Abfall, Essen und Verschwendung

Abfall, Essen und VerschwendungRund ein Drittel aller Lebensmittel landet weltweit im Abfall und verursacht große wirtschaftliche Verluste, Treibhausgase und Umweltprobleme. Angesichts 870 Millionen hungerleidender Menschen (UN-Angaben) scheint die Lösung einfach: Wir müssten nur einen besseren Weg zur Verteilung finden und könnten so mehrere Probleme zugleich lösen. Warum haben wir diese Herausforderung noch nicht gemeistert?

Landwirte und Fischer, Industrie und Händler, Verbraucher und Politiker schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Angesichts der Zahlen wird allerdings schnell offensichtlich, dass jeder von einer Lösung profitieren könnte. Viel wichtiger: Jeder einzelne, egal ob Verbraucher, Erzeuger oder Verwalter, kann tatsächlich etwas verändern und somit profitieren und zugleich anderen helfen.

Ein kurzer Blick auf die Probleme vermittelt ein Gefühl für die Tragweite.

Die Probleme der Lebensmittelverschwendung

Die 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittelverschwendung führen weltweit jährlich zu wirtschaftlichen Verlusten von 750 Milliarden Dollar. Das zur Produktion benötigte Wasser entspricht dem, was jährlich Russlands Volga herunterfließt – für wen das noch immer unfassbar ist: Es ist wirklich sehr, sehr viel. 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase gehen auf das Konto dieser Lebensmittel und 1,4 Milliarden Hektar Land belegt die Produktion, das sind rund 28% der weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Die genannten wirtschaftlichen Kosten beschränken sich auf die Produzenten. Nicht einbezogen sind Verluste in Handel und Privathaushalt. Diese dürften durch das Voranschreiten in der Wertschöpfungskette weitaus höher liegen.

Jede einzelne dieser Zahlen scheint ausreichend attraktiv, das Problem sofort anzugehen. Geld, Wasser, Treibhausgase, Landbedarf – und vor alledem der Hunger. Tatsächlich könnten wir derzeit nicht nur sieben, sondern notfalls auch acht oder neun Milliarden Menschen ernähren.

Die Probleme gehen uns alle an. Und wir alle können die Lösung angehen, unabhängig von der Teilnahme anderer. Ganz im Sinne eines selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Lebens.

Die Schuldigen

Ein in 2015 verabschiedetes Gesetz in Frankreich verbietet es dem Handel, Lebensmittel wegzuwerfen, etwa wenn das Verfallsdatum abläuft. Stattdessen müssen die Betreiber Verträge mit Hilfsorganisationen abschließen, denen sie dieses Essen überlassen. Wo zuvor Müllcontainer eingezäunt und abgeschlossen wurden, dürfte sich das Bild nun also im Sinne einer Lösung verschönern.

Das Containern ist eine auch in Deutschland verbreitete Beschäftigung, bei dem sich Menschen im Schutz der Dunkelheit in Müllcontainern der Supermärkte bedienen und teils ganze Festmahle zusammenstellen. Dies beschränkt sich bei Weitem nicht auf die ärmsten Menschen, auch Idealismus ist eine Motivation zu dieser meist illegalen Tätigkeit. Der Schuldige scheint in diesem Fall der Supermarkt zu sein und die Freude über das französische Gesetz ist entsprechend groß.

Im Handel finden allerdings nur 5% der Gesamtverschwendung statt. Weitaus größer ist der Anteil in Privathaushalten (42%) und der herstellenden Industrie (39%).

Der politische Wandel ist dennoch nützlich als Zeichen. Jeder kleine Schritt kann mehr Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel schaffen und so Lösungswege verbreitern.

Entsprechend möchten Politiker dieses Gesetz nun weltweit umsetzen. Bei 89 Millionen Tonnen Lebensmittelverlusten allein in der EU sicherlich lohnenswert, auch wenn lediglich ein Zwanzigstel davon auf den Handel entfällt.

