Es gibt keine Disziplin

Es gibt keine DisziplinDisziplin ist ein Mythos, ein Märchen, eine Illusion. Um abzunehmen sei knallharte Selbstdisziplin nötig, so die landläufige Meinung. Oder: Um etwas zu vollbringen, müsse man diszipliniert sein. Die Folge sind Vorwürfe und Schuldgefühle bei Misserfolg. Wer versteht, dass all dies Unfug ist, kann das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle vermeiden. Wenn Sie den Mythos begreifen, werden Sie ihre Ziele viel leichter erreichen, die bislang hinter der scheinbar unüberwindbaren Mauer der Disziplin verborgen waren.

Wie ist Disziplin überhaupt definiert? Werfen wir einen Blick in die deutsche Wikipedia:

Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Ordnungszustand aufrechterhält oder schafft, indem es Anstrengungen aufwendet, die den vorherrschenden individuellen oder äußeren Ablenkungen von einer einzuhaltenden Zielvorgabe entgegenwirken. 

Disziplin ist demnach ein Verhalten zugunsten einer Zielvorgabe.

Und der Duden schreibt:

  1. das Einhalten von bestimmten Vorschriften, vorgeschriebenen Verhaltensregeln o.Ä.; das Sicheinfügen in die Ordnung einer Gruppe, einer Gemeinschaft
  2. das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen

Auch hier ist eine Zielvorgabe fester Bestandteil der Definition.

Fassen wir zusammen:

Disziplin ist ein Verhalten, um ein spezifisches Ziel zu erreichen.

Wenn ich jedoch etwas tue, um etwas zu erreichen, wie nennt man dies eigentlich? Motivation, richtig. Jemand, der täglich zur Arbeit geht, obwohl er gerne etwas anderes täte, ist nicht diszipliniert; er ist motiviert. Motiviert durch das Geld, das er als Lohn bekommt. Niemand würde ihn für seine Disziplin loben. Er erreicht sein Ziel, den Gewinn eines Einkommens, dadurch, dass er konsequent zur Arbeit geht. Das ist ein einfaches Konzept.

Das müsste auch beim Abnehmen oder zur Umsetzung einer gesunden Ernährung funktionieren. Nehmen wir als Ziel "Ich möchte möglichst gesund sein!" oder "Ich möchte 20kg abnehmen!": Das Ziel (=die Motivation) ist ein schlankerer/gesünderer Körper. Konsequenterweise muss derjenige sich gesund ernähren, um dies zu erreichen. Wie man am besten abnimmt oder sich gesund ernährt, lässt sich leicht herausfinden, das nötige Verhalten steht somit fest. Aber scheinbar ist dies nicht so einfach, denn vielen Menschen gelingt es nicht. Wo liegt das Problem? Wo ist der Unterschied zum täglichen Gang zur Arbeit?

Mangelnde Motivation: Der Grund für Misserfolg

Tatsächlich gibt es mehrere mögliche Gründe, der in diesem Zusammenhang relevante ist jedoch: Die Motivation stimmt nicht. Zur Motivation benötigt man ein Ziel. Dieses ist jedoch stets abhängig von Prioritäten. Bei der Arbeit scheint dies einfach. Vielen Menschen ist ein geregeltes Einkommen so wichtig, dass sie dafür bereit sind, fünf Tage die Woche acht Stunden ihrer Zeit aufzuwenden. Ihnen ist das Geld wichtiger als die Zeit. Das ist auch abhängig vom Stundenlohn und dort liegen die individuellen Unterschiede in der Wertschätzung.

Sind die Prioritäten gesetzt?

Doch wie sieht dies beim Abnehmen aus? Um das Zielgewicht zu erreichen ist es nötig, bestimmte Dinge nicht mehr zu essen. Diese opfert man seinem Ziel, ordnet sie ihm unter. Es ist also eine Frage der Prioritäten. "Ist mir mein Körper wichtiger oder die Tüte mit den Süßigkeiten?" Das ist die  ultimative Frage, die viel zu oft nicht eindeutig geklärt ist. Um das zu tun, ist Klarheit nötig. Klarheit über die eigenen Ziele und Prioritäten. Und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, Selbstachtung.

