Der Drache im Kochtopf

Jeder kann kochenDie Medien porträtieren Köche und Gastrokritiker als Helden und Weise im Kampf um die Tempel des guten Geschmacks: Restaurants. Derweil bekämpfen sich im Fernsehen vor wachsenden Zuschauerzahlen Menschen gegenseitig in der Küche. Dieses einschüchternde Bild der Küchenarbeit vermittelt, Kochen sei schwierig, mühselig und riskant. Doch das sind Legenden und Hirngespinste. Köche und Restaurants, Kochbücher und Kritiker sind nicht das Maß des Kochens. Das eigentliche Kochen findet anderswo statt.

In einem Restaurant im Schatten des Notre-Dame schaue ich überwältigt auf meinen Teller. Dort liegt ein Coq-au-Vin – ein Stück Huhn. Aus der Mikrowelle. Ein leider zu später Blick in die Küche zeigt drei dieser Geräte im Dauerbetrieb. Kurz bilde ich mir ein, das überhitzte und ausgetrocknete Häufchen Fleisch vor mir schaue mich mit einem weinenden und einem beschämt blickenden Auge an. Mein Mitgefühl ist ihm sicher.

Restaurants & Profiköche

Viele Restaurantbesucher kennen diese Momente der Enttäuschung. »Das hätte ich zu Hause besser hinbekommen – und günstiger!« ist ein häufiges Fazit. Und doch genießen die Profiköche weiterhin hohes Ansehen, werden teils wie Rockstars gefeiert. Doch was ist ein Profikoch? Der Profi definiert sich durch die Profession, den Beruf. Ein Profikoch ist streng genommen niemand anderes als jemand, der mit dem Kochen Geld verdient. Das setzt keine Ausbildung voraus, keine Erfahrung, kein Fachwissen und keine Qualitätsansprüche.

»Jeder kann kochen!« proklamiert die Figur des Auguste Gousteau im Pixar-Film Ratatouille und macht damit Mut, in die abenteuerliche Welt des Kochens einzutauchen und es einfach auszuprobieren. Später relativiert die Geschichte nur leicht: »Nicht jeder kann ein großartiger Koch sein; aber ein großartiger Koch kann von überall kommen.«

Allerdings bezieht sich der Film dabei auf die Leidenschaft für das Kochen und nicht auf die Professionalität. Die Nachricht: Wer etwas gerne macht, kann und soll es machen; ohne Zertifikat und Attest. Establishment und Institution haben keine Autorität.

Wer in der Fast Food-Branche Burger wendet oder Salate zusammenwirft, ist Profikoch. Ebenso wie jeder, der in einer Kneipe einen in Rapsöl ertränkten Strammen Max bereitet. Mit der Definition Profi kommen wir aufgrund der Qualitätsbandbreite nicht weiter. Zumal: Was passiert mit dem erfahrenen Profikoch, wenn er in Rente geht? Dann ist er kein Profi mehr – kaum jemand würde jedoch argumentieren, er verlöre damit auch seine Fähigkeiten als Koch.

Ultimatives Ziel eines Restaurants ist der finanzielle Gewinn. Das ist die wirtschaftliche Realität und Notwendigkeit dessen, was ein Restaurant ist: Ein Geschäft. Natürlich kann man in diesem Rahmen mit Liebe fantastisches Essen auf den Tisch bringen, das Kunsthandwerk weiterentwickeln und Menschen etwas beibringen. Doch das sind optionale Ziele, die wenige Köche verfolgen, zumal sie selbst häufig angestellte mit klar eingeschränkter Aufgabe sind: Gewinnbringend arbeiten.

Immer mehr Restaurants setzen nicht vornehmlich auf gutes Essen, sondern auf Erlebnisse, wie der stets wachsende Bereich der Event-Gastronomie zeigt. Mit etwas Feuerwerk und Augenwischerei ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert (etwa Gürteltier-Filet mit Pastinakenschaum an Oktarinen-Anis-Crumble. Mit Blattgold.) und schon übertönt das Aussehen des aufwändig angerichteten und vielfach Smartphone-fotografierten Mahls dessen mäßigen Geschmack und die ahnungslose Kellnerin.

