Lecker ist gesund

Lecker ist gesund»Die Tomaten (Radieschen, Karotten, …) schmecken nicht mehr wie früher.« Die Früchte mögen noch so aussehen wie damals. Doch wenige Sekunden nach ihrer Reise in den Mund sinken dessen Winkel und Großmutter verbalisiert ihre Enttäuschung über das mangelnde Aroma. Wie schon so oft. Dabei beschäftigt sie sich in diesem Moment mit keiner Lappalie, sondern mit dem Grundstein eines der großen Gesundheitsprobleme unserer Zeit: Ihr auf der Zunge liegt ein wichtiges Puzzleteil zur Lösung unserer verbreiteten Ernährungsprobleme, darunter die Epidemie der Fettleibigkeit.

Ist der Geschmack überhaupt wichtig? Bei Parolen wie »Hunger ist der beste Koch« und der Erklärung, eine Fixierung auf guten Geschmack sei Luxus, gerät das Aroma unserer Lebensmittel schnell unter die Räder.

Auch viele Diätgurus und Bürokraten in den Gesellschaften für gesunde Ernährung fokussieren lediglich auf das, was Nahrung im Körper bewirkt. Die Frage nach dem Geschmack stellen sie nicht oder erst im Nachgang. Dabei beantwortet sie zugleich eine andere, lebenswichtige Frage: Wie und warum kommt das Essen überhaupt in uns hinein?

Geschmack ist der Anfang des Essens

Wir sind genetisch auf guten Geschmack programmiert. Omas Geschmacksnerven sind über die Jahre nicht abgestumpft und sie romantisiert auch nicht: Obst und Gemüse schmecken heute weniger als vor 50 Jahren.

Einhergehend mit diesem allgemeinen Eindruck der sinkenden Geschmacksintensität messen wir einen stetig schrumpfenden Nährstoffanteil. Das sollte kaum überraschen: Studien zeigen, dass die für den Geschmack verantwortlichen, flüchtigen organischen Verbindungen aus einer Reihe von Nährstoffen wie Aminosäuren, Fettsäuren und Carotenoiden stammen. Im Falle der Tomate sind sie fast durchweg essenziell für den Menschen.

Mit anderen Worten: Wenn die Pflanze für uns besonders attraktiv riecht und schmeckt, dann ist sie auch nahrhaft, ihre Nährstoffe teils lebensnotwendig für uns. Nennen wir es: Lecker ist gesund.

Über den kulinarischen Verlust guten Geschmacks ist darüber hinaus kaum zu strei­ten. Aus meiner Pers­pektive verlieren wir zusammen mit jedem Aroma ein ganzes Kulturerbe, mal abge­sehen von den Welten des Genusses und der Freude, die das Leben lebenswert machen.

»Der Schöpfer zwingt den Menschen zum essen, um zu leben, verführt ihn mittels Appetit und belohnt ihn durch Genuss«, beschrieb der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin diese Situation treffend vor rund 200 Jahren.

Geschmack ist lebenswichtig

»Tiere verlassen sich auf ihre Sinnesorgane, in diesem Fall Geruch und Geschmack, um für sie lebenswichtige Nährstoffe zu identifizieren«, fasst Mark Schatzker in seinem Artikel How Flavor Drives Nutrition zusammen. »Diabetische Ratten meiden instinktiv Kohlenhydrate, Schafe lecken zur Mineralstoffversorgung selbst am richtige Stein und Affen mit Darmparasiten essen Blätter, die ihre Probleme lindern.«

Besonders fasziniert zeigt er sich von einem Studienergebnis aus dem Jahr 1939: Gibt man Kleinkindern die freie Wahl über ihre Ernährung, wählen sie von selbst jene Lebensmittel, welche die essenziellen Nährstoffe enthalten. Die gerade abgestillten Kinder im Alter von 6 bis 11 Monaten hatten noch keinerlei Erfahrung mit (und Vorur­teile gegenüber) anderen Lebensmitteln als Muttermilch. Nach sechs Jahren dieser Studie waren die Kinder kerngesund, nicht zu dick und nicht zu dünn. Ohne das Wissen um Fett, Kohlenhydrate und Gluten wählten sie nicht unbedingt immer die süßesten Speisen und bedienten sich offenbar genau richtig. Auch das natürliche mensch­liche Verhalten neigt also zu gesunder Ernährung, basierend auf unseren Sinnes­eindrücken und Körpersignalen, argumentiert Schatzker.

Allerdings verschweigt er, was die Studienautorin Clara M. Davis anmerkte: Unter den 34 zur Verfügung stehenden Lebensmitteln befand sich keine inhärent ungesunde Kost.

