachbarschaft bzw. näheren Umgebung schauen, ob du einen Landwirt findest, der Rohmilch ab Hof verkauft. Ansonsten kann auch ein Gang auf den Wochenmarkt weiterhelfen, ggfs. Ziegenmilch.

          160g Fett/Tag klingt schon nach sehr viel, ich würde nie über 50% des Energiebedarfs gehen und es eher so bei 30-40% halten.

          Mach’ dir nicht zu viele Gedanken. So lange du viel frisches Gemüse isst und Fertigprodukte und süße Getränke weglässt, ist schon viel gewonnen.

          1. Stefan

            Super ich danke dir wirklich für deine Tips und werde es mal auf dem Wochenmarkt probieren Milch zu bekommen 🙂 und das mit dem Fett bekomme ich auch irgendwie geregelt…. Ich merke endlich, dass ich das richtige mache und ab jetzt alles langsamer, aber dafür dauerhaft angehe. Vielen dank für die Möglichkeit mein Leben neu zu gestalten 😉

            GANZ LIEBE GRÜßE
            STEFAN 😉

    2. Justus

      Es ist ein Ehlend, wie wenig über die Metabolisierung von “Milch” an wirklichen Fakten in Umlauf ist! Natürlich ist die besagte menschliche Milchnutzung völlig ungeeignet für eine gesunde Ernährung! Dazu muß man wissen, daß Milcheiweiß aus Kuhmlich für den Menschen nun mal leider ein “Artfremdes Eiweiß” darstellt. Und so toll die Liste der Inhaltsstoffe auch aussieht, der Körper kann wenig damit anfangen. Das liegt daran, daß dieses artfremde Eiweiß nur sauer verstoffwechselt werden kann. Die dabei entstandene Säure muß aber auch wieder ausgeglichen werden. Und woher nimmt der Körper dann die Substanzen für diesen Ausgleich? Aus den eigenen Knochen. Kalziumphosphat wird entzogen, die Säure neutralisiert. Somit schädigt “Milch” langfristig den Körper. Und kann durchaus richtig abhängig machen! Aber das ist ein anderes Thema.

    1. Felix

      Die “Deutsche Wirtschafts Nachrichten” gibt leider keine Quelle an. Das hat sich bei den großen Portalen (Zeit, Spiegel etc) leider so durchgesetzt. Die Mutmaßung, dass das Calcium nicht nützltich und die Milch für die Knochen potentiell eher schädlich sei, ist recht alt und die Erklärung sehr plausibel. Leider wird nicht erwähnt, welche Milch nach welcher Verarbeitung verwendet wurde.

  2. Angelika

    Hallo Felix,
    eine Frage bzgl der Milch: ich habe hier folgenden Artikel
    http://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch.html
    und mich würde wirklich sehr deine Meinung dazu interessieren.
    (Ich persönlich lasse Milch bzw alle Kuhmilchprodukte schon seit fast einem Jahr weg….esse dafür aber ab und an Schafsjoghurt.)
    Würde mich über eine Antwort freuen:-)
    Danke.
    Lg Angelika

    1. Felix

      Hallo Angelika,

      die Artikel von ZdG sind leider meist die Zeit nicht wert, die man in das Lesen investiert. Es handelt sich um sehr einseitige Berichterstattung, die durchaus Funken der Wahrheit enthalten mag, jedoch oft in Polemik und Panikmache ausartet.
      Aber auf Kuhmilch zu verzichten ist sicherlich nicht verkehrt.

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    1. Felix

      Sorry, aber an der Stelle, an der er die Darminnenseite mit dem Glas vergleicht, bin ich ausgestiegen. Das sind tatsächlich Thesen: Nicht weiter nachgewiesene, kurzsichtige und unreflektierte Behauptungen.

  4. m

    Wie sieht es eigentlich mit der Technik der Massai aus den Haustieren Blut ab zu zapfen, anstatt nur Milch? Warum ist das in D nicht so verbreitet? Weiß einer bescheid ?

    1. Felix

      Das hat rein kulturelle Hintergründe. Du findest auf der ganzen Welt unterschiedliche Esskulturen, so auch hier. Blut gilt hier als ekelhaft, während Blutwurst wenigstens von einigen noch als Delikatesse betrachtet wird. Tendenziell werden im Westen solche Lebensmittel immer mehr gemieden, die an die Herkunft und die Nähe zum Lebewesen erinnern.

