Wie fängt man mit dem Kochen an?

Hier bei Urgeschmack heißt es: Selber kochen! Die Gründe dafür finden sich in regelmäßig in meinen Beiträgen wieder: Wer selbst kocht, hat volle Kontrolle über seine Ernährung und kann sich gesundes, schmackhaftes und nachhaltig erzeugtes Essen zubereiten. Wenn Sie Gefallen an dieser Vorstellung finden, jedoch noch nie selbst gekocht haben, stehen Sie vielleicht vor der Frage, wie Sie damit nun anfangen sollen. Beim Einstieg hilft dieser Beitrag. Es ist wirklich ganz, ganz einfach.

Man braucht keine große Küche, um toll kochen zu können. Als ich selbst meine ersten Schritte unternahm, hatte ich nichts anderes als eine alte Doppelkochplatte, eine Pfanne und zwei alte Töpfe zur Verfügung. Benutzt habe ich meist nur die Pfanne, denn darin lässt sich problemlos Fleisch und Gemüse zusammen zubereiten. Diese Ausrüstung war kompakt und das musste sie aufgrund meiner häufigen Umzüge auch sein. Später gesellte sich eine Mikrowelle mit Backofen- und Grillfunktion hinzu, Luxus geradezu. Gewiss könnte man auch mit weniger auskommen, zum Beispiel nur mit einer Einzelkochplatte nebst Pfanne. Für diesen Beitrag gehe ich jedoch von den Rezepten aus, die ich auch hier bei Urgeschmack vorstelle.

  • 1 Doppelkochplatte (oder mehr)
  • 1 Backofen
  • 1 Pfanne
  • 2 Töpfe
  • 1 Pfannenwender
  • 1 Messer
  • 1-2 Teller und Besteck

Das ist nicht viel und für den Großteil der Urgeschmack-Rezepte kommen Sie auch ohne den Backofen aus.

Einfach nur warm machen

Ich sage das gerne, weil es stimmt: Kochen ist einfach, weil man einfach nur Lebensmittel warm machen muss. Der große Markt der Fertiggewürze und Tütensoßen ist nur entstanden, weil die Industrie zuvor die völlig geschmacksbefreiten Nudeln hervorgebracht hat. Bei Urgeschmack entfallen diese. Das tolle an echten Lebensmitteln wie Kohl, Paprika, Zwiebeln, Karotten, Pilzen oder Zucchini ist, dass sie von sich aus so viel Geschmack mitbringen. Dem Koch wird daher für ein Minimum an Geschmack nicht viel abverlangt. Er KANN sich mit Gewürzen austoben. Doch für ein befriedigendes Mahl reicht es, einfach nur Gemüse klein zu schneiden, mittels einer Vaporette zu garen und optional hinterher mit etwas Fett, Salz und Pfeffer zu verfeinern.

Fangen Sie doch damit an: Legen Sie sich zur o.g. Ausstattung noch eine Vaporette zu und dampfgaren Sie damit Ihr erstes eigenes Gemüse. Schneiden Sie Kohlrabi, Möhre und Pastinake in kleine Würfel, legen Sie sie in die Vaporette und diese in einen Topf. Geben Sie 250ml Wasser dazu, stellen Sie den Topf auf den Herd, Deckel drauf und bringen Sie das Wasser zum Kochen. Richtig: Im Wesentlichen kochen Sie dabei einfach nur Wasser. Nach 10-15 Minuten schalten Sie den Herd einfach aus, gießen das Wasser ab, entfernen die Vaporette. Optional geben Sie nun ein bis drei Teelöffel Butter oder Olivenöl hinzu. Jetzt wird es spannend: Ist es Ihnen zu fad? Eine Lösung, die einfachste, heißt Salz. Nehmen Sie eine Prise Salz zwischen Daumen und Zeigefinger und streuen Sie sie über das Gemüse. Rühren Sie um. Probieren Sie wieder. Salzig genug? Ich vermute, zwei bis drei Prisen sollten reichen. Aber probieren Sie zwischendurch. DAS ist Kochen. Kochen ist ein ständiger Lernprozess. Wer nicht probiert, nicht abschmeckt, kann nicht wirklich kochen lernen. Je häufiger Sie ihr Gemüse auf diese Weise abschmecken, desto sicherer und genauer werden Sie im Kopf die Verbindung ziehen können zwischen dieser Menge Salz und jener Veränderung im Geschmack.

Verfahren Sie mit dem Pfeffer genauso. Und wenn Sie das Essen versalzen, haben Sie auch etwas gelernt. Das macht man nicht zweimal. Nagut, vielleicht dreimal. Zumindest selten.

Gratulation. Sie haben soeben Ihre erste eigene Mahlzeit gekocht.

