Essen als Ersatzreligion: Vegan, Paleo und Rohkost

Ersatzreligion EssenVegetarische Ernährung, Rohkost und Paleo-Diät sind umfassende und teils effektive Konzepte zum Erreichen von Ernährungs­zielen. Doch sie haben eine dunkle Seite: Statt einfach nur anders zu essen, verändern viele Menschen ihre Identität und werden zu Veganern, Rohköstlern und Paleos. Dieser Umgang mit dem Essen als Ersatzreligion macht es für sie und ihre Umwelt zu einer unnötigen psychologischen Belastung und es fördert Stress und gefährliche Essstörungen.

Ernährung als Ideologie

Veganismus, Paleo und Rohkost (und viele andere) sind zunächst nur Begriffe. Parallel dazu existieren sie jedoch als Ideologien. Menschen haben ihre Ansichten abgeglichen und daraus eine gemeinsame Weltanschauung entwickelt. Mantren wie »Absolut keine Tierprodukte«, »Kein Getreide, kein Milch« oder »Nichts über 47°C« haben sie so oft wiederholt, dass niemand innerhalb der Gruppe sie hinterfragt. Die so entwickelten Dogmen ersetzen die aktive Auseinandersetzung mit dem Stand der Wissenschaft und verbieten jegliche Differenzierung.

Paleo bedeutet dann pauschal »Niemals Getreide!«, unabhängig von Qualität, Quanti­tät und Kontext und ganz gleich ob dies im Einzelfall angebracht oder zielführend ist. Jegliche anderslautende Hinweise aus Forschungsergebnissen können nur auf Fehlern beruhen. Auf der anderen Seite klammert man sich auch an die qualitativ schlechtes­ten Studien, wenn sie nur die gefestigte Meinung bestätigen. In dieser Hinsicht gleichen sich die ideologischen Fraktionen der Veganer, Rohköstler, LowCarber und Paleos.

Identifikation

Viele Menschen entscheiden sich nicht einfach, weniger oder kein Fleisch zu essen. Stattdessen werden sie Vegetarier. »Ich bin jetzt Vegetarier« – wer das äußert, hat sein Dasein verändert und die Ideologie zu seiner Identität gemacht. Diese schwerwiegende Wahl versteift das Weltbild. Man ist Vegetarier so, wie man Katholik ist: Seine Religion wechselt man nicht einfach so.

Wer mit der Ernährung entspannter umgeht, formuliert anders: »Ich esse vegeta­risch.« So jemand basiert sein Dasein nicht auf der Ernährungsideologie. Er hat den Blick frei für weiterhin bewusste Entscheidungen und entscheidet nüchtern: »Ich esse kein Fleisch.«

Die Wortwahl mag meist unbewusst erfolgen, doch das Ergebnis ist das Gleiche. Die unterbewusste Identifikation des Wesens mit der Ideologie findet statt. Wer jahrelang mit dem Bewusstsein gelebt hat, Vegetarier zu sein, kann dies nur schwer ablegen. Es bedroht die Identität, die Existenz.

Hinzu kommt die natürliche Suche des Menschen nach Zugehörigkeit (»Paleo ist mein Lifestyle«). Gruppierungen wie Veganer, Rohköstler oder Paleo-Anhänger schaffen ein Wir-Gefühl (Kohäsion), was die Identifikation mit der Ideologie noch attraktiver macht.

Essen als Religion

Ein Blick in die entsprechenden Onlinegemeinschaften, etwa Internetforen oder Facebook-Gruppen, zeigt ein religiös anmutendes Bild. Schon das Vokabular deutet darauf hin. Einige prahlen, wie lange sie nun schon abstinent (konsequent) sind: »Ich habe jetzt schon 6 Monate keine Milch getrunken und es geht mir jeden Tag besser!« Andere beichten ihre Ernährungssünden (»Hey Leute, ich habe am Wochenende gesündigt und eine Tafel Schokolade gegessen.«) Dann holen sie sich Rat bei den konsequenteren Gruppenmitgliedern. Diese verurteilen den Sündiger oder vergeben ihm und erteilen die Absolution (»Wenn die Schokolade mit Stevia statt mit Zucker gesüßt war, ist es gar nicht so schlimm. Mach' dir keine Sorgen«, oder »Wenn du auch nur ein Gramm Fleisch isst, bist du kein richtiger Veganer!«)

Das Sündigen ist nun ein verniedlichter Begriff, den auch die Werbung gerne für Süßkram aller Art verwendet. Doch das Vokabular sitzt tief und wer eine streng religiöse Erziehung erfahren hat, nimmt diese Verstöße teils sehr ernst. Die Folge sind echte und schwere Schuldgefühle und Gewissensbisse. Psychologische Belastungen, die ernsthafte Erkrankungen wie Essstörungen nach sich ziehen können.

Die Ernährungsideologien kategorisieren Lebensmittel nicht allein in gesund oder ungesund. Vielmehr essen Menschen richtig oder falsch und gut oder böse (etwa Fleisch im Vegetarismus). Dies mache Ernährung zur Ersatzreligion, warnt die klinische Psychologin Wendy Mogel.

Doch nicht nur das Vokabular ist religiös. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppen, besonders jedoch zwischen Ideologien wie Vegan und Paleo nimmt teils Züge eines heiligen Krieges an und endet immer häufiger auch in physischer Gewalt. Hasserfüllte Kommentare und Morddrohungen allein aufgrund von Ernährungs­ent­schei­dungen sind an der Tagesordnung. Ein Festmahl für Studenten der Kognitiven Dissonanz.

Wie kann ich das verhindern?

Der Ausstieg aus diesem Verhalten erfordert einen Bewusstseinswandel: Ich bin nicht meine Ernährung. Das Vokabular ist ein guter Anfang dafür. Wenn man eine Meinung hat, kann man sie ablegen oder eine andere annehmen. Es gibt schließlich genug davon. Wer sich jedoch mit seiner Meinung identifiziert (»Ich bin dieser Meinung«), hält daran fest. Das ist völlig menschliche Psychologie: Wer sich einmal eine Meinung gebildet hat, ändert sie nur ungern. Die nötige Flexibilität können wir gewinnen, indem wir die Identifikation aufgeben. Man kann seine Meinung ändern. Basierend auf Erkenntnissen, Lust und Laune.

Übertragen wir dies auf die Ernährung: Wenn ich Veganer bin, komme ich da kaum heraus, denn ich müsste meine Persönlichkeit aufgeben. Ernähre ich mich hingegen vegan, kann ich schon bei der nächsten Mahlzeit anders entscheiden.