»Beschränkt auf natürliche, unverarbeitete und unveredelte Nahrungsmittel und ohne zusammengestellte Speise jeglicher Art reproduzierte das Angebot zu weiten Teilen die Bedingungen, unter denen sich primitive Völker (sic) in vielen Teilen der Welt nach­weis­lich einwandfreier, exzellenter Ernährung erfreuen.«

Die Kleinkinder hätten allerdings die Wahl zugunsten der essenziellen Nährstoffe und der korrekten Verhältnisse selbst getroffen. Für sie zeigt dies, dass es keine strenge ärztlich oder staatlich angeordnete Kinderernährung braucht: Es genüge völlig, wenn Eltern ihren Kindern eine Reihe abwechslungs- und nährstoffreicher Lebensmittel zur Verfügung stellten und ihre Sprösslinge dann frei wählen liessen.

Genau dieser Vorbehalt deutet auf die Schatten hin, die sich in den kommenden nun 75 Jahren über unsere Ernährung ziehen sollten. Er zeigt, warum es leider nicht immer in Ordnung ist, einfach auf unseren Körper zu hören. Das Tierreich und die genannte Kleinkinderstudie machen genau darauf Hoffnung, aber beides gilt zunächst nur im Kontext eines nicht industriell manipulierten Nährstoffangebots. Die Körper­in­tel­li­genz, die natürliche Fähigkeit zur Wahl des richtigen Lebensmittels, verlässt sich auf Geruch und Geschmack. Beides ist angesichts Kaugummi mit Erd­beer­ge­schmack und Analogkäse, Kartoffelchips mit Geschmacksextrakt und extrahierten wie künstlichen Aromen generell fehleranfällig.

Unser selbst geschaffenes Angebot trickst unsere Sinne aus und macht das Hören auf den Körper zu einer Farce. Wer als Selbstverständnis stark verarbeitete Lebensmittel meidet, kann sich gewiss auf seine Sinne verlassen. Doch wer diese Überzeugung nicht teilt, nicht gelernt hat oder einfach über das Wissen nicht verfügt, der ist mit seinen angeborenen Sinnen im Supermarkt verloren. Sein Körper mag aufgrund des Ge­schmacks nach Kartoffelchips mit Fertig-Käsesoße schreien. Doch wenn er nachgibt, erhält er außer einem Haufen Kalorien, Salz, Zucker und Fett nicht die Nährstoffe, nach denen er eigentlich gesucht hat. Derweil geht das Essen weiter.

Eine Strategie der Industrie?

Wir haben es also mit sinkendem Geschmack und Nährstoffgehalt der unverarbeiteten Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu tun, während zugleich das Angebot mit Aromen versetzter, stark verarbeiteter Lebensmittel zunimmt. Daraus könnte man eine Ver­schwörung konstruieren. Die Industrie züchtet die Rohstoffe (Obst, Gemüse) auf mehr Ertrag und Robustheit und zugleich weniger Geschmack. Die Ware wird so billiger, jedoch unattraktiv für Verbraucher. Währenddessen können Fabriken das uniforme Ausgangsmaterial einfacher zu lukrativen und mit den vermissten Aromen versetzten Fertigprodukten verarbeiten.

Denn gerade die Zucht hin zu größeren und länger haltbaren Früchten ist oft ein Schritt weg vom guten Geschmack: Die Textur hat wesentlichen Einfluss auf das Geschmackserlebnis.

Ein Ausweg scheint abermals aus der Wissenschaft zu kommen: Einer der Haupt­grün­de, warum wir Nutzpflanzen in den letzten 50 Jahren statt auf besseren Geschmack eher für größeren Ertrag optimiert haben, ist die Komplexität dieser Aufgabe. Die große Zahl der im Geschmack involvierten Stoffe ließ sich bislang einfach nicht über­schauen. In den vergangenen 15 Jahren haben wir allerdings wenigstens im Fall der Tomate diese Stoffe (scheinbar) genau identifiziert. Mit diesem Wissen ließen sich in den kommenden Jahren geschmackliche Charakteristika von Tomaten gezielt steuern. »Die Weichen sind gestellt für schnelle Fortschritte im Bereich der Manipulation der Geschmackschemie in naher Zukunft«, resümiert Harry Klee, Professor für Horti­kultur an der University of Florida, den Forschungsstand.

