Urgeschmack-TV Ep. 84: Buchrezension “The Vegetarian Myth”

Eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich für Lierre Keith’s “The Vegetarian Myth” nicht aussprechen. Es liest sich angenehm und enthält interessante Argumente, doch ein paar Dinge überzeugen nicht. Mehr dazu im Video.

Wer das Buch dennoch kaufen möchte, erhält es bei Amazon: The Vegetarian Myth: Food, Justice, and Sustainability

Wenn Ihnen meine Arbeit gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

11 Kommentare zu “Urgeschmack-TV Ep. 84: Buchrezension “The Vegetarian Myth”

  1. RobMcFlob

    “Auf der anderen Seite bin ich ziemlich sicher, dass eine nachhaltige Lebensweise für 7 (bzw bald 9) Milliarden Menschen möglich ist.”

    Worauf fußt Dein Optimismus?

    Weitere Buchtipps zu dem Thema “Nachhaltigkeit” würden mich interessieren.

    1. Felix

      Optimismus würde ich es nicht nennen, das ist eine reine Vermutung bzw Einschätzung. Zumal es ja nicht beurteilt, ob das (9 Milliarden Menschen in nachhaltiger Versorgung) wirklich gut ist. Und ich schrieb bewusst “ist möglich” und nicht “wird passieren”.

      Der Mensch war bislang recht erfindungsreich, wir haben haufenweise Entwicklungen oder wissenschaftliche Durchbrüche, die vor der Tür stehen und wir sind als Spezies extrem anpassungsfähig. Wer weiß schon, was passieren wird? Die realistischen Szenarien reichen von “alles prima” bis “schrecklich”. Ich denke nicht, dass der Mensch sich selbst _komplett_ auslöschen wird.

      Buchtipps: Fällt mir so gerade nichts mehr ein, bis vielleicht noch “Omnivore’s Dilemma”, wo das Thema so nebenbei mit behandelt wird.

  2. RobMcFlob

    Hi,

    ich lese gerade dieses Buch und was ich mich dabei frage ist, ob es wirklich stimmt, dass eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Zivilisation überhaupt nicht möglich ist, wie es hier behauptet wird. Was denkt ihr – werden wir durch die weitere Entwicklung von erneuerbaren Energiequellen und durch eine Neuausrichtung der Landwirtschaft und der Viehzucht eine nachhaltige Lebensweise für die 7 Milliarden Menschen erzielen können oder bedeutet Landwirtschaft, Industrie und Zivilisation (im Gegensatz zu Jäger-und-Sammler-Kulturen) gleichzeitig Ausbeutung der Erde und letztlich Auslöschung des Lebens auf diesem Planeten?

    Rob

    1. Felix

      Genau darauf bezieht sich meine im Video ausgedrückte Skepsis.

      Ich denke schon, dass das angestrebte stetige Wirtschaftswachstum zwangsläufig das Aus für einen von Menschen bewohnbaren Planeten bedeutet. Denn das Wachstum kann ja nur aus natürlichen Rohstoffen kommen. Das ist ja auch das, was immer mehr Wirtschaftsprofessoren und -forscher herunterbeten – letztlich ist es auch nur logisch.

      Auf der anderen Seite bin ich ziemlich sicher, dass eine nachhaltige Lebensweise für 7 (bzw bald 9) Milliarden Menschen möglich ist. Zumal ich auch zuversichtlich bin, dass ab 2050 die Weltbevölkerung langsam wieder schrumpft. Langsam.

  3. Tadas

    Hallo Michael,

    auch wenn ich selber der größte Fan davon bin, die völlig verzerrte Weltwahrnehmung einiger (eigentlich der meisten, aber ich wollte nicht so undifferenziert klingen) Veganer aufs Korn zu nehmen, widerspreche ich deiner Aussage.

    Man kann gesund leben, allerdings ist man auf Nahrungsergänzung angewiesen und muss sehr viel über die Nahrung wissen, die man zu sich nimmt. Bspw. muss man sich sehr genau mit der Aminosäure-Zusammensetzung seiner Proteinquellen beschäftigen und ähnliches.

    VG,
    Tadas

  4. Unity

    Vielen Dank für die differenzierte Rezension.

    Nachdem ich ihr Buch gelesen hatte, war ich erst einmal rundum begeistert. Es gab bisher keine umfassende Kritik am Veganismus.

    Leider kann man nicht behaupten, dass “The Vegetarian Myth” als Aushängeschild für eine fundierte Kritik geltan kann.

