Schadet Hygiene unseren Lebensmitteln?

Lebensmittelhygiene ist gefährlichHygiene kann Leben retten. Die Römer ahnten dies, das Mittelalter erlebte es und die Medizin der letzten 200 Jahre zog die volle Konsequenz. Die Erkenntnisse übertrug man auf unsere Ernährung. Doch kann es sein, dass die Lebensmittelhygiene-Verordnung mehr schadet als nutzt? Ist es möglich, dass sie mehr Unheil anrichtet, als sie verhindern kann und gar die gesamte Demokratie gefährdet?

Dass vermeintliche Verunreinigungen in Form von Bakterien auf Obst und Gemüse sich vorteilhaft auf das Immunsystem oder gar die Gehirnleistung auswirken können, ist nichts neues. Doch es geht um viel mehr.

Zur Lebensmittelhygiene gibt es reichlich Gesetze. Wer andere Menschen kommerziell mit Lebensmitteln versorgt, muss sich an genaue Regeln halten. Offizieller Zweck dieser Regulierung ist der Schutz der Bevölkerung, die Erhöhung der sogenannten Lebensmittelsicherheit und die Verhinderung von Erkrankungen.

Tatsächlich ist Hygiene eine der großen Errungenschaften der Zivilisation. Notwendig wurde sie spätestens durch die stetig steigende Bevölkerungsdichte und die damit einhergehenden Probleme bezüglich der Übertragung von Krankheiten. Heute wissen wir, was Seife ist, wie man desinfiziert und in weiten Teilen der Welt gibt es Kanalisationen, durch die wir unsere Fäkalien von uns fernhalten und entsorgen.

Hygiene kann also durchaus hilfreich dabei sein, Menschen gesund zu halten. Wie sollte Hygiene, besonders Lebensmittelhygiene dann dem Menschen schaden können?

Schauen wir uns die aktuelle Situation an, so schaden die Gesetze zur Lebensmittelhygiene fast allen Menschen, schreibt auch der Farmer und Autor Wendell Berry. Warum? Weil sie dem freien Handel im Weg stehen und sogar das Fundament der Demokratie untergraben.

Lebensmittelhygiene ist undemokratisch?

Vor 500 Jahren konnte mehr oder weniger jeder, der es sich leisten konnte, ein paar Schweine halten. Allein das ist heute nicht mehr möglich. Und jeder konnte diese Schweine schlachten und die Produkte verkaufen. Hier wird es kompliziert: Wer Lebensmittel verkaufen möchte, muss die Gesetze zur Lebensmittelhygiene einhalten. Das klingt solange unproblematisch, bis man als angehender Fleischverkäufer (oder Gemüseproduzent) versucht, diese Regeln ordnungsgemäß einzuhalten. Schnell stellt sich heraus, dass die Gesetze nur durch große Investitionen sowohl finanzieller als auch zeitlicher Natur umsetzbar sind. Raumbeschaffenheit, Maße, Nutzungsart, Materialtrennung, alles ist bis ins Detail definiert und vorgeschrieben. Und die Auflagen werden laufend verändert und verschärft, was immer neue Investitionen erfordert.

Als Hobby ein paar Schweine halten (oder Pralinen herstellen) und vekaufen, ist praktisch nicht mehr möglich. Das bedeutet, dass viele leidenschaftliche, aber finanzschwache Produzenten vom Markt ausgeschlossen sind. Genau dies gereicht auch dem Konsumenten zum Nachteil, denn dadurch schrumpft seine Auswahl. Wo bekommt er nun stattdessen seine Lebensmittel her?

Er muss seine Lebensmittel von der Industrie kaufen, aus den wenigen großen, überregional und meist international agierenden Konzernen. Von Betrieben, in die er keinen Einblick hat, die er nicht selbst kontrollieren kann und in denen keine Person verantwortlich ist. Und in der die Qualität in der Regel schlechter ist als beim regionalen Produzenten. Er muss von der Industrie kaufen und unterstützt damit genau die eine Partei, die von den Gesetzen zur Lebensmittelhygiene profitiert. Denn für große Betriebe sind die Investitionen zur Umsetzung dieser Regulierungen praktisch unbedeutend. Zugleich freuen sie sich über die schrumpfende Konkurrenz durch kleine Betriebe. Der Konsument ist nun abhängig von der Industrie.