  5. Falk

    Und was ist mit MAP (Paratuberkulose)? Es ist erwiesen dass MAP in pasteurisierter Milch vorkommt, damit können Menschen die Milch trinken mit MAP infiziert werden. Rund 90% vom Morbus Crohn erkrankten sind mit MAP infiziert – Ich trinke kein Milch und esse keine Milchprodukte mehr seitdem sich MAP in Deutschland breit gemacht hat.
    Der Paläo-Diät OHNE Milch- und Getreideprodukte war das einzigste was die Symptome meiner Morbus Crohn gelindert hat – Milch war vielleicht einmal gut, aber nicht mehr….

    1. Felix

      Hallo Falk,
      die Formulierung ist nicht ganz korrekt: Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis KANN in Milch vorkommen. Das stimmt. Der Erreger kann aber auch in Leitungswasser vorkommen. Und die Morbus Crohn-Erkrankung ist ja nun auch nicht der Normalfall für den Menschen. Insofern handelt es sich hier um zwei Sonderfälle. Ob Milch “gut” ist oder nicht sollte daher jeder selbst anhand der Daten entscheiden.

  6. sant0s

    Ich wuerde das jetzt mal ganz grob vereinfachen:

    Das Kalb trinkt Milch bis es faehig ist ohne die Mutter zu ueberleben, also Gras zu fressen und Wasser zu saufen.
    Weiter ist es dann zum einen, wenn man es jetzt rein oekologisch betrachtet, verantwortlich fuer das duengen der Grasfelder auf dem das Tier sich bewegt indem es seine Pfladen verteilt, die Mistkaefer den Mist unter die Erde tragen usw…
    Die frage die ich mir stelle – verschwendet die Natur Milch indem die Kuh mehr produziert als noetig um das Kalb großzuziehen, oder ist immer noch soviel ueber, dass wir Menschen uns daran bedienen koennen?

    1. Felix

      Einerseits nehmen wir Menschen bei der Viehzucht das Kalb aus der Gleichung und ernähren es anders. Durch Molke und andere Futtermittel. So bleibt Milch “übrig”, die der Mensch dann konsumiert. Andererseits haben wir die Milchleistung der Kühe teils so stark erhöht, dass ein Kalb sie wohl kaum allein verzehren könnte, selbst wenn man es ließe. Von Verschwendung kann da keine Rede sein, eher von der Ausnutzung biologischer Systeme (wie immer bei der Nahrungserzeugung) und der Genetik.

      1. sant0s

        Aber ist das denn natuerlich?
        Die Frage ist ja immer noch, ob wir Milch trinken sollten.

        Wenn wir das Kalb aus der Gleichung nehmen UND (ich gehe jetzt mal davon aus auf unnatuerlichem Wege) die Milchleistung erhoeht haben, ist es sicher weniger “richtig” die Milch zu konsumieren, als das Fleisch zu essen da wir damit den Kreislauf theoretisch stoeren.

        Richtig deshalb in Gaensefueßchen, weil ich auch nicht dogmatisch an das ganze ran gehen will – aber hinterfragen mag ich das schon 🙂

        Was auch interessant ist, dass in den letzten Jahren laktosefreie Produkte immer haeufiger in den Regalen und Restaurants/Bars/Cafes angeboten werden.
        Nicht, dass ich der Milchlobby vorwerfen will, sie ist nur an Profit interessiert 😉 , aber der Markt scheint sich definitiv zu lohnen.

        Und hier komm ich nicht ganz hinterher – denn wenn mir mein Koerper und der vieler anderer Menschen sagt, “Ne, von Milch bekommst Flitzekacke…” – dann sollte ich ihn doch nicht mit MinusL Produkten verarschen!? Und ob wir uns daran gewoehnt haben – nach wahrscheinlich aehnlich langer Evolutionsphase wie Getreide, mag ich zu bezweifeln.

        Denn aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ich meinen Koerper recht schnell an Milch gewoehnen kann und er dann weniger schlecht reagiert.
        Wenn ich dann aber paar Wochen keine Milch trinke und dann wieder – nicht so cool.

