Blumenkohl ist nicht vegan?

Blumenkohl ist nicht veganGemüse zerkleinern, mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen und in den Backofen schieben. Geröstetes Gemüse: Köstlich, schnell und einfach. Und vegan. Jedoch nicht, wenn man hinterher feststellt, dass im Blumenkohl eine winzige Schnecke saß, die mitgeröstet wurde.

Dieser Vorfall tut mir aufrichtig leid. Ich weiß nicht, wie es sich für eine Schnecke anfühlt, bei 200°C gebacken zu werden und ich werde gewiss nicht den Fehler machen, zu versuchen, es mir vorzustellen. Denn was weiß ich, was so eine Schnecke fühlt? (Obacht vor Anthropomorphismus.) Es ist passiert, zwischen all den Pflanzen ist auch ein Tier gestorben und ich habe daraus gelernt: Beim nächsten Mal ganz genau hinzuschauen, wenn ich Gemüse zubereite.

Habe ich gemacht. Am nächsten Tag fand sich tatsächlich beim Zerteilen des Blumenkohls wieder eine Schnecke an der Pflanze, diesmal lebendig. Kein Wunder: Schnecken wollen auch etwas essen und so ein Blumenkohl sieht sicher einladend aus. Egal, wie vorsichtig ich die Schnecke entferne und im Grünen (so ich welches finde) aussetze: Ich beraube sie ihres Essens und setze sie durch meine Wahl ihres neuen Wohnorts der Gefahr aus, einem Vogel zum Opfer zu fallen. Ein Tier hungert, leidet oder stirbt womöglich meinetwegen. Und das, wo ich doch heute nur tote Pflanzen essen wollte. Eine Erkenntnis manifestiert sich:

Blumenkohl ist nicht vegan.

Aber kann man das so sagen? Die Präzision soll nicht leiden, also werfe ich einen Blick in die Definitionen.

Was ist vegan?

Der Duden sagt:

Veganer, der: jemand, der [aus ethischen Gründen] völlig auf tierische Produkte bei der Ernährung u.a. verzichtet.

Nehmen wir eine zweite Quelle hinzu, das Oxford Dictionary:

vegan: A person who does not eat or use animal products.

Das klingt eindeutig. Die Geschichte dieser Definitionen zeigt, wie aufwändig und schwierig die korrekte Formulierung ist. Schaltet man sämtliche Propaganda militanter Vereinigungen, Aussagen schlecht informierter Ernährungsberater und hysterisches Ethik-Gekreische von Fundamentalisten aus, bleibt einzig eindeutig: Ein Veganer verzichtet völlig auf tierische Produkte.

Dass wir zur Blumenkohlproduktion Äcker anlegen, die den Lebensraum von Tieren zerstören, dass wir zur Befruchtung die Leistungen von Bienen nutzen, dass der häufige Anbau den Boden und seine übriggebliebenen Bewohner belastet, dass für seinen Lebenszyklus bis zum Erscheinen im Supermarkt fossile Brennstoffe nötig sind, all das ändert nichts daran, dass Blumenkohl ein Pflanzenprodukt – und kein Tierprodukt – ist. Blumenkohl ist vegan, selbstverständlich.

Doch er ist es nur dann, wenn wir ethische, ökologische und gesundheitliche Aspekte ignorieren und die oben genannte, einfache Definition zugrunde legen.

Vegane Ernährung: Natur spielt keine Rolle?

Laut dieser Definition ist es für Veganer grundsätzlich irrelevant, welchen ökologischen Fußabdruck ihre Ernährung hinterlässt, wie viele Tiere, Pflanzen und Pilze darunter leiden und welche Auswirkung diese Ernährung auf ihren Körper, die Gesellschaft und die Umwelt hat.

Alle übrigen Themen werden demnach stets von Individuen in die Diskussion gezogen, mal mehr, meist weniger konsequent. "Ich möchte, dass kein Tier für mich stirbt oder leidet!” ist ein netter Gedanke, hat jedoch nach diesem Konsens mit veganer Lebensweise nichts zu tun: Die Definition nimmt darauf keinen Bezug.

Vegetarische Verbände oft destruktiv

Die Separation von Menschen in vegan, vegetarisch, omnivor oder carnivor lebende Gruppen, wie viele auch weltweit agierende Organisationen dies propagieren, ist ähnlich willkürlich wie eine Einteilung nach Religion, Sprache oder Hautfarbe. Diese Art der Gesellschaftsspaltung ist kontraproduktiv und nutzt nur den Spendenkassen weniger.

