Balance: Die beste Ernährung

BalanceDie Erfolge einer Ernährungsumstellung auf Vegan, Paleo, Rohkost oder LowCarb sind unbestreitbar. Doch allein ein Speiseplan ohne Fleisch oder Getreide, Gegartes oder Kohlen­hydrate kann dies nicht zweifelsfrei erklären. Der Erfolg selbst so grund­ver­schieden wirken­der Konzepte wie Vegan und Paleo hat viel­mehr die gleiche Ursache: Balance.

Balance als Schutz

»Alles ist Gift, es ist Gift in allem; die Dosis macht das Gift.« Paracelsus’ Erkenntnisse sollten uns eigentlich die Chancen einer ausgewogenen Ernährung vor Augen führen. Trotzdem ernähren sich viele einseitig und schaden so langfristig ihrem Organismus. Dabei könnte es so einfach sein.

Denn der Mensch ist Omnivore und Opportunist. Seine Stärke liegt in seiner Flexibilität, auch in der Ernährung. Pflanzen-, Pilz und Tierprodukte: Nur wenige Säugetiere erfreuen sich solch eines vielfältigen Speiseplans. Diese Stärke sollten wir nutzen und fördern – durch eine vielseitige Ernährung.

Stellt sich eine Ernährung von nur Getreide, nur Fleisch, nur Obst oder nur Gemüse als unvorteilhaft heraus, muss das nicht gleich den Totalausschluss einzelner Nahrungsmittel bedeuten. Bis auf wenige Fälle genügt, lediglich eine neue Balance zu finden und diese regelmäßig auszutarieren.

Ist Fleisch ungesund?

Wer viel Fleisch isst, stirbt früh, so die landläufige Meinung. Statistiken stützen diese These und in der Folge landet der Verzehr von Fleisch pauschal in der Schublade mit der Aufschrift Ungesund. Abgesehen von der Ignoranz hinsichtlich Qualität und Quantität lässt diese Herangehensweise eines außer Acht:

Wer viel Fleisch verzehrt, isst dafür etwas anderes nicht. Stillt man seinen Energiebedarf vornehmlich durch Tierprodukte, führt man sich zugleich wenig Pflanzenprodukte und deren Mikronährstoffe zu.

Bis heute haben wir für die vielzitierte Schädlichkeit von Fleisch keinen Beweis nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Jedoch wissen wir um den Nährstoffbedarf des Menschen. Und wenn wir diesen nicht decken, erkrankt der Organismus. Die schlechte Statistik für Fleischesser können wir daher mindestens auch auf den Gemüsemangel zurückführen: Viel Fleisch ist nicht zwingend ungesund aufgrund des Fleisches, sondern möglicherweise aufgrund des Mangels an Pflanzenstoffen.

Ist Getreide ungesund?

Morgens Brot, mittags Nudeln, abends Pizza: Wer solch eine getreidelastige Ernährung etwa durch den Umstieg auf die Paleo-Diät hinter sich lässt, isst meist mehr Gemüse, Obst und Fett, denn irgendwoher muss die Energie kommen. Dementsprechend steigt die Vielfalt in der Ernährung und damit die Nährstoffversorgung. Der Gesundheitszustand mag sich durch die Ernährungsumstellung also bessern. Doch liegt dies am Getreideverzicht, dem reduzierten Kohlenhydratkonsum oder schlicht an der besseren Nährstoffversorgung durch mehr Gemüse?

Von möglichen tatsächlichen Unverträglichkeiten gegenüber Getreidebestandteilen abgesehen, ließe sich das gleiche Ergebnis womöglich auch ohne Totalverzicht und mit gelegentlichem Getreidekonsum erreichen. Eben durch eine balancierte, eine ausgewogene Ernährung.

Die bösen Kohlenhydrate

LowCarb, der Verzicht auf Kohlenhydrate zum Abnehmen, funktioniert zweifelsfrei. Doch auch hier lassen sich bis auf wenige Ausnahmen die meisten Erfolge durch das Finden der Balance erklären. Brot, Nudeln, Kartoffeln, Kuchen, Pizza, Schokoriegel, Soße, Limonade, Kaffee mit Zucker – damit ließe sich der Speiseplan vieler Menschen erschöpfend beschreiben. So jemand lebt an einem extremen Rand der Ernährung mit vielen Kohlenhydraten, häufig stellt sich Übergewicht ein. Verzichtet der Kandidat auf Kohlenhydrate, nimmt er rasend schnell ab.

