Wie man ‘Bio’ kaputt macht

Sicherlich haben Sie schon vom aktuellen Dioxin-in-Eiern Skandal gehört. Dieser ist Wasser auf die Mühlen derer,  die Chemikalien wie Konservierungsstoffen in Nahrungsmitteln völlig unkritisch gegenüberstehen. Doch auch die, die das Label ‘Bio’ als solches für Unfug halten, fühlen sich bestätigt. Warum ist das völlig verständlich?

Gar nicht mal, weil Dioxin in ‘Bio’-Eiern gefunden wurde, sondern weil das dafür verwendete Futter offenkundig aus der über 1200km (Berlin-Kiew) entfernten Ukraine kommt. Wie “biologisch” sind Eier, für deren Erzeugung tausende Liter Kraftstoff verbrannt und entsprechende Abgase erzeugt werden? Zumal das Futter nicht von der Ukraine nach Deutschland geliefert, sondern einem Bericht der taz zufolge zunächst per Schiff den Umweg in die Niederlande ging und von dort aus den Weg nach Deutschland antrat.

Wie kann ein Futtermittel mit einem so gesund klingendem Namen wie “Bio-Mais” so gefährlich sein? Unter uns: Inwieweit kann Mais ein für Hühner artgerechtes Futter sein (wie sollte ein Huhn in freier Wildbahn an Mais gelangen?)? Jedenfalls weiß der taz-Artikel auch darüber zu informieren. So heißt es dort:

Westerhof zufolge wurde das Futtermittel wohl beim Trocknen verschmutzt. Das passiere oft, wenn dafür Luft benutzt wird, die beim Erhitzen mit Feuer in Kontakt kommt, erläuterte Agrarexperte Helmut Schafft vom Bundesinstitut für Risikobewertung. “Je nach Temperatur und Brennmaterial entstehen bei der Verbrennung Dioxine.”

Erfahrungsgemäß gehe ich davon aus, dass Art und Funktion der Trockungsanlagen bei der Einstufung als ‘Bio’ keine große Rolle spielen. Auch das verwendete Brennmaterial wird, so vermute ich, in den Richtlinien nicht weiter spezifiziert. Dies zeigt ein weiteres Mal, wie wenig das bekannte Siegel “Bio nach EG-Öko Verordnung” eigentlich wert ist.

Und die sogenannten Bioverbände wie Bioland oder Naturland, um nur zwei zu nennen, konkurrieren miteinander. Sie dürfen selbst beurteilen, inwieweit da die finanziellen Interessen überhaupt noch im Hintergrund stehen können. Denn was umweltschonend und natürlich ist, darum ist doch wohl kaum Konkurrenz, sondern eher zusammenarbeit angebracht, oder? Ich begrüße durchaus, dass dort versucht wird, etwas für die Gesundheit nicht nur der Umwelt sondern auch der Menschen zu tun. Doch wenn dies grundsätzlich kompromissbehaftet geschieht und monetäre Interessen eine signifikante Rolle spielen, dann ist das einfach Mist. Und offensichtlich kontraproduktiv.

Denn was ist die Folge: Eier aus Käfighaltung werden propagiert. Sie sind nicht nur billiger, sondern der aktuellen Darstellung nach offenbar auch gesünder. Großartig. Vielen Dank, liebe Bio-Verbände.

Was meinen Sie? Ist es nicht sinnvoller, sich statt auf Verbände, auf das eigene Urteilsvermögen zu verlassen? Die Richtlinien und Spezifikationen der Verbände liegen alle offen und können von Ihnen als Verbraucher gelesen und beurteilt werden. Wenn Sie die Möglichkeit haben, fahren Sie zum Landwirt um die Ecke und fragen Sie ihn nach Eiern aus natürlicher, Tierfreundlicher Erzeugung. Fragen Sie nicht nach ‘Bio’, sondern nach etwas, das weit darüber hinaus geht. Erkundigen Sie sich nach jedem Detail der Erzeugungskette. Warum sollten Hühner mit Mais aus der Ukraine gefüttert werden, statt ihr Futter in Form von Käfern auf der eigenen Weide zu finden?

