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Gesund essen unterwegs …in Neuseeland

Die natürliche Ernährung von frischen Lebensmitteln (wie auch die Steinzeiternährung oder Paleo-Diät) zu Hause konsequent durchzuführen ist in der Regel nicht besonders schwierig. Aber wie sieht es außer Haus aus? Kann man sich auch auf Reisen konsequent gesund ernähren? Was sind die Besonderheiten, was die Herausforderungen in verschiedenen Situationen? Und wie lassen sich etwaige Probleme am einfachsten umgehen? Diesen Fragen gehe ich unterwegs im Ausland nach. In diesem Beitrag: Neuseeland.

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Die wilde Westküste der Südinsel Neuseelands.

Die meisten Probleme der heutigen Zeit lassen sich lösen, indem man sie mit ausreichend Geld bewirft. Allerdings bin ich kreativer Problemlösung und dem Einsatz meiner eigenen Hände Arbeit wesentlich zugeneigter, als beispielsweise einen Gourmetkoch mit auf Reisen zu nehmen. Immerhin geht es bei Urgeschmack darum, seine Ernährung selbst in die Hand zu nehmen und unter diesem Gesichtspunkt ist auch dieser Beitrag zu verstehen.

Nahrungsaufnahme ist biologischer Imperativ. Wir müssen essen um zu überleben. Spätestens also wenn sich der Magen meldet und die Hormone den Körper auf Krawall bürsten, stellt sich die erste Frage:

Wo bekomme ich hochwertige Lebensmittel?

Denn vor dem Essen steht die Nahrungsbeschaffung. Mit hochwertig sind frische, nährstoffreiche und schmackhafte Nahrungsmittel gemeint. In Neuseeland gibt es derer reichlich und zwar aus lokaler Produktion. Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Kürbis, Süßkartoffeln, Fleisch von Rind, Schwein und –natürlich– Schaf, Fisch, diverses Obst von Zitrusfrüchten über Äpfel bis zu Kiwis, Avocados* und diverse Salate – dank seines Klimas ist Neuseelands Ernte vielseitig und reichlich. Das Angebot lokaler Produkte ist größer als beispielsweise in Deutschland. Und lokale Produktion bedeutet höhere Qualität, denn die Nahrungsmittel erreichen die Geschäfte frischer und sie legen weniger Transportschritte zurück, werden also schonend behandelt.

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Ein neuseeländischer Supermarkt. Rund 80% der Frischware stammt aus dem eigenen Land.

* Zurück zu den Avocados: In Neuseeland sind diese in der Regel bereits im Supermarkt reif und weich. Zumindest auf der Nordinsel. Auf der Südinsel hingegen findet man in den Auslagen nur harte und unreife Avocados. Der Grund? „Die da unten verstehen Avocados noch nicht. Die bauen die selbst nicht an„, so die Aussage eines Nordinsel-Bewohners. Das leuchtet ein, denn im Süden Neuseelands ist es kälter.

Und wo bekommt man diese wertvollen Güter? In Neuseeland gibt es in den meisten größeren Siedlungen wenigstens eine Filiale einer der vier großen nationalen Supermarktketten. Diese führen in der Regel das volle Programm neuseeländischer Produkte. Die Neuseeländer sind recht stolz und versuchen, möglichst viele ihrer benötigten Güter selbst herzustellen, was sicherlich auch geographisch-ökonomische Ursachen hat. Daraus resultiert gewiss auch eine Art höhere Wertschätzung und entsprechend der Stellenwert des Essens: Internationale Fast Food-Ketten sind hier zwar weit verbreitet, dennoch bereiten viele Familien ihr Essen grundsätzlich nur selbst zu und verzichten dabei auf Fertigprodukte.

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Reichlich Lebensmittel am Wegesrand.

Vereinzelt gibt es auch Bauernmärkte, die die Gelegenheit bieten, entsprechende Produkte noch frischer, direkt aus der Hand des Erzeugers zu kaufen. Jedoch findet dies in der Regel nicht täglich statt und so ist es für Reisende nur selten eine Option.