Warum gibt es die Gesetze zur Lebensmittelhygiene?

Ein Gesetz, das aus Empfehlungen zum sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln eine Vorschrift macht, lässt sich genauso einfach verkaufen, wie ein sogenanntes Anti-Terror-Gesetz: Zum Schutz der Bevölkerung. Das Bild vom Koch im Restaurant, der sich nach dem Gang zur Toilette nicht die Hände wäscht und das rohe Fleisch auf dem Fußboden lagert, reicht aus. Natürlich müssen wir die Bevölkerung vor diesen böswilligen Menschen schützen.

Doch eine Küche, die bei den Gästen regelmäßig Unwohlsein und Krankheiten auslöst, ist ein denkbar schlechtes Geschäftsmodell. Das Problem erledigt sich von selbst, auch ganz ohne Gesetz und Vorschrift.

Auf der anderen Seite gibt es kaum Hinweise darauf, dass die Gesetze zur Lebensmittelhygiene die Bevölkerung tatsächlich schützen. Das zeigen regelmäßig Lebensmittelskandale immer größeren Ausmaßes.

Auch Kontrolleure helfen hier kaum weiter. Ja, sie können schlechte Praktiken entdecken und Restaurants vorübergehend schließen. Aber sie können nicht verhindern, dass der Koch nach Abzug des Ordnungsamtes in das Essen spuckt. Gesetze ersetzen keine Integrität, und keine Ehrlichkeit. Die sprichwörtlichen schwarzen Schafe gab es immer und es wird sie immer geben. Nichts und niemand kann dies verhindern und es gibt keine absolute Sicherheit.

Warum gibt es also diese Gesetze? Die Antwort auf eine solche Frage findet man oft, indem man den Nutznießer sucht. Wer ist das in diesem Fall tatsächlich? Der Konsument gewinnt offenbar nichts, denn die Lebensmittelskandale gehen weiter. Vielmehr verliert er: Er verliert Auswahl und Vielfalt. Er verliert die Möglichkeit, Rohmilch zu kaufen. Stattdessen wird er bevormundet. Es verlieren auch der Hobbygärtner, der Hobbyviehwirt und der Hobbykonditor. Massive finanzielle und zeitliche Hürden hindern sie praktisch am Verkauf ihrer Produkte. Es gewinnt die Großindustrie. Sie muss sich in der Folge mit weniger Wettbewerb herumschlagen, hat abhängige Käufer und kann praktisch anbieten was sie möchte. Eine verhältnismäßig geringe Investition kauft sie frei von jeglicher Integrität und von der lästigen Notwendigkeit der Suche nach Mitarbeitern, die aus Leidenschaft die besten Lebensmittel produzieren möchten.

Fazit: Die Lebensmittelhygiene-Verordnung schadet dem Verbraucher und nutzt der Großindustrie

Lebensmittelhygiene ist toll. Wem an seiner Gesundheit gelegen ist, der sollte sorgfältig mit seiner Nahrung und sich selbst umgehen. Es schadet nicht, über Grundlagen der Hygiene informiert zu sein. Das fällt in die Kategorie "Gesunder Menschenverstand". Doch Gesetze helfen ganz offensichtlich nicht weiter.

Vielmehr sind die Gesetze zur Lebensmittelhygiene gefährlich: Sie machen abhängig. Abhängig von wenigen, mächtigen Unternehmen und deren Produkten. Die Gesetze sind gefährlich, weil sie Sicherheit suggerieren. Falsche Sicherheit, denn Verbraucher, die sich nun geschützt wähnen, greifen unbesorgt zu beliebiger Ware aus intransparenten Quellen. Und die Lebensmittelhygiene-Verordnung bedroht die Demokratie. Denn sie verbietet meinem Nachbarn, Rohmilch zu verkaufen. Sie verhindert, dass ich Rohmilch, Fleisch und Pralinen kaufen kann, wo ich das möchte.

Der Autor möchte offenlegen, dass er regelmäßig die verflixten Zucchini- und Karottenscheiben isst, nachdem ihm diesem vom Schneidbrett gerollt und auf den Fußboden gefallen sind. Er kann nicht ausschließen, durch diese schwere Kontamination nicht unter bewusstseinsverändernden Bakterien zu leiden.