Die Zahlen zeigen soweit nicht, für welche Verschwendung der Handel direkt mitverantwortlich ist: Rund 30% des in Europa erzeugten Obsts und Gemüses erreicht den Handel gar nicht erst, in der Regel aus kosmetischen Gründen: Zu groß, zu klein, zu krumm, zu schrumplig – was dem Schönheitsideal nicht entspricht, bleibt beim Erzeuger und oft direkt auf dessen Feld. In Worten: Ein Drittel unserer Felder bewirten wir, um die Produkte hinterher liegenzulassen.

Grund und Inspiration genug für den Lösungsansatz der portugiesischen Organisation Fruta Feia (Hässliche Frucht). Das 2013 gestartete Projekt unter dem Motto Schöne Menschen essen hässliche Früchte breitet sich rasant von Lissabon aus und sammelt zurückgewiesene Erzeugnisse von Landwirten ein. Diese stellt Fruta Feia zu Obst- und Gemüsekisten zusammen, welche sie günstig an Verbraucher verkauft (7€ für 6-8kg). In der Kooperation gewinnen beide: Erzeuger werden ihre Ware los und Verbraucher können günstig einkaufen. Das Nachsehen hat der Handel, der die Ware zuvor abgelehnt hat.

Es gibt also funktionierende Modelle, durch die sich zwei wesentliche Ursachen der Lebensmittelverschwendung umgehen ließen. Die größte Schwachstelle bleibt der Endverbraucher. Bei all dem Gejammere über die wirtschaftliche Situation scheint unfassbar, warum Privathaushalte so viele gekaufte Lebensmittel einfach wegwerfen. Denn auch wenn die Deutschen im europäischen wie weltweiten Vergleich mit am wenigsten Geld für Lebensmittel ausgeben: Das Einsparpotenzial ist enorm.

Warum werfen wir wertvolle Lebensmittel weg?

Ursachen für die Verschwendung beim Endverbraucher sind divers, lassen sich letztlich jedoch durch mangelnde Wertschätzung zusammenfassen: Es landen mehr verderbliche Waren im Einkaufswagen als der Haushalt verbraucht, Lebensmittel verlieren sich in den Tiefen des Kühlschranks und der Koch bereitet zu viel zu. Wenn es Reste vom Vortag heißt, mögen viele es nicht essen und die Abwechslung soll möglichst groß sein. Warum auch nicht, wenn alles so billig ist? Was stören die paar Cent Marmelade und Schinken, Eier und Fleisch im Mülleimer?

Wenn das Essen kostengünstig und anonym aus der Fabrik kommt, keine individuelle Geschichte, keine Tradition, kulturell praktisch keinen Wert hat, kann besonders in einer Überflussgesellschaft kaum Wertschätzung entstehen. Wer hingegen ein engeres Verhältnis zu seinen Lebensmitteln hat, den Erzeuger kennt und dessen Arbeitseinsatz, wer wochenlang nach dem besten Gemüsegärtner gesucht hat, ist neben dem Geld auch zeitlich und persönlich investiert. So jemand geht meist sorgfältiger mit seinen Lebensmitteln um, teilt sie sich ein und versucht, jedes Gramm optimal zu verwerten. Das ist Teil der Esskultur.

Abfall essen

Der Arme Ritter (auch bekannt als French Toast oder Pain Perdu) war ehemals ein Arme-Leute-Essen aus trockenem Brot. Heute ist dieses Rezept die Grundlage einer Delikatesse. Die reichhaltige Küche der italienischen Regionen besonders im Süden ist heute weltbekannt und beliebt, dabei basiert auch sie häufig auf Sparsamkeit und Einfallsreichtum, um aus wenig Lebensmittel viel zu machen. Das Land hütet diesen kulturellen Schatz bis heute und noch immer geben Mütter und Großmütter ihre Erfahrungen und Fähigkeiten an die Kinder weiter: Wer kochen kann, wirft oft weniger weg. Sein kulinarisches Vokabular ist größer.

Ist dampfgegarter Brokkoli von vorgestern übrig? Warum ihn nicht einfach in eine Auflaufform geben, etwas Béchamelsoße köcheln, darüber gießen und kurz backen? Kochen ist einfach. Jeder kann es lernen.