Mehr noch: Wichtig sind die eigenen Wünsche. Möchte ich die 20kg abnehmen, weil meine Freunde dies für nötig halten? Oder ist mir meine Figur egal, solange ich damit angeben kann? Oder möchte ich wirklich für mich selbst dieses Gewicht erreichen?

Die ersteren beiden Ziele sind extrinsische Motivationen. Sie kommen von außen. Und sie sind erwiesenermaßen weniger effektiv als intrinsische, also aus dem Inneren kommende Motivationen. Mit anderen Worten: Wer das Gitarrenspiel nur erlernen möchte, um seine Freunde zu beeindrucken, wird es mit wesentlich größerer Wahrscheinlichkeit schneller wieder aufgeben als jemand, der den innigen Wunsch hegt, großartige Musik zu spielen.

Liebe

Man könnte auch sagen, dass es auf Liebe hinausläuft. Was liebe ich mehr: Mich selbst oder die Süßigkeiten? Meine Lebenszeit oder Tinnef? Persönliche Weiterentwicklung oder Klatsch und Tratsch? Diese Fragen betreffen stets auch die Selbstachtung und so lassen sich alle derartigen Entscheidungen in ein übergreifendes Gesamtkonzept einweben. Die Frage nach dem gesunden Körper betrifft dann nicht nur die Wahl der Lebensmittel, sondern auch die Entscheidung für oder gegen das Rauchen, Alkoholexzesse, den gesamten Lebensstil.

Wer also am Abnehmen scheitert, der sollte sich keine Vorwürfe machen. Vielmehr empfiehlt sich eine Analyse des eigenen Verhaltens. Prüfen, was falsch gelaufen ist. Anschließend ein Mensch dieses nicht-zielführende Verhalten mit seiner Motivation vergleichen und prüfen, ob er sich in seiner Einschätzung geirrt hat. Ist ihm das tägliche Stück Kuchen vielleicht doch wichtiger als die Traumfigur? Dann kann er oder sie entscheiden, ob er an seinem Vorhaben festhalten möchte oder es aufgibt und so weitere Verwirrung vermeiden.

Fazit: Wege zum Erfolg

  1. Es gibt keine Disziplin. Auch Willenskraft ist immer auf ein Ziel ausgerichtet: die Motivation.
  2. Alles, was wir erreichen möchten, können wir durch die richtige Motivation erreichen.
  3. Für eine effektive Motivation ist es nötig, sich seiner Prioritäten und Lebensziele klar zu sein.
  4. Der Schlüssel dazu ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber: Selbstachtung.

Stellt sich heraus, dass das tägliche Stück Sahnetorte wahrlich wichtiger ist als die Traumfigur und dass Sport keine Option darstellt, ist dies kein Weltuntergang. Dadurch wird man nicht zu einem schlechteren Menschen. Vielmehr wird man freier, weil nun klar ist, was man wirklich möchte – in diesem Fall: nicht abnehmen.

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25 Kommentare zu “Es gibt keine Disziplin

  1. Coco

    Lieber Felix
    Sehr interessant, dein Artikel. Trotzdem denke ich, dass du Einiges zu trivial darstellst.
    Kennst du das Rubikonmodell von Heckhausen? Ein sehr berühmtes Modell aus der Motivationsforschung.
    Hier wird zwischen motivationalen und volitionalen Phasen unterschieden. Alles was vor der Intentionsbildung geschieht, wird durch die Motivation beeinflusst. Die Phase nach der Intention, während der die Handlung initiiert und aufrechterhalten wird, beruht auf Prozessen der Willenskraft.
    Jemand, der eine Absicht hat, muss also zwangsläufig auch eine Motivation haben. Die Schwierigkeit besteht aber meist in der volitionalen Phase, v.a. zwischen der Absicht und dem tatsächlichen Ausführen der Handlung (Intentions-Verhaltenslücke). Die Motivation ist vorhanden, aber es fehlt an der Willenskraft, respektive geeigneten Bewältigungsstrategien.
    Motivation sollte keinesfalls einfach mit dem Ziel gleichgesetzt werden. Die Zusammenhänge scheinen doch wesentlich komplexer zu sein. Bitte bedenke, lieber Felix, dass es viele Forscher gibt, die sich tagtäglich nur mit diesen Prozessen beschäftigen. Wäre es so banal wie von dir beschrieben, wären diese schon längst arbeitslos.
    Bei einem muss ich dir aber zustimmen; den Begriff Disziplin finde ich auch unpassend. In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang häufiger von Selbstregulatorischen Fähigkeiten (häufig mit dem Grit Fragebogen von Duckworth et al, 2007 gemessen). Auch ich bin kritisch, was die Messung dieser Fähigkeiten angeht und bin überzeugt, dass diese sehr situationsabhängig sind.
    Verstehe mich bitte nicht falsch, ich finde deine Website grundsätzlich sehr gut und interessiere mich auch für deine persönliche Meinung. Trotzdem würde ich mir etwas mehr wissenschaftliche Untermauerung wünschen (Wikipedia gehört da nicht dazu).
    Ich würde mich über eine Stellungnahme deinerseits sehr freuen.
    Liebe Grüsse
    Coco