Quellen und weiterführende Informationen:

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24 Kommentare zu “Schadet Hygiene unseren Lebensmitteln?

  1. Maria

    haha, danke für en Artikel, ich musste so lachen
    “… nachdem ihm diesem vom Schneidbrett gerollt und auf den Fußboden gefallen sind.”
    mir ist nämlich eine Scheibe Käse heute auch so auf den Küchenboden entflogen.
    Kurz abgepustet und mal angeschaut und dann ab auf den Teller :).
    Da ich schon länger Bewusstseinsverändernde FreiSein-Zustände habe, war mir klar,
    mir fehlte nur noch die wissenschaffende Erklärung der Bakterien ;).
    Suppi danke Felix, hier gibts immer gute Tipps und viel zu Lachen.

    Gekommen bin ich zu diesem Artikel übrigens, weil ich suchte,
    ob Du uns irgendwo schon Deine bevorzugten Küchenbrettchen (zum Schneiden)
    vorgestellt hast.
    Plastik will ich nicht,
    Holz habe ich noch nicht das Optimale gefunden, womit arbeitest Du denn?

    liebe Grüße

    Maria

    Weiterlesen bei Urgeschmack: Schadet Hygiene unseren Lebensmitteln? – http://www.urgeschmack.de/lebensmittelhygiene-ist-gefahrlich/

    1. Felix

      Hallo Maria,
      Schneidbrett: Hier im Haus ist eine alte, stillgelegte Werkstatt – da habe ich mir einfach ein Buchenbrett mitgenommen und es eingeölt. Es ist kein massives Holz, auch keine Tischlerplatte, aber einzelne Riegel, versetzt verleimt; dadurch verzieht es sich relativ wenig.
      Mir sind die Teile aus dem Handel alle viel zu klein, aber 100% zufrieden bin ich mit meiner Lösung auch noch nicht. Oft sehe ich diese Bambusbretter, grundsätzlich scheinen die OK, wären sie bloß größer.

  2. Peter B.

    Also ich habe mehrere Jahre im Norden Thailands gelebt, weit weg von jedem Touristen am Dschungel umgeben von Reisfeldern ohne Ende, d.h. die selbe Hygiene oder nicht war um mich wie bei jedem anderen , aber ausser einem Tropenfieber hatte ich nie was, mit dem Essen oder der Nahrung die immer frisch, viel frischer wie hier täglich auf den Tisch kam. Ich hatte hier vor vielen Jahren von einem Eisverzehr in einer Eisdiele eine Lebensmittelvergiftung die hiess “Paratyphus Panama” damals war ich 12 Wochen in Quarantäne und das hiess, es war schlimmer wie im Knast. Leider konnte die Lebensmittelüberwachung nicht genau herausfinden in welcher Eisdiele ich mich ansteckte, denn ich hatte in der Hitze des Sommers in mehren Eisdielen Eis geschleckt. Ergo, wenns dich erwischen soll, erwischt es dich überall, Hygiene hin Hygiene her.

  3. Rosi B.

    Klingt ziemlcih nach Verschwörungstheorie. Natürlich ist die Gängelei durch den Staat ein stetiges Übel. Wer allerdings mal in einem Dritt-Welt-Staat eine Lebensmittelvergiftung bekommen hat oder wessen Kind an gepanschter China-Milch gestorben ist, wird Lebensmittel-Hygiene schätzen. Die Großkonzerne haben komperative Vorteile, bei denen Bauern selbst bei allem Fortschritt und allen Initiativen nicht mithalten können. Stellen wir uns mal vor, nur ein Zehntel der Kölner würden wochenends aufs Land fahren, um sich dort mit Rohmilch einzudecken. Ökologisch wäre das schlimmer als jeder Supermarkt.

    1. Petra

      Da kommt die Keule – alles Verschwörer hier 😉

      Rosi, eine Lebenmittelvergiftung in einem Dritte-Welt-Land ist persönliches Pech aufgrund von ignoranter Uninformiertheit. Dass man in vielen Ländern Wasser in Flaschen und verpackte Lebensmittel den landestypischen Spezialitäten gegenüber bevorzugen sollte, müsste inzwischen doch bekannt sein.
      Auch kenne ich keinen Fall, in dem ein deutsches Flaschenkind an “Chinamilch” gestorben ist.
      Äpfel mit Birnen zu vergleichen war noch nie zielführend.