Die Folge ist eine Aufgabe der Ideologie, jedoch häufig auch eine schnelle Entfrem­dung von der entsprechenden Menschengruppe. Dies kann jenen schwerfallen, die sich an das Gefühl der Sicherheit gewöhnt haben oder sich sonst nicht zugehörig fühlen. Ein gefestigtes soziales Umfeld kann diesen Übergang erleichtern, letztlich hilft in solchen Fällen ein gesundes Selbstbewusstsein.

Ein solches fördert unser Bildungssystem jedoch nicht, denn es bestraft Irrtümer. Umso hilfreicher scheint es, sich nicht all zu fest an seine Meinungen und Ansichten zu klammern. Zu sagen »Ich weiß es nicht«, oder »da habe ich mich wohl geirrt« ist viel leichter als es sich manchmal anfühlt. Es ist eine Frage der Übung. Man kann sich daran gewöhnen, nicht alles ganz genau zu wissen und dass es oft keine einfachen Antworten gibt. Die bedrohlich wirkende Unsicherheit weicht dann oft einem Gefühl der Freiheit.

Erst diese Freiheit erlaubt einen gesunden Umgang mit dem Essen. Das beinhaltet unbeschwertes Kochen, genussvolles Essen und gemeinsame Tafelfreuden.

Schieben wir kurz beiseite, was René Descartes mit »Ich denke, also bin ich« (»Cogito ergo sum«) eigentlich vermitteln wollte: Wer die Ideologien der Veganer, Paleos und Rohköstler hinter sich lässt und stattdessen das Denken selbst übernimmt, kann mit voller Sicherheit genau eines sagen: »Ich bin.«

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53 Kommentare zu “Essen als Ersatzreligion: Vegan, Paleo und Rohkost

  1. Sophie

    Ich denke, dass wir Menschen einfach gewisse Regeln brauchen. Früher gaben die einzelnen Religionen klare Verhaltensregeln vor. Mit dem Wegfall dieser Regeln suchen sich die Menschen eben neue Gruppen, wo sie dazugehören und dessen Regeln sie befolgen. Ich glaube, dass wir Menschen mit der totalen Freiheit nicht zurecht kommen, wir brauchen einfach bestimmte Grenzen. Für manche ist eben essen und Ernährung zur Ersatzreligion geworden. Dort suchen sie, wie früher im Glauben, die “Absolution”, das Paradies: Das heißt konkret die ewige Gesundheit, Jugend und Schönheit. Früher hatte man Angst vor der Hölle, heute hat man Angst vor dem Älterwerden, vor Krankheit und Tod. Ich war Vegetarierin, Ketarierin (Atkins) und Paleoanerin. Inzwischen will ich von -tariern und -anern nichts mehr wissen. Ich will mir nichts mehr verbieten! Die Menge macht´s. Das wussten schon unsere Großeltern. Bei mir gibt es vorwiegend Selbstgekochtes, Selbstgebackenes oder auch mal etwas ganz Einfaches. Conveniece, Fastfood und Süßigkeiten gibt es auch aber halt selten oder hin und wieder mal in kleinen Mengen, je nach Lust und Laune. Wir sollten wieder Dankbarkeit lernen! Dankbar sein, dass wir genug zu essen haben, andere Menschen müssen verhungern. Denkt mal darüber nach.

    1. Felix

      Hallo Sophie,
      totale Freiheit ist schwierig für den Menschen und ja, Regelwerke wie Religionen, Ideologien etc sind dann ein Zufluchtsort. Eine Glaubensgemeinschaft kann sehr viele Vorteile bieten und Gutes Bewirken. Die Probleme entstehen dann, wenn sie sich separieren und es an Toleranz für Andersdenkende mangelt.

      1. Sophie

        Hallo Felix,
        das ist ja das große Problem! Sobald man radikal wird, sind Vernunft und Toleranz ausgeknipst. Schließlich hat man die Weisheit mit Löffeln gefressen und den einzig richtigen Weg ins Paradies gepachtet. Solche Ernährungsweisen sind mir inzwischen extrem suspekt. Nicht nur die Toleranz geht flöten, sondern auch der gesunde Menschenverstand. Schlussendlich aber geht es nur um eins: Geldmacherei! Schlimm finde ich vor allem die Heilungsversprechen. “Seit ich Paleo lebe, brauche ich keine Tabletten gegen mein Leiden mehr” oder “Seit ich vegan lebe, ist mein Leiden komplett verschwunden”, wissenschaftlich belegt ist weder das Eine noch das Andere. Ich glaube da eher an einen kurzfristigen Placeboeffekt.

        1. Christine

          Hallo Sophie,

          Deinem ersten Teil stimme ich zu.

          Aber dass ein “seit ich Paleo lebe, …” nicht wissenschaftlich belegt sei, ist falsch. Es gibt nicht wenige Menschen, die Heilungen “beweisen” können, durch Blutwerte, ärztliche Befunde, etc.
          Kurzfristiger Placeboeffekt – selbst wenn es so wäre, dass meine Migräne durch den Placeboeffekt verschwunden wäre, seit nunmehr dreieinhalb Jahren, dann wäre Paleo ja trotzdem mein Weg dorthin gewesen, hätte sozusagen den Placeboeffekt erst ermöglicht. Ich kann nichts Falsches daran finden, den Menschen zu berichten, was sich bei mir verbessert hat. Ich darf nur (und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt) nicht glauben/behaupten, dass alle nach derselben Façon leben und essen müssen.