Schuld sind allerdings auch hier nicht die Kohlenhydrate, sondern ihre Menge. Müssen Brot, Kartoffeln und Schokolade für immer vom Speiseplan verschwinden, um schlank zu bleiben? Natürlich nicht. Doch dazwischen sollten auch Brokkoli, Tomaten, Pilze und Möhren Platz finden. Eine Balance zwischen HighCarb und LowCarb.

Ist gekochtes Essen schädlich?

Auch der Rohköstler kommt häufig aus einer Umgebung, in der er sich überwiegend von Fast Food und stark verarbeiteten Produkten ernährt hat. Jede Umstellung, jeder Schritt weg von industriellen Fertigprodukten hin zu sorgfältiger Ernährung ist dann ein Fortschritt für die Gesundheit. Der Erfolg liegt nicht in der Rohkost per se, sondern auch hier in der besseren Nährstoffversorgung, welche sich auch anders realisieren lässt (z.B. auch durch Paleo, Vegan oder LowCarb).

Ist Fast Food ungesund?

Prinzipiell ist die Situation auch bei Fertigprodukten nicht anders. Da hier allerdings der Preis im Fokus steht, handelt es sich in der Regel um minderwertige und nicht selten schadstoffbelastete Zutaten. Diese schaden teils in der Tat per se der Gesundheit. Wer sich bewusst ernährt und Fertigprodukte und Fast Food meidet, muss zwangsläufig etwas anderes essen. Er isst im Idealfall mehr frisches Gemüse, versorgt sich auf diese Weise besser mit Nährstoffen und drosselt dadurch meist auch die Schadstoffzufuhr. Auch verzehrt er in der Regel weniger der von der Industrie zur Appetitsteuerung eingesetzten Zutaten Salz, Zucker und Fett. In der Folge isst er insgesamt weniger und nimmt vermutlich ab.

Hier ist es also der Verzicht auf Fast Food allein, welcher Vorteile bringt, selbst wenn man – rein hypothetisch – als Ersatz nichts anderes isst.

Dennoch ist der Mensch ein sehr robustes Tier und ein gelegentlicher Griff zu Fast Food (nicht täglich, nicht wöchentlich) sollte seinem Organismus nicht nachhaltig schaden. Auch hier gilt das Prinzip der Balance.

Wie finde ich meine Balance?

Nur eine ausgewogene, vielseitige Ernährung bringt genau die Balance, die unserem Körper Höchstleistungen ermöglicht. Unser Organismus verändert sich im Verlaufe des Lebens und damit auch der Nährstoffbedarf und die Nährstoffverwertung. Das Essen, das wir als Jugendliche bestens vertragen, kann uns im 60. Lebensjahr Schwierigkeiten bereiten. Darüber hinaus sind Menschen verschieden hinsichtlich ihrer Ansprüche, Genetik und Darmflora. Eine einzige Lösung für alle gibt es daher nicht.

Die optimale Ernährung finden wir nur durch stets aufmerksames Essen. Extreme an allen Seiten (niemals Gemüse, niemals Obst, niemals Tierprodukte, niemals Getreide) erweisen sich meist als Sackgasse und unnötige Hürde auf dem Weg zur optimalen Ernährung. Nebenbei bemerkt: Die individuell optimierte Ernährung versorgt nicht nur den Körper mit Nährstoffen. Vielmehr pflegt sie auch Geist und Seele, indem sie uns Freude bereitet und nicht sozial isoliert.

Wer selbst kocht und sich mit seinem Essen aktiv beschäftigt, hat die volle Kontrolle über seine Ernährung. Das hilft, am schnellsten das beste Essen für sich selbst zu finden. Es ist ein fortlaufendes Experiment, bestimmt allein durch das Individuum und dessen Ansprüche.

  • Bleiben Sie offen für Änderungen Ihrer Bedürfnisse und ihres Geschmacks. Unangenehme Kindheitserinnerungen an Möhren oder Spinat müssen und sollten diese Lebensmittel nicht für den Rest des Lebens vom Teller verdrängen.
  • Meiden Sie Extreme sowohl beim Verzehr als auch beim Verzicht. Denken Sie neben dem Körper auch an den geistigen und seelischen Effekt der Nahrung.
  • Kochen Sie selbst, übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Essen und experimentieren Sie furchtlos.