    1. Felix

      Hallo Coco,
      man kann jeden Sachverhalt infinitesimal komplex darstellen und ein entsprechend komlexes Modell dazu erstellen. Wir sprechen hier von Psychologie und das ist nichts greifbares, es sind immer nur Modelle – in der Quantenphysik ja letztlich auch. Ein sehr komplexes Modell lässt sich kaum einfach vermitteln.
      Böse Zungen könnten behaupten, die Forscher erstellten diese Modelle nur, gerade um ihren Arbeitsplatz zu erhalten.
      Die Welt funktioniert ganz, ganz einfach. Aber wenn man genau hinschaut, ist alles beeindruckend komplex.
      Wem hilft es, wenn alles immer nur möglichst kompliziert erklärt wird? Urgeschmack soll Menschen helfen. Ich helfe kaum jemandem, wenn ich alles so kompliziert wie möglich darstelle. Besonders angesichts der Tatsache, dass die einfachste Erklärung oft ebensogut funktioniert. Wichtig ist mir in diesem Fall das Resultat.

      1. Coco

        Lieber Felix
        Vielen Dank für deine Antwort. Eine kurze Anmerkung meinerseits;
        Forscher wollen schlussendlich Sachverhalte auch nur so komplex darstellen, wie notwendig für die Praxis. Es braucht etwas Komplexität, um geeignete Implikationen für den Alltag ableiten zu können.
        Psychologische Vorgänge sind so eng mit physischen verbunden, dass ich nicht behaupten würde, Psychologie wäre nicht greifbar.
        Um nicht vom Thema abzuweichen; Ich finde es gut, dass du die Erklärung einfach und verständlich halten möchtest. Aber vielleicht geht gerade diese Einfachheit auf Kosten der Anwendbarkeit im Alltag; denn die Welt ist komplex. 🙂
        Vielleicht hilft es Menschen bei der Umsetzung ihrer Ziele mehr, wenn man ihnen geeignete (volitionale) Strategien vermittelt, die sie bei auftretenden Hindernissen anwenden können, als nur auf die richtige Motivation hinzuweisen.
        Ich hoffe, du siehst mir meine kritischen Bemerkungen nach.
        Liebe Grüsse
        Coco

  2. Groove

    Hallo Felix,

    echt ein interessanter Artikel, aber leider hinkt deine Argumentation doch an dem ein oder anderen Punkt. Du sagst, dass es keine Disziplin gibt, sondern nur Motivation. Das stimmt so nicht. Motivation ist sicherlich das was einen antreibt und eine Rechtfertigung für das Handeln gibt. Motivation ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor, wenn es um Entscheidungen bezüglich des Erreichen des Ziels geht, aber gerade Abnehmen ist ein Paradebeispiel dafür, dass Motivation nicht ausreicht.