Die Verschwendung des Abfalls

Wie der nächste Schritt aussehen kann, zeigen diverse Projekte mit dem Ziel, Abfall neu zu definieren. Schalen, Kaffeesatz, Abschnitte – was in heimischen Durchschnittsküchen oft als wirklich unbrauchbar gilt, verwandelt sich mit der entsprechenden Herangehensweise in eine Delikatesse.

Arielle Johnson vom Nordic Food Lab, welches auch so originelle Speisen wie Mottenmousse oder Ameisenwürze entwickelt, spricht in einem zwanzigminütigen Beitrag über ihre Fermentationsexperimente mit Lebensmittelresten wie Schalen und Abschnitten. »Fermentation war ein Teil der menschlichen Ernährungsgeschichte seit wir Obst essen,« meint sie, »durch sie entstehen komplexe neue Aromen und Zutaten, die wir andernfalls übersehen und als Abfall betrachten würden.« Neben Sauerkraut und Kimchi hat uns dieser Prozess auch Schokolade und Wein geschenkt. Zweifelsohne besteht Potenzial, möglicherweise aus Kartoffelschalen oder Brokkolirinde eine Delikatesse zu zaubern. Küchenabfälle, welche als Viehfutter aufgrund desaströser Gesetzgebung verboten sind, könnten wenigstens auf diesem Wege doch noch Menschen ernähren.

In andere Ansätzen liegt das Augenmerk auf Kaffeesatz. Kaffee steht auf Platz Zwei der weltweit am meisten gehandelten Güter, übertroffen nur von Erdöl. Nur weniger als 1% der Bohne landet in der Tasse, entsprechend groß sind die täglich anfallenden Mengen Kaffeesatz und auch hier kann die Lösung im Kleinen anfangen, wie Matt Orlando präsentiert. Neben der Verwendung als Wurmfutter mit anderen Küchenabfällen im Kompostsystem seines Restaurants, verwenden die Köche dort Kaffeesatz als Zutat und Gewürz. Rote Beete mit Kaffeesatz in Alufolie gebacken ist ein entsprechendes Rezept.

Einen großen Schritt weiter geht Chido Govera: Als Kind stand sie vor der Wahl, einen reichen Mann zu heiraten, um keinen Hunger mehr leiden zu müssen. Sie entschied sich dagegen und lernte durch eine Reihe glücklicher Ereignisse, Pilze zu züchten. Auf diesem Weg konnte sie sich selbst versorgen und gründete in Südafrika eine Organisation, die heute vielen Menschen auf dem gleichen Weg Unabhängigkeit bietet. Als Substrat für die Pilze dient Kaffeesatz, welcher so statt zur Vergrößerung von Müllbergen der Ernährung von Menschen dient.

All diese Ansätze können die Problematik nicht schlagartig und weltweit beheben. Denn das Problem mag global sein, findet jedoch regional statt und deswegen sind gerade diese kleinen Lösungen ein nachhaltiger Weg in die Zukunft. Egal wie gering die jeweilige Wirkung sein mag: Allen Vorgehensweisen ist gemein, dass sie Bewusstsein schaffen für Art und Umfang des Problems und zugleich mögliche Auswege präsentieren. So ist die Herausforderung für jeden Verbraucher fassbar und verliert ihre Bedrohlichkeit.

»Iss deinen Teller leer, in der Dritten Welt verhungern Kinder!«

Je effizienter wir Lebensmittel verwerten, desto geringer ist anteilig unser Ressourcenverbrauch. Entsprechend sinkt die von uns benötigte landwirtschaftliche Fläche. Wir sind dann nicht mehr oder zumindest weniger darauf angewiesen, Land in Entwicklungsländern zu kaufen, um dort Lebensmittel für unseren Bedarf anzubauen. Dieses Landgrabbing führt in fernen Ländern zu Landmangel, welcher dort wiederum häufig Versorgungsprobleme der lokalen Bevölkerung verursacht. Und auf genau diesem Weg könnte jedes weggeworfene Stück Essen eben doch Hunger an einem anderen Ort verursachen.