        Also ob aus ethischen, gesundheitlichen oder kulinarischen Gruenden Milch trinken ja oder nein – glaube das Thema kann jeder fuer sich interpretieren.

        1. Felix

          Erstmal musst du eines Beachten: Für die Lebensmittelindustrie ist JEDER Trend gut. Und den Markt “gibt” es bei denen nicht, sondern sie machen ihn einfach.

          Milch ist mehr als nur Laktose – und Laktose ist nicht der einzige Grund für mögliche Probleme mit der Milch.

          Deine eingehende Frage bgl. “Natürlich” kann man kaum beantworten. Was ist denn natürlich? Der Mensch ist ein Produkt der Natur. Die Milch auch. Abschließend kann man es nur so stehen lassen, wie du und ich es ja im letzten Absatz tun: Das muss jeder selbst entscheiden – auch im Ausmaß. Ich denke zum Beispiel, dass das nicht zwingend eine “alles oder nichts”-Entscheidung sein muss.

  7. Sebastian Bechtel

    Hallo Felix,

    prinzipiell finde ich es gut, dass du dich dem Thema von der nicht-dogmatischen Seite näherst! Allerdings muss ich zu Argument 2 sagen, dass ich es nicht wirklich logisch finde. Natürlich hat die Natur nichts geschaffen, damit es anderen Lebewesen als Nahrung dient, sondern alles hat seinen Selbstzweck, aber das ist ja auch nicht das Argument der Paleo-Idee, sondern das man, gerade da alles seinen Selbstzweck hat und sich zu schützen versucht, genug Zeit braucht, um sich evolutionär daran anzupassen.

    Natürlich kann man sagen, dass ein Nahrungsmittel nicht per se schlecht ist, bloß weil es erst nach der neolithischen Revolution auf den Teller kam. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Tomaten ungesund sind, nur weil sie Nachtschattengewächse sind.

    Allerdings darf man sich auch nicht zu sehr auf die Forschung verlassen, denn Nahrung und deren Verwertung ist ein sehr komplexes Gebiet und das alle Fallstricke durch die Forschung untersucht wurden und somit ein wissenschaftliches Urteil auch wirklich der Realität entspricht, ist nicht gegeben, selbst wenn die Forschung wirklich im Sinne der Wahrheitsfindung statt fand und nicht aufgrund von Lobbyinteressen.

    Ein schönes Beispiel bei der Milch findet sich zum Beispiel in diesem Paper von Loren Cordain, in dem es um die Entwicklung von Akne geht: http://thepaleodiet.com/wp-content/uploads/2012/04/Cordain-US-Dermatology-Reviews.pdf

    Es wird dargestellt, wie spezielle Kuhhormone bis ins Blut gelangen, also nicht im industriellen Prozess abgetötet werden und auch von Mund, Magen, Darm nie zerstört werden und dann Schaden anrichten, wie in dem Fall Akne.

    Ich denke es gibt noch viele weitere solche Probleme mit Milch, die mit unter gar nicht bekannt sind.

    Ich verwende auch Sahne & Butter und esse auch ab und an mal einen Quark mit Zimt, weil er mir schmeckt, aber ich versuche mich trotzdem von Milch weitestgehend fernzuhalten, da ich das evolutionäre Argument doch weitestgehend als hinreichend erachte.

    Trotzdem: Mach weiter mit solchen Artikeln, solche Standpunkte müssen für eine fruchtbare Auseinandersetzung auch vertreten werden!

    VG Sebastian

    1. Felix

      Hi Sebastian,
      das zweite Argument ist nicht unlogisch – es klingt plausibel genug, dass viele Menschen es benutzen. Und genau deswegen gehe ich darauf ein.

      Was Cordain schreibt ist alledings nicht weltweit anerkannter Fakt, sondern auch nur eine Theorie. Eine Theorie, die sich oftmals als scheinbar zutreffend herausstellt. Aber absolute Sicherheit herrscht da nicht. Allerdings verstehe ich deine Zurückhaltung gegenüber der Forschung in dem Zusammenhang nicht, denn auch Loren Cordain forscht doch.