Es ist Ihr Leben. Nur Sie selbst können herausfinden, was das Beste für Sie ist.

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31 Kommentare zu “Balance: Die beste Ernährung

  1. Stefan

    Hallo Felix,

    schön dass du das so aufbereitet hast. Diese Verfechter von “DAS ist das einzig wahre!” halten ja auch ihre “richtige” Ernährungsweise auf Dauer nicht durch. Wichtig ist doch einen gesunden, praktikablen Weg in Balance zu gehen und sich an den guten alten Paracelsus zu erinnern.

    Gruß,
    Stefan

  2. Nina

    Hallo!
    Danke für diese Seite, habe sie erst entdeckt und lese seit 30 Minuten.
    Mir gefällt, dass es um “gesund sein” geht und keine “Ernährungsform” verteufelt wird.

    Ich selbst habe Diabetes Typ 1 und seit neustem eine Glutenunverträglichkeit(Blähbauch und Völle). Und ich würde mich gerne ausgewogen ernähren.

    Die letzten Monate habe ich Low Carb ausprobiert, als ich im Urlaub war (gab jeden Tag ausgewogenes Buffet). Meine Blutwerte haben sich extrem verbessert, ich habe mich klarer/leichter gefühlt und auch abgenommen.

    Zuhause klappt es nichtmehr so gut. Mir fehlt die Zeit jeden Tag zu kochen und wenn ich mit anderen Menschen oder der Familie unterwegs bin, werde ich skeptisch angeschaut wenn ich kein Brot oder Nudeln essen mag. Und ich Heißhunger spezifisch auf Kohlenhydrate bekomme. (Da hilft noch soviel Fett, Ballaststoffe und Eiweiß nicht). Mein Blutzucker schwankt dabei dann heftig, selbst wenn es nur 2 Pellkartoffeln sind, was meinen kompletten Stoffwechsel verwirrt.
    Auch beim Sport merke ich, dass mir die Power zum Gasgeben fehlt (Ausdauer funkt. schon).

    Wäre da eine Art Paleo-Ernährung besser?
    Gibt es auch Tipps zum Thema vorkochen oder FingerFoodSnacks?

    1. Felix

      Hallo Nina, eine Beratung aus der Ferne ist immer schwierig und die individuellen Ansprüche sind sehr verschieden. Paleo kann funktionieren. Was die KH angeht, könnte man es mit weniger schnell verdaulichen Produkten oder geringeren Mengen versuchen. DM Typ-1 ist eine Herausforderung, aber du scheinst auf einem guten Weg zu sein und ich bin sicher, dass du deine Lösung findest.

  3. Ellen Zimmermann

    Hallo Felix,

    auch mir gefällt Deine Seite und Deine Artikel immer wieder gut. Jetzt habe ich folgendes auf einer Webseite folgendes gelesen:
    Kohlenhydratarme Ernährung macht alt und krank
    Den gegenteiligen Trend zur Flut industrieller Lebensmittel erleben wir im Moment: Eine Ernährungsart wird propagiert, die aus einem Verzicht auf Kohlenhydraten besteht. Aber sind solche Null-Kohlenhydrat-Diäten wirklich gesund? Nein, überhaupt nicht. Stattdessen provozieren solche Diäten eine schnellere Alterung und die damit verbundenen Krankheiten. Wenn Sie auf alle Kohlenhydrate verzichten, empfindet Ihr Gehirn trotzdem den Bedarf nach Glukose, um zu arbeiten. Der einzige Ort, wo diese herkommen kann, sind Ihre Muskelzellen. Durch den Entzug arbeiten Ihre Muskeln aber nicht mehr ausreichend und verbrennen nicht mehr genügend Fett. Das Fett bleibt in Ihrem Körper und der Blutfettspiegel steigt an. Er begünstigt nicht nur das Entstehen von Arteriosklerose. Darüber hinaus steigt der Harnsäurespiegel, Gicht kommt hinzu und die Nieren werden außerordentlich belastet.