Viel interessanter sind da die unzähligen Hütten und Karren, die die Ränder der neuseeländischen Hauptverkehrsstraßen zieren. Auf einer Strecke von nur 20km findet man je nach Region bis zu einem Dutzend solcher Gelegenheiten, um Obst, Gemüse, Eier oder Honig für schmales Geld zu erwerben. Gezahlt wird in der Regel nach dem Ehrlichkeitsprinzip, denn aufgrund der geringen Kundenfrequenz ersetzt eine Spardose hier das Personal.

Grasgefüttert?

„Wie denn sonst?“ ist die Antwort der Kiwis (wie sich die Einwohner Neuseelands auch nennen) auf die Frage, ob die Tiere auf der Weide gehalten werden. Gestaltet sich die Suche nach Fleisch aus reiner Weidehaltung hierzulande äußerst mühsam, kann man sich davor in Neuseeland nicht retten.

Rinder und Schafe (immerhin 50 Millionen in diesem Land) leben ausschließlich auf Weiden und dementsprechend ist die Qualität der Tierprodukte hoch. Doch nicht nur das: Auch die angebotene Produktpalette ist größer. Statt nur Steaks, Koteletts und Filets anzubieten, finden sich in neuseeländischen Supermärkten regulär auch Herz, Leber und Niere in der Kühltheke. Und das zu ausgesprochen günstigen Preisen.

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Gras, Gras, grasgefütterte Tiere.

Wie bereite ich mein essen auf Reisen zu?

Der Einkauf ist erledigt. Was nun? Der Verzehr als Rohkost ist nicht nach jedermanns Geschmack und durch die Kunst des Kochens lässt sich oft so viel mehr aus Lebensmitteln zaubern. Wichtigste Zutat dafür ist Hitze. Und die ist praktisch überall verfügbar: Backpacker Hostels, die Herbergen für Rucksackreisende, bieten gemeinschaftlich genutzte, voll ausgestattete Küchen. Motelzimmer verfügen in der Regel wenigstens über eine Doppelkochplatte nebst Geschirr und selbst in der Wildnis beim Zelten ist meistens Platz für einen kleinen Gaskocher. Zum Kochglück fehlen so nur noch ein paar leicht erhältliche Gewürze und es kann losgehen.

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Eine typische Küche in einem Backpackers Hostel.

Wie lagere ich die Lebensmittel unterwegs?

Im Sommer (besonders etwa von Weihnachten bis Ostern) kann es sehr warm werden in Neuseeland. Wer nicht täglich einkaufen mag, benötigt daher eine Möglichkeit, seine Lebensmittel –besonders Fleisch– angemessen zu lagern. In den Backpackers Hostels stehen Kühlschränke zur Verfügung, ebenso in den Hotels und Motels.

Wer jedoch tagsüber von Herberge zu Herberge oder in der Wildnis unterwegs ist, kann von diesem Luxus kaum Gebrauch machen. In einem solchen Fall empfiehlt sich die Nutzung einer Kühltasche nebst Kühlakku – auch diese gibt es in praktisch jedem Supermarkt zu kaufen. So lassen sich die Lebensmittel wenigstens für 12 Stunden und teils darüber hinaus ausreichend kühlen.

Was esse ich zwischendurch?

Wer tagsüber wandert und sich viel bewegt, wird zwischendurch wenigstens einen Snack einwerfen wollen. Um den Aufwand dafür möglichst gering zu halten, empfiehlt sich als einfachste Lösung etwas Rohkost: Zum Beispiel Karotten oder Äpfel, die halten sich gut und sind unempfindlich. Mit ein paar Minuten Vorbereitung am Morgen sind auch gekochte Eier (gleich für mehrere Tage) eine prima Option und wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, der bereitet den Klassiker vor: Frikadellen.

