Ruiniert Fleisch das Klima?

Ruiniert das Fleisch eines Galloway-Rindes das Klima?Industrielle Rinderhaltung treibt den Klimawandel voran, denn die Mast der Tiere verursacht Treibhausgase. Viele Veganer und Naturfreunde fordern deswegen: Wir müssen jegliche Rinderhaltung umgehend beenden. Das bedeutet: Sofort alle Rinder töten und Tierhaltung aufgeben. In der Konsequenz müssten wir wenigstens auch alle Grasfresserherden Afrikas, Asiens und Nordamerikas auslöschen, denn auch sie stoßen klimawirksame Gase aus. Keine Gnus mehr, keine Antilopen und Zebras, Kudus und Büffel. Krokodile verhungerten; mit ihnen Löwen und Geparden. Sie wären das mit dem Bade ausgeschüttete Kind. Und wer wollte die armen Katzen schon in einen gefüllten Badezuber setzen?

Ziehen wir also besser eine Grenze zwischen dem Wunsch der Klimarettung und dem Katzenmassenmord. Was wollen wir eigentlich? Treibhausgase reduzieren. Das geht auf zwei Wegen: Weniger solcher Gase produzieren oder mehr davon aus der Atmosphäre entfernen. Am besten beides.

Viehhaltung ist für drei Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich1. Woher genau kommen diese Gase? Die Tiere selbst stoßen sie aus; der größte Teil stammt jedoch aus der Futterproduktion: Anbau, Dünger, Transport belasten die Klimabilanz der Viehzucht.

Aha. Die Rinder selbst sind nicht schuld, sondern überwiegend erwärmt die Erzeugung der Futtermittel den Planeten. Das Problem liegt im Modell der industriellen Intensivtierhaltung. Kann man Tiere halten, ohne das Klima zu bedrohen? Irgendwie muss das ja gehen; Billionen Tiere bewohnten die Erde schon lange vor dem Menschen und auch rückblickend werfen wir ihnen nicht vor, sie hätten den Eisbären die Arktis verheizt.

Natürlich sind Tiere – auch Rinder – nicht Schuld am Klimawandel. Rinder müssen kein Getreide futtern. Sie sollten es auch nicht, wenn sie gesund bleiben wollen2. Füttern wir den Tieren kein Getreide mehr, entfällt der größte Teil auf der Habenseite ihres Klimagaskontos. Damit erreichen wir bereits unsere Absicht: Treibhausgase reduzieren.

Ist das alles? Einfach nur möglichst wenig Schaden anrichten: Damit kommt man nicht weit. Ein Ökosystem blüht nicht, weil die Tiere und Pflanzen darin möglichst wenig essen; sondern alle Bestandteile stecken ihre gesamte Energie in das eigene Überleben und die Fortpflanzung. Dabei produzieren sie Überfluss: des einen Abfall ist des anderen Futter. Tierkot ist ein Festmahl für Bodenlebewesen und damit essenziell für Pflanzen, welche ihrerseits Tiere nähren. Es bildet sich eine Gemeinschaft aus Zweckbeziehungen. Können wir das mit der Tierhaltung auch schaffen?

Imitieren wir ein erfolgreiches Ökosystem und stellen Rinder auf Grasland: Die Tiere fressen nun kein Getreide mehr, verspeisen stattdessen Gräser und Kräuter. Sie sind wieder Teil ihres natürlichen Lebensraumes und nutzen das Grasland, um daraus mehr Tiere zu erschaffen, die dann wieder Raubtiere – oder Menschen – ernähren. Wiederkäuer entstanden in Co-Evolution mit Gräsern. Grasfresser brauchen Grasland. Und Grasland braucht Grasfresser, sonst verbuscht und verwaldet es; die Gräser und Kräuter stürben und mit ihnen der Lebensraum. Damit verlöre dieses Ökosystem seine einzigartige Stärke: sein Speicherpotenzial für Kohlenstoff.

Der Verbund aus Rind und Weide, Grasfresser und Grasland, baut Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre ab und speichert den Kohlenstoff im Boden. Rinder in Weidehaltung bremsen den Klimawandel, pflegen den Lebensraum Grasland, erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und erzeugen Nahrungsmittel.

