Ist Stevia gesund?

SteviaWas ist Stevia?

Stevia rebaudiana ist eine im subtropischen und tropischen Süd- und Zentralamerika beheimatete Pflanze. Der Extrakt aus Steviablättern ist 250-450 mal süßer als Haushaltszucker, die meisten Quellen geben einen Faktor von 300 an. Stevia ist völlig natürlich und hat keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, einige Studien legen sogar vorteilhafte Wirkungen auf die Gesundheit nahe.

Anwendung

Als Süßungsmittel bzw Süßstoff kann Stevia universell verwendet werden. Eine Überdosierung kann allerdings zu einem bitteren Geschmack führen. In der Regel genügen wenige Tropfen um die Süße eines Teelöffels Zucker zu erreichen. Stevia ist sehr Hitzestabil und kann somit auch zum Backen verwendet werden. Ich habe es bereits in vielen Rezepten verwendet, darunter Mousse au Chocolat, Tiramisu, Vanilleeis und viele andere. Das bedeutet, dass durch Stevia unzählige süße Zone/Paleo Desserts ermöglicht werden. Fantastisch, oder? Eine der wenigen Einschränkungen, die mir aufgefallen sind, ist, dass Stevia natürlich nicht das Volumen von Haushaltszucker hat. Aber damit lässt sich arbeiten.

Wo bekomme ich Stevia?

Stevia ist für den Gebrauch in Nahrungsmitteln in der EU noch nicht zugelassen. Allerdings wird es schon seit langer Zeit im Handel als Badezusatz, Mundpflegemittel oder schlicht als Anschauungsmaterial angeboten. Nicht nur in Internetshops, sondern auch in Reformhäusern können Sie Stevia kaufen. Die Schweiz ist uns hier wie so oft voraus, hier gibt es Stevia frei erhältlich und es wird bereits in kommerziellen Produkten eingesetzt.

Leider haben viele der im Handel erhältlichen Stevia-Produkte einen leicht bitteren oder lakritzartigen Beigeschmack. In meinen Bezugsquellen finden Sie einen Anbieter für Stevia ganz ohne Nebengeschmack. Durch Verwendung nur hochwertiger, korrekt gezüchteter Pflanzen, lassen sich die Bitterstoffe vermeiden. Einige Hersteller erreichen dies auch über die Beimischung von ca 30% Fruktose. Bedenkt man, dass bei Stevia die verwendeten Mengen meist in Bereichen von weit unter 1g liegen (z.B. 0,1g für eine Tasse Tee), wird klar, dass diese menge Fruktose kaum messbare Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben kann.

Fakten

Stevia wird in Paraguay seit Jahrhunderten und in Japan seit über 30 Jahren verwendet. In den USA hat die dort zuständige Behörde FDA Stevia ebenfalls freigegeben. Die Zulassung in der EU könnte innerhalb der nächsten 12 Monate erreicht werden.

Einer beachtlichen Reihe von Studien zufolge ist Stevia als sicher einzustufen und es konnten keine nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit festgestellt werden. Im Gegenteil verbessert Stevia sogar die Glukosetoleranz1 und die Insulinsensitivität2. Es unterstützt antioxidative Wirkung3 und hilft gegen Bluthochdruck4. Diverse Studien bestätigen, dass Stevia nicht genotoxisch5,6,7 ist, weiterhin scheinen keine allergischen Reaktionen darauf zu existieren8. Die Studie der Purdue University’s Dental Science Research Group, die angeblich eine Zahnbelagvermindernde Wirkung Stevias nachweist, konnte ich leider nicht finden. Und selbst wenn Stevia keine pharmakologische Wirkung9 aufweisen sollte, darf man davon ausgehen, dass Stevia sicher ist. Wenn Ihnen dies nicht reicht, können Sie sich noch durchlesen, was die World Health Organization zu diesem Thema zusammengetragen bzw beschlossen hat (.pdf, 18.4MB)10.

Update: Es scheint, als würde es den Ausstoß von Insulin stimulieren11,12,13. Das kann für Diabetiker eine gute Nachricht sein, für alle anderen gibt es keinen Grund zur Panik, die Auswirkungen sind im Vergleich zu anderen Stoffen minimal.

Update 2: Einer neuen Studie Zufolge (März 2010) erhöht Stevia den Insulinspiegel im Vergleich zu Aspartam und Zucker wesentlich weniger.