      Was dich und uns alle viel mehr beschäftigen sollte, ist die Tatsache, dass es schon einige Städte in Deutschland gibt, in denen Schrebergärten und der private Gemüseanbau im eigenen Garten verboten werden.
      Auch gibt es Politiker, die aus Sorge um uns Bürger (und um keine Steuereinnahmen zu verpassen) den privaten Tausch eigener Erzeugnisse verbieten wollen.
      Und Monsanto freut sich schon darauf, auch in Europa bald seine Ansicht von profitorientierter Landwirtschaft und genetisch “verbessertem” Hybridgetreide und -gemüse gesetzlich geschützt mit allen Mitteln durchsetzen zu können (Stichwort TTIP).

      Zu dieser Gängelei durch den Staat, die Du erwähnst, fällt mir spontan ein Zitat von Henry Ford ein:
      “Any man who thinks he can be happy and prosperous by letting the government take care of him, better take a look at the American Indian.”
      (Jeder, der denkt, er kann dadurch glücklich und erfolgreich sein, dass er den Staat für sich sorgen lässt, sollte besser einen Blick auf die amerikanischen Indianer werfen.)

      1. Gerhard

        Verschwörung ? Nein, aber es gibt zu wenige die der Einschränkung von Freiheiten entgegentreten – es fehlt nahezu komplett die Balance der Interessen. Wer berechtigte Fragen stellt wem der Regelwahnsinn eigentlich nützt wird als Verschwörungstheoretiker vorverurteilt.

        Natürlich gibt es immer rationale Gründe die Freiheit von Menschen einzuschränken, die Frage ist doch wann es genug ist. Müssen wir wirklich den Austausch von Lebensmitteln gesetzlich regulieren um auszuschliessen dass ein Mensch Durchfall bekommt. Geht das überhabt ? Nonsens – Leute aus anderen Erdteilen z.B. sind einfach unser Essen nicht gewöhnt (z.B. Milch !!!), dagegen hilft kein Gesetz. Und wir leiden aus demselben Grund in Asien oder Lateinamerika wenn wir Wasser trinken das jeder Einheimische problemlos trinken kann – eben weil er an die Bakterien im Trinkwasser seines Landes gewöhnt ist. Wer das ausschliessen will muss das Reisen verbieten – und wer reisen will muss das Lebensrisiko ‘Montezumas Rache’ in Kauf nehmen. Und ja – das kann je nach körperlicher Verfassung sogar tödlich sein.

        Unter dem Deckmantel des Bürgerschutzes schränken wir mit Regelwerken (dessen Überprüfbarkeit ohnehin mehr als zweifelhaft ist) die Freiheit des Bürgers immer weiter ein – und auch groteske Gesetze klingen vernünftig wenn man geeignete Zahlen vorlegt: Jedes Jahr sterben in Deutschland 12 Leute an … – nachprüfen kann das eh keiner, und kaum einer stellt die Frage nach der Relevanz des Problems (Promille von Promille, waren die Betroffenen etwa vorher erkrankt, usw. usw. …) . Wer den Regelwahn ohne Bedenken befürwortet dem sollte klar sein dass die wirklich unangenehmen und sehr realen Risiken im Leben (Vereinsamung, sozialer Abstieg, Krankheit, Tod) durch kein Gesetz der Welt ferngehalten werden können. Deshalb kümmern sich Gesetzgeber lieber um Dinge die entweder irrelevant sind oder aber …. im Interesse der Lobbyisten.

        Am Ende des Tages geht es um Werte: Da gibt es die eine Fraktion die selbstbestimmt leben möchte und daher mehr Lebensrisiko auf sich zu nehmen bereit ist (Erfolgssucher, die gerne auch mal Grenzen ausloten) und diejenigen die auf den Staat kucken um möglichst viele Lebensrisiken zu vermeiden (Misserfolgsvermeider). Erstere kämpfen nicht um ihre Freiheit, letztere möchten jedes noch so theoretische Risiko vermeiden und wären dafür notfalls sogar bereit in der Matrix zu leben.