          1. Sophie

            Hallo Christine,
            evidenzbasierte Langzeitstudien existieren bis heute nicht. Jeder Arzt wird die Schultern zucken und genau das sagen: Es gibt keine seriösen Langzeitstudien, die einen positiven Effekt nachgewiesen haben. Es ist ein “try and error”. Wenn es für Dich stimmt: gut. Aber so muss das nicht für jeden sein. Für mich sind Ernährungsformen mit solch strikten Einschränkungen und zig Verboten einfach nichts!
            Was mich an dieser Paleo-Geschichte sehr gestört hat ist, dass z.T. wissenschaftlich nicht nachgewiesene, bzw. bereits widerlegte Behauptungen aufgestellt werden und auch der religionsähnliche Missionseifer, mit dem Paleo beworben wird. Natürlich muss man, um mehr zu erfahren, ein Buch kaufen, ein E-Book oder sonst irgendwelche Produkte (genau so verhält es sich mit Veganismus). Sorry, sowas ist mir immer suspekt. Auch sehr suspekt ist mir, wenn bestimmte Nahrungsmittel verteufelt werden (Getreide, Hülsenfrüchte). Bis heute ist diese Theorie wissenschaftlich nicht haltbar! Genau so wenig haltbar und bereits widerlegt ist, dass man Kohlenhydrate statt Kalorien zählen soll, um abzunehmen. Erst recht nicht haltbar ist die richtiggehende Verteufelung der Kohlenhydrate. Wer viel Sport treibt, sich viel bewegt, der braucht sie. Sicher nicht 3 Teller Nudeln am Tag, aber wie schon erwähnt: Die Menge macht´s. Nachdem ich mal ausgerechnet hatte, wie viele Kalorien manche Paleo-Gerichte haben, habe ich die Finger davon gelassen. Müsliriegel und Brote mit Kalorien, die mehr als einem ganzen Tagesbedarf entsprechen!!! Ne, dann lieber ein klassisches Stück Brot mit halb so viel Kalorien wie ein Stück Paleo-Brot.
            Maßvoll, vielseitig, kalorienbewusst lautet meine Devise.

          2. Felix

            Hallo Sophie,
            der springende Punkt liegt im Paket. Du hast in dieser Frage Recht, wenn es um Paleo geht. Christine hat Recht, wenn es um Einzelheiten geht. Getreide kann große Schäden im Körper anrichten, darüber gibt es reichlich Studien. Das hat allerdings rein gar nichts mit der Paleo-Ideologie zu tun, die nüchtern betrachtet nur ein paar Themen zu einem effektiven Programm zusammengefasst hat (glutenrei, laktosefrei, oft lowcarb, unverarbeitet, keine Industriefette etc). Paleo hat das aber nicht erfunden, sondern nur zusammengefasst und hat genau deswegen auch so viele Schnittpunkte mit anderen Ernährungsformen. Ich finde das vergleichbar mit dem Crossfit-Wahn, dessen anhänger oft so tun, als hätte Crossfit den Liegenstütz erfunden oder die Kniebeuge oder das hoch intensive Training – dabei ist auch das nur ein Programm zusammengestellt aus altbewährten Werkzeugen.
            Insofern ist es sicher auch eine Frage der Perspektive: Wenn Christine diese Ernährungsthemen erst durch Paleo kennengelernt hat (das ist eine Spekulation), dann wird es für sie immer mit Palo verbunden sein. Jemand, der all diese Themen viel früher und losgelöst vom Paleokonzept kennengelernt hat, wird eher den Kopf schütteln und Paleo jede Daseinsberechtigung absprechen.
            Es ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite lernen viele Menschen diese für sie teils lebenswichtigen Themen erst durch den Paleotrend kennen. Das ist vorteilhaft. Andererseits fehlt es vielen an der Differenzierungsfähigkeit: Sie sind nicht in der Lage, diese Themen als einzelne, kontextabhängige Werkzeuge zu begreifen und pauschalisieren. Das ist nachteilhaft. Mir scheint diese Schneide des Schwertes erheblich schärfer zu sein, zumal praktisch jede Definition der Paleodiät auf diese Weise verallgemeinert.

    2. Holger

      Hallo Sophie,
      ich habe erst heute die Seite gefunden und finde Deine Einstellung – “SUPER”.
      Ich ernähre mich vergetarisch, weil ich es mir selbst schuldig bin, etwas zu tun, für mich, die Umwelt und die Art der Tierhaltung. Es ist auch eine Form der Auflehnung, das Tier nur als einen “Gegenstand” zu sehen.
      Die gedankliche und damit innere Freiheit ist das Entscheidene. Deshalb finde ich Dogmen egal in welcher Form: die Selbstzerstörung der inneren Freiheit. Und das Gleiche kann man auf die Ernährung produzieren.
      Wer im Leben sich die Toleranz der eigen Entscheidung gibt und Lebensformen wie Ernährungsphilisophien, Religionen oder politische Einstellung seinen Raum lässt – lebt freier, da er akzeptiert.
      Ich möchte, dass die Menschen in ihrer Welt ihre Perspektive finden, aus dem sie ihre Zufriedenheit erfahren können und möchte nicht zum Messias meiner eigenen Vorstellung von “Richtig oder Falsch” werden. Darüber zu diskutieren erweitert den Horizont und gibt die Möglichkeit, mit dem Gedankenaustasche sich weiter zu entwickeln.
      Dies trifft sicherlich auch auf die Ernährung zu.
      Danke für Deinen Beitrag

  2. Ulrike

    Danke für deinen Artikel. Die Ernährung als Religion ist ja derzeit “in”, reicht aber als Orientierung für gutes Leben bei weitem nicht aus. Als höhere Werte sind mir liebevolle und gute Gemeinschaft mit anderen Menschen viel wichtiger. Mich vegan zu ernähren ist zwar mein Entschluss, aber längst nicht mein Lebensinhalt.

  3. Julia

    Hallo Felix!
    Vielen Dank für diesen aus meiner Sicht sehr guten Artikel und die vielen interessanten Links darin! Du sprichst mir damit in vielen Punkten direkt aus der Seele, in einigen Beschreibungen habe ich ein früheres Bild von MIR, in anderen Bekannte wiedergefunden.
    Ich würde mir wünschen dass allgemein wieder entspannter mit dem Thema “Was wir essen” umgegangen wird.
    Ich freue mich auf das Durchstöbern deiner Seite, hab sie heute erst entdeckt!
    Alles Liebe aus Wien
    Julia

  4. nicolette unterstaller

    Hallo Felix, ich habe zu Beginn meiner Umstellung auf Paleo durchaus missionarische und belehrende Züge an mir entdeckt. Zumal ich ja erstaunlichste Erfolge hatte und habe. Daran sollte doch jeder teilhaben können!! Aber auch dank Deiner vernünftigen Artikel bin ich wieder auf einem allgemeinverträglicherem Niveau.
    Soll heissen, ich habe für mich (!!) die Ernährungsweise gefunden, die ich für den Rest meines Lebens vorhabe, zu leben. Paleo-orientiert, möglichst “sauber”, aber nicht kategorisch, verkrampft und verbissen. Das war ein Entwicklungsprozess und ist mir nicht immer leicht gefallen.
    Will jemand wirklich wissen, warum ich mich wie ernähre, gibts die volle Info, ansonsten lass ich leben.