Der Großteil des Kohlenstoffs gelangt durch Pflanzen in die Böden. Sie nehmen Kohlenstoffdioxid auf und bilden daraus Blatt- und Wurzelmasse. Fressen Tiere das Gras, stirbt ein Teil der Wurzeln und ihr Kohlenstoff verbleibt im Boden und bereichert den Humus. Das Grasland wächst mit Hilfe der Grasfresser stetig, speichert Kohlenstoff und gewinnt Fruchtbarkeit. Auf der Fläche von eineinhalb Fußballfeldern speichert die Beweidung jährlich eine Tonne Kohlenstoff3. So entstanden einige der weltweit furchtbarsten Böden, darunter die amerikanischen Great Plains, geformt von vierzig bis fünfzig Millionen Bisons.

Nun verursachen wir weniger klimawirksame Gase und entfernen sie obendrein aus der Atmosphäre; die Tiere fühlen sich besser; wir pflegen den Lebensraum Grasland; erhöhen die Bodenfruchtbarkeit; und wir erzeugen Lebensmittel. Wir verwalten das Ökosystem nachhaltig zum allgemein besten Nutzen. Nicht weniger sollten wir anstreben.

Große und kleine Katzen atmen auf: Fleischessen ist nicht schlecht fürs Klima. Auch Tierhaltung schadet der Umwelt nicht grundsätzlich. Probleme bereitet allerdings die industrielle Intensivtierhaltung und die Erzeugung praktisch der gesamten Fleischwaren im Supermarkt, Bio-Fleisch regelmäßig eingeschlossen. Wer solches Fleisch isst, treibt den Klimawandel aktiv voran und beraubt die Natur und sich selbst.

Klimapflege, Bodenfruchtbarkeit, blühendes Tierleben: Das gelingt nur, wenn wir Tiere beharrlich auf der Weide hüten und das Ökosystem klug verwalten. Mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie: Immer mehr Landwirte machen das; nicht allen gelingt es vollständig, doch auch sie haben sich wenigstens abgekehrt vom Raubbau des Industriesystems.

Wer auf Fleisch nicht verzichten will, muss diese Alternative für die Zukunft mit aufbauen, wenn ihm Klima, Umwelt, Tiere und die Zukunft seiner Kinder am Herzen liegen. Ein Landwirt kann nur erzeugen, was man ihm abkauft.

Überall auf der Welt, auch in Deutschland, arbeiten solche Landwirte an einer besseren Zukunft. Mitmachen können Sie, indem Sie Ihr Fleisch nur noch dort kaufen. Es gibt immer Aspekte, die man verbessern kann. Sprechen Sie darüber und arbeiten Sie gemeinsam daran. Schaffen Sie ein produktives Ökosystem mit Ihrem Landwirt.

Alles über Weidefleisch erfahren Sie hier: weidefleisch.org

Fußnoten

  1. Maurice E. Pitesky et al. Chapter 1 – Clearing the Air: Livestocks Contribution to Climate Change. Advances in Agronomy Volume 103, 2009, Pages 1 – 40. Die zuvor von der FAO herausgegebene Zahl von achtzehn Prozent war falsch, siehe auch BBC News: UN body to look at meat and climate link (24. März 2010)
  2. Mehr dazu unter weidefleisch.org/tierwohl.
  3. Beweidung führt an neun Graslandstandorten in Europa durchschnittlich zu einer zusätzlichen Tonne Kohlenstoff pro Hektar und Jahr in Boden, siehe auch J.F. Soussana et al. Full accounting of the greenhouse gas (CO2, N2O, CH4) budget of nine European grassland sites. Agriculture, Ecosystems and Environment 121 (2007) 121–134. 18 Jan 2007.
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20 Kommentare zu “Ruiniert Fleisch das Klima?

  1. Roland

    Die Diskussion hier verläuft ja äußerst amüsant – danke dafür!
    Ich möchte vielleicht (obgleich vielleicht ein klitzekleines Bisschen OT) ergänzen, dass bei der Diskussion um den Anbau von Pflanzen für Mensch- oder Tier-Ernährung nicht außer Acht gelassen werden darf, dass es ja verschiedene Nährstoffgruppen gibt. Die Fette lassen wir mal außen vor… aber letztlich ist es vermutlich kein Problem, zwar den Kohlehydratbedarf der Weltbevölkerung (auch 7, 8 oder gar 10 Mrd. Menschen) durch pflanzliche Lebensmittel zu decken. ABER: Wir müssen ja auch an die Proteinversorgung denken und da sieht die Rechnung halt leider ganz anders aus! Da sind wir bei der momentanen Bevölkerungszahl wohl oder übel auf die ‘Veredlung’ durch den tierischen Körper angewiesen.
    Ich möchte nun nicht mit irgendwelchen Zahlen um mich schmeißen, ob diese Bilanz dann unter 5 Mrd. oder erst unter 2 Mrd. Menschen zur pflanzlichen Seite hin ‘kippt’ – ganz einfach, weil ich es nicht weiß. Aber diese Betrachtung ist eh akademisch, denn die Weltbevölkerung wird sich nun mal in den nächsten ca. 30 Jahren wohl noch drastisch erhöhen. Und diese vielen hungrigen Mäuler kriegen wir halt durch eine rein pflanzliche Ernährung nicht umfänglich satt (also mit allen wichtigen Nährstoffgruppen)!
     