Wagen wir uns nun an die Pfanne. Die hat in der Regel eine größere Oberfläche und eignet sich daher besser, um größere Mengen anzubraten. Denn es gibt einen Unterschied zwischen braten, kochen, schmoren und dünsten. Beim Braten ist das Ziel meist, die Außenseite von Lebensmitteln so stark zu erhitzen, dass sie bräunt und die sogenannten Röstaromen entstehen. Wenn man das Spiel allerdings zu weit (oder zu heiß) treibt, brennt das Essen an. Versuchen Sie doch mal dies: Nehmen Sie eine Packung Hackfleisch zur Hand. Stellen Sie Ihre Pfanne auf den Herd, mittlere Stufe (‘2′ bei einem dreistufigen, ‘6-7′ bei einem neunstufigen), geben Sie einen Esslöffel Butterschmalz in die Pfanne und wenn dieser geschmolzen ist, kippen Sie das Hackfleisch (max 500g) in die Pfanne. Stochern Sie mit dem Pfannenwender im Fleisch herum, bis es gleichmäßig in der Pfanne verteilt ist und rühren Sie regelmä#ßig um. Kratzen Sie dabei stets über den Boden der Pfanne, damit dort nichts anbrennt. Das Fleisch wird sich zunächst Richtung grau verfärben. Es wird vermutlich auch etwas Wasser austreten, dieses verdampft nach und nach und ab hier wird das Fleisch schneller braun. Ab hier müssen Sie häufiger umrühren und aufpassen, dass es nicht anbrennt. Wenn ungefähr die Hälfte des Fleischs braune Farbe angenommen hat, können Sie es vom Herd nehmen (und diesen ausschalten). Es macht einen Unterschied, ob sie das Fleisch während des Bratens oder danach würzen. Fangen wir langsam an, eines nach dem anderen: Verfahren Sie wie oben und verwenden Sie Salz und Pfeffer.

Glückwunsch. Sie haben Ihr erstes Fleisch selbst gegart.

Wenn das weiter oben genannte Gemüse noch da ist, können Sie das Fleisch einfach dazu kippen und umrühren. Eine köstliche Mischung.

Und so geht das immer weiter. Kochen ist eine Reihe von Experimenten. Einige gehen schief und sind so gerade genießbar. Andere werden fantastisch und man kocht sie jeden Tag. Wer nichts neues ausprobiert, kann auch nichts dazulernen. Wer keine Fehler macht, kann daraus nicht lernen.

Mut, Fantasie und Neugier

So habe ich mit dem Kochen angefangen. Und das ist nur ein von unendlich vielen Möglichkeiten. Man sollte einfach nur keine Angst vor dem Werkzeug haben. Viel Schlimmes kann nicht passieren und wenn Sie dabei bleiben und den Herd nicht auf höchster Stufe allein lassen, sollte auch Ihre Wohnung nicht abbrennen. Ein wenig Vorstellungsvermögen hilft, um sich vorzustellen, wie sich wohl Kurkuma oder Kreuzkümmel im Gemüse machen würde. Und Neugier ist der Antrieb, dies dann auch wirklich auszuprobieren und neues zu erschaffen.

Wenn Sie noch nie gekocht haben, fangen Sie heute an. Es ist ein Schritt hin zu größerer Abhängigkeit, mehr Genuss und einem weiteren Horizont.

Weitere Tipps für den Einstieg in’s kochen:

Mit Urgeschmack versuche ich so viel Hilfe wie nur irgend möglich zu geben, um Menschen die Angst oder Scheu vor dem Kochen zu nehmen. Besonders Urgeschmack-TV könnte dabei sehr wertvoll sein, da man dort wirklich direkt sehen kann, wie einfach das Kochen ist: Urgeschmack-TV

Dann gibt es ein bzw zwei Bücher, die mehr wert sind als alle Kochbücher und Rezeptbücher zusammen. Denn sie erklären, warum welche Lebensmittel wie reagieren. Wer seine Lebensmittel kennt und weiß, wie sie reagieren, erlangt damit den Schlüssel zu allen Zubereitungsmethoden und -möglichkeiten: Urgeschmack-TV: Keys to Good Cooking und Urgeschmack-TV: On Food and Cooking

Zwiebeln. Gebratene Zwiebeln eignen sich als Würze für fast jede Mahlzeit, sie sind süß, salzig und bitter zugleich. Braten Sie sie in einer Pfanne als erstes an, denn sie brauchen meist am längsten, bis sie glasig oder gar braun werden. Eine geradezu magische Zutat.

Wenn Ihnen Urgeschmack gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

10 Kommentare zu “Wie fängt man mit dem Kochen an?

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  1. Mollyfit

    Erinnert mich sehr an meine ersten Gehversuche (auch Doppelplatte, eine Pfanne, ein Topf). Und es ist wirklich so einfach! Toll geschrieben!

  2. Marko.H

    Wirklich ein sehr guter Artikel!
    Noch vor einiger Zeit hätte ich gedacht das so ein Artikel eigentlich unnütz ist, weil doch wohl fast jeder Mensch kochen kann. Aber in letzter Zeit fällt mir in Gesprächen immer öfter auf wie überrascht die Leute sind wenn sie erfahren das ich mein Essen selber Koche und das sogut wie täglich (wenn ich nicht gerade für mehrere Tage vorkoche).
    Für viele ist es leider wirklich normal fast nur dieses Fertigzeug zu sich zu nehmen. Leider höre ich auch oft die “Ausrede” das man nach der Arbeit ja keine Zeit mehr hätte. Das halte ich für Blödsinn. “Keine Lust” trifft es denke ich dann eher.
    Die zwanzig Minuten die eine Pizza im Ofen braucht, kann man doch auch in ein gesundes und vor allem schmackhaftes selbstgemachtes Gericht investieren oder nicht?

    1. Felix

      Da gebe ich dir Recht. Aber ich kann schon verstehen, dass der eine oder andere nach einem anderen Arbeitstag was anderes im Kopf hat, als zu kochen. Da liegen die Prioritäten einfach unterschiedlich.

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