    Dein Fallbeispiel im Form des “zur Arbeit gehen” hat eine Crux. Zwar habe ich beim Arbeiten die Motivation Geld zu verdienen, aber ich habe auch keine andere Wahl. Alternativ kann ich nicht arbeiten gehen und kein Geld verdienen. Das ist aber keine Option (zumindest nicht für nicht Soziopathen). Dazu kommt noch das ich am Ende (ich gehe mal vom 0815 Job aus) immer das gleiche Geld bekomme, egal ob ich schlecht gearbeitet habe, ob ich krank war, ob ich Urlaub hatte oder zu spät gekommen bin.
    Beim Abnehmen hingegen stehe ich jedes mal vor der Wahl, gutes oder schlechtes zu essen. Egal wie ich mich entscheide, essen muss ich auf jeden Fall, nur muss ich mich jedes mal wieder der Herausforderung stellen, eben nicht das “Schlechte” zu essen. Und selbst wenn ich mich strikt dran halte, kommt es schon mal vor, dass ich am Ende doch nichts oder nur sehr wenig abgenommen habe. In beiden Fällen komme ich mit Motivation alleine nicht weiter. Ganz im Gegenteil, gerade wenn der Erfolg ausbleibt, wird die Motivation in Frage gestellt. Und genau da kommt die Disziplin ins Spiel. Disziplin bedeutet für mich in dem Fall, seine Ziele auch dann zu verfolgen, wenn diese in Frage gestellt werden und gerade in Momenten der sinkenden Motivation sich doch noch zielführend zu verhalten.
    Motivation alleine ist sicherlich nicht zielführend. Motivation kann nämlich auch stark schwanken, je nach Gemüt oder Lebenslage. Auch lässt sie gerne nach “hinten raus” nach. Wie oft geht die Motivation morgens winkend an einem vorbei und nur die eiserne Selbstdisziplin rafft sich auf um mit verschlafenen Augen ins Bad zu tapsen?!

    Sicherlich hilft eine gute Motivation und eine klare Zielsetzung dabei, die Disziplin aufrecht zu erhalten. Aber wer jetzt denkt er muss nur fest genug an einen schlanken und gesunden Körper glauben, der irrt sich aber gewaltig. Motivation umzusetzen heiß Disziplin üben.

    So ist zumindest meine Einstellung dazu.

    1. Felix

      Hallo Groove,

      statt dem von dir genannten Szenario im Punkt Arbeit gibt es diverse Alternativen, man hat auf jeden Fall die Wahl:
      1) Den 08/15-Job machen.
      2) Einen besseren Job suchen.
      3) Sich selbständig machen.
      4) Nicht arbeiten.
      5) Wenig arbeiten.
      6) Eine kriminelle Laufbahn einschlagen.
      Das sind alles valide Alternativen, so aus dem Stegreif.

      Was dies angeht:

      “In beiden Fällen komme ich mit Motivation alleine nicht weiter. Ganz im Gegenteil, gerade wenn der Erfolg ausbleibt, wird die Motivation in Frage gestellt. Und genau da kommt die Disziplin ins Spiel. Disziplin bedeutet für mich in dem Fall, seine Ziele auch dann zu verfolgen, wenn diese in Frage gestellt werden und gerade in Momenten der sinkenden Motivation sich doch noch zielführend zu verhalten.”

      Und da hast du das Ziel genannt. Das Ziel ist doch gerade die Motivation. Mit Glauben hat das nichts zu tun. Mit Überzeugung schon eher.

  3. Calisthenic King

    Keine Diszplin nötig? Stimmt genau. Eine wichtige Sache könnte man hinzufügen.Stammt aus eigener Erfahrung.EMOTIONEN. 70 oder 80% unserer täglichen Entscheidungen (zB in Sachen Essen)werden rein emotionell getroffen. Man tut das, was einen sich besser fühlebn lässt. Kultiviert man die richtigen Emotionen, geht alles wie automatisch, ohne Willensanstrengung.Eine sehr negative Emotion (zB Verachtung) verbunden mit dem Feindbild )ich, der schlappe, kranke Fettsack)und eine sehr positive Emotion mit dem Zielbild (ich, die zähe Kampfmachine mit six pack, – dazu siehe Youtube unter Calisthenic work out).Alles machbar. Bei mir zB runter von meinen 120KG (Grösse 172 cm), schlapp und träge auf 70kg und mache locker 20 Klimmzüge, 50 Barrenstützen, up hill sprints etc.. Ernährungstechnich hat bei mir der totale Verzicht auf jeglichen Zucker und Brot und alles was aus Mehl ist den job getan. Früchte sind in Massen ok.Dies kombiniert mit sogenanntem intermittant fasting, siehe youtube, d.h. jeden Tag eine lange Zeit ohne Essen (bei mir, kein Essen mehr nach dem sehr reichhaltigen Mittagessen bis zum nächsten Morgen mit Riesenfrühstück. Alles easy, ohne Willenskraft, mit dem richtigen Emotionsmix.