»Restaurants gibt es unzählige. Was hat das Kochen gewonnen? Ich würde eher sagen, was es verloren hat«, beklagt der Gastrokritiker Charles Monselet entsprechend bereits 1879.

Die Realität ist: Praktisch jeder kann ein Restaurant eröffnen. Qualität oder schmackhaftes Essen sind dafür keine Voraussetzungen. Das Mittelmaß genügt und auch das übelste Schnitzel kann ausreichen, um einer Gaststätte über Jahrzehnte Gewinne einzufahren.

Weder die Einrichtung des Restaurants noch der Status Profikoch sind also Garanten für gutes Essen. Wenn diese Adressen uns nicht weiterhelfen können, wo sonst können wir das wirkliche Kochen finden?

Fernsehen

Immer mehr Köche zieht es ins Fernsehen, wo sie unerklärt eine weitere Adelung ihrer Fähigkeiten erfahren. Wer sogar im Fernsehen kocht, habe es weit gebracht und müsse ein wirklich guter Koch sein. Das Attest gilt erschreckend weitreichend, wenn man bedenkt, dass nur die wenigsten Zuschauer mangels Geschmacksfernsehen die Werke dieser Köche je gegessen haben. Auch im Fernsehen kann jeder kochen.

Das Fernsehen konzentriert sich naturgemäß auf visuelle Aspekte. Das Essen (und das Kochen) soll gut aussehen und spektakulär oder inspirierend einfach wirken. Ob es echt ist und wie es schmeckt, spielt dabei keine Rolle, solange ausreichend flotte Sprüche fliegen und der Zuschauer dran bleibt.

Zu diesem Zweck rekrutieren die Produzenten auch Amateurköche. Das sind solche, die gleich ihrer Fähigkeiten, Hingabe und Ausbildung kein Geld mit dem Kochen verdienen und es nur als Hobby betreiben. Klar abzugrenzen also von den Profiköchen. Diese treten in zahlreichen Shows gegeneinander an, die Küche gerät wörtlich zur Arena. Das ist eine Lektion, die das Fernsehen uns vermitteln möchte: Man könne gegeneinander kochen.

Das Urteil über die Fähigkeiten fällt hinterher eine Jury. Wildfremde Menschen sitzen da als die Weisen der Gastronomie. Niemand von ihnen würde im echten Leben zu den Kandidaten nach Hause gehen und sich bekochen lassen. Dennoch, so zeigt das Fernsehen, haben diese zu Autoritäten aufgestuhlten Personen nun die Qualität des Essens zu beurteilen. Und das, nachdem die Kandidaten nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen eine laut tickende Uhr gekocht haben.

Noch eine Lektion aus dem Fernsehen: Kochen ist ein Wettkampf. An dessen Ende entscheiden fremde Autoritäten definitiv über die Qualität.

Die Nachricht: Kochen ist anspannend, anstrengend und endet wahrscheinlich im Versagen. Liebe Zuschauer, macht das besser nicht zu Hause.

Kochbücher

Wer sich all dem entziehen möchte, die Suche nach guten Restaurants aufgegeben und das Fernsehen hinter sich gelassen hat, möchte es vielleicht doch noch selbst versuchen. Hilfe verspricht eine Unzahl von Kochbüchern. Rezepte und Traditionen aus aller Welt können wir im heimischen Bücherregal abrufen. Dorthin gelangen die Bücher, deren Inhalte viele Sammler selbst nicht ein einziges Mal nachgekocht haben, ganz einfach: Durch Versprechen höchster Genüsse. Transportiert überwiegend durch aufwändig produzierte Fotos projizieren sie ihre Geschichten von exotischen Aromen und einfacher Zubereitung in die Vorstellung der Betrachter (selten: Leser) und schaffen sich so Platz im Portemonnaie.

Angekommen in der Realität der heimischen Küche schlafen viele dieser ehemals strahlenden Bücher sofort ein. Exotische Zutaten, nicht verfügbare Geräte, schlechte Beschreibungen, mehrstündige Vorbereitungszeiten oder, erschütternderweise, enttäuschend armseliger Geschmack der aufwändigen Ergebnisse stehen der Umsetzung der Traumfotos im Weg.