Und wenn Sie diese Möglichkeit nicht haben, so tun Sie sich und den Hühnern den Gefallen und greifen Sie keinesfalls zu Eiern aus Käfighaltung. Auch Bodenhaltung reicht nicht. Nein, greifen Sie weiter zu Bio-Eiern (Klasse “0″), denn diese sind zumindest der richtige Anfang. Wenn Sie diese im Moment nicht bekommen können, verzichten Sie lieber ganz auf Eier. Oder meinen Sie, es ist besser, Hühner in Käfigen zu quälen, als ihnen verunreinigtes Futter zuzuführen?

Wenn Ihnen meine Arbeit gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

9 Kommentare zu “Wie man ‘Bio’ kaputt macht

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  1. Pingback: Bio-Eier oder Freilandeier? — Urgeschmack

  2. Bertram

    Eine Transportsteuer könnte in der Tat Sinn ergeben, doch auch schon ohne diese findet eine Entwicklung in Richtung “buy local” statt. In den USA verstärkt selbst WalMart seine Bemühungen, lokal angebaute Produkte zu vertreiben (http://www.cleantech.com/news/3058/wal-mart-goes-local). Der Grund? Es ist wirtschaftlicher.

    Trotzdem darf man nicht “lokal” automatisch mit “besser für die Gesundheit gleichsetzen”. Auf die Art der Haltung kommt es an. Doch wie Kikilula schreibt, “wenn in Sichtweite eine Kuh auf der Weide steht” braucht man wirklich keine Butter aus Irland. Leider ist in Deutschland die Weidehaltung nicht sehr verbreitet, weder bei Rindern noch bei Hühnern.

    Bei Hühnern ist eine Weidehaltung im Übrigen nicht nur für die Gesundheit und das Glück der Tiere wichtig, sondern auch für die Qualität der Eier. Siehe dazu mit weiteren Nachweisen: http://www.originalhealth.net/ernaehrung/glueckliche-huehner-gesunde-eier/

    1. Felix

      Exakt, eben darum geht es mir: Die Eier schmecken nicht nur wesentlich besser, sondern sie sind gesünder. Für am relevantesten halte ich dabei den signifikant höheren Anteil an Omega 3 Fettsäuren. Dies trifft im Übrigen auf alle “glücklichen” Tiere und deren Produkte zu: Das Fleisch reiner Weiderinder enthält ebenfalls mehr (oder überhaupt erst) Omega 3 Fettsäuren, wilder Fisch enthält mehr Omega 3…usw.

  3. Foodhunter

    Ich würde am liebsten meine eigenen Hühner halten, habe aber leider nicht die räumlichen Möglichkeiten. Ich kaufe meine Eier beim Bio-Bauern in der Nähe. Man muß sich nur mal in der Umgebung umschauen und wenn der Hof etwas weiter weg liegt einen Großeinkauf starten. Eier sind ja recht lange haltbar. Mir sind meine Bio-Eier alle Mühen wert, da sie gesünder sind, von glücklichen Hühnern stammen und zudem noch hervorragend schmecken. Bio-Hühnchen schmecken auch hervorragend und haben eine viel bessere Struktur als konventionelle Hühner.

    1. Felix

      Selbst Hühner zu halten wäre wahrscheinlich wirklich das Sinnvollste. Was die Mühen angeht, kann ich nur zustimmen: Wirklich gut gehaltene Hühner legen viel schmackhaftere, aromatischere und von der Konsistenz her appetitlichere Eier.

  4. Felix

    Zum Lokal-Kauf würde das vermutlich durchaus mehr motivieren. Schöner wäre es natürlich, wenn die Verbaucher selbst diese Transparenz herbeiführen würden, indem sie freiwillig nur lokal nach ihrer Nahrung “jagen”.

  5. Kikilula

    Die Hühner “meines” Bio-Bauern sind zwar keine reinen “Mischtkrätzerle”, aber sie bekommen immerhin das Futter, das der Bauer selbst erzeugt hat.

    Nützlich für die Unterbindung eines Nahrungs- und Futtermitteltourismus’ fände ich eine Transportsteuer, die Waren, je nach Entfernung vom Erzeuger besteuert. Butter z.B. muss nicht aus Irland kommen, wenn in Sichtweite eine Kuh auf der Weide steht…

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