    Wer dazu gerne Zahlen braucht, soll doch bei FB oder Google+ einfach mal nach ‘Brigitte Blume’ suchen – die hat solche Quellen allzeit parat 🙂
     

  2. Michael

    Hi Felix,

    ist ein wirklich schwieriges Thema. Gerne hätte ich eine einfache & praktikable Lösung, doch die derzeitige Situation sieht anders aus. Eines weiß ich aber ganz genau. Es wird nie so schlimm wie angenommen, aber manchmal muss es erst schlimmer werden, bevor es besser wird.

    Wünsche uns allen eine angenehme & gesunde Zukunft 🙂

    Michael | Ernährungsberater & Mentaltrainer

  3. Franziska

    Hallo Kerstin,

    einerseits kann ich deine Argumentation verstehen, weil natürlich jede Fläche die zur Futtermittelproduktion (für Tiere) genutzt wird viel effizienter zur Nahrungmittelproduktion (für den Menschen) genutzt werden könnte.
    Allerdings glaube ich nicht, dass durch den Umstieg der gesamten Menschheit auf eine vegane Lebensweise auch nur ein Quäntchen Regenwald weniger gerodet oder ein Straßenkind weniger verhungern würde.
    Meiner Meinung nach liegt das Problem in unserer expansiven Lebensweise, die nur durch ewiges Wachstum funktioniert. Und das auf Kosten unserer Umwelt, unserer Mitmenschen in den ärmeren Ländern dieser Welt und unserer Kinder (habe dafür keine Quellen, ist nur so ein Gefühl).
    Ob man es in Kauf nimmt dass für die eigene Ernährung ein Tier sterben muss, sollte meines Erachtens jeder selbst entscheiden. Allerdings wird es einem in der heutigen Zeit leicht gemacht das komplett zu vergessen. Nicht nur das, es wir alles daran gesetzt dass man vergisst, dass „Fleisch“ einmal ein Lebewesen war und wie dieses gelebt hat und gestorben ist.

    Und hier auf dieser Seite geht es auch (zumindest für mich) darum, sich das wieder bewusst zu machen.

    -Franziska

    1. Felix

      Hallo Franziska,
      danke für deinen Beitrag. Dein Kommentar war nicht an mich gerichtet, dennoch möchte ich auf eine Stelle eingehen:

      “weil natürlich jede Fläche die zur Futtermittelproduktion (für Tiere) genutzt wird viel effizienter zur Nahrungmittelproduktion (für den Menschen) genutzt werden könnte.”

      Eben nicht jede Fläche. Viele Flächen eignen sich nicht für die Produktion pflanzlicher Lebensmittel für den Menschen – Magerrasen zum Beispiel. Auf solchen Flächen ist die Tierhaltung zwecks Nahrungsmittelerzeugung meist effizienter. Das Argument “pflanzlicher Lebensmittel sind viel effizienter zu erzeugen als tierische” als Pauschale ist falsch, unzutreffend. Es sollte sich nicht weiter durchsetzen.