    Ein Frage: Darf ich Auszüge aus Deinen Texten für einen Workshop nutzen (natürlich mit dem Hinweis auf Deine Seite)? Schwerpunkt des Workshop sind die emotionale, mentale Aspekte und Überzeugungen, die das Abnehmen erschweren. Da ich aber auch auf Ernährung etwas eingehen möchte, finde ich Deine Seite sehr hilfreich im Ernährungs-Dschungel. Schon mal herzlichen Dank für Deine Antwort. Viele Grüße Ellen

    1. Felix

      Hallo Ellen, vielen Dank für dein Feedback. Was du über die Kohlenhydrate schreibst, ist nicht korrekt. Was die Texte angeht: Schreib’ mir dazu am besten eine E-Mail, das können wie sicher einfach klären.

  4. pia s.

    hallo alle zusammen, ich habe seid 10 jahre MS und habe wirklich mit gewicht zu kämpfen obwohl meine frau alles zucker und kalorienarm zu bereitet, ich esse viel obst, gemüse in allen formen rohkost genauso wie gekocht, kartoffeln und nudeln wenig, hülsenfrüchte nur selten und vollkornbrot nur mit körnern, eier evt. 2 mal im monat, dennoch steigt das gewicht, was könnt ihr mir empfehlen, bitte nicht unbezahlbares denn bekomme nur die kleine volle erwerbsunfähigkeitsrente…würde mich freuen wenn mir jemand wirklich tips aus erfahrung geben kann….

    1. Felix

      Hallo Pia,
      pauschal und aus der Ferne kann man da kaum etwas sinnvolles diagnostizieren. Eine allgemein hilfreiche Empfehlung ist in solchen Fällen die Einschränkung des Obstverzehrs (Kohlenhydrate), Verzicht auf Getreide (Kohlenhydrate und Gluten) und Kartoffeln (Kohlenhdrate). In diesem Fall scheint nur noch Obst verdächtig zu sein. Vielen hilft auch der Verzicht auf Milchprodukte. Und natürlich jeder Zentimeter Bewegung. Das beruht alles auf vielfacher Erfahrung. Genaueres kann man wirklich nur bei individueller und sorgfältiger Betrachtung sagen.
      Alles Gute!

  5. Christina

    Ich finde es schade, dass Paleo in Deutschland sich nicht durchsetzen kann und dass selbst Leute, die Paleo bekannt gemacht haben, jetzt so einen Wischwaschi schreiben. Paleo ist für Menschen mit gesundheitlichen Problemen eine feine Sache. Vegane Ernährung ist nicht in Balance, das steht schon mal fest. Wogegen es überhaupt keinerlei schädliche Wirkung hat, Getreide komplett wegzulassen. Wer will und kann, der kann auch mal einen Nicht-Paleo-Tag einlegen. Selbst Loren Cordain hat nichts dagegen. Ich tue dies nicht, weil ich eine Autoimmunkrankheit habe. Die Studien, die Fleisch verdammen, sind mit größter Vorsicht zu genießen. Es gibt hier eine politische Agenda: weg von natürlichem Essen, hin zu Fleischersatz aus den Laboren der Lebensmittelgroßindustrie: minderwertige Rohstoffe, die zu vergleichsweise horrenden Preisen mit Gesundheitsclaims an den Mann oder die Frau gebracht werden. Nachhaltige Landwirtschaft geht gar nicht ohne Viehzucht, aber das interessiert die Lebensmittelindustrie einen feuchten Fuzzi, da sie nur auf Profite aus ist. In Zukunft soll nur noch eine kleine Elite sich “echtes” Essen leisten können. Da soll die Reise hingehen. Deshalb wird man überall mit “vegan ist super” zugetextet. Das traurige ist: Deutschland war schon immer fest in der Hand der Körnerfresser und deshalb kommt das total an. Ich sehe das so: wer gesundheitliche Probleme hat, wie zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, wer den Eindruck hat, dass sich die Gedanken ständig um das Essen drehen (food addiction), der ist mit einer Paleo Ernährung gut versorgt und kann sein Wohlbefinden enorm verbessern. Wer normalgewichtig und gesund ist, sollte einfach weiter so essen, wie bisher. Offenbar funktioniert es ja für diese Person. Leider ist die Datenlage so dünn und so widersprüchlich, dass man nicht sagen kann, dass Paleo eine lebensverlängernde Wirkung hätte. Ich habe jedenfalls sehr großen Erfolg mit Autoimmune Paleo und das seit 2 Jahren. Meine Akne Inversa ist signifikant zurückgegangen, ich habe nur noch sehr, sehr selten Aphten (extrem schmerzhaft) und mein Gewicht ist stabil und, was mich total glücklich macht, meine Gedanken drehen sich NIE ums Essen.