        Wird Zeit dass wir mal aufstehen gegen die staatliche Regelwut: Hygienegesetze haben uns nicht vor Gammelfleisch bewahrt, unsere Lebensmittel wurden durch EU-Normen keinesfalls gesünder und immer neue Auflagen machen das herstellen qualitativ hochwertiger Nahrung für eine breitere Bevölkerungsschicht unrentabel.

        Leute, wir müssen wieder Verantwortung für unser Leben übernehmen – für unsere Ernährung, für unsere soziale Absicherung, für unsere Gesundheit – der Staat wird es NICHT für uns richten. Alle Probleme die uns der Staat irgendwann mal abgenommen hat holen uns heute in zehnfach verschärfter Form wieder ein. Gnade dem der dem Staat sein Leben anvertraut – ‘die Rente ist sicher’ ist eine ähnliche Lüge wie ‘wir brauchen mehr Lebensmittelvorschriften um die Bevölkerung zu schützen’.

  4. Lesley

    Wochenmärkte wird es hoffentlich noch weiter geben, die Produkte, die sie anbieten, werden vielleicht nicht mehr einheimisch sein. Bei uns auf dem Wochenmarkt gibt es einen ortsansässigen Bauern und Demeter aus dem Nachbarort, einen Ziegenkäseanbieter und Honigverkäufer und Eier von benachbarten Höfen. Die restlichen Anbieter haben keine eigenen Produkte, nur gekaufte aus dem Großmarkt. Unser ortsansässiger Bauer hat bis letztes Jahr eigene Produkte (Gemüse und Obst) verkauft, sie waren lecker und ich konnte sie mir leisten. Seit diesem Jahr bietet er nur noch Produkte von anderen Händlern an und die sind fast 4 mal so teuer. Kann ich mir nicht mehr leisten. Er verkauft nur noch Pflanzen und Blumen aus eigener Herstellung, auf dem Markt und im Hofladen. Es gibt viele Regelungen, die unsinnig erscheinen für uns, für die Großunternehmen sind sie ein gefundenes Fressen, so behalten sie die Macht. Bei uns im Ort, wir leben ländlich, ist es möglich mit Nachbarn und Bekannten Tauschgeschäfte zu machen oder den nächsten Kleinbauern zu finden oder in den Supermärkten Produkte aus der näheren Nachbarschaft zu kaufen, noch ist es möglich. Was machen die Leute aus der Stadt? Sie haben die Wochenmärkte, wo kauft ihr in der Stadt ein? Reformhäuser, Biomärkte? Durch die Verbote werden auch Bedingungen geschaffen, die gewollt sind, wir entfremden uns den natürlichen Nahrungsmitteln. Als Kind habe ich beim Bauern Rohmilch geholt, jeden Tag. Als wir vor zwei Jahren auf dem Bauernhof in Österreich Rohmilch getrunken haben, sind wir alle krank geworden und lagen mit Durchfall und Bauchschmerzen zwei Tage im Bett. Wir müssen uns wieder an die natürlichen Lebensmittel gewöhnen, auch Medikamente müssen nicht chemisch sein wie uns weisgemacht wird. Wer einen Garten hat oder einen Balkon, sollte selbst versuchen Gemüse und Kräuter anzubauen, es gibt von Demeter oder anderen Biogärtnern Samen zu kaufen (gibt es im Internet) und die Samen aus selbstgezogenem sind wieder als Saatgut für nächstes Jahr verwendbar. Es ist einfacher als man denkt, versucht es einfach und bringt es auch Kindern bei. Für sich selbst darf man anbauen und herstellen.

  5. Marco Tullney

    Freue mich, den Blog Ungeschmack gefunden zu haben, viele interessante Comments hier.

