Kurzzeitfasten

Kurzzeitfasten hat viele Bereiche meines Lebens bereichert und mein Verhältnis zum Essen umfassend verbessert. Was das konkret heißt? Leichtigkeit: Das Essen bereitet mir mehr Freude, ich muss mir weniger Gedanken darüber machen, habe eine größere Auswahl. Mein Alltag fließt besser.

Wenn mich jemand nach dem Geheimnis meiner Gesundheit und Zufriedenheit mit dem Essen fragt, lautet meine Antwort fast immer beinahe: Kurzzeitfasten. Warum beinahe? Ich glaube, das Kurzzeitfasten ist ein Werkzeug mit großer Wirkung für jeden. Doch wendet man es isoliert an, losgelöst von der übrigen Sichtweise auf das Essen, bleibt es eine bloße Mechanik, die bei aller Zuverlässigkeit nur einen Bruchteil ihrer Wirkung entfaltet. Als ließe man sich neue Fenster einbauen und schaute dann ewig durch die noch darauf klebende Schutzfolie voller Schmutz und Kratzer. Das ist so, weil alles im Leben sich auf alles auswirkt. Man kann niemals ein einzelnes Element losgelöst beurteilen.

Kurzzeitfasten hilft unter anderem beim Abnehmen, weil es deinen Stoffwechsel konditioniert. Das lehrt deinen Körper einen besseren Umgang mit Energie und dient deiner Gesundheit.

Diesen Schritt kannst du dir vorstellen wie den Satz über einen schmalen Graben der eiskaltes Wasser mit sich reißt: Du benötigst dafür deine volle Aufmerksamkeit und etwas Spannung, damit du keine nassen Füße bekommst oder gar vollständig im Wasser landest. Dafür ist der Fortschritt gewaltig. Und wie in jedem mittelmäßigen Film, in dem der Held einen Fluss kreuzt und so die Hunde der Verfolger abschüttelt, lässt auch du mit diesem Schritt viele Probleme hinter dir.

Das Kurzzeitfasten beantwortet gleich mehrere Fragen: Was, wann und wie oft soll ich essen? Die Antwort lautet: Iss jeden Tag nur innerhalb eines sieben-Stunden-Zeitfensters. Iss, wenn du Hunger hast und bis du satt bist. Iss genug, damit du die übrigen 17 Stunden gut versorgt bist. Das ist kein Nebensatz: Beim Kurzzeitfasten geht es nicht um Hungern. Du musst dich weiter mit der nötigen Energie versorgen. Wenn du bislang täglich drei Mahlzeiten gegessen hast und nun auf zwei reduzierst, müssen diese wahrscheinlich größer ausfallen.

Es gibt im Wesentlichen zwei Wege zur Umsetzung: Du lässt entweder das Frühstück ausfallen und isst zum Beispiel erst um 11 Uhr deine erste Mahlzeit und dann um 18 Uhr dein Abendessen. Dazwischen, von 18 Uhr bis 11 Uhr am nächsten Tag, isst du nichts. Du fastest. In dieser Zeit trinkst du Wasser, Tee oder Kaffee ohne Zucker und ohne Milch. Also keine Kalorien.

Beim zweiten Weg würdest du anstelle des Frühstücks das Abendessen ausfallen lassen. Zum Beispiel um 7 Uhr frühstücken und um 14 Uhr mittagessen und dann fasten bis zum nächsten Morgen. Diesen zweiten Weg halte ich für schwieriger und weniger nützlich. Erstens wirst du die letzten Fastenstunden in der Nacht erleben, wo sie dir unter Umständen den Schlaf rauben oder die Schlafqualität mindern. Zweitens wirst du eine der angenehmen Nebenwirkungen des Kurzzeitfastens, eine erhöhte Sinneswahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit, einfach verschlafen. Aber wenn du diesen Rhythmus vorziehst: Nur zu, man muss ja nicht immer alle Vorteile nutzen. Es muss allein für dich funktionieren.

Der Übergang zum Kurzzeitfasten erfordert deine Konzentration: Dein Körper muss sich daran gewöhnen. Wenn du von heute auf morgen das Frühstück ausfallen lässt, wirst du natürlich Hunger verspüren – schon aus Gewohnheit. In den ersten Tagen muss man da durch. Man gewöhnt sich schnell daran. Der Lohn ist es wert, zumal das Essen stets besser schmeckt, wenn man Hunger hat.

Kurzzeitfasten kann also eine häufige Frage beantworten: Was soll ich zum Frühstück essen, wenn keine Frühstücksflocken oder Brot? Nichts.

Wenn du diesen Weg gehen möchtest, überlege dir nun, wie du das Kurzzeitfasten in deinen Alltag einbaust. Such dir einen geeigneten Zeitpunkt zum Einstieg. Vielleicht in einem Kurzurlaub oder vor einem Wochenende. Und fang am Vortag an: Iss vor deinem ersten Fastenabschnitt eine deutlich größere Mahlzeit, damit du mit reichlich Energie versorgt bist und der Gewohnheitshunger dich nicht so hart trifft.

»Aber drei Mahlzeiten am Tag sind doch normal und wichtig« meinst du? Drei Mahlzeiten am Tag mögen weit verbreitet sein, doch dieser Rhythmus hat für unsere Biologie keine besondere Bedeutung. Unsere Vorfahren lebten nicht in einer Welt mit Kühlschränken und Speisekammern, sondern sie mussten um ihr Essen kämpfen, es suchen, ausbuddeln, jagen und erlegen. In so einer Welt gibt es gar keine regelmäßigen Mahlzeiten. Nur weil das früher so war, müssen wir heute nicht auch so leben. Doch es genügt als Beweis dafür, dass wir auch ohne drei tägliche Mahlzeiten leben und gedeihen können. Tatsächlich spricht aus biologischer Sicht vieles für das Kurzzeitfasten.

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