Ist ‘Bio’ besser?

Produkten aus dem ökologischen Landbau wird sehr oft vorgeworfen, sie seien einfach nur teurer als ihre konventionellen Äquivalente. Eine höhere Qualität sei höchstens äußerlich durch höhere frische aufgrund teilweise kürzerer Transportwege festzustellen, alles weitere wie geschmackliche und gesundheitliche Vorteile sei Wunschdenken. Ist das so?

Ein guter, erfahrener Koch weiß, dass er nur aus der besten Ware auch die besten Gerichte zaubern kann. Er mag es vielleicht nicht in Worte fassen können, ist aber der Meinung, hochwertig erzeugte Lebensmittel seien einfach anders – besser. Dieser Mangel an konkreten Worten wird es sein, der wie getrocknetes Buchenholz im Feuer der Skeptiker wirkt. Wenn man es nicht beschreiben kann, muss es Spinnerei sein, entgegen sie.

Doch anders als gemeinhin angenommen, hat sich die Wissenschaft durchaus mit dem Thema befasst und sie kommt auch zu eindeutigen Ergebnissen. Diese lassen sich so zusammenfassen:

  1. Pflanzen, die auf einem synthetisch gedüngten Boden wachsen, haben weniger Nährwert also solche, die auf einem kompostierten Boden wachsen.
  2. Pflanzen aus ökologischem Landbau sind im Vergleich zum konventionellen Anbau weniger verwundbar gegenüber Krankheiten und Insektenplagen.
  3. Polykulturen sind produktiver und weniger krankheitsanfällig als Monokulturen.

Abgesehen davon, dass beispielsweise Bio-Karotten also nicht wirklich teurer sind als solche aus konventionellem Anbau, hat die Ware aus ökologischem Anbau also einiges zu bieten.

Die Vorteile bezüglich des Nährwertes beziehen sich zu großen Teilen auch auf die Antioxidantien: Diese Polyphenole und anderen pflanzlichen Sekundärstoffe, da ist sich sogar der Volksmund einig, haben große Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen, helfen unter anderem gegen Krebs. In früheren Untersuchungen wurden diese jedoch zugunsten der reinen Makronährstoffe (Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett) vernachlässigt. Heute wissen wir mehr darüber und so tritt auch an das Tageslicht, dass Gemüse aus dem ökologischen Landbau teils erhebliche größere Mengen dieser Stoffe enthält.

Man vermutet unter anderem, dass dies an dem größeren Stress, also der natürlicheren Umgebung liegt, in der diese Pflanzen wachsen und sich entsprechend wappnen. “Was uns nicht umbringt, macht uns stärker” ist offenbar auch ein unter Pflanzen verbreitetes Motto. Und wie es scheint, kann der Mensch von dieser Stärke profitieren. Selbst dann also, wenn ökologischer Landbau auf ausgelaugten Böden betrieben wird, profitiert die Qualität der Erträge vom Ausbleiben der sogenannten Schutzmaßnahmen.

Fazit

Lebensmittel aus dem ökologischen Landbau sind denen aus konventionellem Anbau hinsichtlich Umweltschutz, Qualität und Nährwert nachweislich überlegen. Sie bieten somit viele direkte Vorteile für jeden einzelnen Menschen. Warum dann nicht nur noch zu solchen Produkten greifen?

Quellen und weitere Informationen:

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13 Kommentare zu “Ist ‘Bio’ besser?

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  1. Christof

    Allein schon wegen den Schwermetallen im Mineraldünger bei konventionellem Anbau fällt meine Wahl meistens auf bio.
    Es ist eine Schande, was für Gifttoffe alleine im Dünger sind. Nur im Dünger. Aber die Pflanzen werden ja nicht nur gedüngt. Da kommen noch Unkrautvernichtungsmittel und Insektengifte dazu. Dann meistens auch nicht nur eins, sondern jeweils mehrere Arten.

    Man kann fast meinen, die Nahrungsmittelindustrie will uns absichtlich vergiften.

    1. Felix

      Leider lassen sich die Nebenwirkungen der biologischen Pestizide nicht präzise erfassen. Allerdings gibt es stellenweise Marienkäferplagen mit Tieren aus fremden Ländern – diese kann man darauf zurückführen, dass sie als biologische Insekttenvernichter importiert werden, dann jedoch ausbrechen und hier teils heimische Arten verdrängen. Alles nicht so einfach…

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  4. Die GenussTrainerin

    Bio kann helfen, muss aber nicht, denn nicht alle mit BIO deklarierten Produkte sind wirklich gut.
    Regional und saisonal sind gut für uns – unsere Ernährung und unseren Geist.

