Was ist solidarische Landwirtschaft?

Landwirtschaftsgemeinschaftshof, CSA (Community Supported Agriculture), Solidarische Landwirtschaft oder Teikei sind Begriffe, die das gleiche grundlegende Konzept beschreiben: Eine alternative Form der Lebensmittelversorgung durch eine direkte und feste Bindung zwischen Verbraucher und Erzeuger.

Die Idee wurde in den 1960er Jahren in Japan entwickelt und trägt dort den Namen Teikei. Heute ernähren sich ein Viertel aller Japaner auf diese Weise: Eine Gruppe privater Haushalte schließt sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen und finanziert dessen geschätzte Kosten im Voraus. Im Gegenzug erhalten sie die gesamte Ernte.

Während es in Details Unterschiede gibt, so funktioniert das Prinzip doch überall gleich. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Abnahmegarantie oder ein Abonnement, doch es ist weit mehr als das, denn als einer der wichtigsten Faktoren wird immer wieder die emotionale Bindung genannt. Die Verbraucher wissen, wer ihr Gemüse erzeugt und der Landwirt weiß, für wen er arbeitet. Aus der Selbstverpflichtung ergibt sich eine Planungssicherheit, die es dem Landwirt ermöglicht, relativ frei von den Zwängen des freien Marktes zu wirtschaften. Das heißt, dass er weder sich selbst noch sein Land oder seine Tiere ausbeuten muss. Nachhaltige Wirtschaft ist die Folge.

Dabei gewinnen alle:

Die Verbraucher erhalten

  • Qualität in Form frischer und hochwertiger Lebensmittel
  • Transparenz und vollen Einblick in die Produktionsabläufe

Der Landwirt erlangt

  • Planungssicherheit und ein gesichertes Einkommen
  • Spaß an der Arbeit weil er weiß, für wen er arbeitet

Die Allgemeinheit erfährt

  • Regionale Stärkung sowohl wirtschaftlich als auch sozial
  • Schutz und Pflege von Ökosystemen

Höhere Lebensqualität ist also fest mit dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft verbunden. Leider mangelt es diesem Modell noch immer an Bekanntheit, doch es gibt mittlerweile auch in Deutschland rund 20 Höfe, deren Adressen Sie weiter unten finden.

Eine Variante des Modells ist das Gemüseabo: Bei vielen deutschen Landwirten können Sie eine Art Gemüsekiste abonnieren, die Ihnen regelmäßig, oft bis an die Tür, geliefert wird. Je nach Anbieter können Sie dort auch Sonderwünsche äußern, zum Beispiel falls Sie bestimmte Gemüse nicht mögen. Einige der unten genannten Höfe bieten diese Art Abonnement auch an, weitere Adressen finden Sie weiter unten in diesem Artikel mit Adressen von Hofläden in ganz Deutschland.

Höfe, die sich bereits zu 50 % und mehr über eine Solidarische Landwirtschaft tragen:

Auf solidarische-Landwirtschaft.org finden Sie darüber hinaus unter dem Punkt “Initiativen” sowohl Landwirte als auch Verbraucher, die weitere Interessenten suchen, um dieses Konzept umzusetzen.

Weitere Informationen:

solidarische-Landwirtschaft.org

Wenn Ihnen Urgeschmack gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

8 Kommentare zu “Was ist solidarische Landwirtschaft?

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  1. Hanjo

    In meiner Region hat ein einziger Landwirt ringsum alles gepachtet was es an Flächen gab. Er ist einer der grössten Milchviehbauern Mitteleuropas. Hier im Nordosten ist das Problem, dass es auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kaum kleine Höfe gibt. Die alten LPG-Strukturen mit riesigen intensiv genutzten Anbauflächen haben sich weitgehend erhalten! Ich bin umgeben von unglaublich großen Raps und Maisflächen!
    In dem Betrieb arbeiten zur Saison richtig viele Angestellte. Der Bauer selbst ist längst Millionär.
    Gemüseanbau gibt es so gut wie gar nicht. Hinzu kommt, dass die wirklich Interessierten hier in der Provinz alle auf Eigenproduktion setzen und sich ab dem Frühjahr selbst mit saisonalen Köstlichkeiten versorgen… Mein Traum war ja schon immer eine Art biodynamische Gemüseanbaukommune. Aber wenn ich ehrlich bin, scheitert das an meinem Vollzeitjob (bin täglich 10 bis 12 Stunden nicht zu Hause.
    Wenigstens mache ich schon mal einen Schritt in diese Richtung und bin mit einem guten Freund gerade dabei, eine eigene Enten- und Hühnerzucht zu starten, so dass wie unsere jeweils fünfköpfigen Familien mit diesem Fleisch versorgen können… Wieder ein Schritt in die richtige Richtung…
    Viele Grüsse aus MV

  2. Hanjo

    Ein tolles Konzept! Schade dass ich so mitten im Niemandsland wohne und die Höfe alle zu weit weg sind… Umgeben von riesen Landwirtschaftsbetrieben die nach wie vor auf Gewinnoptimierung aus sind, wird sich in meiner Gegend wohl in absehbarer Zeit nichts adäquates finden… Da hilft nur weiter auf Eigenproduktion setzen…wenn es denn die Zeit zulässt…

    1. Felix

      Ich denke, viele Landwirte kennen dieses System gar nicht. Man sollte sie einfach mal darauf ansprechen und in der Gemeinde gleichgesinnte suchen. Auf der verlinkten Seite gibt es ja auch eine Börse für so etwas. Einen Versuch ist es allemal wert.

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