Ohne Frage gibt es echte Juwelen in der Welt der Kochbücher. Meist sind sie sehr schlicht produziert und enthalten wenige bis gar keine Fotos. Stattdessen dringen Seite nach Seite wertvolle Informationen auf den Leser ein, gesammelt über Jahrhunderte und zusammengetragen von Generationen. Diese Art Buch findet man so selten wie einen Trüffel.

Das Gros der erhältlichen Kochbücher jedoch existiert scheinbar in einer biblischen Parallelwelt der Perfektion, welche keine Variation zulässt und in der nichts schiefgehen kann – es sei denn, der Hobbykoch macht etwas falsch. Die Botschaft demgemäß: Wenn das Ergebnis nicht genauso aussieht, muss der Hobbykoch etwas falsch gemacht haben.

Das echte Kochen: Zu Hause

Kochen mache uns menschlich, argumentieren einige Wissenschaftler und Autoren. Es ist eine der definierenden Fähigkeiten unserer Spezies. Sicherlich haben wir gekocht, bevor es Fernseher und Kochbücher gab und auch vor der Eröffnung des ersten Restaurants.

Ziel des Kochens war zunächst allein die Ernährung, wozu mindestens als Mittel zur Wahl der besten Lebensmittel immer auch guter Geschmack gehörte. Menschen in aller Welt kochten und aßen gemeinsam. Traditionell sind es meist Großmütter und Mütter, die für ihre Familien kochen und sie ernähren und – nach Kräften – mit höchstem Genuss verzaubern.

Das ist das echte, das eigentliche Kochen. Es ist das Kochen, das Eltern an ihre Kinder weitergeben und so bewahren und immer weiter verbessern. Es ist eine Quelle der Tradition, es definiert uns kulturell. Es ist das täglich Kochen; das Kochen, das unsere Zivilisation aufgebaut hat. Es ist das einfache Kochen, das jeden Tag Menschen sättigt und das Überleben sichert.

Kochen ist einfach. Es ist kein Wettkampf, es braucht kein Diplom, keine Institution. Jeder kann kochen. Jeder darf kochen.

Der Haken: Die Definition des Kochens?

In Kochen – eine Naturgeschichte der Transformation sieht der Autor Michael Pollan sich mit einer viel früher ansetzenden Definitionsfrage konfrontiert. Um herauszufinden, wie viele US-Amerikaner selbst kochen, schaut er in die Statistiken der Marktforscher. Nach deren Definition ist Kochen die Kombination zweier Zutaten. Wer eine Packung mit Salatmix öffnet und darüber ein Fertigdressing aus einer weiteren Tüte gibt, koche demnach bereits.

Diese Perspektive der Marktforscher verdeutlicht die Vielfalt der titelgebenden Frage, ist jedoch nur von akademischem Interesse. Werfen wir einfach einen Blick in eine Vergangenheit, in der unsere Kochtradition noch stark verbreitet war: Bis vor rund 100 Jahren gab es kaum Fertigprodukte. Erst im Zuge der Industrialisierung und durch die technische Entwicklung während der Weltkriege zur Versorgung der Soldaten änderte sich dies. Die Verarbeitung von Lebensmitteln zeigte sich für die Industrie erheblich profitabler als die Erzeugung. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts füllen immer mehr sogenannte Convenience-Produkte, Fertiggerichte und helfende Pülverchen die Lebensmittelregale und das Essen nahm zusehends Züge von Feldrationen an.

So drängte sich die Lebensmittelindustrie mit dem Versprechen von mehr Freizeit (hatten wir vorher zu wenig?) und der Befreiung der Frauen in die Küchen. Viele Frauen zu jener Zeit zogen allerdings eine klare Linie: Anders als die übrige Hausarbeit mochten nicht wenige das Kochen als kreative Tätigkeit. Diese Ambivalenz geriet unter die Räder der Werbebotschaften, die im Fahrwasser des Feminismus dazu ermutigten, unangenehme Gespräche über Arbeitsteilung einfach zu meiden und das Kochen ganz der Industrie zu überlassen. Deren Werbung richtete sie dennoch weiter überwiegend an Hausfrauen.

