Der Weltagrarbericht

Weltagrarbericht ZusammenfassungIm Jahr 2008 fassten 500 Wissenschaftler aus aller Welt im Auftrag der Weltbank und der UNO den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammen. Das Ergebnis war der Weltagrarbericht. Der Inhalt ist alarmierend:

“Die Zahl der Hungernden auf der Welt war noch nie so hoch wie heute – obwohl auch die landwirtschaftliche Produktion pro Erdenbürger höher ist als je zuvor. Warum führt unsere industrielle Überproduktion dazu, dass eine Milliarde Menschen hungert, eine Milliarde an krankhaftem Übergewicht leidet und eine weitere Milliarde fehlernährt ist? Wie können wir den Klimagas-Ausstoß der Lebensmittelproduktion auf ein Fünftel reduzieren, die Überdüngung der Ozeane, den Verlust von Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit und traditionellem, lokalem Wissen stoppen bevor es zu spät ist?”

“Weiter wie bisher ist keine Option.”

Dabei sind die thematisierten Probleme keineswegs ausreichend durchgekaut. Zwar sind durch die Medien Hungersnöte in vielen Teilen der Welt weithin bekannt. Etwas weniger bekannt ist, dass diese Nöte in Teilen auch direkt durch die Industrienationen zu verantworten sind. Viel unbekannter ist jedoch, dass auch die Ernährungssouveränität der wohlhabenden Industrienationen ins Wanken gerät.

Auch fehlgeleitete Agrarpolitik hat dazu geführt, dass die Lebensmittelproduktion immer stärker von nur wenigen, mächtigen Unternehmen abhängig gemacht wurde (zum Beispiel Saatguthersteller). Die industrielle Landwirtschaft (angetrieben durch die Lebensmittelindustrie) schadet der Umwelt so stark, dass Nachhaltigkeit nicht gegeben ist. Jahr für Jahr müssen stärkere Mittel ersonnen und eingesetzt werden, um den völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Böden nur ausreichende Produktivität zu entlocken. Zugleich sinkt die Qualität der produzierten Ware.

Die Probleme sind vielschichtig und nur einige wenige davon wurden bislang überhaupt in der Öffentlichkeit diskutiert. So zum Beispiel, dass die weltmarktorientierte Agrarpolitik der Industriestaaten nicht nur die Landwirte in Ländern der dritten Welt unter Druck setzt, sondern auch die in den wohlhabenden Ländern. Oder dass in Südamerika Regenwälder gerodet werden, um Soja für den europäischen Markt anzubauen während gleichzeitig exportiertes deutsches Billigfleisch afrikanischen Landwirten die Lebensgrundlage entzieht. Es geht jedoch viel weiter, bis zur Problematik der Konzentration auf Massenartikel oder der Standardisierung von Anbausystemen angesichts verschiedenster lokaler Bedingungen.

Der Weltagrarbericht

Die Ergebnisse des Weltagrarberichts wurden in einer Broschüre griffig zusammengefasst, die die wichtigsten Probleme zusammenfasst und Lösungen vorschlägt. Sie steht frei zum Download bereit: Wege aus der Hungerkrise (.pdf, 2,4MB). (Update April 2014: Hier gibt es die aktuelle Version des Berichts)

Jeder muss begreifen, dass die Nahrung, ohne die wir nicht überleben können, aus der Natur kommt und kommen muss. Unser Planet kann durchaus auch mehr als 9 Milliarden Menschen mit Nahrung versorgen. Unser Problem besteht nicht etwa in der Erzeugung von Lebensmitteln, sondern in der Verteilung. In den Industriestaaten werden 50-60% aller Lebensmittel unbenutzt auf den Müll geworfen.

Dies sind vornehmlich Probleme, die Aufgabe der Politik zu sein scheinen. Der Bürger in seiner Rolle als Verbraucher kann darauf nur wenig direkten Einfluss nehmen. Doch auch er ist verantwortlich und indirekt kann er sehr wohl etwas gegen diese Missstände tun.