Im Zusammenhang des industriellen Umfelds lässt dies auf mehr Geschmack hoffen, entspricht jedoch gar nicht dem, was Großmutter sich in der Regel vorstellt. Sollte eine gezielt zu höherem Ertrag, längerer Stabilität und mehr Geschmack gezüchtete Tomate auf dem Teller landen, wenn ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit einwandfrei geklärt ist? Wenn sie auf dem Wege herkömmlicher Züchtung (also ohne gentech­nische Veränderung) entstanden ist? Oder sollten wir ungeachtet aller Nachteile zu unseren alten, kleinen Früchten zurückkehren? Und würden diese Erträge ausreichen, um die seit 50 Jahren stattlich gewachsene Bevölkerung zu versorgen? Solche Fragen sind individuell zu beantworten, doch der Herausforderung müssen wir uns als stetig forschende und entwickelnde Spezies stellen.

Freie Natur: Der beste Geschmack

Nachgewiesen ist, dass Pflanzen in freier Natur ohne die Hilfe zusätzlichen Düngers oder Pflanzenschutzmittel einen höheren Nährstoffgehalt (und entsprechend inten­siveren Geschmack) aufweisen. Wissenschaftler führen dies auf die Anpassungs­fähig­keit der Pflanzen zurück: Die Pflanze ist Angriffen durch Tiere und Klima ausgesetzt, sie muss sich schützen und bildet entsprechende Stoffverbindungen. Diese sind ihrerseits Nährstoffe. Was sie nicht umbringt, macht sie stärker – und leckerer.

Viel Sonne, fruchtbare Böden und ökologische Anbaumethoden sind demnach die Mindestvoraussetzungen für hohen Nährstoffgehalt, entsprechend intensiven Geschmack und gesundheitlich vorteilhafte Lebensmittel – leider jedoch keine Garantien, wenn ein Landwirt beispielsweise doch nur die ertragreichsten Sorten pflanzt.

Egal ob aus Prinzip oder aus Ekel, zugunsten der Gesundheit oder aus Begeisterung für das Kochen mit hochwertigen Lebensmitteln: Wer vorverarbeitete Produkte von seiner Einkaufsliste gestrichen hat, für den scheint der volle Verlass auf die Sinne der opti­male Weg zum gesunden leben. Mit seinem grundsätzlichen Ausschluss manipulierter Aromen kann so jemand auf seinen Körper hören, den Signalen vertrauen und sich kulinarisch voll ausleben.

Alle anderen müssten vor dem Befolgen ihrer Körpersignale den Umweg über das bewusste Denken nehmen und reflektieren, ob der Schokoriegel oder der blaue Dauerlutscher in diesem Moment wirklich das sein kann, was der Körper benötigt.

Der sinnvollste Weg scheint in beiden Fällen zu sein: Geld für gute Lebensmittel ausgeben und fade Erzeugnisse liegenlassen. Zweifelsohne hilft es ebenso jedem, seinen Gaumen zu trainieren um künstliche Aromen und faden Geschmack entlarven zu lernen. Dies präsentiert sich als lebenswichtige Fähigkeit.

Weiterführende Informationen:

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41 Kommentare zu “Lecker ist gesund

  1. Seestern

    Hallo Felix,

    nur eine kurze Frage: was hälst du vom Zuckeralkohol Erythrit? Ich habe damit bisher sehr gute Erfahrung gemacht und im Rahmen meiner zucker- und getreidefreien Küche ein wenig gewohnte Süsskraft zurückholen können. Da ich dich als große Wissensquelle und Inspiration betreffs Lebensmittel und gesunder Ernährung sehe, bin ich auf deine Antwort schon sehr gespannt.

    Viele Grüße aus dem hohen Norden
    Anne

    1. Felix

      Hallo Seestern,
      hier ein paar Gedanken dazu: http://www.urgeschmack.de/welcher-susstoff-ist-gesund/

      Ich halte nicht viel von den Zuckerersatzstoffen. Geschmacklich überzeugen sie mich im Vergleich zu echtem Zucker, braunem Zucker oder den zuckerigen Alternativen nicht. Für mich gilt: Wenn Zucker, dann richtig. Ich esse nur sehr selten sehr wenig Zucker. Und dann nehme ich eben den richtigen. Für mich funktioniert das.

      1. Herrmann

        Hallo Felix,
        der Link ist ok, danke :), geschmacklich sehe ich Erythrit jedoch als hervorragende Alternative an. In der Verarbeitung und geschmacklich. Es geht ja vor allem auch um den gesundheitlichen Faktor und für die Wissenschaft steht ja schon lange fest, dass Zucker für Herzerkrankungen, Diabetes und dergleichen mehr, verantwortlich ist. Leider wurde dieses Wissen bis heute wehement von der Zuckerindustrie bekämpft, so dass wir heute nicht wirklich viel weiter sind. Der nicht aufgeklärte Mensch konsumiert leider , und wenn es auch kleine Mengen sind, munter weiter Zucker. In Schweden und Japan hat diesbezüglich schon lange ein Umdenken stattgefunden und ich würde mir wünschen, dass das auch hierzuland passieren würde. Fructose, Agavendicksaft und andere Zuckerersatzstoffe sind ja bei intensiver Betrachtungsweise auch keine echten Alternativen.