In Urgroßmutters Küche hätten wir demnach das eigentliche Kochen noch entdecken können: Das Kochen aus sorgfältig ausgesuchten und selbst geschnittenen Zutaten, mal rudimentär, mal ausgeklügelt, jedoch immer mit einer zentralen Zutat: Liebe. Dies weiterzutragen liegt in unser aller Macht und Verantwortung.

Selber machen

Kochen ist eine gesunde Angewohnheit: Je mehr eine Nation selbst kocht, desto geringer ist die Verbreitung ernährungsbedingter Krankheiten. Lassen Sie sich nicht von vermeintlichen Autoritätspersonen, Institutionen oder Medien verängstigen, denn dazu gibt es keinen vernünftigen Grund.

Kochen ist einfach und es erfordert kein Fachwissen. Wenn Sie ihr Frühstücksei salzen, oder ihr Brot sorgfältig mit Butter und Marmelade bestreichen, trägt dies bereits Grundzüge des Kochens in sich, sofern Sie nach bewusstem Ermessen handeln. Das Kochen richtet sich immer auch an die Sinne. Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Bewusstheit sind die Grundvoraussetzungen nicht nur für das Kochen, sondern für ein erfülltes Leben. Das sind sehr einfache Dinge, über die wir alle verfügen.

Deswegen kann jeder kochen. Ohne Schwert und ohne Rüstung, denn im Kochtopf sitzt kein böser Drache. Und die einzige Magie im Spiel ist die Liebe, die Sie dem Gericht widmen.

Wenn Sie eigentlich gerne kochen würden, aber den Aufwand fürchten, denken Sie nicht an den Zeitaufwand oder die Häufigkeit. Sie müssen keine Karriere als Profikoch beginnen, sondern kochen nur ein Gericht. Eine einzige. Sie müssen nicht mit drei Mahlzeiten täglich beginnen.

Wie sieht es am nächsten verregneten Sonntag aus? Sie könnten gelangweilt vor dem Fernseher sitzen. Oder Sie können mit angeregten Sinnen in der Küche Aromen erkunden und sich und Ihren Mitmenschen dabei etwas Gutes tun. Es ist Ihre Wahl.

Buchtipps zum Thema:
Die folgenden Bücher legen auf unterschiedliche Weise die Verbindung des Menschen mit dem Kochen dar. Im Original empfand ich sie als großartige, fundierte und fesselnd geschriebene Lektüre.

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21 Kommentare zu “Der Drache im Kochtopf

  1. Janina

    Nach meiner persönlichen Definition ist ein Prof-Koch ein gelernter Koch, der ein Profi auf seinem Gebiet ist, sprich, einige Jahre Berufserfahrung hat, Zusatzqualifikationen vorweisen kann und eventuell auch schon in einer höheren Position in Sterne-Restaurants gearbeitet hat. Eventuell mind. als Souschef.

    Wenn mein Mann und ich essen gehen, dann gibt es bei uns in der Stadt nur 2 Restaurant, in die wir wirklich gerne gehen. Die sind beim besten Willen nicht billig, dafür weiß ich allerdings auch, dass wirklich alles frisch zubereitet wurde. Alles andere wäre eine Beleidigung für den Koch (seine Aussage :-D). Ansonsten kommt es sogar vor, dass wir für ein gutes Restaurant auch mal bis zu einer Stunde Fahrzeit auf uns nehmen – da gibt es nämlich in 2 umliegenden Städten noch 2 Restaurants die wir lieben :-).

    In unserem privaten Umfeld fallen wir damit immer auf, weil wir in Restaurants wesentlich kritischer sind, als die meisten in unserem Umfeld. Wenn da welche in Begeisterungsstürme ausbrechen und ich mir denk, was war da jetzt besonders an dem Essen? 😀 Wenn ich es besser zu Hause koche, dann gebe ich gewiss kein Geld dafür aus, dass es mir jemand anders kocht…

    Bei uns zu Hause kochen wir ausschließlich frisch. Fertigprodukte gibt es bei uns gar nicht und die Qualität ist für uns enorm wichtig. Allerdings, und das muss ich zugeben, essen wir oft vor dem TV – allerdings immerhin zusammen :-D.
    Erschreckend finde ich ja, wie wenig Leute tatsächlich jeden Tag kochen. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Fertigessen oder beim Lieferservice bestellen ist doch in der Regel teurer, als selbst zu kochen.

