Wie die Lebensmittelindustrie uns manipuliert: Salz, Zucker und Fett (Video)

Die Lebensmittelindustrie manipuliert Verbraucher. Mit Hilfe der drei einfachen Zutaten Salz, Zucker und Fett steuern ihre Unternehmen das Kaufverhalten vieler Konsumenten. Dass sie dies tut, mag für viele nicht neu sein. Doch wie das genau funktioniert, was dahinter steckt und welche Rolle das Marketing dabei spielt, beschreibt Michael Moss in diesem Buch.


"Das Salz-Zucker-Fett-Komplott" ist ein Buch über die Konstruktion und geschickte Vermarktung von Nahrungsmitteln.

Michael Moss schreibt darin auf Basis von Interviews, Abschriften und Studien über die Methoden, mit denen die Lebensmittelindustrie ihre Produkte konstruiert und vermarktet. Sein Fokus liegt dabei auf einer detaillierten Darstellung sowie der Betrachtung im Kontext. Er zeigt, dass die Menschen hinter diesen Produkten und Unternehmen genau das sind: Normale Menschen mit Familien, Ambitionen und Wünschen. Es gelingt ihm, die Industrie losgelöst von den Individuen darzustellen, die in ihr stecken.

Ein paar Stichpunkte sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:

  • Der Mensch kann Kalorien in flüssiger Form praktisch nicht wahrnehmen.
  • Das Belohnungssystem für Zucker im Gehirn reagiert identisch auf Fett und beeinflusst, wie wir die entsprechenden Produkte sehen, riechen und hören.
  • Führende Mitarbeiter der Lebensmittelkonzerne sind sich der volksgesundheitlichen Folgen ihrer Arbeit bewusst und damit nicht glücklich.
  • Kraft startete einen Vorstoß zugunsten gesünderer Produkte.
  • Das Unternehmen Philip Morris erzielte über lange Zeit seinen größten Umsatz nicht durch Tabak, sondern durch Lebensmittel.
  • Es gibt für Zucker einen Breakpoint, d.h. einen Punkt, ab dem er für den Menschen geschmacklich "zu viel" wird. Für Fett gibt es einen solchen Punkt nicht.
  • Fett lässt sich in Lebensmitteln geschmacklich nur schwer feststellen. Fett schmeckt noch besser in Kombination mit Zucker. Fett wird durch Zucker maskiert.
  • Der Mensch verfügt praktisch über kein Alarmsystem für zu hohen Fettkonsum.
  • Durch Subventionspolitik entstand ein Milchüberschuss, der seit den 1970er Jahren durch massives Marketing und intensive Weiterverarbeitung abgebaut wurde. Der per capita Konsum von Käseprodukten hat sich seitdem verdreifacht.
  • Käse ist zu einer Art Zusatzstoff und Geschmacksverstärker geworden.
  • Versteckte Fette erhöhen den Kalorienkonsum um ~10%.
  • Salz maskiert schales und geschmacksarmes Essen, erhöht so auch die Lagerbarkeit.
  • Vanishing Caloric Density: Schnell-schmelzende Lebensmittel signalisieren geringen Kaloriengehalt. Der Mensch isst immer weiter, ohne satt zu werden. Einige kalorienreiche Produkte wie Kartoffelchips werden so konstruiert, mit fatalen Folgen.

Das Buch liest sich zumindest in der englischen Originalfassung sehr flüssig und spannend.

Salt, Sugar, Fat Das Salz-Zucker-Fett-Komplott

Wenn Sie auf eines der beiden Buchcover klicken, gelangen Sie zum Onlineshop Amazon und können das Buch dort kaufen. Es handelt sich um sog. Affiliate-Links: Dadurch unterstützen Sie beim Kauf Urgeschmack mittels einer durch Amazon bezahlten Prämie.

Urgeschmack ist frei von Werbung. Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Freuen Sie sich, etwas gelernt zu haben? Gründliche Recherche und Schreiben kosten Zeit. Ihre Unterstützung hilft beim Fortführen dieser Arbeit.

6 Kommentare zu “Wie die Lebensmittelindustrie uns manipuliert: Salz, Zucker und Fett (Video)

  1. Damian

    Hallo Felix,

    danke für die zahlreichen interessanten und auschlussreichen Beiträge und Videos. Meine Frage bezieht sich auf folgenden Punkt: “Der Mensch kann Kalorien in flüssiger Form praktisch nicht wahrnehmen”.

    Zum Frühstück esse bzw. besser gesagt, trinke ich seit einiger Zeit einen Shake, welcher aus Vollkornmüsli, einer Banane und Wasser besteht. Inwiefern verändert sich dabei die Wahrnehmung von meinem Frühstück? Nehme ich es hinsichtlich der Sättigung anders wahr, wenn ich den Shake trinke anstatt die Dinge einzeln (in “fester” Form) zu mir zu nehme?

    Liebe Grüße
    Damian

    1. Felix

      Hallo Damian,
      schon das Kauen ist ein anderer Ablauf als das Trinken. Ich habe das Buch gerade nicht dabei, meine jedoch irgendwo gelesen zu haben, dass diese Abläufe auch nachweislich einen anderen Einfluss auf das Sättigungsgefühl haben. Wer mehr kaut, würde demnach satter. Hinzu kommt eben die Wahrnehmung der Energiedichte beim trinken im Vergleich zum Essen.
      Ich kann den Bequemlichkeitsgedanken gut verstehen, würde die Lebensmittel aber trotzdem immer lieber essen als trinken.

  2. Julia

    Hallo Felix,
    wieder mal ein interessanter Beitrag.
    Was mich ein bisschen irritiert ist folgendes: Du schreibst, dass es für Zucker eine Punkt gibt, an dem man genug davon hat. Bei Fett aber nicht.
    Ist das nicht eher umgekehrt? Zuckerhaltiges können die meisten doch eigentlich ohne Ende verdrücken. Bei Fett allerdings ist irgendwann Schluss .
    Oder missverstehe ich da jetzt was?
    Viele Grüße,
    Julia

    1. Felix

      Hallo Julia,
      es ging dabei nicht um die Menge, sondern um die Konzentration. Es gibt einen Punkt, ab dem Nahrunsmittel zu süß sind.

Kommentare geschlossen.

Vielen Dank für Ihren Kommentar, leider kann ich nicht immer auf alle reagieren. Zugunsten der Mitleser lösche ich Kommentare ohne Themenbezug und Kontext. Einige Kommentare muss ich manuell freischalten; in der Regel binnen 48 Stunden.