        Lieben Gruß
        Anne

        1. Felix

          Hallo Anne,
          ich denke, die beste Alternative ist nicht der Griff zu Ersatzstoffen, sondern schlicht eine Umgewönung, die die Reduktion des Konsums beinhaltet. Da können wir gerne auch unterschiedlicher Meinung sein.

          1. Anne

            Mh… wenn wir immer nur Erythrit gekannt hätten, wäre Rübenzucker heute ein Ersatzstoff und zwar ein sehr sehr ungesunder.
            Erythrit ist aber absolut unbedenklich und kann man wunderbar verwenden. Ist geschmacklich lecker und eine wunderbare Alternative.
            Schade, dass du da deiner Leserschaft keine andere Botschaft mitgibst und Zucker so verharmlost.
            Lieben Gruß!
            Anne

          2. Felix

            Hallo Anne,
            es geht mir nicht um Bedenklichkeit, sondern um den Süßmittelkonsum allgemein. Und ich wüsste nicht, an welcher Stelle ich Zucker verharmlose. Das Gegenteil ist eher der Fall, aber vielleicht kennst du meine Artikel dazu nicht.

  2. Bernd

    Ja das kann ich bestätigen. Wir laufen mit dem WasBrauchIch-Detektor jeden Tag herum.
    Man kann den Geschmack und die Nase trainieren, wie einen Muskel. Der wird dann immer wählerischer.
    Hier ein Link zu einem Beitrag zum gleichen Thema von jemandem der sehr nach innen lauscht:
    Ab Minute 6:40: https://www.youtube.com/watch?v=DFEOoS21PHg

  3. OvO

    “Mit seinem grundsätzlichen Ausschluss manipulierter Aromen kann so jemand auf seinen Körper hören, den Signalen vertrauen und sich kulinarisch voll ausleben.”

    Genau so ist es. Und sofern man das durchzieht verliert bald auch jegliches Interesse an verarbeiteten Lebensmitteln. Sie verschwinden wie von selbst aus der Wahrnehmung bei der Wahl der Lebensmittel. Die Menschen wundern sich öfters wie ich einfach so am Süßigkeitenregal vorbei laufen kann.

    1. Christine

      “sofern man das durchzieht verliert bald auch jegliches Interesse an verarbeiteten Lebensmitteln. ”

      Wenn das mal für alle Menschen zuträfe …
      Zucker ist selbst nach 3 Jahren Paleo für mich immer noch Kryptonit. Selbst wenn ich viele Monate penibelst auf jeglichen Zucker außerhalb von ein wenig Obst verzichte, ist das Interesse leider nicht weg. Schokolade! Weingummi! Karamellcreme! Ich könnte es endlos fortsetzen. Der Gang durch den Supermarkt erfordert bei mir große Disziplin. Am Keks-, Kuchen- und Brotregal (naja, was die halt so als Brot bezeichnen dürfen) geh ich allerdings achtlos vorbei.

      1. OvO

        Dann machst du mMn einfach was falsch. Oder mehrere Sachen. Ich persönlich halte auch nicht soviel von Paleo ;-). Paleo ist aufgrund des Hintegrundwissens ein hilfreiches Tool. Die Regeln halte ich jedoch für recht sinnfrei, unfundiert und oft nicht zielführend. Paleo ist auch zu wissenschaftlich geworden und lässt leider den Gesamtblick auf das Leben an sich vermissen.

        Meine Prinzipien sind da Andere und mit denen lebe ich wesentlich besser. Die Ursache jeglicher gesundheitlicher Probleme sehe ich weder in einzelnen Stoffen noch in einzelnen Lebensmitteln oder Pflanzen. Sondern schlicht und ergreifend in der Einfalt der heutigen Gesellschaft.

        Die heutigen Grundnahrungsmittel bestehen ja mittlerweile aus Getreide und qualitativ minderwertigem Fleisch. Während man alles Andere mittlerweile wegrationalisiert hat. Und das habe ich einfach umgedreht.

        Sprich, meine Grundnahrungsmittel bestehen aus Obst, Gemüse (dazu zähl ich aus Hülsenfrüchte), Nüsse, Pilze usw. aus biologischem Anbau. Und Tierprodukte (auch Milchprodukte), wie auch Getreideprodukte esse ich dafür recht selten. Mache sie wieder zu was Besonderem. Mache dafür aber auch keine Kompromisse in der Qualität und gebe lieber mal mehr aus.