  4. Pingback: Wissen, was uns antreibt | uuliv.de

  5. lei

    Danke fur den Beitrag! Der Beitrag hat mich aus dem Tief geholt! Ich habe 16 Kilo abgenommen und die Hoffnung aufgegeben noch 7 Kilo zu verlieren. Nach Lesen Deines Beitrags habe ich meine Motivation überprüft und die notwendigen Korrekturen vorgenommen, jetzt nehme ich wieder ab. Seitdem esse ich wieder gesünder und fühle mich wieder wohler. Disziplin mit Motivation ersetzen ist ein schwieriger Akt.

  6. Sascha

    Hach ja, willst du nicht Dozent für Philosophie werden? Da könnten sich einige bei uns eine Scheibe abschneiden. 🙂
    Danke für den Artikel.

  7. Luki

    Ich finde diesen Artikel schon recht vernünftig :). Eines gehört hier aber erwähnt: Vielleicht ist die “Sucht” nach süßen, deftigen, kalorienreichen Nahrungsmitteln gar keine Sucht, sondern ein Zeichen, dass der Körper sie benötigt? Würde ich meine Luft anhalten, so wäre es eine ziemlich große Herausforderung, das länger als 1-2 Minuten durchzuziehen, und zwar deshalb, weil mein Körper Sauerstoff BRAUCHT. Viele Leute wissen, dass es ähnlich schwer seine kann, z.B. auf Schokoladentorte zu verzichten. Man spricht dann von “Sucht”. Aber was, wenn es sich dabei gar nicht um eine “Sucht”, sondern um ein intelligentes Signal des Körpers handelt?

    Vielleicht sollte man aufhören, die Signale seines Körpers immer zu ignorieren. Bist du müde? Dann hör auf zu arbeiten und leg dich hin. Bis du durstig? Trink etwas. Bist du hungrig? Iss etwas! Iss den verdammten Cheeseburger, wenn du Lust darauf hast. Und wenn du Lust auf Gemüse hast, dann iss eben Gemüse.

    Mir ist bewusst, dass sich die meisten Leute denken “Aber ich will nichts mehr essen, ich bin doch schon dick!”
    Tja, absurderweise kann man dick werden, weil der Körper sich in einem Zustand befindet, indem er glaubt, zu verhungern. Man kann abnehmen, indem man MEHR isst.

    Mehr dazu in diesem wunderschön geschriebenen Artikel:

    http://180degreehealth.com/2013/10/stop-food-cravings

    Wir alle haben so intelligente Köpfe, die Nahrungsmittel in “gesund” und “ungesund” einteilen. Aber Köpfe können sich irren. Vielleicht weiß es unser Körper einfach besser.

      1. Luki

        :). Ich finde, das kommentar passt auch hier her!

        Wir lernen von unseren Eltern und Lehrern, dass es vernünftig, und wichtig ist, Prioritäten zu setzen.
        Die Schokoladentorte essen oder eine Traumfigur haben? Das sind 2 scheinbar entgegengesetzte Wünsche. Aber was wenn die Schokoladentorte meinem Körper in Wahrheit guttut? Dann muss ich keine Prioritäten mehr setzen, beides ist möglich. Meiner bescheidenen Einschätzung nach sind die gesündesten Menschen sehr oft die die, die sich eben nicht um ihre Gesundheit schären, die nicht Kalorien zählen sondern stattdessen einfach ihre Träume und Wünsche leben.

        Solange ich der Überzeugung bin, dass gewisse Nahrungsmittel schlecht für mich sind, tue ich mir aber schwer, diesen Traum zu leben. Solange ich glaube, dass die Erde am Horizont endet, tue ich mir schwer, Amerika zu entdecken, usw. Klingt weit hergeholt, ist meiner Erfahrung nach aber sehr zutreffend.

