Lektine sind in der Ernährung nahezu allgegenwärtige Stoffe, mit denen jeder Mensch regelmäßig zu tun hat, die der breiten Öffentlichkeit jedoch weitestgehend unbekannt sind. Trotz der großen Rolle, die sie in der Ernährung der meisten Menschen spielen, wird kaum über sie gesprochen.
Lektine sind Proteine, die in Pflanzen und Tieren in verschiedenen Mengen enthalten sind. Sie binden sich an bestimmte Kohlenhydratstrukturen und erfüllen eine Reihe wichtiger Aufgaben. Darunter die Abwehr von natürlichen Feinden, denn Lektine verursachen Probleme im Verdauungstrakt und diejenigen Tiere, die sie in zu großen Mengen verzehren, lernen daraus und verzichten in der Folge eher auf den Verzehr der entsprechenden Pflanzen. Lektine sind also eine Art natürliche Pestizide, sogenannte Anti-Nährstoffe, die Pflanzen benutzen, um sich gegen den Verzehr zu wehren.
Durch ihre Bindungsfreudigkeit, binden sich Lektine auch an die Darmwände besonders des Dünndarms und beschädigen diese, wodurch auch die Absorptionsfähigkeit für andere Nährstoffe beeinträchtigt wird, die dem Körper in der Folge nicht mehr zur Verfügung stehen. Lektine treten über diesen Weg auch in den Blutkreislauf und in weiter entfernte Organe ein. Auf diese Weise entstehen unter Anderem einige Autoimmunkrankheiten (z.B. Multiple Sklerose, s.a. diesen Beitrag über Dr. Loren Cordain). Der Darm kann, einfach ausgedrückt, “undicht” werden, das sogenannte “Leaky-Gut-Syndrome” entsteht (zu deutsch “Leckdarm-Syndrom”) und weitere Stoffe wie Nährstoffreste und Toxine treten in den Blutkreislauf ein. Die Lektine, die nun durch den gesamten Körper strömen, heften sich an weitere Organe und der Körper wehrt sich entsprechend dagegen. Er greift die Lektine an – und mit ihnen auch gesundes Gewebe und Organe. Ein Autoimmunproblem entsteht und äußert sich quer durch die Bank in Arthritis, Morbus Crohn, Fibromyalgie, Reizmagen oder auch Schilddrüsenproblemen. Unter den betroffenen Organen befindet sich auch die Bauchspeicheldrüse, die teilweise so stark zu leiden hat, dass sie ausfällt, was zu Diabetes Typ-1 führen kann.
Ganz aus dem Weg gehen kann man Lektinen kaum. Da sie jedoch in den mit Abstand höchsten Konzentrationen in sämtlichen Getreidesorten (dazu zählen auch Reis und Mais), Hülsenfrüchten (besonders Soja) und Kartoffeln enthalten sind, macht es Sinn, auf diese gänzlich zu verzichten. Auch Nachtschattengewächse wie Tomaten oder Paprika enthalten sie in nennenswerten, jedoch nicht ganz so hohen Mengen. Natürlich enthalten auch alle Folgeprodukte aus diesen Pflanzen die Lektine, also die entsprechenden Öle, Mehle usw. Und auch die Milch von Kühen, die mit Getreide gefüttert werden, ist davon betroffen.
Durch Erhitzen werden Lektine zumindest teilweise unschädlich gemacht, weitere Techniken zum “Entschärfen” sind Fermentierung und Einweichung. Wer auf Brot absolut nicht verzichten mag, sollte zu Sauerteigbrot greifen. Haferflocken und Ähnliches sollten grundsätzlich lange eingeweicht werden, eine Technik, die auch für Bohnen anwendbar ist.
Wenn Sie schon unter Verdauungsproblemen oder Autoimmunkrankheiten leiden, sollten Sie jedoch wenigstens auf Getreide und Hülsenfrüchte gänzlich verzichten
Was meinen Sie? Haben Sie vielleicht Verdauungsprobleme oder könnten sich eine Verbesserung ihres Verdauungsvorgangs vorstellen? Probieren Sie es doch einfach einmal aus und verzichten Sie einen Monat lang auf jegliche Getreideprodukte, Hülsenfrüchte und vielleicht auch Kartoffeln. Schaden kann es auf keinen Fall. Ist dies nicht einen Versuch wert?
Quellen:
Jonathan M Rhodes, Professor of medicine, “Genetically modified foods and the Pusztai affair“, BMJ. 1999 May 8; 318(7193): 1284.
Carmen Cuadrado, Gyongyi Hajos, Carmen Burbano, Mercedes M. Pedrosa, Gema Ayet, Mercedes Muzquiz, Arpad Pusztai, Eva Gelencser, “Effect of Natural Fermentation on the Lectin of Lentils Measured by Immunological Methods“, Food and Agricultural Immunology, Volume 14, Issue 1 March 2002 , pages 41 – 49
Katsuya Miyake, Toru Tanaka, Paul L. McNeil, “Lectin-Based Food Poisoning: A New Mechanism of Protein Toxicity“
W. J. Peumans and E. J. M. Van Damme, “Prevalence, biological activity and genetic manipulation of lectins in foods“, Volume 7, Issue 4, April 1996, Pages 132-138
Pedro Cuatrecasas and Guy P. E. Tell, “Insulin-Like Activity of Concanavalin A and Wheat Germ Agglutinin—Direct Interactions with Insulin Receptors“, Proc Natl Acad Sci U S A. 1973 February; 70(2): 485–489.
Emma Wear, “Wheat Chemicals Starve Insect Pests“, Biology, Indiana Wesleyan University
David L J Freed, Allergist, “Do dietary lectins cause disease?”, BMJ. 1999 April 17; 318(7190): 1023–1024.




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Danke für den wirklich verständlichen und nachvollziebaren Beitrag.