      1. Franziska

        Hallo Felix,
        da gebe ich dir recht! Nicht jede Fläche eignet sich. Wenn man aber von den Flächen ausgeht die momentan schon zur Futtermittelproduktion genutzt werden – und auf diesen pflanzliche Lebensmittel für den Menschen anbauen würde wäre das aber “effizienter” genutzt.
        Insofern stimmt die Argumentation von Veganern und Vegetariern schon, denke ich.
        Nur geht diese Argumentation am Problem vorbei, denn wenn weniger Flächen für Futter- und Nahrungsmittelproduktion gebraucht würden, dann würde man sie eben zur Energieproduktion oder sonstwas nutzen.
        Um nicht noch weiter vom Thema abzuschweifen –
        Meine Antwort auf die Titelfrage lautet: Nein, Fleisch ruiniert nicht das Klima, unser Hunger nach immer mehr und ewigem Wachstum tut es.
        Viele Grüße
        Franziska

  4. Kerstin

    Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen und auch ein wenig recherchiert und in den Inhalten hier gestöbert habe, möchte ich noch ein wenig Stellung nehmen, bevor ich mich wahrscheinlich bis auf Weiteres von dieser Seite verabschiede. Ich dachte nämlich bisher, dass hier versucht wird, Ideen für eine nachhaltige, globale Ernährungsweise anzubieten. Aber es geht ja anscheinend eher um regionale Nachhaltigkeit (wobei ich dann die Hinweise auf riesige Grasländer nicht verstehe; aber vielleicht klärst Du mich noch auf, wo es die in Deutschland gibt?). Meiner Meinung nach ein tolle Idee! Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass in Deutschland nachhaltig ca. 40kg Rindfleisch pro Person produziert werden könnten (http://www.urgeschmack.de/la-fiorentina-fleischfrage/). Ob dann auch noch Platz für Schweinehaltung ist (momentan ist die Nachfrage nach Schweinefleisch in Deutschland laut FLEISCHATLAS, https://www.boell.de/de/fleischatlas, ja nicht viel niedriger als nach Rindfleisch) und in welchem Alter die Rinder dafür geschlachtet werden müssten (ein langes glückliches Leben werden sie wahrscheinlich nicht führen können), weiß ich noch nicht. Vielleicht täuscht mich mein Eindruck, aber ich glaube nicht, dass man mit den Rezeptvorschlägen hier unter diesen 40kg bleibt. Zum Glück gibt’s ja ein paar Vegetarier und Veganer, deren Anteil an diesem Durchschnittswert dann umverteilt werden kann! 😉
    Deshalb ist für mich einer der wichtigsten Punkte bei der Propaganda einer nachhaltigen Ernährungsweise, immer wieder auf die Reduktion des Fleischkonsums hinzuweisen.
    Und das passiert mir hier einfach zu wenig!

    Außerdem möchte ich darauf hinweisen, weil ja wohl viel Wert darauf gelegt wird, dass hier keine Behauptungen oder Pauschalisierungen aufgestellt werden, dass ich noch nie von einem vegan lebenden Menschen die Forderung SOFORT ALLE RINDER TÖTEN (s. oben: ‘Viele Veganer und Naturfreunde fordern deswegen: Wir müssen jegliche Rinderhaltung umgehend beenden. Das bedeutet : Sofort alle Rinder töten und Tierhaltung aufgeben.’) gehört habe oder dass jemand Tiere generell, insbesondere freilebende Wildtiere für klimaschädlich hält. (‘In der Konsequenz müssten wir wenigstens auch alle Grasfresserherden Afrikas, Asiens und Nordamerikas auslöschen, denn auch sie stoßen klimawirksame Gase aus.’)
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es jedem ‘Pflanzenfresser’ lieber wäre, wenn man alle momentan als ‘Nutztiere’ benutzten Tiere auf der Stelle auf eine grüne Wiese stellen würde und sie dort ihr Leben zu Ende führen ließe. (Ich benutze den Konjunktiv übrigens generell, um Vermutungen zu äußern, nicht Forderungen zu stellen! http://www.deutschegrammatik20.de/konjunktiv/konjunktiv-i-gebrauch/ Nur, um weitere Missverständnisse auszuschließen!).
    Das würde also in erster Linie bedeuten, sofort die Nach’produktion’ von Tieren im heutigen Ausmaß zu beenden. Aber solange die Nachfrage nach Fleisch nicht sinkt, ist das wohl illusorisch. Und auch hier wäre meiner Meinung nach am vielversprechendsten im Sinne von Nachhaltigkeit, Menschen (am besten ALLE, die keinen zwingenden Überlebensgrund haben, Fleisch zu essen, Milch zu trinken und Eier zu essen) auf eine – je nach persönlichem Empfinden mehr oder weniger – drastische Reduktion ihres Tierproduktekonsums hinzuweisen. Und wenn man Tiere nachhaltig hält, dann braucht man sie auch eigentlich nicht nach einem Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung zu töten und aufzuessen , sondern KÖNNTE (persönliche Meinung, keine Forderung! Ich sehe es nämlich nicht als meine Aufgabe, von irgendjemandem irgendetwas zu fordern! Außer vielleicht, den eigenen Kopf einzuschalten. Und auch dann erwarte ich nicht, dass mir das, was dabei herauskommt, unbedingt gefällt. Aber damit kann ich leben.) das einfach aus Tier- und Umweltliebe tun! So viel von mir.