Wesentlich sinnvoller wäre die Suche gemeinsamer Interessen und Ziele, so wie etwa die Abschaffung der industriellen Intensivtierhaltung, ein sparsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen oder der Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen. Mit vereinten Kräften lassen sich solche Ziele durch Verbraucher wesentlich schneller und effizienter erreichen als durch Gruppenbildung und Grabenkämpfe.

Fazit: Blumenkohl ist vegan

Nur wenn man seinen ökologischen Fußabdruck, seine Produktionsmethoden, Tierrechte und moralische Bedenken ignoriert, ist Blumenkohl eindeutig vegan. Bei ganzheitlicher Betrachtung verschwimmt diese klare Abgrenzung schnell und es wird fraglich, ob der Verzicht auf Tierprodukte allein wirklich immer der Intention des Veganers entspricht.

Jedes Stück Lebensmittel ist so individuell wie wir Menschen. Relevant ist daher, woher der einzelne Kopf Blumenkohl stammt und wie er hergestellt wurde und nicht, ob er als ganze Kategorie einer Schublade entspricht. Veganismus als Ideologie ist daher kontraproduktiv. Sinnvoller ist immer die individuelle Betrachtung und letztlich die gemeinsame Verständigung auf ein umsetzbares Ziel.

Die gesunde Umsetzung veganer Ernährung ist nicht einfach. Und wer die Ausbeutung von Menschen für die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel ablehnt, allergisch gegen Getreide und Hülsenfrüchte ist und wem Fleischersatz, Käseersatz und veganes Rührei aus Tofu aufgrund der enthaltenen Zusatz- und Aromastoffe sowie des aufwändigen Verarbeitungsprozesses schon beim Anblick Übelkeit bereiten, hat es tatsächlich schwer, mit einer veganen Ernährung lange zu überleben.

Wollte so jemand seinen veganen Lebensstil tatsächlich beibehalten, müsste er wohl ganz besonders über die vielen ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Grabenkämpfe hinwegblicken und sich auf die einfachste Definition des Veganismus beschränken.

Was tun?

  • Differenzieren: Eine grobe Kategorisierung wie "Gemüse = Gut", "Fleisch = Schlecht" oder Bio = Gut" entspricht offensichtlich nicht der Realität und löst keine Probleme.
  • Realistisch bleiben: Jede Entscheidung hat Konsequenzen, jedes Lebensmittel hat einen ökologischen Preis. Diesen können wir durch Pauschalbewertung kaum für jedes Lebensmittel im Detail erfahren.
  • Ehrliches Bewusstsein schaffen: Erst die Kenntnis und das Eingeständnis der durch die nötige Ernährung verursachten Probleme ermöglicht die Schaffung von Lösungen. Erst wenn Menschen für ein Thema sensibilisiert sind, können sie fachkundig werden und gemeinsam, nicht gegeneinander, an Alternativen arbeiten.

Weiterführende Informationen:

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30 Kommentare zu “Blumenkohl ist nicht vegan?

  1. Pia

    “Erst wenn Menschen für ein Thema sensibilisiert sind, können sie fachkundig werden und gemeinsam, nicht gegeneinander, an Alternativen arbeiten” sehr schöner und wichtiger Satz. Auch als vegan lebender Mensch, muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass “vegan” allein nicht gleichbedeutend mit ethisch- und ökologisch-korrekt ist. Ich lebe schließlich nicht vegan, weil ich einfach nur keine Tiere essen will, sondern weil ich möglichst wenig Schaden in der Welt anrichten und Gutes tun möchte. Veganismus scheint mir aufgrund meines heutigen Wissensstandes die Richtige Grundlage für mich zu sein, aber um wirklich etwas zu verändern, sollten alle, denen das Wohl der Welt am Herzen liegt, anfangen auch sich selbst zu hinterfragen und zusammen arbeiten anstatt sich wegen Unstimmigkeiten im Essverhalten zu bekriegen (:

  2. HANK

    Hallo,

    komme gerade von der Pfannendiskusssion …

    Ich finde, ein kluger Artikel. So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Dabei ist doch sonnenklar: Auch 6 Milliarden Veganer würden sich durch diesen Planeten fressen wie die Schnecken durch den Blumenkohl. Ich bin selbst eine Art Hobby-Veganer, inkonsequent, bis der Arzt kommt, einer, der bei den Filetsteaks im Hofverkauf des benachbarten Biobetriebs regelmäßig schwach wird usw. usf., und der allein aufgrund seiner Eigenwahrnehmung irgendwann festgestellt hat, dass vegane Ernährung das Beste ist, das sich Bürohengste und Sesselfurzer, die wir heutzutage nun mal sind, antun können. Im Idealfall flankiert von der in dem Artikel beschriebenen ökologischen Ganzheitlichkeit. Wie gesagt, ein kluger Artikel.

    Gruß

    Hank

  3. Terence Horn

    Ein Blumenkopf ist für mich insofern nicht vegan, weil er aussieht wie ein menschliches Gehirn. Das heißt jetzt nicht, ich würde kein Gehirn essen, aber mit Schnecke drin, dann lieber doch nicht 😉

  4. Dieter M.

    Als die Menschen sesshaft wurden diente der Gemüseanbau als Nahrungsquelle für die Tierhaltung, die vorher nur gejagd wurden. Tiere, die keine Nutztiere sind, sind längst am aussterben. Jedes Tier hat eine Lebenserwartung, von der Eintagsfliege bis zur Schildkröte. Mit dem Verzicht auf Fleisch, verzichten wir auch auf das Leben der Tiere. Niemand wird Tiere füttern, wenn er das Fleisch nicht benötigt.

    1. Morota

      Dieser Argumentation nach, wäre jede Art von Tierhaltung legitim, da sie das Leben des Tieres (zumindest temporär) zum Ziel hat. Würden wir jetzt theoretisch alle den Fleischkonsum einstellen, könnte man das von dir angesprochene Problem insoweit lösen, als dass man die Tiere, die jetzt noch Leben, bis zu ihrem Tod durchfüttert. Ich wüsste aber nicht, weshalb man die Millionen Tiere die dem industriellen Pensum entsprechen würden nur ihrer Existenz wegen neu heranzüchten sollte.

      1. Felix

        die dem industriellen Pensum entsprechen

        Wozu auf dem industriellen “Pensum” beharren? Warum soll denn weiter so viel Fleisch produziert werden?

    2. Jürgen Häußner

      “Niemand wird Tiere füttern, wenn er das Fleisch nicht benötigt.”
      Und wie steht es mit Katzen und Hunden (etc., z.B. Meerschweinchen, Kanarienvögeln)?

  5. Morota

    Nunja, was soll man sagen. Sicherlich ist dieser Artikel bei weitem zu kurz und zu relativierend um tatsächlich eine ethische Bewertung des Veganismus im Vergleich zum “Allesessertum” zu leisten. Dass Insekten und in geringerem Maße andere Tiere beim Anbau und der Ernte von Pflanzen umkommen können ist klar. Dass die Fleischproduktion so wie sie heute geleistet wird jedoch auf das selbe hinausläuft, mit dem Unterschied, dass für eine Kalorie Fleisch teilweise das 15-fache an pflanzlichen Kalorien angebaut werden muss, wird hier nicht reflektiert. In einem anderen, deutlich prominenteren Artikel zum gleichen Thema wird darauf eingegangen, jedoch mit einem etwas unfairen Vergleich: Es wird die Utopie von Weidefleisch mit industrieller Nahrungspflanzenproduktion verglichen. Ehm naja, wie soll man sagen, ich habe das Gefühl, das die ansonsten erfrischende Annäherung an Objektivität, die ich hier sonst finde, hier verloren geht. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema bedarf deutlich mehr Aufwand. Und die Darstellung des veganers, der unbedingt Käseersatz und allerhand künstliches, auch noch “unappetitliches Zeug”, in sich reinstopft ist doch ziemlich Stereotyp und entlarvt doch, wenn man mit sich ehrlich ist, die offensive Tendenz dieses Textes. Sicherlich geben einem militante Vertreter auch Anlass zu so etwas, jedoch wäre diese Seite hier vor allem dann eine Ausnahme, wenn sie auch hier ihre Neutralität wahren würde.