  6. Sabrina

    Ich habe auch erst vor kurzem mit einer Frau gesprochen, die Hühner, Schafe, Pferde und Galloways hält. Vor allem weil es ihr Spaß macht und sie Tiere liebt, aber auch um ein wenig dazu zu verdienen. Sie weiss auch nicht wie lange es ihr noch möglich ist die immer grösser werdende Flut an Bürokratie und Vorschriften zu bewältigen. Zumal sie in einer Gegend lebt wo viele Dinge einfach nicht umsetzbar sind oder mit anderen Vorgaben (Biosphärenreservat) kollidieren… Alle anderen Landwirte dort haben schon aufgegeben und halten keine eigenen Tiere mehr. Und da wundert es einen nicht mehr warum es kaum noch artgerechte Tierhaltung gibt!
    Bleibt dem Verbraucher nur so oft wie möglich beim Erzeuger direkt zu kaufen. Wobei der Wochenmarkt hier bei uns in der Stadt zu 80% aus Ständen besteht die ihre Waren vom Großmarkt beziehen. Selbsterzeuger sind selten geworden.
    Und vielen Dank für den Hinweis mit den Bazillen vom Fußboden, jetzt weiss ich auch warum ich mir Gedanken mache zu Themen die viele Menschen überhaupt nicht interessiert…!

  7. Gerhard

    Hallo Leute, schön dass hier soviel Herzblut zu diesem brandaktuellen Thema verströmt wird. Aber wir müssen das Rad nicht neu erfinden – die Mechanismen wie und warum der Staat die Freiheit des Einzelnen beschränkt und die Beweggründe dahinter sind seit (spätestens) 1957 bekannt. Damals erschien das Buch ‘Atlas shrugged’ von Ayn Rand: http://en.wikipedia.org/wiki/Atlas_Shrugged

    Das Buch war lange vergessen und kam in den letzten Jahren zurück in den Fokus der Öffentlichkeit – aus gegebenem Anlass. Es ist offen gestanden kein literarisches Meisterwerk, aber es hat eine Botschaft – und was für eine. Wer dieses Buch gelesen hat versteht warum sich die Dinge so entwickeln wie sie sich entwickeln, warum passiert was passiert. Der Vorwand ‘das Beste’ für die Gesellschaft zu wollen erlaubt es dem Staat die Freiheit immer weiter einzuschränken. Aber es geht in vielen (den meisten ?) Fällen nicht wirklich um das Interesse der Bevölkerung.

    Eine Aussage des Buches die sehr schön zu dieser Diskussion passt ist Folgende: Dass der Staat solange neue Regeln aufstellt bis es den Bürgern nicht mehr möglich ist allen Regeln zu gehorchen und schuldfrei zu leben. Damit werden alle Bürger zu potentiellen Verbrechern, was dem Staat gegenüber jedem Bürger immer ins Recht setzt. So simpel ist das – unglücklicherweise wahr und sehr zeitgemäß. Die logische Konsequenz ist daß irgendwann die Bürger nicht mehr allen Regeln folgen können um ‘vernünftig’ zu leben … aber das muss jeder selbst entscheiden – das Buch hilft sicher dabei diese Entscheidung bewusst zu treffen.

    Übrigens – lasst Euch nicht davon abschrecken dass dieses Buch ursprünglich die Bibel der Kapitalisten (!!) ist und damit gegen den Sozialstaat argumentiert. Erstaunlicherweise hat die Großindustrie die Mechanismen von ‘Atlas shrugged’ verinnerlicht und nutzt sie mittlerweile elegant und zu ihren Gunsten. Im Unterschied zu 1957 gibt es eine heutzutage eine andere Hierarchie auf dieser unserer Welt: Der Staat steht zwar immer noch über den Bürgern – wie 1957 – aber der Staat setzt die Regeln mittlerweile so daß sie möglichst attraktiv sind für diejenigen die heutzutage über dem Staat stehen – die Industrie.

    Hoffe mit diesem Buchtipp allen die an gesellschaftspolitischen Themen wie diesem Interesse haben geholfen zu haben. Ach ja – Kommentare auf diesen Kommentar nur von Leuten die das Buch gelesen haben – zumindest die ersten 600 – 700 Seiten :-)))

    Mal schaun wie’s weitergeht. Ich bin jedenfalls eifrig auf der Suche nach ‘guten Nahrungsmittel’ für mich und meine Familie. Und es ist mir sowas von egal was ‘der Staat’ dazu sagt ….