    1. Roland

      @Nicolette: An diesem Punkt war wohl jeder einmal, der eine gravierende Ernährungsumstellung vorgenommen hat. Man ist begeistert und meint, diese Begeisterung mit der ganzen Welt teilen zu müssen … nachvollziehbar, aber halt leider nicht zielführend. 🙂
      Unter anderem aus diesem Grund bin ich auch mittlerweile froh darüber, dass ich mein Geld NICHT damit verdienen muss, den Leuten in ihren Kochtopf und ihren Kühlschrank zu blicken und ihnen dann die einen Sachen ‘verbieten’ und andere ‘andrehen’ muss… habe ich 2-3 Jahre gemacht und es war sehr frustrierend: Wenn’s ums Futtern geht, werden die Menschen sehr schnell sehr kiebig…
      Daher trifft dein letzter Satz voll zu: Wer WILL, dass ihm geholfen wird, fragt eh nach – die anderen lässt man besser schön in Ruhe… 🙂

      1. nicolette unterstaller

        @Roland: Danke für Deinen Kommentar!
        Ich glaube, gerade Ernährung ist etwas so persönliches und intimes, daß es schwer fällt mit Ratschlägen zu, oder gar Kritik an der eigenen Ernährungsweise umzugehen.
        Ich ertappe mich dabei, daß ich innerlich “hoch” gehe, wenn ich unqualifizierte Kritik an Paleo höre.
        Zuallermeist bleibt es innerlich….:-))

  5. Michael

    Danke für diesen guten Artikel!
    Es ist besonders wichtig, dass man sich nicht an zu viele Regeln hält und stattdessen mehr auf das bewusste Genießen achtet!

  6. Luca

    Ich ernähre mich vegan bzw. Bin Veganer. Ich bin aber auch atheist, schüler, sozialist und vieles mehr. Für mich ist veganismus eine rein ethische entscheidung und deshalb eine art Lebensweise, da ich auch auf demos gehe etc.
    Ich bin einfach der Meinung, dass der mensch nicht das Recht hat, die natur derart zu zerstören und die tiere auszubeuten und teilweise sogar zu misshandeln. Vegane ernährung ist also nur ein kleiner teil , der mit meinen gesammten politischen Überzeugungen zusammen hängt. Das hat dann auch nichts mit einer Religion zu tun. Ich möchte nur einfach so wenig leben wie möglich nehmen und da es für mich gesundheitlich verträglich ist, verstehe ich auch nicht wo da das Problem liegt!

    1. Felix

      verstehe ich auch nicht wo da das Problem liegt!

      Das klingt sehr defensiv. Niemand hat dich hier angeklagt.

      Ich persönlich sehe die Problementstehung dann, wenn ein überzeugter Veganer (sagen wir: Veganist) glaubt, seine und nur seine Lebensweise würde “so wenig Leid wie möglich” verursachen und dass alle Menschen, die Fleisch essen -egal in welchem Kontext, gleich welcher Herkunft, Region oder in welcher Menge- böse sind, die Natur zerstören, zum Vergnügen töten (morden, vergewaltigen, abschlachten, misshandeln), grundsätzlich falsch leben und womöglich selbst getötet (vergast, erdrosselt, verbrannt, gequält) werden sollten.

      Analoges gilt für fanatische Paleo-Anhänger, die meinen, jeder der sich anders ernähre, verdiene den Tod. Allerdings gibt es davon anscheinend erheblich weniger als im veganen Lager. Anteilig mag sich das gleichen, die Verbreitung ist schließlich verschieden. Für die fanatischen Rohköstler gilt selbstredend das gleiche.

      Dass das jeweils nicht ALLE Anhänger der jeweiligen Ernährung betrifft steht ja nun ausdrücklich im Artikel. Es geht im Übrigen nicht um Religion, sondern um Ersatzreligion.

    2. Daniel

      Mein Problem mit Veganismus ist zum Einen das was Felix bereits schrieb, zum Anderen aber eben auch das Veganer sich einbilden durch den Verzicht auf Fleisch sich selbst oder der Umwelt irgendwas Gutes zutun. Das ist eine Illusion und führt leider dazu das die Energie, die man für etwas Besseres einsetzt, im Vakuum verpufft. Jeder, der sich ausreichend mit unserem Geldsystem und Wirtschaftssystem beschäftigt hat, sollte das erkennen können.

      Die so oft angeführten Soja und Getreideanbauten beispielsweise. Es stimmt, dass Tiere davon gefüttert werden. Aber angenommen jeder würde auf Fleisch verzichten, so würde man die Flächen einfach anders nutzen und das sicher nicht ökologischer. Durch Privatisierung werden diese Flächen zu privaten Geldquellen gemacht. Wie das genau aussieht ist den Leuten aber doch egal, die diese Flächen kaufen. Es hätte sich absolut nichts geändert. Vermutlich haben diese sogar den Veganismus salonfähig gemacht, damit Teile der Gesellschaft ihr Feindbild bekommen, mit dem sie sich rumschlagen können. Von den vor Inkompetenz strotzenden Studien im Lebensmittelbereich, Klimabereich etc. fang ich garnicht erst an… und ihr lasst euch von gekauften Wissenschaftlern alle an der Nase rumführen. Das ist bedauerlich. Und es kotzt mich persönlich ziemlich an weil mir einfach zuviel an dieser Welt und den Menschen liegt. Wir könnten menschlich, ökologisch und ökonomisch viel mehr erreichen, wenn wir uns nicht an die Gurgel gehen würden.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Die Überzeugungen des Veganismusses, sei es politisch, sozial. gesundheitlich, ökologisch oder sonstwie, gehen vollkommen an den Realitäten und an den eigentlichen Zielen vorbei.

      Was aber nicht bedeutet, dass ich was gegen veganer Ernährung sage. Lediglich gegen die Argumentation und mit welcher Intention und Haltlosigkeit sie oftmals in Feld geführt wird. Ich wünsche mir da mehr Differenzierung. Dann würde sich die Frage der Toleranz garnicht mehr stellen.

  7. Ivo

    Vielen Dank für den tollen Artikel. “Ich bin nicht meine Ernährung”. Das trifft den Kern für mich am meisten.

    Toll finde ich auch sowas wie “Ich esse gerne vegetarisch” anstatt “Ich bin Vegetarier”. Man kann spüren wieviel Freiheit die erste Aussage hat. Sowohl für einen selber als auch alle anderen.

  8. Franzi

    Kleiner Nachtrag:

    Ich esse jetzt auf jeden Fall kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung. Das ist mir sehr wichtig. Denn was da ab geht, ist einfach schrecklich. Es sollte allgemein weniger Fleisch gegessen werden und die Massentierhaltung abgeschafft werden. Das wäre das beste.