    1. Felix

      eine ethische Bewertung des Veganismus im Vergleich zum “Allesessertum” zu leisten

      Es fragt sich, wozu man dies überhaupt tun sollte.

      dass für eine Kalorie Fleisch teilweise das 15-fache an pflanzlichen Kalorien angebaut werden muss

      Welch kuriose Idee. Für Fleisch muss gar nivhts angebaut werden.

      die Utopie von Weidefleisch

      Du hältst Weidefleisch für eine Utopie? Hervorragend, dann leben wir bereits in Utopia.

      1. Morota

        Man muss dies nicht tun, aber genau das versucht du in diesem Artikel. Und das mit dem 15-fachen an pflanzlichen Kalorien betrifft die industrielle Haltung. Und wenn wir von einer Welt ausgehen, in welcher diese vorherrschend ist, ist Veganismus im vergleich dazu ne ganz nette alternative. Weidefleisch für Alle ist eine Utopie. In einem anderen Artikel redest du davon, dass es Regionen gibt, in denen der Fleischverzehr ökologisch sinnvoller wäre. Das vage ich zu bezweifeln, denn wenn man vom Fleischkonsum ausgeht, muss man auch die Menge an Konsumenten einbeziehen. Und bei den Ausmaßen die die Menschheit in Ballungsgebieten annimmt (Und in ein paar Jahrzehnten werden die meisten in solchen Leben) ist Fleischkonsum nur Industriell zu bewerkstelligen. Stellt sich auch die Frage ob die Weiden auf denen das Vieh gehalten werden soll nicht viel effizienter für den Anbau von Nutzpflanzen wie beispielsweise Hanf geeignet wären?

        1. Felix

          Stellt sich auch die Frage ob die Weiden auf denen das Vieh gehalten werden soll nicht viel effizienter für den Anbau von Nutzpflanzen wie beispielsweise Hanf geeignet wären?

          Klar. Wenn du das ökosystem Weide zerstören und somit unzählige Tier- und Pflanzenspeizies ihres Lebensraumes berauben möchtest, dann ist das sicher eine großartige Alternative.

          1. Morota

            Die Weide ist meist das Resultat vorhergehender Zerstörung deutlich komplexerer Ökosysteme, meist Wälder. Ein biodynamischer Anbau von Nutzpflanzen hätte bezüglich Biodiversität warscheinlich ganz ähnliche Karten wie die Weide. Das ist die eine Perspektive. Die andere ist die globale. Für Weidefläche und zum Anbau von Tierfutter werden weltweit riesige Waldflächen gerodet. Die Versorgung über pflanzliche Lebensmittel ist im Gegensatz zur Viehwirtschaft deutlich effizienter und hätte deutlich weniger Zerstörungen der wertvollsten Ökosysteme wie der Fischgründe in den Ozeanen und der Regenwälder als Ergebnis. Natürlich gäbe es da noch die Landwirtschaft zu Industriezwecken, die da ebenfalls ein Problem darstellt.

          2. Felix

            Die Weide ist meist das Resultat vorhergehender Zerstörung deutlich komplexerer Ökosysteme, meist Wälder.

            Und die nordamerikanischen Great Plains? Meist?

            Man kann natürlich immer den schlechtestmöglichen Fall zitieren. Oder man geht pragmatisch heran. Deswegen schreibe ich immer wieder “bestehende Ökosysteme”. Ich propagiere nicht die Abholzung von Wäldern, sondern die Nutzung und Erhaltung bestehender Ökosysteme. Und ich sehe keinen Grund, Weideland zu diskriminieren, weil es “deutlich weniger komplex” sei. Statt zu jammern und zu beklagen, wie etwas jetzt ist oder wie schlimm etwas sein kann, konzentriere ich mich darauf, zu recherchieren und vielseitige, realistische Alternativen und Lösungen vorzuschlagen.
            Du sagst “Nein, das geht nicht, weil die Situation jetzt so ist”. Ich sage “Ja, das könnte klappen, wenn wir es so handhaben”.

          3. Morota

            Ehm, ich kommentier jetzt mal hier, da bei deinem Kommentarsystem scheinbar nach 5 Einträgen Schluss ist. Ich verstehe worauf du hinaus willst (jetzt mal abgesehen von deiner Behauptung, ich würde “jammern”. Äh, muss das sein, willst du mich jetzt beleidigen, oder…?). Du meinst, die Nutztierhaltung zur Fleischproduktion ist vertretbar wenn sie im Einklang mit dem Ökosystem betrieben wird. Nunja schaumal, ich als Vegetarier finde dieses Scenario geradezu paradiesisch im Vergleich zum heutigen Alltag der überwältigenden Mehrheit der Nutztiere in den Fabriken. Die Frage ist nur, wozu brauchen wir überhaupt noch Fleisch, wenn wir es in deinem Scenario sowieso nur noch als seltenes Luxusgut genießen könnten?