  8. nicolette unterstaller

    Danke für diesen Artikel!
    Wir haben im Ort einmal die Woche einen Bauernmarkt und dort ist ein Stand, der Milchprodukte von Weidevieh verkauft, auch Frischmilch.
    Auf meine Frage, ob ich auf Bestellung Rohmilch bekommen könnte , musste der Bauer verneinen, er könnte seine Konzession verlieren.
    Am Hof stünde aber ein Milkomat zur Verfügung, dort gebe es Rohmilch zum selbstzapfen.
    Ich müsste also mit dem Auto Kilometer über Land fahren um meine ein-zwei Liter Milch zu holen.
    Es wird uns vorgeschrieben was wir wo kaufen können und dürfen und wir freuen uns auch noch über “die wachsende Vielfalt”…..
    Wahrscheinliche bewusstseinsverändernde bakterielle Kontamination – lol!

  9. Petra

    Danke für den informativen Artikel, Felix.

    Die Frage “Cui bono?” – Wem nützt es? kommt oft zu überraschenden Ergebnissen, egal ob man sie im ökologischen, politischen, ethischen oder hier Lebensmittel-Zusammenhang stellt.

    Ich muss sagen, dass ich jedem Bauern und Lebensmittelproduzenten dankbar bin, der diese ganze Bürokratie auf sich nimmt, um uns mit regionalen, frischen Lebensmitteln zu versorgen.

    Wir haben früher eine Zeit lang auch Rohmilch direkt vom Hof bezogen – gar kein Vergleich zur “Milch”, die man im Supermarkt kaufen kann.
    Jetzt gibt es leider nur pasteurisierte Frischmilch vom regionalen Demeterhof bei uns zu kaufen, weil die Auflagen für den Rohmilchverkauf derart unrealistisch sind, dass sich der Bauer das nicht leisten kann.

    Eine praktische Idee: wie wäre es denn mit Tauschhandel bei Milch und Gemüse usw.?
    Dein Nachbar verkauft Dir seine Milch nicht, sondern gibt sie Dir. Und Du gibst ihm etwas, was er von Dir brauchen kann, und wenn es Zeit zum Mithelfen ist. Dann “verkauft” keiner etwas und diese ganzen Verordnungen greifen nicht.

    1. Lesley

      Liebe Petra,
      die Idee mit dem Tauschen ist gut, wird sich jedoch nicht halten können. Man braucht trotzdem Geld, von irgend etwas muss der Nachbar leben, der sich die Mühe nicht umsonst macht mit seiner Arbeit. Da wärst Du auch ewig Unterwegs um 2 Liter Rohmilch zu tauschen oder das zu finden was Du zum Tauschen brauchst. Früher hat man auf den Märkten getauscht, der Staat wird das jedoch nie erlauben. Da wird sicherlich eine neue Regelung gegen das Tauschen gefunden, wenn es auch nur die angebliche Steuerhinterziehung wäre beim Tauschen. Es ist sehr Schade, So hätten eigentlich viele Kleinbetriebe wieder Arbeit und wir gesundes Essen.

  10. Anke

    Hallo,
    da ich in der Nahrungsmittelbranche tätig bin, wenn auch nur in der Erzeugung von eher pflegeleichten Lebensmitteln, weiß ich, welcher irrsinnige Aufwand nötig ist, damit man überhaupt seine Erzeugnisse an den Großhandel liefern “darf”. Für kleine Betriebe lohnt sich das nicht, weil die Kosten nicht nach Menge oder Fläche abgerechnet werden. Ohne irgendein Zertifikat ist es schwierig, seine Waren überhaupt verkaufen zu können.

  11. Hank

    Hallo Felix,
    sehr guter Artikel, genauso sieht es aus (nicht nur im Lebensmittelbereich). Irgendwie musste ich beim Lesen an Joel Salatin denken, sein Buch steht auch noch auf meiner Liste …

  12. Birgit

    In Österreich gibt es auf einigen Höfen einen Milkomat,
    dort kann man 24h am Tag Milch zapfen. Lecker!
    Gibt es das in Deutschland auch?

    1. Felix

      Hallo Birgit,
      das soll es in Frankreich auch geben. In Deutschland ist es offenbar zumindest mit der aktuellen Gesetzteslage nicht legal.