  9. Franzi

    Super Artikel. Danke, Felix.

    Habe mich 5 Monate und 8 Tage vegan ernährt. Wollte es erst einen Monat der Gesundheit wegen. So war der Plan. Mal sehen, ob es meine Neurodermitis beseitigt. Hat es nicht. 🙁 Habe mich dann soviel damit beschäftigt und sehr viel über Massentierhaltung etc. im Internet angesehen, dass ich der Meinung war, für immer vegan zu leben.

    Jetzt esse ich seit einer Woche wieder omnivor und es geht mir gut. Mir hat Fleisch doch schon gefehlt. Sonst hätte ich nicht immer nach Fleisch-Ersatzprodukten gesucht. Die kann man teilweise sogar essen. Wenn man so einen Tofubratling als Hamburger genießt, mit Burgerbrötchen, Salat, Gurke, Tomate und Sauce + ggf. veganem Käse, dann fällt einem der bescheidene Geschmack gar nicht mehr auf. Als mein Freund (hat und wird sich nicht vegan ernähren) zum Grillen bei Freunden waren und ich diesen Bratling pur vom Grill – mit Ketchup zwar – aß, habe ich mir das Teil ehrlich gesagt einfach nur reingequält. Lecker ist anders. Aufgrund auch dieser Tatsache (Fleischersatz mit tlw. ungesunden Sachen aufpimpen und so) habe ich in der veganen Zeit ganz schön zugelegt. Es stagniert zum Glück irgendwann. Ich habe auch viel Nudeln gegessen.

    Es gibt auch positive Aspekte. Ich habe mich sehr viel mit Ernährung beschäftigt und auch viel darüber gelernt. Gekocht habe ich auch öfter als früher und herumexperimentiert. Mein Freund hat mich trotz anderer Auffassung auch immer dabei unterstützt. Auf jeden Fall Dank an ihn dafür.

    Jetzt ernähre ich mich seit Montag Slow Carb nach Timothy Ferriss (du hattest da ja schon mal einen Artikel drüber geschrieben) und es funktioniert. 4 Kilo abgenommen. 🙂 Jeden zweiten Tag mache ich Kraftsport (so gut wie ohne Hilfsmittel, außer kleine Hanteln). Freue mich schon auf morgen = Fresstag. 😉 Habe aber auch etwas Panik.

    Habe jetzt die ganze Woche u. a. auch Salat gegessen. Nur mit dem Dressing habe ich Probleme. Nur Öl, Wasser, Salz und ggf. Zitrone schmeckt mir absolut nicht. Habe daher – muss ich zu meiner Schande gestehen – immer dieses Fertig-Pulver-Dressing aus den kleinen Tütchen mit Öl und Wasser angerührt. Allerdings ist da Zucker (u. .a) drin. Gut, hat mir scheinbar nicht geschadet. Aber wenn du ne andere Alternative hast, wäre ich dankbar.

    Sorry für den ellenlangen Artikel.

    Also Felix, mach weiter so. Ich verfolge deine Seite schon einige Jahre und werde dir weiterhin treu bleiben. Du machst das einfach großartig. 🙂

    LG, Franzi

    1. Felix

      Vielen Dank, Franzi. Für deinen spannenden Bericht und für die netten Worte. Dir wünsche ich weiterhin alles Gute.

    2. Kati

      Hallo Franzi, nur ganz kurz: Ich lebe in Italien. Hier bei uns kommen die zerzupften Salatblatter in eine Schüssel und dann einfach direkt Olivenöl und Aceto Balsamico drüber, nichts anderes, nichts vorher angerührt. Klasse Geschmack. Weiß aber nicht, ob Aceto Balsamico was für dich und allgemein akzeptabel ist.

    3. Felix

      Ich gebe zum Salat nur ein gutes Olivenöl. Für mehr Geschmack ist die richtige Basis wichtig. Dafür nehme ich gerne Rucola. Und gerade im Salat zahlt sich echte Vielseitigkeit auch hinsichtlich der Textur aus. Eine tolle Mischung ist Grün (bei mir fast immer Rucola), dazu ein paar leicht angeröstete Nüsse, etwas Süßes (ein klein wenig fein geschnittener süßsaurar Apfel oder eine schöne Birne), gerne auch mal etwas Blauschimmel und kleine, aromatische Tomaten.

    4. Philip

      Hallo Franzi,
      mir persönlich ist nur Essig und Öl etwas zu langweilig und wenn Du Fertigmischungen gewohnt bist, wirst Du vermutlich auch ewas intensiveren Geschmack wollen. Bei mir besteht ein Dressing meist aus Olivenöl, Balsamico, ein bisschen Sahne, etwas Senf und Honig und einer Salatkräutermischung (Nur getrocknete Kräuter. Auf Märkten gibt es oft Kräuterstände, die haben meist leckere Mischungen)

      LG, Philip

  10. Reiner

    Schöner Artikel,
    ich glaube, dass viele, die sich länger mit Ernährung beschäftigen und sich (tendenziell bzw. “komplett”) in eine Richtung bewegen, doch oft verhältnismäßig nachhaltig ernähren. So esse ich meist Fleisch aus regionaler Weidetierhaltung, Gemüse bio und/oder regional usw.
    Der “nachhaltige” Veganer isst wahrscheinlich auch eher Produkte aus diesen Bereichen (das Fleisch mal ausgenommen).
    @Veganer:
    Mich macht es nicht “glücklich”, dass Tiere für meine Nahrung sterben müssen, aber ich habe moralisch auch kein Problem damit. Und ich bin halt nicht der Meinung, dass Tiere den Menschen komplett gleichgestellt sind (…”Und da ich nicht will, dass mich jemand einsperrt oder für mein Fleisch tötet”). Überspitzt formuliert halte auch den Strafvollzug, die Rentenversicherung etc. für Tiere nicht für sinnvoll, wohl aber für die menschl. Gesellschaft.
    Wie auch immer. Im Freundeskreis ist das doch auch leicht. Wenn wir mit Veganern kochen, kann man doch viel dazulernen etc.

  11. Didier

    Ein wirklich aussagekräftiger Artikel über die Religion der Lebensmittel. Die meisten Menschen legen mehr wert auf das was Sie auf Ihrem Körper tragen (Kleidung), als was Sie in Ihren Körper hineingeben.
    Da wundert es nicht wenn so viel Volkskrankheiten aufkommen. Die richtige Ernährung ist der richtige Anfang. Um bewusster und lieb zu sich selbst zu sein, schaut man auf sein Essen. Wo es herkommt, was drin ist, wie es zubereitet wird.