    Ein Freund von uns (Profi-Koch nach meiner obigen Definition :-D) ist immer ganz begeistert, weil er in seinem privaten Umfeld niemanden kennt, der so gut und gern kocht und experimentiert, wie wir es tun :-D. Nachdem er die Zusatzausbildung in Heidelberg zum Küchenmeister gemacht hat, schon bei der Kochausbildung zu den besten in Deutschland gehörte und auch schon in diversen Sterne-Restaurants Souschef und auch Küchenchef war, hat er jetzt beschlossen sich selbstständig zu machen – und da freuen wir uns schon sehr drauf.

    Grad bei Köchen merkt man genau, wer seinen Beruf aus Passion ausübt, denn das Gehalt steht normalerweise in keinem Verhältnis zu der Arbeit die aufgewandt wird. Wer seinen Beruf nicht mit voller Passion ausübt, wird in es in diesem Beruf nie weit bringen und immer ein “Koch” in einem x-beliebigen “Schnitzel-Puff” bleiben…
    Ich habe Respekt vor dem Beruf und obwohl ich wirklich gerne koche, wäre das überhaupt nichts für mich. Dieser ständige Druck und Stress, der raue Umgangston in Küchen… Nee 😀

    Mich hat Jamie Oliver zum Kochen gebracht. Aus meinem Elternhaus hab ich das nicht mitgenommen. Mit den Jahren hat es sich entwickelt und Jamie Oliver strahlt so eine Begeisterung für das was er tut aus, liebt einfache, gute und rustikale Rezepte – das liebe ich einfach <3.

    Sendungen wie Küchenschlacht etc. finde ich eigentlich ganz schön zum Anschauen. Abgeschreckt hat mich so was ehrlich gesagt nie. Essen ist immer das, was ich daraus mache. Einfach, ehrlich, aufwendig, fantasievoll, rustikal, rafiniert, etc.

    1. Felix

      Janina, deine Erfahrungen bezüglich der kritischen Haltung in Restauants kann ich bestens nachvollziehen. Und je besser man selbst kochen kann, desto schwieriger wird es für das Restaurant, wirklich zu begeistern.

  2. Jens

    Hallo Felix,

    danke für den Artikel. Ich habe schon öfter überlegt, ich würde mich gerne mal von so einem Fernseh-Kochprofi bekochen lassen. Es würde mich wirklich interessieren, wie das schmeckt. Kulinarischer Hochgenuss oder nur viel Tamtam?

    Seit wir immer mehr selbst kochen und möglichst wenig verarbeitete Zutaten nutzen, reizen mich Restaurantbesuche immer weniger. Leider bekommt man oft nur noch Conveniance-Food vorgesetzt, und das bekomme ich zu Hause meist besser hin. Ich habe eine Zeit in Buenos Aires gearbeitet. Aufgrund der niedrigen Löhne werden dort in vielen Restaurants deutlich weniger Fertigprodukte und mehr Handarbeit eingesetzt – und das schmeckt man. Da bekommst du in den meisten, von Einheimischen gut besuchten Kaschemmen in der zweiten Häuserreihe viel besseres Essen als hierzulande in den meisten teuren Steakhäusern.

    Schicke In-Restaurants oder große Restaurantketten reizen mich nicht. Ich versuche lieber die kleinen Betriebe zu finden, in denen wirklich noch selbst gekocht wird. Dafür bin ich auch bereit, entsprechend zu zahlen. Wobei, das muss nicht mal teuer sein: Die kleine Wirtschaft im Fränkischen, Bier aus einiger Brauerei und dann eine Brotzeitplatte mit Brot vom örtlichen Handwerksbäcker und Wurst vom örtlichen Metzger nach einer ordentlichen Wanderung an einem Sommertag – was will man mehr?