          4. Felix

            Die Frage ist nur, wozu brauchen wir überhaupt noch Fleisch, wenn wir es in deinem Scenario sowieso nur noch als seltenes Luxusgut genießen könnten?

            Du meinst, weil wir möglicherweise auf diesem Wege nicht 100kg Fleisch pro Kopf produzieren könnten, sollten wir sofort jeglichen Verzehr von Fleisch einstellen? Aufhören, Wildbestände zu kontrollieren und die Populationen verenden (verhungern) lassen? Oder doch weiter Wild erlegen und das Fleisch einfach liegen lassen? Die Massai sollten ihre Rinder aufgeben?

            Wie definierst du “seltenes Luxusgut”? Ich habe den Eindruck, dass du dir über die Zahlen nicht ganz im Klaren bist.

      2. Chris

        das problem ist einfach, dass viele menschen einfach zu viel fleisch essen wollen. und wenn sich jeder fast nur an fleisch sattessen will, haben wir vermutlich nicht genügend grünland, um rinder oder schafe in ruhe heranwachsen zu lassen.

  6. AGershon

    hi,sehr interessante debatte:

    ich komme mit folgender logik klar:

    ich habe mit eigener hand insekten getötet => ich nehme ihren tod in kauf und esse sie auch
    ich habe beim angeln fische gefangen und erschlagen => ich nehme ihren tod in kauf ,um sie zu essen
    ich habe schon ein huhn geköpft => geflügel essen ist auch ok

    ein säugetier umbringen kann ich nicht – menschen sind auch säugetiere. dahinter steht ein anthropozentrisches weltbild, was für mich das sinnvollste ist.

    diesem prinzip folgend müsste ich auf verzehr und ausbeutung von säugetieren verzichten.

  7. Molly

    Essen ist für viele Leute die neue Religion, Veganer sind nicht besser oder schlimmer als Paleo. Oder steht hier nicht reelmäßig geschreiben, was paleo-koscher ist und was nicht-koscher, also verboten ist? Missioniert der Atuor nicht mit seinem Blog ebenso wie es Veganer tun? Ich selber bin Vegi und interessiere mich nicht dafür, was andere essen, meintwegen können sie Schweinehoden essen, was solls? Was ich aber lustig finde ist, dass sich alle Fleischesser rechtfertigen müssen, wenn ich sage, ich bin Vegetarier. Die sagen, sie könnten nie auf Fleisch verzichten, hätten ihren Fleischkonsum reduziert oder sie hielten Vegetarismus für unsesund… Dabei habe ich nicht die geringste Missionierungsabsicht, das alles wird durch die simple Feststellung ausgelöst, jemand sei Vegetarier. Deswegen finde ich den Artikel auch albern, es gibt keine Lebensweise, die keine ökologischen Fußspuren hinterlässt, wenn man sich immer auf die Hardcore-Fanatiker stürzt und deren Aussagen auf die ganze Gruppe überträgt, kann man auch gleich für SpOn arbeiten.

    1. Angelika

      Oder steht hier nicht reelmäßig geschreiben, was paleo-koscher ist und was nicht-koscher, also verboten ist?

      Nein. Das steht hier nirgendwo geschrieben. Weder, was koscher sei, noch, was verboten sei. Im Gegenteil schreibt der Autor regelmäßig, dass nichts verboten ist.

      Missioniert der Atuor nicht mit seinem Blog ebenso wie es Veganer tun?

      Nein, tut er nicht. Sonst stünde er den verschiedenen Ernährungsformen kaum so kritisch gegenüber und würde sich nicht so differenziert äußern.