  12. Claudia

    Danke für diesen Artikel! Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich bin in einem Ernährungsforum aktiv und komme mit diesem Absolutheitsanspruch (“Nie wieder…”, ) einfach nicht klar. Ich musste mich schon als essgestört bezeichnen lassen, weil ich absolut nicht einsehe, auf Dauer und 100% auf bestimmte Nahrung zu verzichten.
    Ernährungsstile sind Handwerkszeuge, nicht mehr und nicht weniger.

  13. Daniel

    Tja, ich mache mir da auch viele Gedanken drum und sammel mit den Leuten so meine Erfahrungen in letzter Zeit. Ich bekomme immer mehr den Eindruck es handelt sich hierbei mehr um eine Form der Psychose oder eine Art Ernährungsfaschismus. Jedenfalls hat es wenig mit bewusster Ernährung bzw, Bewusstsein allgemein zutun. Dies scheint eher eine neue Pseudorechtfertigung für soziale und empathische Inkompetenz zu sein.

    Interessant ist vor allem, wenn man in einer Diskussion mit einem Veganer mal die Studien weglässt und beginnt mit Logik zu argumentieren. ^^

    1. Simon

      Nett von dir Veganern eine Psychose zu unterstellen. Finde ja witzig das du empathische Inkompetenz ansprichst. Finde ja eher Omnis unempathisch. Wie rechtfertigst du ethisch das Töten eines anderen Lebewesens zu deinem Vergnügten?

      1. Felix

        Simon, Daniel hat an keiner Stelle Veganern eine Psychose unterstellt. Könnte es sein dass du egozentrisch oder paranoid bist? Warum siehst du überall Feinde? Warum forderst du eine Rechtfertigung ein von jemandem, über den du nichts weißt?

        1. Simon

          Naja das mit der Psychose war aufjedenfall unglücklich formuliert. Naja Feinde seh ich in dem Sinne, dass alle hier kategorisch gegen Veganismus sind. Ich habe keine Rechtfertigung gefordert, sondern nur gefragt ob er eine hat. Ich finde für das Töten eines anderen Lebewesens sollte man einen guten Grund haben. Dabei spielt es keine Rolle ob ich ihn kenne.

          1. Felix

            Simon, du verkennst vor allem, um was es hier nicht geht: Um dich. Und um alle Veganer und um den Veganismus im Einzelnen. Deswegen musste ich deine übrigen Kommentare auch wieder moderieren bzw ausschalten, weil es seitenlange Missionierungsversuche waren, Plädoyers für die von dir auserkorene, einzig wahre Form des Veganismus – und die deiner Meinung nach einzig richtige Lebensweise. Das ist jedoch nicht Thema dieses Beitrags, auch wenn dein Verhalten ein gutes Beispiel für einige der im Inhalt beschriebenen Aspekte ist. Urgeschmack ist kein Forum für deine Ideologie.

          2. OvO

            Unglücklich formuliert wäre es gewesen wenn ich geschrieben hätte “Veganismus ist eine Form der Psychose”. Ich schrieb jedoch “Ich bekomme immer mehr den Eindruck…”. Ich beziehe mich also auf meine Erfahrungen und mein Gefühl und spreche nicht von vermeintlichen Tatsachen. Insofern ist es weniger unglücklich formuliert von mir als viel mehr unglücklich interpretiert von dir. Was mich aber, um auf meine Erfahrungen zurückzukommen, auch nicht wirklich wundert…

      2. Daniel

        Veganern unterstelle ich keine Psychose. Ich unterstelle jedoch dass einige Veganer psychotische Züge aufweisen. Aber natürlich nicht alle. Da ich selbst an einer Psychose litt, dies aber nun nicht mehr tue und es relativ gut reflektieren kann, meine ich zu wissen, was ich da sage. Das mache ich vor allem daran fest, dass einige Veganer die Menschen anhand ihrer Ernährung menschlich bewerten und sie aus ihren sozialen Kreisen kategorisch ausschließen bis anfeinden und sie zu keiner vernünftgen sachlichen Diskussion in der Lage sind. Wenngleich man auf Basis der bewussten Ernährung eigentlich viel voneinander lernen könnte im Bezug auf Rezepte zb. Und sicher würden sich auch andere Gemeinsamkeiten finden.

        Wie kommst du auf die Idee, ich würde Tiere für mein Vergnügen töten oder töten lassen? Beides tue ich höchstens zur Nahrungsaufnahme. Und darüber hinaus auch äußerst selten. Ich beziehe meine Tierprodukte vom örtlichen Naturmetzger des Bioverbundes Thönes. Und aufgrund des Preises mache ich das höchstens 1 mal im Monat. Was ich aber auch sehr gut so finde. Das ist ethisch eine ganz andere Grundlage. Auch dann noch, wenn keine lebensbedrohliche Notwendigkeit besteht.

        Und wie möchtest du es rechtfertigen, dass Tiere, wie Delfine beispielsweise die für ihre Empathie ja auch bekannt sind, andere Tiere zu ihrem Vergnügen töten und Menschen es dann nicht dürften?

  14. Simon

    Vegan zu sein ist eben keine Diät, sondern eine Lebensweise, die unnötiges Leiden zu reduzieren versucht. Für indoktriniert halte ich eher Omnis, die Tiere “lieben”, aber trotzdem Fleisch, Milch und Eier essen. Das ist kognitive Dissonanz. Die aller wenigsten sind von Geburt an vegan, dass heißt man hat sich, im Gegensatz zu den meisten Omnis, Gedanken über die Ethik der Ernährung gemacht. Die meisten Leute die mitbekommen, dass ich vegan lebe, wollen sich dann immer vor mir rechtfertigen:
    -“ich esse ja auch nur selten Fleisch” gut
    -“nur von glücklichen Tieren” nein
    -“Löwen essen auch Fleisch” essen auch ihre Jungen
    -“es schmeckt halt gut” du schmeckst auch gut
    -etc
    Sie werden damit konfrontiert das sie eigentlich gegen das Quälen von Tieren sind, aber ihr Lebensstil das nicht widerspiegelt. Ich bin zwar nicht religiös, aber die goldene Regel halte ich für einen guten ethischen Grundsatz, nach dem ich lebe. Und da ich nicht will, dass mich jemand einsperrt oder für mein Fleisch tötet, tue ich dass auch keinem anderen an. Veganismus ist also keine “health fad diet”, jemand der wenig Fleisch isst, kann definitiv gesund sein. Es ist besser für die Umwelt vegan zu leben. Aber vorallem wird unnötiges Leiden verhindert. Und ich habe immer noch kein vernünftiges Argument gehört, dass gegen eine vegane Lebensweise spricht.
    @Antje ich glaube nicht, dass du jemals verstanden hast, worum es beim vegan sein geht. Frag dich mal wie es den Tieren die du isst gesundheitlich geht. Man kann außerdem mit jeder Ernährungsweise Mängel haben, wenn man sich nicht mit Nährstoffen auseinandersetzt. Wenn das passiert sollte man sich besser ernähren, aber nicht seine ethische Haltung ändern.