Was kann der Verbraucher tun?

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die jeder einzelne von uns zur Lösung der auch im Weltagrarbericht genannten Probleme beitragen kann. Der erste Schritt ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass die Ressourcen unseres Planeten begrenzt sind. Wenn Sie an einer Lösung des Problems mitarbeiten möchten, finden Sie im Folgenden beispielhaft ein paar Lösungsvorschläge:

1. Werfen Sie keine Lebensmittel weg (…und sparen Sie Geld und Ressourcen)

Wenn in einem Haushalt Lebensmittel verderben, dann wurde schlecht geplant. Meist ist Überfluss der Grund. Ist es wirklich nötig, 10 verschiedene Sorten Aufschnitt parat zu haben? Muss wirklich so viel Joghurt gekauft werden, dass er nicht verzehrt werden kann, bevor er verschimmelt? Jedes Stück das weggeworfen wird, wurde unnötig produziert und hat so Ressourcen vergeudet. Es ist nur ein wenig Planung nötig, um mit einem einzigen Einkauf alles nötige für eine ganze Woche zu besorgen.

So sparen Sie viel Geld, erfreuen Sie sich stets frischer, knackiger Lebensmittel und helfen obendrein, unser Nahrungsmittelsystem zu reparieren.

2. Unterstützen Sie den ökologischen Landbau.

Der Ökologische Landbau und die sogenannten Bio-Produkte sind gewiss nicht perfekt und noch lange nicht die Lösung aller Probleme. Aber sie sind ein guter, erster Schritt in die richtige Richtung. Solange der Verbraucher nicht das Signal gibt, dass auch er bereit ist, etwas für seine Umwelt zu tun, kann sich der Ökolandbau nicht gegen die konventionelle Lebensmittelindustrie durchsetzen.

Eine der Hauptursachen für den höheren Preis der Bio-Produkte sind lediglich die geringen umgesetzten Stückzahlen. Tatsächlich sind auch viele konventionelle Produkte nur deswegen billiger als die ökologisch nachhaltig produzierte Ware, weil große Teile der Produktionskosten externalisiert, das heißt auf die Gemeinschaft abgewälzt werden. Die Umweltverschmutzung, Tierqualen, Luftbelastung und sozialen Probleme, die die konventionelle Produktion zum Beispiel in der industriellen Fleischproduktion verursacht, bezahlen Sie als Verbraucher eben nicht an der Kasse, sondern auf Umwegen mit Steuergeldern, Subventionen und Ihrer eigenen Gesundheit.

Kaufen Sie Bio-Produkte, setzen Sie damit das Signal für einen Umschwung und profitieren Sie in Zukunft von fairen Preisen für Lebensmittel.

3. Gehen Sie sparsam mit Wasser um (und sparen Sie dabei Geld…)

Es ist richtig, dass kein Tropfen Wasser unseren Planeten verlässt. Die Herausforderung ist jedoch, so mit dem Wasser umzugehen, dass es optimal genutzt werden kann. Die Industrieländer sorgen mit großem Eifer dafür, dass täglich große Wassermengen langfristig unbrauchbar gemacht werden.

Auch in jedem einzelnen Haushalt geht täglich mehr Wasser verloren, als nötig. Es ist wirklich nicht nötig, den Rasen zu sprengen nur damit er auch im Hochsommer dunkelgrün bleibt. Das Wasser muss auch beim Zähneputzen nicht weiterlaufen. Auch der aufgestellte Pool im Garten wird oft nur ein oder zwei Mal benutzt, was es kaum Wert ist, dafür mehr Wasser zu verwenden, als eine sechsköpfige Familie ein Jahr zum Überleben braucht*.

Wasser ist bei uns (noch) ein günstiges Gut. Doch jeder Tropfen, den Sie sparen, schont Ihr Portemonnaie und die Umwelt.

(* ausgehend von einem Pool mit 2,5m Durchmesser und einer Höhe von 1,2m, denn dies entspricht rund 5900l Wasser.)