    Käufe auf den Wochenmärkten sind eine klare Entscheidung für die kleinen Erzeuger und für einen guten Teller. Denn die Produkte machen den Geschmack und die Preise der Bauern sind fair.

    Guten Appetit mit guten Produkten … in diesem Sinne

    Die GenussTrainerin … für einen ganzheitlichen Genuss

    1. Anke

      Wochenmarkt != lokale Ware. Hier (Berlin) wird in der Regel Großmarktware angeboten, lokale Erzeuger muss man durchaus suchen…

        1. Anke

          Ja natürlich. Ich glaube nur, dass Menschen, die in Sachen unprozessierte Lebensmittel Neuland betreten, gerade Großstädter, die keine Ahnung von landwirtschaftlicher Erzeugung haben (können), dies im Hinterkopf halten sollen.

  5. daniel

    Isst mal ein Salat oder Tomate aus dem eigenen Garten und vergleicht es mit Biogemüse aus dem Supermarkt. Wer da keinen Unterschied schmeckt, hat glaub keine Geschmacksnerven ;-)

    1. Felix

      Naja… wenn im eigenen Garten auch keine Sonne scheint, dann sind auch da die Tomaten nicht vom Feinsten. Kann man ja dieses Jahr sehr “schön” beobachten… Eine Schande ist das.

  6. David

    Ich bevorzuge auch Bio und man muss sich im klaren sein, dass Bio nicht gleich “besserer Geschmack” bedeutet. Ich finde es immer wieder befremdlich wenn Leute sagen sie hatten schon Bio das schmeckt aber gar nicht besser als normal und deshalb kaufen sie es nicht. Warum sollte es auch? Eine Pflanze bleibt eine Pflanze und Bio ist kein Geschmackssiegel.
    In letzter Zeit bin ich allerdings auch etwas skeptisch geworden. Als ich um den Umstand erfuhr das im Biolandbau Kupfer als Insektizid gespritzt wird, was nicht gerade unproblematisch ist. Hier war ich leider vorher ziemlich uninformiert, allerdings scheint mir dies auch durchaus gewollt zu sein. Denn die Meisten kaufen Bio auch weil dort “nicht gespritzt” wird. Ich kaufe dennoch weiter Bio weil ich die vielen Vorteile sehe, wie sie hier beschrieben werden und wasche dafür dann eben doch etwas gründlicher ab bevor ich das Obst und Gemüse verwende.

    1. Felix

      Man darf das nie pauschalisieren. In den Bio-Anbauverbänden ist das Spritzen von Kupfer erlaubt, das ist richtig. Das machen aber nicht alle. Es gibt da durchaus Landwirte, die aus sowas verzichten. Das ist ein weiterer Mangel dieses Siegel-basierten Systems: Es wird alles gleichgemacht.
      Und richtig: “Bio” kann man nicht “schmecken”. Aber es gibt durchaus geschmackliche Unterschiede je nach Erzeugungsmethode. Auch die aber nicht pauschal, klar.

    2. Anke

      Das Kupferproblem ist sehr wohl bekannt und diskutiert. Die Crux für den ökologischen Landbau ist: es gibt keine wirksamen Alternativen, da herkömmliche Fungizide nicht eingesetzt werden dürfen. Andererseits wirkt es sich negativ auf das Bodenleben aus und dieses trägt maßgeblich zur Bodenfruchtbarkeit bei, die Dreh- und Angelpunkt des Ökolandbaus ist.

      Das bedeutet, dass kein Landwirt maßlos Kupferpräparate ausbringen wird. Dazu kommt, dass der Einsatz von Kupfer stark reglementiert und in den letzten Jahren auf einen Bruchteil der früheren Austragsmenge geschrumpft (Anwendung in den letzten 150 Jahren) ist. Das Kupferproblem ist für den Ökolandbau ein drängendes, denn Kupferpräparate sind in der EU (vorerst) noch bis 2016 zugelassen.

      Zurück zum besseren Bio:

      Beim Thema synthetischer Dünger geht es oft nur um die direkte Auswirkung im Boden. Im Hinterkopf behalten sollte man aber auch, dass es sich bei synthetischen Düngepräparaten um Produkte der chemischen Industrie handelt, die sehr energieaufwändig (und systembedingt vermutlich nicht ganz so sauber) hergestellt werden. Der Umstand, dass im Ökolandbau darauf verzichtet werden kann, allein durch die Nutzung interner Stoffkreisläufe, ist mein persönliches “Lieblingsargument” für Bio-Lebensmittel.

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