    1. Felix

      Hallo Kerstin,
      deine Argumentation geht am Artikel vorbei. Der Artikel stellt eine Alternative zur industriellen Intensivtierhaltung vor, die zugleich eine Verbesserung der Klimabilanz, bessere Lebensbedingungen für Tiere, Nutzen für Umwelt, Pflanzen- und Artenvielfalt, Vorteile für lokale Wertschöpfungsketten und sozioökonomische Bedingungen bietet. Diesen Vorschlag, der vielerorts bereits erfolgreich umgesetzt wird, lehnst du ab, weil du offenbar erwartest, dass alle Menschen unbedingt so viel Fleisch essen müssen oder wollen, wie bisher. Dein Lösungsvorschlag ist offenbar, dass wir den status quo – industrielle Intensivtierhaltung – beibehalten, keine Alternative anbieten und einfach hoffen, dass Menschen von selbst weniger Fleisch essen.

      “dass ich noch nie von einem vegan lebenden Menschen die Forderung SOFORT ALLE RINDER TÖTEN […] gehört habe”

      Das steht auch in diesem Artikel nicht.

      Du hast zudem die Quelle (http://www.urgeschmack.de/la-fiorentina-fleischfrage/ ) falsch zitiert. Es sind nicht 40kg Rindfleisch, sondern 40kg Fleisch – das beinhaltet bereits Schweinefleisch das, wie die Quelle erläutert, mit diesem dem Produktionssystem verwoben ist. Das macht eine effektive Diskussion mit dir mühselig.

      “Aber solange die Nachfrage nach Fleisch nicht sinkt, ist das wohl illusorisch.”

      Und wieder versäumst du die Angabe von Gründen in deiner Propaganda (deine Begriffswahl!). Warum hältst du das für illusorisch? Warum schaust du nicht in die vorliegenden Daten, in die Empirie, in die Funktion der Marktwirtschaft?

      “dass jemand Tiere generell, insbesondere freilebende Wildtiere für klimaschädlich hält. (‘In der Konsequenz müssten wir wenigstens auch alle Grasfresserherden Afrikas, Asiens und Nordamerikas auslöschen, denn auch sie stoßen klimawirksame Gase aus.’)”

      Schau dir den Kontext des Satzes an. Dass du noch keinen vegan lebenden Menschen zu diesem Schluss hast kommen hören, könnte daran liegen, dass keiner dieser Menschen darüber konsequent nachgedacht hat, wenn er Rindern den Ausstoß klimawirksamer Gase vorwirft. Schließlich betrifft das nicht nur Rinder und Wiederkäuer: Auch Menschen stoßen CO2 aus.

      “Und auch hier wäre meiner Meinung nach am vielversprechendsten im Sinne von Nachhaltigkeit, Menschen (am besten ALLE, die keinen zwingenden Überlebensgrund haben, Fleisch zu essen, Milch zu trinken und Eier zu essen) auf eine – je nach persönlichem Empfinden mehr oder weniger – drastische Reduktion ihres Tierproduktekonsums hinzuweisen.”

      Das kannst du gerne tun. Aber warum lehnst du eine Methode ab, die genau das, einen reduzierten Fleischkonsum bei vielen zusätzlichen Vorteilen (s.o.), in Gang setzt?

      Ich dachte nämlich bisher, dass hier versucht wird, Ideen für eine nachhaltige, globale Ernährungsweise anzubieten.

      Es kann keine eine, globale Ernährungsweise geben. Die Globalisierung führt uns doch erst in diese Probleme. Die regionalen Unterschiede allein in Ökologie und Sozioökonomie sind viel zu verschieden, als dass eine Standardlösung wie du sie forderst nachhaltig sein könnte.

      Aber es geht ja anscheinend eher um regionale Nachhaltigkeit (wobei ich dann die Hinweise auf riesige Grasländer nicht verstehe; aber vielleicht klärst Du mich noch auf, wo es die in Deutschland gibt?)