      Offensichtlich irrst du dich – oder deine Lesefähigkeit ist stark begrenzt.

      wenn man sich immer auf die Hardcore-Fanatiker stürzt und deren Aussagen auf die ganze Gruppe überträgt

      Welch Ironie…

  8. Alessia

    Ich finde den Artikel sehr gut geschrieben. Besonders gut gefällt mir der Abschnitt

    “Die gesunde Umsetzung veganer Ernährung ist nicht einfach. Und wer die Ausbeutung von Menschen für die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel ablehnt, allergisch gegen Getreide und Hülsenfrüchte ist und wem Fleischersatz, Käseersatz und veganes Rührei aus Tofu aufgrund der enthaltenen Zusatz- und Aromastoffe sowie des aufwändigen Verarbeitungsprozesses schon beim Anblick Übelkeit bereiten, hat es tatsächlich schwer, mit einer veganen Ernährung lange zu überleben.”

    So geht es mir,mir wird übel wenn ich das Zeugs nur schon sehe und sobald eine fundamentalistische Gruppe mir mein Essen vorschreiben will klingeln bei mir die Alarmglocken. Das ist nichts anderes für mich, wie eine von vielen Religionen auf dieser Welt denn auch die wollen in viele private und lebensnotwendige Bereiche des Menschen eingreifen. Immer mehr Lebensmittel wie Orangensaft oder Nüsse werden mit “vegan” angeschrieben,obwol es klar ist das diese “vegan” sind. Überall wirds einem aufgedrückt.

    Liebe Grüsse aus Liechtenstein

    1. Gero

      Naaaja … Fleischesser sind aber oft auch sehr engstirnig und machen sich etwa über Vetetarier lustig. Dabei kann man, wenn man gut informiert ist, zumindest als Vegetarier sehr gut leben, und das wird in etlichen Kulturen auch so seit Jahrhunderten gelebt.
      Veganer und Vegetarier machen zudem oft auf die unerträgliche Fleischindustrie aufmerksan, vor dem Fleischkonsumenten sehr gerne die Augen verschließen.
      Auch wenn man selbst nicht vegan/vegetarisch lebt, sollte man das anerkennen. Manche Debatten sind überhaupt erst durch “Veggies” angestoßen worden.

      1. Vlad

        machen sich etwa über Vetetarier lustig.

        Es ist ein qualitativer Unterschied ob man sich über jemanden Lustig macht oder ob man was verbieten möchte … das wollen diverse Veggies in Bezug auf Fleischessen.

        “zumindest als Vegetarier sehr gut leben, und das wird in etlichen Kulturen auch so seit Jahrhunderten gelebt”

        Dann wirst du wohl kein Problem haben einen Dutzend dieser Kulturen zu nennen. Und jetzt bitte nicht die budhistischen Mönche, die bekommen das essen geschenkt.

        Ich persönlich finde die Einteilung in Vegetarier albern. Entweder man nützt/isst tierische Produkte/Lebensmittel – und dazu gehören auch Milchprodukte und Eier – oder man verzichtet auf die tierischen Produkte. Oder was meinst du passiert mit den Tieren die nicht mehr genug Milch produzieren oder mit den männlichen Küken? Oder was meinst du woher das (echte) Leder herkommt.

        1. Gero

          Ich selbst bin weder Veganer noch Vegetarier, habe aber eher erlebt, dass Fleischesser vegetarische/vegane Menschen aufziehen und sie in ständige Diskussionen verwickeln, als andersherum.

  9. Cordula

    Merci für diesen Artikel, Felix!
    Besonders gut gefällt mir der Absatz: “Wesentlich sinnvoller wäre die Suche gemeinsamer Interessen und Ziele, so wie etwa die Abschaffung der industriellen Intensivtierhaltung, ein sparsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen oder der Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen.” Ich finde es jammerschade, dass es viel öfter darum geht, sich moralisch über die Ernährungsweise anderer zu erheben, statt auf inhaltlicher Ebene zu diskutieren und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

  10. dean pelton

    “Gesundheitlich war die vegane Ernährung eine Sackgasse und spirituell natürlich auch.”

    äh… bitte was?!

    1. Nathalie

      Menschen mit einer hereditären Fruktoseintoleranz oder auch nur schweren intenstinalen Fruktoseintoleranz würden ohne tierische Produkte nicht überleben. Vor allem mit der genetischen, hereditären Fruktoseintoleranz kann man maximal Salatblätter, sehr fruktosearmes Gemüse wie Spinat und nur weißen Reis und helles, weißes Weizen oder Roggenbrot essen, aber meist alle tierischen Produkte. Diese Menschen leben auch und sind gesund, falls sie aber zu viel Fruktose essen, verabschiedet sich die Leber irgendwann. Ich selber leide an der erworbenen Form, wie angeblich 30% der Europäer. Vegan wäre für mich leider purer Luxus und damit auch eine Sackgasse.