    Grüße
    Jens

  3. Ivo

    Vielen Dank für diesen Artikel. Der ist wieder mal sehr gelungen. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen dieses Thema aus der Sicht zu beleuchten. Das uns im Fernsehen kochen oft als Wettbewerb vermittelt wird ist mir erst jetzt aufgegangen. Das das Ergebnis letztlich auch egal ist war mir ebenfalls nicht bewußt. Aber eigentlich liegt das natürlich auf der Hand.

    Ich selbst koche Leidenschaftlich gern. Nicht immer gelingt alles, aber oft. Zudem kochen wir oft nach Gefühl. Eine Bolognese oder ein Gulasch schmeckt bei uns jedesmal anders. Die grobe Richtung ist zwar klar, aber wir kucken halt was wir gerade noch so da haben. Rezepte in Kochbüchern sind daher für uns nie in Stein gemeißelt.

    An dieser Stelle möchte ich auch die fernseh Alternative YouTube hervorheben. Es ist einfach unfassbar welche Schätze in Form von Kochvideos dort schlummern. So ist beispielsweise Maangchi (Name des YouTube Kanal und ihr Spitzname) meines Erachtens auf die Erde gekommen um der Welt die koreanische Kochkultur näher zu bringen. Wer jemals ihren Gurkensalat oder ihren Spinat probiert wird diese nicht wieder missen wollen. Wer gerne asiatisch kocht, der sollte unbedingt mal nach HappyWok schauen. ladylandrand würde mir direkt noch für einfache und tolle Gerichte einfallen.

    Das größte Geschenk welches ich letztes Jahr zu Thema kochen (wenn man darunter mal das zubereiten von Lebensmitteln verstehen will) erhalten habe, sind fermentierte Lebensmittel wie beispielsweise Sauerkraut oder auch Kimchi. Natürlich bin ich über Urgeschmack (http://www.urgeschmack.de/wie-macht-man-sauerkraut-wie-funktioniert-fermentation-video/) darauf gekommen. Danke auch dafür Felix!

  4. Markus

    Richtig geile Artikel,
    also dieser und auch davor – vielen Dank!
    Macht Laune zu lesen und erweitert den Horizont.
    Cooked auf Netflix hast du sicher schon gesehen, ansonsten kann ich diese Kurzserie wirklich nur empfehlen.
    Unglaublich sympatischer Moderator und viele Parallelen zu deinen Beitraegen wie ich finde.
    Weiter so und wenn du mal in Portugal bist, komm auf ein Essen vorbei 😉
    Markus

    1. Felix

      Danke, Markus. Von der Cooked Netflix-Version war ich leider enttäuscht, ich finde, dass Pollans Buch erheblich mehr hergegeben hätte. Dein Angeobt merke ich mir. Welche Gegend? Süden?

      1. Markus

        Hey Felix,
        das Buch hab ich noch nicht gelesen, brauche aber wieder was zu lesen. Danke fuer den Tip.

        Ich wohne ziemlich mittig, Nazare, direkt am Atlantik. 🙂

  5. KCM

    Wer selber kocht erhöht dadurch seine Lebensqualität und zwar in allen Bereichen. Schön, dass du diese Message in den Zeiten von Fast Food und Co. über deinen Blog vermittelst und somit bestimmt vielen Menschen weiterhilfst. Heutzutage ist es besonders wichtig sich wieder Zeit für’s Kochen und Essen zu nehmen. Der Rest kommt dann meist ganz von selbst.
    Viele Grüße

  6. nicolette unterstaller

    Schöner Artikel!
    Irgendwie hab ich es schon immer gewusst. Wirklich gekocht wird tagtäglich zu Hause. Ohne grosse Ausbildung, ohne grosses Tamtam, ohne tolle Geräte und exotische Zutaten.
    Aber mit Hingabe und durch – neudeutsch – learning by doing.
    Ich spreche hier für mich.
    Ich sehe aber durchaus gern die eine oder andere Kochsendung, in der es nicht um Kampf oder Leistung geht und habe mir so Einiges abgekuckt.
    Alltagstauglich muss es sein, so gesund wie möglich, schmecken muss es und es sollte kein Vermögen kosten.