      1. Alan

        Das stimmt so nicht ganz – zumindest in Baden-Wuerttemberg gibt es diese Milchautomaten an manchen Bauernhoefen, wenn auch mit (teils?) eingeschraenkter Oeffnungszeit. Wie die Lage in anderen Bundeslaendern aussieht ist mir allerdings nicht genau bekannt.

        1. Felix

          Am Bauernhof selbst ist das denkbar, aber eben leider nicht “irgendwo”. Die Rohmilch darf nur auf dem Hof verkauft werden.

        2. Konstantin

          Hallo,
          in Sachsen gibt es sowas auch. Bei uns in der Region sogar 2 Mal als Milchtankstelle direkt vom Hof. Frische Rohmilch zum selbstabkochen (wer möchte ;-), der Hinweis ist Hygienevorschrift. ABER, wie direkt dies auch ist, ist es leider nicht immer besser. Zum Beispiel bei der Nachfrage beim Bauern wie die Kühe gehalten werden. Es waren einfache Stallkühe, die nie eine Weide gesehen haben. “Es lohnt sich nicht mehr” oder “die Kühe wollen gar nicht mehr raus” war die Antwort des einen Bauern. Der Vorteil für mich, ich konnte selbst mit dem Erzeuger sprechen und wenigstens nachfragen und hoffen. Zur Zeit beziehe ich meine Rohmilch (und Gemüse) über eine solidarische Landwirtschaft. Näher zum Erzeuger geht es kaum.

  13. Eva

    Hallo Felix.
    Ich versteh nicht ganz ,was du damit sagen möchtest.
    Gab es denn einen konkreten Anlass, dass du z.B. keine Rohmilch bekommen hast. Die Hygienegesetze sind ja nicht über Nacht entstanden. Die haben sich im Laufe der Jahre sicherlich verkompliziert. Ich finde die Verbraucher sind selber Schuld, das es so weit gekommen ist. Nach amerikanischen Vorbild wird doch alles und jeder verklagt.
    Die wenigsten wissen, wie man mit rohen Lebensmittel umgeht, ohne sich und andere zu gefährden.
    Du stellst es dar, als wären die gesetzlichen Hürden für die Herstellung und Vermarktung so hoch, dass keiner mehr Rohwaren anbieten will, unter Umständen auch nicht darf.
    Davon merk ich hier nichts. Eher das Gegenteil. Die Vielfältigkeit des Angebots nimmt wieder zu. Vor allem auf den Wochenmärkten.

    1. Christine

      Eva,

      frag mal einen Rohmilchverkäufer, was er alles aufgebürdet bekommt, damit er die Milch verkaufen darf. Felixens Nachbar ist wahrscheinlich zu klein, um sich den Aufwand leisten zu können und darf wohl deshalb nicht verkaufen.

      Unser Hofladen (Demeter-Bauer am Ort) hat seinen Laden gegenüber seinem Hof über die Straße. Das war ein ewiger Kampf mit der Bürokratie, bis ihm das erlaubt wurde, die Milch drei Meter über die Straße zu transportieren und trotzdem noch zu verkaufen. (Man darf Rohmilch nur direkt am Hof verkaufen). Dazu muss er genau protokollieren, wieviel er melkt, wieviel er verfüttert, wieviel er verkauft, wieviel er wegschüttet, … Von weiteren Auflagen (Hygiene der Anlagen, Gesundheitszeugnisse etc. pp) gar nicht zu reden.

      Damit erreichen wir eines: Der kleine Bauer neben mir, der nur eine Kuh hat und sie liebevoll pflegt, dem ich ganz genau zusehen kann, wie er die Milch erzeugt, der nur ein paar Liter Überschuss hat und die gerne verkaufen würde: Der darf sie nicht verkaufen. Stattdessen fließen Milliarden an Subventionen, damit die Menschen Industrieplörre trinken können.

  14. Fred Benecke

    Hallo Felix,
    vielen Dank für diesen wieder mal tollen Beitrag. Ich glaube ja das ist System. Die Ernährungskonzerne (Maffiaähnliche Strukturen) haben so eine starke Lobby die das alles systematisch durchsetzt. Bin nur gespannt, wie lange es noch Wochenmärkte geben darf. Wünsche Dir eine gute Zeit. Gruss Fred

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