      Nur die Beachtung regionaler Gegebenheiten kann überhaupt zu Nachhaltigkeit führen. Weidefläche findest du überall in Deutschland. Nicht in Städten, sondern dazwischen. Details erfährst du in der Quelle, die ich dir genannt habe, die du allerdings offensichtlich abermals nicht beachtet hast.

    2. Heinz Georg Spengler

      @Kerstin der Sinn des Lebens eines Tieres ist es sich fortzupflanzen und als Nahrung für ein anderes Lebewesen zu gelten. Ob das Tier nun von einem Löwen gerissen wird oder vom Menschen geschlachtet wird ist da völlig egal. Der Tierschutz wurde erst mit dem Satz in der Bibel “Ich schuf euch als mein Ebenbild. Macht euch die Erde zum Untertan” nötig. Die meisten “Naturschützer” wollen sich doch nur als ethisch besser dar stehen.

  5. Philip

    Hallo Felix,
    danke für den wieder mal sehr informativen Artikel.
    Interessant finde ich die Aussage: “Viehhaltung ist für drei Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich”.
    Ich habe kürzlich eine Doku (oder eine als solche getarnte Veagner-Propaganda :-)) namens “Cowspiracy” gesehen, in der die Viehhaltung als der größte Verursacher von Treibhausgasen genannt wurde. Ich habe die Zahlen nicht mehr im Kopf, aber sie unterscheiden sich drastisch von “Deinen”.

    1. Felix

      Hallo Philip,
      siehe dazu meine Fußnote. Grund für die falsche Zahl war: Man hat bei der Viehhaltung sämtliche Quellen (sog. lifecyle analysis, manchmal auch cradle-to-cradle) einkalkuliert. Im Transportsektor hingegen hat man lediglich auf die Abgase der Fahrzeuge geschaut und die übrigen Emissionen ignoriert. Man hat also Apfelkerne mit Äpfeln verglichen. Im genannten Link äußert sich einer der beteiligten Forscher dazu.

  6. David

    Hi Felix

    Ich fänds toll, wenn du Kerstin antworten würdest und den Lesern zuliebe ihre Kontraargumente relativieren würdest (stacking functions, Flächen die nur für Viehhaltung taugen, Wüstenbegrünung etc.)

    Andere Frage: Weisst du von Getreidesorten oder Hülsenfrüchten, bei denen die Antinährstoffe durch Zucht entfernt oder stark reduziert wurden?

    Danke und weiter so
    David

    1. Felix

      Hallo David,
      selbstverständlich.
      Deiner anderen Anfrage kann ich an dieser Stelle jedoch nicht nachkommen, ohne die Kommentarregeln zu verletzen. Möglicherweise per Email.

  7. Kerstin

    ??? Da ist aber jemand aggressiv!!! Wo habe ich irgendjemandem etwas vorgeschrieben? Aber der Reihe nach: Mit Menschen meine ich natürlich erst einmal alle bzw. alle, die meinen, Fleisch und tierische Produkte in ihrer Ernährung zu brauchen. Weil sich der heutige Tierproduktebedarf ja nur mit industrieller Massentierhaltung decken lässt, müsste man den Bruchteil natürlich anhand der verfügbaren Weidefläche (wenn man sich die Erdkugel betrachtet, mit ihren unterschiedlichen Klimazonen, sollte einem einfach auffallen, dass nicht überall Tiere auf Weiden gestellt werden können. Man könnte natürlich noch ein paar Ur- und Regenwälder roden…) ausrechen! Dafür hab’ ich jetzt leider gerade keine Zeit! 😉 Ich schätze aber, dass sich alle mit vielleicht 1 bis 2 kleinen Fleischportionen in der Woche begnügen müssten. Kalbfleisch könnte es natürlich öfters geben, weil bei der Milchproduktion ja Kälber ‘anfallen’, die die Milch nicht wegtrinken sollen! Und jeder Mensch, der unbedingt Fleisch essen WILL (aber nicht MÜSSTE, weil er/sie irgendwo lebt, wo es Supermärkte und genug Alternativen zu tierischen Lebensmitteln gibt), ist mir eigentlich zu viel auf der Welt! Ohne die könnte man bestimmt noch ein paar Milliarden Menschen mehr versorgen, weil mehr Flächen für den Anbau von Pflanzen zur Verfügung ständen. Prinzipiell finde ich die Idee ja schön, sich natürlich wie unsere Vorfahren zu ernähren, aber sehr durchdacht ist sie meiner Meinung nach einfach nicht, weil sich die Umweltbedinungen und die Anzahl der Menschen einfach ein bisschen geändert haben in den letzten paar Tausend Jahren.