      1. Sebastian Bechtel

        Hi Felix,

        ich glaube ich muss hier mal aufräumen, ich habe mich wohl ein wenig unklar ausgedrückt und wir reden gerade aneinander vorbei 🙂

        Ich meinte nicht das Argument unter Punkt zwei selbst, also das Milch von fremden Säugetieren nicht für den Menschen gemacht ist, sondern deine Argumentation dazu, dass das bloße Argument (“Gab es in der Steinzeit nicht”) nicht hinreichend ist. Oh man, schwer zu beschreiben 😉

        Das viele Leute Argument zwei anführen, da stimme ich dir zu. Das “nicht für den Menschen gemacht” kein Argument sein kann, da die Natur nichts bloß mit dem Zweck “Nahrungsmittel für andere Lebewesen” geschaffen hat, stimme ich dir auch zu.

        Mein Punkt ist nun, dass ich das Argument abwandeln würde in “Milch ist nicht gut für den Menschen, da er sich nicht lange genug daran angepasst hat”. Und das ist ja auch die eigentliche Grundidee, nämlich das sich Menschen an Nahrung (die auch potentielle Gefahren hat, alle Pflanzen – ausgenommen mal Obst – schützen sich) im evolutionären Prozess anpassen und die Gefahren des anderen Nahrungsmittels durch eigene “Strategien” ausschalten. Oh man, ich glaube, mir zu folgen, wird schwerer und schwerer, ich kann man halt doch nicht ausdrücken 😉

        Ich bin wiederum bei dir, dass man das ganze nicht zu dogmatisch betrachten sollte, aber man sollte sich aufgrund des eben von mir gebrachten Arguments nicht zu sehr auf die Wissenschaft verlassen. Klar, Forschung ist gut, Dr. Cordain darf weiter machen, nur sollte das Argument, dass der Anpassungszeitraum zu kurz war, neben allen wissenschaftlich ermittelten “Fakten”, trotzdem einen großen Stellenwert in der Gesamtbewertung einnehmen.

        Sag bitte Bescheid, wenn du mir immer noch nicht folgen kannst oder glaubst, dass wir an einander vorbei reden, es liegt dann an mir 😉 😉

        VG Sebastian

        1. Felix

          Hallo Sebastian,
          was du anführst ist schlichtweg ein weiteres Argument, das du allerdings nicht begründest. Warum -und vor allem wie lange- sollte der Mensch sich an ein “neues” Nahrungsmittel anpassen? Nehmen wir an, ein Mensch sieht zum ersten Mal eine Kirsche. Oder eine Walnuss. Muss er sich “daran anpassen”? Wo sollte diese Grenze anfangen?

          1. Sebastian Bechtel

            Tja, das ist die goldene Frage 😉

            Ich behaupte mal, 10.000 Jahre reichen nicht, aber wie viele Jahre es braucht? Kein Schimmer.

            Wie gesagt, ich sage nicht, dass das “gab es in der Steinzeit nicht”-Argument der Weisheit letzter Schluss ist, aber man sollte es nicht vernachlässigen und bis zu einem gewissen Punkt ist es schon hinreichend.

            Aber vielleicht bin ich auch gerade etwas penibel, ich habe das Gefühl, wir meinen schon das Selbe.

            VG Sebastian

          2. Felix

            Aber dann ist doch deine eigene Argumentation insofern unlogisch, als dass du deine Gründe selbst nicht kennst 🙂

            10.000 Jahre reichen deiner Meinung nicht. Und wofür genau? Eine Anpassung von was woran? Wie groß wäre die nötige Veränderung?

  8. markus

    Hast du das genau recherchiert, dass die >Laktosetoleranz eine Anpassung der letzten 10 000 Jahre der Sesshaftigkeit des Menschen ist? Ich las irgendwo, bei Josef stocker in nem PDF war es glaub ich, dass es sich Vermutungen zu Folge um eine zufällige Mutation vor 100 000 Jahren handelt, die sich ohne natürliche Vorteilnahme zunächst im Erbmaterial manifestiert hat.

    1. Felix

      Hi Markus,
      ich recherchiere grundsätzlich sehr viel. Josef Stockers Vermutungen klingen für mich angesichts der übrigen Theorien und Indizien nicht besonders überzeugend.

  9. Christian

    Schöner Artikel. Vor allem der letzte Teil des Fazits gilt eigentlich für unseren gesamten Umgang mit Lebensmitteln!

Kommentare geschlossen.

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