        1. Markus

          Luki, musst dir bei deinen Beobachtungen immer Gedanken um Ursache und Wirkung machen, sonst ziehst du schnell falsche Schlüsse. Sind Menschen. die sich keine Gedanken machen um das, was sie essen und sich die Schokoladentorte einfach rein ziehen wirklich gesünder, oder sind diese Leute vielleicht gesünder und machen sich deshalb keine Gedanken ums Essen? Ich glaube, dass keiner , aber auch wirklich keiner ´von den Leuten, die auf dieser Seite aktiv sind, nicht irgend ein gesundheitliches Problem hat/hatte oder anderweitig mit seinem Körper unzufrieden ist/war. Sonst wäre es nämlich wesentlich bequemer und ökonomischer einfach in den Supermarkt zum Einkaufen zu gehen und jeder würde das tun und das wäre dann auch gut so, wenn es genau so gesund und nachhaltig wäre. Nur leider ist es das offenbar nicht!

          1. Luki

            danke für deine antwort!!! war schon fad, allein gegen niemanden zu argumentieren! 😉

            Ich gebe dir vollkommen recht: Natürlich beschäftigt man sich in der Regel deshalb mit Gesundheit/gesunder Ernährung, weil man eben gesundheitliche Probleme hat. So war es auch bei mir. Ich hatte zahlreiche Allergien, Intoleranzen, chronische Müdigkeit usw. Schon als Kind wurde mir aus diesem Grund “Vollwerkost” gefüttert. Immerhin hatte ich die “gesunde Ernährung” ja umso “nötiger”, weil ich ja “ungesund” war. Einem Paleo-Verträter fällt schon auf, dass das vielleicht nicht optimal war, denn laut Paleo-Dogma fördert Vollkorn ja Allergien. Dann entdeckte ich Paleo, und die Freude war groß: Immerhin hatte ich jetzt ja die Erklärung für meine Probleme. Ein Jahr später musste ich aber leider feststellen, dass mir auch konsequente Paleo-Ernährung nichts brachte. Jetzt kann man natürlich sagen “okay luki, du bist eben ein spezieller fall. nicht einmal die gesündeste ernährung der welt, die ernährungsform, die für deine GENE gemacht ist, schafft es, dich gesund zu machen. schau dir dir vielen paleo-testimonials an. paleo funktioniert”.

            Natürlich könnte ich meinen Kopf in den Sand stecken. Oder ich befreie mich vom Dogma und erweitere meinen Horizont. Erstens sind es nicht nur Vitamine und Mineralstoffe die der Körper braucht, sondern auch KALORIEN! Das erzählt einem fast keiner, denn Kalorien machen ja dick nicht wahr? 😉 Das problem ist: Gemüse und Eiweiß machen zu schnell satt weil der Körper gar nicht so viel davon braucht. Stärke, Zucker und Fett hingegen, dienen der Verbrennung, der Körper braucht wesentlich mehr davon. Deshalb schmecken die auch so gut. Isst man mehr davon, verbrennt der Körper auch mehr, der “Stoffwechsel wir angekurbelt”. Wunden heilen schneller, die Regeneration funktioniert besser, die Verdauung wird schneller, sodass Nahrung nicht ewig lang im Darm sitzt und dort gärt. Der Körper verbrennt mehr und man nimmt ab. Anabole Hormone nehmen zu, deshalb nehmen Hardgainer plötzlich zu.

            Was aber noch viel wichtiger ist: Der Körper braucht nicht nur Vitamine, Mineralien, Aminosäuren und Kalorien, sondern: Vorallem körpereigene Stoffe müssen rund laufen. Was beeinflusst die Körperchemie negativ? Nun: Stress in seinen 10 000 Formen. Gehetzt sein ist ein Stress. Aber auch: Schlafmangel, zu wenig essen (z.B den Guster auf etwas ignorieren), Liebeskummer, Schüchternheit, seine Träume nicht leben, durcheinandergebrachte cirkadianische Rhythmen, zu wenig Urlaub, einen Job machen der keinen Spaß macht, usw. Natürlich sollte nan auch positiven Stress inkludieren!! z.B Abenteuer erleben, frisch verliebt sein, Lampenfieber, Herausforderungen meistern, glücklich sein, …

            Mich persönlich haben Diäten/Ernährungsformen an meinen Träumen gehindert. Ich hatte mehrere Nahrungsmittelintoleranzen, aber seitdem ich einfach esse was ich will, sind die weg. Warum? Das weiß ich nicht. Vielleicht hatte ich einfach einen Kalorien-Mangel, und dass daraus gesundheitliche Probleme (z.b. nahrungsmittel-intoleranzen) entstehen können, sollte ja nicht verwundern. Seitdem ich darauf achte, das zu tun was ich will, und nicht was andere wollen, ist mein Stress rapide nach unten gegangen (natürlich noch immer mit großer Rücksicht auf andere! – ich bin ein sehr sozialer mensch! 😉 )