Geld sparen ist einfach

Was kann der Endverbraucher also tun, um weniger Lebensmittel zu verschwenden und Geld zu sparen? Es kostet nur ein wenig Hirnschmalz:

  • Überlegen, was wirklich benötigt wird, sich vor dem Einkaufen eine Liste machen, ein wenig Planen und auch mal auf exzessive Vielfalt verzichten.
  • Den Kühlschrankinhalt im Auge behalten und bei Ideenmangel ein gutes Kochbuch besorgen, das für jede Zutat ein passendes Rezept bietet*.
  • Hochwertige Lebensmittel kaufen, vielleicht etwas mehr bezahlen, den Erzeuger oder wenigstens die Erzeugung kennenlernen und so Wertschätzung entwickeln.

Die Ursachen des Hungers und der Verschwendung auf der Welt sind divers und äußerst komplex, sie lassen sich nur interdisziplinär erfassen. Doch auch ohne den vollen Überblick über politische, geographische und logistische Ursachen können wir alle zum allgemeinen und eigenen Nutzen an der Lösung arbeiten.

* Empfehlen möchte ich speziell hierzu den Silberlöffel, übersetzt aus dem italienischen ("Il Cucchiaio d'argento"), welcher neben einem vollen Überblick über die gesamte italienische Küche unzählige Rezepte bietet und im Index auch nach Zutaten sortiert ist. Wer eine Verwendung etwa für langsam vertrocknenden Zucchini sucht, findet innerhalb kürzester Zeit vier bis fünf einfache und bestens erprobte Rezepte dazu. Keine Bange: Pasta und Pizza stellen nur einen Bruchteil der über 2000 Rezepte.

Weiterführende Informationen:

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23 Kommentare zu “Abfall, Essen und Verschwendung

  1. Sandra

    Hallo,
    ich bin soeben zufällig auf Deine Seite gestoßen. Deine Artikel sind wirklich informativ und bringen vor allem Spaß sie zu lesen 🙂
    Viele liebe Grüße
    Sandra

  2. Heike

    “Ein Drittel unserer Felder bewirten wir, um die Produkte hinterher liegenzulassen.”

    Das ist wirklich sehr bedenklich, dass wir so sorglos mit unseren Ressourcen bzw. Lebensmitteln umgehen. Aber gerade die jungen Generationen werden ja quasi darauf trainiert, dass ein Apfel eben glänzend und frisch aussehen muss. Wenn der Apfel mal ein paar braune Stellen hat, entspricht das nicht dem “bekannten Apfel” und er wird liegengelassen oder weggeschmissen.

    1. Mariele

      ““Ein Drittel unserer Felder bewirten wir, um die Produkte hinterher liegenzulassen.””

      So stehen sie den Tieren zur Verfügung und dem Bodenleben,
      das diese Früchte zersetzt und wertvollen Humus produziert,
      Samen treiben im Frühling wieder aus –
      Kreislauf der Fruchtbarkeit – Zirkel des LEBENS.

      1. Felix

        Das ist im übertragenen Sinne gemeint. Nur ein Teil davon bleibt wirklich auf auf den Feldern liegen, deine Idee, dass es den Tieren zur Verfügung stehe, ist zwar schön, trifft jedoch leider nicht zu.

  3. Tanja

    Hallo Felix,
    wiedermal ein sehr guter Beitrag von dir.

    Der Diskussion um wer, wieso, was tun will ich mich nicht anschließen, nur einen kleinen Gedanken loswerden.

    Ich habe vor ein paar Jahren in einer kleinen Bäckerei gearbeitet, die versucht hat, bis Ladenschluss möglichst viel Auswahl bereitzuhalten. Der Gedanke dahinter war, dass der Kunde immer die volle Auswahl will, und wenn er sie nicht hat, woanders einkauft (was leider ja oft der Fall ist).
    Ein Teil der übrigen Sauerteigbrote wurde zum Brotbacken wiederverwendet (ist erlaubt, dient der Frischhaltung), ein Teil der Brötchen wurde zu Semmelbröseln vermahlen und verkauft.
    Alles Gebäck, das am nächsten Tag nichtmehr verkauft werden konnte wurde in Kisten gesammelt und regelmäßig weggebracht, ob als Bio- oder Restmüll weiß ich nicht. Einmal hatte ich meinen damaligen Chef gefragt, warum er die Sachen nicht an die Tafel spendet. Die genaue Begründung weiß ich nicht mehr, aber es war irgendwas ausweichendes von wegen Papierkram, Bürokratie, Geld, Aufwand. Kurz, lohnt sich nicht.