    Keith ist eine Extremistin und so sehr ich es schätze, dass sie den Veganismus überwunden hat, ist sie doch nur mehr oder weniger blind auf die andere Seite des Extrems gewechselt.

    Ihre ersten drei Kapitel sind sehr bewegend zu lesen und enthalten zum Großteil interessante und korrekte Informationen, die mir so teilweise auch noch gar nicht bekannt waren.

    Keith hat jedoch in keinster Weise einen wissenschaftlichen Hintergrund, was an sich noch nicht problematisch für einen Schriftsteller ist, erlaubt sich aber zudem noch, völlig unsauber recherchierte Informationen und dubiose, zweifelhafte Quellen anzugeben, die weniger nach Recherche sondern eher nach 10 minütiger Google-Suche aussehen.

    Ihre Quellen bestehen zur einen Hälfte aus Internet-Links und einigen recht unwissenschaftlichen Büchern. Für das Kapitel über den ernährungswissenschaftlichen Hintergrund zieht sie hauptsächlich die Weston A. Price Foundation sowie “Protein Power” heran. Ich schätze beide Quellen, doch gehen diese teilweise recht polemisch oder einseitig vor, weshalb es völlig unwissenschaftlich ist, diese Sekundärliteratur als Nachweis objektiver Fakten anzuführen. Wenn wir das als Standard ansetzen würden, ginge uns binnen kurzer Zeit die Fähigkeit verloren, Tatsachen von Lügen zu unterscheiden.

    Im Grunde hat sie sich, wie es scheint, ein Dutzend Bücher durchgelesen und sich die Freude gemacht, diese einfach mal unreflektiert in ein nettes Buch zu packen. Positiv ist daran aber zumindest, dass dieses Buch einige korrekte Zusammenhänge darstellt, den Blick für den Schrecken der industriellen Landwirtschaft schärft sowie Alternativen in der Ernährung vorstellt (Weston Price, Low-Carb) und einigen Veganer möglicherweise zum Nachdenken bringt.

    Ihr letztes Kapitel hat in einer Kritik am Veganismus gar nichts verloren, man könnte ihr attestieren, dass sie das Thema völlig verfehlt hat, es möglicherweise nur als Sprungbrett für ihre anti-zivilisatorische Propaganda benutzt hat. (Nicht falsch verstehen, unsere Zivilisation ist in der Tat zerstörerisch, aber weder ist uns damit geholfen, wenn selbsternannte Planeten-Retter die Massen zu Kinderstopp und Zerstören der Infrastruktur aufwiegeln noch besteht die Rettung darin, wieder zurück in den Urwald zu gehen.)

    Auch der radikale Feminismus, der sich durch das Buch zieht, ist der Verteidigung des ethischen Fleischkonsums wohl kaum dienlich. Inwieweit wir Männer für all die Probleme verantwortlich sein sollen, ist mir auch schleierhaft.

  5. Michael

    um zu verdeutlichen was ich meine:
    Ein Veganer benötigt um auf ausreichende Kalorien zu kommen entweder Getreideprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder und Nüsse.
    Alle mit hohen Mengen an Phytine und Lektine belastet, mit den bekannten folgen.
    Auch gibt es ein Problem bei der Synthese von EPA und DHA, da die Omega 6 Synthese um das selbe Enzym konkurriert.
    Dann gibt es doch auch einige Aminosäuren die der Körper nicht synthetisieren kann.

    Es ist natürlich richtig, dass ein Veganer nicht gleich tot umfällt und vielleicht ist er auch gesünder wie jemand der sich konventionell ernährt, aber gesund ist Veganismus nicht.
    Und es werden sich ganz sicher gesundheitliche Probleme zeigen. (es konnten auch auch Gehirnschäden im CT bei langjährigen Veganern gezeigt werden)

    Viele Grüße
    Michael

    1. Felix

      Hi Michael – ich bezog mich auch eher auf den Bereich Vegetarier. Allerdings bin ich auch noch nicht ganz überzeugt, dass man vegan nicht “gesund” leben kann, wobei wir am Ende eh alle krank werden und sterben. Aber es gibt zu viele Beispiele von wirklich kerngesunden Veganern, als dass ich mich da zu einem Pauschalurteil hinreißen lassen würde. Dass ein Veganer für Kalorien zufuhr auf Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder Nüsse angewiesen wäre halte ich für falsch. Avocados, Oliven etc sind da doch wesentliche effizienter und unschädlicher. Aber da gibt es sicher auch Berufsveganer, die uns mehr erzählen können ;)

      Dass es nicht leicht es, sagte ich ja.

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