[1] Curi R, Alvarez M, Bazotte RB, Botion LM, Godoy JL, Bracht A, “Effect of Stevia rebaudiana on glucose tolerance in normal adult humans”, Braz J Med Biol Res, 1986;19(6):771-4

[2] Lailerd N, Saengsirisuwan V, Sloniger JA, Toskulkao C, Henriksen EJ, “Effects of stevioside on glucose transport activity in insulin-sensitive and insulin-resistant rat skeletal muscle”, Metabolism. 2004 Jan;53(1):101-7

[3] Shukla S, Mehta A, Bajpai VK, Shukla S, “In vitro antioxidant activity and total phenolic content of ethanolic leaf extract of Stevia rebaudiana Bert“, Food Chem Toxicol. 2009 Sep;47(9):2338-43. Epub 2009 Jun 21

[4] Chatsudthipong V, Muanprasat C, “Stevioside and related compounds: therapeutic benefits beyond sweetness”, Pharmacol Ther. 2009 Jan;121(1):41-54. Epub 2008 Oct 27

[5] Brusick DJ, “A critical review of the genetic toxicity of steviol and steviol glycosides”, Food Chem Toxicol. 2008 Jul;46 Suppl 7:S83-91. Epub 2008 May 16

[6] Curry LL, Roberts A, “Subchronic toxicity of rebaudioside A”, Food Chem Toxicol. 2008 Jul;46 Suppl 7:S11-20. Epub 2008 May 16

[7] Williams LD, Burdock GA, “Genotoxicity studies on a high-purity rebaudioside A preparation”, Food Chem Toxicol. 2009 Aug;47(8):1831-6. Epub 2009 May 8

[8] Geuns JM, “Stevioside”, Phytochemistry. 2003 Nov;64(5):913-21

[9] Barriocanal LA, Palacios M, Benitez G, Benitez S, Jimenez JT, Jimenez N, Rojas V, “Apparent lack of pharmacological effect of steviol glycosides used as sweeteners in humans. A pilot study of repeated exposures in some normotensive and hypotensive individuals and in Type 1 and Type 2 diabetics”, Regul Toxicol Pharmacol. 2008 Jun;51(1):37-41. Epub 2008 Mar 5

[10] http://whqlibdoc.who.int/publications/2006/9241660546_eng.pdf

[11] Jeppesen PB, Gregersen S, Poulsen CR, Hermansen K., “Stevioside acts directly on pancreatic beta cells to secrete insulin: actions independent of cyclic adenosine monophosphate and adenosine triphosphate-sensitive K+-channel activity”, Metabolism. 2000 Feb;49(2):208-14

[12] Jeppesen PB, Gregersen S, Alstrup KK, Hermansen K., “Stevioside induces antihyperglycaemic, insulinotropic and glucagonostatic effects in vivo: studies in the diabetic Goto-Kakizaki (GK) rats”, Phytomedicine. 2002 Jan;9(1):9-14.

[13] Abudula R, Jeppesen PB, Rolfsen SE, Xiao J, Hermansen K., “Rebaudioside A potently stimulates insulin secretion from isolated mouse islets: studies on the dose-, glucose-, and calcium-dependency“, Metabolism. 2004 Oct;53(10):1378-81.

Wenn Ihnen Urgeschmack gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

19 Kommentare zu “Ist Stevia gesund?

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  1. giuseppe

    Hi felix,
    Wie siehst du denn die verarbeitung der pflanze?die läuft doch chemisch ab,sonst würde am schluss kein weißes pulver rauskommen.mit der ursprünglichen pflanze hat das endprodukt nur wenig gemein.da auch die pflanze mittlerweile in china in großen stil angebaut wird.
    Quelle:hans ulrich grimm,garantiert gesundheitsgefährdende.wie uns die zucker mafia krank macht.

    Bleibe glaub eher beim regionalen honig vom imker meines vertrauens.

    1. Felix

      Hallo Giuseppe,
      ALLES ist chemisch. Wir alle bestehen nur aus Chemikalien. Die Verarbeitung der Pflaze wird unterschiedlich vorgenommen, daher kann ich da keine pauschale Aussage zu treffen.

      “da auch die pflanze mittlerweile in china in großen stil angebaut wird.”

      Was soll das heißen? War da ein Kommafehler und der Satz sollte so lauten:

      “Mit der ursprünglichen pflanze hat das endprodukt nur wenig gemein, da auch die pflanze mittlerweile in china in großen stil angebaut wird.”