    Andersrum ist es übrigens bei einem Biomarkt hier um die Ecke. Der bekommt jeden Freitag Vorzugsmilch geliefert, und gerade am Anfang war die am frühen Nachmittag schon meistens vergriffen. Inzwischen scheinen sie mehr zu bestellen, weil Samstags nochmal aufgefüllt wird, aber spätestens da sind am frühen Abend auch fast immer alle Flaschen weg. Ich ärgere mich zwar immer, wenn zu spät bin und ein Wochenende ohne Milch (und damit meinen morgentlichen Kakao) auskommen muss, aber ich finde es gut, dass der Markt nicht auf gut Glück mehr bestellt, um möglichst viel zu verkaufen und den Rest dann wegzuschütten.

    Grüße aus München
    Tanja

    1. Felix

      Neulich habe ich zu genau diesem Thema “Breite Auswahl” eine sehr interessante Studie gelesen. Die möglichst große Auswahl ist ein Wert der westlichen Gesellschaften und es dient der Verwirklichung der individuellen Freiheit, genannt “Komfort”. Im Gegensatz dazu steht die französische Tradition mit weniger Fokus auf die Quantität und mehr auf Qualität. Dies wiederum fördert kommunale Werte und dient der Gemeinschaft. Denn die geringere Auswahl führt dazu, dass mehr Menschen das gleiche essen und somit mehr Gemeinsamkeit haben. Die Inhalte der Studie waren recht umfangreich und ich kann es in der Kürze noch nicht so gut wiedergeben. Auf jeden Fall ein spannendes Thema.

    2. mathilda3f

      Liebe Tanja,

      bitte gruessen Sie Ihren Biomarkt von mir. Die Idee, weniger Vielfalt fuer mehr Qualitaet, finde ich klasse. Und eine so einfache Loesung! Ich brauche den meisten Schnickschnack auch nicht, schon gar nicht Erdbeeren im November, die es hier bei uns gibt. Teuer, sauer und halten nicht lange, in meinen Augen herausgeschmissenes Geld.

  4. Eva

    Lieber Felix, tut mir leid, ich wollte nicht unzufrieden wirken. Ganz im Gegenteil. Deine Artikel bieten solch eine Fülle von Tipps, Ideen und Anregungen, die mein Leben so viel einfacher gemacht haben.Nur Frieden mit Studien und Statistiken habe ich eben bisher noch nicht geschlossen.Aber vielleicht kommt da ja auch noch ein Perpektivwechsel und mehr Gelassenheit.Danke vielmals.
    LG Eva

    1. alex vogliano

      hallo an alle kommentarbeteiligten,
      habe das ganze ein bißchen verfolgt; irgendwie regt man sich immer über das gleiche auf, wer und was das auch immer ist. ich bin der Meinung, Schuldzuweisungen und verbesserungsvoschläge, die eh nicht in absehbarer zeit verwirklicht werden, nützen der welt wenig bzw. gar nichts. die welt kann sich nur verbessern, in dem Personen wie z. eva oder Felix oder ich NICHT sinnlos auf irgendwelche barikaden gehen. die sollten einfach ihr leben und handeln ihrem gewissen entsprechend gestalten- wenn sie noch andere “mitreißen” können, umso besser. man kann sich über alles aufregen: in meiner Jugend hielt ein tshirt mehrere jahre, heute kann man ja froh sein, wenn es eine saison übersteht. diesem verhalten der Textilindustrie widersetze ich mich, in dem ich alles, außer Jeans und Shirts, SELBER zuschneide und nähe. sowas kann man ja prinzipiell auf fast jede sparte übertragen, auch auf das essen.
      der Regisseur rainer Werner fassbinder hat einmal gesagt: “der mensch ist ein häßliches Tier”.
      er hatte nicht nur recht- er hat untertrieben.

      auf dass die welt übermorgen noch steht, und die menschen unserer Liga nicht aussterben- dann ist schon eine menge gewonnen. grußanalle.
      Alexandra, die langes reden mit Ausschweifungen eigentlich haßt wie die pest, aber irgendwie mußte es mal raus.