    1. Felix

      Hallo Kerstin,
      für eine zielführende Diskussion oder konkrete Antworten benötigt man konkrete Argumente und Grundlagen – zumindest wenn man, wie ich, an hysterischem Gekeife nicht interessiert ist. Wenn du meine Rückfragen nach solchen Datengrundlagen als Aggression verstehst, muss ich das wohl in Kauf nehmen. Für meinen Teil finde ich es befremdlich, solche Thesen wie du in den Raum zu stellen, dann jedoch Zeitmangel als Ausrede für mangelnde Recherche anzugeben.

      “Wo habe ich irgendjemandem etwas vorgeschrieben?”

      Du schreibst “dass Menschen dann nur noch einen Bruchteil der heute verzehrten tierischen Produkte konsumieren dürften!” Ist das nicht eine Entscheidung deinerseits, was andere essen dürfen?

      Wenn ich dich richtig verstehe, unterliegst du einem weit verbreiteten Missverständnis: “der heutige Tierproduktebedarf” einen solchen Bedarf gibt es nicht. Es ist lediglich eine Nachfrage. Siehe dazu auch: http://www.urgeschmack.de/la-fiorentina-fleischfrage/ – dort findest du auch konkrete Zahlen zu deinen Vermutungen. Deinen Vorschlag, für die Fleischerzeugung Ur- oder Regenwälder zu roden, halte ich für keine gute Idee aufgrund der negativen Auswirkungen auf u.a. Artenvielfalt und Klimaentwicklung. Zudem wäre es zumindest zum Beruhigen deiner Sorge um eine reichliche Fleischversorgung in Deutschland nicht nötig.

      “Ich schätze aber, dass sich alle mit vielleicht 1 bis 2 kleinen Fleischportionen in der Woche begnügen müssten.”

      Da du wieder nicht angibst, wer “alle” sind und wie groß die Fleischportion sein sollte, muss ich davon ausgehen, dass du einen weltweiten Durchschnitt zugrunde legst. Ein Durchschnitt hilft hier jedoch nicht weiter. Es gibt zahlreiche Regionen, in denen der Verzehr großer Mengen Fleisch nicht oder nachhaltig sinnvoll ist, beispielsweise in Küstenregionen, wo sich eher Meeresfrüchte anbieten oder in Gegenden, die sich schlichtweg nicht zur effizienten Tierhaltung eignen. Da hilft dir ein Durchschnitt nicht. Um dir das Problem von Durchschnittswerten zu verdeutlichen: Eine Temperatur von 20°C mag für den Menschen angenehm sein. Eine Durchschnittstemperatur von 20°C ist jedoch tödlich, wenn sie sich aus Werten von zwei Stunden bei -20°C gefolgt von zwei Stunden bei +60°C zusammensetzt.

      “Und jeder Mensch, der unbedingt Fleisch essen WILL (aber nicht MÜSSTE, weil er/sie irgendwo lebt, wo es Supermärkte und genug Alternativen zu tierischen Lebensmitteln gibt), ist mir eigentlich zu viel auf der Welt!”

      Das offenbart lediglich dein Bild von und deine Toleranz für deine Mitmenschen.

      “Ohne die könnte man bestimmt noch ein paar Milliarden Menschen mehr versorgen, weil mehr Flächen für den Anbau von Pflanzen zur Verfügung ständen.”

      Das ist abermals eine Vermutung ohne jegliche Datengrundlage. Was ist mit den Flächen, die sich nicht für den Anbau von Pflanzen eignen? Und wenn du unbedingt überall Getreide und Gemüse anbauen möchtest: Wie sollen wir diese Flächen dann zur kumulativen CO2-Sequestration nutzen? Welches für den Menschen geeignete pflanzliche Lebensmittel schlägst du vor, das ähnlich effizient und schnell Kolenstoff im Boden speichert?

      “Prinzipiell finde ich die Idee ja schön, sich natürlich wie unsere Vorfahren zu ernähren,”

      ich weiß nicht, wie du im Rahmen dieses Themas auf die Ernährung unserer Vorfaren kommst. Die haben sich mit größter Wahrscheinlichkeit kaum Gedanken um das Klima und noch weniger um die CO2-Bindung gemacht.