    Ps: ich lebe seit 6 Jahren vegan und meine Blutwerte sind top. Oder googlet mal Patrick Baboumian, um zu sehen, dass es Veganern an nichts fehlt.
    PPS: da dieser Post ja auch eine Art Rechtfertigung für eine unethische Lebensweise ist, kannst du ja mal versuchen ein besseres Argument hervorzubringen, als “Veganismus ist eine Religion”.

    1. Felix

      Hallo Simon,
      vielen Dank für die Bereitstellung eines Beispiels für Veganismus, vielleicht sogar missionierenden Veganismus. Wer unnötiges Leid verhindern möchte, muss sich zwar in letzter Konsequenz umgehend das Leben nehmen (um z.b. keinerlei Ressourcen mehr zu verbrauchen und anderen Lebewesen nichts wegzunehmen), aber genau derartige Inkonsequenz findet man ja auch bei fanatischen Paleo-Fans und Rohköstlern – das macht das Beispiel umso realistischer. Aber du hast mit Separation, Konfrontation und unnötigen Rechtfertigungen in diesem Beispiel schon sehr viel abgedeckt. Hier kann man gut ablesen, wie der Unterschied zwischen veganer Ernährung und Veganismus aussehen kann.

    2. Roland

      Schön und gut, Simon! Du lebst glücklicherweise in einem Land, in dem man sich aussuchen kann, wie man sich ernährt! Das ist ein purer Luxus, den man natürlich in Anspruch nehmen darf.

      Nur: Mit veganer Ernährung bekommt man keine 7 Milliarden Menschen satt (und schon gar keine 10, 15 oder 20 Milliarden, die wir vermutlich irgendwann als Maximum auf dieser Erde aushalten müssen, bevor die Zahl wieder kleiner wird). Es ist rechnerisch völlig unmöglich, mit den uns zur Verfügung stehenden landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für so viele Menschen genügend Protein zu erzeugen. Das kann dir jeder Biologe oder besser noch Agrarökonom bestätigen und bei Bedarf auch vorrechnen. (Oder du schaust mal auf FB oder G+ bei ‘Brigitta Blume’ vorbei, die hat immer treffende Quellen parat!)

      Das soll natürlich keine Rechtfertigung für unbeschreibbares Tierleid durch fabrikähnliche Mast o.ä. sein. Ich denke, dass vermutlich 10% des momentanen durchschnittlichen Fleischkonsums für die Menschheit ausreichen würden – die aber dann ‘korrekt’ produziert.  

      Ich nehme übrigens den hierzulande verfügbaren Luxus auch in Anspruch und ernähre mich weitestgehend vegetarisch (s. mein Post vom 12.4. hier), weiß also wovon ich rede.

    3. Antje

      Hallo Simon,

      ich finde es eine Frechheit, wie du dir hier gerade ein Urteil über mich und meine Kenntnis/mein Hintergrundwissen bezüglich des Veganismus erlaubst.
      Ich habe mich sehr wohl sehr intensiv damit auseinander gesetzt, Studien, Bücher etc. gelesen und entsprechende Dokumentationen geschaut, sodass ich mich da definitiv als informiert bezeichnen kann. Letzten Endes KANN man mit jeder Ernährung Mängel entwickeln, völlig richtig. Es geht aber bei veganer Ernährung bedeutend schneller bzw. bedarf es mehr “Planung” eben nicht in eine solche Mangelsituation zu laufen. Zudem muss man bedenken, dass jeder Mensch andere individuelle hormonelle und stoffwechseltechnische Voraussetzungen hat. Der Startpunkt ist also bei jedem Menschen ein anderer. Daher kommen manche Jahre lang super mit einer veganen Ernährung klar und manche eben nicht. Und glaube mir ich war kein sog. “Pudding-Veganer”, der sich von veganen Fertigersatzprodukten ernährt hat. Im Gegenteil habe ich vollwertig gegessen – so wie es auch die führenden amerikanischen Ärzte, die sich für eine “plant-based diet” aussprechen, propagieren. Eben diese Ärzte (ich schmeiße hier mal Dr. Klaper vom True North in den Raum) sagen jedoch selber, dass es Menschen gibt, die aufgrund Ihrer Vergangenheit und körperlichen Disposition ggf. nicht langfristig gut mit einer rein veganen Ernährung zurecht kommen!
      Wenn es bei dir klappt, freut es mich sehr. Ich hatte es mir selber für mich gewünscht.
      Und ja, ich habe “kritische” Stoffe wie B12 supplementiert. Es lag nicht an mangelnder Eigeninitiative meinerseits, dass es nicht funktioniert hat… Ich war andauernd krank, habe gynäkologische Probleme entwickelt, mein Bindegewebe ist salopp gesagt “im Arsch” (und ja ich habe jeden tag Hülsenfrüchte gegessen fürs Protein, etc. etc.)… Könnte das noch weiter ausschmücken, aber ich denke das muss ich gar nicht. Denn letztlich ist und bleibt es meine Entscheidung und meine Gesundheit ist mir eben sehr wichtig.
      Ich habe mich übrigens ebenfalls mit der biochemischen Ebene unseres Körpers auseinander gesetzt… und nein: Veganismus bietet eben nicht ALLES, was eine omnivore Ernährung bietet, zumindest nicht in optimaler Verfügbarkeit, sodass sich der Körper es selbst synthetisieren kann. Der Körper ist ein erstaunliches System und kann fast jeden Zustand kompensieren (!), das heißt jedoch nicht, dass das der OPTIMALE Zustand (=Ernährung) ist. Und da muss sich jeder eben die Frage stellen, wie man sein Leben führen möchte.
      Und wie gesagt: Es gibt sicher Menschen für die das dauerhaft funktioniert. Aber das trifft eben nicht auf jeden zu.