    1. Felix

      Ich finde es schade, dass Paleo in Deutschland sich nicht durchsetzen kann

      Kann es nicht?

      und dass selbst Leute, die Paleo bekannt gemacht haben, jetzt so einen Wischwaschi schreiben.

      Zum Beispiel?

    2. Sophie

      Hallo Christina! Ich bin in vielen Punkten vollkommen bei Dir. Ich habe eine Panikstörung und kann den gesundhetlichen Benefit von einer Paleoernährung nur zu 200 Prozent unterschreiben. Ich lebe auch bis heute noch möglichst (so gut es geht) Paleo, besser gesagt: Paleo für Ausdauersportler, also Reis inklusive, da Low Carb meine Erkrankung deutlich verschlimmert. Meine Panikattacken kommen zurück und zwar schlimmer denn je, wenn ich nicht genügend Kohlenhydrate zu mir nehme und drohe, in die Ketose zu kommen. Kommt daher, dass der Körper in diesem Zustand Adrenalin (Stresshormon) ausschüttet, was gerade für Menschen mit Angstzuständen und Panik fatal ist! So, aber zurück zum Thema: Es gibt kein schwarz oder weiß, wie Felix hier wunderbar schreibt. Da kann ich nur 100 Prozent unterschreiben. Ich bin bis heute begeisterte Steinzeitlerin, allerdings nicht schwarz oder weiß, bei mir scheitert es oft am Zeitmangel: Vollzeitjob mit langem Arbeitsweg, 3-4x die Woche intensiv Sport, dann will der Haushalt ja auch noch gemacht sein, Freunde hat man ja auch noch. Ergo, bleibt mir im Alltag oft herzlich wenig Zeit zu kochen. Mit 100 Prozent Paleo würde ich extrem ins Schleudern kommen, warum also nicht einfach 70-80 Prozent Paleo und die restlichen 20-30 Prozent nehm ich locker. Es gibt Bioprodukte ohne jegliche Zusätze, nur nicht alle Zutaten sind da halt paleokonform. Wenn´s schnell gehen muss, drück ich n Auge zu und die Soße darf dann auch mal aus dem Glas sein oder es dürfen auch mal Würstchen sein. Das meint der Felix mit Balance. Man sollte sich nicht zu stark unter Druck setzen. Eine 100 prozentige Paleoernährung würde ich wie gesagt zeitlich nie schaffen, außerdem gibt es Dinge, auf die ich nie und nimmer verzichten will. Warum sollte ich mir dann meinen über alles geliebten Käse verkneifen? Reicht es nicht, wenn ich ich damit einfach nur zurückhalte? Bin ich dann keine Paleoanerin mehr? Ich finde es vollkommen richtig, nicht nur schwarz oder weiß zu denken, sondern eben in verschiedenen Graustufen. Ich finde es auch eine super Sache, die Industrie möglichst nicht zu unterstützen, aber es gibt kein entweder 100 Prozent oder gar nicht. Jeder, der zumindest weniger davon kauft und isst, tut schon etwas für sich und die Umwelt. Steter Tropfen höhlt den Stein.

  6. Sophie

    Dieser Artikel schreibt mir aus dem Herzen. Endlich einmal jemand, der auf die Balance eingeht und nicht radikal und reißerisch gegen Kohlenhydrate, Fleisch oder sonstwas predigt. Ich habe schon verschiedene Ernährungsformen ausprobiert: Vegetarisch, Low Carb und strikt Paleo. Ich bin mit allen drei Ernährungsformen kläglich gescheitert, als ich sie strikt befolgt hatte. Beim Vegetarismus war ich ständig schlapp und litt unter schwerem Eisenmangel, das Schlimmste war Low Carb mit fürchterlichen Magenschmerzen, Kopfschmerzen, immer wieder Blasenentzündungen und Gelenkschmerzen, nach 6 Wochen gab ich auf. Paleo war bislang das Beste. ABER! Ich bin 100 % berufstätig plus sportlich, aktiv und viel unterwegs in der Freizeit. Gescheitert bin ich da am chronischen Zeitmangel und ab und zu an einer akuten Kochunlust. Balance heißt die Lösung. Wenn es mal schnell gehen muss, darf es mal ein nicht paleolithisches Gericht sein. Kein Fertiggericht mit 300 Zusatzstoffen, sondern Käse, Bio Salami Snack, ein Milchprodukt, Tofu, Bio Wiener Würstchen oder Bratwurst, 2 Minuten Reis und gibt inzwischen auch Soßen aus dem Glas ohne Zucker und ohne Zusatzstoffe (z.B. von Zwergenwiese). Wichtig ist, sich keinen Druck zu machen. Das sind meine 2 cents dazu.

