Vergiss Kalorien

Mit diesem Schritt gibst du dem Reduktionismus der Wissenschaft einen Tritt in den Hintern und stärkst zugleich deine Intuition.

Wer mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Kennst du die Nummer? Ist Kokolores. Die Kalorienbilanz klingt plausibel, ergibt aber keinen Sinn. Denn wir Menschen sind keine einfachen Rechenmaschinen. Die Kalorienbilanz ist abhängig von deinem Kalorienbedarf. Wer dir vorrechnet: »Wenn dein Tagesbedarf 2.000?kcal beträgt und du nimmst durch dein Essen 2.200?kcal zu dir, dann nimmst du um 200?kcal zu – das sind rund 22 Gramm Fett«, der verschweigt dir, dass dein Tagesbedarf variabel ist. Das hast du dir gewiss gedacht: Wenn man sich an einem Tag mal mehr bewegt, verbraucht man auch mehr Energie. Woran du vielleicht nicht gedacht hast: Dein Energieverbrauch steigt auch dann, wenn du mehr isst. Und was du vielleicht mal erlebt, aber nicht so gefolgert hast: Wenn du zu wenig isst, sinkt auch dein Kalorienverbrauch. Dann wirst du leicht reizbar, frierst, bist schlapp oder fühlst dich niedergeschlagen. Dein Körper ist nämlich nicht dumm. Wenn er zu wenig Energie bekommt, dann merkt er das. Und dreht die Heizung kleiner, gibt deinen Muskeln weniger Saft und vernebelt dein Gehirn. Kurz: Dein Körper spart Energie. Isst du hingegen mehr als dein Körper braucht, speichert er nicht unbedingt die gesamte Energie. Sondern er verteilt sie großzügig: Dir wird wärmer, du verspürst den Drang zu mehr Bewegung oder du lässt nachts ein Bein unter der Decke hervorschauen, weil dir viel zu warm ist.

Dein Kalorienbedarf unterliegt starken Schwankungen und hängt direkt ab von der Kalorienzufuhr. Deswegen kann dein Gehirn mit den Gesetzen der Thermodynamik so viel argumentieren, wie es will: Energie geht tatsächlich nicht verloren. Aber die Gleichung der Kalorienbilanz ist nicht lösbar, weil sie zu viele Variablen enthält.

Natürlich kannst du abnehmen, indem du weniger isst (solange du nicht viel zu wenig isst). Und natürlich kannst du zunehmen, wenn du zu viel isst. Doch du erreichst mit einem Blick auf die Art und Güte deiner Lebensmittel (siehe deine ersten Schritte: Lieber Protein anstelle von Zucker) erheblich mehr, als mit einem Taschenrechner nebst Kalorientagebuch. Zumal die Qualität deiner Lebensmittel auch dein Sättigungsgefühl beeinflusst. Schau in die Natur: Du wirst in freier Wildbahn kaum Tiere finden, die an Übergewicht erkranken. Wenn sich ein Tier (oder Mensch) artgerecht ernährt, dann reguliert auch das Sättigungsgefühl die Energieaufnahme. Eine Ernährung mit viel Zucker führt zu einem wilden Auf und Ab des Blutzuckers mit entsprechend häufigem Hunger.

Wenn du Kalorien keine Beachtung mehr schenkst, umgehst du auch eine garstige Falle am Dschungelboden: Kalorien als Moral. Vergangene Generationen haben es geschafft, kalorienreiche Lebensmittel als Sünden im Bewusstsein zu verankern. Wer Kalorienbomben isst, ist unartig und das Sparen von Kalorien ist eine Tugend. Großartig. Kalorienmoral ist ein erstklassiger Weg in die Essstörung. Spar dir das. Deine Wahl der Lebensmittel erhebt dich weder in den Himmel, noch katapultiert sie dich ins Fegefeuer. Lebensmittel sind nicht gut oder böse. Es gibt nur Lebensmittel.

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