Hauptsache haltbar?

Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Wer sich eingehend mit Lebensmitteln und Ernährung befasst, dem fällt es gelegentlich vielleicht schwer, nicht in Panik zu geraten. Täglich erscheinen neue Studien, die belegen, dass 90% dessen, was in westlichen Gesellschaft seit 70 Jahren verzehrt wird, gesundheitlich äusserst bedenklich ist. Doch Panik ist selten hilfreich.

Urgeschmack steht für die Symbiose aus Nachhaltigkeit, Gesundheit und bestem Geschmack. Der versuch, stets nur lokale und saisonale Ware zu kaufen erfolgt in der Regel auf dem Wochenmarkt bei Erzeugern aus der Region. Ziel ist der Erwerb frischer, unverpackter (biologisch verträglicher) und unbehandelter Ware. Zwei Begriffe sind hier wichtig: “Versuch” und “Ziel”. Denn natürlich finden diese Vorgänge auf einem Kontinuum statt. Jeder Mensch hat die Freiheit, die Verantwortung und die Verpflichtung, seine Prioritäten selbst zu setzen und zu entscheiden, wie wichtig ihm seine Gesundheit und seine Lebensumstände sind.

Die heutige Videoreihe handelt von Verpackungen und darin enthaltenen Weichmachern. Mit meiner Einleitung möchte ich einen Puffer schaffen zwischen der Realität des Verbraucheralltags auf der einen und den harten Fakten der Wissenschaft auf der anderen Seite. Vielleicht sehen Sie diese Videos und sind überzeugt, glauben aber nicht, dass Sie von heute auf morgen auf alle Verpackungen verzichten können. Aber das müssen Sie ja auch nicht. Denken Sie daran: Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Jedes noch so kleine Stück, das Sie sich auf Ihr Ziel zu bewegen (hier vielleicht der vollständige Verzicht auf verpackte Lebensmittel), ist ein guter Schritt und ein Sieg für Sie und Ihre Gesundheit.

Über die Verpackungen hinausgehend, wird auch in diesem ersten Teil wird auch wieder klar, wie fatal der blinde Verlass auf die Lebensmittelindustrie ist. Zur Erinnerung: Auch die Supermärkte sind TEIL dieser Industrie, wer also LebensmittelChemiekonzerne umgehen möchte, macht am besten auch einen großen Bogen um Supermärkte. Ebenso ist offensichtlich, dass die Verwicklung der Politik in das Lebensmittelsystem für den Verbraucher nicht hilfreich ist. Und mit der Einführung von EU-Recht wird dies gewiss nicht unkomplizierter.

Phtenole, speziell BPA und ähnliche Stoffe, sind offenkundig schädlich. Und sie sind nicht nötig für die menschliche Ernährung. In meiner Küche zum Beispiel habe ich alle häufiger benutzten Gefäße durch solche aus Glas und Metall ersetzt. Gar nicht so einfach, denn solche, im Volksmund unabhängig vom tatsächlichen Hersteller stets “Tupperschüssel” genannten, Behälter sind fast nur aus Kunststoff zu bekommen. Erst nach langer Suche ließen sich gläserne Gefäße mit dicht schließendem Deckel finden – von einem französischen Hersteller. Die Deckel sind zwar aus Kunststoff, jedoch kommt dieser nicht mit den Lebensmittel in Berührung.

Der möglichst weitgehende Verzicht auf verpackte Lebensmittel ist bei mir persönlich nicht nur durch die Schadstoffbelastung motiviert. Auch Naturschutz ist dabei ein wichtiger Aspekt und somit die Vermeidung von Müll bei der Entsorgung. Die Herstellung dieser Stoffe ist nicht zu vergessen, es werden Rohstoffe verbraucht und während der Produktion Schadstoffe freigesetzt. Keine oder nur möglichst wenig Ware aus Übersee-Importen zu kaufen verringert weiter das Risiko, minderwertige oder belastete Produkte zu erhalten und die Natur unnötig zu belasten.

Auch diese Videoreihe zeigt, wenn auch indirekt, dass für den Verbraucher das sinnvollste ist, seine Ware so direkt beim Erzeuger zu kaufen, wie nur irgend möglich. Nur dann kann er sich selbst von dem Umständen der Erzeugung und Verarbeitung ein Bild machen, kann die Menschen kennenlernen, denen er letztlich seine Gesundheit anvertraut.

Was tun Sie, um sich Gewissheit bezüglich Ihrer Lebensmittel zu verschaffen? Nutzen Sie die Möglichkeit, möglichst oft und viel direkt beim Erzeuger zu kaufen? Empfinden Sie die Lebensmittel, auf deren dicker Plastikverpackung ein oder gar mehrere Bio-Siegel prangen, auch als blanken Hohn? Stören Sie sich vielleicht auch an den vielen Plastiktüten, die einem selbst auf dem Wochenmarkt angedreht werden?

Wenn Ihnen meine Arbeit gefällt oder hilft, würde ich mich über Ihre Unterstützung sehr freuen.

12 Kommentare zu “Hauptsache haltbar?

  1. Waldmensch

    Hi Felix,

    vielen Dank für diesen und natürlich auch für die anderen Artikel!