  7. Sophie

    Köche? Wenn Du wüsstest, wie viele Restaurants inzwischen FERTIG-Ware servieren!! Kaufen günstig Fertigzeugs beim Aldi oder Lidl und verkaufen es dann teuer als “selbstgemacht”. Ich hatte einmal Lachsfilet mit Salat bestellt. Der Salat kam dabei eindeutig aus der Tüte und war zudem nicht frisch! Der Lachs war TK, das Öl, die Soße und die Gewürze drumrum sollten das wohl schön vertuschen. Einmal bestellte ich ein Birchermüsli (da war ich noch nicht Paleo) und was kam? Vor mich wurde ein Becher Dr. Oetker Müsli und ein Kännchen Milch gestellt!!!!!! Da fehlen mir die Worte…

  8. Benni

    Toller Artikel, wie gewohnt. Vielen Dank Felix!
    Ich habe das kochen von meinem Vater gelernt und werde es auch genau so an meinen Sohn weitergeben.
    Er ist zwar erst 3 aber die ersten Gemüse sind schon geschnitten 😉

    Beste Grüße
    Benni

  9. Silas Löffler

    Immer wieder ein Genuss wie du den Blick weitest und auf etwaige Fehlentwicklungen und Missstände aufmerksam machst! Vielen Dank für diese tolle Arbeit!

    Bei dem Thema Kochen, fällt mir der Ted Vortrag von Jamie Oliver ein, welcher eine ähnliche Ansicht vertritt. Auf alle Fälle sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=go_QOzc79Uc

    1. Ivo

      Hier ist noch ein weiterer toller Beitrag von Jamie Oliver: https://www.youtube.com/watch?v=5z_d0soK1cI . Er zeigt einer Horde englischer Jungendlicher wie man gebratene Nudeln mit Gemüse macht. Er kocht das vor und die Jugendlichen müssen das dann selber nach kochen. Sie bekommen die Gewürze (Sojasauce, Salz, Zucker, Zitrone wenn ich mich recht erinnere) an die Hand und sollen dann versuchen das ganze auszubalancieren. Dabei unterstützt er die Jugendlichen.

      Eingangs erklärt er allen seine drei Schneidetechniken. Ich nutz die jetzt nur noch. Insbesondere das Hacken von beispielsweise Knoblauch habe ich vorher ohne seine Technik nie so hinbekommen.

      Aus meiner Sicht ein sehr empfehlenswertes Video für Leute die sich mehr mit dem selberkochen beschäftigen wollen.

  10. Daniel

    Hallo Felix.

    Ich bin Profi-Koch und ich schätze und unterstütze diesen Artikel. Allerdings empfinde ich den ersten Absatz über meine Berufsgruppe unvollständig und es klingt für mich so, als gäbe es nur Dilletanten in Restaurantküchen…
    Zunächst muss ich dir zustimmen! Jeder Depp kann ein Restaurant eröffnen und sogar mit schlechtem Essen Geld verdienen. Es gibt aber auch gelernte Köche wie mich, die neben Liebe und Leidenschaft zum Kochen auch noch eine gehörige Portion know-how mitbringen! Aber selbst das führt nicht immer zu guten Ergebnissen. In großen, gastronomischen Betrieben steht oft der Umsatz und Gewinn im Zentrum der Planung. Gutes Kochen ist dort schlicht unmöglich! Ich würde sagen, man kann durchaus gut essen im Restaurante, sollte aber einen gepflegten Familienbetrieb dem billig-Großrestaurant dafür vorziehen.

    Abschließend noch: bevor ich das Kochen lernte, habe ich schon viele Jahre privat gekocht. Bei weitem ist mir nicht alles gelungen, aber die Erfolge überwiegen die paar Niderlagen! Niemand sollte sich davon abschrecken lassen!

    Liebe Grüße, Daniel.

    1. Felix

      Danke für dein Feedback Daniel. Auf keinen Fall wollte ich alle professionellen Köche in einen Topf werfen und ich kenne persönlich einige wenige wirklich gute und aus Leidenschaft arbeitende Köche. Auf keinen Fall sehe ich da also nur schlechte oder lieblose Köche. Aber leider, wie in jeder Berufsgruppe, sehr viele. Weiterhin also alles Gute und viel Spaß beim Kochen!

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