  5. Eva

    Hallo Felix,
    42% weggeworfene Lebensmittel von Privathaushalten? Meint man damit auch Abfälle aus Restaurants, Kantinen, Schulen , Kindergärten etc.?
    Nur 5% der Handel?
    Mit Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatum wäre auch schon viel gewonnen. Früher musste man schnuppern und schmecken, um festzustellen, ob etwas noch genießbar war. Heute schauen viele aufs Etikett und lassen sich verunsichern.
    Am meisten ärgern mich Supermärkte, in denen es den Verkäuferinnen verboten ist abgelaufene Ware zu günstigeren Preisen herzugeben, geschweige denn zu verschenken.
    Frische Lebensmittel sollten gar nicht in Supermärkten verkauft werden. Zu Zeiten als Aldi und Co. nur Trockenfutter angeboten haben, war es einfacher Maß zu halten.
    Ach übrigens sind die Schwaben super im Reste verwerten! Um mich rum, kenne ich keinen einzigen Haushalt, der soviel Lebensmittel wegschmeißen soll. Außerdem gibt es vielerorts Kompost, Biotonne und Schweineimer.Der Kaffeesatz ist ein super Dünger im Garten.Hühner freuen sich auch über Abfälle aus der Küche.
    Das Überschuss produziert wird sehe ich nicht als Schuld der Verbraucher , sondern der Habgier der Konzerne und einer bescheuerten Subventionspolitik an.
    P.S. Das Resteessen meiner Kindheit war übrigens der Kirschenmichl.
    LG Eva

    1. Christine

      “Mit Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatum wäre auch schon viel gewonnen. ”

      Auch wenn’s eigentlich ein ernstes Thema ist, muss ich dabei doch immer an Marvin Boggs im Film R.E.D. 2 denken:
      Sarah: “Ob Du das noch essen solltest?” (nach über 30 Jahren)
      Marvin: “Das stammt aus der Zeit, als es noch kein Verfallsdatum gab.”

      1. Eva

        Dann verstehe ich die 42% noch weniger.Wer hat denn das ermittelt? Ist solch ein Ergebnis einer Studie nicht politisch von der EU gewollt, um den schwarzen Peter den Endverbrauchern zu zuschieben.
        Dem Lebensmittelhandel müsste viel mehr Druck gemacht werden.Neben abgepackter Ware müsste auch die Möglichkeit bestehen, lose Ware zu kaufen, wo ich die Menge selber bestimmen kann.
        Inzwischen kaufe ich nur noch da ein, wo das möglich ist. Die Kosten für die Lebensmittel sind gleich, oft sogar geben wir weniger aus, als zu Zeiten von Aldi.
        Der Handel müsste dazu gezwungen werden Probierpakungen und Muster anzubieten.Werbung für Essen gehört verboten, wenn ich es nicht zeitgleich testen kann.

        1. Felix

          Hallo Eva,

          Wer hat denn das ermittelt? Ist solch ein Ergebnis einer Studie nicht politisch von der EU gewollt, um den schwarzen Peter den Endverbrauchern zu zuschieben.

          Die Quellen stehen im Artikel. Wenn sich in deinem Umfeld ein anderes Bild ergibt ist das erfreulich, aber solange du keinen Landesweiten, geschweige denn internationalen Überblick über alle Gesellschaftsschichten hast, sind deine Beobachtungen nicht repräsentativ. Ich habe zum Beispiel schon Haushalte gesehen, in denen jede Woche über die Hälfte des Kühlschrankinhalts im Müll landet, ganz abgesehen von Resten, die per se im Abfall waren. Vor dem Hintergrund überraschen die Zahlen mich nicht.

          Ich halte es auch für den falschen Weg, schon wieder den Verbraucher aus der Verantwortung zu nehmen und sagen “Die Anderen sind schuld. Die Politiker müssen den Handel zwingen…”

          Wir sitzen alle in einem Boot und jeder kann einen Eimer nehmen, um Wasser zu schöpfen. Wenn ich jemanden sehe, der untätig ist, ist das für mich kein Argument, es selbst auch bleibenzulassen.