            Ich will jetzt nicht gegen paleo wettern. Wenn das hilft, dann passts. Aber wenn ich persönlich nicht auf Matt Stone gestoßen wäre, der mich vom Paleo-Dogma befreit hat, würde ich noch immer frustriert sein. Mir macht kochen echt spaß, (mit viel Inspiration von Felix’ Seite! 🙂 ) aber 3 mal am tag in der küche zu stehen, hat sich wie eine fessel angefühlt.

            Schönen Abend noch! 😉

        2. Markus

          Glückwunsch, dass du deine Krankheiten nun in den Griff bekommen hast.
          Allerdings ist Paleo nur ein Dogma , wenn man es als solches sieht. Fesseln legst du dir dabei höchstens selbst an, oder Leute die dir eine Peleodiät verkaufen wollen. Die giebts ja nun wohl auch. Paleo Diät bezeichnet für mich lediglich den Versuch Nahrung auf zu nehmen, die chemisch ähnlich ist mit der , was unsere Väter gegessen haben. Die Ätkins Diät ist somit auch eine Paleodiät, weil sie genau das tut.(Als Beispiel).
          Dass man dazu 3mal am Tag kochen muss hat keiner gesagt. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall: Unsere Vorfahren werden wohl Nahrung gegessen haben, die keiner umfangreichen Behandlung bedurfte, vorallem Tiere, die alles liefern, einschlieslich Kalorien. Solche Nahrung hat auch einen anderen Vorteil: Sie schmeckt um welten besser. Wenn eine Tiefkühlpizza dir besser schmeckt, dann liegt das ja nicht daran, dass dein Körper darin etwas erkennt, was er braucht, sondern weil das Glutamat das die Lebensmittelchemiker in die Pizza rein getan haben deinem Körper den Geschmack von Fleisch vorgaukeln will(was er braucht). Es handelt sich also um eine Lüge.

  8. Heidi

    Den Nagel auf den Kopf getroffen! Genau das ist es: was will man eigentlich wirklich selber fuer sich? Und wenn man es wirklich will, dann ist alles fast schon von selbst. Super Artikel, richtige Gedanken! Lieben Gruss…

  9. chakata

    Der Artikel ist gut geschrieben und kann beim Durchhalten helfen. Er stärkt die zukünftige Motivation, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.
    Nur gibt es einen kleinen Fehler – es gibt keinen freien Willen!
    Wir handel alle aus unseren Erfahrungen und Einflüssen der Vergangenheit. Die Gehirnforschung zeigt, dass jede Entscheidung die wir treffen, zum Zeitpunk der Entscheidung schon fest steht. Das Unterbewusstsein entscheidet laut CT und Hirnstrommessungen schon bis zu 10 sec VOR der bewussten Entscheidung. Für uns heißt das, dass wir so und nicht anders handeln mussten, als wir die Sahnetorte genossen. Ein schlechtes Gewissen brauchen wir deshalb nicht haben – wir hatten garkeine andre Wahl.

    Nur unsere Lernerfahrung, Einflüsse dritter und die jeweilige Situation gibt uns zukünftig die Möglichkeit anders zu entscheiden.
    Und wenn wir es nicht tun – habt kein schlechtes Gewissen – es ging nicht anders. Aber die Erfahrung dann bringt uns weiter auf dem Weg gesund zu leben.