    1. Felix

      Danke für dein Feedback. Ich denke, deine Erfahrungen mit den verschiedenen Extremen sind trotz der Misserfolge letzlich wertvolle Anhaltspunkte zum Finden deiner persönlichen Balance.

      1. Sophie

        Hallo Felix! Ja, das ist vollkommen richtig. Aber soll auch vielleicht eine kleine Anregung sein, bei den Paleomenüs auch an uns full time jobber zu denken? All die tollen Rezepte und Menus sind herrlich, superlecker und gesund – nur leider im Berufsalltag sehr sehr schwer umsetzbar. Schade!

        1. Felix

          Hallo Sophie, für mich als ebenfalls vollzeit arbeitenden sind die Rezepte kein Problem – du siehst, es ist alles sehr subjektiv und eine Frage der Prioritäten. Deswegen liegt mein Ansatz mittlerweile weniger auf konkreten Rezepten sondern eher darauf, bei der Wertschätzung des Essens anzusetzen und darauf aufzubauen. Soweit dies jeder einzelne für sich für möglich und wichtig hält. Danach kann man dann konkretisieren und sich um Rezepte kümmern.

          1. Sophie

            Hallo Felix. Das kann man so jetzt schlecht beurteilen, kommt immer auf die Arbeitszeiten, den Arbeitsweg, die Kochmöglichkeiten am Arbeitsplatz, Homeofficemöglichkeiten, die Partner- u. Familiensituation und die Hobbys & Termine in der Freizeit an. Full time jobber ist nicht gleich full time jobber.

  7. Walter

    Das Loslösen von allen Ernährungstheorien, das Suchen und das Finden meiner persönlichen Balance war kein leichter Weg. Der grandiose Erfolg mit meiner persönlichen Balance hat mein Körper in einigen Jahren 40 kG Übergewicht abgebaut.

  8. Claudia

    hach ja die guten alten themen zum jahresanfang mal wieder… aber ehrlich gesagt steigt man bei all den massen an informationen zum thema ernährung gar nicht mehr so richtig durch. ich weiß nur dass das kinderhotel kronplatz in dem wir in den zeugnisferien mit den kids sind mich zum schlemmen einlädt.
    trotzdem danke für den gut recherchierten artikel 😉
    Claudia