          1. Eva

            “We all sit in one boat”,Herr Öttinger läßt schön grüßen. Mir geht es nur, um diese Eurostat-Statistik.Wurde denn der Müll von 82 Millionen Deutschen durchwühlt? Wer immer diese Studie veranlasst und erzeugt hat, der kann in meinen Augen nicht objektiv bleiben.
            Klar, kann jeder einzelne immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, achtsam mit Essen umzugehen, aber wäre es für eine Gesellschaft nicht viel einfacher, es gäbe dieses Überangebot gar nicht.Wenn die Groß Packung im Supermarkt weniger kostet, als die Klein Packung, dann kann man doch niemand einen Vorwurf machen, dass er die günstigere nimmt. Solche Geschäftspraktiken, auch sowas wie ” Nimm 3, Zahl 2″ gehören verboten. Letzten ging ich in einen Super Markt, da ist ein Verbotsschild, dass man nicht den Grünabfall aus dem Mülleimer der Gemüseabteilung nehmen darf.
            Die Politik könnte weit mehr machen. Es geht aber immer nur um Profit und Wirtschaftswachstum.Also schauen sie zu, wie Millionen Tonnen Gemüse und Fleisch vernichtet wird, bevor überhaupt ein potenzieller Endverbraucher sie gesehen hat.Dem treudoofen Bürger erzählt man was von BSE, EHEC, radioaktiv belastet, Dioxin, Vogelgrippe. Mit der Angst der Menschen kann man viele Ziele erreichen. Und mit der Schuldfrage auch.Ich hab keine Lust mehr mich schuldig zu fühlen, weil ich einen angebissenen Apfel in den Kompost schmeiße. Wenn deine Bekannten jede Woche den halben Kühlschrankinhalt wegschmeißen, dann würde ich einen Psychiater empfehlen. Das dürfte dann der statistische Ausreißer sein, der zu solch verzerrten Statistiken führt.Den bekommst du aber nicht mit ein bisschen Gelaber von Achtsamkeit auf deine Seite.Der braucht echte Hilfe.
            Viel Essen landet auch im Müll, weil jeden Tag, sich wieder jemand dazu berufen fühlt, Ernährungsempfehlungen auszusprechen.Will nicht wissen, wieviele Packungen WURST, diese Woche im Müll landen.

        2. Christine

          Ich denke, beide Parteien, Handel und Verbraucher, müssen umdenken und auch aus der Bequemlichkeitszone rauskommen.

          Vor wenigen Wochen habe ich mit Freude festgestellt, dass real,- jetzt endlich keine verpackten Bananen mehr anbietet. Ich fand das völlig schwachsinnig, dass ausgerechnet die Bio-Bananen bei allen Supermärkten in Plastik verpackt sind und kaufte deshalb schweren Herzens keine solchen mehr. Jetzt hat real,- einfach nur noch Bio-Bananen, lose, und schon ist das Problem der Unterscheidbarkeit gelöst.

          Damit helfen sie aber auch, dass der Verbraucher, darunter wie ich viele Ein-Personen-Haushalte, nicht mehr 6 Bananen kaufen muss, sondern auch mal nur 2 mitnimmt. So vergammelt zu Hause keine Banane, wenn man – klar, Luxusproblem – nicht täglich Bananen essen mag, sondern man kann bedarfsgenau einkaufen.