      Das hat nichts mit Landesgrenzen und alles mit Verarbeitungsprozessen zu tun.

      1. giuseppe

        Damit meine ich,dass in china steviapflanzen wachsen die gentechnisch verändrt werden um den bitteren geschmack zu mildern.der rohsaft der pflanze wird wird mit. Metallsalzen weiterbejandelt.dazu kommen ionenaustauschharze,absorberharze und bei.der kristallisierung methanol und ethanol.
        Hast du eine saubere quelle für dein stevial pulver?

        Gruss
        Giuseppe

        1. Felix

          Meinst du gentechnisch oder einfach nur genetisch? Jede Zucht in eine spezifische Richtung ist ja auch eine genetische Veränderung. Mit solchen Schlagworten wird gerne und viel herumgeworfen, gerade wenn es um “die Chinesen” geht.
          Eine “saubere Quelle” für Stevia würde ich am ehestn in Bolivien suchen, dem Heimatland der Pflanze. Einen entsprechenden Shop hatte ich hier auch mal verlinkt, der ist mittlerweile auch direkt in Deutschland verteten. Ich benutze das Zeug allerdings nicht mehr, daher ist mein Interesse da nicht sonderlich groß.

          1. Giuseppe

            Ich meinte gentechnisch verändert,da die ursprunspflanze zur chemischen Weiterverarbeitung nicht sonderlich geeignet ist.China ist Hauptanbaugebiet, da kommen dann auch andere Arbeitsbedingungen hinzu.
            Ist wohl eine etwas komplizierte Diskussion von stevia als urpflanze zu sprechen,da die nahrungsindustrie stevia zur Gewinnmaximierung entdeckt hat.und sobald man mit etwas Geld verdienen kann….

  2. Holger

    Hallo Felix,
    leider verlangt der Versand den Du als Quelle nennst eine Mindestbestellmenge von 25,00€. Das entspricht gleich mindestens 4 Flaschen Stevia. Ich habe einen Versand gefunden ohne Mindestbestellmenge für das gleiche Produkt mit zudem wesentlich geringeren Versandkosten.
    http://www.shop-paraguay.de

    1. Felix

      Hi Holger,
      fairerweise sollte man erwähnen, dass in dem von dir genannten Shop das Produkt teurer ist. Bei der langen Reise, die das Zeug zurücklegt, war ich davon ausgegangen, dass die Interessenten ohnehin etwas mehr bestellen. Darüberhinaus kann ich nur sagen: Ich kenne den von dir genannten Shop nicht und weiß nicht, wie zuverlässig die liefern.

  3. Anita

    Hallo Felix,

    ist Stevia zu 100% Paleo tauglich? Ich bin gerade im Zwiespalt, ob ich damit unbedenklich backen kann und Paleo trotzalledem treu bleibe.

    LG

    1. Felix

      Hallo Anita-
      das kommt völlig auf deine Definition von “Paleo” an. Die Pflanze gab es aller Wahrscheinlichkeit schon in der Steinzeit und die Verarbeitung ist nicht besonders intensiv. Insofern halte ich es für ein sehr naturnahes Süßungsmittel.

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  5. Hans S i g m u n d

    Hallo Felix,

    Du schreibst: Stevia wird in Paraguay seit Jahrhunderten und in Japan seit über 30 Jahren verwendet.

    Das ist im Vergleich zur Entwicklungszeit des Menschen mit 2 000 000 Jahren ja auch noch so kurz, dass man langzeitliche Folgen wie bei Getreide und Zucker doch (wohl auch noch) nicht abschätzen oder erkennen kann.

    1. Felix

      Hallo Hans – das ist grundsätzlich richtig. Allerdings geht es ja nicht allein um langzeitliche Folgen per se. Hier muss man sich vor Augen halten, wie gering bei Stevia die verzehrten Mengen sind und wie wenig potential die Pflanze zur Schädigung hat. Auch ist es eine Frage der Relation: Auch mit Gemüse oder Fleisch kann man ich vergiften: Es kommt auf die Dosis an. Getreide und Zucker werden nunmal in extremen Mengen verzehrt und bereiten dadurch Probleme.

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    1. Ariane

      Hallo Felix,

      es ist soweit. Ab dem 03.12. darf Stevia in den Lebensmittelregalen legal als Süßungsalternative gekauft werden. Das freut dich sicher ebenso.

      Lieben Gruß
      Ariane

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