  9. odomos

    Hallo Felix. Vorneweg: ich finde deine Seite und deine Beiträge wirklich gut und habe schon viel Interessantes von dir gelesen und auch gute Rezepte gefunden.
    Den aktuellen Artikel finde ich persönlich allerdings etwas schwach. Warum eine Ernährung zb. ohne Getreide extrem sein soll, verstehe ich nicht. Etwas wegzulassen macht eine Ernährung nur dann extrem, wenn man es als normal ansieht von allem zu essen. Das muss aber keineswegs so sein. Früher war eine Ernährung ohne Getreide vermutlich “das Normale”.
    In deinem Artikel kommt es aber so rüber, dass eben genau die Vielfalt an Allem normal sei und konsequenter Verzicht auf etwas ein negatives Extrem. Stattdessen solle man lediglich mit den Mengen variieren. Natürlich ist das nicht verkehrt, aber es macht das konsequente Ausschließen eines Lebensmittels doch nicht Falsch oder Extrem. Auch das ist doch eine Facette der Möglichkeiten. Warum diese per se abwerten?
    Auch finde ich es etwas schade, dass du so ausgelutschte Äußerungen wie “balancierte, ausgewogene Ernährung” benutzt, ein Schlagwort ohne wirklichen Inhalt. Denn welche Ernährung ist ausgewogen, balanciert? Welche Maßstäbe gibt es dafür? Stört das Weglassen einer Nahrungsgruppe wirklich die Balance? Auch die DGE empfiehlt eine ausgewogene Ernährung und liefert hierfür konkrete Vorgaben (welche ich aber nicht teile).
    Du sagst, jeder Mensch soll für sich selbst herausfinden, was ihm gut tut und was nicht. Klar, aber macht man das nicht ohnehin? Ist diese Aussage nicht recht banal?
    Interessanter ist doch die Frage, welche Lebensmittel uns vielleicht schaden, ohne dass wir es sofort merken oder selbst einen Zusammenhang zwischen Lebensmittel und Krankheit herstellen. So schadet der Verzehr von Getreideprodukten nicht unmittelbar, dennoch ist ein Übermaß an Getreide eventuell schädlich für uns (?).
    Langfristige Folgen kann der Einzelne aber nicht durch kurzfristige Try-und-Error-Versuche herausfinden. Hierzu bedarf es ebend Informationen.
    In vielen Beiträgen zeigst du nüchtern und umfassend verschiedene Sichtweisen auf Lebensmittel und deren eventuelle Folgen. Der Leser wird informiert und kann sich aufbauend selbst ein Bild machen, was ich sehr begrüße.
    Der aktuelle Artikel liefert das leider nicht.

    1. Felix

      Hallo Odomos,
      danke für dein Feedback. Du scheinst dich überwiegend an dem Begriff Extrem zu stören. Mir scheint das nur eine unterschiedliche Perspektive zu sein. Die Ernährung ausschließlich von Getreide ist ein Extrem. Der totale Verzicht auf Getreide ist das gegenüberliegende Extrem. Ich benutze den Begriff im Wortsinn (äußerst, unübertrefflich) und nicht wertend. Du hingegen scheinst ihn wertend zu verstehen, wenn ich deine Zeilen richtig interpretiere.

      Getreide gehört seit mindestens über 100.000 Jahren zur Ernährung des Menschen, dazu gibt es entsprechende Fundorte.

      Dass eine ausgewogene Ernährung nicht definiert ist, ist doch gerade der Punkt – wo das persönliche Optimum der Balance liegt, kann jeder nur für sich selbst herausfinden.

      »In vielen Beiträgen zeigst du nüchtern und umfassend verschiedene Sichtweisen auf Lebensmittel und deren eventuelle Folgen. Der Leser wird informiert und kann sich aufbauend selbst ein Bild machen, was ich sehr begrüße.
      Der aktuelle Artikel liefert das leider nicht.«

      Dieser Artikel bietet eine nüchterne Perspektive auf fünf häufig thematisierte Bereiche der Ernährung mit jeweils eigener Sichtweise um anhand dieser Betrachtung den Wert der Balance zu verdeutlichen. Der Leser informiert sich angeregt dadurch und kann sich selbst ein Bild machen. Deinem abschließenden Urteil stimme ich daher nicht zu. Aber wir können ja auch unterschiedlicher Meinung sein.

  10. M.

    Hast du mal überlegt, ein Buch zu dieser Thematik zu schreiben? Ich meine, Ernährung in Bezug auf Wohlbefinden, Selbstliebe, sowohl-als-auch statt des entweder-oder. Ich finde, deine Beiträge in der letzten Zeit so wunderbar und heilsam.
    Ich würde es direkt lesen wollen!

  11. Fox

    Hallo Felix,
    ein Artikel der mir aus der Seele spricht! Deine Texte sind schon gut, werden aber immer besser (weiser)!

  12. Fabian

    Danke für diesen tollen und differenzierten Artikel.

    Da ich mich, seit dem ich bei meinem Eltern ausgezogen bin, zu viel durch Fertigprodukte (Tiefkühlpizza usw.) ernährt habe, habe ich beschlossen, meine Ernährung 2016 auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung umzustellen. Bin dabei sehr schnell auf Paleo gestoßen und fand das auch toll, aber mittlerweile sehe ich das differenzierter. Ich werde definitiv keine Lebensmittelgruppen ausschließen, sondern mich gesund und mit guten Zutaten ernähren. Ich denke, das tut uns langfristig am besten, vor allem seelisch. Niiiiiiiiemals kann und will ich auf ein Vollkornbrot mit Quark verzichten. 🙂

    1. Petra

      Hallo Fabian,
      ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg und Genuss bei Deiner Ernährungsreise.
      Zu Deiner Überzeugung, definitiv keine Lebensmittelgruppe auszuschließen und niiiiiiemals auf ein Vollkornbrot mit Quark zu verzichten 🙂 wünsche ich Dir ebenfalls gutes Gelingen.