    Prinzipiell bin ich deiner Meinung, dass man KUNST-Stoffe, also vor allem Polymere, weitgehend verbannen sollte. Der erste Schritte fängt immer bei einem selbst an.

    Andererseits sind einige Kunststoffe, wie viele Lebenmittelverpackungen aus PP oder PE, die unverwertet wieder ausgeschieden werden und weichmacherfrei sind
    (bedenklich sind hingegen PVC, PC, PET (z.B. wg. Ethanal- und Antimongehalten) und nicht zuletzt PS (wg. möglichen Benzolrückständen).
    Wenn man diese bedenkliche Kunststoffe weitgehend aussortiert, ist auch schon mal viel gewonnen – auch für die Raumluft.

    Zur Verbreitung der Kunststoffe (sind ÜBERALL, sogar in der Arktis, nachgeweisbar und hormonell wirksam!):

    http://abenteuerwissen.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,8230836,00.html

    Weitere Lektüre zu BPA (z.B. reichlich in Kassenbons enthalten):

    Brisante Weichmacher für unschädlich erklärt:

    http://www.schattenblick.de/infopool/natur/chemie/chula230.html

    Was den Vogel aber wirklich abschießt (das muss man in vielen Krankenhäuser glaube ich echt wörtlich nehmen): Phtalate in Schläuchen – Operation gelungen, Patient vergiftet:

    http://www.schattenblick.de/infopool/natur/chemie/chula210.html

    Sonnige Grüße vom Waldmensch.

  2. sneug

    hmmm, ansatzweise ganz gut, allerdings meiner Meinung nach sehr idealistisch, obwohl der punkt verpackungsmüll und auch inhaltsstoffe in den verpackungen durchaus ein problem darstellt. der pkt bio und verpackungen ist wenig fundiert – es geht bei bioprodukten nicht um verpackungen, sondern primär um die erzeugung, also beispielsweise weniger dünger, anderer dünger, keine gentechnik und artgerechte tierhaltung. bioprodukte nur aufgrund der verpackung als blanken hohn abzutun empfinde ich wiederum als blanken hohn.

    1. Felix

      Moin sneug -

      “meiner Meinung nach sehr idealistisch”

      Vielen Dank für das Lob.

      “es geht bei bioprodukten nicht um verpackungen, sondern primär um die erzeugung, also beispielsweise weniger dünger, anderer dünger, keine gentechnik und artgerechte tierhaltung.”

      Das ist eine sehr egoistische und kurzsichtige Betrachtungsweise. Wo soll denn der ganze Plastikmüll hin? Wie soll mit den Auswirkungen auf die Umwelt umgegangen werden? Die Natur leider unter dem Plastikmüll. Das heißt: Das Ökosystem ist gefährdet. Das Ökosystem ist aber der Erzeuger unserer Lebensmittel. Wenn wir nicht bald umdenken, können wir uns unseren Salat irgendwann nur noch aus Plastiktüten schnitzen.

  3. Frank

    Lassen sich denn größere Mengen an Fleisch überhaupt in Glasbehältern einfrieren? Vaccumbeutel bzw. Gefrierbeutel sind mir ehrlich gesagt auch ein Dorn im Auge.

    1. Felix

      Hi Frank – angesichts der Tatsache dass solche Vorgänge beim Tiefgefrieren ja extrem gebremst, wenn nicht gestoppt werden, gewinnt da bei mir die Pragmatik. Meines Wissens nach sind die Probleme dieses “Leakings” am größten, wenn Arbeitstemperaturen herrschen.
      Was den Platikabfall angeht: Ja, ist schade. Aber 100% vermeiden lässt es sich kaum. Wenn man als Ausgleich dazu auf andere unnötige Plastiktüten (Einkäufe, Verpackungen etc) verzichtet ist, so denke ich, schon viel gewonnen.

  4. Jasper

    Ich suche noch was fürs Einfrieren, was nicht aus Plaste und wiederverwenbar ist. Alufolie ist ja auch keine Lösung. Metallbehält? Glasbehälter?

    1. Felix

      Hey Jasper: Ich benutze auch die Luminarc-Dosen. Diese http://www.amazon.de/gp/product/B003DXBK8M/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=urgeschmack-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B003DXBK8M
      oder diese http://www.amazon.de/gp/product/B003DXBK96/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=urgeschmack-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B003DXBK96

      Die Dosen sind wirklich sehr gut, der Deckel schließt ordentlich, es sind keine störenden Verzierungen dran, die bei der Reinigung stören und der Preis ist echt ok!

  5. Anonymous

    >>Erst nach langer Suche ließen sich gläserne Gefäße
    >> mit dicht schließendem Deckel finden
    Heißen bei uns Einmachgläser, Deckel aus Glas, aber mit Gummiring… :-)

    1. Felix

      Für den alltäglichen Gebrauch, um “mal eben” ein paar Essensreste für den nächsten Tag in den Kühlschrank zu verfrachten? Da scheinen mir Einmachgläser nicht ganz das richtige zu sein.

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