  11. Barbara

    Hallo Felix
    auch von mir danke für die klaren Worte. Ich habe selbst einige Jahre vegan gelebt.
    Die ethischen Argumente haben mich nie überzeugt. Ich dachte aber, Veganismus wäre gesünder und
    würde meine spirituelle Entwicklung fördern. Heute klingt das für mich wie Realsatire, wie kompletter
    Blödsinn. Gesundheitlich war die vegane Ernährung eine Sackgasse und spirituell natürlich auch.
    Aber ich habe viel dadurch gelernt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich meinen Irrtum erkannt
    habe und umsteuern konnte, d.h. Fleisch und vor allem Innereien in meine Ernährung einbeziehen konnte.
    Mir ist klar geworden, dass ich eine sehr starke emotionale Bindung an die vegane Ernährungsweise hatte.
    Es war ein ganz wichtiger Teil meiner Identität, Veganerin zu sein. Ich war stolz darauf und fand mich
    “fortgeschrittener” als die Fleischesser. Bei mir hat es seine Zeit gedauert, meinen Irrtum zu erkennen und diese Gefühle gehen zu lassen.
    Ich meine, die Grabenkämpfe zwischen Veganern und Fleischessern werden immer schlimmer.
    Wenn man sich als Veganer ethisch im Recht sieht, gibt man das so schnell nicht auf, denn man fühlt sich gut
    und überlegen.
    Rational ist das alles nicht. Wenn ich weiß, dass die moderne konventionelle Pflanzenproduktion
    Tieren den Lebensraum nimmt, zu Artensterben führt, den Boden vergiftet usw., und wenn ich
    auch noch Auto fahre und einen Computer benutze usw. : wie kann ich dann glauben, ich stünde ethisch
    besser dar, nur weil ich kein Tier esse?
    Wie Du sagst, erfordert es eine differenzierte Wahrnehmung. Und eine sachliche Kommunikation.
    Gemeinsame Ziele gibt es auch. Aber es gibt eben auch diese starke emotionale Komponente,
    die man so einfach nicht aufgibt.
    LG
    Barbara

  12. nicolette unterstaller

    Mir ist alles suspekt, was missionarisch und alleinseeligmachend daherkommt.
    Ich habe in der Verwandtschaft auch überzeugte Vegetarier und werde immer leicht mitleidig betrachtet, wenn ich Fleisch esse. Alle Diskussionen über Ernährung lasse ich aber sein.
    Ansonsten sollten wir die Kirche im Dorf lassen und unseren gesunden Menschenverstand benutzen, so wir ihn haben..
    Weiter so, Felix!

  13. christin

    Hallo,
    Dank des Newsletters und Twitter bekomme ich immer gleich mit, was es Neues bei dir gibt und heute muss ich dir einfach mal für diesen Artikel danken.
    Mein Bruder und seine Frau sind seit einer Weile Veganer und postulieren es auch seeeeehr…..
    Da ich seit Anfang des Jahres eine Gluten- und Laktosesensitivität diagnostiziert bekommen habe und mich seitdem auch urgeschmacklich-paleo-konform ernähre, ist es sehr nervig gesagt zu bekommen, dass man kein Fleisch essen solle und es dann alles besser wird…. Leider habe ich auch Biologie studiert und weiß, dass es nicht so ist. Getreide kann wegbleiben, Zucker und Milch ebenfalls, Gemüse und Obst, als auch in Maßen Fleisch und Fisch sollen aber bleiben.
    Da ich keine Lust habe mich bei Familientreffen dauernd über Ernährung zu unterhalten, lasse ich es einfach sein und lasse sie missionieren und denke mir dabei meinen Teil.
    Beispielsweise, dass was du als Lösungsvorschläge anbringst: möglichst nicht kategorisieren, realistisch bleiben und einfach mal nachdenken, das ist schonmal der erste Schritt zur richtigen Lösung.

    Liebe Grüße
    Christin

    P.S. Das mit der Schnecke ist mir auch heute morgen passiert….beim Anheizen des Kamins. Als ich die Schnecke entdeckte, war es leider schon zu spät.

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