      Schade, dass du so undifferenzierte, pauschalisierte Äußerungen von dir gibst. Wirklich schade. Denn das entbehrt dann leider jeglicher sachlichen und fundierten Diskussionsgrundlage.

      Antje

  15. Michaela

    Felix, ich beneide dich, wie du kritische Themen immer wieder auf den Punkt bringst.
    Ich habe 8 Jahre vegetarisch gegessen und dabei 40kg zugenommen, war für mich also nicht so gesund. Rein vegan wäre für meinen Körper also gar nichts. Ich sang das Hohelied des Vollkorns, habe zu 99 % selbst gekocht und brachte zum größten Teil Bioware auf den Tisch. Die Kinder bezeichneten das als “Ökoterror”.
    Nun esse ich getreide-, zucker- und obstfrei, nachdem mich die Lektüre diverser Publikationen, die du auch schon vorgestellt hattest, aufmerken ließen. Die Ernährungsumstellung brachte erstaunliche Ergebnisse, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Bemerkenswert sind nicht nur “die besten Blutwerte in meiner Praxis”, wie es die Hausärztin formulierte, sondern auch sichtbare Veränderungen: Akne weg, keine Schuppen mehr, keine blutige Ellbogenhaut und natürlich eine starke Gewichtsabnahme.
    Neulich haben mich äußere Umstände dazu veranlasst, herkömmlich essen zu müssen, und nach einer Woche zeigten sich wieder die alten Leiden nebst Gewichtszunahme. Das lässt mich aber nicht verzweifeln, ich weiß ja jetzt, wie es geht.
    Die Festinger-Theorie hat mich in meiner Ausbildung auch fasziniert, und das Internet ist ein wunderbarer Pool für Beobachtungen menschlicher Verhaltensweisen: Ernährungsayahtollas jeglicher Richtung, bei denen ich sicher bin, dass sie mit genau der gleichen Verbissenheit das Fähnchen in die andere Richtung halten, wenn es ernährungstechnische Modeerscheinungen erfordern.
    Der Ausflug in die für mich ungesunde Ernährungswelt hat mir gezeigt, wie glücklich ich sein kann, dass ich die Wahl habe, zu essen, was mir gut tut. Das haben viele andere Menschen nicht, und eine Debatte oder eine ideologische Auseinandersetzung um die beste Ernährungsform wäre ein reines Luxusthema.

    1. Felix

      Vielen Dank für deinen Beitrag, Michaela. Und ich freue mich, dass du deine eigene Ernährung finden konntest, die dir gut tut.

  16. Antje

    Hi Felix,

    ich bin selber genau diesem Phänomen aufgesessen… Ich “war Veganerin”… Knappe 2 Jahre.
    Musste mir nun aber eingestehen, dass es mir körperlich nicht so gut geht, wie das hätte sein sollen. Daher esse ich seit 2 Monaten wieder Fisch/Fleisch/Eier. Habe das aber im Freundeskreis noch nicht wirklich publik gemacht. Mein Freund weiß es… Kurz gesagt: Ich “traue” mich nicht, da ich doofe Kommentare fürchte und ich mich nicht rechtfertigen will. Tja, selbst gemachte Leiden würde ich mal sagen… Wobei ich sagen muss, ich war nie dogmatisch und habe auch nie gesagt LOS WERDET ALLE VEGAN oder so. Aber habe schon gesagt, dass ich dahinter stehe und davon überzeugt bin. Jaaaaa… Mal schauen, wie sich das entwickelt und wann ich mich oute.
    Danke für den Artikel, du hast definitiv Recht damit, auch wenn viele das nicht einsehen werden, wenn sie da noch mitten drin hängen.

    LG

    1. Ivo

      Hi Antje,
      Felix gibt ja in seinem Artikel Tipps dazu. Ich habe meine Meinung geändert. Das ist der Start. Du solltest dir keine Gedanken über doofe Kommentare machen. Vielleicht kommen die gar nicht. Das weißt du nicht. Und wenn Sie kommen, dann kannst du das nicht ändern. Deswegen macht es auch keinen Sinn sich darüber Sorgen zu machen.

      Ich habe meine Meinung geändert. Die rein vegane Lebensweise ist mir fremd geworden. Es geht mir anders als ich es erwartet habe und deshalb möchte ich etwas verändern. Mal sehen was so kommt.

      Ich glaube das wird leichter als du es erwartest. Habe das so ähnlich hinter mir. Der eine oder andere wird vielleicht enttäuscht sein, dass du dich jetzt nicht mehr vegan ernährst. Andere werden sagen, ich habe ja immer gewußt. Halte es nicht geheim. Das belastet dich nur.

      LG

      1. Antje

        Hallo Ivo,

        ja ich denke da könntest du Recht haben…
        Ich bin gespannt – irgendwann wird es sich nicht mehr vermeiden lassen 🙂

        Liebe Grüße

  17. Roland

    Dieses Phänomen kann ich aus meiner Zeit als zunächst Frutarier, dann veganer Rohköstler und später “nur noch” Vegetarier durchaus bestätigen. Die “extremen” Phasen fanden Mitte der 90er statt, also glücklicherweise noch in einer Zeit ohne die Allmacht der beeinflussenden sozialen Medien und dauerten auch nur ca. 3-4 Jahre. Ganz stark fiel mir v.a. bei den Rohköstlern auf, dass diese allesamt nicht so gesund aussahen und sich ihre Gespräche fast nur noch um (In-)Konsequenz der Ernährung, ums “Sündigen” und dann wieder “Reinigen” drehten…. furchtbar!

    Seit ca. 1997 »ernähre ich mich vegetarisch« (so meine Wortwahl mittlerweile), denn wenn ich sagte »Ich bin Vegetarier« trifft das aus Sicht der ‘Ernährungsform-Verinnerlicher’ sicher nicht zu, da ich durchaus gelegentlich auch mal ein Stück Fisch zu mir nehme… und siehe da: Ich lebe dennoch weiter und bin gesund und glücklich…. 😉

    Übrigens: Der Link zum MDR (“…endet immer häufiger auch in physischer Gewalt…”) funktioniert leider nicht – gibt es da Stichwörter zum Suchen in deren Mediathek?
     

    1. Felix

      Danke für deinen Erfahrungsbericht.
      Die Mediathek: Schade. Leider weiß ich keine alternative Quelle und frage mich, wohin die öffentlich rechtlichen eigentlich das ganze Geld stecken.

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