          1. Nick

            Dabei frage ich mich, warum kauft man denn im Supermarkt ein? Wenn der Handel doch so schlimme ist, wieso wird er dann unterstützt?
            Manchmal denke ich, viele wollen garnicht wirklich was verändern, lieber meckern und die Schuld bei anderen suchen. Das ist jetzt nicht persönlich gemeint.
            Der Verbraucher ist ebenso Schuld, es wird ja immer nach billigen Lebensmitteln gefragt, also wird es auch produziert, verkauft und beworben.
            Das mit dem Lebensmittel wegschmeißen sehe ich auch hier im “geizigen” Schwabenland. Laufe ich durch die Stadt liegen in den Mülleimern halbe Brote, Hamburger, Süßigkeiten etc.
            Und ich sehe wie die Menschen Samstagmorgens massenweise “Dreck” beim billigen Discounter kaufen, das alles ist der Verbraucher.
            Ebenso “Schuld” sind Politiker die in ihrer realtitsfernen Denke, Gesetze erlassen die den kleinen Landwirt die Existenz nimmt. Doch auch hier könnte man, sofern man selbst kann, den Aufpreis zahlen, damit der kleine Bauer leben kann.
            Wie Felix sagte, wir sitzen alle im selben Boot, die Schuld irgendwo zu suchen und sich selbst damit versuchen frei zu sprechen ist in meinen Augen der falsche Weg.
            Wir müssen uns bewusst werden, dass wir alle etwas tun können. Angefangen bei sich selbst und das ist wichtig.
            Es ist unsere Welt und wir können etwas ändern.

  6. alex

    hallo Felix,
    freue mich über deine antwort. man muß sich das leben eben so bauen, dass es OHNE FREMDE HILFE geht, auch mit wenig Geld. man kann aus jeder “SCHEI?E ” noch irgendwas machen- im zweifel: verheizen … .
    MEIN HERZ BRENNT, wie gesagt und gesungen.

  7. alex vogliano

    ich muß sagen, dass ich IN DM SINNE eigentlich ausschließlich von abfall lebe- ich verbrauche/esse eigentlich immer das, was gerade weg muß. das was ich esse, würde meine mutter z.b. im rahmen des gemüseputzens wegwerfen. schäbige Zucchini, gammliger Chinakohl, alte Kartoffeln- das sind für mich wahre DELIKATESSEN, weil zum einen viel kürzere Garzeit, außerdem vertrage ichs viel besser als frisches. ich kaufe beim Großhändler ein, nur lagerfähiges mit vertretbarem aufwand, tiefkühlen tue ich prinzipiell nur eis, allles andere muß mit kühlsschrank/ Speisekammer/ Balkon gehen, oder eben gleich gegessen werden- sonst kaufe ich es nicht. ich habe immer einen vorrat an kartoffeln, Chinakohl, Tomaten, äpfeln und zwiebeln zu hause, damit kann man sehr viel machen. und wenn man saisonal-regional einkauft, fährt man günstig, wenn man nicht auf bestimmtes fest eingefahren ist.

    ich lebe so sehr gut, habe eine geringe eu-rente , deshalb geht’s gar nicht anders. dafür kann ich mir dann meine geliebte RAMMSTEINMUSIK leiten … .

    gru´ß speziell an den Felix, würde mich über kurze antwort freuen.

    1. Felix

      Hallo Alex,
      danke für dein Feedback. Ist doch klasse, dass du mit deiner Art zu kochen und zu essen glücklich bist. Und Wenn du als netten Bonus noch deine Lieblingsmusik hören kannst, ist das doch ein Gewinn.

    2. mathilda3f

      Hallo an Alle,

      seit einiger Zeit beziehe ich die Internet-Zeitung “Der Knauserer” (: http://www.derknauserer.at). Wie ich dahingekommen bin, weiss ich nicht mehr.
      Es gibt in dieser Zeitung viele Anregungen zum Sparen in allen Lebensbereichen. Und wenn ich die Message richtig verstanden habe, muessen wir uns wieder alle mehr aufeinander einlassen, Gemeinschaften bilden. Und das wird uns ja sehr erfolgreich von der Werbung aberzogen.
      Ich selbst lebe schon seit einigen Jahren im Ausland und in den meisten Supermaerkten gibt es “Food-Container”, in denen man alle Lebensmittel reintun kann, die dann an Wenigverdiener, Alte, Obdachlose etc. verteilt werden. Auch Umverpackungen kann man gleich dort lassen, ohne dass das Personal veraechtlich das Gesicht verzieht.
      Und gerade in der jetzigen Novemberausgabe bin ich ueber einen Kommentar gestolpert, der mir in Zukunft helfen wird, nicht mehr sinnlos einkaufen zu gehen, naemlich, dass durch die Verwertung aller Lebensmittel auch die Preise sinken werden.

      Naja, weiterhin froehliches Wurschteln!!!
      Mathilda3f

Kommentare geschlossen.

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