4. Unterstützen Sie regional und saisonal produzierte Ware.

Jeder Artikel, den Sie nicht im Supermarkt, sondern direkt bei einem Erzeuger beispielsweise auf dem Wochenmarkt kaufen, ist eine aktive Entscheidung gegen die großen Lebensmittelkonzerne. Ein Supermarkt mag zunächst komfortabel erscheinen, doch er ist abhängig von einer großen Kette von Handels- und Produktionsunternehmen in der ganzen Welt.

Wenn Sie hingegen direkt beim Erzeuger kaufen, stärken Sie nicht nur ihn, sondern der gesamten Region. Denn die Wertschöpfung und so auch der steuerliche Vorteil bleibt in Ihrer Kommune und Sie unterstützen damit direkt die Ernährungssouveränität Ihrer Gemeinde.

Je mehr sie die lokale Wirtschaft unterstützen, desto weniger Geld steht den global agierenden Konzernen zur Verfügung, deren Geschäftsmodell oftmals auf der Ausbeutung von Tieren, Menschen und Umwelt basiert.

“Ressourcen zu sparen ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Zeichen von Intelligenz.”

Zusammenfassung des Weltagrarberichts als Broschüre zum Download: Wege aus der Hungerkrise (.pdf, 2,4MB) (Update April 2014Hier gibt es die aktuelle Version des Berichts)

3 Kommentare zu “Der Weltagrarbericht

  1. zela72

    Hallo,

    ich frage mich in Bezug auf Überbevölkerung und Überfluss und Ressourcenverschwendung immer wieder, ob Fleisch essen, insbesondere täglich, eigentlich vertretbar ist? Ich versuche immer wieder mal meine Ernährung umzustelllen, weil ich immer weiter zunehme und erste Gesundheitsprobleme (werde 40, habe Gelenkbeschwerden, Allergie, Darmprobleme, üblen Mundgeruch)habe. Ich bin verwirrt über Grüne Smoothies auf der einen Seite und Urernährung auf der anderen. Die Urernährung kommt meinem Geschmack sehr entgegen, die Grünen Smoothies klingen nach Umweltfreundlicher (jedenfalls wenn heimisches Obst bevorzugt wird). Beides scheint es in Naturvölkern zu geben (inuit vs., alle verzichten aber auf Industrieprodukte (Mehl, Zucker außer Fruchtzucker). Ohne Fleisch, ohne Milch und mit wenig Kohlenhydraten komme ich nicht klar, habe es nie länger als 1-2 Tage durchgehalten.

    1. Felix

      Hi,
      das mit den Smoothies kann ich nicht nachvollziehen, weil ich es sehr wenig ansprechend finde, Lebensmittel immer nur zu pürieren.
      Die Frage mit dem Fleisch muss weiter definiert und individuell betrachtet werden. Erstens: Wie viel Fleisch täglich? Zweitens: Gibt deine Region das her?
      Das Problem ist ja gerade die zentralisierte Regulierung. Wenn es bei dir zu Hause nur Weideland gibt, Magerrasen meinetwegen, dann hast du da nichts von, weil du kein Gras essen/verdauen kannst. Wenn du da aber ein paar Schafe drauf stellst, kannst du deren Fleisch essen. Das kann dann auch nachhaltig sein. Problematisch nicht das Fleisch als solches, sondern gegebenenfalls die Art der Erzeugung. Siehe auch: http://www.urgeschmack.de/fleischerzeugung-kann-das-klima-schuetzen-urgeschmack-tv-ep-79/

      Ohne Fleisch UND Milch UND Kohlenhydrate – da bleibt ja auch nichts mehr übrig. Das kann niemand durchhalten. Aber wenig Fleisch, mehr Gemüse, wenig Zucker, das wäre doch ein Ansatz. Versuche, dich stückweise an dein Ziel anzunähern.

  2. Pingback: Urgeschmack — Wie viele Menschen können auf der Erde leben?

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