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Frikadellen für mehrere Tage – kühlbar mit einem Eispack.

Eine weitere Option wären die zahlreichen Fischkonserven, denn die sind in Neuseeland sehr oft in Wasser eingelegt und kommen ohne zusätzliche Pflanzenöle aus. Zur Verfügung stehen zahlreiche Sorten wie Lachs, Thunfisch, Makrele, Hering, Sardine und weitere.

Was kostet mich das Essen unterwegs?

Die Preise neuseeländischer Lebensmittel weichen im Detail ab, ähneln jedoch im Durschnitt deutschen Preisen: Lebensmittel haben hier im Allgemeinen den gleichen Preis. Einige Ausnahmen gibt es: Eier und Milchprodukte fallen als teurer auf, mit Preisen für Bio-Eier bis zu 0,60€/Stück. Beides lässt sich jedoch durch die in Deutschland subventionsbedingt verzerrten Preise erklären. Das heißt: Eier und Milch sind in Neuseeland nicht teuer, sondern haben schlichtweg einen angemessenen Preis.

Das Steak von der Lammkeule kostet rund 13€/kg, Hackfleisch liegt um 6,50€/kg und schmackhafte Schafsherzen gibt es für lächerliche 3,25€/kg. Je nach Vorliebe und Experimentierfreude lässt sich in Neuseeland sehr, sehr günstig essen. Geschmortes Schafsherz mit geröstetem Kürbis unter Knoblauchkruste lässt sich beispielsweise für 2,70€ zubereiten – für zwei Portionen!

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Geschmortes Schafsherz mit geröstetem Kürbis unter Knoblauchkruste nebst Guacamole – 100% frische Ware aus Neuseeland. 1,35€/Portion.

Glutenfreies Essen, weltbester Kaffee, Meeresfrüchte, Gastfreundlichkeit

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Glutenfreie Pizza.

Glutenfreie Produkte sucht man in Neuseeland nicht lange. Nicht nur widmen die Supermärkte ganze Regale entsprechenden Artikeln, darunter diverse Brote und Müslis, sondern auch die meisten Cafés und Restaurants bieten entsprechende Wahlmöglichkeiten. Nicht selten ist die Hälfte der angebotenen Kuchen glutenfrei.

Der Kaffee in Neuseeland ist eine Erwähnung wert. Unzählige Sorten habe ich in Europa probiert und für mein Empfinden reichen sie von ungenießbar bis akzeptabel. Grund ist für mich die Adstringenz und Bitterkeit – Resultat einer (meiner Meinung nach) minderwertigen Röstung. Die Geschmäcker sind verschieden und ich habe Kaffee in Deutschland aufgegeben. In Neuseeland siegte die Neugier und ich wurde äusserst angenehm überrascht von dem, was ich als eine Offenbarung bezeichnen würde: Kräftiger und dennoch sanfter Kaffee schmeichelt dort dem Gaumen. Kaffee, der dort übrigens stets aus einer hochwertigen und fachmännische bedienten Espressomaschine stammt.

„Wir haben glücklicherweise eine sehr starke Kaffee-Kultur entwickelt,“ bekomme ich als Antwort auf meine erfreute Nachfrage, „wir kaufen rohe Bohnen aus der ganzen Welt, mischen sie und rösten sie selbst. Und jetzt fangen wir an, zu exportieren.“ Und auch dies geschieht nicht etwa zentralisiert: Viele Gegenden verfügen über ihre eigenen Kaffee-Röstereien – betrieben und beworben mit dem sympathischen neuseeländischen Stolz und der entsprechenden Sorgfalt.