      Aber bitte bleib offen für ein bisschen experimentieren, ok?

      Ich hätte mir früher nie vorstellen können, mal auf alles Getreide außer ab und zu Reis und alle Milchprodukte außer Butter zu verzichten. Morgens meine Haferflocken mit Milch und nem Apfel drin waren ein Hochgenuss.
      Aber ich esse sowas jetzt schon seit einiger Zeit, freiwillig, nicht mehr und auch wenn es vielleicht ziemlich extrem erscheint – für mich ist es ein großer Gewinn!

      Denn ich habe durch Versuchen herausgefunden, dass ich Milchprodukte und Getreide einfach nicht gut vertrage. Und zwar egal welcher Qualität, ob nun die Billigmilch oder das weiße Toastbrot aus dem Supermarkt oder die Frischmilch und das Urkorn-Biobrot vom Bioladen.

      Trinke ich Milch oder esse Quark, Käse usw. tun mir am nächsten Tag meine Gelenke so weh, dass ich mich kaum bewegen kann.
      Esse ich Brot, Nudeln, Pizza, Kuchen usw. fängt fast sofort meine Haut an zu jucken und meine Schuppenflechte kommt wieder zum Vorschein.

      Deswegen bin ich auf eine fast-Paleo Ernährung umgeschwenkt und habe damit das für mich genau Richtige gefunden.

      1. Werner, L.

        Liebe Petra, Deine Worte könnten meine eigenen sein. Ich glaube auch, dass wir Extreme brauchen, um nicht wieder fast unmerklich unserm Körper regelmäßig zu schaden. Rauchen ???? hat für mich nichts mit Urgeschmack zu tun, macht aber abhängig wie die Schokolade. Beim Rauchen habe ich mit 13 nach der 1. aufgehört. So extrem halte ich es mit Milch und Getreide, weil ich plötzlich keine Gelenke mehr spüre.
        Felix Dir will ich wie die meisten Vorredner für diesen weisen Vortrag zustimmend danken. Auf anderen Websites werden gerne Extreme gepredigt. Das Zitat von Paracelsius trifft es auf den i-Punkt.

  13. Alena

    Hallo Felix, wirklich wieder ein super Artikel!
    Ich find es klasse wie du auf die Grundsätzlichen Dinge eingehst und keine schwarz-weiß Malerei betreibst.
    Zudem sind deine Artikel kurzweilig und gut zu lesen, sehr informativ und logisch.

    Ich find es gut, dass es mal nicht um die eine perfekte Ernährung geht sondern darum ausgewogen und abwechslungsreich zu essen. Ich haben kürzlich mit meinem Mann gesprochen, dass wir doch in unserer Kindheit und Jugend beide durch Mama gut bekocht worden sind und da gab es auch keine extreme. Warum also immer auf der Suche sein nach dem nächsten Hype. Zudem finde ich es sehr anstrengend immer zu überlegen, was ich denn nun essen darf und was nicht.
    Wir kochen (fast) jeden Tag frisch und versuchen auf regionale Produkte zurück zu greifen.
    Dabei haben wir in den letzen Jahren auch immer mal wieder Ernährungsformen wie Paleo, low Carp oder Basisch versucht. Ich merke aber, dass es mir gut tut von allem etwas zu essen und es mich weniger unter Druck setzt und stresst als immer im Hinterkopf zu haben dieses oder jenes nicht essen zu dürfen.
    Viele Grüße

    1. Felix

      Danke für dein Feedback, Alena. Dass du eine für dich passende Herangehensweise an die Ernährung gefunden hast, finde ich toll.

  14. Gisela

    Wieder mal ein toller Artikel, Felix !
    Was mir wie immer sehr gefällt ist daß Du die Dinge sehr differenziert betrachtest und Dich nicht eingleisig auf einer immer gleichen Schiene bewegst .

Kommentare geschlossen.

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