      “aber sehr durchdacht ist sie meiner Meinung nach einfach nicht, weil sich die Umweltbedinungen und die Anzahl der Menschen einfach ein bisschen geändert haben in den letzten paar Tausend Jahren.”

      Ich fürchte, du hast den hier vorliegenden Artikel bereits im Ansatz nicht verstanden. Die hier beschriebene Methode stellt doch einen konkreten Lösungsansatz für die vor uns liegenden Herausforderungen dar.

    2. Heinz Georg Spengler

      Du willst also den Menschen Fleisch verbieten damit noch x Milliarden Menschen den anderen Arten Platz,Sauerstoff usw wegnimmt. Richtiger Naturschutz wäre der Begrenzung der Weltbevölkerung auf ca. 3.5 Milliarden. Mehr verkraftet die Erde auf Dauer nicht. Deine Herangehensweise. Wenn es 10 Kaninchen gut haben dann geht das auch mit 20 im gleichen Käfig und Futter. Da wirst du sehen wie aus den Mogwei Gremlins werden.

      1. Felix

        Hallo Heinz Georg,
        ich kann deine Argumentation nachvollziehen und sicherlich ist das Bevölkerungswachstum eine kritische Herausforderung unserer Zukunft. Allerdings muss ich der Fairness halber auch dich bitten, deine Zahlen zu belegen bzw. zu erläutern. Warum gerade 3,5 Milliarden?

        1. Heinz Georg Spengler

          Hallo Felix,
          leider kann ich nicht mit einem Beleg für die Zahl von 3,5 Milliarden dienen.
          Ich hatte die Zahl von einer Webseite die Simulationen über die Entwicklung der Weltbevölkerung darstellte. Laut dieser Webseite handelte es sich um die unverfälschten Daten der Simulation die auch die WHO für Ihre Prognosen benutzte. Da die Seite schon um 2000 online war, denke ich das Sie nicht mehr existiert.
          Ob es nun 3,5 Millarden oder 4.0 Milliarden sind, ist egal. Nur 7,5 Milliarden sind doch offensichtlich zu viele. Im Jahr 2016 war im August der Welterschöpfungstag. Da kann man leicht ausrechnen für wie Viele es am Ende reicht.
          Dabei ist ein angenehmer Lebensstandard auch zu beachten

          1. Felix

            Hallo Heinz,
            “7,5 Milliarden sind doch offensichtlich zu viele.”
            Das ist eben nicht offensichtlich. Es gibt auch zahlreiche Stimmen, die meinen, 9 oder 10 Milliarden wären auch machbar mit nachhaltiger Landwirtschaft. Niemand weiß es, weil alles wilde Spekulation ist, abhängig von der gerade verfügbaren oder beliebigen Datenlage. Bedenke dabei auch, dass in den westlichen Ländern derzeit bis zu 50% der Lebensmittel im Müll landen.
            Der Welterschöpfungstag ist ebenso bestenfalls ein öffentlichkeitswirksamer Aktivitätsversuch ohne jegliche Autorität und Unfehlbarkeit.
            “Ein angenehmer Lebensstandard” trifft dabei den Nagel auf den Kopf, denn relativer kann man es kaum ausdrücken.
            7,5 Milliarden können wir rein rechnerisch bereits jetzt ernähren. Allerdings haben wir dabei ein Verteilungsproblem. Das ließe sich lösen, wenn Politik und Industrie mitspielten.

  8. Kerstin

    Schade, dass mit keinem Wort erwähnt wird, dass Menschen dann nur noch einen Bruchteil der heute verzehrten tierischen Produkte konsumieren dürften! Weil Weideplatz nun mal beschränkt ist. Und es eigentlich viel zu viele Menschen auf der Erde gibt, die Fleisch essen wollen.

    1. Felix

      Hallo Kerstin,
      über eine Konkretisierung deiner pauschalen Forderungen und Behauptungen würde ich mich freuen. Welche Menschen meinst du? Wie groß sollte dieser Bruchteil sein? Auf welche tierischen Produkte beziehst du dich? Warum meinst du, anderen vorschreiben zu können, was sie essen dürfen? Wie beschränkt ist Weidefläche und von welcher Region sprichst du? Und wenn es “eigentlich viel zu viele Menschen auf der Erde gibt”, wie viele Menschen wären dir genehm?

Kommentare geschlossen.

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