Was sind Saponine?

Was sind Saponine?Carotinoide, Gluten, Saponine – Begriffe, die gelegentlich fallen, wenn es um die Wirkung von Nahrung auf den Menschen geht. Keine Sorge, es besteht kein Grund zur Beunruhigung. Hier handelt es sich um keinen Lebensmittelskandal und mit Salmonellen oder Viren haben Saponine nichts zu tun.

Was sind Saponine?

Saponine gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Es handelt sich um eine Gruppe sogenannter Glycoside mit der Eigenschaft, in wässriger Lösung einen Schaum zu bilden, wenn sie geschüttelt werden. Verantwortlich dafür ist ihre Zusammensetzung aus einem lipophilen und einem hydrophilen Teil. Das bedeutet: Ein Teil des Saponinmoleküls ist wasserlöslich, ein anderer fettlöslich – in etwa so, wie Seife. Daher auch der Name: Sapo ist das lateinische Wort für Seife. Saponine schmecken meist bitter.

Wo kommen Saponine vor?

Saponine sind in der Pflanzenwelt weit verbreitet, besonders im nährstoffreichen Gewebe: Blätter, Blüten, Knollen, Wurzeln. Enthalten sind sie zum Beispiel in Hülsenfrüchte, Efeu, Ginseng, Spargel und Spinat. Oder auch in Tomaten, Kartoffeln und Knoblauch.

Was machen Saponine?

Die Struktur der Saponine ist sehr vielfältig, daher ist eine generelle Aussage über ihre Wirkung praktisch nicht möglich. Man geht davon aus, dass sie den Pflanzen als Defensivstoffe dienen. Studien deuten auf anti-fungale und anti-mikrobielle Wirkungen hin und zeigen eine schützende Wirkung gegen Insektenfraß (Saponine sind toxisch für Insekten und Kaltblüter).

Ihre Wirkungen auf Säugetiere (und damit auch den Menschen) gelten als teils schädlich und teils vorteilhaft: Saponine wirken antibiotisch, immunstimulierend und können zur Bekämpfung von Pilzbefall eingesetzt werden. Einige Saponine helfen auch, den Cholesterinspiegel zu senken, weiterhin wird von Wirkungen gegen Zahnkaries und Bleivergiftungen berichtet.

Konkrete Hinweise gibt es auf eine Wirkung der Saponine gegen Darmkrebs. Als denkbar gelten hierbei mehrere Mechanismen: a) Die Stimulation des Immunsystems durch Saponine, b) die Reduktion krebsfördernder Substanzen im Darm oder c) die direkte Zerstörung der Krebszellen.

Besonders letztere Wirkung ist allerdings auch Gegenstand der Betrachtung der Saponine als Anti-Nährstoffe. Der gleiche Mechanismus, mit dem Saponine Cholesterin binden, könnte ihnen sowohl beim Zerstören der Krebszellwände als auch der Darmwände helfen. Die Folge wäre eine erhöhte Darmdurchlässigkeit (intestinale Permeabilität).

Allerdings wurde dies bisher nur bei isoliertem Darmgewebe nachgewiesen. Beim lebenden Menschen war keine Beeinträchtigung der Permeabilität festzustellen*, was vermutlich auf die kontinuierliche Gewebeerneuerung zurückzuführen ist. Aufgrund der verhältnismäßig geringen Saponinmengen in der Ernährung ist eine Klassifizierung als Anti-Nährstoff daher kaum angemessen.

In Tierversuchen speziell mit Wiederkäuern haben Forscher eine Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme festgestellt. Relevant ist dies vornehmlich, weil in Tierfuttermitteln kaum Variationen der Zusammensetzungen stattfinden.

*u.a. Dr. Loren Cordain schreibt, die Erhöhung der Darmdurchlässigkeit sei an Menschen gezeigt worden, verweist dabei jedoch lediglich auf die Studie an isoliertem Gewebe

Kann man Saponine deaktivieren?

Die Resistenz der Saponine gegen äußere Einflüsse ist sehr verschieden. Beim Einweichen von Hülsenfrüchten gehen 10% der Saponine in das Wasser über. Einige Saponine werden beim Kochen zu 50% zerstört, andere (zum Beispiel aus Sojabohnen) sind hitzestabil. Da Saponine bisher relativ wenig erforscht sind, lassen sich hier nur ungenaue Aussagen treffen.

Fazit: Was sind Saponine?

Saponine scheinen vornehmlich positive Wirkungen auf den Menschen zu haben. Eine allgemeine Aussage ist allerdings kaum möglich und es ist noch eine Menge Forschungsarbeit nötig, um viele Mechanismen konkretisieren zu können.

Allerdings deutet derzeit nichts darauf hin, dass die bei einer ausgewogenen, vielseitigen Ernährung verzehrten Saponinmengen eine schädliche Wirkung auf den Menschen hätten. Im Gegenteil machen sich Wissenschaftler Gedanken um die Erforschung schonenderer Verarbeitungsverfahren, um die positiven Wirkungen der Saponine auch in verarbeiteten Nahrungsmitteln nutzen zu können.

Quellen und weiterführende Informationen:

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5 Kommentare zu “Was sind Saponine?

  1. Chris

    Ich kann z.B. keinen Quinoa essen, vermutlich wegen der Saponine. Egal ob ich schnell oder langsam esse, nach ein paar Bissen geht beim Magen-Pförtner nichts mehr durch, da es eben dort zu schäumen anfängt. Das ist für mich in der Speiseröhre extrem schmerzhaft, da sich der Nahrungsbrei trotz Peristaltikversuchen nicht weiter bewegt. Das passiert mir bei manchen frischen Gemüsesorten auch, jedoch nicht so schlimm wie bei Quinoa (der durchaus vorher gekocht ist).

  2. Birgit

    Ist es nicht wie bei allem? Die Menge macht das Gift.
    Ich befasse mich sehr mit Heilkräutern und in vielen von diesen sind Saponine enthalten. Diese Kräuter nimmt man aber gerade wegen der Wirkung zu sich. In den täglichen Mahlzeiten sollte man sie dann doch besser vermeiden.

  3. Tony

    Ich habe gehört dass, Saponine in Verbindung mit Protease-Inhibitoren (so wie bei Sojabohnen) nicht roh zu sich genommen werden dürfen. Da sie so die Protein Zufuhr stoppen und dies das Wachstum beinträchtigt.
    Stimmt das?

    1. Felix

      Eine pauschale Antwort darauf ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht möglich: Dafür gibt es zu viele verschiedene Saponine.

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