        Und trinken tu ich fast nur noch Wasser von Lauretana oder Osmose-Wasser. Ab und zu auch mal Kokoswasser. Aber durch das viele Obst und Gemüse brauch ich auch kaum noch was zu trinken.

        Gegen Schokolade spricht doch nichts. Muss ja nicht die vom Aldi sein. Kann man sich auch schnell selbst machen ohne Zucker. Da gibs genug Rezepte für im Netz. Selbst backen kann man auch alles mögliche.

        Zuckerphobie ist genauso nicht-zielführend wie die Fett-phobie vor einigen Jahren. Zucker ist ein natürlicher Stoff, der auch seine Aufgabe hat. Wie immer macht Menge und Qualität das Gift.

        Ich achte schon darauf möglichst Haushaltszucker- und Getreidearm zu essen. Aber ich verbiete mir nichts und arbeite auch kaum gegen meine Lust. Sich konsequentt etwas zu verbieten macht unglücklich. Und Unglück führt automatisch wieder dahin wo man nicht hin will. Hat auch viel mit dem Serotonin, Insulin usw zutun. Dinge, die von Paleo leider kaum angesprochen –> Hormonhaushalt. Paleo ist ein großes Puzzlestück aber das alleine reicht nicht unbedingt.

        1. Christine

          Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, also darfst Du natürlich auch meinen, dass ich “einfach was falsch” mache.

          Mein Versuch, Dir aufzuzeigen, dass Pauschalaussagen wie Deine nicht auf jeden Menschen passen, lief offensichtlich ins Leere.

          1. OvO

            Von welcher Pauschalaussage sprichst du? Das jeder Mensch in der Lage ist, sein Bedürfnis nach Zucker unten zu halten bzw. zu kontrollieren? Das ist doch eigentlich was Positives. Wie kann man so einen Satz denn negativ wahrnehmen? =D

            Der Weg dahin ist natürlich für jeden individuell. Aber wenn du es mit deinem Weg nach 3 Jahren noch nicht geschafft hast, dann schlussfolgere ich daraus dass du was falsch machst. Du kannst aber natürlich auch glauben dass es bei nicht funktioniert weil es einfach so ist. Vorausgesetzt du willst es überhaupt. Ist ja kein Muss. 🙂

          2. Cervelat

            Also ich muss Christine Recht geben. Auch ich merke nichts von dem vielgepriesenen “ich hab kein Appetit mehr auf Zucker, nachdem ich mich endlich paleo/low carb/was weiß ich ernähre”. Und ich bin auch schon etliche Jahre dabei. Es erfordert wirklich viel Disziplin, das durchzuhalten und ist für mich keinesfalls so leicht, wie manche das schildern.
            *Dass jeder Mensch in der Lage ist, sein Bedürfnis nach Zucker unten zu halten bzw. zu kontrollieren* – dann bin ich mal so ein Mensch, dem das leider auch nach vielen Anläufen nicht gelingt (das Bedürfnis unten zu halten, wohlgemerkt 🙂 ob ich dem dann nachgebe, verrate ich nicht.)

          3. OvO

            @Cervelat:

            Letztlich kommt es auf die Details an, denke ich. Selbst wenn man sagt, man lebt nach Paleo, sieht Paleo im Alltag jedes Menschen doch recht unterschiedlich aus. Und wenn man jegliche Zuckerform versucht zu meiden, also auch in Form von Obst so wie Christine, dann ist es klar, dass einem irgendwas fehlt. Entscheidend ist ja auch wie man seine Umstellung vollzieht. Von heute auf morgen alles umzustellen kann natürlich Nachwirkungen mit sich ziehen. Der Schritt für Schritt Weg ging bei mir ganz stressfrei von statten und innerhalb von 2 Jahren hatte ich es hinter mir. Und selbst wenn ich mal nach was zuckerhaltigem wie Dönersoße greife, verursacht das bei mir keinen Heißhunger mehr.

            Das grundsätzliche Problem sehe ich letztlich darin dass viele einfach nur das versuchen umzusetzen, was ihnen geraten wird und kaum darüber nachdenken ob das für sie überhaupt passt oder ob es nicht einen anderen Weg gibt mit dem man besser zurechtkommt.

            Man muss sich auch nicht in irgendeine Ernährungsform einkategorisieren oder nach deren abstrusen Regeln leben. Ich habe mich davon lange verabschiedet. Es reicht doch wenn man versucht bewusst einzukaufen und Mahlzeiten bewusst zuzubereiten. Die Wissenschaft kann dabei hilfreich sein die Dinge einzuschätzen. Die eigenen Sinne, die eigene Logik und das eigene Gefühl taugen als Messinstrument aber ebenso. Vermutlich sogar wesentlich besser. Vorausgesetzt sie arbeiten zusammen.