    1. Maverick

      Ich will dir nicht zu nahe treten Chakata, weil ich nichts über dich weiß, aber gerade so eine Einstellung macht den Menschen von heute(Achtung: Verallgemeinerung) so krank (sowohl physisch, als auch psychisch). Zu denken man treibe wie ein Blatt auf dem Ozean, getrieben durch die Strömung und ohne Möglichkeit einer Einflussnahme, macht es den Medien und der Industrie, als Dritter noch der Pharmazie so einfach, uns alle von hinten bis vorne zu täuschen. “Meine Gesundheit wird bestimmt von meinen Genen, meine Entscheidungen werden bestimmt durch meine Vergangenheit, in der Zukunft wird alles besser.” Nur um im Bezug zum “Paleogedanken” zu bleiben und meine Auffassung rational zu erklären: Haben die Urmenschen von Genen gewusst? Hatten sie eine Uhr? Sie haben sich keine Gedanken darüber gemacht und haben trotzdem Millionen von Jahren überlebt. Das Problem meiner Meinung nach heute ist, dass die Menschen keine Verantwortung für sich übernehmen wollen, immer ist jemand/etwas anderes Schuld. Jeder treibt anonym in der Masse umher ohne etwas zu tun, aber jeder ist unzufrieden. Wenn du mir nicht glaubst, mach Folgendes(ich habs auch getan, frag nicht warum): Geh auf die Straße und frag 10 fremde Menschen: “Ist das Leben schön?” und dann frag sie, was sie ändern würden. Ich garantiere dir min. 8 “Neins” gefolgt von diversen Ausreden, warum man nichts ändern kann/will.

      Vielleicht ist der Beitrag hier eher Kritik an mir selbst, dass ich solange blind durchs Leben gelaufen bin und fast zu spät bemerkt hätte, wohin mich das führt und er bezieht sich weniger auf dich. Aber ich wünsche mir, dass die Leute wenn sie sowas lesen, vll. mal in den Spiegel schaun und merken, dass man Dinge die falsch laufen, ändern kann, auch wenn man dafür eigene Verantwortung übernehmen und selbst etwas dafür tun muss.

      Ich wünsch dir alles Gute, aber mit dieser Einstellung wirst du es nach meiner Erfahrung nicht erreichen.

      @Felix
      P.S: Guter Blog, regt denke ich viel zum Denken an, aber ohne “allwissenden” Unterton. Eine der guten Informationsquellen über Ernährung, die einem helfen will, ohne eine Meinung aufzuzwingen.

    2. Felix

      Sehr gewagt von dir, auf Basis eines Experiments eine These aufzustellen, diese zum Fakt zu erklären und daraus zu entnehmen, dass der obenstehende Artikel einen Fehler enthält – mit Bezug auf einen Begriff, den ich gar nicht verwendet habe.

  10. Nikita

    Schön ausgeführt, würde dem Ergebnis nicht zustimmen. Es gibt (für mich) schon einen Unterschied zwischen Motivation und Disziplin. Zum Beispiel ist bei der Disziplin die Lust/Sinnhaftigkeit des Ziels seltener gegeben. Motivation hat immer etwas mit positiven Emotionen zu tun.
    Aber trotzdem finde ich deine Gedanken nicht schlecht. Man kann sich ja auf disziplinierte Motivation einigen 😉

  11. Christine

    Das höre ich immer und immer wieder (zuletzt am Sonntag): “Ich bewundere deine Disziplin.”

    Dabei hat es – jedenfalls bei mir – nix mit Disziplin zu tun. Es machte mir gar nichts aus, das angebotene Mittagessen nicht zu mir zu nehmen und ich wurde eine Stunde später zu Hause leckerst! “entschädigt”.

    Wenn ich den Leuten dann antworte, dass das mit Disziplin nichts zu tun hat, dass ich überhaupt gar nichts entbehre – dann glaubt’s keiner.

    1. Pit

      Das kenne ich … “Musst du nicht auf voll viel Verzichten?!”
      Ich versuche dann zu erklären, dass man erst verzichtet, wenn man etwas haben will, aber es nicht nimmt. Wenn ich das, auf was sie nicht “verzichten könnten”, gar nicht haben will, dann ist es für mich ja kein Verzicht. Nur scheint es selten anzukommen, ich muss wohl noch an der Formulierung arbeiten 😉

  12. Doro

    Danke für diesen wichtigen Artikel. Ich kann jedes Wort bestätigen, weil ich selbst lange Jahre mit schlechtem Gewissen und eher Selbstverachtung als Selbstachtung gelebt habe.
    Nachdem ich mir klar gemacht hatte dass zu dem damaligen Zeitpunkt andere Dinge wichtig wurde, habe ich zwar wieder zugenommen aber einen inneren Befreiungsschlag getan.

    Jetzt habe ich andere sehr klare Ziele und verhalte mich entsprechend, und das mit Freude. Freude, Freiheit, Liebe und Verantwortung gehört für mich zusammen, anderen und mir selbst gegenüber.

Kommentare geschlossen.

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