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Mit Liebe fachgerecht zubereitet: Kaffee (mit ‚Silver Fern‘ Motiv)

Und wie sollte es auf einer Insel anders sein? Natürlich gibt es auf Neuseeland reichlich Meeresfrüchte. Aus den verschiedenen regionalen Spezialitäten waren für mich die New Zealand green-lipped mussel, die Grünschalmuscheln der Favorit, wobei die Wahl bei Mitbewerbern wie dem Red Snapper (Roter Schnapper) und Krebsen schwer fällt. Und nicht nur die Muscheln lassen sich vielerorts mühelos am Strand sammeln (mit einer Begrenzung von 25 Stück pro Sammler), sondern mit etwas Glück kommt man auch nicht umhin, einen lebenden Fisch mit bloßen Händen zu fangen – und in voller Konsequenz zu verspeisen. Abgesehen davon stehen an vielen Stränden praktisch ganztägig eifrige Angler, die gerne Auskunft über die lokale Spezialität geben.

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„Mussel fritters – It’s a Kiwi thing!“

Es mag das Wetter sein oder die dünnere Besiedlung, die Kultur oder einfach die Lebenseinstellung: Der durschnittliche Neuseeländer scheint wesentlich glücklicher zu sein als der Mitteleuropäer – und entsprechend freundlicher. Auf Reisen kann man sich so unversehens in den Händen einer einheimischen Familie wiederfinden, die einem aus Freude am Kochen und dem Austausch allerlei Köstlichkeiten zubereitet. Es mag in diesem Land keine echte traditionelle Küche geben, doch der kulinarische Horizont der Neuseeländer endet absolut nicht bei Fish & Chips.

Was mache ich im Restaurant?

Wer sich die Zeit zum Kochen nicht nehmen möchte und lieber ein Restaurant aufsucht findet, wie bereits erwähnt, reichlich Optionen mit Rücksicht auf etwaige Vorlieben wie glutenfreies Essen. Darüber hinaus ist die Bandbreite des Essens sehr groß, die Preise sind moderat (auch hier keine Auffälligkeiten im Vergleich zu Deutschland). Auch weitere Sonderwünsche werden verständnisvoll und freundlich umgesetzt.

Crayfish (Krebs), frisch aus dem Meer.
Crayfish (Krebs), frisch aus dem Meer.

Und es gibt absolut keinen Grund, sich (womöglich aufgrund eines genervten Blicks des Kellners) eine Verlegenheits-Cola zu bestellen: In jeder Gaststätte steht kostenfreies Wasser nebst Gläsern zur Verfügung. Das Wasser kostet hier nichts –das Leitungswasser ist überall von bester Qualität– und auch eine lachhafte Servicegebühr für das Spülen des Glases (wie sie vielerorts in Deutschland verbreitet ist) kennt man hier nicht. Vielmehr steht zentral zugänglich stets frisches, oft auch gekühltes Wasser zur Selbstbedienung.

Besonders erfreulich ist dies, weil Wasser somit immer das günstigste Getränk ist. Wäre es (wie in Deutschland üblich) so teuer wie Softdrinks, wäre besonders für Jugendliche die Motivation wohl wesentlich geringer, nicht gleich zum zuckrigen Getränk zu greifen. Ernährungsphysiologisch setzt dies ein sehr wichtiges Zeichen.

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Wasser, kalt und klar.
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Ein warmer Hefeteigmuffin mit leicht gesalzener Butter. Sehr, sehr gefährlich.

Fazit

Kann man sich auch auf Reisen, im Urlaub, unterwegs gesund ernähren? Frisches, lokal produziertes Obst und Gemüse gibt es reichlich, ebenso wie entsprechende Tierprodukte aus Weidehaltung. Für Reisende gibt es zahlreiche Kochgelegenheiten.

Konsequent gesunde Ernährung auf Reisen ist zumindest in Neuseeland mühelos möglich und bedarf keines besonderen Aufwands. Dass das Thema glutenfreies Essen in Neuseeland so weit verbreitet ist, erleichtert die Wahl der Speisen auch im Restaurant.

Einige weitere Informationen und bewegte Bilder finden Sie auch im Videobericht: Neuseeland – Gesund und lecker essen unterwegs („Paleo on the road“) (Ep. 146)

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