          4. Sascha

            Moin Christine,

            ich bin da ganz bei dir. Ich lieeeeeeeeeebe Süßigkeiten. Bei mir kommt dies am Sonntag periodisch immer wieder, dass ich das Gefühl habe nicht genug zu kriegen.

            Allerdings verlasse ich mich dabei nicht auf Disziplin, sondern darauf, dass ich bestimmte Glaubenssätze zu Süßigkeiten und eine Grundhaltung zum Leben allgemein auspräge. Wenn ich Heißhunger habe, kümmert es mich nicht so, genauso wie ich es ok finde, wenn mir kalt ist oder etwas weh tut.

            Ich denke, was OvO übersieht ist der Kontext und die Stärke seiner Aussagen. Er kennt deine Vergangenheit nicht. Wenn ich mir jetzt eine Line Koks reinziehen würde, könnte ich sicherlich ohne Probleme aufhören. Wenn jemand mit einer jahrelangen Drogengeschichte versucht aufzuhören, kann es sein, dass er den Rest seines Lebens mit Versuchungen umgehen muss. (Auch ich kenne deine Vergangenheit nicht. Ist nur ein Beispiel)

            Ich halte es für falsch, dass das Bauchgefühl die zentrale Rolle bei der Regulation unserer Nahrungsaufnahme spielt. Unser Hungergefühl braucht einen bestimmten Kontext, um seine Funktion auf eine für uns gesunde Weise zu erfüllen. Werbung, Bäckergeruch, Supermärkte – all diese Dinge machen es weniger wahrscheinlich, dass der Hunger “angemessen” ist.

            Viele Grüße
            Sascha

      2. Dorothea Roithmair

        Interessanterweise war meine Zuckersucht sofort vorbei, als ich anfing in meine Ernährung reichlich gute Fette einzubauen. Ein Bulletproofcoffee am Morgen, eine Avocado und Obst und mein Heißhunger war verschwunden. ich habe es nicht für möglich gehalten. Auch glutenhaltige Nahrungsmittel habe ich völlig ausgeschlossen. Mein Blähbauch gehört der Vergangenheit an und mein latentes Kopfweh ist verschwunden. Jeden Morgen beim Aufwachen bin ich wieder erstaunt, wie gut ich mich fühle und wie vital. Ganz nebenbei habe ich in nicht einmal drei Wochen 4 kg abgenommen. Das erste Mal war so eine Umstellung total einfach. Ich habe viel ausprobiert und experimentiert. Seit 30 Jahren bin ich Vegatarierin. Ich habe mich mit Rohkost ernährt und verwucht vegan zu leben. Doch mein Sicht nach Süssigkeiten blieb stets erhalten. Mein Gehirn ernährt sich nun aus gutem Weidebutter, Kokosnussöl und Nüssen ind nicht mehr aus Zucker. Meine Gedächtnisleistung hat zugenommen und ich freue mich, dass ich jetzt die für mich richtige Form der Ernährung gefunden habe, nach ser ich so lange gesucht habe.

        1. OvO

          Genau das ist der richtige Weg. Vorhandene Informationen als Basis nutzen von der aus man sich dann seinen eigene Form sucht. Manchen fehlen oft sogar schon die Grundlagen jeglicher Selbstständigkeit. Auch nach Fehlern zu suchen und sie selbstständig zu lösen.

          Ich bin momentan auch beim Vegetarismus angelangt. Habe es sogar ne Zeit lang geschafft ganz auf Tierprodukte jeglicher Art und Getreideprodukte zu reduzieren. Dadurch war ich dann quasi gezwungen mich mit verschiedenen Lebensmitteln und zubereitungsformen auseinander zu setzen. Eier, Mais, Butter, Fisch und Käse habe ich aber mittlerweile wieder eingebaut. Demnächst soll auch Fleisch wieder folgen. Bei uns gibt es nen Naturverbund der für artgerechte Haltung und Fütterung steht. Mal sehen wie ich das finanziell hinbekomme.

          Getreide esse ich nur noch in seltenen Ausnahmefällen. Wie zb Essen gehen beim Italiener oder so.

        2. OvO

          *auf Tierprodukte jeglicher Art und Getreideprodukte zu verzichten.* Meine ich natürlich… xD

  4. Michael

    Hi Felix,
    Geschmack und was wir als mundend empfinden, ist auch sehr stark von Erziehung, Umfeld , Gewohnheit und Verfügbarkeit beeinflusst. Was Menschen in Asien schmeckt, muss uns Europäern, noch lange nicht schmecken. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass man von natürlichen und möglichst unbehandelten Lebensmitteln, mehr essen kann, als von ungesunden und industriell bearbeiteten Nahrungsmitteln. Doch eine Ausnahme gibt es, wenn man Kohlenhydrate mit Fett verbindet, wird das Gehirn “ausgetrickst” und man ist mehr, als manchmal gut für uns wäre. Beispiele sind, Eiscreme, Kuchen, Kekse, Schokolade etc. Genau diese Lebensmittel, sind auch als Dickmacher bekannt. Da sie durch den Zuckergehalt, sehr stark das Gehirn beeinflussen. Deswegen sollte man auch bei einer Ernährungsumstellung, nicht zu schnell, zu radikal sein. Sondern Stück, für Stück, zu gesunder und natürlicher Ernährung zurück kehren.

    Beste Grüße und Lob für Deinen Blog

    Michael

    1. Felix

      Hallo Michael,

      Beispiele sind, Eiscreme, Kuchen, Kekse, Schokolade

      Nunja, das sind aber doch schon recht stark verarbeitete Lebensmittel. Klar kann es passieren, dass man davon (“manchmal”) zu viel isst bzw. mehr als man eigentlich möchte. Aber das kann auch mit einem guten Stück Fleisch oder einem köstlichen Gemüseschmortopf passieren.

  5. Mariusz

    Der Mensch hat schon längst seinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Das einzige was noch einigermaßen verschont geblieben ist, sind Bio-Obst und Gemüse. Danke für den Artikel Felix

    Gruß
    Mariusz

    1. OvO

      Dieser lässt sich relativ leicht wieder reaktivieren. Und Quellen für gute Lebensmittel gibt es zu Hauf. Man muss sich nur mal bemühen danach zu suchen und seine Alltagsstrukturen ein wenig danach einstellen. Dann ist es kein Problem.

  6. Michael

    Hi Felix,
    schöner Artikel, der einen sehr nachdenklich stimmt.
    Evolutionär betrachtet macht es einfach Sinn, dass Geschmack gesund sein muss. Schließlich entwickeln sich Lebewesen nicht ohne die passende/gesunde Ernährung. Und Nahrungsmittelträger vermehren sich nicht ohne, dass ihre „Früchte“ konsumiert werden (einfach ausgedrückt).
    Geschmack, Konsum und Gesundheit müssen also rein logisch betrachtet einfach zusammenhängen und sich gegenseitig begünstigen.
    Gruß Micha

  7. petra

    Hallo Felix,

    Wieder ein schöner Artikel in dem (für mich) schön erklärt ist, warum ich jetzt plötzlich die bio Butter geschmacklich von der anderen unterscheiden kann (ok da haben die Pflanzen einen tierischen Umweg genommen, aber genauso gut hätte ich die tee Mischung nehmen können die ich seit Jahren trinke und bei der ich erst seit der ernährungsumstellung festgestellt hab 1) schmeckt ja süß.!?ohne gezuckert zu sein und 2) ach so Stevia drin; -))

    Einerseits schmeckt mir jetzt alles besser und andererseits stelle ich (gerade auch bei tomaten) gravierende GeschmacksUnterschiede bei gleichen Gemüse fest (Nein bio gewinnt nicht immer).

    Ich esse dabei noch nicht einmal ‘voll’ urgeschmack,sondern habe in der Woche (statt Kartoffeln und Obst sozusagen) Hülsenfrüchte drin und esse einmal am Wochenende wirklich jeden ‘Schrott’. Nein natürlich nur was ich wirklich essen möchte/Appetit drauf bekommen habe. Das kann ein schrecklich süßer schokoRiegel sein oder auch die Banane, die ich sicher nicht unter Schrott fasse.

    Und grade auch beim Schlemmertag zeigt sich das gewonnene Geschmacks/Nährstoffempfinden:
    1) das süße zeug schmeckt nicht so gut wie ich es in Erinnerung hatte
    2) ich kann auch keine großen Mengen mehr davon essen, mein Magen sagt Ende ( 100g tafel Schokolade? Früher in 10 Minuten verschlungen, jetzt passt mit quetschen eine halbe in 30 Minuten. ..)
    3) ich bin nach den Schlemmertag erstmal total bedient von den ganzen Kram, so daß ich den Rest der Woche gut ohne auskomme.

    Schön finde ich auch meine (fast)2 jährige,der ich morgens (der Rest der Familie ißt anders als ich) schön ihr Butterbrot schmiere. Sie kratzt sich häufig den Belag ab (gerne auch nur butter,da gibt es bei uns nur noch bio bzw. wo ich weidehaltung vermuten darf)und kommt danach lieber zu mir und holt sich von meinem essen einen ‘Räuberteller’.
    (ZB bohnen mit Zwiebeln Thunfisch und Öl/Essig ) da sagen die großen Kinder eher ‘ihh’zu. ..

    Lg von Land
    Petra
    (Ps mir schmecken die bio Eier von der Nachbarin auch besser als andere. .hab früher immer gedacht’quatsch da schmeckt man keinen unterschied wenn man nicht grade Koch ist oder so’)

    Nochmal kurz, ich esse:
    Nie mehr roggen (unverträglich)
    6 Tage lang:
    Viel Fett
    kein Getreide ( das wird bleiben)
    weil ich abnehmen möchte noch:
    kein Obst
    keine Kartoffeln
    kein Reis
    am 7. Tag alles außer Roggen

    Obst Reis u Kartoffeln werde ich wieder mehr dazunehmen sobald mir meine kleidergrösse wieder gefällt (naja meine Figur natürlich) bin seit Januar von 48 auf jetzt 44 runter,42 ist
    Zielgröße ( ich nehme KEIN Gewicht ab, mache 3x die Woche sport (30 min kraft)und endlich keinen Kopp mehr um die waage)

    Und nochmal ein dickes Dankeschön an Felix, ohne deine Seite hätte ich es nicht so weit geschafft. ..einfach ausprobieren und nehmen was bei einem selbst dann passt.

  8. Stephan

    Danke für diesen tollen Artikel.

    Das man der Natur einfach freien lauf lassen soll kann man auch auf viele andere Bereiche gut übertragen.
    Kleinkinder die gerade erst das gehen lernen, gehen automatisch richtig über den Ballen. Erst durch falsches abschauen und klobige Schue welche die Bewegung einschränken geht man falsch.

    Überall wo der Mensch seine Finger im Spiel hat muss man es erst genauer hinterfragen ob das noch gesund ist.

  9. Jost

    Hallo Felix,
    deine Artikel finde ich häufig angenehm anders.
    Eine der wichtigsten Komponenten einer “besseren” Ernährung ist die Geschmackserziehung, das heißt: das Lernen, welche aromatischen Komponenten es überhaupt bei einem bestimmten Lebensmittel gibt. Leider kostet das Zeit, Mühe, und manchmal auch Geld. Deshalb findet genau das häufig nicht statt und spielt ja auch schon in der Ernährung der Kinder in Kindergarten und Schule kaum eine Rolle.
    Somit wird häufig nach Optik entschieden oder danach, welches Produkt (bei Obst vor allem) am süßesten ist. Optik und Zuckergehalt lassen freilich noch keinen Schluss auf den Mikronährstoffgehalt zu. Dennoch schmeckt das “hochgezüchtete” Produkt hier nicht fad, es kann auch bei einer auf Süße gezüchteten Apfelsorte die Entscheidung fallen, gerade weil sie süß ist. Vergleicht man nun direkt Äpfel vom Baum nebenan, schmecken diese je nach Sorte tatsächlich vergleichsweise fad, weil weniger intensiv. Die Unterschiede fallen erst auf und können erst dann geschätzt werden, wenn der Geschmack “erzogen” wurde. Dann kann man sich bewusst für oder gegen etwas Entscheiden. Wissen ist hier der erste Schritt, im Gleichschritt mit Tun.
    Bitte schreibe weiter Artikel, um das Bewusstsein für solche Themen weiterhin zu stärken!
    Jost

  10. Dorothea

    Hallo Felix, ich bin in einem Buch auf deine Seiten gestossen und war sofort begeistert. Bin seit 30 Jahren zwar überzeugt Vegetarierin und das bleibe ich auch. Ich habe vor 9 Tagen mit der konsequenten Umsetzung deiner Ernährungsform begonnen und habe ab dem ersten Tag kein bisschen Gier nach Zucker mehr verspürt, den ich vorher einfach nicht lassen konnte. Ich esse jetzt gluten- und zuckerfrei und es war so einfach, dass ich selber mehr als erstaunt war. Auch vorher habe ich sehr auf meine Ernährung geachtet, hatte aber stets vom Essen einen schrecklichen Bläbauch. Die glutenfreie Ernährung und der Zuckerverzicht waren der Schlüssel zu einem flachen Bauch und einem nie gekannten Wohlbefinden. Ich bin 54 Jahre alt, normalgewichtig, sehr fit und gesund und trotzalledem gab es mit deiner Ernährungsform einen ungeahnten Schub in Richtung Vitalität. Nir hätte ich gedacht, dass es so einfach ist! Vielen Dank!

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